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Nr. 34 Zweites

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

Di««ietzener Zamilicnblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das tireiiblatt sür den »reiz «letzen" zweimal wöchenltich. Dielandivirtichätlliiheu Seil- srqgen" erscheinen monatlich zweimal.

Blatt Jahrgang

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhefjen

vienstag. lO. 5ebruar !9!4

Rotationsdruck und Vertag der Br üblichen UniversikätS - Buch- und Eleindrnekerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul» slraß« 7. Expedition und Bering: MS bl. R,daktiol,:«^l13. Tel.-Adr.: AnjeigerKleßen.

Aus dem preußischen Abgeordnetenhaus.

Berlin, 9. Februar.

Der Voranschlag des Ministeriums des Innern, der heute in Angriff genommen wurde, gewährt bekanntlich die Möglichkeit, io ziemlich alle wichtigen Fragen zu besprechen. Diese Möglichkeit machte sieli zunäcltst der srerkonservative Abg. v. Äardorsi in ausaiebigstcm Maste zunutze. Er tadelte die späte Einbcruiiing des Landtages und die Redeinst der einzelnen Abgeordneten. er berührte den Fall Amundsen und beschuldigte den Rcichstagsabzeordneten Müller-Meiningen der Vcrunglimpsung des preußischen Staates im Reichstage, begangen durch die Behauptung, die prcnstischen Be­hörden vieitcn aus das Vcreursgesctz, Von einer Erweiterung des VereinSgeietzeS, die im Reichstage non der Linken gcioollt iviid, ioill der Redner nichts wissen. In Sachen der Wahlresorm prägte Herr v. Äardoss de» Satz: Die Wahlresorm wird nicht komnlcn. Dem Königswort in der Frage der Wahlresorm mißt er keine große Bedeutung bei, erklärt vielmehr, daß seine Freunde auch keine Be denken tragen, die Interessen dcS Königs und der Monarchie gc- gechenensalls tauch einnial gegen den Wunsch tz.s Königs zu vertreten. Die Hauptsache aber bleibt dem Redner w nachdrücklichc Bekämp­fung der Sozialdemokratie.

Tie erste Antwort wurde Herrn v. Kardorss, nachdem der Ien- trumsabgeordnne Linz, der vornehmlich über den Geburtenrück­gang und die Unsitte der Verhinderung der Empfängnis sprach, und der Minister des Innern v, Dallwitz, der sich besonders mit den Kölner Polizeiverhälmisien beschäftigte, zu Worte gekommen waren, von seiten des Abg, Tr, P a ch n i ck e lBolkspO, der eS sich u, a. angelegen sein ließ, die Angriffe aus die Natioualliberalen und speziell ans den Abg, Schiffer zu kennzeichnen, und des weiteren gegen uichesugte Anwendung des Vereinsgcsetzes,^gcgcn die Herr ». Kärdoris kein hartes Wort gesunden hatte, zu Felde zog, u. a, in Berücksichtigung des bekannten Verbots einer Vereinigung^dcr Schutzleute von Berlin. Er verbreitete sich weiter über den sog. Fall Iagow und rügte, daß der Minister in diesem Falle seiner Aus- kunftsvilicht bisher noch nicht nachgekonimcn sei: seine Freunde wür­den die Sache toeitcc verjolgcn. Den bclanntcn nationalliberalen Antrag Dr. v. Krause und Gen., zu dem inzwischen die Kon­servativen noch einen Abänderungsantrag eingcbrachl haben, lehnt Dr. Pachnicke ab. In der Frage der Wahlreforni verlangt er direktes und geheimes Wahlrecht.

