Nr. 22
Ttx «ItR«"« HnjrfS«
erschein! läglich, anfetr ßonntoo«. - Beilagen: üiermnl ivöchenlljch kießener^amilienbiztier: zweimal wöchenil.Kieik- »I»NsSrbenrlrei,«jeh«n I Dienstag und Frei lagt: zweimal monall. 2»nb- wirlschastliche Seilsragcn Feriiiprech - Anschlüße: >"e die Redaktion Iir, Serlaq n. Erveditzon dl Ad, eile iür Teoeichen: Anzeiger «irße». Annahme von Aozeigen iiir die Tagesniimiiier bis vormittags S Uhr.
Erster Blatt
M- Jahrgang
Dienstag. 27. Januar 19H
General-Anzeiger für Oberheffen
Rstationrdrvck tust Verlag »er Srühl scheii Unio. Such- und SteisdrnSerei 8. Lauge. Redaktion, Lkpeditisn und Druckerei: Schulftrahe 7.
Dezu g 4 » ret»:
monatlich7öPftmenel-
jährlich Mk. 2.26; durch Adhole- u. Zweigstellen monatlich 8S PI.i durch die Post Mk.2.— oiertel» jährl. ausschl. Bektellg. Zeilcnpreis: lokal l5Pi„ auswärts 20 Mennig. Lheiredakteur: A Goetz. Verantwortlich sür den volit. Teil: A»g. Goetz: inr .Feuillelo»', .Vermischtes" und.Gerichis- saai": Karl Nenrnih; iür .Stadt und Land": Kurt Bendt; iiir den Anzeigenteil: H. Beck.
Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
Zum Geburtstag des Aaijers.
Wieder begeht das treuliche Volk festlich t>en Geburtstag des Kaisers, der am Dienstag sein 55. Lebensjahr vollendet. Im bnntcn Schmuck der Fahnen prangen die Straften der Städte, in den Schulen feiert die Jugend, und in unzähligen festlichen Veranstaltungen bekunden die Erwachsenen, daft sie. mag sie auch sonst »och so vieles voneinander trennen, einig sind in der Feier des nationalen Festtages, den uns der Geburtstag unseres Kaisers bedeutet. Diese Mitfeier durch eine ganze Ration ist ein schöner Brauch, ist ein Zeichen gesunden, kräftigen Volkstums, das, unbeirrt durch die Forderungen des Tages und die Kämpfe der Gegenwart, festhält an dem. worin alle guten Deutschen sich eins fühlen dürfen und eins fühlen sollen. Tenn die Verehr»nq imd ine treue Gesinnung, die dem Herrscher cnt- grgcngebracht werden und die sich an diesem festlichen Tage mit besonderer Stärke geltend machen, sind — mit Ausnahme derer, die sich in wirklich bewußten Gegensatz zu der heutigen Welt- und Staatsordnung stellen — ein Gemeingut der deutschen Nation. Diese ist monarchisch, nicht lveil der Monarch diese oder jene Politik vertritt, nicht weil die Maßnahmen der Regierung eine bestimmte Richtung verfolgen, sondern weil das Hohcnzollcrnhaus in Jahrhunderten schwerer Arbeit seinen Berus erwiesen hat, den deutschen Stämmen das Banner voranzutragen, und weil auch Kaiser Wilhelm II. getreu den Ucberliescrungen der Besten seiner Vorfahren in seinen Handlungen gezeigt hat, daß die Richtschnur für diese das Heil des Staates ist.
Für uns Deutsche ist der Kaiser nicht nur das lebenskräftige Symbol, sondern die Verkörperung der nationalen Einheit Kaiser und Reich, diese Begrifft lmt in Deutschland die Geschichte zusammcngeschmiedet. In dem Kaiftr- trim sehen wir die Verwirklichung dessen, wofür unsere Väter gestritten und gelitten, sehen wir die Beendigung jeues trostlosen Zustandes, den ein deutscher Dichter einst mit der wehmütigen Frage gekennzeichnet hat: Was habt ibr denn noch Großes, Allgemeines, welch Band, das euch als Volk znsairnnenschließet, seit ihr das Kaiserszeptcr brechen ließet?
