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Nr. 25

Ter ®l«(j«rtcr Snztiger

erscheint täglich, außer Sonntag«, Beilagen: viermal wäckieiiilich »ittzener.^aniiliendlötler; zioennat wöchenll.itteit- dlau für 6en Kreit 41: (jtn iKteiislagiindFreiiaa); jictlnwil monall. Sank" wirtschaftliche Zeilsragen ftemlpred) - SInschlüAe: i~<r die Redaktion 112, Verlag u. Exvedition öl Adresse dir Teveschen: Anzeiger «ießc». Annahme «an Anzeigen sür die Tageoniunmer bis vornuttags S Uhr.

Lrstes Blatt

164. Jahrgang

Zreitag, 30. Januar 1914

General-Anzeiger für Oberhessen

Be z« « 4 o r :l#:

monatlich 7öBs.,vieriel- lährlich -ll!k. 2.20: durch Abhole- u. Zweigstellen nwnatlich Sb Pi.: durch diePost 'JJlt.2 . viertel» jcihrl. ausschl. Beslellg, Zeilenpreis: lokal löPs, ausivärts 20 -Psenntq. Chefredakteur: A Goey. Verantioortlich iür den polit. Teil: Ang. Goetz; für .Feuilleton', .Ver­mischtes-' uuS.Gcrichls- saal": Karl Neurath; für .Stadl und Land":

RotQtion$6ni<t und Verlag der vrühl'schen llniv.-vuch- und Stein&ruderei R. Lange. Redaktion, «krpcdition und vru-kerei: Schulstrahe 7. Anl!,a«>!'°ll: tz^B-ch

Die heutige Nummer umfaht 12 Seiten.

5tatthalter-Bekenntnisse.

Eftic in Itraßburg lebende und in, öffentlichen Leben stehende Persönlichkeit, die Gelegenheit hatte, mit dem Statt­halter Grafen Wedel über die Lage von Clsasz Lothrin- qcn zu sprechen, übergibt unserem Berliner Mitarbeiter folgende Mitteilungen mit der ausdrücklichen Erlaubnis öffentlich Gebrauch davon zu machen:

Ms die Regierungskrise im Reichsland bekannt wurde, wies man von politischer Seite sofort daraus hin, das, diese Krise noch nicht identisch sei mit dem Rücktritt des Statthalters, der im versassimgsmäßigcn Zinne nicht zur Regierung gehört, sondern über ihr steht, Das ist zutreffend M>er ebenso richtig ist, dag Gras Wedel ivöhrcnd seines letzten Aufenthaltes in Berlin immer wieder erklärt hat, 1913/14 sei sein letzter Straßburger Winter,

Also auch der Statthalter bereitet sich ans seine Abdan- ^kimg vor, er wartet nur noch so lange, bis der Kaiser die Wahl seines Nachfolgers getroffen hat, Graf Wedel geht in dem Bewußtsein, seine Pflicht getan zu haben sowie sich, ferner Ucberzeugung und dem Lande nicht eine Stunde untreu geworden zu sein. Er hat die Reichslandc stets als urdeutsches Land angesehen, und gerade deshalb empfand er den langsamen Fortschritt der Germanisierung so ost als ebenso ungenügend und ivcnig befriedigend wie alle anderen Teulschcn, Er erklärt rückhaltlos, das, ans preußisch­deutscher Seite immer noch nicht die richtige P s - chologie gefunden worden ist, mit der man die'Bevölke­rung des Reichslandes gewinnt und in ihr moralische Er­oberungen macht. Aber auch die in Straßburg eingesetzte Regierung^ hatte während des Wedelschen Regimes, das gibt der Statthalter osseu zu, schwer zu kämpfen und oft nicht den erwarteten Erfolg, Ein Volk, das unter einer guten Regierung gestanden hat die französische Regierung lastete nicht schwer auf Elsaß-Lothringen kann nicht, auch in vier Jahrzehnten nicht, seine Vergangenheit vergessen und sich einer neuen Regierung rückhaltlos anvcrtrauen. Darüber muß inimcr noch Zeit vergehen, Ter Hinweis aus die Polen (wir geben inimcr noch Gedanken des Statthalters wiederi treffe im Elsaß nicht zu, Zn den polnischen Landes­teilen hat nie ein: "reguläre Regierung von langer Tauer gesessen, und die Bevölkerung war nie reis zu einer Teil- iiahinc an der Regierung, Im Reichslandc dagegen lmt man cs mit einer politisch kulturell hochstehenden Bevölkerung zu turi, und die größte Schwierigkeit besteht darin, die verschiedenen Schichten individuell zu behandeln, Tie reichen Fabrikantcnkreisc der elsäsfischen Industrie- g egend, die zum Teil Schweizer sind, stehen vollständig unter französischem Einfluß, Tie unteren Schich­ten scheiden sich in die Sozialdeniokratie und in jene Be- völkermig, die unter dem Einfluß einer wiederum nach Frankreich tendierenden Geistlichkeit stehen. Angepaßt hat sich nur der Mittelstand; er fühlt säst durchweg deutsch, Tazii gehört auch die Beamtenschaft, die, wenn auch zum Teil clsässischcr oder lothringischer Abstam- minlg, doch cingcschcn hat, welch feste Stütze sic an Deutsch­land besitzt. Ans diesen Mittelstand hat sich Graf Wedel während seiner ganzen Statthalterschaft verlassen, und dieser hat auch iu der letzten Zabernkrise treu zu ihm ge­standen, Gras Wedel gibt sich der festen Zuversicht hin, daß infolge des politischen Schwergewichts dieses Mittel­

