Nr. 18
Ter ««ebener Anzeiger
erscheini läglich, anher Sonntags. — Beilagen: viermal wöchentlich «ietzener Zamilienblöller.
zweimal ipöcheiiil.NielS!
»I-tt>Srd«n8r«ir Kietzen
(rienslagimdFreiioai: zweimal nionail. ka»d- »Irlichaslliche Seitsragt»
Ferulvrech - Anlchlüffe: «ür die Redaktion N3, Berlaq n. Exveditton 51 Ad,ehe «ür Teveichen: «»jeiger «ietzru. Annadm« van Anzeige» «ür die Tageenrnnnier bis vorniitlags 9 Uhr.
Erstes Blatt
164. Zahrgang
Gietzener Anzeiger
Eeneral-Anzeiger für Gberhessen
Donnerstag, 22. Zanuar 19^
Die heutige Nummer umfaßt IO Seiten.
ragcskalender aus dem Jahre 1814.
22. Januar: Treffen westlich von Na,ich. unweit Toul, zwischen L i g n >, und St. Aubry, in dem die Russen die Franzosen scltlagen.
Der mexikanische Ztaatsbankerott.
Tie teils durch die Tiktatur HuertaS, teils durch die Einmischung der Union chronisch gewordenen Wirren in Mexiko Ixabcn die wirtschaftlichen Zustände des an Naturschätzen so reichen Landes derart zerrüttet, daß der Diktator nach der in den süd- und inittelaiuerikauischen Republiken nicht ganz unbekannten Taktik die Einstellung der Zin«enzahliing aus die Bonds der inneren und äußeren Schuld für die ersten sechs Monate des Jahres an gckundigt hat. Tiefe Maßnahme bedeutet, wenn nicht den offiziellen, so doch den offiziösen Staatsbankerott, der vervollständigt wird durch die Verlängerung der sogenannten Bankseiertoge bis zum Bl. März, worunter die Verord uung eines weiteren Zahlungsausschubs zu verstehen ist, den fitt) natürlich auch alle privaten Schuldner in Mexiko zunutze machen werden.
Die angekündigte Einstellung der Zinsenzahlung hat bereits eine wahre Teroute aus dem Markt der mexikanischen Staatsanleihen hervorgerufeu. Tie sünfprozentige Anleihe von 1909, die mit 102,75 ausgcgeben wurde und die int Jahre 1912 einen niedrigsten Stand von 97,60 auswics, während sic am 31. Dezember v. I. bereits aus 88,50 zurückgegangen ivar, vcrzeichnete ain Sonnabend den 17. Januar einen Tiessiand von 75,10. Die vierprozentige Anleihe van 1904, deren höchster Kurs im Fahre 1912 91,40 und der niedrigste 86,50 betrug, wahrend sic am 31. Dezember 1913 72,75 notierte, ist jetzt glücklich aus 64,25 zurückgegangen. Tie Mehrzahl der trauernden Giäiihiger befindet sich natürlich in der Nordamcrilanischen Union, wo der größte Teil der rund 317 Millionen Dollars betragenden auswärtigen Staatsschulden Mexikos iintergebracht ist. Aber auch in den Händen der englischen, französischen und leider auch der deutschen Kapitalisten befindet sich eine ganz erhebliche Anzahl mexikaiiiicmr Werte. In «velcheni Umfang das der Fall ist, läßt sich natürlich auch nütir schätzungsweisc scsi- slellen Hoch mag es sich, die Eiscnbahnanleihc mitgercckmct, wohl um mehrere Hundert von Millionen Mark handeln.
Es liegt in der Natur der Sache, daß nicht nur in den .Kreisen der Staatsglüubigcr Mexikos, sondern auch sonst die Frage ausgcivorscn wird, was zu tun sei, um diese Bankerott- erklärung, oder wenigstens ihre Folgen, abzuwendcn. Ein Berliner Blatt wußte dieser Tage zu melden, daß zwischen den Regierungen Tcuischlands, Großbritanniens, Frankreichs und den Bereinigten Staaten von Amerika Perhandlungen über gemeinsame Schritte gegen Mexiko schweben, aber jene Nachricht ist unzutressend, und es haben bisher keinerlei Erörterungen über diese Frage stattgefunden. Tie deutsche Regierung steht aus dem Standpunkt, daß sic als nicht iii erster Reihe beteiligt nicht die Initiative in dieser Sache ergreifen wolle, wenn sie auch bereit sei, sich, falls das von anderer Seite angeregt iverde, an einem solchen Meinungsaustausch zu beteiligen. Nicht nur die den« fchc, sondern auch die englische und die französische Regierung stehen anscheinend aus dem Standpunkt, daß die Initiative hier der Union zukommt. Diese aber läßt nach einer Meldung aus New Port bereits jede 'Absicht eines gemein samen Borgehens gegen Mexiko dementieren. Die Gründe
Der neue Supermann.
