Ausgabe 
27.1.1914
 
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Nr. 22 Drittes

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

Die ..Gietzeuer 5ami!ie,v!ätter" werden dem

.Anzeiger" vierinal wöchentlich beigelegt, daS itreirblalt für den Breis Etehen" ziveunal wöchentlich. Tie ..Lonöii»irtjch«tt!ichen ScU- fra-en" erscheinen »nonatltck zwernial.

Blatt lb4. Jahrgang

(MWe? Alyeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

Dienstag, 27. Januar l9t^

Rotationsdrilrk und Verlag der Brübl'jcheu Universitäts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: '->1.

Redaktion: 112. Te1.-Adr» AnzergerGreßeii.

SchiwctNilnfe auf dem hoherodstopf.

Gießen, 26. Ion.

Der Gießcner Tchillnb verani:al,ete unter der Schirmherrschaft des Gvoyherzogs am Samsiag und Sannlag den zweite» hessi­schen Schiwettlaui, der ul allen ibv.ttichelt iVunncn eine sehr stark »nd scharte Konkurrenz ousznweiien ;vattc. Bereits am Freitag abenö matert die beiben Klubbänier au de», Hoherodskops über­füllt und Sanistag war »er Besuch io ttorf, das! ein großer Teil der Gäste in Breungeshain und der weiteren Umgebung Unter­kunft nehmen mußte. Dank des herrlichen Wetters, das an beiden Tagen herrschte, konnten die Zuicknruer, die in grober Zahl hcrbeigcnrömt waren, im vrächttanen Sonnenschein den Lauten beiwohnen, die sich ohne jeden Unfall abwickelten An den freien dangen war der Schnee zwgr verlwcncht, im Wald dagegen loar er ganz vorzüglich, ,, das; insgesamt sehr gute Zeiten crrielt wur­den. obschon die Läufer teilweise erhebliche Schwierigkeiten zu überwinden hatten.

Am Samstag vormittag wurde zunächst der Akademische Stafetten laus um den von der Universität Gienen gestifteten Wandermeis für die Hochschulen Tarmi g.», Gienen, Heidelberg »nd Marburg auzgelauicii, zu dem Heidelberg leider keine Stakette zusammengelwocht hatte, schartern Remiru getarnt die var- züglich trainierte Darmstädter Mannsckwst, die aus den Herren Gutermuth, Gradinger. Felder, Jettingcr und skischer bestand in 44 Min. 31 , Sek. gegen Gießen m/i 47 Min 17»/, Sek und Marburg mit 47 Men. 48'/-, Sek. Der Preis ist

damit von Darmstadt errungen worden, das ihn noch

zweimal erwerben muß, bevor er in seinen dauernden Besitz über­geht, Tie Sieger erhalten vom SchiNub seeinen silh. Schi /Nadel 'Zum Tau erlauf Zuniorenlaus über 8 Kilometer traten nachmittags 3 Lauser an. die dieselbe Strecke irne die akademische Mannschaft zn lausen hatten, nur in «mgekelnckcr Richtung Tic Höchstzeit von 56 Min. wurde nur von einem Läuicr überschritten, die anderen kamen zum Teil crhebüch trüber durchs Ziel und zwar alle in sehr «vier SSrriaiimtg Erster «j r e Pfannmüll« r iDarmstadt Schiklub Gienen) in 30 M 27 Lek. zweiter K itzin- ger (Frankfurt a. M. Taunus-Klub in öl M. 14 Sek, Miller

Maschkowzess (SchiNub Giene» in 52 Dl. 49s- Sek.

^ Ter Sonntag begann mit dem T a m c n l a u s, bei Mm Frl. Seydcli-Hos den ersten, Frl. Hilde Jäger den zweiten Preis errang.

Zu den svannendstc» Kämpfen des Tages gehörte Mr HIIl­de rnislaui. an dem sich 16 'Herren und allster Konkurrenz eine Tome bcteiliglc. Die Strecke war ausgezeichnet ausgewäblt und markier! und brachte so ziemlich alle Schwierigkeiten, wie sic dein Schnceschnhläufer im Gelinge Mgcgnen. Gelaufen wurM äußerst scharf, da sich auch hier eine ganze Anzahl auswärtiger Läufer beteiligte. Erster wurde Emil Böhm- Hcnncs, (Thüring. Wintersportvcrcin), nicht der Meistcrichastsläuscr, sondern dessen Bruder ZweilerrPsannmüller (Tarmstadt, S.-K. Gießens. Die Läuse werden nach Zeit. Sicherheit und Haltung gewertet. Dritter: Äerler (Oberschmitte», S.-.K. Gießen). Vierter: Maschkowzess (S.-K. Gießen . (Einen Anerkennungsmeis er- hielt Frl. Sc yd e<-Hof.)

