Ausgabe 
15.1.1914
 
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Nr. V- Zweites

krlchelnl läglich mit Ausnahme de! Sonnlag?.

DeGießener ,^am!IitnbIStttr" werde» dem .Anzeiger" viermal wöchcnllick) belgelcgl, das Krtisblait fär den ltrei» Sieben" zweimal

wöchcnllich. Ti-landwiNichasllich-n Seit- sragen" erscheinen monatlich zweimal.

Blatt (64. Jahrgang

Eichener A »iger

General-Anzeiger für Gberhesfen

Donnerstag. (5. Januar (y(4

Rolationsdiuck und Verlag der Brühl'schen

llnivcrsiläls - Buch- und Sicindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Rcdaklio», Expedition und Druckerei: Schnl- liraße 7. Expedition und Verlag: &®51. Redaktion: SEH2. Tcl.-Adr.: AnzeigerGicben.

Mb. Deutscher Reichstag.

190. Sitzung, Mittwoch, d e n 14. Januar.

Die Tische des Bundcsrats sind leer.

Präsident Tr. Kaeiuvf eröffnet die Sitzung um t Uhr 15 Minuten.

Eingegangcn ist die neue Interpellation der S o - , i a l d e n> o I r a l e,, ü de r Zaber».

Ar-chslag uni) Herrenhaus.

Präsident Dr. Laemps:

Nach den, jetzt vorliegende» stcnograplnjchcn Bericht hat in der Sitzung des Herrenhauses von, 10. Januar ein Mit. gl,cd des letzteren sich lahm geäußert, das; d,e Art, w,e der Wchrbeitrag ausgenommen wurde, darauf schlichen liehe, daß die nationale Gesinnung überall im Anwachsen begrifsen sei, daß aber tie berufene Vertretung dr» deutsche» Volles jene Gesinnung, die ui der Wählerschaft lebendig tvar, habe vermissen lassen. (Zurufe ImlS: Unerhört!) Ich erkenne selbst, verständlich den Landtagen der einzelnen Bundesitaalen aas Recht zu. Kritik an den, Verhallen de« Reichstages zu üben, ebenso wie der Reichstag dieses Recht gegenüber de» Land, tagen der einzelnen Bundesstaaten für sich in Anspruch nimmt. Wenn aber dem Reichstag der Vorwurf gemacht wird, dag er die national« Gesinnung habe vermissen lassen, so liegt hierin, namentlich auch angcsicblS der Tatsache, daß das Gesetz über den Wehrbcilrag vom Reichstage mit überwältigender Majorität an- genommen.worden ist, eine Beleidigung de? Reichs­tag c S lLebhastc Zustimmung im Zentrum »nd links), die ich von dieser Stelle aus mit aller Entschiedenheit zurnckweisc. (Er> ueute lebhafte Zustimmung im Zentrum und link».)

Petitionen.

Die Aordetimg eines Hüttenarbeiterschtttzqesetzes.

Petitionen verschiedener gewerkschaftlicher Organisationen und der Gesellschaft für Soziale Reform verlangen weitere Schntzbeilimmungen für die Arbeiter in der Schwercisenindustric, sowie eine gesetzliche Regelung der Arbeitszeit.

Die Kommission will die Petitionen, soweit sic eine Verkürzung der Arbeitszeit, Regelung der Ucberitundcn, Verbot der Nachtarbeit für Jugendliche, Verbot der Frauenarbeit, Vcr» ichärsung der Betriedskontrokle, größeren Gesundheitsschutz und Beseitigung der Unsicherheit der Entlohnung vcrlaiigcii, zur B c. rncksichtigung überweisen.

Di« Konservativen beantragen süc diese Wünsche nur E rw ä g u ng.