Aus Ham bürg. 20. Jan., schreibt unser Korresponde»!: Es war das erstemal, daß sich die Erstaufführung eines SiidPr maimschcn Werkes nicht in der Rcichshailvtstadt begab. Wollt: Hermann Suderniaiiii, der viel und sicherlich vit zu Unrecht ge- lästertc. sein neues Werk einmal einem anderen, unbefangeneren und einer anderen, weniger bissigen Kritik vorsetzen? Es mochte so scheinen. 'Aber nun man das neue Stück kennt, bitte iiini- aktigen „Lvbgcsängc des C lande an", die das duldsame Hamburger Publikum im D c u t s ch c n S ch a u s p i c l h a u I e von acht bis Miiiernachl erleben duriie, wird man wohl annehmen müssen, daß sich in Berlin keine Bühne von Rang gesunden hat, die bereit geweien wäre, das Wagnis einer Uraufführung dieser weitschweifigen, redseligen und nronown dramatisierten Historie aus dank verfallenden römischen Reich zu untcrnchnicn.
Hernian» Sudermann hat mit diesem historischen Traueripict gewiß seine besonderen künstlerischen und liicrarisckien 'Absichten gehabt. Ihm mag als Ziel seines Ehrgeizes eine von modernem Geist erfüllte geschichtliche Tragödie vorgeschwcbi hob"N. Unser modernes Drama seit Hebbel, Ibsen und Hauvtmailn begnügt sich nicht mehr mit dem Gegenständliche»; cs zerlegt die Tinge und Geichcbniffe in ihre seinstcn, inneren Bestandteile, es ist ganz und gar Analvsc geworden, mag cs sich nun um materielle, geistige oder ieclischc Borgänge handeln. Hermann Tudcr- niann wird nun vielleicht geglaubt haben, das historische Drama von allen niaieiiellen Geschehnissen zu befreien, und an ilrre Stelle die dciaillicrie Analnie von Scclenstiminiingen historischer Persönlichkeiten setzen zu müssen, um modern im icinstcn Sinne zu sein So kommt er fünf Akte lang viychologffch, immer nur vjychologisch. Und da durchaus keine Taten gcichchcn, io müisen die Personen reden, immer nur reden. Und sie hören nicht eher aus, bis s>c mehr oder minder plötzlich in rin besseres Jcn- seiis befördert werden. r v
biefent Drama wird keine Diner,e dargestcllt, sondern Historie erklärt. Es Fl a! o gar fein Drama, sondern ein in fünf Kapitel zerlegtes Kompendium der Meinungen Hermann Sudermanns über die unterschiedlichen Scclenstimmungcn der Herren St! l! cho, Verweser des weströmischen Reiches, A l a r i ch, König der Weüaoien. und des Dichters C l a I, d i n s Claudia- n u sj nach dessen Lobgesängen mti Seine Majestät den dekadenten und verrückten Kaiser Honorius das Stück unbcrcchiigtcrweise seinen Namen hat. Das sich zwischen diesen Personen und einer großen Fülle anderer Römlinge vollzieht, bleibt so ziemlich das Geheimnis des. Dichters. Dir hören allerlei von den .Heldentaten des großen
für diese Haltung liegen auf der Hand. Angesichts der neuerdings beliebten Auslegung der Monroe-Doktrin will man einmal jede Einmischung europäischer Mächte in die Angelegenheiten amerilanischer Staaten vernicidcn, und ztveitens rechnet man anscheinend daraus, daß ei» bankerottes Mexiko eine noch leichtere Beute für den anicrikanischcii Imperialismus werden könnte, dessen Triebfeder i» diesem Falle der Petroleumtrust ist, während Wilson und Bryan nur die Geschobenen darstellcn.
