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Nr. 2 )

Etr iS(fd«KT Anzeiger

eridjemt täglich, außer SvnnlagS. Beilagen: vterinal wöcbenilich

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Erster Blatt

m. Jahrgang

Samstag. 31. Januar 19H

General-Anzeiger für Oberheffen

kiotationrbnxi «ni» Verlag der vrihl'schen Univ.-Vuch- und §1eindr>«ttrti R. tauge, Redaktion, lkrpedition und vrnckerei. Zchulstrahe 7.

StiBUK'H: nionallich7LPsv>enel- inhrlich Mk. 2.20: durch Aphele- u. Zweigstellen raonatlick, KL VI.; durch diePost Mk.2. viertel» jäfiri. auslchl. Benellg. Zeilenvrcis: lofal 15 üi-. ausivärlS 20 Plennig. Lheiredakteur: A Goetz. Beraulwortlich lür den volil. Teil: A>,g. Goetz: lür .Feuilleton", ,Ver- mifclitcö" uud.GerichlL- jnnl": Karl Neurath; rar .Stab! raid Cnnb": Kurt Beudi; für den Anzeigenteil: H. Beck.

Die heutige Nummer umfaht 22 Seiten.

Tageskalendcr aus dem Jahre 1814.

1. Februar: Blutige Schlacht bei La Rothrärc. Tie Ver­bündeten erfochten den ersten Sieg IN Frankreich über Napoleon,

politische wochcnscha«.

Gießen, 31. Jan.

Innerhalb der katholischen Kirche ist in den letzten Tagen ein Zcrlungskamps geführt worden, der auch außerhalb des römischen Einflusses das größte Aufsehen machen -.rußte Der bekannte Streit um die tnterkonsesjwncllen christlichen Ge- wertschasten ist wieder entbrannt, und er hat dadurch eine höchst kritische Wendung genommen, daß zwei Mitglieder des deutschen Episkopats als gegnerische Ruser im Streit öffent­lich auftrelen, nämlich Kardinal Kopp als Führer der streng katholischenBerliner Richtung" und der Bsickzos Dr Sckru li­fo» Paderborn als Freund und Beschützer der christlichen Ge werkschaftcn. Der Kölner Prozeß der christlichen iöewerkjcltas­ten gegen einige sozialdemokratische Redakteure und einen Redakteur derWartburg" hat den alten Hader wieder auf­gewühlt, da der Bischof von Paderborn als Zeuge den Stand­punkt norl> einmal festgestcllt hatte, den die deutschen Bischöfe zu dem päpstlichen Hirtenbrief über die Gewerkschaftsfrage seiner Zeit eingenommen und öffentlich verkündet haben. Wir müssen uns die Vorgänge kurz in die Erinnerung zu­rückrufen. Am ö. November 1912 wurde in Deutschland der bekannte päpstliche .Hirtenbrief veröffentlicht, der sogleich höchste Erregung hcrdorrief, da es klar wurde, daß dieBer­liner Richtung" den Vatikan gegen denverseuchten Westen" scharf gemacht hatte. Den deutschen Bischöfen lag viel daran, den tZorn der überraschten Gewerkschaftler abzudämpfen, und so erhielt ein Kölner Prälat vom Episkopat den Auftrag, die Führer zu beruhigen und zu beeinflussen. Diese wandten sich darauf an ihren Freund und Beschützer, den Bischof von Paderborn, indem sie ihm ihre schwierige Lage erössnetcn' und ihn ui» Vermittelung anriesen. Bischof Tr. Schulte ver­faßte jene Erläuterung zu dem päpstlichen Hirtenbrief, der damit in seinen Vorstößen eine entscheidende Abschwächung erfuhr. Soweit ivaren die Dinge der Oessentlichkeit längst bekannt. Man weiß auch noch, daß die päpstlichen "Ausleger in Rom den, durch die deutschen Bischöfe gezeigten Weg folg­ten und den christlichen GeiverkschaftlcrnDuldung", den Berlinern" nfrcrLiebe und Billigung" erklärten. Hinter den Kulissen aber ging der Kampf weiter. Bor einigen Tagen veröffentlichte der bekanntlich aus der Zentrums­partei ausgeschiedeue Graf Oppersdorfs in seinem Kampf- organ gegen den ,cherscuchten Westen", der Wochenschrift Klarheit und Wahrheit", einen sensationellen Brief des Kar­dinals Kopp, in dem dieser nochmals auf die früheren Vor­gänge zurücktam und nachträglich ertlärte, er hätte sich schon «m 1. Dezember 1912 davon überzeugt, daß die vom Bischof von Paderborn angescriigte Auslegung überflüssig und ver­wirrend sei. Anfänglich habe auch er dieser Auslegung,den dringenden Umständen nachgebcnd", zugcstimmt, sie sei aber dem Episkopat gar nicht zur Beschlußfassung vorgelegt wor­den und dieser habe sic später stillschweigend hinge- nommen.^Kardinal Kopp fügt in seinen brieflichen Mittei­lungen an den Grasen Oppersdorfs noch hinzu, die General- tzersammlung der christlichen Geiverk chastcn in Essen habe in schroffen und herausfordernden Redewendungen die wohl­wollenden Rücksichten des Episkopats völlig inißachtet und d i e a n g c w a n d t c M i l d e a l s nutzlos erwiesen, weshalb letztere auch ap einer anderen kirch­lichen Stellenichtgebilligtwurd e". Es war also offenbar ein Wink aus Pom, der den Kardinal Kopp veran-

