Nr. 20 Drittes
«rscheinl täglich mit Ausnahme dis Sonntags.
Die „«itSmr >smnlle»blätl«k" werden den, .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt. das „lkreiiblatt für den Kreis Hießen" zweimal wöchenltich. Tie „candwirlschastllchen Zcit- sragen" erscheinen monatlich zweimal.
Blatt l54. Zaycgang
Ketzener AKzeiger
General-Anzeiger für Oderhrssen
Samstag. Z\. )anuar 19^
Rstationsdruc? und Verlag der Brübl'scherr Universität- - Buch- und Sreiudntckerei.
R. Lauge, Gießen.
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Ans ftcjic«.
Aus dem Finanzausschuß der Zweiten Kammer.
rb. D a r m st g d t, 30. Jan. Ter Finanzausschuß der Zwei t c n Ka IN I» e r setzte heute unter Vorsitz des stellvertretenden Präsidenten. Abg. Molthan, die gemeinsamen Besprechungen mit der Regierung über den Staatsvoranschlag sür 1014 Tort. Ta der Finanzausschuß der Ersten Kammer heute vormittag ohne Rcgicrungsvcrircter verhandelte, waren sowohl die Herren Staatsministcr Tr. v. Ewald, Finanzminister Tr. Braun und Minister des Innern v. H o m b c i g f, wie die Herren Staatsräte Tr. Becker, Süsse r t, Lorbachcr, Ministerialräte H ö l - zinger, Dr. Kratz, 2 ch l i c p l, a k c, Tr. Weber und Geb. Legationsrat Dr. Ncidhart zugegen. Bei Bcsorcchung des Kapitels Kameral- und Forstdoinänen wurde bezüglich der erhöhten Anforderung sür Ordens kosten daraus hingewiesen, daß die ser Posten sowohl im Voranschlag, wie in dem Gesetz über die Bcsoldungsresorm enthalten sei. Tie Regierung legte dar, vast die angesordertc höhere Summe von I I 000 Ml. notwendig sei und sic diese Position mit Rücksicht auf die Beschlüsse des Landtags eingestellt habe. Wenn cs gewünscht werde, könne ja in einer Anmerkung ausdrücklich erklärt werden, daß im Falle der Bewilligung die Position in dem anderen Gesetz in Wegfall komme. Beim Kap. 13, Landständc, wurde angesragt, ob die Regierung nicht nach im gegenwärtigen Landtag eine Vorlage über die anderweitige Regelung der Diäten frage für die Abgeordneten machen werde. Tic Regierung entgcgnete, daß sie dies noch »nt jetzigen Landtag zu tim beabsichtige .vorausgesetzt, daß jetzt auch die Besoldungs- Vorlage zur Verabschiedung gelange.
Beim Voranschlag des Finanzministeriums wurde die ,trage gestellt, ob die vierte Ministerialratsstclle im Finanzministerium notwendig sei. Finanzminister Tr. Braun erklärte, daß eine Minitterialratsstelle seither schon nicht iest besetzt war, sondern durch einen Vortragenden Rat versehen wurde. Dieser Zustand habe aber zu Mißlichkeiten geführt. Man sollte daher entweder die vierte Abteilung mit einem Ministerialrat besetzen oder man könnte auch den Versuch machen, die Abteilung auizutcilen und ne probeweise durch die anderen Abteilungen mitvcrsehcn zu lassen.
Beim Voranschlag des Minifteriumsdes Innern legte Minister v. H o m ü c r g k die absolute Notwendiglcit der Anstellung eines vierten Vortragenden Rats in der Schulabteilung dar. Unter der jetzige» Uebcrlast der Geschäfte leide besonders oie Inspektion der Volksschulen. Die erforderlichen Visitationen bei den Volksschulen könnten seither nicht mehr ausgeführt werden, weil der Referent sür das Volksschulwesen mit anderen Arbeiten überlastet war. Wie ^iark die Arbeit gewachsen sei, beweise der Umstand, daß seit dem Jahre 1000 I3L0 neue Volksschullehrerstellcu geschassen wurden.
Beim Kap. Obcrrechnungskammcr bemerkte Staats- Minister Dr. v. E w a l d daß mit dem Rücktritt eines Obcrrech- nungsrats eine der vier Stellen frei geworden sei und nicht wieder besetzt werden würde. Es wurde datnit ein Grbalr von 7776 Mk. gespart und damit ein früherer Wunsch der Kammer erfüllt.