Abss. Spiegel (Soz.)i

Infolge techiiischcr Umwälzungen ist die Arbeit in den Hüttenwerken außerordentlich erschwert worden. Die Arbeiiö- trast der Arbeiter wird in unerhörter Weise auSgenutzt. Eie-vermögen e» kaum noch zu ertragen. In uiaiiche» Werken ist im Jahresdurchschnitt jeder Mann krank gewesen. In Gl,,!, bitze »II d Zugwind mutz lange und schwere Arbeit geleistet werden. Aus jeden Arbeiter entfalle,, im Durchschnitt 126 Ucber- seunden. Dabei nimmt dieses gesundheilsschädliche Ucberstuiiden. »vesen einen immer grötzerc>r,Uuisang an. Hier muß die Reichs- gesetzgclning hclsend cingreisen. Bei der jetzt herrschenden Ar- vcitrw«i>e nehmen in den Hüttenwerken die BetriebSunsälle immer mehr zu. Es gibt Werke, in denen durchschnittlich jeder fünfte Arbeiter eni^n Betricbsunsall erlitten hat. Häufig werde» die Unfälle dadurch bcrbcigeführt, daß die Meister ohne jede Rück­sicht auf die Sibatzvorrichtungen die Arbeiter zu den gejährlichjlc» Arbeiten zwingen. Tie Sckmtzvorrichtungc» sind nur dann in Ordnung, wenn das Werk hohen Besuch erhält.

Abg. Giesberts (Zcnlr.):

Die Verhältnisse der Hüttenarbeiter müssen verbessert werden. Darin sind all« Arbeiterorganisationen einig. Ohne den Acht, fiundentag geht es »ich! mehr. Die amtlich geführten Ucbcrarbcit- liiten stimmen leider oft mit den Tatsachen nicht überein. <Hört! Hört!) Die bestehenden Zustände sind unhaltbar. Vor allem mutz die 24 stündix: Wcchselschicht »nlcr allen Umständen beseitigt werden. Ti- Jnspektionöberickitc geben schauderhastc Tinge wieder, z. B. in Düsseldorf. Wir hoffen. daß die in Aussich! gestellte BuiideSratsverordnung wirklich Besserung bringt. Tic Regierung sollte mit den Organisationen d i r c k i in Verbindung trele». Beliebige Arbeiter, die nur den engen Kreis ihrer Spezial- nebelt kennen, genügen da nicht. Es niüssen Organiialionsver- lrelcr sein, die de» Uebcrblick über das Ganze haben. Ten Lcutcii, die nach Berlin geschickt werde», sollen aber auch die versäumte» Schichten vom Staate ersetzt werden. Das ist bisher nicht ge fchehen. (Hört! Hört!)

Abg. Dr, Büttgcr (Natl.):

Wir werde» vom Reichsgcsiindhcitsamt eine Zusammen» stelluug über die Gcsundbcitsverbältnissc in der Großeffenindiistrie erbitten. Wir geben zu. daß Miß stände inanchcr Art in manchen Betrieben sind. Sic müssen abgestcllt werden. Tie Beschwerden der Interessenten sind natürlich immer einseitig lind subjekliv. Aber sic cnihallcii auch mancher Beachtenswerte. Beide Teile müssen gehört werden. Eine Kommission bol sich bereits Mil der Frage der Verlängerung der Pausen usw. be. schäsligl. Tic Ergebnisse der Kommission sollten bald veröffent­licht werde». Alle Anregungen sollten geprüft werden, sic werden uns weiterführen. Gute Erfahrungen hat man mit dem System der SichcrhcitSii, änner nicht gemacht. ES ist zum Zielpunkt der pol,tischen Agitation gemacht worden. Das System der Entlehnung bat sich im großen und ganzen bewährt. Auf die Pciissonskasscn sollen die Arbeiter, wenn sie Beiträge zahlen, auch Einfluß haben. Tic Frage des Achtstundentages ist noch nicht spruchreif. Ohne Zweifel ist aber die Arbeitszeit so einzurichtcn. daß die Arbeitskraft der Arbeiter nicht vorzeitig vermindert wird, daß ihre Lebenslust erhallen bleibt, und datz sie Zeit und Muße haben, am tuliurellen. religiösen, volilischen und Familienleben sich zu beteiligen. Das ist eine dringende Forderung. lTehr gut! links.) Die Verkürzung der Arbcilszcit ist ibeoreiisch möglich und wünschenswert. Sie findet aber ihre Grenze >u der LcistungSsäbigkeit des Werkes. Da die jinanziellen Folgen das Kapital stark in Anspruch nehmen, werden sie daher jiarl bcrücksichiigt werden müssen.