standes nun Ruhe und Frieden im Lande eintritt, Tas Ziel ist allerdings, daß das Land nicht nur Ruhe hat, sondern sich in Ruhe entwickeln kann und sein eigenes Leben zu führen vermag. Um dieses Ziel zu erreichen, über das die Bevölkerung mit der kommenden Regierung zweifel­los einig ist, erscheint cs dem scheidenden Statthalter wünschenswert, daß endlich auch die oberen Schichten der Reichslandc mehr Beteiligung am politischen Leben zeigen und an der Wohlfahrt ihrer Heimat freudig Mitarbeiten, Gras Wedel ist der Ansicht, daß Zabern eine Sondcrerschei- nung war, wie er sie noch nie in den Reichslanden erlebte. Er hat dem Kaiser über jede Wendung der Zabernkrise stets sofort Bericht erstattet, auch mit dem Kanzler in ständiger Fühlung gestanden. Wenn sich zuletzt eine grundsätzliche Mei­nungsverschiedenheit mit Herrn v, Belhmann Hollweg her­ausstellte, so tröstet sich Gras Wedel damit, daß schon Bis­marck mit keinem Statthalter ganz zufrieden mar. Schon in Hohenlohes Tenlwürdigkeitcn liest man, wie heftig Miguel für die Ausnahmegesetze sprach, während Chlodwig sie nickt mehr für nötig fand und erklärte:Auch der Paßzwang wird anfhören und andere Maßregeln werden folgen, um Elsaß-Lothringen uns naher zu bringen; unsere Aufgabe ist,' dem Land und dem Bolk zu beweisen, daß es unter deuG scher Herrschaft gedeihen kann," Und bei dieser Gelegenheit noch ein Statthaltcrwort, Edwin Mantcusfel, der Marschall, bekannte;Der Kaiser hat mich ins Land gesandt, Wunden zu heilen, nicht, Wunden zu schlagen, Rur subalterne Auffas­sung meint, Elsaß-Lothringen müsse als ein erobertes Land behandelt werden. Ich kenne den gesunden Kern der Bevöl­kerung, weiß, daß sie mich versteht, und die Zukunft wird mir recht geben," Graf Wedel hat während seiner.Herrschaft nicht anders gedacht als diese seine Vorgänger, und er ist überzeugt, daß die Znkunst ihm recht geben wird,

Berlin, 29. Jan, TicNorddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt:

Ter Statthalter in Elsaß-Lothringen, Graf Wedel, hat sein schon im Dezember angebotenes Abschieds­gesuch erneuert. Wie wir weiter hören, haben auch der Staatssekretär Freiherr Zorn von Bulach und die Untcr- staatssekrctärc Tr, Petri, Mandel und K o e h l e r erneut um ihre Entlassung gebeten, Tic kaiserliche Entscheidung erfolgt voraussichtlich nächstens,