Sehr wirkungsvoll war sodann die Rede des Abg. Dr. L o h- m a n n (Ntl.), der zunächst aus die Anrempelungen der National- liberalen seitens des Abg. von Kardorss einging, sich in der Zurück­weisung indcst Mäßigung auserlegtc, da er, wie er sagte, ge- wiisermasten int Aufträge seiner Fraktion als Leitmoliv das Wort der Reichskanzlers habe nehmen wollen, daß die b ü r ge r l i ch e n Parteien sich nicht z a irk e n solle». Scharte Worte sindct der Redner vor allem gegen die Sozialdemokratie, die gefährlichen Htaß dadurch erzeuge, daß sie Personen und Ereignisse, die uns so teuer ftnd, systematisch herabsctzc. Ihnen gegenüber sollte man die Arbeiterorganisationen stärken, die ans der Grundlage der heutigen Staats- und Gesellschaftsordnung stehen. Zu dem nationallibcralcn Anträge betont er, dast nian damit nur dein Rechte zum Siege verhelsen wolle, aber gar nicht daran denke, IN die wirtschaftlichen Kämpfe einzugreisc». Das Koalittonsrccht zu bekämpfen, wäre poli­tischer Wahnsinn. Herr Dr. Lohmann liest es sieh weiterhin nicht verdrießen, an einigen Beispielen konservative Praktiken, die da-, Gcvräge des Pharisäertums tragen, zu bclcuckiten, aber auch den ungerechtsertigtcn und klobigen Angriffe», wie sie sich von Zeit zu Zeck dasBerliner Tageblatt" gegen die Naiionallibcralcn und ihre Führer leistet, widniete er einige treiscnde Worte, Ferner sordcrtc der Rediicr u. a, Fortsetzung der bisherigen Polcnvolitik, Eintreten der Regierung im Bundesrat für Nichtaushebnng des 8 1 des Ie- snitengcsetzes, die Retorm des Wahlrechts in der nächsten Session und vor ollen, eine starke und stete Politik, die die Kräfte unseres Volkes entwickelt.

Nun folgte »och das übliche Klagelied der Polen, vorgctragen von Herrn S e y d a , der besonders gegen den Ostmarkcnvcrein wet­tert und eine Anzahl von Schriftstücken verliest, uni unexlaubtc Ver- lnndungcn zwischen diesem und dem ruihcnischen Nationalkomitce nachzvweisen. Er erhebt gegen den Ostniarkenverein und insbeson ­dere gegen denUltrakonscrvativcn" Herrn v. T i c d e IN a II n wei­tere schwerwiegende Anklagen, aus die sich zu äußern die Angegris- senen nicht umhin können werden.

Anträge im Reichstag.

Zur zweiten Beratung des Voranschlags des Rcrchsamts des Innern beantragt die nationalliberale Fraktion des Reichs­tags, den Reichskanzler zu ersuchen, im Reichshaushaltsvaran- siÄag für 1915 wesentlich größere Mittel einzustellen zur Förderung der wisscnschaftlichcn Ersorschung und Bekämpfung ticriichcr Sichädsingc der land- und sorsnvirischist ichcn Kulur- vslanzcn, insbesondere der den Obst- und Weinbau gefährdenden Insekten,

Tr, Gras v, PosadowSckp-W ebner stellt den An­trag, die verbündeten Regierungen zu ersuchen, aut der nächsten imernationalen Konicrenz von Bern daiür cinzntrcten, daß, vor- 1-ehaltlich vo» Ausnahmen im tccknisckien Interesse einzelner In­dustrien die Nachtarbeit für Jugendliche unter 18 Jahren ver­boten wird,

Bon den Abgg. Behrens und Dr, Dahlem werden die veihiindctcn Regierungen ersucht, aus Grund des 8 120k der Ge­werbeordnung baldigst eine Bundesratsverordnulig zu erlassen, durch welche die Arbeitszeit, insb'sondere die «onntag»- und Nach,ruhe der in der Binncnschissahrt und Flößerei beschäftigten Personen geregelt ivird.

Die Sozialdemokraten beantragen, einen Gesetzcntivurs vorzulegen, durcki welche» das Hebammcnwefen geregelt wird.