Hervorragende Sozialpoliiilcr haben wiederholt sestgcslellt, daß unsere Industrie gegenüber dem Ausland benachteiligt ist. Unsere Aufsichtsbehörden sind zahlreicher und gewissenhafter als sonstwo. Ter Ecwcrbcschutz wird bei uns deshalb auch wirklich durchaefübrt. Ein- Slalisti! der Ueberslunden und Mindcrarbcit viäee lebr erwünscht. Sie werde» vielfach veranlaßt durch äußere Umstände, an denen die Industrie l-m« Schuld hat. «ine Ein. ftcllung der Arbeit an Hochöfen erscheint kaum möglich. Tag eine »uufercn, zur Beratung dieser Fragen zusammenirclcn wird, ist sehr zu begrüßen. Daß Arbeiter dazu bcrangezogen werden ist erwünscht. Sir sollen nur sachkundig sein, an ihrem guten Willen ss, ni-bt zu zweisel». In der Behandlung der Jugend. I i ch f n kommen nicht aller Vorstöße zur Kenntnis der Behörden. -->ie Auaendliche:, inuslen auch in der Großindustrie eine pia!l,,che Ausbildungszeit durchmachen. Den Gewerbeauffichlsoeamtcn slra,polizeiliche Befugnisse z» geben.,doch ein gesal>clich-s,und

bedenkliches Ervcriment, die Fabrikini're'lorcn selbst ablebnen wurden. Die rvortfuhrun^ der Sozialpolitik in der Eisenindustrie mus; für die Llrbciter, nicht gegen sie geschehen. (Bcnall.)

Abg. Dr. v. Graese (Kons.):

Unser Antrag, die Petitionen lediglich zur Erwägung entspringt rncyt etwa einem geringeren Wohlwollen gegen die Arbeiter, sondern sachlicben Gründen. Selbst der Staatssekretär bat vor einem Jahre ausdrücklich anerkannt, dag in dieser letzten Zeit starke Eingriffe in das wirtschaftliche Leben der Arbeiter vorgckommen sind, die fick besser nidit wiederholen sollten. Tie Industrie ist durch die fortgesetzte Beunruhigung geradezu er« bittert. Wenn die Arbeiter eine Verbesserung ihrer Lage ver­langen. so werden wir gern Mitarbeiten. Ter Vorwurf der E l n j c i t i g k e i t trifft uns nicht. (Lachen b. d. Soz ). sondern diejenigen, die ein übertriebenes Tempo in der Sozialpolitik verlangen.

Abg. Softnefi (Pole):

Die Miststände in der obecschlcsischcil Eisenindusirie sind er­heblich grötzer als im Westen. Die oberschlesischcn Arbeitgeber lxiben es mit besonderem Geschick verstanden, alle Bunt^srats- verordnungen zu ihren Gunsten auSzulcgen. Ter weiteren matz- loien Ausbeutniig unserer Arbeiter müssen endlich gesetzliche Schranken gezogen werden.

Abg. Windrck (Lothringer):

Zur Regelung der Frage ist eine internationale Vcr». ft ä n d i g u n g notwendig.

Abg. Hliberlnnd (Soz.):

Tas Elend ist so gros;. datz schleunige Hilfe not Int. Es kommen Arbeitszeiten von 36 bis 48 Stunden vor. (Hört! Hört!) Die Industrie kann sehr wohl die Mittel finden, um dem Schlimmsten abzuhelscn. Die Unsallvorschriften werden nicht ge­nau durchgesührt.

Abg. Tr. Burkhardt (Wirtsch. Vgg.):

Eine Regelung der Verhältnisse ist* nötig zum Besten unseres Volkes.

Tie Petitionen werden zur Berücksichtigung über­wiesen.