Im Inge »dl aus siegten Deubel und Marg. Jäger in Mr ersten Abteilung (Schüler bis zu 12 Jahren', Kropp, Ußner,Almerding.Deubel und Döringinber zweiten Abteilung lbis zu 18 Fahren).

Im Alteherrnlous errungen Eduard Jäger (S,-K. Gießen) und Karl Neurath (S.-K. Gießen) die ersten Plätze.

Den Schluß Mr Wettläuse bilMte Mr Sprunglauf, Mr an Mr neiten Sprungschanze hinter den Klubhäusern abgehaltcn wurde Obwohl der Sprnnabüge< »a-h -i-stt völlia ker'igaesellt ist und namentlich am Aus'au"nvch Wesen licher Verbesserungen mdars, wurden unter starkem Beiiall der z '.bleich versanimellen Zuschauer Sprünge bis zu 16 Meier Weile erhält. Einen Ehren­preis für den weitesten Smung erhielt Emil Böhm-Hcnncs. einen Ehrenprris für Mn schämten Smung Tr. D e in o l l (S--K. Gießen) und einen weiteren Ehrenpreis Gutermntb (Tarmstadt, S.-K. Gießens. Nach endgültiger Fertigstellung des Hügels ist anznnchmen, daß leicht wesentlich wintere Sprünge daran erzielt werden, und daß er ein An-iebnngsMlnkt für weite Kreise Mr dentschcn Schilänfer ist, zumal sich gezeigt hat, daß die Echireeverhältnisse am HoberoMkops auch Mnn nach vorzüglich

Kaisers Sedurtrtag m der Aaserne.

Schon Me alten Germanen hielten es sür unbedingt notwen­dig, erhebende Ereignisse und Gedenktage an reich besetzter Tatet zu feiern. Es »ersteht sich von selbst, daß sie Mn Geburtstag ihres Herzogs gleichfalls als erhebendes Ereignis festlich begingen, dabei ihrem heißen Tanke gegen die Götter, die ihnen Mn treu­lichen Mann beschert, durch Ver>ilgen gewaltiger Mengen schmack­hafter fester und sinniger Substaiizen kra'ivolten Ausdruck ver­leihend Alsa ist cs be, den Tonischen Branch geblieben bis aus Mn heuligen Tag, Von den Herren Loloatc» wird Mr Eebnrts- mg ihres oMrsten Kriegsherrn erst rechr zu den erhkhenMn Ereig­nissen gezählt, Mnn Me Kaserne mrn>.rnde!l sich für diese viernnd- zwanzig Feststunden in ein Mhagliches H>cim, und die Maniischaits- tafeln locken zu Wittag mit so erfreulichen Spenden, in^esondere Schweinebraten, Pslaumcn und Klöße», daß Mn Herz?» aller wackeren Krieger icde Spar van Heimweli nach Mn Fleischtöpfen Ms Vaterhauses restlos verschwinde, Allerdings waren früher Me Genüsse nicht so opulenr wie heute, denn n^r Mn Freiheits­kriegen herrschte im vrcukijchen Heere geraum« Zeit Mr Meister Schmalhans. Ter alte Herr Premierleutnanr konnte mit Mm hohen Gehall" von monatlich 24 Thlr. I? eagr. 6 Pf., zu Mm er nach fünfzehn- ms sechzehniähriger Dienstzeit sich durchgerungen halte, lerne großen Sprünge machen, Mr gewöhnliche Leutnant mrt seinem Gehalt von 16 Thlr. 22 Sgr. 6 Ps. erst recht nicht, und noch weniger Mr Gemeine. Mr T -- eine tägliche Löhnung von ui r 1' , Sgr. rcr Lg e Es fehl e zudem an genügenden Kasernen. Kaminen und Kasinos und I. rai a.. angemcncner Beck rdung und Ausrüstung. So trugen auch Me Feste Mi braven Krieger ein bescheidenes Gepräge, selbst die in Mr Soldatrnstadt Pois'-am. Am 3. August 1824," heißt cs in einer Regimentsgeschichte, "wurde der Geburtstag Sr. Majestät und zugleich Scheibenseft Hach Meudelcr Schießübung gefeiert An Mitteln zu dieser Feier aber gebrach cs gänzlich. Ans den öden und beißen Schießständen vor dem Tcltowcr Tore neben den Jäger-SchreßstanMn waren vier Erdanjwürse mit Rasen belegt, daraus die Gaben sür die Leute: Schrippen, Wurst und Wcrderjches Bier. Die Offiziere kamen abends zu einem bescheidenen AbcnMssen im Einsiedler zu­sammen : das war alles." Heute sind die Träger des bunten Rockes msser gestellt das Feiern wird ihnen leichter gemocht. In den bekränzten und bcilaggttn Kasernen herrsch, eitel Wohlgefallen, Mn» Festessen, Licbhabertbcater und Ball sind Freuden, die jeden Soldaten in Wallung bringen. Es kann nicht aushleiMn, daß Me Bedeutung Ms Tages ancki zu Reden Aulaß gibt. Ihre Signatur ist kerniger Gehalt in Militärischer Knappheit. Am knappsten ver­fuhr Moltkc. Sein Trinkipruch Mim Festmahl zum Geburts­tage des Kaisers lautete schlicht und recht:Aus das Wohl Seiner Majestät des Kaisers -nd Königs!" oder:Seiner Majestät dem Kaiser und Könige!" Einmal gebrauchte er allcrMngs zwei Worte