Ter Bn^gc auSschuß des R ihsags beantragt die Annahme iotgender Entschließungen zum Postvoranich ag, den Reichskanzler zu ersuchen, eine Erhöhung der Tagegelder der nicht eiats- mäftli angestellten Post und T e l c g r a v he n a s s i st e n t c n teil eiznfübreii, ebenso die Bezüge der weibliche» Gehil­finnen bei den Postämtern III, der gcsordcrtcn Dicnstleiüung enrsmechend, zu erhöhen, seiner nach Ablauf des ersten Betriebs- iabres der Krankenkassen über die Ergebnisse und Leistungen dem Reubstage Bericht zu erstatten unter Angabe der für eine Ge­sundung'und zweckmäßige Ausgestaltung der Kassen vcranlaßten und in Aussicht geiwnnncnen Maßnahmen.

Sitzung -es provinzialtaas -er Provinz Gberheffen.

Gießen, den 7. Februar 1914, Anwesend: Provinzialdircltor Gchcimerat Tr. u s i n g e r, als Vorsitzender, 23 Mitglieder, die Kreisrätc der Kreise Alsfeld, Friedberg Lauterbach und Schotten sowie die technischen Berater der Provinz, und zwar Geheimerat Prof, Tr, Kittlcr und Baurat Schöberl von Tarmstadt, .,

Ter Vorsitzende cröslnetc die Sitzung, begrüßte die Erichie- nenen und stellte die recht,eilige Einladung zu der heutigen Sitzung sowie die Beschlußfähigkeit der Versanrmlung teil. Zu Urkundspersonen wurden die Herren Oberbürgermeister Mcemn- Gießen und Geh. Iustizrat Rabenau-Budingen bestellt.

Zn P u n k t 1 der Tagesordnung: Prüfung der Er - aanzungswablcn znm Provinzialtag bemerkte der Vorsitzende, daß der Provinz,alaustckutz diei den Steilen Alsfeld, Büdingen, Friedberg, Sictzcn und Schotten statlgesundcnen

Wahlen zum Provinzialtag zur Genehmigung Vorschläge. In dem Kreise Lauterbach seien die Wahlen noch nicht erfolgt. Der Pro­vinz i a l t a g genehmigt hieraus c i n st i m m i g die Wie­derwahl der .Herren: H. Brauer, Ober-Osleiden, -Bürgermeister Neeb, Nieder-LlMkn, H, Koch XIV,, Alsield, Forstmeister Tr, Weber, Konradsdors, Kommerzienrat Trapp, Friedberg, Lckono- mjerat Falck, Friedberg, Geh, Iustizrat Jäckel, Friedberg, Bürger meister Reubl, Gambacki, Bürgermeister Zimmer, Grünberg, Bür­germeister Kromm, Schollen und die Neuwahl der Heepen: Bürgermeister Birkenstock. Ranstadt, Landgerichtsdirekror i. P. Bücking, Geh Kommerzienrat. Tr. Gail und Landgerichlsrat Neuenhagen, Gießen.

Punkt 2 der Tagesordnung: Tie Erweiterung der für das Gebiet des Ueberlandwerks Wölfers­heim bewilligten Kredite und vorgesehenen Lci- tungsanlagen

Ter Vorsitzende nimmt zunächst Bezug aus den in den Händen der Mitglieder besindlichen Antrag deS Provinzialaus- schusses nebst Anlage und verliest diesen Antrag, der lautet:

Es wird beantragt, der Provinzialtag wolle den Provinzial- ausschuß ermächtigen, aus Grund der gemachten Ausführungen den Betrag von 3 472 000 Mk., der sich Ivie folgt znsammenletzt.

1. Nachsorderung für den l. Ausbau 1265 000 Mk.

2. Innerer Ausbau der Gemeinden des ersten

Ausbaues 400000 Mk.

3. Zweiter Ausbau in den Kreisen Gießen,

Friedberg, Büdingen und Schotten 1 497 000 Mk.