Donnerstag 1 Uhr: Interpellation über Zabern, Sonntags­ruhe im 5 and-lsgcwerbe.

Schlutz 6 Uhr.

hessische Zweite Kammer.

rb. D a r m stadt, 11. Jan^ Am Regierungstische: Stantsminisier Tr. v. Ewald, Fi- nanzminister Tr. Brau», Minister des Innern v. Hom­berg k, Stoatsral W i l b r a n d.

Präsident Köhler eröffnet die Sitzung um 97. Uhr. Nach­dem die Berhandlung über die dringliche Anfrage Tr. Scfimitt ^ Gen., betr. die Tckiatjung eines Müllabladeplatzes für die Stadt Wiesbaden im Hcideshcimer Tomanialipal» bis nach der Pause zurückgestellt ivordcn ist, wird zuerst über die Anfrage des Abg Adelung, betr. Waldau kaufe von privater Seite, berate».

Minister v. Homberg k verliest eine längere Regierungs- erllärung, worin zunächst der -sachverlzalt bezüglich der Wald- ankäufc des Herrn v. Waldthause» eingehend dargclegt Ivcrden. Es sei nun ein Vertrag zwischen den! Univcrsiiälsfonds und Herrn v. Waldtdauscn vereinbart nwrdr». wonach ein bestimmter Gc- ländeeusrausch statljinocn wird, und Herr v. SS. sich verpflichtet, seinen Waldbesitz wieder dem Publikum zugänglich zu machen. Wenn der Slcrtrag auch nicht ganz befriedige, so inüsse doch an­erkannt werden, daß damit im Interesse der Bevölkerung viel erreicht wurde, und er hosje, daß damit wieder Ruhe »nd Frieden hcrgestellt Ivcrden wird.

Tas Haus beschließt aus Antrag des Abg. Adelung so­fortige Besprechung. Ter Antragsteller führt alsdann aus, an die Hoffnung des Ministers, es werde nun wieder der Friede einkehren, glaube er bei der ganzen Persönlichkeit des Herrn v. W. nicht. Tie Hauptschuld au den ganzen mißlichen Verhält­nissen trage die Regierung, die zuerst den schönsten Teil der Wal­dungen von 70 Morgen Größe aus dem Besitz des Unipersiläts- fvnds an Herrn t>. W. verlauste. Erst dann kamen die weiteren Londankäuse von den Gemeinden und Privatbesitzern. Was diesrr Uelcrgang der SSaldungcn in Prioatbcsitz für die Bevölkerung ron Mainz bedeute, erhelle an» dem Umstand, daß dieser 7;> der ganzen dortigen Waldiingc» umsaßl. Redner schilderst den durch die Slbsperruugsmaßregcln des Herr» v. W. bcrvorgerufcnc» Un­willen und meint, cs müßten gesetzliche Bcstiinmungen darüber gcschasfcu werden, daß einem Walbbesißer von der Regierung oer­boten leerten kann, derartige Absperrungenach Belieben vorzu-

nchmen.

2lbg. M o l t b a » Zcnlr.l beinerft, die Anirage komm! ähnlich, wie der gestrige Antrag über die Landkronkcnlasseu, post sestum. Cs sei rin Abkommen geschlossen worden, das sowohl vom Kreis­tag wie vom Provinzialtag angenommen wurde. Aus her Slnt- irort der Regierung geht hervor, daß die Angelegrnhelt in fried­licher Weise erledigt wurde. Tic Umzäunungen nvstden fallen und die Waldungen sollen, wie sich .Herr v. W. ausdrücklich verpilichlet hat, dem Publikum wieder geöffnet werde». Es wird also mit dem Vlcrtrag das erreicht, was den Intentionen des Fragestellers rnt- lprack, und Herr v. W. hat sich auch verbindlich gemacht, daß er keine wcilercn Waldanlöttse in jener Gegend voruchmeu werde. Taß her Slerlrag nicht alle Wünjchc befriedigt, ist richtig, aber wir haben doch erreicht, was die Hauptsache war und deshalb habe ich auch für die Zustimmung zu den, Vertrag gestimmt. Ich habe die Neberzeugung, daß damit wieder friedliche Zustände und Verhältnisse einkehren werden.