Freilich haben lvir in den inehr als vier Jahrzehnten deutscher Rcichsgeschichte ost genug die Wahrheit des Wortes empfunden, daß ..nicht jeder Dag kann glühn im Sonnenlichte, ein Wölkchen und ein schauer kommt zur Zeit". Und gerade in den letzten Tagen hatte es den Anschein, als ob durch eine aus dem „Prcußentage" grsallcne und nicht mit »allem Ersolq -dementierte Rede^ die an dem Verhalten der bayerischen Truppinr in der Schlacht bei Orleans eine durch nichts berechtig!!- Kritik geübt haben sollte, die partiku- laristische Strömung diesseits wie jenseits des Mains wieder an Kraft gewinnen könnte.
Als un Juli vorigen Jahres in Alldeutschland das Rc- gierungsjubiläuin unseres Kaisers festlich begangen wurde, hielt der damalige Prinzrcgent und jetzige König Ludwig von 'Rayern jene vielbcmerkte Ansprache, in der er die (Einigkeit der deutschen Fürsten, der Freien und Hansastädtc, des qan zen deutschen Volkes pries, jene „unerschütterliche Einigkeit, die des deutschen Volkes Macht und stftanz nach außen und im Innern für immer verbürgt". Und aus die 'Ansprache des Königs von Sachsen erwiderte Wilhelm II. mit den Worten, die wir alle in unser Gedächtnis schreiben sollten:
„Diese G cmei »sch a s t in einem unauflöslichen Bunde, der das Eigenleben seiner Glieder nicht beeinträchtigt, ist uns allen in Fleisch und Blut übergegangcn. . . Das Bekenntnis deutscher Bundestreuc, das mir aus Eurer Mascstät beredten Worten so warni entgegcnklong, findet in meinem Herzen starken und freudige» Widerhall. Ich nehme cs als Bestätigung
Datterich.''
Der Deutsche Abend, der zur Unterstützung des Deutschtums im Ausland am 4. Fcbruarin Steins Garten veranstaltet wird, bringt als Hauvinummer des Programms die Aus iübrung des „Datterich". Bis heute hat dieses Lustsviel ini Darm siädter Dialelt seine »»geschwächte Lebenslrasi bewahrt und wird »ach immer als wirksames Bühnenstück und echtes Prodult sprudelnden Volkehumors mit jubelndem Ersolgc zur Darstellung gebrächt. Die Dichtung selbst wird wobl vielen unserer Leser bclannt sei», dennoch möchten einige Notizen über den Dichter und sein bedeutendstes Stück angezeigt erscheinen.
lErnst Elias Nicbergall — vulgo E. Stress — ist geboren den 13. Januar 1815 als Sohn eines Großherzogjichen Kammermusikers in Darmstadt. Aus dem Gvmnasium seiner Valerstadt war er ein äußerst talentvoller, tüchtiger Schüler und der Liebling seines Direktors Diltheb. Im Herbst 1832 bezog er die Landesuniversität Gießen, irm evangelische Theologie zu studieren: er wurde Mitglied der Burschenschaft und trat nach deren Auslösung in das von den zersprengten Burschenschaftern gegründete Korvs Palafia. Georg Büchner und Karl Vogl studierten zu derselben Zeit in Gießen, als die Temaasgeuhetze und mit ihr die revolutionäre Bewegung i» der Studentenschaft vier ihren Höhepunkt erreicht hatte. Niebergall mußte sich als Student lünttnerlich behelsen, und um die Resorm- imb Revolutionsunlernebmungen seiner Kommilitonen tümmcrtc er iich nicht weiter; er saß. aus einer langen Pfeift gualmend, im „Looft-.hceschc" und ließ stillvergnügt einen Schoppen nach den, andern durch seine ewig durstige Kehle rinnen. Stets munter und guter Tinge war er bei seinen Vcrbindungsbrüdern sehr beliebt und galt iür eine» gewaltigen Schläger aus der Mensur. Als Student schrieb er in dieser Umgebung und Stimmung sein erstes Lust- spiel „Des Burschen Hcimkebr oder der tolle Hund" und zeigte schon in diesem Jugendwcrk eine bewundernswerte Kunst der dramatisch bewegten Charakterzeichnung: die einzelnen Szenen wurden „unter iabelbailem Avvlauie" aui der Kneivc vorgelcsen. Nachdcni er das kializltätseramcn 1835 bestanden hatte, verzichtete er aus die theo-
*) Ein vorzüglicher, genau nach der ersten Ausgabe hergo- stcllter Neudruck des Wertes aus der Ernst--Lndwig-Prcsft ist kürzlich im Jnsclverlag zu Leipzig erschienen. Emil Prectorius, der geniale Zeichner, hat dos vornehm ausgeslattclc Buch mit einigen köstlichen Steindrucken geschmückt und ihm auch einen tvirkungs- »ollen Einband gegeben.
dafür, wie mächtig bei den Fürsten, den Regierungen „nd den Stämmen unseres Volkes der Wille ,u der nationalen Einheit lebt, in der nur das Heil für alle Zukunst erblicken."