Im übrigen wäre die Frage auch nicht leicht zu beant- ivorten .welche Maßnahme» die Mächte gegen den mexikanischen Staalsbeintcrotleiir ergreifen sollten. Beispiele eines derartigen Vorgehens sind freilich schon vorhanden, so gegenüber Aegypten und der Türkei, ivelche beide Staaten cs der von de» (Großmächten eingesetzten Finanzkoutrolle zu verdauten haben, daß sie wieder zu geordnete» Verhältnissen gelaugt sind. Ein solches Vorgehen ist jedoch bisher nur mit der. wenn auch durch diplomatischen Druck hcrbeigc- sührtcn Zustimmung der betreffenden Staaten erfolgt, und es dürste bei den Regierungen schwerlich Ncigckng bestehen, wegen der Interessen privater Gläubiger kriegerische Gewalt anzuwenden. Es ist ja wiederholt eine Ergänzung des Völkerrechts dahin gefordert ivorden, daß ein internationaler Gerichtshof eingesetzt werde, der banterotten Staaten gegenüber zuständig sein und auch mit den nötigen Machtmitteln ausgerüstet «verden soll, um seine Urteilssprüchc nötigenfalls mit Waffengewalt zu Vollstrecker,. Aber das ist bis auf weiteres eine Utopie und so wird man bis zu dieser völkerrechtlichen Zulunstsmusik nur an das zahlungsfähige Pn- blilüni die Warnung richten können, auch in bezug auf sein Kapital den Spruch zu beherzigen: Bleibe im Lande und nähre dich redlich! Ein bekannter Bankier gab einmal einem ihn um Rat fragenden Kunden die Auskunft; Wenn Sie gern gut essen, kaufen Sie hochverzinsliche Papiere, und wenn Sie gern gut schlafen, begnügen Sie sich mit dem landesüblichen Zinsfuß! Tie Hoffnung auf das gute Essen ist den mexikanischen Staatsgläubigern — und nicht nur diesen — zu Schanden geworden, ober mit dem schlechten Schlaf, das wird schon stimmen.
Die Lntftehllngsgeschickite ?er kritischen Militärmisfion in öcr Türkei.
In der „Köln. Ztg." werden auf Grund amtlicher Ouel- le,i Mitteilungen gemacht über die Entstehungsgeschichte der deutschen Militärmission in Konstantinopel, wonach anzunehmen ist, daß Enver Pascha im besten Einvernehmen mit dem dentschen General steht.
Einleitend wird betont, daß die Miffion nicht eincin Gedanken der deutschen Politik, sondern denr Wunsche -der Pforte entsprungen war. Im Mai 1913 ersuchte der Großwesir Mahmud Scheskct Pascha den deutschen Botschafter Frhrn. v. Wangenheim, der deutschen Regierung die Bitte um Entsendung eines deutschen Generals nach der Türkei zu unterbreiten. Nach Prüfung di-ses Wunsches kam man zu den, Schlüsse, daß inan ihn nicht ablehncn tonne, in erster Linie deshalb nicht, weil er sonst sofort von anderer Seite crngeiiommen würde, und bezeichnet!: dem Nachfolger des inzwischen ermordeten Großivesirs Mahmud Scheskct Pascha, Said Halim, den General Lima» von Sanders als für die von der Türkei gestellte Aufgabe besonders geeignet. Bon Berlin aus ist die Frage der Komniandogeivalt des Generals Liman von Anfang an nicht als eine solche unseres Prestiges oder unserer politischen Geltung behandelt ivorden, sondern nach Gesichtspunkten der iniliiärisch-technischen Zweckmäßigkeit Maßgebend war der Oledankc, daß der deutsche General Befugnisse haben müsse, die eine wirk-
Vandalenabköminlings Siilickio. der das in allen Fugen krachende irestrümische Reich Oünstes Jahrhundert n. Ehr? durch die sliggc «live Macht seiner Persönlichkeit zusammcnhäli, und seinen irennd- schaitlichen Bczichnngen zu dem iemverainentvollc» Dichter Claudius Elcmdianus, der alle Tugenden Homers und Virgils in seiner Person vereint. Diese Beziehungen erhalten durch einen Gewalt- strich des Dichters, der seinem erhabenen Gönner den wackeren Wcftgoienkönig Alaricki in die Hand ivieli, eine schwere Erschütterung. die in ihrer Konseaucn; mit dem tödlichen Eritus der beiden Hauptpersonen endet. Mehr Materielles läßt sich beim besten Willen nicht aus der Verworrenheit des Stückes herausnnden.
Alles andere ist Grrcde, oder nach des Dichters Meinung. Pin- chvlozic. Aber da die redenden Personen niemals menschliche Töne anschlagen, sondern immer mir vom Dichter am Schreibtisch klüglich und ohne Wärme ersonnene Aussprachen über sich selbst halten, so wirkt das Ganze in seiner harrende» Monotonie grenzenlos langweilig, und nur ein paar schöne Bühnenbilder und eine sehr hübsch vorbereitete Szene des zweiten Aktes, die in der Sensation der Helligen Erscheinung des gchirnkranken Kaisers Honorius gipfelt, wericn spärliche Farben in die trostlose Oede dieses grausamen Spieles.