Abg. Tr. Wo l s-Gonsenhcini fr. Vp.! erklärt, der Vor­redner befinde sick> IM Irrtum, wenn er glaube, daß mit ocm Verirag wieder Ruhe »ich Friede hergestellt werde. Ter ganze Vertrag sei einseitig zu .Gunsten des Herrn v. W. abgesaßt. Tie Hoffnung des Ministers, daß später event. ein Rückkauf des SLaldes des Herrn v. W. ivicdcr möglich werde, teile er nicht.

Abg. Bach inatl.l l'ck,ließt sich im wesentlichen den Sin: sührnngen des Abg. SNolihan an und ik>T ft, daß jetzt, nachdem die Angelegenheit durch S'ertrag abgescküosscn ist. auch wieder Ruhe einkehren Ivird. Man dürfe erwarten, daß Herr p. W. auch den nnabrudcrlich abgeschlossenen Vertrag in richtiger Weise einhaltcn lverdc.

Minister v. Hombergk Mit ans, die Regierung sei be­sonders durch zwei Umsländc zur Zust»nmung zu dem Vertrag bewogen worden: einmal durch den Umstand, daß die Daldkäuic für die Gemeinden finanziell sehr günstig loacen und ferner, weil damit auch ein eminent stcuerkräftigcr Bewohner gewonnen wurde. Es haben sich viele mit der Bille an die Regierung gewandt, doch alles zu Inn, um Herrn v. W. die ßlnkäuie in jener Gegend zu erinöglichen. Tic Regierung ist überzeugt, bei ihrem Vorgehen stets 'im öffentlichen Interesse gehandelt zu haben.

Nack weiteren unwesentlichen Ausführungen des Antrag­stellers ist die Bcsmechung erledigt.

Es folgt die Bctatung der Ansiagc der Abg. A u l c r und Gen. betr. den Bau der

Nebenbahn BenSheim-Lindenfelb.

Tie Anfrage lautet: Wir fragen angesichts der sortirähreudcn durchaus berechliglen Klagen aus dem Loenivalo über den Badn- bau Benshcim Lindenscls bei der Regierung an, warum sich der absolut notwendige rascheste 'Ausbau der Bah» so lange verzögert und Iva»n endlich der SBmi in Angriff genommen Ivird?

Finanzminister Dr. Braun verliest hierzu rinc längere Rcgierungserkiärunq: Ter ursprüngliche Plan, nach den Vor­schläge» der vreußisch-hesfischeu Effcnbahngemeinschait die Bahn zu bauen, wurde vom Kreise nicht angenommen, ebenso wurde das Projekt der Firma Lenz II. Co. in Berlin vom Kreis Bens- Heim abgelehnt. Man wellle die Firma Konriucnlal-Eileichahn bau Gejellschast mit der Slusgabc betrauen und cs landen ei», gehende, zeilraubende Tlerhandlniigeii mit dieser Gescllichajt stall. Sie hat aber die Konzession dafür bis jetzt noch nicht »achgesucht, sondern wollte das erst dann tun, wenn der zu leistende ctaatä zuschuß endgültig sestgcslellt sei. Die Regierung ist trotzdem der Firma enlgegcngetonimcn und hat auch ohne hie Bedingung, daß sie die Konzession nachsuche, eine eingehendc Prüfung an­stelle» lassen. Es stehi nun, wie die Reglening erfahren hat. rluc 'Verschinelzung der Kontincnlal-Gesellschaft in Berlin mit der Bau und Slcrliebsgesellschair in Frankfurt a. M. bevor, die als Rechtsnachsolgerin der Konlinenlat Gcscllschast auizutrclen be tibsichtigt. Tie Regierung Hot nun beim Kreise Benshrim ange- sragt, oh er sich mit dieser Biwänderung einverstanden erklärt. Tic AnNvort daraus steht aber noch aus.