Eine längere Aussprache entspann sich dann über die Frage einer anderweitigen Regelung des Kap. 63, F o n d s t ü r ö f fc n t- l i ch e und g e in c i » n ü tz i g c Zwecke., Der Ausschuß will, daß auch die Mittel dieses Fonds im Beträge von 167 270 Mark der landständischcn Kontrolle unterstellt werden. Demgegenüber beruft sich die Regierung aus die Vereinbarungen vom Jahre 1873 und auf das Gesetz vont 21. Dezember 1901, welches die Abgabe der Feuerveruchcrungsgcsellichasien mit 4 Prozent der Brutto- prämreneinnahmc diesem Fonds zuweist. Diese Prämieneinnahme ist sür 1914 auf 128 000 Mark berechnet. Eine Aendcrung dieser Bestimmungen könne nur durch Gesetz ersolgcu, .wogegen aber die Regierung Verwahrung ciiilegen müßte. Wenn dieser Fonds wirklich kingezogen werden sollte, so müßte sich die Regierung aus Stcuermiiteln einen Fonds bewilligen lassen, da ,edc Regierung einen bestimmten Fonds für besondere Fälle, namentlich für rasche Hilfe, notwendig habe. Der Fonds betrug Ende 1.913 rund l 100 000 Mark. Aus diesem Fonds solle auch für 1014 den Provinziatsicchcnnnstalten wieder der Betrag von 40 000 Mk. überwiesen werden. Ta früher die Anstalt in Starkenburg sich nicht dazu bereit erklärte, auch ruhige Geisteskranke auszuiichmen, so wurde ihr ein Beitrag aus diesem Fonds nicht gewährt. Jetzt habe sich das aber geänderte die Anstatt nehme nun eben'alls solche .Kranke aus, und die Regierung sei daher der Ansicht, daß nun auch ihr ein Beitrag geioährt werden müsse. Tie Abg. Mol- than und Brauer erhoben dagegen Widerspruch, da die in Frage kommende Summe de» beiden Anstalten in Rhein- und Obcrhessen bestimmt zugesichert nwrdcn sei. In der weiteren Aussprache erörterten die Abgg. Henrich und M o l i h a n die bndgetrcchtliche Seite der Frage. Tie Beiträge der Fcuerver- sicherungsgesellichasten seien als regelmäßige Einnahmen zu betrachten, gewissermaßen als dem Lande zuslicßende Steuern, und sie dürsten darum auch nicht dauernd dem Kontrollrecht her Stände entzogen werden. Im Anschluß daran gab Minister von Hombergk nähere Mitteilungen über die Verwendung der Mittel dieser Fonds im Jahre 1912. darunter die 40 000 Mk. für die Sicchcnanstalten und weitere Mittel für andere wohltätige Zwecke.
Beim Kap. 38, Höhere Schulen, brachte Abg. Mol-, than wieder den schon tu der Kanrnier geäußerten Wunsch ans Verschmelzung der beiden Tarmstädter Gpmnasien zur Sprache. Tie Regierung ertlärt dagegen, daß dies nicht möglich sei in Rücksicht aus die fehlenden Räume, auch würde eine Anzahl Klassen einen zu großen Ilmiang in der Schülerzahl annchmcn. Nachträglich erbat die Regierung dann noch Indemnität sür notwendige schleunige Arbeiten in den Gpmnasien zu L a u b a ch und Gießen, Ivo elektrisch Licht cingcführt wurde.
Beim .Kap. 60, Unterdrückung von Viehseuchen, entspann sich noch eine längere Aussprache über einen staatlichen 9"sck",st 3000 Mark zu einer vom Kreis Bübingen zu leistenden Abfindungssumme an eine Unternchmcrftrma, damit diese die von ihr geplante Abdeckerei bei Ttockstadr nicht errichte. Tic Verhandlungen hierüber wurden noch nicht ,u Ende geführt. Tie Fortsetzung der Beratung erfolgt nächsten Dienstag.
