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Ter tfiieB«i<t anjtigtr frkbrint täglich, aufcer
Sonntags. — Beilagen: viermal n>öebe»itich 8ietzev«r,iiMllftnbIätt«r: z>veunatwöchenil.Xreik- »talt »urden Kreis Kietz«» (Tieiislag und Freitag): liiuttmal monnt!. Cops- wirtschastliche Ziitsrag«» Ferutyrech - Anschlüße: fiir die Sie&nfnou 112, Verlag ». Expedition LI Adresse fiir Deveschcn: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen lür die Tagesnuinmer bis vormittags 8 Uhr.
Erstes
Blatt
m. Jahrgang
Mittwoch. 14. Januar 1914
General-Anzeiger für Oberhessen
Rotationsdrud und Verlag der vrühl'schen Unio.-Vuch- und §tei»dnl<krrei R. Lange. Redaktion, Expedition und vruckerei: Zchnlftrahe 7.
ve;tt -i-v reiOr :n onatlieb 7b Bi., vierteljährlich Mk. 2L0; durch Abhvle- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.: durch die Post Mk.2.—viertel« jcüjrL ausfchl. Bestellg. Zeilenprers: lokal 15Pf^ auswärts 20 Pfenniq. bhcfredakteur: A Goetj. Verantwortlich für den polit. Teil: Aua. Goetz: für .Feuilletott", „Vermischtes^ und„Gerichts- jaal": Karl Neuralb: iür „Stadt und Land": Kurt Bendt; für den Anzeigenteil: H. Beck.
Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.
T«>-cskalcn»cr aus -cm Jahre 1814.
14. Januar: Preußische Truppen erobern Nancy in Loth,.
parlamentarische Nachklänge aus Zabern.
Herr ». Bethmann-Hollwcq hat ani gestrigen Dienstag im preußischen Ab geordneten Hause zweimal Gelegenheit ge- nominen, das Wort zu ergreife». Zuerst antwortete er auf eine konscrvatipe Etatrede, indem er die Steuerpolitik des Reiches ausführlich rechlfertigte, ivobei er wenig neues zu sagen vermochte, dann aber gab er bedeutsame Erklärungen ab auf Ausführungen, die der uatioualliberale Abg. Dr. Röchling gemacht hatte. Es handelte sich um die Zaberner Vorfälle und um die braunschweigische Sache. Wa» Zabern anlanqt, so hatte Röchling der Reichs lei tmig vorgehalteu, daß sie dem fast grundsätzlichen Gegenrinauderarbeiten von Zivil und Militär nicht mit der nötigen Schnelligkeit ab- geholfen. Herr v. Bethmann-Hollweg erwiderte, er bitte, die Kompetenzen nicht zu verschieben: was als Reichskanzler seine Pflicht sei, darüber brauche er im Abgeordnetenhaus«: nicht Rede zu stehen. Aber dann ging er doch mif die Sache ein, indeur er u. a. aussührte:
Ich habe niich im Reichstage, als ich die Zaberner Angelegen- beit darstellte, bezüglich der Vorgänge vom 2b. November gut die Meldungen des Militärs g c st ü tz t und danach die Situation geschildert. Ich habe ausgesührt, das; das Militär zum Einschreiten geokmmen ist, weil es der Ansicht war, daß das Zivil versagt habe. Ich 'habe weiter lunzugesügt, die Z i v i l b e h ö rd e n widersprechen dieser Aussassung des Militärs anfs allerent- schiedcnste. Wer von beiden recht hat, weis, ich nicht, und werde ich vielleicht a u eh niemals wissen können. (Lärm links lind im Zentrum.! Bitte, lassen Sie mich ausreden. Nun sagt der Vorredner, dg» wäre eine Stellung, die eines Staatsmannes unwürdig wäre. (Widerspruch des Tr. Röchling.) Ja, meine Herren, hoben Sie denn gemutzt nicht der Herr Vorredner, aber seine Parteifreunde in, Reichstag, die sich beteiligt haben, ich ineine an dem Votum (Heiterkeit- —, ob das Militär oder das Zivi! in seiner Aufiossuilg im Recht war? Haben Sie nicht die Verhandlungen in Straßburg gelesenV Zustimmung rechts.) Haben Sie nicht deii Eindruck gehabt, datz manche Leute, die damals meinten, das Militär bat Unrecht, setzt eines Besseren belehrt worden sind? Es ist selbstverständlich, (datz die Vorgänge in Elsaß-Lothringen eine sehr ernste Sorge der Reicksregittnng bilden,, »nd daß es eine sehr ernste Sorge der RcgiertMg ist, Ivie solchen Vorfällen für die Ziikiliift zu steuern ist. (Lebhafter Beifall rechts.)