In diesem Willen zur nationalen Einheit, in dieser gemeinsamen Liebe znm deutschen Baterlande, in dieser gemeinsamen Arbeit fiir das Reich, in der >oir „das Heil für alle Zukunft erblicken", liegt das starke, unzerreißbare Band, welches bei uns Volk und Herrscher verbindet, liegt unsere Starte und unsere Hoffnung.
Berlin, 26. Jan. Bei den Majestäten faich im Elisabethen, saalc, aus der Elisabcthgalettc des Königlichen Schlosses, Tafel statt, au der zur Feier des Geburtstages des Kaisers die hier cin- gttrosscncn deutschen Biindessürstcn un.d Prinzen, die Königin von Griechenland, der Kronprinz von Griechenland, der ruuiänische Thronsolgcr und Prinz Carol von Rumänien teil- nahmen. Geladen ivarcn ferner u. a. der Reichskanzler, die Gesandten der deutschen Bundesstaaten, Minssierpräsident Peui- zelos, Staatssekretär v. Jagow, die Kabinettschess, die Hofstaaten und das Gcsolgc.
Berlin, 27. Ja». Dem „Berliner Lokalaiizeiaer" zufolge sind aus Anlaß des Geburtstages des Kaisers die Geil erali ns pekteurc-v. Heeringcn und v. K l u ck und Generalstabschef v. Mo l t kc zu Ge n c r a lv b e r st e n befördert worden.
Tie amtliche „Norddeutsche Allgeincinc Zeitung" bringt zum Geburtstage des Kaisers einen Artikel, in welchem es heißt:
„Gleich seinem großen Ahnherrn sühlt sich der Kaiser »nd König als erster Diener des Staates. Für jede seiner Entschließungen ist das Bewußtsein maßgebend, daß sie der Na- fivn fromme. Bon der Ucberzcugung persönlich st er Verantwortung vor der Vorsehung Ivird die unverbrüchliche Pslichteisüllung getragen, die zu jeder Stunde das Wohl des Ganzen im Auge hglt. Nur der außerordentlichen Willens- krast und nnennüdlichen Wirksamkeit konnte es gelingen, nach allen Seilen eine srnchtbringcnde Tätigkeit zu entsalicn, deren Eriolge jedermann jichthar sind. Seine Majestät betrachtete cs von Beginn an nicht als Ausgabe, das von seinen Vätern übernommene Erbe lediglich zu verwalten. Dieses Erbe wurde in der Weise gemehrt, wie es niemand vorahnen konnte. Ob cs sich unc Sicherung des Reiches durch die Wkhrmacbt aui dem Lande oder zur See, um die Fortbildung des Rechts, den Ansbau der sozialen Gesetzgebung, die Förderung der ioirischaitl. Wohlsabrt, die Entwicklung des BLduiigsivcftns aller Stufen, die Unterstützung der Wissenschaft, skiinst und Technik und die Anregung zur allgemeine» Körperpflege handelt, immer iviedcr begegnen wir der regste» Anteilnahme und dem versönlichen Eingrcisen unseres Herrschers, dies alles in einer Zeit, die die angttoannise Auimerksamkeil des Monarchen für die Steuerung des Reichs- schifss durch vielerlei Fährnisse in Anspruch nahm. Eine solche Fülle von Pstichten vermochte nur eine Herrscherpersönlichkeit zu tragen, die von den höch^en Anssassungen über den Sinn des irdischen Daseins für den Einzelnen wie sür das Volk beseelt ist. Aus den Ereignissen vor 100 Jahren entnahm der Kaiser die dringliche Mahnung, daß nicht kriegerische Lorbeeren, nicht Wohlstand, Macht und Ansehen letzten Endes das Schicksal und die Zukunft des Volkes sichern, sondern allein die sittliche Kraft, die ihm inncwohnt. In diesen Worten liegt eine tiesgreisende Erläuterung zu den Bemühungen des Monarchen, allen wettvollen Lcbensäußerungcn der Nation die Bahn zu ebnen.