laßte, am l Dezember 1912 an den Bischof von Paderborn! wörtlich zu schreiben:Ich bedauere, mild an den Maßnah men zur Beruhigung der christlichen tzlewerkschasten beteiligt zu haben, und will die Interpretation (der fünf Punkte) nicht weiter vertreten, da solche nicht allein wirkungslos, sondern verwirrend sind."

Kardinal Kapp schließt seinen inKlarheit und Wahr­heit" vcrössenttichten Brief an den Grafen Oppersdorfs mit folgenden Worten:

So gut diele Erläuterungen gcnieiut Ivarc», und man sie an sich viellcickt auch nichi beanstanden kann, wenn man dir Eile der Eniichließung berückfichtigt und ihren Zweck nich! aus dein Auge läßt, so ist doch manches dagegen rinznwendcn. Var allem waren sie nichi nötig, da die Bestimmungen der Enznksika deut­lich und klar genug find. Sie waren unnütz, da die Führer der christlichen Gewerkschaften sie mir zu einer schroifen Ablehnung benutzien. Endlich aber muß beionders hervorgehoben werde#, daß es nicht Sache der Brfchösc ist, päpstliche Er- lassezu crläuternundauszulegen, sondern daß dieses Recht allein dem heiligen Stuhle zusieht. In diesem Urteil über die Paderborner Erläuterungen, das ich feil einer Essener Versammlung stets iestgeholten Hab,', hat mich leider auch der Verlaut des eben beendeten Prozesics der christlichen Gewerk­schaften gegen die sozialdemokratischen Redakteure iioch bestärkt, und ich kann hinzufügen, daß auch an anderen Stellen die bei dreier Gelegenheit ausgesprochenen Grundsätze und An- sichtcn ein großes Aussehen erregt haben"

Man sagt nicht zuviel, wenn man feststellt: Kardinal Kopp hat in der Sack>e eine recht schwantcnde Haltung ein­genommen. Inzwischen ist eine Flut von Artikeln in katholi­schen Zeitungen erschienen, und cs wird da z. B. bekannt, daß in der genannten WochenschriftKlarheit und Wahrheit" kurz vor Veröffentlichung des Kvppsck>en Briefe» schwere An­griffe gegen den Erzbischof Hartniann von Köln gestanden hätten, so daß der Klerus des Dekanats Elberfeld öffentlich dagegen Stellung zu nehmen geztvungen war. In einem Brief vom 10. stlvvenrber 1912 halte Kopp an den Zentrums- abgcordneten Dr. Porsch einen Brief ganz im Sinne jener Schulteschcn Auslegung geschrieben: dieser Brief war in dem Kölner Prozeß von einem Gewerkschaftsführer kurz erwähnt worden; jetzt steht er, nicht gerade ein Ruhmesblatt für Kar­dinal Kopp, dem Wortlaut nach in 'vielen Blättern. Aller­dings hvt Kopp darin auch dieVerwässerung" der päpst­lichen Gedanken durch dieKöln. Volksztg." mißbilligt.