4. Linie Freienseen-stockhausen-Flensungen-

Nieder-OhmenOber-Ohmen 310000 Mk.

durch ein Provinzanleben auszubringen, das je nach Lage des Geldmarktes mit t bis höchstens 4> .. Proz, jährlich zu ver- zinscn und spätestens vom 6. Bctriebsiahr an mit l Proz, zu tilgen ist,

Ter Vorsitzende weist in seinen hieran anschließenden Ausführungen u. a. daraus bin, daß die Nachsorderung von l 265 000 Mk. sich gegenüber den früher bewilligte» Miitcln zwar als Ueberschrcitung darstelle, in Wirklichkeit aber,eine solche nicht zu nennen sei, denn die Mehrforderung wäre in werbenden An­lagen investiert worden. Tie Entwickelung der Verhältnisse habe die Provinz einfach dazu gezwungen, weiter zu bauen, was sich schon aus folgendem ergäbe. Für den ersten Ausbau sei mit einem Anschluß von 40000 Lampe» gerechnet worden, während jetzt bereits 100 000 installiert seien: obwohl der Ausbau der Ortsnetze nur zu drei Viertel vorgesehen gewesen sei, hätte er infolge der überaus günstigen Anschlußbewegung vollständig bewirft werden müssen: es seien eine Menge neuer Zähler angeschasst, mehr Graiislampen gewährt und mehr Anschlutzlcitungcn gelegt worden Alle die hierdurch erwachsenen Kosten stellten wohl schon in der Hauvtsache die Mehranswendungen dar.

Baurat Schöberl: Es sei vielleicht zweckmäßig, sich im gegenwärtigen Augenblick ins Gedächtnis zurückzurusen, wie in> Lause der letzten Jahre das Bauprogranim nach ltmsang und Zeit erweitert worden wäre. Tas Projekt Lißberg sei im Jahre 1911 durcki das Projekt Wöllersheim ersetzt worden. Tie erste Vorlage habe sich auf 62 Gemeinden erstreckt. Scho» im Februar 1912 ici es notwendig gewesen, dieses Banprogramm anszudehnen und 1,1 Millionen neue Gelder zu fordern, um weitere 31 Gemeinden zum Anschluß zu bringen, d. b. die Gemeinden, die man sür den zweiten Ausbau vorgeseben hatte, lind was man heute als zweiten Ausbau betrachte, sei erst als dritter Ausbau gedacht gewesen. Tie neue Vorlage bringe den Anschluß von 55 weiteren Gemein- den mit sich. Es blieben dann noch übrig 34 Gemeinden in den Kreisen Büdingen und Schotten, abgesehen von den (Gemeinden des Kreises Schotten, die nördlich und nordwestlich des Vogels- bergcs lägen. Nach der heutigen Vorlage sei eine neue Kapftal- aufnahmc vo» rund 3,5 Millionen ersorderlich. Es stehe aber noch eine Kavitalauinahme bevor, NM die Kreise Alsfeld und Lauterbach und den nördlichen Teil des Kreises Schollen zu ver­sorgen Diese Versorgung erstrecke sich aus 128 Gemeinden, von denen 63 sofort und 65 schrittweise m Angriff genommen wer den sollten. Wenn er dies alles erwähne, so geschehe es zu dem Zweck um zu zeigen, wie die Provinzialverwoltung über den ursprünglichen Plan sehr rasch habe wegschreiten müssen, Tie Verhältnisse seien stärker als die ursprünglichen Aussichten go- wesen und man habe ihnen Rechnung getragen. Bei dem wc,-- lercn Vorgehen rate er zur größten Vorsicht, Man dur,c den wirtschaftlichen Gesichtsvunkt nicht aus den, Auge verlieren Ein Anlagekavttal von rund 9 Millionen sei letzt |chm da. Wenn man bedenke daß bei solchen Ueberlandwerlen die Bruttoein­nahmen mindestens 12 Proz. des Aniagelapilals betragen müß­ten so ergebe sich, daß das BersorgungSgebii-t der Provinz ogne die' Kreise Alsfeld und Lauterbach bereits eine Bruttoein- nab,»-- von l l Millionen eriordere. Tie 12 Prozent berechne er wie folgt- Zinse.. 4,5 Prozent, Abschreibung 2 Prozent. Reparaturen 1 Proz. und Stromlau, aus dem ftaattichei, Krait- werk und sonstige Nebenausgaben 4 S Proz. Man mulic viel­leicht sogar etwas höher gehen wie 12 Proz., weil die Erzeugung in einem iremden Kraftwerk stattsinde, das amü einen gew»,e Nutzen Halen wolle. Die Grätzenordnung: 1,1 Millionen Brutto­einnahme und 100000 Mk. Zuichutz. aus Provinzmitteln mahne zur Vorsicht. Daher sei der Vorschlag der Provinzialverwaltung, das Risiko in Alsfeld und Lauterback, nicht allein zu ragen, lehr begründet In den, Erläitteriingsberickit leien die Nackwrderungen ftn einzelnen nachgcwiesen, i° datz er zunachlt Nichts iveiter zu