Berlin, 26. Jan. Der griechische Ministerpräsident V e » i- zelos stattete heute vormittag dem Staatssekretär des Auswärtigen Amts v. I a g o w einen längeren Besuch ab, sobann nahm Bcnizelos das Frühstück auf der rumänischen Gesandtschaft ein. Nach dem Frühstück besuchte der Minsserpräsidciit den Reichskanzler. Hieraus wurde er von der Königin der Hellenen emp- sangen und stattete mehreren Botichostcni Besuche ab. Abends war der Ministerpräsident zum Galadiner bei dem Kaiser geladen.
Scsttfcb?» Ucicfe.
DerReichskanzler » ndGrafH erkling. Tie Korrespondenz Hosfinann meldet: Aus ein von dem Ministerpräsidenten an den.Reichskanzler gerichtetes Telegramm, in dem dieser den Dank der bayerischen Regierung dafür aussprach, daß der Reichs-
logilsche Laufbahn und nahm eine Hauslchrerstelle in Dieburg an. Im Jahre 1840 übernahm er eine Lehrerstclle am Schmitzschcn Änabeninstilul in Darmstadt. Hier entstand noch in demselben Jahre sein zweites Lustspiel in 6 Bildern in Darmstädter Mundart, der .„Tatlerich", das bei seinem Erscheinen (1841, 9. Ausl. 1907) von der Zensur arg verstümmrll wurde: dursten doch die in der Drei- brunnenszcne des sechsten Bildes vorkommenden Polizeidiener, als mit ihrer Würde nicht vereinbar, nicht in Darmstädter Mundatt sprechen, sondern die betrcsscnden Stellen mußten in Schriftdeutsch umgcändcrt werden. Der 'Name „Tatterich" bezeichnet im Polks- urnnde den zittcttgcn Zustand der Gewohnheitssäuser: ein heruntcr- gelommcner Subaltcrnbcamtcr in Darmstadt sührte diesen Spitznamen. Auch aus dem Gebiete der Novellistik hat sich Nicbergall versucht: er starb, nachdem die Folgen des Trunkes und die Zerrüttung des Geistes und Gemütes seinen Körper bereits gebrochen und widerstündsnnsähig gemacht hatten, am' 19. April 1843.
Ter „D a t t c r i ch" ist nicht nur das behcutcndstc Stück des Dichters, sondern auch eines der besten Lustspiele der deutschen Literatur überhaupt. Es ist „eine lebensechte Tragikomödie von genialem Huuiol, von so tieser, sicherer Schövskrast und Er- sassung der menschlichen Seele, von so starker Realistik, daß cs aus dem poetischen Kreise seiner Zeit wie ein Wunder her austtttt". Ter Siimmungsgchatt läßt sich nicht wiedcrgcben, auch die Handlung nicht skizzieren, so daß eine Inhaltsangabe imr ein sehr mattes Bild bieten kann. Georg Fuckis in seiner Ausgabe der dramatischen Werke Nicbergalls erzählt die „Fabel" so: Ter Partikulier Datterich ist ein Mann, der zwar nienials Geld in der Tasche, aber um so viel mehr Durst in der Kehle und Grütze im Kops hat. Er lebt von einem rasfinicrten Borg- und Prellshstem, wobei ec ebensoviel Verwegenheit, Schlauheit und Witz auibietet wie weiland Rcinccke Fuchs. Er sesselt in einer Kneipe de» guien, herzlich dummen Dreher Schmidt dadurch an sich, daß er ihni auibindct, er sei durch seine hohen Verbindungen imstande, ihm die Rezipierung als Trehermeistcr bei dem Gemcindcrat zu verichassen. Das ist dem armen Kerl natür» [idi sehr wertvoll, denn er möchte Aernc heiraten. So läßt er sich von Tatterich in den Wittshäuiern hernmschleppcn und bezahlt ihm überall die Zeche. Aber Freund Tatterich spürt, daß er ihn mit dieser Flunkerei licht lange iesthalten werde und ruft die tiescruxrkcnd« AnzichungSkrast des Weibes zu Hilfe. Er versucht eS, Sebmidt von seiner Braut obzubttngen und lenkt deshalb dessen Anfinerkscrmkeit aus Eva, sein (Tatterichs) BäS-
kanzler in der Sitzung des Reichstages in der Sitzung vom 23. Jan. so entschieden die Ehre der bohcrischcii Armee wahttc, lies folgen- . des Antworttclcgramm ein: „Eurer Erzcllcnz danke ich vttbind- lichst für Ihr gestriges Telegramm. Es ist mir eine Freude gewesen, sür die Ehre der bayerischen Armee ein zu- treten und ich hasse, daß nunmehr die so bedauerlichen Folgtti der mißverständlichen Acußcrung des Generals von Kracht beseitigt sind. Bcthmann Hollwcg.