Bischof Dr. Schulte in Paderborn hat den Fehdehand­schuh ausgenommen und in dem ihm nahestehendenWestsäl. Volksblatt" nicht schlecht entgegnet E stellt fest, der Brief Kopps an ihn vom l. Dezember 1912 sei eine gelegent­liche, nicht amtliche Aeußerung und weder bestimmt, noch geeignet gewesen, weitergegeben zu werden. Dann heißt es in dem Blatte weiter :

Amtlich, und darum für die Sache niaßgcbend, sind in der Angelegenheit der Interpretation überhaupt nur zwei Kund­gebungen vom Herrn Kardinal an den Epiilooat ergangen: die vom 24 November 1912 und die vom 9. Dezember 1912. In beiden Zirkularen vertritt der Herr Kardinal, und zwar er allein ohne Berufung aut irgendeinen anderen Bischof, di? Jnterpretasion ror dem Episkopal, der sich zu Fulda zu versammeln pflegt. Wenn der Herr Kardinal seiner "AiiZvracne gegenüber dem Bückws von Paderborn in dem Briese vom 1. Dezember 1912 die Bedeu­tung beilegt, die er jetzt in dem Priese an den Herrn Grafen von Oppersdorfs ihr allen, Anscheine nach beilegt, so _ ist es durchaus unbegreiflich, daß er über sie den Gesamt- episkopa i in Unkenntnis liefe, daß er länger denn ein volles Jahr vor den Mi zlieder» der Fuldaer Roniercnz schwieg, daß erst ein Brie, de-.- Gnien OpperSdorff^ihn dazu vermochte, über eine so crnüe und i> svlgenschtvere Sache, deren amtliche Dernntworiung aut ihm ru!,c. iid> zu äußern. Wir können aus befsimmtcr Kenntnis der Tatsachen noch hinzusügen, daß der Bischot von Paderborn über sämtliche Vorgänge,, die mit der Interpretation vor »ne nach dem Essener Kongreß Zusammen­hängen, dem Heiligen Stuhle von Anfang und bis

in die jüngste Zcii beständig und rückhaltlos Be­richt erstattete.

DieEssener Volksztg.", das sühr.'iidc Zcntrumsorga» des Ruhrgebietes, veröfsentlichte gestern folgende Erklärung: Soiveit wir unterrichtet sind, ist es zutreffend, daß der Papst den Frieden im (tzelvcrkschaftsstreit ivunschl und in diesem Sinne sich auch Bischof Schulte gegenüber bei dessen jüngstem Besuch in Roni ausgesprochen liot. Ohne Zweifel dar, angenomincii werden, daß die übrigen Mitglieder des Episkopats sich ans die Seite de» angegriffene» Padcrborner Oberhirten stellen." Daß jetzt schon für Rom der Augen blick gekommen sei, einen neuen Schlag gegen die christlickzeu Gcwerljchajlen zu führen und die streng katholische Ab jchließuiig allgemein zur Pflicht zu machen, glauben auch ioiv nicht. Aber neben dem Paderborner Bischof beruft sich doch ckuch Kardinal Kopp, und zwar recht deutlich, auf den päpsl lichcn Willen, indem er aus jeneandere kirchliche Stelle" verweist. Kopp wird vermutlichgeliebt und gebilligt", Dr. Schulte dagegen nurgeduldet" Ein einziges positives Er gcbnis ist aus dem Bijchofsstrcit bisher hcrausgekommen: Gcheimral Tr. Porjch, der Zentrumsführer im preußischen Abgeordnetcnhause, hat sein "Amt als fürstbifchüflicher Kviifistorialrat am Breslauer Bistumskonsistorium nieder gelegt.

