kV. !1 Drittes Blatt
Estcheint Östlich mit heS SonittngS.
Tv „•leftener JcmüitnMSät»" werden bem ,Bn|ttqtr* »Ktnxil möchenltich beiflfltflt, das „Breisblatt ftr 6tn Kreis äiietzen" zweimal wöchentlich. Tie „landwirtschaftlichen Seil- frozetr" erscheinen monatlich zwennal.
t64. Jahrgang
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhefsen
MMwoch, Januar
SHutmwnebnuJ und Verlag bet Brühl-schea U«i*erftt*H - Bmh- u«ö Stemdrnckrrei. R. Lange, Kietzen.
Redaltion, Exvediüon und Druckerei: Schul» straßr 7. Expedition und Verlag: st.
RedchU«eu«ENr. Tel.-M ..AnzeigerBietzen-
Mi. Deutscher Reichstag.
189. Sitzung vom 18. Januar.
A« Tische des Bundesrett-: Niemand.
Präsident Dr. Laeuipf eröffnet d,e Sitzung um 3*4 Uhr uni wünscht de» Mttgttedern ein giüekkiches seues Jahr.
Vetitlonen.
Dir Handelskammer in Nürnberg biilel die Bleistiftindnstrii aalet dieienigen Gewerbe ausz-uehmen, denen für den m ihre: Betrieben vera-eadeten imvollliändig vergällten Branntwein enu S^uerrückbergülang aoa 2S Marl für da« Hekiolitcr Alkohol go währt wird.
Die Saiunufli«, beantragt Erwägung.
Slbfl. Nchhrl (Kons.) hüll eS für bebenintb, dem Wunsche der Bittsteller ahne wellere! ftatlzugeben: da diesen sehr diele andere Industriezweige mit Eonderwünschen Nachfolgen würden. Ein Anlatz zu der Petition liegt gar nicht vor; es handelt sich für die Blezstifiindusirie UN, eine Lappalie; da mit einem Liter Spiritus mehrere Tausend Meististe poliert werde» können. Wir sind sür Ueberwcisuno als Material.
Abg. Dr. Südekui» (Soz.) ist für de» Kommissionsantrag. Durch Berücksichtigung dieses Wunsches unserer Bieisiistindustrie wird sie gegenüber dem Aus laude konkurrenzfähiger werden.
Abg. Strack (Natl.) schtietzt sich den Gründen des Abg. Nehbcl an und ist nur für Moierialüderweisung.
Es bleibt bei dem Kommisfiousbefchlutz.
Das Ae!chstagsmrh!rechr für Armen.
Der Deutsche Verband für Frauenstimmrecht richtet au den Reichstag das Gesuch, denFrouen das aktive und passive Wahlrecht zum Reichstag unter den. selben Bedingungen zu verleihen, wie eS den Rärmern zufteht.
Heber eine ähnliche Petition ging die Kommission im Jahre 1908 einstimmig zur Tagesordnung über.
Diesmal schlagt die Kommission vor, die Petition dem Reichskanzler zur Kenntnisnahme zu überweisen.
Die Konservativen beantragen nun Uebergong zur Tagesordnung, die Sozialdemokraten Berücksichtigung.
Berichterstatter Abg. Schwa rz-Schweinfurt (Zentr.):
Der Vorschlag der Kommission ist ein goldener Mittelweg. Wir müssen den Wünschen der Frauen etwas entgegenkommen, sonst bescbwören wir eine Verärgerung herauf, die schließlich zu e wg l i [ <fj e n Zuständen führen kann.
Abg. Dr. Cohn-Nordhousen (Soz.):
Der Kommissiousontrog ist «in Fortschritt. Man wirst die PelAivn nicht mehr in den großen, sondern in den kleinen Papier- korb. Wir fordern das Wahlrecht für alle Fronen und Mäuuer, die über M Jahre alt sind. D,e Fragen sind von größter Bedeutung für die Erziehung des Volkes. Man muß ihnen daher an der Gesetzgebung mindestens den gleichen Anteil geben wie den Männern. Es gibt 9H Millionen erwerbstätige Frauen bei 18 Millionen erwerbstätigen Männern. Kein Verständiger kann die Berechtigung dcS Frauenstimmrechts verkennen. Trotzdem gibt es eine Gruppe hier im Saale, die behauptet, daß durch die Wahlagitation der Blüten staub von der weib- l i ch e n Pf hche gestreift werde. In der Industrie, im Bergbau müffen die Frauen aber eine menschenmörderische Tätigkeit auSübcn. Da wird keine Rücksicht genommen. Die Tatsache, daß den Frauen noch kein politisches Stimmrecht gewährt wird, zeigt an sich schon zur Geringe, wie wenig Deutschland in der Welt voransteht. Wenn die Konservativen keine Verfassungsänderung wollen, so könnten sie dahin wirken, daß das Frauenstimmrecht bei uns im Wege der K a b i n e t t s o r d e r eingeführt wird. (Lachen.)