Xfi D a hl p r ü fu n g sa u s s chu ß des Reichstags hat seinen zweiten Benchi über die Prüfung der Wahl des Abg. Grasen v. Lppcrsdorss IN Fraustadt-Lissa ausgcgeben. Bei den Neuwahlen znm Neschttagc war Gras Oppcrsdorfi^ in der Stichwahl mit 6684 Sfimmen gegen 6407 gegnerische Stimmen gewählt worden. Aut Grund der zahlreichen Wah'vrotestc hat der Ausschuß eine genaue Prüfung vorgcnommcn. Das Ergebnis ist folgendes: Für den (yrascn p. Oppersdorss sind 6603 Stimmen, sür den ibegenkandidaien 6447 Stimmen ungerechnet worden. Aus Grund der neuesten Bewciserbebungen mußten dttir Grasen Oppersdorss noch 46 Sfimmen abgezogen wttden, so daß für ihn nur noch 6557 verblieben. Dem Grasen Oppers- dott's verbleibt mithin eine Mehrheit von 110 Stimmen. Ta einige Punkte noch nickt klargestcllr sind, beschloß der 'Ausschuß, wesieir Beweiserhebungen zu veranstalten, so daß die verbliebene Melaheit vvn 110 Stimmen evll noch verloren gehen kann. Voraussichtlich dürste die Wahl sür gültig erklätt werden, da Gras Oppersdorss trotz der neuen Beweiserhebungen einige Stim men über die Mehrheit behalten dürste, sofern die Benrcrserhcbnn- gcn sür ihn ungünstig nussallc».
Die sortschrittliche Bolkspartci de? Reichstags hat den Antrag gestellt, de» iozialdemokratischcn Antrag aui Abschassung der Militärgerichtsbarkeit in der Form anznnchme», daß die aktive» Militärpcrsonen der bürgerlichen Straigettchtsbarkeil bei strasbaren Handlungen unterstellt werden lallen, we'ckre keine militänscGn Verbrechen oder Vergeben sind. Für rnilitättsch strafbare Handlungen soll die Militär- gcirchtsbarkeit erhalten bleiben.
Aus die Anfrage des Abg. Dr. Werner (Gießen), die im Dezember v. I. im Reichstag gestellt worden war »nd die sich gegen das Versagen des a m t l i ck> e u 3! a ch r i ch t c n 6 i c n - st e s bei den Vorgängen in Zabern richtete, hat die Regierung geantwortet, daß die etwas unbestimmte Fassung der Ansragc nickt ersehen lasse, aus welche Tatsachen sich die in der 'Ansrage enthaltene Kritik beziehe. Die Reichsleitung sei dauernd bemüht, durch Fühlungnahme dnit der Presse einer Beunruhigung der Volksstimmung durck falsche oder irresührcnde 2llattie»achrichtcn vorzubcugen. — Diese Antwort der Regierung dürste im Reichstage kaum besttc- digen, da der Regierung sehr gut bekannt sein muß, aus welche Ereignisse in der Auslage Bezug genommen worden war. Im Zusammenhang mit den Vorkommnissen irr Zabern waren durch die Presse aufregende Mirteilungen gegangen, ohne daß die amtlichen Stellen diesen Nachrichten cntgegengetreten waren.
Die Ostmarkcnzutagen. Die Blätter melden aus Berlin: Weiyrerrd das Zentrum den Ostmarkenzulaqen in jeder Form grundsätzlich abgeneigt ist, wird von der konservativen, der nationalliberalen und der fortschrittlichen Bolkspartei ein ?lntrag auf Be- wiftiqung der Ostmarkenzulaqen vorbereitet zu dem Zweck, der Regierung Gelegenheit zur Vetteilung dieser Zulagen zu geben.