Die gesamte Regierung von Elsaß-Lothringen Hai ihren Rücktritt anaekündigl, und demnächst ivcrden auf a Uc n ent scheidenden Bcrwaltungsposten, auch auf dem des Statthal tcrs, neue Männer stehen. Ob nur die sreisprechenden Ur teile in Straßburg und die Tatsache, daß aus Berufung ver­zichtet wurde, diesen Schritt veranlaßt habe», oder ob nach träglichc Richtlinien aus Berlin dem Graic» Wedel und fei ncm Anhang indirekt bedeutet haben, das Feld anderen Män­nern zu überiasien, muß vorläufig dahingestellt bleiben. An einen kommenden militärisch strammen Kurs in den Rcichs- landen kann man nichi recht glauben, da der Reichskanzler M erst vor einigen Tagen im Reichstag für eineruhige und einheitliche, eine gerechte, aber feste Verwaltung" sich erklärt hat. Es mußte in Berlin vor allem zu denken geben, daß auch die elsaß-lothringische Erste Kammer den militari- scheu Richtern in Straßburg mit Widerspruch begegnete. Gras Wedel würde sich wohl dagegen wehren, wenn man ihm vor halten wollte, daß sein Tun mit dem oben erwähnten Pro gramin des Reichskanzlers nicht übereinstimme. Allein der Statthalter ist <2 Jahre alt, und cs läßt sich annchmen, daß eine geeignete jüngere Kraft besser imstande ist, alle Fäden in der Hand zu halten, an denen die schaffenden Kräfte im Reichslandc tätig sind. Die derzeitigen Unterstaalssckretärc haben in den Zaberner Borkommnisscn zu deutlich Stellung genommen, als daß sie einer ihren Anschauungen auch nur leijc eiitgegentretendeil Absicht der Rcichsregierung sich hät­ten fügen können. Es braucht, wir wiederholen cs, kein ausge­prägter Shstemwechsel die Folge zu sein. Tie heutige amt liehe Mitteilung, daß Graf Wedel sich bereit gefunden habe, noch einige Zeit im Amte zu bleiben und die neuen Regie­rungsbeamten in ihre Tätigkeit einzuführcn, ist wohl auch dazu bestimmt, die Besorgnisse wegen eines ent­gegengesetzten Kurses zu zerstreuen. Mehr noch als auf ein besonderes neues Marschziel wird es auf die Befähi­gung der neuen leitenden Männer in Tlraßburg ankommen. Daß in den Reichslandc» bei weitem alles noch nicht so ist, wie cs sein soltle, wird ja so zienilich allgemein anerkannt. I» Mülhausen soll am Vorabend von Kaisers Geburistag der militärische Zapfenstreich durch Pfeifen und Johlen ge­stört worden sein, und dieFrankfurter Zeitung" läßt sich aus Sablon, einem Vorort von Metz, berichten, daß dort bri der Kaisersgeburtstagsfeier des 20. vreuß. Pionierbataillons in einer vom Bataillon gemieteten Wirtschaft zwei Lothrin - ger durch ostentative llmerhattuiig in französischer Sprache das Einschreiten einiger Offiziere veranlaßt ha-

Zeldmarschall v. d. Goltz über die Erziehung zur wehrtü^tigteit.

Ucfcet die Frage, wie die Bolkskrast und mit ihr die Wchr- tüchtigkeit durch jystematt'che F u a e n dp, l e g e gehoben werden kann, äußett sich Feldm-rschall v. d. Goltz m einem Aupaft der Cottä'che» MonatsschriitTer Gre". Die Erziehung der äugend zui Kriegslüchtiglei: ist ein bewnders dringendes ltzebo, der Grgcnwait, weil der moderne Krieg die hochpen Anwrderungen « den einzelnen Soldaien stellt '-»d weil anderer,c>ts,n Teutich- land ein allmähliches Sinken der Wehrfähigkeit kon,tattert wird, dem man mit allen Kräften entgcgentrcttn mutz. Nun wirken che allgemeinen LcbcnScinflüsfc heute vielfach der kr,eger>,chcn Tuch- ilgkeil geiadezu entgegen., und nur Ueiung vvn trüh an kann diesen Scha-cii wieder gul maätz:n. So wirb z. B. die M ar scht ä hi g- keit'duiä, die modernen PerkehrSverhättrasic zmeiielloS beein- iiächsiat, da man iuratc längere Wege selten noch zu Fuß macht. Nach einem Ausspruch Napotevils aberschlägt man den eceind mit den Stiesel», nicht mit der Waffe"; es muß daher schon in der Jugend das Verständnis für die richtige Art des Gehens und Laufens erweckt werden.Richtiges Atmen, Körperhaltung. Diäiteichonung, Berückiicdiigung von Wegen und Wetter, das "Achten aui die Windseite, rech-zeittges Lüsten von KovtbedeclKng und "Anzu i Regelung des Tempos, je nach den Umilanden, Uiüllk» wall nkerlcgt fein." "Auch das Z u r e ch i > l i> d e n mutz ächibt w^den Vom japani'ckien Heere wird berich-el. daß während des mandickrarsiwen Kriege» »'der gemeine -iüdal imstande ge meien sei seine Kar.e mii Llcherhcit z» le,en. Dies ist nur duich tvrlgesctztei: Gebrauch der Karie im Gelände zu erre.ckstn ?lut den ^Wanderungen imrd die Jugend auch gleichsam ,mclend das Entiernungs'chätzen lernen, du» beute die Grun^-ge tur den wrrkiamen Gebrauch unserer Prazisionsmasten bilde!. ,