lind, wenn in Mn meisten Mittelgebirgen Mr Schnee schon ver­eist ist.

Die Organisation und die Turchsührung Mr Wettlöuic wurdc von Mn Lausern sehr gelobt Nach denr gemeinsamen Mittagessen nahm Mr Voriihcndc Me Peeisvrrtcilnng vor, wonach die AM sahrl nach Schotten erfolgte, wo ein SonMrzug Mreil stand.

Au» Siadt unv CanO.

Gießen, 27. Januar 1914.

** Das 25-Pfennig-Stück will sich nirgends io recht einbürgern. Es ist daher ein seltener Fall, wenn cs in der Kölnischen Zeitung von einem Leser des Blattes ver­teidigt wird. Er schreibt:Für das Fortbestehen eines Münzstücks zu 25 Pfg. möchte ich eine Lanze einlegen. Die geäußerte Auffassung, daß die Unbeliebtheit unseres 25-Psennig-Etückes in erster Linie mit unserer Tezimal- rechnnng zusammenhängc, in das es nicht hineinpasse, kann ich mir nicht aneigucn. Sonst müßte auch das 3-Mark- Stück, der wieder aufcrstandenc liebe alte Taler, lvenig Freunde haben. Nein, auf diesem Gebiet ist die unverkenn­bare Abneigung gegen die Biertelmarkstücke schiverlich zu suchen Vielmehr pflichte ich der Ülirsicht bei, daß sie nuv wegen ihrer äu ßeren Besch assenheit nicht beliebt sind. Ei» Fehsgrisf in Form und Ausgestaltung des Stückes ist die Ursache der Gctingschätznng. Richtig ist. daß da-4 25-Pfennig-Stück mit dem I-Mark-Stück in der Elle leicht zu verwechseln ist. Man ändere Legierung und Größe. Das Stück kann getrost so dick und dazu kleiner gemacht werden, daß es schon durch das bloße Befühlen von anderen Geldstücken unterscheidbar ist. Sodann dringe man aus der einen Seite stark hervortretend und groß die Wertzahl (25) an, lasse aber die unschön wirlenden und zwecklosen Achrenbüschcl wie auch sonst jedes Geschnörkcl fort In neuer Forni und Gewandung dürste das 25-Pjg.- Stück sich bald iin Verkehr ebenso nllßlich und uncnlbehrlich erweisen, wie z. B. bei der Post die 25-Pfennig-Marke. Wer ein gutes Mcnschenalter hinter sich hat, wird sich der großen Beliebtheit unserer früheren Lsiz-Groschen-Stücke, der braven Kastcnmännchcn" erinnern."