sagen brauche, de bemerkt, daß von den Gemeinden des

Kreises friedberg nur »och drei von der Versorgung aus­geschlossen blieben, die eine geringe Einwohnerzahl hätten und schwierig zu versorgen wären, ww.e eine Gemein^, d,e der Vrovini nicht erlaubt »°be, mit der Fernleitung durch ihre Ge- inartana zu aeben Auch in den Kreilen Gießen und Büdingen würde» nacki eim Reihe von Gemeinden nicht angeichloffen. Der Ver­trag mit der Stadt Büdingen in von dem Promnzmlausichuß vorbehaltlich einer Neinen und oorzunehmenden lachlichen Fest­stellung genehmigt worden.

Kreisrat Freiherr Schenk zu Schweinsberg- T-riedbe'rq- Drei Gemeinde» des Kreises nriedberg leien von dem Ausbau ausgeschlossen. Er sei veranlaßt worden, der Er- ioäaung des Proviiizialtaas anheim zu geben, auch bteie Gemein- ben in den weiteren Ausbau niizuicklietzen. a.ic Gemeinden Kälten die ihnen s, Z. zugesandtcn Vertragsentwürfe unterschrie­ben und zwl'chendurcki icicu die Leute von Installationsftnnen veranlaßt worden, installieren zu lassen, so daß fast alle Häuser Installation batten. Es wäre deshalb dringend wünschenswert, daß die Gemeinden aus Billigkeitsgrüudeii angeschlosscn würden. Tie Ueberlandanlagc iolle ja ichließlich nicht allein ein geschäft­liches. sondern auch ein gemeinnütziges Unternehmen sein.

Geb Iustizrat Jäckel -Friedberg kann sich dem nur anschließcn. Der -Ausschluß der drei Orte schließe eine ge­wisse Unbilligkeit in sich und dann sei auch der Kreis Friedberg der leistungsfähigste der Provinz.

Bürgermeister All<es - Nieder-Florstadt bittet noch­mals seinen Sahn, den Gutspächter Alles, anichließen zu wollen. Ter Gutsherr Freiherr von Löw habe sich ,a allerdings s. Z. geweigert, Leitungsmasten aus seine Grundstücke stellen zu lassen, aber es handele sich doch um einen großen Abnehmer sür die Provinz,

Ter Vorsitzende erwid-rl, ob der K>eiS Friedberg oder der Kreis Ooeßen der l-istungSsäbigste ici, n»-lle er nicht enlsche!-- den. Die leistungsfähigen Kreise feiert doch auch dafür da, das; ie die ipe»»>er leistungsfähige» unteri'läigteii. Der Kreis Fried- beeg lönue Mit dem, ip.s bithcr sür ihn getan worden sei, recht zusiiehen sein. Er mochte biSen, an dem Programm iiichts zu ändern, dein was o.uqne» sonst erst die Kreise Büdingen und Schatten sagen, von denen eine ganze An>ahl iwn Eiemeindeir Nianqets sliljftaer Mittel jetzt »och nicht ver'orgt werden könnten. Es sei re»t schon, wenn man sage, das Unternehmen sei rin gcmefttnützigcs. Aber die Gcmeinmltzigkcit habe ihre Oirenze an der Leistnngswpigkcit, Wenn die Mittel es erlaubten, könne man später vielleicht die drei-meinden »och versorgen. Daß in den drei Gemeinden des KrerkaS Friedberg bereits Hausill» stallationen onageinhri ivaren, sei unerhört. In dem Gebiet oer Ueberlanoanlagc seien in Anbetracht deS verschiedentlich emv- sohlencn sreien Wettbewerbs jetzt über 70 Iastallan-iire konzcsiw niert, von denen wutzl einige auch da bereits installiert liätten, wo sie wußten oder mindestens hätten wissen müssen, daß in absehbarer Zeit gar keine Elektiizitäi binlomme, Helm die Früchte, die bu' freie Wettbewerb gexiligt hätte, wolle er sich nicht weiter verbreiten. Die Prouinz haoe jetzt ein Rundschreiben an sämtliche bis bcnte zugelassenen Installateure erlassen, in dem u, a. mit ?lftsschlß in den Falle» gedroht sei, die weitere Un- zulräqlichkeiten ertennen ließen. Was die Anfrage des Herrn Alles betreffe, so weise er darauf hin, daß die hier vorliegenden Verhältnisse im Provinzialtag schon einmal erörtert worden seien. Herr Alles möge sich einmal mit der Bauleitung der Provinz in Verbindung setzen, ob cs nicht technisch nuiglick sei, durch ein bewegliches Kabel wenigstens Tresckstrom zu erhalten.