wirlrani u,crrichl. der in der Armee datur erteilt wird.

,ann"durch rechtzeitige Vorbereitung außerordentlich gesordert wer­de Wichtig ist es. die Jugend zum S-Hrittmesten. zum lort- dauernden Alfchätzen mit dem Auge an Hameriroraen. Mauern. Gmlenzäunrn u,m. anzuhalten." Ebenw will das Bechmmen der tzimme siegend ohne Kompaß nach der Uhr. nach dem ^nnen- ^da Monchiand. nach dem Polarstern und anderen Merkzeichen ielern'i ton Tic Knaben müssen angchaltcn werden, die Um- nebuna durch die sie wandern, regelrecht zu beobachten Mid die Beobachtungen richtig wicderzugcben, Außgrordetztluh erhöht wer­

den kann die Scbkrait. Werden doch alljährlich etwa 9000 junge Leute meist Schüler der höheren Lehranstalten nur wegen Kulzsichiigkcil vom He-resdienst zurückaeitellt. und so geht gerade der gebildete Teil des Eriatz-s der Armee vielfach verloren. Für das Sehen bedeutet aber Uebnng und Aufmerksamkeit unend­lich viel. Ter Feldmarfüsttli erinnert dabci an eine Ersahriing, die er vor 30 Jahren machte, alp er an die Spitze des türkischen Militärunterrichlswesens bernien ir.nrde Ihm fiel das äutzergt scharte Sehen der iungcn Türtcn tei iebcr olelegenheit aui. "Als aber dann ein deutscher Augenarzt die Sehschärfe der Leute genau umeriurotc, kam er zu dem merkwürdigen Resultat, daß die Sehschärfe der türkischen Militär,'chüler im Durchschnitt Keineswegs größer war al» die »nferer Jugend, nie waren im neben nur weit besser geübt Teshalb istdas genaue Aiclerkenncn zu pilegen, das schnctle Abzählen von Zielgruvoen. das Herausfinden der Jlügel vvn in, Gelände liegende,I Linien von Kovsichkiben. Tie Uctaing des Älngcs im Durchzählen gleichartiger Gegenstände IN immer größerer Entieniung wird in kurzen, die nehkrasi merklich leben Sodann »IUI! das Gehör mstematifch ausgebildei werden. In der japanische,I Armee, wo diese Ucbungcn schon seil langem kelricben werden, lern! der Soldat durch das Ohr allein unter­scheiden ob ein in, Dnnlel Vorübergehender, dessen nchrittc er vernimmt, in Waffen ist oder nicht, ob er eine Last trägt oder leine. Damit die Jugend aus ihren Beobachtungen richtige nchlüsic zieht, muß da» Svurenlescn betrieben werden, in dem der primi­tive Mensch dem Kuliiirmenschen so sehr überlegen ist. Die Pflege der "Ausdauer und Abhärtung des Körpers darf natürlich cben- ialls nicht vernachläisigi wcrdrn. Durch Erlrrnung einiachcr Be- lelfarbeiten wird der Knabe aui den Soldntenbcrut wirksam vvr- lereiiri.Dazu gehört da» Knvtenbindi'n, da»^ Herstellen von Neincn Flößen, eine» piimitioen Bootes, von Tragbahren uiw. t«» Errichten vvn llcbergängen aus Stäben, das Uebcrwinden aller "Arten von Hindernissen »üt den einiachsten Mitteln, das Eibauen mm Bcebrchtungöwarien au» de,, beka,litten P adfindcr stäben" Auch die ?lniang»gründe des Sanitätsdienstes und d,e praksifchen Handgriffe beim Diwalieren kommen dafür in Betracht.