Das Publikum, unter dem sich zahlreiche Berliner bcsanden, war von rührender Geduld. Obwohl man durchweg der Ansicht war, eine herzlich wenig aufregende Sache zu erleben, harrte man Iren aus, um am Schluffe des Stückes den Dichter aus der Bühne zu sehen, der sich dann auch etliche Male verneigen konnte. Aber diese Tatsache wird ihn nicht darüber hinwegiäuschen können, daß die deutsche Bühne mit diesem kalten und blutleeren Römerstück nichts gewonnen hat. Daran konnte auch die wackere Arbeit des Schausvielcs unter der Regie von Alex Otto nichts ändern.
Kurt Küchlcr.
— Jules Claretie und das ewige Drama. Eine hübsche Geschichte von dem jüngst verstorbenen Jules Claretie weiß die „Comödia" zu erzählen: Eines Tages kommt ein junger Trmnaiikcr zu Claretie und ivill ihm sein Manuskript überreichen. Claretie fragt nach dem Titel, der junge Dichter nennt ihn. und hieraus greift Clarette in seinen Schreibtisch, sieht ein Ma- niiskrivt hervor und sagt: „Ein Stück mit diesem Titel habe ich schon." Weiter erknnKgt er sich nach dem Störte der neuen Dichtung Der junge Dichter ietzk den Inhalt seines Stückes kurz auseinander. Claretie sagt nichts darüber, grciit oielmelxr wieder ins Pult, zieht ein anderes Manuskrivt herovr und sagt; „Ein Stück, das diesen Swff behandelt, habe ich auch schon." Ter junge Dichter weiß nicht, was er sogen soll, macht eine» recht
same Durchführung seiner Resormarbeit verbürgten. Jnr Lause des September wurde für die Tätigkeit der dentschen Mission der Plan ausgestellt. Ter Vertrag sollte für fünf Jahre gelten. Von türkischer Seite ging auch später der Gedanke ans, das Konstantinopclcr Armeekorps dem General v. Lima» zu unterstellen, ein (Ycdanlc, für den inan deutscherseits aus gewichtigen Gesichtspunkten nicht besonders eingenommen gewesen ivar. Bei der Anivesenhcit des ru s j i- f rfictt Ministerpräsidenten in Berlin im November, fährt das Blalc sort, wurde die Frage der Militärmis- sion zwischen ihm und den deutschen Staatsmännern eingehend erörtert und eine eingehende Prüfung der russischen Wünsche nach dem Fallcnla scn der Kommandogcwalt oder der Wcgverlegung des Amtssitzes des Generals von Kon- stantinopel zugesagt. Im Lause dieser Besprechungen wurde der Petersburger Regierung initgeteilt, die Verhandlungen mit der Pforte seien soweit abgeschlossen, daß eine Acnde- ruiig der Bedingungen für die Tätigkeit der Mission zurzeit nicht mehr möglich sei; jedoch loerdc der Missionschef nochmals an Ort und Stelle prüfen, ob sich die Verlegung des Missionssitzcs nach Adrianopcl oder Smyrna ermöglichen lasse.
Durch die Verjüngung der oberen KominandostcUen «vurde der Alters- und Rangunterschicd zu erheblich, um gegen Limans Verbleiben in seiner Stellung als Korpskom mandeur nicht starke Bedenken zu wecken. Tic R a n g s r a g e fand mit der Erucnnung Limans zum General der Kava« ierie und seiner Beförderung zu der ranghöheren Stufe eines Marschalls der türkischen Armee ihren 'Abschluß. Gteichzei tig Ivurden ihm Jiispcktioiisbcfugnisse übertragen, nicht nur wegen der Rangerhöhung, sondern «veil man es für zweckmäßig hielt, ihm freie Jnspeltionsbesugnisse zu geben. Der Artikel schließt: „Es geht daraus hervor, daß es durchaus unrichtig ist, wenn sich einige deutsche Blätter jetzt auch «vic- der durch die Haltung der französischen Presse beeinflussen lassen, von einem Fiasko der deutschen Politik zu sprechen.
politische Tagcssctta«.
Steigende Eheschen
ergibt sich aus fotgeicher Tabelle, die wir in dem rcich- halfigeu Werke von Professor Julius Wolfs über den Geburtenrückgang finden. Es ivurdcii Eheschließungen aus tausend der Bevölkerung gezählt:
1 900
l Slv
Teutscbland
8,5
7,7
Oesterreich
8,.