Man darf demgegenüber immer wieder daraus Hinweisen, daß das erste Unheil in Zabern dadurch entstanden ist, daß man nicht schnell genug der berechtigten Mißstiminuiig der Bevölterung durch eine notwendige Maßregelung des'schuldigen Leutnants Einhalt getan hat. Darauf ist desto deutlicher gestern vom Staatssekretär Zorn v. Bulach in der elsatz-lothringisckfen Kammer hing-wiesen worden. Aus seiner Regierungserklärung leuchten doch andere Auffassungen hindurch als diejenigen, ans Grund deren das militärgerichtliche Urteil gefällt worden ist. Wir verweisen ans den ausführlichen nachsrehendcn Bericht. Herr v.Bethmann-Hollweg wird nicht darüber hinwegkommen, entscheidend und wirksam Stellung zu nehmen, wenn er auch erklärt hat, er ioerde „vielleicht nie wissen, welche Auffassung die richtige war." Er muß sich doch entschließen, nach der einen oder der anderen Richtung den Kurs zu lenken, und wie notivendig es ist, daß schleunig st eine üb er ein st im ni en d e Aussassung bei Militär und Zivil
hcrbeigeführt werde, das beioeisen die heute noch ziemlich osscn äuseinandcrgelwndcn Standpunkte der in Straßburg maßgebenden Autoritäten. 'Aus der einen Seite heißt es, das Zaberner Volk sei friedlich und untadelig, auf der anderen erklärt nian, cs wimmele von Hetzern und Militärfeinden. Tie Verdächtigung der Zaberner Postbchörde hat sich, wie bereits mitgeteilt wurde, als unbegründet erwiesen.
Zabern im elsaß-lothr. Landtag.
Straßburg; 13. Jan.
Bei dichtbesctztcn Tribünen verhandelte die Zweite Kam- ni e r des elsaß-lothringischen Landtags heute nachmittag über die von allen Parteien cingebrackitcn Anfragen belr. Zabern. Abg. Knövsler führte zur Begründung aus, es bestehe in Deutschland eine allmächnge Militärpartei, die mit allen Mitteln eine friedliche und ruhige Entwicklung in Elsaß Lothringen zu verhindern suche.
Zum Schluß brachte der Redner einen Beschluß des Za- bcrucr Gemeind er ats zur Kenntnis des Inhalts: Der Gemeindcrat in außerordentlicher Sitzung vom 12. Januar 1814 svricht dem Krcisdirektor Mahl d,'» Dank der B e v ö l k e rnng für sein entschlossenes und maßvolles und den Verhältnissen entsprechendes Verhallen aus. Er stellt ausdrücklich fest, daß die berechtigte Erregung der Bevölkerung verursacht wurde dadurch, daß eine hinreichende rasche Sühne für die Beleidigung, wie sie Leutnant von Forstner getan hat, nicht gegeben wurde. Das Eingreifen des Militärs war ungerechtfertigt und unberechtigt. Vordem haben keine Ausläpfe stattgcfundcn. Nur der guten Haltung der Zivilbevölkerung ist es zu danken, daß nicht geschossen wurde. (Lebhafter Beisall.)