Solche Erziehung der Jugend zur "Dehrtättgkeit ist^beutc viellcick, die wichtigste naiionale "Auigabe, denn:Tie Stätte eines tttcn Volkes siezt in seiner. Jugend, und für seine Grütze und Sicherheit geschieht alles, was man für diese lut."

Ter Richard-Wagner-Verein Darmstadt, der am l. Januar in sein 25. Vereinsjahr eingctreien ist, hielt gestern im .Kasieriaai" feine ordentliche Houptoeriammlung liir tzns Jahr 1911 ab. Nack dem von dem Vorsitzenden, Here» Rat H. Sonne, erstatteten Jahresbericht kann der Verein wiedcrunl auf ein eriolgreichcs Bereinsjahr von crsreulicher künstlerijcher Auiwärksentwicklung zurückbsickcn. Seine Milgliederzahl, die zu Anfang des Jahres 1913 360 betrug, ist bis Ende 1913 bei 130 Neueintritien a»i 990 Personen gestiegen. Im vergangenan Jahre konnten 15 Percinsabende veranstaltet werden, die aus­nahmslos von großem lünstlcrischcii Erfolge begleitet waren. Bei der zum Tchlmse vrrgenommenen Neuwahl des Vorstandes >m,rde mit Bedauern davon Kenntnis aenommen, daß Herr Regien,gs- affessor Tittmar iniolge seiner Derjetzung nach Bübingen aus dem Verstände ausjcheidcu müsse. Sämtliche übrigen Vorstandsmit­glieder Ivurdcn einstimmig wiedergewählt, so daß der Vorstand siih das neue Vcrcinsjahr ans solgenden Pcttonen besteht: Grotzh. Rai Hermann Sonne, Vorsitzender: Proseiior 2lrnold Mendels > sohn, erster Stellvrrtretrr des Vorsitzenden: Oberleuinant Erich vo» Knchler, zwitzier Stcllverireter des Vorsitzenden: Oderieheer Tr. Wilhelm Schmidt, Schriftsührer: Oberlehrer Dr. Karl As- seld, Stellvertreter dr'S Schrlstsührcrs: Eiienbahninipekt,r a. T. Ferdinand Schevrcr, Bncherwari: Gerichtsassessor Dr. Otto Mclior und Kapellmeister Fritz Rehbock, Beisitzer.

Bad Mergentheim kWürttembcrgj, 30. Jan. lE i II c Ansicdlung in der Bronzezeit.) Bei di-n Fundamcn- ticrgrabiingcn sür die KuranstaltHohenlohe" im Herren­tale stieß man in der Tiefe von vier Metern auf ein ganzlüt einstiges Tors, das nach drn Unteriuchungen von dem Leiter des K. Landeskonjervatorium«, Prot. Tr. Goeßlrr in Stuttgart, der Hlonzczeit um etiva 1500 v. Ehr. angehöri. Es kamen die Reste vvn etwa 15 Hütten in Gestatt vo» ntelmockeln, Sitzstcincn und Herdplatte» zum Vorschein. Zwischen den Hütte» fand man weiter- hin drei ilrnengräber, bestehend au» je einer Haupturnc uiit Kvhlcnasche und Knvchcnrestc» und mehreren kleiuen Nebcunriien. An Bronzesunden wurden Gcwandnadcln, ?lrmrinae und ein Rasiermesser zutage gesördcrt. Solche vorzeitliche Dörfer sind bei uns von außerordentlicher Settendcil. und es ist anzuneh- men, daß die hiesige kochsalz- und glaubcrialzhattige Karls- aucllc die Veranlassung zu einer solchrn srühzeitigen Nicdcr- iassung gebildet hat. In der Halle der Kuranstalt werden Nach- bUdungcn der Hüttenrcstc und der Gräber angebracht.