Auf Antrag des Slhg. Dr. O s a n n tritt das Haus sofort in die Besprechung ein. Abg. Au le r <uatl.) bespricht zuuäckist dic Vi r- geschichte des Bahnprojclls, das eine lange Leidensgeschichte habe. Sie begann schon mit dem Bau der Linie BensheiinWorms. Aber schließlich müsse euch dem Stärkste» die Gcd ild dabei zu Ende gehen. Ter K reis fLcnshcim und die interessierten Olenicindc» hätte» ihre Schuldigkeit getan. Wie aus einem Schreiben des Finanz Ministeriums hervorgehe, sckwine mau dort die Auffassung zu habe», daß es nicht richtig sei, einem finanziell verhältnismäßig schwachen Kreis zu gestatten, daß er die Finanzierung einer Bahnlinie auf seine Schultern nehme. Ter Vertrag mit der Kontiucntal-Gescll sckzast liegt dcreiis fertig vor, auch die Geldfrage sei mit der Landcs- hnvolhckcnbank bereits geregelt. Wenn jetzt der Bahnba» nickst end lich energisch in die Hand genommcii wird, so besteht die lßcsahr, daß cs überhaupt nicht mehr zu dem Bahnbau kommen wird, denn aus einem Schreiben der llllramarinfabrik zu Lindenicls z. B. gehe hervor, daß angesichts der sortgesetztcn 'Verzögerungen die Fabrik daran denk!, ihren Betrieb an de» Main zu verlegen, da dort die Kohlen-nd die. Transporwcrhällnissc viel günstiaer sind. Dieser Wegzug größerer Industrieanlagen würde einen ungeheuren Schlag für das ganze Lamerlal bedeuten.

Abg. Kühler-Worms knall.) gibt eine allgemeine Schilde rung von der wirtsckiastlichcn Notlage im Odenwald. Er habe aus den heutigen Regierungsausführungen leider »ich! den Eindruck gc- loinnen können, daß der Bahnbau BensheiinLindcuicls bald zur Ausjührung kommen wird. Es sei drinacnd notwendig, daß die maß gebenden Faktoren durch die hculigen Verhandlungen zu der Uebcr-' zcugung gebracht locrden, daß nun endlich mit dem Bau der Baku begouiic» werden müsse. Sckwn seit dem Jahre 1898 seien Verband- luugcu darüber im Gange und eine Vorlage über deren Bau aus Slaatsmiticlu cingebracht worden. ES leien in jener Gegend zirka ffi» Leute an der dortigen Jichustrie beschaitigt, und die ganze Gegend werde ausS höchste gejährdct, Ivcn» wegen der zu hoben Transportkosten und der Schwierigkeiten des Transportes diese Be­triebe eingeschränkt werdcn müßte». Man dürfe nicht außer acht lassen, daß auch für die Landwirtschast im Odenwald die Bahnlffiie von großer 'Bedcittung sei. Es würde ein schwer zugänglicher Teil des Ldcnlvoldes dem Verkehr cri'chloffcii »nd dessen blühender In­dustrie durch die Bahn die Konkurrenzfähigkeit gesichert werden. Auch für den mächtig aufstrebenden Kurort Lindenscls sei die Bahn­linie unumgänglich notwendig. Wer das herrliche Lautcrlal in letzter Zeit öfters durckiwandert habe, werde sich des Eindrucks nicht ver­schließen können, daß in den letzten Jahren leider schon ein wirt- ichastlicher Rückgang cingetrcten sei. 'An vielen Orten seien kleinere industrielle Betriebe vcrsckilounden, die meist von weitverzweigten Unlcrnehmungcn erloorbcn nnd nack> anderen Geltenden hin ver­pflanzt lvurdeu Tas werde auch durch die statistischen Zahlen be- loicsen, aus die der Redner des näheren eingcht. Ter Hauptzweck der Anfrage sei. die Regierung nochmals auf die dringende Notwendig- !eit einer schleunigsten Erledigung des Projekts binzuweisen. Er wisse vom Herrn Finaiizininiftcr, daß dieser versönlich dem Bahn bau das größte Interesse zuweichc, und er richte an ihn erneut den Appel!, mit aller sslackdrücklichkeit aut eine schnelle Erledigung der jetzt mit der neuen Gesellschaft schwebenden SKrhandlungen hin zuwirken. lBcisall.)