** Heizbare Trinkgelage für die Vögel. Bei der Kälte gehen viele unserer lieben kleinen Sänger zu Grunde, deren größter Teil eingeht, weil kein Trink- Wasser vorhanden ist. Es fehlt den Tieren an Gelegerr- heit, den Durst zu stille». Wenn man jetzt ein Trtukgefätz mit Wasser hcrausstcllt, ist es in einigen Minuten zuge- froren, und die den Vögeln zugedachte Wohltat verfehlt ihre Wirtung. Es gibt nun heizbare Trinlgefäße, welche tägliäi imr' >» Brilrtr ersorderri, um das Wasser eitrige Grad über 0" zu erhalten. Es wäre eine wirkliche Wohltal, w?tn> der Tierschiißverein oder die Ltadt ctnxi 1612 Stück solcher Trtnkgesäße anschasfen würde, welche tu Mn Anlagen, Friedhöfen usw, crufgestellt werden könnten. Die Ausgaben würden etwa 4050 Ml. betragen.

Landkreis Gießen.

->cht. Allendorf a. d Lahn, 26. Jan. Drei Burschen, die von Wetzlar kamen, kehrten hier ein. Als sie an Essen und Trinken gesättigt waren, verließen zwei davon die Wirtschaft, während sich der Dritte auf dem Flur an einem Schränkchen, in dem sich Schnaps und Zigarren befanden, zu schassen machte. Ter Wirt, der den Vorgang beobachtete, nahm ihm diese Dreistigkeit sehr übel und versetzte ihm ein paar schallende Ohrfeigen, Die Drei waren jedoch mit dieser Behandlung dllrchaus nicht zufrieden und es entspann sich eine regelrechte Schlägerei. Nachdeni die Ruhestörer aus dein Hose getrieben waren, machten sie von außen her aus das Hostor einen Sturmangriff und zertrümmerten es teilweise. Zwei Gendarmen nahmen tags darauf den Tat­bestand auf, da der Wirt Strasantrag gestellt hatte.

mehr, denn er begann den Trinkipruch mit der Anrede:Meine Herren!" Des Langen und Brei en über den Kaiser zu reden, hielt der große Stratege sür überslüssig, den» seine Generalstäbler fühlten >a für ihren obersten Kriegsherrn dasselbe »ne er. Und so wurde mit dem Trinkipruch:Dem Külscr und Könige!" dem allgemeinen Empsindcn vollkommen genügt.

Da; sterbende Wien.

Brief an einen reichsdeutschen Freund.

(db) Man schreibt uns aus Wien:Lieber Freund! Kausteutc haben die gute Sitte, in diesen hellen, blinkenden Tagen des Januar ihre Bilanz zu ziehen, was das Jahr an Kräften gefov- dert und an..Gewinn cingebracht hat. Dein Vorschlag, cs mit nm'erer Korreivondenz ebenso zu halten, gefällt mir. Doch ich werde den Kürzeren ziehen, denn bei Euch sind die Ereignisse das Neue, dar Neueste vom Neuen: die Wiener Ereignisse aber sind das schwindende Alte. Wir hatten es ansgemacht, uns von den Geschehnisien in diesen beiden Städten, in denen wir leben, ge­treuen Wochenbericht zu geben. Und wenn ich nun die Kopien meiner Briese durchblättere: sic tragen alle Trauerrand. Da siel ein Haus, das Kriegsminitterium mit seiner viedermeicrischeu Fassade, dort eine Allürc, wie das Fiakersahren, und hier wiederum sank ein Straßenblld dahin wie etwa die Burgmuük. All diese Dinge, an die man einst bei dem Namen 'Wien zunächst gedacht hat, all diese reizvollen Ingredienzien, die soigniertcn und noblen tRarchgarnierungen, die (in Paris etwa) den Zierat einer Stadt ansmachcn, hier ober ihr Wesen waren: all diese lieben Dinge sind Historie. Oder sie werden es bald sein. Ter Grabenkorso und der 9!aschcnmarkt, der Bösendorser-Saal und die Burgmusik, der Wiener Walzer und der Weckelmann.Das Alte stürzt", wirst du viellcühl sagen. Aber wenn ich nur das Neue wüßte, das an seiner Stelleans den Ruinen blüht". Nicht als ob Wien etwa abgetan wäre. Eine Stadt und ein Reich, das diese fürchter­lichen Krisenzeitcn ohne ticserc Störung ansgeha'len hat, lebt sehr lebendig. Aber sic lebt nicht mehr aus ihre An. Das heißt, sic übernimmt, abml nach, sie lebt aus zweiter Hand. Und nichts peschieht, was einer anderen Stadt Beispiel und Vorbild sein könnte.