Nachdem verschiedene andere Abgeordnete gesprochen hatten, gab Staatssekretär Freiherr Zorn von Bulach namens der Regierung eine umfangreiche Erklärung ab, in welcher er zunächst daran erinnerte, wie seinerzeit unbedachte Worte eines jungen Ossiziers, der sich die Tragweite seiner nicht für die Oessentlichkeit bestimmten Aenßenmgcn zunächst wohl kaum bewußt gewesen sei, bei der Bevölkerung aber eine starke Erregung erzeugt batte und wie diese durch die leidenschaftliche Sprache eines Teils der Presse noch erhöht wurde. Irrtümlicherweise habe die Bevölkerung damals angenommen, Kaß jene beleidigenden Aeußerungen ohne Sühne bleiben werden. Ter Staats- sckretär gilt dann die Entwicklungsphasen der bekannten Vorgänge in Zabern i» kurze» Worten wieder und stellt lest, datz im ersten Stadium in Heu Tagen voni 8. bis tt. November tälliebr Beleidigungen »der grobe Ausschreitungen nicht zu verzeichnen waren: daß damals nach Offizieren Steine geworfen wurden, sei der Regierung nicht genieldet gewesen, und erst jctzr durch die kriegsgerichtliche Verhandlung er wie« s e n worden. Tie Zaberner Zioilbebürdcn hätten damals seitens der Regierung die strenge Weisung erhallen, unter allen Umständen mit den zur Derffigung stehenden Wvlizeikräiren für di« Anfrechterhaltung non Ruhe und Ordnung zu sorgen, da» Militär gegen Beleidigungen zu schützen und im Notfälle die bewaffnete Macht zu reguiricrc«, wie es gesetzlich vorgesehen ist. Tic Regierung sei in dem^ erste,, Stadium der bedauerlichen Vorgänge einer Situation gcgenübcrgestandcn, die ein direktes Einschreiten ihrerseits, soweit es sich nicht um die Unterdrückung der Unruhe handelte, ausschloß. Daß der Lcutimnt von F-orstncr die Bevölkerung Elsaß-Lothringens habe beleidigen wollen, wurde von dem Generalkommando durch öffentlich' Erklärung in der Presse in ?lbredc gestellt. Jrn übrgien stand der Leutnant unter der Disziplinargewalt seiner Vorgesetzten bezw. unter der Militärgerichtsbarkeit, und dieser allein fiel die Windung einer etwaiger» Verfehlung des Offiziers zu. Jede Eirrmischung dm; Regierung in diese Angelegenlieit roürde daher als ein unberechtigtes Eingreifen in das militärische Komvetenzgebiet zurückgewicscn worden sein. — Tic Regierung sei damals der Behauptung entgcgengetreten- daß die Zroilbchörderr versagt hätten. Auch der Anklagevertretev in dem triegsgcricbtlichen Verfahren geizen Oberst von Reuter Hab« die damaligen Maßgaben des Krcisdirektors als genügend anerkannt, unter der Voraussetzung srcilich, daß eine Kontrolle
über die Polizeiorgane dahin auszuübrn war, ob sie auch itrre Pflicht täten. Tcharsvcrurteillcder Staatssekretär, daß ein Teil der Bevölkerung in Zabern, auch wenn sie sich beleidigt glaubte, zu lärmenden Straßenkundgebungcn und unflätige» Beschlmpfiinge» von Offizieren habe Hinreißen lassen. Dem Ansehen und der Pslicht der Bevölkerung würde es ent- sprvckien haben, wenn sie den össenllickren Aussor deiungcn des Bürgermeisters und des Kreisdirektors ge- solgt wären, welch' wiederholt vor Ruhestörungen genügend ge warnt haben. Die Frage, ob ein sofortiges Eing reisen der milriärischn Vorgesetzten durch Beurlaubung oderVer setzung dcs Lculnants ». Forstner nicht am wirksamsten zur Beruhigung gesübrt hotte, ist durch dicZivilbehör den nidii ju entscheiden gewesen. Ter Staatssekretär stellt dann fest, daß die Durchsührung weilerer Maßnahmen nach den Vorgängen am 28. und 21). November bis zum Abschluß des anhängigen kriegsgerichtlickvrr VerfabrcnS, dein die Feststellung der Veraurworllrchkeit gesetzlich in erster Linie zusiel, bätlen zu- rückgcstellt werden müssen. In weiteren Beziehungen nähere Auskunft zu geben, sei die Regierung nicht in der Lage. Inznfischen habe das Kricgsgerich gesprochen lind diese Entscheidung — auch wenn sie noch nicht rechtskräftig sei — habe die Regierung wie jeden Rechtsspruch zu achten. Die Regierung hall: es indessen für_ ihre Pslicht, hei diesem Anlaß ausdrücklich zu konstatieren, daß in Zabern MilitärundBürgerschait stets in gutem Einvernehmen lebten, Militär- »nt Jivilbehördcn srenndliche Beziehungen untcrbielten und daß die wörtlich»:» Beschimpfungen sich ursprünglich nur gegen Leutnant v. Forstner richteten. Durch die eingeleitete Untersuchung würde sestzustellen sein, ob aus Seilen der lokalen Zivilorgane Unterlassungen oder Verfehlungen vorgekommen sind. Tic Annahme, daß eine Abneigung gegen das Militär selbst die Triebfeder der Demonstrationeil gebildet liabe, müsse mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen werden, ebenso müsse die Regierung — gewiß int Sinne der großen Mehrheit der Bevölkerung — jeden Versuch, aus den bedauerlichen Vor- falten in Zabern AngriffSvunkie gegen die Armee zu konstatieren und diese für die einzelnen Vorkommnisse verauttvortlicki zu machen, als irreleitend brandmarken." Die -Armee ist der Fels, auf der die Macht und die Größe des Reiches ruht, und lver an ihr rüttelt, vergeht sich gegen das Vaterland und dessen Sickierheit. *
Berlin, 14; . Jan. Die sozialdemokratische ReichStagsfraktion hat eine Anfrage eingebracht dahingehend, was der Reichskanzler zu tun gedenke gegen die „gesetzwidrigen Uebergrisse der Militärgewalt".