Abg. Dr. Bell (Zentr.):
Dir begrüßen e§. daß die Frauen jetzt ein weit größeres Jn- keressc am öffentlichen Leben zeigen, als früher. Daraus ist aber noch nicht der Schluß zu ziehen, daß man ihnen das Stimmrecht ge- wahren muß. C nen V e r f a s s u n g s b r u ch . wie ihn der Vor. reducr mit seinem Ape" an die Kabinettsorder proklamiert, machen wir nicht mit. Auch di< Agitation in den Frauenkreisen selbst Hai vielfach abstoßende Formen angenommen. Ich erinnere an die Versammlungen des Bundes für Mutterschutz. Dort wurden Redewendungen gebraucht, die jedes sittliche Gefühl ver- letzen, und gegen die wir von der Tribüne des Reichstages aus Verwahrung cinlegen muffen. Wir stimmen zwar dem Stimm- rechtverlangen der Frauen nicht zu. wollen aber doch bekunden, das wir den gesunden Bestrebungen der Frauenbewegung lebhaftes Jntereffe cntgegenbringeu und billigen darum den Kommissionsantrag. (Beifall im Zentr.).
Abg. Dr. v. Graefe (Kons.):
Draußen im Lande stebt man den Wünschen der Frauen sehr skeptisch gegenüber. Selbst in den Kreisen der äußersten Linken will man davon nichts wissen. Auch viele Arbeiter wollen von dieser Morgcngabc des Frauenstimmrechts nichts wissen. Fragen Sie nur einmal aus dem Lande nach, dann werden Sie bald Augst vor Ihrer eigenen Kurage bekommen. Für eine wirtschafts- und sozialpolitische Betätigung der Frau sind auch wir. Die Frauen können sich auch politisch betätigen, damit sie erkennen, was an der verlogenen Hetze gegen Fleisch- und Brotwucher wahr ist. Aber die vollen politischen Rechte wollen wir ihnen nicht gewähren. Eine Ver. ernigung konservativer Frauen besteht bereits. Wir sagen den Frauen offen und mutig: Wir sind gegen daS Frauenstimmrechts Es wäre kein Segen für dos politische Leben, ober auch nicht für die Frauen. (Beifall recht?)
Abg. Tr. Haas (Dp.):
Die Fortschrittliche Volkspartei ist in der Frauenfrage nicht elnbeitlicher Meinung. Das geht anderen Parteien auch so. Auch die Arbeitcrmassen gehen in dieser Frage nicht geschloffen vor. Ein Teil unserer Freunde hält die Zeit für das Frauenstimmrecht noch nicht für gekommen, wenn sie auch der Meinung sind, daß die Entwicklung schließlich dazu führen wird. Ich unterschreibe die Forderungen der Frauen durchaus. Es wäre unendlich viel wert, wenn die Frauen politisch interessiert würden.
Abg. Dr. Arendt (Rp,):
Unsere politischen Verhältnisse würden mit dem Frauenstimmrecht völlig umgewälzt werden. Die meisten Frauen würden das Wahlrecht als ein Danaergeschenk betrachten. Die Zeit ist noch nicht gekommen, zu dieser wichtigen Frage Stellung zu nehmen.
Dr. Cohn will das Frauenstimmrecht mit einem Staatsstreich ernführen. Das Frauenstimmrecht würde eine Einschränkung des bestehenden Wahlrechts bedeuten, da die Zahl der Wähler verdoppelt werden würde.