Der Finanzausschuß der Ersten Kammer und die Besoldungsvorlage.
rb. Darmstadt, 30. Jan. Der Fiüa n ; a usschu ß der Ersten Kammer hielt heute vormittag und nachmittag zunächst ohne Regierung wieder eingehende Beratungen über die Besoldungs-Vorlage ab, wobei sehr ausführlich nanicnllich der Be- soldungstarif und die von der Zweiten Kammer beschlossene Erhöhung der Lchrei-besoldung über die Regierungsvorlage hinaus erörtert wurden. Bon nachmittags 2 Uhr ab wurde dann die Verhandlung mit den drei Ministern, Staatsrat Tr. Becker u. a fortgesetzt. Die Beratungen wurden jedoch auch heute noch nicht zu Ende geführt und werden morgen fortgesetzt.
Aus den Reichstagsausichüssen.
Berlin, 30, Jan.
Ter Budgctausschuß begann heute die Beratung des Voranschlags des RcichSciscnbahnamts und der Verwaltung der Rcichseiscnbahncn. Ter preußische Eiscnbahnminister teilte mit, daß sich die Verwaltung endgültig entschlossen habe, die Hauptbahn Straßburg — Basel viergieisig auszu- baucn. Ein Vertreter des General st abes legte in vertrau
lichen Mitteilungen die Haltung _bcr Militärverwaltung dar, Tic Forderung wurde gegen wenige Stimmen angenommen, die Einsetzung von 30 000 Mark zu Vorarbeiten inr eine Mzedbahn ein stimmig beschlossen. Ein Rationalliberaler verbreiiNe sich über die Entwicklung des Betriebskoesiizienten der" Rcichseisenbahnen und forderte die möglichst allgemeine rasche Einführung der 15- Tonncnwagen aus wirtichastlichen Gründen. Ucbeidtes hielt er eine Reform der Fahrkartcnstcuer sür notwendig. Ter Minister erwiderte, er werde nicht die Initiative zu einer solchen Reform ergreisen. Es könne sich ja dabet nur nni eine Ermäßigung der Sätze für die oberen Klassen handeln, um dadurch ihre Benutzung zu heben. Ter Verkehr in der ersten Klasse sei jetzt noch geringer als vor der Einsübrung der Steuer, er sei löst nur noch Auslands- verlchr. Ein Zentrumsmitglied hielt die Veränderung der Fahr- kartcnftcuer sür undurchführbar und auch für unnötig, da das Publikum sich vollständig mit ihr abgesunden habe.
Ter W o b n u n g S a u s s ch u ß beschäftigte sich beute mit zwei sozialdemokratische» Anträgen. Ter eine verlangte Mittel tut eine W o b n u n g s ft a t i st i k, er wurde aber nach einer Erklärung, daß im Statistischen Amt bereits in der Sache gearbeitet werde, und Mittel für dieses Jahr nicht erforderlich seien, zurück gezogen. Tic Beratung über den zweiten Antrag, der den Aus- Han des Erbbaurechts betrisst, wurde aufgeschoben mit Rücksicht aus den angetündigtcu Gesetzentwurs über die bnpotbclaruche Beleihung von Grundstücken der Bangenossenschaiten. Tic Einbringung dieses Enlimiries soll erst abgewartet werden.
Tic heutige Sitzung des G e w c r b c o r d II u n g s a n s s ch u s - scs kant bezüglich der Bestimmungen über'den Hausierhandel und die Wandcrlagcr zu keinen neuen B Schlüssen, da sie sich in .der Hauvtsache mii einem Initiativanträge des Zentrums beschäftigte, der einen vollständigen Gesetzentwurf, be- tressend den Verkehr mit Mitteln zur Verhütung der Empfängnis oder zur Beseitigung der Schwangerschaft enthält. Ter Bundesrat soll die Ermächtigung erhalten, den Verkehr mit diesen Mitteln zu beschränken oder zu untersagen. In der Besprechung wurden lebhafte Klagen über den Geburtenrückgang laut. Gegen die beaniragte gesetzliche Regelung erklärten sich nur die Sozialdemokraten, weil sic einen Einzrisi in das- private Leben darstelle. Ter Präsident de» Rcickügesundheitsamts legte die Notwendigkeit und Pflicht gesetzlichen Borgehens dar. Es wäre geradezu eine Sünde, wollte man länger untätig zuschcn. Ein Vertreter des Ministeriums des Innern stellte sich aut den gleichen Standpunkt. Das Zweilindersystem sei der Selbstmord einer Nation.'