Deutsche» Reich.
Aus d e ni Preußischen Abgeordnetenhaus. Die n at ionallil> eralc Fraktion des Abgeordnclcn- häuses hat folgende Anträge gestellt: 1. Dom Jahre 1915 ab erhöhte Mittet in den Landwirtschaftsetat einzustellen, um in systematischer Weise und wirksamer, als bisher, den Gemüse- und Obstbau zu fördern: 2. im Interesse der Erhaltung des Bauernstandes mit tunlichster Beschleunigung eine Zusammenstellung der Verschiebungen vorzunehmen, die sich in den letzten Jahrzehnten, mindestens aber seit der Gerne rbozählnng von 1895 in der Zusammensetzung des bäuer- lichen Grundbesitzes und der ländlichen Wirtschaftsbctricbc, sowie in der Zahl und Zusammensetzung der Bevölkerung ergeben haben: 3, schleunigst die Verstaatlichung der Bureaus der Laudratsämter in die Wege zu leiten; 4. für die Wahlen zuw Abgevrdnetenhause die geheime Stimmabgabe und die direkte Wahl einzuführcn unter Beibehaltung des Systems eines abgestnften, plutokratische Auswüchse vermeidenden Wahlrechts und unter Beseitigung der Bestimmungen des Gesetzes vom 29, Juni 1893, die den Grundsatz der Bemessung des Wahlrechts nach der Steuerlcistnng im Gcmeindebczirk
Das Schicksal der Lntl»erschätze in Halle.
Verkauf der SNa r i e nb ib l iothek,
(db) Ans Halle a. S. wird uns geschrieben: Tine der bedeutendsten und Ivertvollsten theologischen Bibliotheten Deutschlands, die Marienbiblwthek zn Halle, von der die Oessenttichkeit und die Wissenschaft bisher nur wenig Vorteil hatte, soll nunmehr verkauft werden. Voraussichtlich wird sie, zum größten Teil wenigstens, in den Besitz der Stadt Halle übergehen, die die loertvollcn Schätze dann der Oeffentlichkeil zugänglich machen wird.
Die Marienbiblwthek wurde 1557 von Boltius „zur Befestigung der Geistlichen in der neuen Lehre" gegründet. Sie umfaßt ettva Ri lXX! Wände. Darunter besiichemsich Hunderte von Druckcm auS dem 1(>. und aus dem 17. Jalychundert, von denen einzelne viele Tausende wert sind. Das Glanzsnuk der Bibliothek ist eine aus säst 30V Stücken bestehende Reformatoren -Schriststück- sammlung, die nmsangreichste Handschriftensammlung Luther» und seiner Mitreiorniawrcn. In dieser Sammlung finden sich tzAaniffkripte, die für die Lehre Luther» von grundlegen der Bedeutung sind und die heute vieliach al» versckwllen gelten. Die Bibliothek enthält weiter alle Erstausgaben der Lulln-richm Schriften, die sogenaintten Autvgravhen, die noch unter Luther» -Ilusffcht selbst in Truck gegangen sind. Ebenso fast vollständig die Schriften der Mitreformawren, sämtliche in ersten Ausgaben und in alten Origimrlbänden.