Rach einer kurzen Pause fragt zunächst Abg. K o r c l l - ?lngcn- rod, ob denn die Regierung die Anfrage Köhler in Betreff der Slbgangsvrüfuiig an Gclverbcschulen nocki »ichl beantworten könne. Minister v. H o m b c r g k sagt baldige Beantwortung zu.

Es entspiuni sich eine längere Geschästsordnuugsdebattc über die Reiheniolgc der heule noch zu erledigenden Gegenstände. Auf den Slermilllungsvorschlag des Präsidenten soll zunächst die Regie- rungsautwort über die dringliche Anfrage Tr. Schmitt und Gen. betr. Schals ung eines Schuttabladeplatzes für die Sladt Wiesbaden im Äcidcshcimcr Tomanial- w a l d entgcgcngenommen werden.

Finanzminister Tr. Braun führt bieezu aus: Es ist richtig, daß die Großh. Forswerwaltung mit der Tiadt Wiesbaden in Ver­handlungen getreten ist IN Betreff des Eriverbs eines solchen Schuttabladeplatzes. Tagegcn wurden, abgesehen von ästhetischen Bedenken, auch -Sckiädigungen in sanitärer Hinsicht geltend geinacht. Diese Gründe werden aber inni der FoAtverivaltung nicht als stich­haltig ancrlannt. Es liegt weder zu ästhetischen, noch zu hygieni­schen Bciorgiiiffcn irgend ein Anlaß vor. 'Von der (sieinndbeils- abteilung wurde ein Gutachten ausgestellt, daß sanitäre Schä diqungen bei der 'Anlage »ichl in Frage kämen, ltzerade ausl ästhetischen Gründen würde sich die Anlage dort entvschlcn: dev als Ablagcorl in Aussicht genoninienc nördliche Teil liegt ganz abseits von Sssohnortcn und die Müllanlagc würde auf die kleinste Fläche zu bcschlänken sein. Ter schlechte Boden ist für die Kultur- aulaaeu nicht geeignet, dagegen würde, sobald die tiefere Anlage die Höbi- der Oin-riläckic erreicht hat, aus denn fruchtbaren Boden eine Waldanlagc hergcstcllt werden. Taß sich Ziest sehr cmpffehlt, dafür zeuge» auch die Ltätten srülwrer Müllablagcn. Tic ganze Frage erledigt sich durch das vorherige Einverständnis der Stadk Mainz. Tie 'Verpachtung wird erst dann genehniigi werden, wenn die Neberzeugung gegeben ist. daß die Müllablage keinerlei: Schädigung für die Mainzer Bevölkcrnna mit sich bringen wird. Tie Frage, ob die Regierung für alle Zukunft die Hcrgabc des lsscländes zu derartigen Zwecken verbieten werde, imifj mit nein beantwortet werdcn. Die Regierung kann und darf sich Nicht ver­pflichten, ein 80 'Morgen großes Gelände, das sich nicht anders nutzbar mackwn läßt, für alle Zeiten nutzlos liegen zu lassen.

Tie 'Besprechung dieser dlngcleqenheik Ivird »crtagl und das Haus jähil in der Tebatle über das Bahnprojekt Bcnsheim Lindenicls fort.

'Abg. Sckünbcrger <Natl.) legt in längeren AuSiührungeu, die Über auf der Journalistentribüne zumeist unverständlich blei­ben. die Notwendigkeit der schnellsten Durchsührnng der Bahn­linie dar.

Abg. Dr. Osann iNalbz tritt ebenialls ausführlich und nachdrücklich für den Bahnbau ein. Es sei unglaublich, daß es die Regierung noch immer nicht fertig gebracht habe, den Bau