EiiicBesserstelluirgderUntcrofsiziere wird bekanntlich dadurch erreicht werden, daß vom l. April b. I. ab die Tienstvrämie nach zwölfiährigcr Dienstzeit von 1000 aus 1500 Mk. erhöht wird und im Falle dis Weitcrdienens diese Tienstvrämie mil 4 Prozent verzinst wird. Um den Wünschen der Untcrosfiziere noch weiter cntgegenzukommrn, wird zurzeit erwogen, ob cs mög- lick sei, diese Dienstprämic in Höhe von 1000 Mark bereits nach vollendeter 9jädriger Dienstzeit gewähren zu können und den Zivil- vcrsorgungsschein in beschränktem Maße bereits nack lOsähriger Dienstzeit erteilen zu könne». Ein Abschluß dieser Erwägungen ist vorläufig noch nicht zu erwarten.
Eine Stistung zum Ausbau der Sec IN acht. Wie der „Hamburgischc Correspondent" aus Lübeck meldet, ha! der vetttorbene Kunstmaler Vahldick-Eutin dem Kaiser eine halbe Million Mark zum Ausbau der Seemacht vcr- rnacht.
Das Großherzogspaar von Baden ist am Montag vormittag aus dem Anhalter Bahnhof in Berlin
che». 'Aber durch das Tozwischentrklcii der schlagsertigeu Braut wird dieser Plan vereitelt. Es kommt zu einem heftigen Wortwechsel zwilchen beiden „Freunden", der mit einer Pistolenior dcrung endigr. Doch diese konrmt nicht zum Austragc, indem infolge eines psisfigen Manövers Dattettch in Polizeigetvahr- sanc abgksühlt wird. Aus diesem wieder entlassen, versuchte er es noch einmal, sich mit seinem wertvollen „Frcimdc" Schmidt zu versöhnen. Er wisst ihn gerade bei seiner Bcrlobungsseier im Hause der- Schwiegereltern und Ivird vvn ihm, unter Mit- loirkung aller Anwesenden — hinausgeworicn.
Einen weit über- das lokale Interesse hinausgchcndcn Wert behauptet der „Dattettch" durch die unübtttresslichc Schilderung des damaligen fittnbürgerlichcn Lebens, durch die geniale Zeichnung der Hauptfigur, dieses in Lumps mit Grazie, durch die komische Krast der einzelnen Srwaiioncn, den alle Szenen belebenden volkslümlichen. urwüchsigen Humor und durchschlagen - den Witz. Für- die hiesige Aufführung sind die Vorbereitungen ttsrig betttebcn und alle Voraussetzungen gegeben, daß das Stück zu voller Wirkung kommen wird.
- Tic Neuordnung der KuIIstich ätze im Windsor-Schlosse. Tie bei dem Rcgierungsanttttt König Georgs von England cingeleitetcii Arbttten und Umbauten, die durch der Plan einer Neuordnung der reichen Kunstschätzc des Windsor- Schlosses iwttoendig geworden waren, sind nun vollendet. Tic Kosten der Arbeiten und Umbauten waren ursprünglich aus ttne Vielte! Million geschätzr, aber diese Summe ist I>ei der 'Aus- iühtting erheblich überschtttten worden. Man entdeckte ttne ganze Rtthe lostbaier Kunstwerke, insbesondere Mttstettliickk des Kunsi- gewcibrs srühcrtt Ztttcn — fast durchweg Werke, die bisher unbeachtet oder vergessen in den Nebcnräumcn und Magazinen des Schlosses lagerten. Alle^ diese Gegenstände find nun zum ersten Male ordnungsgemäß katalogisiert worden und haben bei der Neuordmmg ttne AussteUung gesunden, die ihrem Wette entspricht Das Windsor-Schloß i>t dadurch zu einer der reichhalttgsteu Sammlungen Englands geworden. Ter Geldwert der hier im Lause von Generationen ausgehäuften Kunstschätzc läßt iich nickt «b- schätzen, aber wie reich die Sammlung ist. spiegelt fick in per Tattache, daß 60 große Bände mit der Katalogisierung gesüllt wurden.
— Ein Fricdhofaus der Steinzcitin Italien. Eine Begräbnisstätte des Stcinztttalters ist von Prof. Dall Ode,