Abg. Meyer-Herford (Natl.):
Dir sind in der überwiegenden Mehrzahl für Tagesordnung. DaS Wahlrecht können wir den Frauen noch nicht geben. Gewiß, te de r juod een e^n Frauenbe we gung sieckxn sehr wert
volle Kräfte. Dir freuen uns, daß viele Frauen in hervorragender Weise dort tätig sind. Wir wissen, daß eine Reihe von politisch interessierten Damen unseren Beratimgen folgen, aber eine all- gemeine Ausdehnung des Wahlrechts auf die Frauen »st nicht geboten. Die Fraue»» sollen weiter aus kulturellem und sozialem Gebiete tätig sein, besonders »n den Gemeinden, nn Wohnungswesen usw.
?lbg. Dr. Dell (Zentr.):
Dr. Cohn will durch eine Kabniettsordre das Fronen stimm- reckt einführen. Er will also die Macht dcS Königs erweitern.
Er hat sich überraschend schnell zum Monarchisten geurausert.
Die PctNiou lorrd zur KeuntuiSnahmc überwiesen.
Sic posllagrrnüeu SenOingen.
Der Cölner Verband der Mänuervereine zur Bekämpfung Ser öffentlichen Unsittlichkeit verlangt, daß p o st - lagernde Seudungen stets di« »olle Adresse des Empfängers tragen sollen und nur x»egen Vorzeigung einer Post- ruswciskarte ausgehändigt werden dürfen.
Die Kommission beantragt Ueberweisung zur Kenntnis- nähme.
Abg. Dr. Marcsur (Zentr.) lvill die Petition zur Berücksichtigung überweisen. Jetzt wird mit poftlagcrnden Sendungen viel Mißbrauch getrieben. Gerade die Jugend kommt dadurch oft in s ch w e r e s » ttl» che Ge - fahren. In New Aork und in der Schweiz ist man schon dagegen vorgegangeu. Unsere Poswerwaltung darf da nicht Zurückbleiben. Jetzt leistet sie mit diesen Chisttebriefen geradezu Handlanger, dienste für allerlei Schlechtigkeiten. Dreiviertel der Chisfrebr cfe leisten zweifelhafte Zwecken Vorschub. In vielen Staaten gibt cS überhaupt keine Chlffrebriefe, vielfach auch keine poftlagcrnden Sendungen. Nehmen Sie unseren Antrag an, Tau- sende von Eltern werden Ihnen danken.
Die Petition wird zur Berücksichtigung überwiesen.
Ser Märoetj'oit übet totale-
lieber das Lokal des Hoteliers U. in Burg bei Magdeburg ist unmittelbar nach der letzten RcichStagswahl der Militärboykott verhängt worden, weil U. als Bor- sitzender des örtlichen Gastwirtsvereins einem VereinSbeschlusse folgend, in Wahlversammlungen vor der Wahl eines konservativen Kandidaten gewarnt hatte, da die Konservative Partei in Stcucrfragcn eine Stellung eingenommen habe, durch die sich weite Erwerbskreise schwer geschädigt fühlen. Nach dem Kommifftonsberichl war U. langjähriger Vorsitzender deS Kricgervereins und steht der Sozialdemokratie durchaus fern.
Abg. Thiele (So,.):
Hier handelt es sich wieder um eine Machtprobe dcS Militär isurus, der uns die Tage von Za b e r n beschert hat.
Generalmajor Wild v. Hohenborn erklärt, daß der Boykott schon seit dem Juli 14)12 ausgehoben sei. Das Verbot ist vom Garnisonkommando cnisgegangen, daS von dem Besuch des LokalS für das Militär tzi s z» p l i n • schädigende Wirkungen befürchtete.
Eine Militärbehörde wird niemals ein Lokal verbieten, weil jemand sich seinem Recht entsprechen- bei den Wahlen so oder so betätigt. (Hört, hört!) Es wird auch kein Lokal verboten, weil der Wirt irgendeine sozialdemokratische oder sonstige Parteigesinnung hat. Die politische Gesinnung des Wirts ist uns gleichgültig. (Zurufe:
Na, na!) Wir wollen dem Wirt auch keinen wirtschaftlichen Schaden zufügen, sondern nur unsere Disziplin schützen. Der Wirt U. war übrigens nicht Vorsitzender eines KriegervereinS. sondern Vorstandsmitglied; er sollte wegen Unregelmäßigkeiten ausgewiesen werden. Wir haben mit dem Militärboykott immer ausgezeichnete Erfolge erzielt.