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E i ii D a n k c r l a ß des Kaisers. Ter „Rcichsauzeigcr" verösscntlicht folgenden an den Reichskanzler aerichteten kaiserlichen Erlaßt Es ist mir esu herzliches Bedürfnis, allen denen, welche mich au meinem Geburtstage durch freundliche Glück- und Segenswünsche erfreuten, meinen wärmsten Dank zu sagen. Mit großer Befriedigung habe ich bei dieser Gelegenheit wiederum erfahren dürfen, wie Ivarme Gefühle und treue Anhänglichkeit mir aus Stadt und Land entgegcngebracht werden. In den Kundgebungen ist vielfach auch des vergangenen Jahres mit seinen mannigfachen Gedenktagen und Jubelfeiern Erwähnung geschehen, Zn meiner Freude habe ich persönlich Zeuge der nationalen Begeisterung sein düricn, mit denen an jenen Tagen die .Heldentaten der Väter und die glücklich errungene Einigung der deutschen Stämme von alt und jung in Nord und SD des Vaterlandes gepriesen wurden. Das deutsche Volk ließ es aber dabei nicht bewenden. In Einniütigkeit mit den Fürsten zeugte es zugleich, daß es entschlossen ist, gleich seinen Vätern zum Schutze des Vaterlandes und zur Erhaltung seiner Wehrkraft >»b-s erforderliche Ovier darzubringen, um die schwererkämpstc Stellung unter den Kulturvölkern der Erde auch zu behaupten!. Ii den Vertrauen, daß diese patriotische Gesinnung als ein unveräußerliches Erbe aus großer Zeit in den deutschen Herzen allezeit gehütet und gepflegt werden wird, gebe ich int Ausblick ans die Zukunft gern der Hossnung Ausdruck, daß Gott der Herr die deutschen Lande auch ferner aus friedlicher Bahn zu ersprießlicher Entwicklung führen werde."
Tie Thronrede de? Herzogs vou Braun- s ch Werg. Der braunschweigische 32. ordentliche Landtag ist am Freitag mittag im Thronsaale des Schlosses durch den Herzog mit einer Thronrede erösfuct worden, in der es heißt:
Zum ersten Male ist es mir vergönnt, Sic hier beim Beginn des Landtages ivillkommen zu heißen. Schon in den wenigen Monaten, die seit dem Reqierungsatitritt verflossen sind, habe ich mich überzeugen dürfen, daß die mir und der Herzogin, meiner Gemahlin, bei dem Entzug in wärmster Weise entgegengcbrachtcn Gesinnungen der Liebe und des Vertrauens nicht mit dem sichtlichen Empfange verklungen sind, daß sie vielmehr dauernd in den Herzen des Brann- schwetger Volkes wurzeln. Die in die Verhältnisse de? Herzogtums und insbesondere in die Regierung des Landes tief» eingreifenden politischen Ereignisse des letzten Jahres haben in Verbindung mit den durch langwierige Krankheit des vormaligen hochverdienten Staatsministers beeinträchtigten Pcrsonalverhältnissen des StaatsinintstcriumS die Entwick- lung und Durchführung wichtiger Ausgaben der Landesregierung, wie die endgültige Stellungnahme zu bedeutsamen Wünschen der Landesvcrsammluna erheblich gehemmt. Ich vertraue, daß Sie darnach die Sachlage gerecht zu würdigen wissen. Die Landesregierung wird bemüht sein, wegen aller in Betracht kommenden Ausgaben baldmöglichst zu einer abschließenden Stellungnahme zu gelangen. Unter diesen Umständen wird die wesentliche Ufrbeit des 32. ordentlichen Landtages vorerst in der Prüfung der Voranschläge zu den Einnahmen und Ausgaben des Staates sowie in der Prüfung einiger größere Ausgaben bedingenden Sondervorlagen bestehen.