Straß bürg i. Elf,, 29. Jan, In der heutigen Sitzung des Budgetavsschusses der Zweiten Kammer erklärte derStraßburger Post" zufolge llntcrstaatssckrctär Mandel, daß die gegenwärti­gen Mitglieder der Regierung ihre weitere Tätigkeit bis zu der aus Berlin erwarteten Entscheidung nur als die eines Ge sch äs ts- mini ft criums aufsassen könnten. Der Budgttaussckmß begann die Voranschläge der Verwaltung des Innern »nd schloß mit dem Etatsgesetz die Ausschußberatung des Budgets ab. Für den Verband für Jugendpflege waren 10 00!) Mark gefordert, welche der Budgcl- ausschuß einmütig gestrichen hat, Man könne sich nach Za­ber n von der Tätigkeit eines Verbandes, der Nlit der Zivilvcrwaltnng z u s a m men arbeiten solle, nichts versprechen. Aus fortschrittlicher Seite wurde dann betont, daß nian drn unter deni Proteftorate des Grasen Wedel stehenden Verbänden wohl^einen gewissen Beitrag zur Verfügung stellen könne, da aber der Statthalter seinen Platz verlassen müsse, wolle man zunächst abwarten, wer sein Nachfolger werden würde. Zur Verpreußung der elsaß-lothringischen Jugend seien keine Lan- dcsmittcl verfügbar. Auch grundsätzliche Bedenken gegen den Geist der staatlichen Jugendoflege wurde» erhoben, Dienstag beginnt die zweite Lesung des Voranschlags im Plenum,

Dcutldic» Heid*.

Ein Telegramm Wechsel zwischen d c m Kaiser und dem Präsidenten Wilson, Aut ein in Tuckcrton

«New Persel,) von der Station Eilvese Hannover cingc- tioiioncä direktes drahtloses Telegramm des deutschen Kaiscls an den Präsidenten Wilson, in welchem der Kaiser die Hossnnng ausdlückt, daß die dradtlosc Verbindung ein neues Band zwischen Teutschlanb I,»b den Vereinigten Staaten bilden werde, sandte Wilson solgenbeS AnNv-rttelegiamm an den Kaiser: Ich bin rrfreut. Eurer Majeslät huldvolle Grüße zu empfangen, die durch die neue transatlantische Fiinkcnstation Eilvese mir über­sandt worden sind. Ich beglückwünsche Eure Majestät zu diesem neuen Glicdc der engeren Verbindung zwischen den Vereinigten Slaatc» und Teutschland,

Im preußischen A b g c o r d n e t c n h a u s c ist die Ver­legung der Graditzcr Gestüte nach Altcnscld (Regierungsbezirk Kassel) beschlossen worden,

Tie Nationallibcrale Fraktion des Deutschen Reichstags hat durch einstimmigen Beschluß das Hosvi- ta n t cn v er häl t nis zu dem Reichstagsabg, Ö estc rin a n n im Hinblick aut dessen Tonncrstag im Reichstag gehaltene Rede gelöst, ;