7,G
Ungarn
8,9
8.6
Frankreich
7.7
7,0
England
7,6
7,2
Ecbweiz
7,7
7,5
Italien
7,2
7,7
Rutzland
8,8
7,8
Belgien
8,6
7,7
Rolland
7.6
7,2
Dänemark
7,7
7,3
Also außer Italien und Frankreich zeigen alle europäischen Kulturländer ein deutliches Sinlen der Ehezisfer. In Preußen ist die Ehezisfer vvii 8,5 aus 7,8, in Bayern von 8,2 auf 7,2, .im Königreich Sachsen von 9,1 aus 8,1 zuriickj- gegangen. Es ist schwer zu sagen, ob dieser Rückgang ein dauernder sein wird. Würde er cs, dann wäre das Bild, das der ständige Gcburtenrückgmcg gibt, der sich übrigens nicht allein aus dem Sinken der Ehezisfer erklärt, noch trüber. Tenn nicht wachsende Not haben wir int deutschen Vatertandc zu verzeichnen, sondern ständig ivachsendeiz Wohlstand. Es ist also dieselbe Ursache hier wie beim Geburtenrückgang, die Scheu, Opfer aus sich zu nehmen.
geknickte» Eindruck uitb dreht sein Manuskript in de» Händen. Ela- retie aber klopit ihm ermunternd aui die Schulter »nd sagt: „Geben Sie Ihr Manuskripi nur her und lassen Sic sich nichr entmutige«. Beim Theater temmi cs nicht darauf an, was man schreibt, sondern wie man schreibt."
— Der Bau eines Dozenten hau «cs und die Beschaffung eines z» seinem Betrieb efiorderlichen Vermögens ioird in Berlin angcftrebt. Zur Verwirklichung des Plans ist, wie die Voffiichc Zeitung mitteilt, ein Ausschuß zuiammengetretc», dem als Mitglieder die Proicsioren Anschütz, Teißmann, Tiels, Lenz, Nernst, Riehl. Rubens, v. Schmollcr, Seckei, Struve, v. Willa- nwwitz- Moellendorss und Vürgermciilcr Dr. Reicke angeboren. Das Tvzcnienhaus ist bestimmt zur Vorbereitung küniiigcr Dozenten für ihren Lehrberuf, zur Ausführung wiffenschasilicher Arbeiten und zur Abhaltung von Vorträgen: vor allem aber sol« damit ein Miitelvnnki geschaffen wcrdcii iur die Anregung und Ei Haltung eines lebendigen Verkcbrs und Gednnkenausiauick>s unter jungen Gelehrten verschiedener Tiszivliiien. Durch die Berleibuno von Jahiesgehältern an inngc Gelehrte, die «ich der alädcmffchen Kanibahn znwendcn wollen und durch Begabung und Charakter eigenschaiten dafür besonders berusen sind, ioll verhindert werde», daß fernerhin wertvolle Ärästc bloß aus Mangel an Mitteln der Wiffenschait verloren gehen oder, von der Sorge um den Lcbens- nnlerhalt getrieben, zu vcrslachenden Nebcnbeichästigungen genötigt wcrdsii.
— Eine Statistik der Totqeborencn in Frankreich. Nach der durch das iranzösischc Arbeiisniiniftcrium veröffentlichten Slatrsttl belrägl die Zahl der Tolgeborencn in Frankreich jährlich im Durchschnitt mehr als 30000. Aut 22 tür lebend eiflärte Kinder kommt also immer ein Tolgeborcncs. Das ist ein Verhältnis von 45:1000. Eine inicrcffaiitc Beobachtung hat nun der iranzösischc Statistiker Chambrclant gemacht, indem er die Verteilung der einzelnen Ziffern auf die verjchiedencn Gebiete Frankreichs vornahm. Danach beträgt das Verhältnis in Paris 62:1600 und in den andern Städten 55:1090, während cs am dem Lande geringer ist. Während die Zahl der Tot geboienen in den Departements der Mitte und des Südwesten? verhältnismäßig gering ist, ist sie in denen des Nordens und Süd- ostcns belröchilich viel höher. Diese Verteilung stimmt auffallend mit dem Alkobolismus der einzelnen Gegenden überein. Ter Alloholkonium ist im Norden Frankreichs «ehr groß und erreicht rm Sudoften «'ein Maximum; er dürile aui die hohe Zahl der Toigcborcncu von nicht geringem Cinlluß sein.