Zur Frage des ArbeitSwilligcnschutzes. Der Abg. Bassermann hat mit Unterstützung der National- liberalen Rcichslagssraktion zur Frage des Arbeitswilligen- schutzcs zur zweiten Beratung des Etats des Reichsamts des Innern folgende Entschließung eingebrachl: Ten Herrn Reichskanzler zu ersuchen, die von ihin in seiner Rede zuck ersten Lesung des Etats in Aussicht gestellte Denkschrift baldigst vorzulegen und in derselben folgende Fragen zu behandeln, bezw. Stellung zu denselben zu nehmen: l. welche Auswüchse des Koalitionsrechis sind in Deutschland zutage getreten? 2. haben sich die bestehenden gesetzlichen Bestimmungen als ausreichend erwiesen, um diese Auswüchse, einerlei, ob solche bei Arbeitgebern oder Arbeitnehmern zutage getreten sind, zu bekämpfen? 3, war die Handhabung der gesetzlichen Bestimmungen in den deutschen Bundesstaaten eine einheitliche, und wenn dies nicht der Fall war, welche Maßregeln cmviehlen sich, um eine einheitliche Handhabung der gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Koa- lttionsfreiheit und zur Abwehr des Koo-l-t-auszwanges her-
bcizuführcn? t. empfiehlt es sich, eine zivilrechtliche Haftung der Koalitionen für Schaden, den dieselben im Widerspruch mit den Gesetzen und guten Sitten durch Beauftragte herbcisühren, einzusübrcn? ä. welche Erfahrungen liegen bezüglich des wirtschafllichen und politischen Botzkotts vor? 6, wie ist die Lage der .ausländischen Gesetzgebung, un* welche Erfahrungen sind im Auslande bezüglich der unter Ziffer l bis 5 ausgeführtcn Materien gemacht worden?
Tie polnische Fraktion des Reichstags hat im Reichstage beantragt, dem Reichstage alsbald einen Gesetzentwurf vorzulegon, durcb welchen sin R c i ch s v c r e i ns- gesetz die 88 12, 17, 18 Ziffern 5 und 6, sowie 19 Ziffern aufgehoben werden. Hinter 8 >9 soll sorgender Paragraph eingeschaltet werden: Jnsotocit in einem Bundesstaat auf Grund des 8 9 des Einsührungsgesetzes zutu Gcrtchtsvcr- fasfungsgesetz ein oberstes Laudesgericht besteht, ist dieses iit allen SlaatSsachcn wegen Zuwiderhandlungen gegen die 88 18 und 19 fiir die Verhandlung und Entscheidung der den Oberlandes Gerichten zugmotesenen Revisionen und Beschwerden ausschließlich zuständig.
Heilmittel gegen die M a u l - und Klauenseuche. Von fortschrittlicher Seite ist im Reichstage folgende kurze Anfrage gestellt lvordcn: Zeitungsnachrichten zufolge haben die Herren Professor Dr. Bricgcr und Chemiker Tr. Krause ein wirksames Heilmittel gegen die Maul- und .Klauenseuche entdeckt. Hat der Reichskanzler dessen Prüfung veranlaßt und ist er — falls diese den behaupteten Heilwert bestätigt — bereit, das Mittel für das Reich.zu erwerben und cs den deutschen Viehhaltcru gegen Erstattung der Selbstkosten überall zur Verfügung zu stellen?
Ter württembergischc Landtag und die Abgrenzung der militärischen Machtbefugnisse. Tic Fraktionen der Bolkspartei, der Nitionalsiberalen, des Zentrums und der Sozialdcmotratie baden im württembergischcn Landtag einen Antrag eingebracht, die Rcgiernng zu ersuchen, sür den Falt, daß die Bestimmungen über das Aufgebot der bewassnctcn Macht bet inneren sin ruhen nicht einheitlich und zwcisels- srei sein sollten, im Bundcsratc dahin zu wirken, daß eine einheitliche und zweifelsfreie Erklärung, wonach ein solches Aufgebot ein Ersuchen durch die zuständigen Zivilbehörden voraussctzt, mit bindender Kraft sür das gesamte Reichsgebiet erlassen wird. _
D r e Angelegenheit der Putilo loschen Werke. Ter Obmann des französischen KUmincr Ausschusses der auswärtigen Angelegenheiten, Rozet, hat au> Ersuchen mehrerer Mitglieder eine Sitzung einberuscn, um über die Angelegenheit der Putilowichcu Werke zu beraten. Ter,,Gaulois" gibt der Hoss- nunq Ausdruck, daß die Kammer bei der Erörterung dieses heiklen Gegenstandes der höheren Interessen Frankreichs eingedenk sein werde, um alle Kundgebungen und Acußcningen zu vermeiden, welche Rußland verletzen und von den Gegnern des sranzösisch- russilcheu Bündnisses ausgebeutet werden könnten, — Sautet- schreibt in der „Humanite": Für UNS, die wir das Land nn- aushvrlich vor dem Topvelspiet des Zarismus gewarnt haben, lildcn die Enthüllungen über die Angelegenheit der Putilowschcn Werke keinerlei Ueberraschung. Das >ranzösisck>e Bol! aber weiß jetzt, daß in dentsclben Augenblicke, wo die Patrioten im Interesse . des sranzösisch-russtschen Bündnisses das DreijahrSgesetz erlangt haben, Rußland der deutschen Arntee das Geheimnis der vcrvollkoinmncten Geschütze ausliesektc.