T i e sächsische Zweite Kammer beschästigle sich am Donnerstag init zwei Anfragen und einem Anträge, betreftend den .Schutz der Arbeitswilligen und Sicherung des Ko- aliiionsrcchtes usw, Abg, Kaiser, der die nationallibcrale Anfrage begründete, erkannte an, daß vielfach Terrorismus gegen Ar­beitswillige ausgeübt wird. Seine Freunde seien jedoch gegen jede Ausnahmegesetzgebung, gegen die Beseitigung des Streik- rechtes »nd gegen dos Verbot des Streikpostenstehens, Zur De känipiung der zweisellos bestehenden Mißstände genüaten die strai- gesetzlickten Bestimmungen, wenn sie nur in der Praxis richtig angewaitdt würden, Abg, Held vertrat in der Begründung der sozialdemokratischen Anfrage die Forderung der absoluten Ko- alikionssleiheit Ter Redner kam auch ans die Teilnahme des Königs von Sachsen an der Leipziger Versammlung des Zentral- verbandes deulsckter Industrieller zu sprechen und behauvtete, der König habe sich auch sür das Verbot des Streikpostenslehrns aus­gesprochen, Staaisminister Vitzthum von Eckstädt iühtti ans: Das Koalitionsrecht sei eine notwendige Masse, die beiden Parteien mit voller Parität gewährt werden müsse. Es dürfe jedoch kein Koalitionszwang daraus werden, die Willensfreiheit des einzelnen müsse gewahrt werden, Tie Regierung erachte es als ihre Pilicht, mit allen Mitteln dasür zu sorgen, daß sich die wirtichaitlichen Äänrpse im Rahmen der Rechtsordnung be­wegte» und daß Gewalttäftgkeiten unter allen Umständen vermie­den würden, Bis jetzt hätten die Machtmittel im allgemeinen ausgereicht, um Vergehen gegen die ösfentliche Ordnung zu unter­drücken und zu ahnden, Tie bestehende Gesetzgebung reiche aber nickt allenthalben aus, um den Terrorismus gegen die persönlich: Willensfreiheit zu unterdrücken. Es bedürse einer Aenderung des Strafgesetzbuches, Er sei bereit, im Bundesrat da­für einzutreten, daß bei der Revifion des Strafgesetzbuches dieses berücksichtigt ivürde. Er stimme in dieser Hinsicht mit den Aus- iühiungen des Reichskanzlers überein. Zur Schäftung einer be­sonderen Landesstreikpolizei liege kein ausreichendes Bedürfnis vor, Tie gewünschten Jnstrukftonen sür die Polizeiorgane wür­den geschaffen werden.

AurlanS.

Der ungarische Landesindustrieverein lehnte es ab, sich dem zu bildenden deutsch-ö st erreichisch-u II ga­rt s ch e n W i r t s ch a f ts b u n b anzuschließen. Pi-epräsident von II l l m a ii n begründete den Entschluß damit, daß Teutschland Ungarn gegenüber eine Wirtschaftspolitik befolge, die kaum als freundschaftlich bezeichnet werden könne, Tas Silstein der Ein- stihrscheine richte sich geqen den ungarischen Getreideimport, Tie Praxis der Gerslenverzollung werde so gehandhobt, daß man für ungarische Gerste iinmer vier Mark Zoll bezahle, während Ruß­land seine verschiedenen Gerstensorten mit 1,30 Mark verzollt. Es sei daher nicht im ungarischen Interesse gelegen, sich durch den Anschluß an den Wirtschaftsbund gegenüber Teutschland die Hände zu binden.

Vas Rätsel von Meyerling.

Zn»i 25. Jahrestage der österreichischen Kronpftnzentragödie, <30, Januar, >

Ans Wien wird uns geschfteben: Jetzt also wäre er 55 Jahre, stände mit dem gedämpften Temperament dieses Alters' im Rücken aller leidenichastlichen Hingerissenheit: eines Kaisers Sohn UN» dereinst selber ein Kaiser, der Kronprinz Rudvls, Es hat nicht sollen sein. An jenem 30, Januar 1889, der uns allen ttotz einem Viertel Jahrhundert wie ein ängstigender Alpdruck schiver und dumm im Gedächtnis liegt, wehten Winternebel in die Straße, mitte Licht der Sonne war verhangen, der Himmel wie mit Warte verstopft. Selbst die Kinder von dmnals, die ganz Kleinen, die Iwck' nicht einmal der Kunst des Einmaleins mächtig waren und i'nnst wie Blumen in den unbesorgten Tag hineinblühten, selbst die fühlten sich bedrängt »nd herabgesftmmt und spürten nur daß etwas »nbegreifbares gescheben >r>ar, etwas, das ihrem andringenden Verstehen entglitt: das Rätsel von Meyerling,

Fünfundzwanzig Jahre sind darüber hingegangen. Ein Viertel Jahlbundert' Unzähliges bat sich uns derweil erschlossen, ist uns geläufig und verständlich geworden, Ties eine aber blieb siemd und weit von uns abgerückt, wie am ersten Tage: das Rätsel von Meverling, Es Iwt seeilich. hier wie überall und stets Leichtserftge gegeben. Vielredner und Nichtssager, die nie um eine' Deutung in Verleaenheit waren. Man braucht nur die sren,Hündischen Blätter aus zenen Januar und Februartagen nachzujchlagen. und NM» sinket es da ichwarz aut weiß, ime das Rätselvolle geichehen war, findet es klipv und klar und von imor- mierler und bestinsornuerter und ,on,t gut unterrichteter Seite ausgesprochen. und ein Blatt konnte sich sogar rühmen, die . .