Vor einigen Jahren Hane es den Schein, als sollten wir eine Biedermeier-Renaissance erleben. Altwien war damals Trumps, schwarz-gelb war madisch. Das Jahr 1809 spiegelte sich in dem Leben des Jahrhnndertjahrcs später. Schnitzler hatte damals seinenJungen Mcdardus" geschrieben. Er gab mit Kainz u4h der Medelskn seinen unvergeßlichen Mtwiener-Abend für das Denkmal Johann Strauß. Es war die Zeit der Annexion »nd des größten Augenblicks in unserer Wclrpolitik seit Andrassy. Damals waren die Leute stolz, schwarz-gelb zu sein. Tie große Vergangenheit restektierte in die Gegenwart, in alle Aeußernngen des Lebens, die Geselligkeit, die Kunst, die Mode, die ganz ans

ll. Rodhcim bei Hungen, 25. Jan. .Heute sand unter zahlreicher Beteiligung der Gemeinde hie Einwcthung des neucrdauten SchulhauscS statt. Um V»3 Uhr bewegte sich ein stattlicher Fcstzug durch die Straßen des schön ge­schmückten Torfes zum neuen Schulhause, das an Stelle des alten aufgebaut ivurde. Es ist ei» sehr schöner Bau, dessen Einrichtung in Bezug auf Schulsaal und Lchrcnvohnung den modernen hygienischen Ansorderungen entspricht Äl>- sprachen hielten Lehrer Bersch, Pjarrcr Schlosser, Kreisschnlinspektor Tr, Alles, Kreisstraßenmeister List- m a n n von Hnngcn und Bürgermrister Kroll.

Kreis Fricdbcrg.

O Fricdbcrg, 25. Jon. Unsere Stadt zählt jetzt mit dem cinacnieindeten Vororte Fauerbach nahezu II 000 Einwohner. Die neue Garnison hat den belrächllichcn Zu- wachs verursacht,

F Ba d-9!a u heini, 25, Jan, Z» einem Vortrag über die Freindenlegion hatte» hentc abend Männer- timnverein, Sportverein »nd Wandervogel cingeladcn. Die null.senden AiiSsührunqcii des Redners, H. Kräiucr- Butzbach, wurden mit Interesse verfolgt. Den zahlreich an- wescndcn jungen Leuten wäre» sic eine eindriiigliche Warnung vor dei» Dienst in der fremden Koloiiialtruppe.

R Kirch-GönS, 24. Ja». Inder erNe» Gem einde-- raissitznng wiirden die drei neuen, an, 17. September ge­wählte» Mitglieder M. Höhn, ll. Rührig und K. Gatzcrl verpflichtet.

O Ober-Mörlen, 25. Jan. Dreißig Jahre in Diensten iinserer Gemeinde stand am gestrigen Tag Polizei­diener Peter Heil.

Starkcnburg und Nheinhessen.

Offenbach a. M., 27, Jan. In der Kessclfahrik von Philipp Loos kam gestern mitiag ein Kessel ins Rutschen und begrub unter sich den 24jährigen ledigen Arbeiter Adolf Ro t. Der Tchivcrvcrletzte ivurde von der ^Rettungswache im Kranteiiauroniobil ins städtische Krantenhaus gebracht, wo er bald nach seiner Einlicserung sein-n schweren Verletzungen erlegen ist, Hessen-Nassau.

[) Schweinsberg, 26. Jan. Auf der Drahtseil­bahn, die bei Obcroflcideii vom Lteinbruch über die Land­straße nach dem Klopfstciniverk und dem Schienengeleise der Bahn Kirchhain-Niedergemündcn führt, löste sich ein mit Steinen beladener Wagen, durchschlug die Wand des Klopfsteinwerts und flog schließlich, naehdcnt der Wagen sich unterwegs schon ziemlich entleert hatte, über die Bahnlinie hinweg aus den Bahndamm. Zum Glück war kein Zug auf der Strecke.

Vcrmiidttci.