Oekonomierat tz o sin a n » - H o sg ü l l befürwortet auch vom geschäftlichen Standvunlt aus den Anschluß Alles.

Oekonomierat F al ck-Fri ed b erg: Ob zwei oder drei Ge­meinden aus dem Kreise Friedberg keinen Strom bekäme», ob Herr Alles nicht anaeschloiscn werde, seien doch Sachen, die gegen­über der heutigen Vorlage nicht in Betracht kämen. Er komme zurück aut die Worte des Herrn Baurat Schöberl, daß man vor- sichftg sein müsse. Aus dem Provinzialausschuß, der bis zu 12 oder 15 Millionen auswcndcn solle, ruhe eine große Verantwor­tung. Er bitte die Herren, die sich zum Wort meldeten, das große Ganze im Auge zu behalten.

Banrat Schöberl-Darm stadt: Die FrageAlles" müsse später einmal in irgend einer Weise gelöst werden, denn jenen könne nicht sür alle Ewigkeit ausgeschlossen bleiben. Wenn man aber heute diesen Einzelsall erledige, so würden sich demnächst die in de» neuen Gebieten Anzuschließenden daraus berusen. Hier sei vor allem Konsequenz nötig, sodaiin müsse noch eine längere Zeit verstreichen mit Rücksicht aus das, was aus geschäft­lichen und allgemeinen Gründen notwendig sei.

Hieraus wird der Antrag des Provinzialaiis- s ch n s se s einstimmig a n g e n o in m e n.

Punkt?: Versorgung iv e i t c r c r G e l> i c i § £ c i 1 c der Provi n z mit elektrischer Energie.

Ter P r o v i»z i a l a u s s ch u ß bat hierzu beantragt, der Provinzialtag möge ihn ermächtigen, die Versorgung dee Äreise Alsield und Lautcrbaäi und des nördtickwn Teiles des Kreises Schotten g e m e i II I a in durch die Provinz und ein indn - strielles Unternehinen zu bewirken, zu diesem Zweck die ersvrdei lichen Verhandlungen zu führen und hierbei die Einheitlichkeii der Elcktrizitatsversargung, vor allem die Eindeitlichkcit der Ge- »rcindeverträge einschl. der Strompreise zu sichern.