authentische" Tarstellung zu bringen. Es gibt auch »I nnierer Wiener Mitte ein Schock Leute,.die cscher, ganzcher wrven. - nd solche, aus deren Berrckü ,,-ge Gut nebnien können-; Aber kn,, es mir doch noch ein wenig überlegen, Tenn die H>- üvnen der' Leute die einen, die Wahrheit zugleich mit dem Schier- ingsbecher kredenzen, gehen ein wemg gar zu wert, auseniander widersprechen einander zu ,chr und au, dieAuthentischen-- ist schön gar kein Verlaß, ^

'fil es nicht merkwürdig, daß in unseren au,geklarten Tagen. », denen Hunderte Fäden von ganz unten nach ganz oben ständige Beriebunacn knüvGn, ein weltbekanntes Gelcheben m,t einer Mauer der^ Undurchdringlichkeit geacu Jedermanns Kenntmsnahme ver- , Hcfcr'J Es wax-n in auch ganz erwache Leute dabei: Loichek, ÄAwwcr des Prinzen, und sein Leibs,aker ^r Brati.sch Ab »r aiitb die haben geichwiegem Und wecke geichwiegen und weil sie den Schlüssel von deui Ratlel von McyerliNg be, sich be- hatten haben, sind sie selbst nur rapclvollc Ehisirrn IN der

Gcheimgcschichie dieses Ueinen Jagdschlösscls, Nicht der geringste Tomestikenklatsch kam über ihre Lippen, Und Nein war die Ver­suchung nicht, Hunderte drängten sich an sie heran, Ta war einer unter den Vielen, ein flotter Journalist, der einmal von dem Caruso-Honorar für eine» Originalbericht geträumt, der den Biatsiich ein halb Dutzend Mal an den s^errentisch beim Heu­rigen gelockt, der ihn mit dem süsiigste» Tokaucr bis zur Trunken­heit traksiert und ihn bei den, einen Wort:Ter Kronprinz Rudolf , , ," iminer völlig nüchtern sich 'ihn, gegenüber gesehen hatte. Nüchtern und mit einer drohenden Teniill, die gleich­sam das Ehrbewußtiein in dem Anderen anftef:Gnä Herr, Sic wer'n doch nicht. Mich kricgenS nicht dran," Keinen hat mandarangekriegt", Turch ein Viertel Jahrhundert und bis aus den heutigen Tag keinen Einzigen, Vielerlei erst Verbor­genes und ängstlich Vertuschtes ist uns niittlerweile enthüllt. Wir kcnneck jedes Tctail aus der Tragödie des Kaisers Max von Mciito, wissen Bescheid in den, Leben Leopold Wölslings. Aber alle Bücher tasten nur inst vagen Vermutungen an den Kronvnnzcn- tod, zeige» da einen Sprung in der Darstellung und geben höchstens Vorspiel »nd Epilog,

Ich denke, wir sollten uns beugen. Es ist ein seiner und Ehrfurcht gcbictendcr Takt darin, wie hier rin Vater das Letzte und Gemcinmenschlichc seines Sohnes allen mcnschlickten Fragen entzieht, Tas Leben solcher 'Hochgeborener und Gotterkorener gekört nicht ihnen allein. Tausenderlei Interessen der Tynasttc, der Politik, der Volkswohlsahrt und der Parteiung haben daran Teil, lind da hat cs eineil wuitderbar tiefen und crgreisenden Simi, wie sei» Sterben als Privaiangelegenbeit behüttt worden ist: Ter Tote gehört der Familie allein. Und es hat eine io rührende Schlichtheit, wie dieser Kronprinz im Sterben aui ein­mal ein Mensch wurde, nichts als Mensch, daß man das Rätsel von Meverling wirklich sür immer unberührt in den Geschichts­büchern steten lassen sollte, wie das Leben der Kaiserin Theodora von Lpzanz, wie das selsiainc Schicksal des Nürnberger Findlings Caspar Hauser und wie Vieles andere noch, das einen fernen und dunklen Sinn hat, gleich dem ganz Nahen und Alltäglichen: Leben imd Tvd. Hans Wantoch.

va; schwarze Zieber.