Tie russische E i s c n b a b n a n l c i h e. Aus dem russischen Finanzministerium wurde von den Delegierten der Grnppr französischer Finanzleutc die 4>-.prozentige unistzierte Anleihe für die Prioateisenbahncn mit Garantie der Regierung unterzeichnet. Ter 2l n l e i h e n o m r n a l w c r t von 66.3 Millionen Franks ist in 81 Jahren amortisicrbar. Ter Einis- sianSkurs ist noch nicht endgültig festgesetzt und wird zwischen 93 nn*- 94 'Eiert werden, wahrscheinlich zu 9343 je nach Kon- iunktur des Finanzmarktes. Die Subikrivtion wird am 1,3. Februar cröisnct. Ter sich aus der Suhskrivsion ergebende B-trag wird aut neun Esienbahugesellschaiten verteilt und zwar Atschinsh Minussinsk, Buchara. Olonctz, Ferghan, Moskau-Kasan, Rsac- san-Ural, Moskau-Kiew und Woroncsch.
Bulgarien und die Türkei. Aus Sofia wird iol- gcndc amtliche Notiz verbreitet: Tie in gewissen europäischen
Zeitungen crichicncncn Nachrichten, daß ang-blicktc Besprechungen im Gange seien, um T e d e a g a t s ch der Türkei zurück- zuerstatten, beruhen vollstän ig aus Erfindung, Um sich davon zu überzeugen, genügt es, sich zu erinnern, dast die bul- garische Verwaltung im Tistrikt von Dcdeagatich endgültig eingerichtet ist, wo außerdem ein Ausschuß die bulgarischen Flüchtlinge untcrbringt. Tie bulgarische Rcaierung wird dort auch die Wahlen zu den gesetzgebenden Körperschastcn sta'tsindcn lassen, die auch in anderen Teilen der neucrwarbencn Gebiete vor sich gehen.
u e b c r t a l l einer M i s s i v n s ft a t i o n d ll r ch ch i - n e s i s ch e Räuber. Ans Schanghai wird berichtet: Bei dem Angriff aus die Missionsstation 'Liuanchow töteten die Räuber von der Bande des „Weißen Woli" einen Jcsuitenmisiionar und nahmen zwei andere gefangen. Letztere behielten sic zurück, um ein Löscgeld zu erpressen. Einem anderen Missionar ist es gelungen, zu entkommen. Ein französisches Kanonenboot erhielt den Beseht, sich bereit zu halten, um nach Anhui zu gehen. _
Au» Stadt und LanD»
Gießen, 31. Januar 1914.
" Dien st b ote n vcrsi cheru n g. Nach den Vorschriften der Neichsversichernngsordnnng und der Satzung der Allgemeinen Ortskrankenkaßc sind alle Versicherten, nn« somit auch die Hausangestellten, spätestens am 3. Tage noch dem Austritte abzumelden. Geschieht dies nicht, dann »lüsten die Beiträge io lange gezahlt toerden, bis die vorschrifts- niäßigc Abmeldung erfolgt ist. Z. B. tritt ein Dienstbole am 31. Januar aus, dann muß die tzlbmeldung spätestens Mittwoch, den 4, Februar, bei der Kaste einqeliefert sein. Läuft die Abmeldung später ein, dann muß der ganze Wochenbettrag gezahlt werden, weil hier nach den Borschrtften deS Gesetze? eine verspätete Abmeldung vorlicgl. ES lann sonach sehr leicht Vorkommen, daß sür eine Reihe von Wochen Beiträge gezahlt werden müssen, obwohl der Dienstbole schon längst fort ist, nur weil die Abmeldung vergessen worden war.
** Museum für SSölferfntifae. Int hiesigen Museum für Völkerkunde gelangt vvn nächsten Sonntag (11 bis 1 Uhr) ab als neueste Erwerbung eine Sammlung