* Mordversuch. Als sich gestern abei» der Schau­spieler Paul Guide in Gesellschaft seiner Geliebten nach Hause begeben wollte, gal, sie in dem Augenblick, alei Guids eine Droschke besteigen wollte, inehrere Revolver- schüsse auf ihn ad und ergrisf darauf die Flucht. Der Schau­spieler wurde lebensgefährlich verletzt. Die Täterin wurdc eingeholt und festgenomme».

* Schnee stürme, TicSchlesische Ztg." nieldet aus Reichenbach (Eulengebirge-: Leil Samstag herrscht starker Sch nee sturm. Tic Züge der Eulengebrrgsbahn, die zwischen Silberberg und Reichenbach verkehren, sind gestern vormittag im Schnee stecken geblieben. Der Sttirm dauert an.

* Erstickt. Aus Bobrek bei Beuthen meldet ein 'PriAvItclegramm: Am Samstag stiegen mehrere mit der Ausbesserung der Rohrleitung in der Donnersmarkhütte

die Schlacht von Aspern gesimmt war mit ihren Napoleon-Hüten und ihren vatrontoschenattigen Handläschchen. Eine ganze Biblio­thek von Streitschristcn für und wider Wien entstand, jedes sinkende Haus aus dem Michoelervlatz, dem Graben und dem Hof ivor Kampsobjekt und Ereignis. Altwicn war Mode. Und verging darum beängstigend ra>ch wie jede andere.

Das wäre weiter nicht so schlimm, wenn das sterbende Ml- wien nicht das sterbende Wien ivare, wenn nicht mit jedem Baracken- schutt ein ngnisikanter Zug aus dem Antlitz der Stadt hmwer»- geräumt würde. Neue Hauser sind hier imr neue Häuser, nicht wahnwitzig rasch emporgeschleuderte Geburten einer Ivahnwitzig rasch sich selbst überholenden Stadt, Neue Tänze nur Launen, nicht Notwenlngkeitcn eines scnsalionslüsternen Vergnügungskon­sums, Nene Sitten nicht organische Umsormungrn des Lebens, sondern nur ein törichtes und überstüssigcs Preisgeben des 'Alten, weil Berlin es vor uns hatte. Immer mehr wird Wien in seinen Straßen, seiner Kunst, icü,c» Theaterii, seinem ganzen Zuschnüt ein scrncr und oenpötetcr Vorart von Berlin. Auch in seinen wienerischsten Dingen, im Kasicehaus, in, Fuhrwerk, in der Musik. Keine Stadt ist augenblicklich so geliebt in Wien wie diese, llnd diesen, Komplimeitt, das Dich sicher siem, bin ich Dein ^ H. D

Ein Opercttenersvlg. Ans München, 24. Ja- miar, wird uns berichlet:D c r b l a u e R ei l c r". Operette von Friedrich Bermann, halte im Gärtnerplatz-Tcater einen sehr leb!,asten Erfolg. Das Tertbuch von Stein und Heller stchl über dem üblickn-n D-urchschnut. Der blaue Reiter ist der Baron Fred von Durlach, ein fescher Dragoncrleutnant, der .seiner Geliebten, der Schulreilcrin Blanda, den ?lbschied crtellt, um sein Wappenschild mit den Millionen der Tochter Hilde des Kommerzienrats ölnggenheim neu zu vergolden. Die Verlassene ersinnt gemeinsam mit dem Elown Tom mH und ihrem platonischen Verehrer Mumme, einem Braunichweiger Wurstiabri- kanten, einen Racheplan. Sic verdingt sich bei Hilde als Zofe, Tommy dagegen als Chansseur. Beide stören nun die Brautnacht des jungen Paares, wodurch das traditionelle tragische Finale des zweiten Aktes ermöglicht wird. Im dritten 'Akt entdeckt aber Bland« ihr Herz für Tommnnd söhnt nun das junge Paa» selbst aus. Das musikalische Gesicht des blauen Reiters gleicht erheblich dem Lnremburger Grasen. Ter Höhepunkt der Par­titur ist eine amüsante Parodie aus den Brautzug ausLohen grin". Tie Jnslrumenkiernng ist blühend und geschmackvoll. Äe Aufführung war sehr flott, die Ausstattung glänzend. Tic Autorco wrrrden nach dem zweiten und dritten Äkt wiederholt gerufen, so daß die Operette wahrscheinlich ihren Sicgeszug über die deutschen Bühnen antrelcn wird.