In der französischen Gesellschaft sür fremdländische Krank­heiten, die ihren Sitz im Pasteur-Jnstitut h>it, wurde in bitten Tagen mit berechtigter Zorge sestgtttellt, daß die Hunde von Marseille Träger einer Infektionskrankheit sind, die aus Kinder übergeht und wst immer zu einem tödlichen Ausgange führt. Es handelt sich um den sogenanntenkala-a,zar", um jenes schwarze Fieber, mit dem sich bereits der letzte große Internationale

Aerztckongreß in London auf Grund der Berichte der Professorcu Laveran und Nicolle eingehend beschäftigen mußte. Zum ersten Mal wird jetzt diese Krankheit auch in Frankreich sestgcstellt, sowohl bei den Hunden wie beim Menschen, Tas Leiden wurde zum eftlc» Mal 1869 in Indien durch Angehörige der ttiglischen Okkuvations-Armce beobachtet, zehn Jahre später war es bereits endemisch gcwr-rdcu, ioies Ttcrbezisieru von 70 bis 98 Prozent auf, aber erst viel später gelang es der Forschung, den Erreger dieser seltsamen Krankheit zu entdecken. Tas geschah im Jahre 1903 durch Lcishman: seitdem führt der kala-azar auch den Name»Leishmaniose--. Ter Krankheitserreger ist den Trvpano- svmen verwandt, die die Schlaskrankhcit hcrvorruien; man fin­det ihn in den Zellen der Leber und der Milz,

Lange Zcil glaubte man, daß der kala-azar nur'in Indien, China, Turkesta», Trans-Kaukasien, in Sudan und Acgvptc» vorkomine. Aber im März 1904 fand, wie der Mali» aussührt, Prof, Laveran die Krankheit in Tunis, Piancse enldecktc sic in Neaocl, und heute weiß man, da'tz das Leiden von dem ganzen Miitclmeerbeckcn Besitz ergrisscn hat, ja selbst in Rom»» im inneren Spanien wurde» bereits vereinzelte Fälle scstgeslcllt. Im Gegensatz zu der indischen KrankhestSsorm befällt der kala-azar des Mittclmecrbcckcns die Kinder und fast nie Erwachsene, Tas Lebensalter von sechs Monaten bis zu drei Jahren bietet die meiste Gefahr, Tas Kind verliert zunächst seine gcfundc Farbe, wird blaß, ermattet: dann beginnt das Fieber, der Körper erscheint aiiige- blasen, die Glieder schwellen an, Abmagerung beginnt, die Milz vergrößert sich und imch Eintritt verschiedener Verwickelungen tritt gewöhnlich in einer Frist von sechs bis achtzehn Monaten der Tod ein, Tic Heilungen erfolgen nur zu 2 Proz, Die Diagnose kann nur durch Punktierung der Leber oder der Milz gestellt werden. Nun ist sestgcstellt, daß diese furchtbare Kindcrseuche, Indien aus­genommen, nur dort austritt, wo die Hunde an dieser Krankheit leiden. Sie widerstehen dem kala-a,ar ungleich besser als die Kinder, Untersucht man die .Hunde, vor allem im Mai, Juni und Juli, so sinket man unter ihnen 10, 15 und steigend bis -zu 80 Prozent Krantheitsträger, Nur ganz selten konnte bisher in Häusern, in denen kein kranker Hand war. die Seuche bei Mndcrn feftgestcllt werden. In Rom, Turin und Algier entdeckte man die Erreger sogar eher bei den Hunden als bei den Menschen Prof Nicolle vom Institut Pasteur erbringt jetzt den Nachweis daß die Hunde sich gegenseitig durch ihr Ungeziefer, insbesondere die Flöhe anstecken: und daß die Uebettragung aus die Kinder aus gleichem Wege erfolgt, Ter Augenblick scheint gekommen, um Maßnahmen zu tresien, die cs »crhlnderu. daß diese Sttiche sich in Eurova endgültig sestsctzt, Tie ersten schritte zur .Eroberung Europas hat diese Kinder Veit bereits getan.