Abg. Schöpslin (Soz.):
Wir werden beweisen, daß königstreue Wirte, die gelegentlich einmal der Sozialdemokratie ihren Saal zur Verfügung stellten, boykottiert wurden. Selbst bei uns in Sachsen, wo doch gegenüber Preußen die milde Praxis herrscht. Das Kriegk- ministerium fragt vielleicht nicht nach der politischen Gesinnung, aber draußen ist es anders Die Fortschrittliche VolkSoartei hat das Mil'tärvcrbot auch schon zu kosten bekommen, früher auch das Zentrum. Die Praxis steht mit den Erklärungen des Generalmajors in schroffem Widerspruch.
Ucber die Petition wird zur Tagesordnung übergegangen.
'Einige Petitionen fordern eine Verschärfung, andere eine Erleichterung der Bestimmungen über das Wandergewerbe.
Abg. IN (Zentr.!:
Da ein entsprechendes Gesetz bereits in einer Kommission verhandelt wird, können wir uns eine Aussprache ersparen.
Abg. König (Soz.):
Nur gegen Auswüchse, nur gegen das Unreelle darf vorgegangen werven.
Die Petitionen werden als Material überwiesen.
TaS Haus vertagt sich.
Miti och, l Uhr: Petitionen.
Schlug 6 Uhr._
hessliche Zweite Hammer.
rb. T a r IN st a d t , 13. Jan.
Am Regierungstische: Staats minister Tr. v. Ewald, Minister des Innern v. Homberg k, Ministerialrat S ch li e phake.
Präsident Köhler erössnet die Sitzung um 10.20 Uhr. Er begrüßt die zum erstenmal im neuen Jahre zusammengekommenen Kammermitglieder und spricht ihnen nachträglich herzliche Neujahrswünsche aus. Ter Präsident teilt dann mit, daß an Stelle des Abg. Dr. Heidenreich Herr Oberamtsrichter Tr. W ü n z e r zum Vertreter des Wahlkreises Waldmichelbach gewählt worden ist. Der neue Abgeordnete ist anwesend und wird vom Präsidenten in der üblicken Weise durch Eid und Handdruck vervslichtet.
Vor Eintritt in die Tagesordnung fragt Abg. Tr. M o l t h a n, warum der Präsident den dringlichen Antrag der Mainzer Abgeordneten betr. die Veräußerung von Terrain am Leniaberg bei Mainz nicht dem Wunsch entsprechend aus die heutige Tagesordnung gesetzt habe.
Präsident Köhler erwidert, daß dies erst geschehen könne, nachdem die Regierung ihre Bereitwilligkeit zur Beantwortung ausgesprochen habe.
Staatsminister Dr. v. E w a l d bemerkt, soviel ihm bekannt sei, habe das Finanzministerium die Beantwortung schon vorbereitet und es stehe danach dein Wunsch des Abg. Molthan, die Sache morgen zur Beratung zu bringen, wohl nichts entgegen.
Präsident Köhler sagt zu, die Anfrage auf die morgige Tagesordnung zu setzen.
Erster Beratungsgegenstand ist die Beiprechuna der Anfrage Dr. Winkler, den Großob ft markt zu Alsheim betr. Da der Antragsteller durch einen Termin am Erscheinen verhindert ist, wird seinem Wunsch enlsorechend die Verhandln»-, darüber au! die nächste Sitzung verschoben. Zur Beratung grlangt danach der Antrag Raab, Ädeluug uud Gcu., betr. die Reichsversiche-
rungsorünung und in Verbindung damit die Vorstellungen der Vor stände der Lrlslranienlasse Mainz, des Verbandes hesnschee Frauenvereiue in Mainz und des Zweigvereins Dormstadt des katholischen Frauenbundes, betr. die Errichtung bezw. Nicht- errichtuna von Landkranlenkaiien.
Der Ausschuß beantragt, den Antrag des Abg. Raab abzuleh- nen und die Vorstellungen dazu sür erledigt zu erklären.