Tie Oessentlichkeit am meisten interessieren wird die in der Bibliothck enthaltene einzige existierende Original- Totenmaske Luthers. Ti« Totenmaske ist einer lebensgroßen Gestalt Martin Luthers cingcsügl, die in den Räumen der Biblimhck auidcwatirt wird. Tie Gestalt, deren Gesicht und deren Hände aus Wackw geformt sind, sitzt im Talar au einem Tisck,, vor sich eine mir Randbemerkungen versehene alte Bibel, deren Druck im Jahre 1534 von Hans Lusft, dem ersten Bibeldrucker, angeseriigt ist uiw die eine eigenhändige Widmung Luther» trägt. Ein betannter Pastor sagt vor der Figur: ES ist, als träfe man den Gottesmann bei feiner Arbeit. Bei einer genaueren Betrachtung erscheinen besonder» charakteristisch die breite, bedeutende Stirn mit der tiefen Furche, die Nase, die Lukas Cranacki genau so gemalr hat, der Mund, umspietl van einem freundlichen Lächeln und da» energische Kinn. Naturgetreu sind alle diese Züge wiedergegcben, weil den Wachsabgüssen, die loir da vor uns haben, jene Givsabdrücke zugrunde gelegt sind, die man von Luther» Leiche nahm, als sie in der Nacht vom 20. zum 21. Februar 1546 in der Sakristei der Marktkirche zu Halle a. 2. lag. Ter große Bildbauee Christian Daniel Rauch nennt nach einer genauen Untersuchung dieses vlastischc Bild „ein in seiner Art plastisches Kmistwcrk". Bon besonderem Interesse sind ihni die Gesichtspartien und die Hände, „zumbl da
beide die unverkennbarste» SMreic davon zeigen, daß sie über die Natur geformt sind". Rauch fährt dann fort: „Ebenso augenscheinlich ist es, daß die Wachsmaske das naturgetreue Porträt des D. M. Luther uns rorsühvt." In demselben Sinn äußert sich Rauchs bcrühntter Schüler Ernst Friedrich August Rietschel in Dresden, der Schöpser de» Wonnser Lickhcttdenkmal». Rauch hat, als er die Totenniaske sah, bedmcert, daß sie in der Marienbibliothek so ivenig Beachwng findet. Das Werk solle der Oeffcnt- lichkeit zur Besichfigung übergeben werden.
Rauchs Wunsch nfird voraussichtlich bald in Erfüllung gehen. Der Kirchenrat der Mariengcmeinbc zu Halle hat beschlossen, die Bibliothek zu verkaufen, nicht nur, weil er für verschiedene Zwecke nötig Geldmittel brmiwt, sondern auch in der Erkenntnis, daß die Bibliothek, die in den jetzigen Räumen nahezu unbenutzt ist, aus wissenschaftlichen und aus künstlerischen Gründen der Ocssent- lichkeit zugänglich gemacht werden soll. Der Kirchenrat wird die vom Ausland eingehenden Angebote berücksichtigt lassen: wenn es irgendwie angeht, soll die Bibliothek in der Stadt Halle bleiben. Vorläufig hat der Kirchenrat dem Magistrat angeboten, ihm die Bibliothek mit Ausnahme der Luthermaske und einiger ganz besonder» wertvoller Stücke UNI,300 000 Mark zu verkaufen. Tie Bibliothek soll dann im Museum der dlläritzburg oder im Roten Turm untergebracht wctden. Die Totenmaske Luther» bleibt unter allen Umständen in, Besitz der Mariengemeindc, die fiir eine geeignetere Aufflellnng nach dein Verkauf der Bibliothek Sorge tragen wird.
F e st s v i e l e d e s R h e i n i s ch e ii 0! o e I h e - B e r e i n s. Aus Düsseldorf, 11Z Januar, wird unS gemeldet: Der Rheinische Gocthe-Derein beschloß in seiner tMitgliederverfammlung zu Düsseldorf unter seinem Vorsitzenden Obervräsidenten Freiherrn von Rheinbaben, die diesjährigen Fesffoiele in der Zeit vom 27. Juni bis 15. Juli in Düsseldorf unter Zugrundelegung eines 2 h a kc sv c are-P rv g ra m m » zn veranstalten. Der Plan, auch JmmarmannS „Andrea» Hoier" und GrabbeS „Ton Juan und Faust" auszuiühren, wurde fallen gelassen, da man sich wenig Erfolg von der Sluiiührung dieser wenig bekannten Werke verivrach. Dafür soll By r o ns „M anfred" gegeben werden. Im übrigen verzeichnet der Tviclvlan „Heinrich IV.", beide Teile, „Macbeth", „Kaufmann von Venedig" und al» Volks-- und 'Schülcrvorstcllung „Was ihr wallt". Die Regie überninimt tviederum ?)! a x l- c u b e , der jetzige Leiter das TeMickvn 2ck>autpielbauses i>; Hamburg, die Hauptrollen werden wie alljährlich, mit bedeutenden Schauspielern kfietzt werden. Für das Jahr 1915 ist eine Anfführuv; von „Faust" unter 2lu>wenduv: großer Mittel vorgesehen.