Der Vorsitzende bemerkt dazu, daß die Vorteile, die einem großen Teil der Provinz bis jetzt gewährt worden seien, auch dem noch zurückstehenden Teil werden müßten, und zwar, wenn auch nur Schritt sür Schritt, so doch baldmöglichst. Er Iind Herr Baurat Schöberl hätten vorhin schon zum Ausdruck gebracht, daß die Provinz in dem Veriorgungsgebict des Ueber- landwerks Wölsersheim jetzt schon rin Kapital von rund 9 Mil­lionen Mark investiert habe. Kämen dazu noch die Kreise Als­feld und Lauterbach, so würde bas v o r e r st einen weiteren Zuwachs van über zwei Millionen Mark bedeuten, eine Summe, die der Provinzialausschuß bei den heutigen Ber- häftnisscn auizuwenden sich scheue. Es beständen aber auch noch sonstige Bedenken. Diese ließen sich dabi» zusammen fassen, daß man erst dann wegen des Ausbaues der ge­nannten Kreise im Regiebetriebe der Provinz einen Vorschlag machen könne, wenn ,zu übersebcn sei, wie die Provinz in denr ictzigen Veriorgungsgebiet abschneide. Solange lasse sich ober die Versorgung dieser Kreise nicht ausschieben. Der Provinzial- anskchuß habe deslialb geglaubt, Vorschlägen zu sollen, daß man beiivilich dieses Teiles der Provinz versuche, einen Dritten unter gewissen Bedingungen znm Bau zuzuziehcn, Baue die Pravinz die Anlagen und Leitungen selbst, so werde der Baugewinn von einem anderen gemacht, ohne daß sie einen Nutzen davon habe Andererseits könne man bei Verbandlungen mit einem Trftteu den Baugewinn sehr wohl eine Rolle spielen lassen. Die Ver­sorgung der Elemeinden müsse natürlich unter denselben Be­dingungen, wie die der übrigen erfolgen, die Verträge mit den Gemeinden müßten durch die Kreisämter abgeschlossen werden und der Banqcwin» sowie die Materialpreisc müßten vorher sestge. legt werden, ebenso Ivie das Recht der Provinz, die Anlage, ivann sie wolle, zu erwerben oder einem anderen zu übertragen. Natürlich habe der Provinzialtag einen derartigen Vertrag mit einem Tritten zu genehinigen. Er glaube, daß dieser Weg sür die Kreise Alsield und Lauterbach am ersten zum Ziele führe. Tie Provinz müsse sür diese Kreise sorgen, weil sie moralisch dazu vervilichtet sei, wolle es aber zunächst auf eine süb sie mög­lichst erträgliche Art versuchen.

Geh. Iustizrat Iöckel Friedberg: Der Ausdruck zu bewirken" sei zu scharf. Teni Provinziallandtag lllüsse selbsi- verstäudlich freie Hand gelassen werden.

Pom Vorsitzen d e u wird iwrgeschlagen, stattzu beioirkeu" zu sagenins Auge zu fassen".

Oberbürgermeister Meeum: Der Prooinzialdircktar habe die Vorteile auseinandergesetzt, die man vo» der Zuziehung eines industriellen Uniernchmens erwarte. Er könne sich diesen Hoffnungen nickt anschließen. Ei» industrielles Unn-rnehmen werde den Bau mir übernehmen, um Geld zu verdienen, Tieien Gewinn müsse entweder die Promnz als Zuschuß leisten oder selbst tiagen. Er wiftde gar leine Scheu trage», sür die Kreise -Alsield und Lauterback heute schon 3 Millionen anzufordern. Man solle die Versorgung, wen» auch nicht beschließen, io doch ernstlich ins Auge fassen Aber ine Provinz aljein solle bauen. Tic Finna werbe den Baugcwimi so berechnen, imß das Risiko des Verlustes inöglichst gedeckt werde. Er erinnere an die Straßenbabnen, die von Gemeinden erworben loorden seien. Tie Stadt Köln babe 15 Niillivnen Mark zahlen müssen für die Konzession der alten Pserdcbahm, um diese enfferuen zu können. Solckze Werke werde man Nicht wieder los. Er erinnere an die Straßenbahn in Berlin. Wemi man bei der Abiassunq der Verträge noch so vorsichsig sei, der Pserdeftlß komme doch nach. Er erinnere Ml die Schwierigkeiten, die die Gemeinden gehabt hätten, um die privaten Gaswerke zu bei eiligen. Heute noch existiere» vrivare Gasioerkc in Berlin und Frankfurt. Auch die Städte Mmnz, Wonms usw. hätte» nach seiner Ansicht besser die Beriorguna mit Elektrizftät selber vor- genommen. Er müchic deslhall bitten, zioi>ck>en den -Worten