Abg. B u s o t d i.3oj.) spricht als Mitantragsteller zunächst sein Bedauern über die nou der Regierung so lange hinausgezigerte Beantwortung des Antrages aus. Er legt dann aussührtich dar. welche Gründe er und seine Freunde gegen die Errichtung von Land krankenkasseu auzuiüdren hätte». Aus den statlgehabten Reichstags Verhandlungen gehe deutlich hervor, daß die Errichtung der Land kranlenlafsen speziell sür Preußen beabsichtigt war, während man sür die übrigen Bundesstaaten die Ortskranlenkassen als die am besten geeignete Form hielt. Wenn sich die Regierung setzt gegen die Orlslrankenkajsen erkläre, io sei da« ein bedauerlicher Rückschritt Ten Ortskrankenkassen habe mau das Recht der Selbswerwaltimg gegeben, den Landlrunkeuknssen aber nicht. Der Redner volemisirrt dann sehr aussührtich gegen die im Ausschußbericht niedergelogic Stellung nähme der Regierung zu dieser Frage und wendet sich besonders gegen den Satz, daß es nach Ansicht des Ministeriums nicht erwünscht sei, daß zwischen den Leistungeu der Ortskrankeiilasse und denienigen der Landkrankrutasse zu sehr disseriert wird. Tie Entscheidung sei sa jetzt leider schon getrossen: die Regierung könne aber jetzt immer noch insoiern etwas tun, indem sie den Land krankenkassen i» Zukunsl ebensalls eine Selbstverwaltung gebe, damit auch diesen die Möglichkeit gegeben werde, dieselbe» Leistungen den Mitgliedern zukommen lassen zu können, wie die Ortskraulen- kassen.
Ministerialrat Schliephake fuhrt aus, die Regierung sei bestrebt gewesen, eine Organisation zu schaisen, die de» Bestimmun gen der Reichsuersicheruug gerecht werde und der Eigenart und dem Bedürsnis vieler Gemeinden entspreckze. Tie Regierung Habe ihre Anschaiiung sür die von ihr angenoinnrene Haltung ausiührlich dar gelegt und erklärt, aus welchen Gründen sie die Landkrankenkassen nicht mrsgeschtossen Ivissen ivolle. Tie Landkrankenkaisen sind in Tarmstodt, Mainz. Osieutzach. Gießen, Worms und in den L and - kreisen Taruistaet. Fiiedberg, Ben-heim und Dieburg ausgeschlossen worden, also auch in einer Reihe von Landorten: von einem Rückschritt könne durchaus keine Rede sein. Die Mitglieder dev Landkrankenlassen setzten sich besonders aus Mitgliedern der Ge- meindekvankeniasseu zusammen, oder sie waren überhaupt^ noch nicht versicheri. Tie Landkrankenlassen hätten ebenso ibre Selbst- veiwaltung. wie die Ortskrankenkassen und ebenso seien auch Mehr leistungeu bei den Landkrankenlassen möglich Wem> lich in der Praxis zeigen sollte, daß sie dem Bedürsnis nicht entsprechend wäre, so würde auch Abhilfe geschassen iverdeu. Man könne doch unme-glich. wie Abg. Busold es getan, die lokalen Derhälluisie von Fgiet-berg oder von Nauheim als maßgebend für das ganze Großderzegium betrachten. Redner rechtsertrgt die Haltung der Regierung dann noch weiter durch eine Anzahl smtistischer Angaben, m>« denen hervorgeht, daß ein starker Zentralisativnszuet vorhanden sei.