— Eine „Tragödie" von Meyrink und Roda Roda. Ans tzNünchcn, II. Jan., wird uns geschrieben: In
Gemeinschaft mit Gustav Meyrink hat Roda Roda allen Ernstes, aber vergeblich nach dem Lorbeer des Dichters gegriffen. Das Produtt dieser doopellcn Vaterschaft kam unter dem Titel „Die u h r" am Rcsidenzthater zur Uraufführung. Auf dem .Hradschiner Turm in Prag haust seit zwanzig Jahren Thomas von Hajek mit seiner Tochrcr Marie. Mit Hilfe eines Sttldenten enträtselt Marie das Geheimnis, das den Vater zum Einsiedler macht: Er hat seine Frau, die ihm nnt seinem Freunde
Dobrusky betrog, vom Turm gesttirzt. Zur Sühne hat Dobrusko seinen 'Sohn in Liebe zu Marie erzogen. Als der junge Dobrusky diese Liebe gesteht, nfird rr von seinen! Freunde, der Atarie ebenfalls liebt, voni Turm gestürzt. Diesen spröden, bisweilen tragö- dienhaft starken Kern von Meyrink umranken als Zutaten :Iiodas kecke Witze, die sich schroff an der Hanvtbandlung stoßen. Ter zerrissene, als Ganzes unkünstlerischc Zwfttrr wurde nach dem ersten Akt kühl begrüßt, der Schluß übcrwiegcnd unter Zischen abgelchnt, trotz glänzendster Inszenierung und Darstellung. Ter Regisseur Basil, der für hie Autoren danken wollte, wurde zischend lind lachend empfangen.
DasMausolcuindesPrinzeiiLiilu. Aus Paris wird berichtet: Dia ebemalige Kaiserin Eugenic weilte dieser Tage in M a l m a i s o n , NM die kürzlich von ihr angekaustc Liegenschasl zu besichtigen, aus der in der Avenue Marmantel das zum An- denkcu au ihren ^Sohn, den „Prinee Jmverial", errichtete Mausoleum eine neue Stätte finden soll. Tie Ucbcrsühruug des Mausoleums nach Malmaisv» soll in nächster Zeit erfolgen, „nd mit sichtlichen! Erstaunen erfahren die Paviier bei dieser Gelegenheit, daß sie in ihrer Stadt das Mausoleum des Prinzen Lulu beherbergen. E» bildet'einen graziösen kleinen Rnndtenivel, dessen Kiivvcl aiek 12 korinthischen Säulen ruht, und steht zurzeit auf einem schmalen '(Grundstück in der Avemie de La Bourdouars Nr. 0, da» der Exkaiserin gehört. Neben dem Mauioleum steht ein kleine» Haus, eigentlich eine Hütte, in der ein Gärtner wohnt, und hier findet man eine etwa» über lebensgroße Büste de» unglücklichen Prinzen, der ,belanntlicki 23jährig in englischen Diensten im Kamps gegen die Zulue fiel. Die Büste zeigt den Prinzen Lulu in engl. Ossiziersunisorm: aut dem Sockel sieht man ein eichenlaubum kränzles große» N. Tie Bütte ist von D'Evinay geichafsen, das Mausoleum ist ein Werk de» Arckiiteklen Teftailleur, der es kurz nach dem Tode de» Prinzen iw Auftrag der Kaiserin Eugenie erbaute. Nun wird das Bauwert sorgiätlig abgetragen und aus dem schnellebigen »nd schnellvergessenden Paris nach Malmaison überführt werden.
— K urze Nachrichten ans Kunst und Wissen- s ch a - t Bei der Wiederherstellung d.'S T o m e s von Fritzlar wu: , verschiedene kostbare Wandgeniätde entdeckt, die vermutlich au« : ... lt. Jahrhundert stammen.