Abg. Korell-Jngelheim <Fr. Vv.): Der zur Verhandlung stehende Antrag ist zwar durch die Verhältnisse überholt, aber es ist tvotzdem nicht nutzlos, jetzt über diese Dinge zu ivvechen. Daß wir in Hessen Kreise haben, in denen Mir Landkranken- kassen oder Ortskrankenkassen sind und wieder andere, in denen beiderlei Rassen gleichzeitig vorhanden sind, schetnt mir als die unglücklichste Lösung der ganzen Sache. Ich sage nickst, daß ich ein Anhänger der Landkraukenkasien bin, aber ich bin der Meinung, daß es im -Hinblick aui die großen Schwierigkeiltzn, die sich jetzt ergeben werdeii, doch besser gewesen wäre, die Landkrankeukasieii überall einzuricksteu Tie Haltung der Regierung scheint zweiiellos von einer gewissen Stimmung gegen die _ -Sozialdemo
kratie beherrscht worden zu fein;_ es ist bei uns st so schon so weit gekommen, daß man hinter iedem
Antrag der Sozialdemokratie etwas sür de» Staat tste'ahrliches erblickt. Es handelt sich aber hier keineswegs um eine sozraldemo- kratisckre Sackze. wie das schon der klmstand beioerst, daß sonwlst der evanqelisckw ioie der katholische Franenverein den gleickreu Standpunkt vertritt. Die guten Absichten, welche die Regienrng Mit der Einsi'ihmnq der Laiidkrankenlassen verband, werdeii nicht in Erfüllung gehen, die Schwierigkeiten in der Fragender Zuge-- hörigkeit zu einer der beiden Kassen werden kaum zu icherwinden sein und die Landfluckst wird dadurch noch vermehrt iverdcn. Redner tritt dann für die erweiterte Wockzenhilfe der ländlichen Wöchnerinnen ein imd svrichl stch gegen verminderte Leistungen der Kasse in den Wintermonateii^aus. TaS Beste wäre gewesen, wenn von Reichs wegen überhauvt nur eine Aassenart zuqelassen worden wäre. Es lag nickst im Interesse. der Landwirtschaft/ besondere Landkraukenkasien ein,«rühren. Tie Selbstverwqltiing ist ja dem Buchstaben nach auch bei den Landkrankenkassen vorhanden, aber sie ist ein Messer ohne Klinge und so gut wie ausgeschlossen durch das Wahlrecht. Wenn es richtig ist, das; die Landkrankenkassen nicht als erivriestlich fick erweisen, dann werden mit der Zeit die Gemeinden selber daraus drinaen, daß sie wieder abgeschasst werden. Bei den Wahlen z>, den Ortskrankenkassen sind vielsack, auch andere Vertreter, als Sozialdemokraten, gewählt worden. Tie Arbeitgeber sollten ihre Arbeiter mehr ausklären, haß sie nur solche Leute zu ihren Vertretern wählen, die auch wirklich ihre Interessen zu vertreten in der Lage sickd.
Slbg. Dorsch lBbd.i lstilt es für bedauerlich, dost die Kranken- kassen nicht mehr, ioie srü.her, ans dem Lande von den Mirgeä- meistein unentgeltlich mitoerwallet werden. Ber beiden Kassen müssten jetzt die Beamten mitbezahlt werden und dadurch würden die Kosten sür die Versicherung in einer Weise erhöht, daß es überall großen Unwillen errege. ^ . .
At-g. Adelung iSoz.) meint, es sei nur zum Test richtig, daß der Llntrag zu spät komme. Es sei jedenfalls nickst zu spät daß die Kammer heute der Regierung sage, wie sie über die Sache denkt. Redner kritisiert dann ebensalls die Darlegungen der Regierung und bemerkt, daß die Regierung nach 8 133 des Gesetzes sehr wohl in der Lage sei, auch den Landkrankenkassen das Wahlrecht zu geben.
Abg. Hauck <Bbd.): Es ist damit, daß so vielfach die Landkrankenkassen eingesührt Nmrden, der Beweis geliesert worden, wie die unteren Faktoren über die Sache denken. (Zuruf: Tas macht >a der Kreistag.) Tie Wöchnerinnenhilse noch weiter auszudehnen, liegt keine Veranlassung vor. Je kleiner eine Organisation sei, desw besser sei auch die Kontrolle.
Abg. Busold (sozd.) bedauert, daß sich die Parteien der Rechten zu der Sache ganz ausschweigen. Das sei nur ein Schweigen der Verlegenheit, aber es sage doch genug. Mau scheint ein« zusehen, daß hier etwas geschehen ist, das besser unterblieben wäre.
Dm Präsident wendet sich gegen den vom Vorredner wiederholt gebrauchten Ausdruck, daß die Angelegenheit ,,wr» schleppt" worden sei. Wenn darin ein Vorwur, gegen das Präsidium liegen sokkte, io müsse er ihn entschieden zurückweisen.
?lbg. Eißnert Isozd.i führt ans, wenn auch bei uns m Hesse» nur eine .Kassenart zur Einführung gelangt wäre, so würde die Leistungsfähigkeit eine erheblich höhere gewesen sein, als dies bei dem Rebeneinanderstehen der beiden Kassenarten der Fall sei.
Abg. S t ö p l e r (natl.) bemerkt, Abg. Busold habe bedauert, daß kein „Redner der Rechten" zur Sache das Wort enrnffeni habe. Er mr das uui> bemerke, daß die Aurrgungen des Abg.


