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Ter Sleßenrr Anzeiger
erscheint idqlidh, außer Somiicfl-5. — Beilagen: viermal >»öck>e»ilich SießenerFamifiendlätter;
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(Tienstagund Freitag»; zweimal monatl. fand- wirllchastliche Zeitsragen Fernlvrech - Anschlüsse: für die Redaktion 113, Verlag u. lffrvedivoii LI Adrelle für Tevefchen: Anzeiger Gießen. Annahme o»n Jlnjeigen ’ür die Tagesniinuiier bis vormittags S Uhr.
Erster Blatt M. Jahrgang Dienstag, 15. Januar 1914
General-Anzeiger für Gderhessen
Notationrdnxl und Verlag der vrnhl'schen U«i».-Such- und Zteindrnckerei 8. Lange. Redallton. Lrpeditton und Druckerei: §chnlftraßt T.
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inonailich7LPf.,v>eri«l- jährlich Mk. 2.28: durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich KL Pst: durch diePost Mk.2.— viertel« jahrl. ausfchl. Beilellq. Zeileuvreis: lokallL Pf. auswärts 2V Pfeuiiiq. Lhesredakteur: A Goetz, Aeraulwortlich für den volil. Teil: Ang. Goetz; sür »Feuilleton", »Vermischtes" u»d»Ge«chts- faal": Karl llienrnlh; für »Stadl imd Land": Kurt Bendt; für den Anzeigenteil: H. Beck.
Die heutige Nummer umfatzt 10 Seiten.
Tageskalendcr aus dem Jahre 1814.
13. Januar: Das von den Franzosen noch hartnäckig verteidigte Witte nberg wird von den Preußen gestürmt.
Die Wahrheit über Albanien.
Don einem Kenner der Verhältnisse 'Albaniens wird uns geschrieben:
Wenn alles das wahr wäre, was in den letzten Tagen über daS allerneuestc europäische Staatswesen, über Albanien berichtet worden ist, dann müßte man zu der Meinung kommen, daß dieses Land sich im Zustand eines blutigen Bürgerkrieges befindet, der die Bevölkerung noch vor b:r endgültigen Konstituierung des Fürstentums vermindert hätte. Wenn aber wiederuin alles das wahr wäre, was in den letzten Tagen von und über Albanien dementiert worden ist, so könnte man zum Schluß aus den Gedanken kommen, daß es ^lkbanien überhaupt nicht gibt, denn nach den zahllosen Dementis bleibt von dem kleinen Ländchen eigentlich kaum noch etwas übrig.
Zuerst hat man monatelang nach einem Anwärter sür das albanische Thröncknn gesucht, und jetzt, nachdem der Prinz zu Wied im Einvernehmen mit den Mächten sich zu dem Experiment bereit erklärt hat, sollen die Prätendenten plötzlich wie Pilze aus dem Boden hcrvorschießen. Da wurde zunächst Eis ad Pascha, der schon bei dem Streit um die Wahl der iünstigen vauvtstadt 'Albaniens eine nicht unbedenkliche Rolle gespielt hatte, beschuldigt, nach dem Dhron zu streben, und auch jetzt wieder wird er von einigen Seiten als der Urheber des Balona-Pul sch es bezeichnet. Essad Pascha selbst bestreitet diese Beteiligung mit aller Entschiedenheit, und er berujr sich zum Be weis des Gegenteils aus seine Kundgebung sür die Kandidatur Wied sowie aus seine Tätigkeit bei den Vorderes-, tungeil für den Empfang des Prinzen in Turazzo. Die Wahrheit ist, daß Essad Pascha ursprünglich die Bestvebun- gen nach der Berufung eines mohammedanischen "Fürsten unterstützte, sich aber zum Schluß nach einigen Flnvan- kungrn ans die Seite der Wied-Kandidatur schlug, als er sah, daß selbst der größte Teil der mohammedanischen Albanesen sich für einen christlichen Fürsten >11 der Erwägung entschied, daß die Dahl eines muselmanischen Staatsoberhauptes notwendigerweise zu einem Krieg aller gegen alle, zu einer Austeilung Albaniens fiihren müßte.
>bar nicht ernst zu nehmen ist die in den letzten Tagen verbreitete Behauptung, daß Essad Pascha einen Schrittmacher sür den früheren türkischen Kriegsminister Jzzel Pascha darstell« .den man zuletzt sür einen Prätenden-, len ausgegeben bat und auch jetzt noch dafür ausgibt. Essad Pasckza ist eine viel zu selbständige und ehrgeizige Natur, um sich sür andere Thronbewerber ins Zeug zu legen, und er hätte sich, wenn überhaupt Aussicht auf die Anerken-, ilung eines albanischen Fürsten durch die Mächte vorhanden gewesen wäre, sicher als den nächsten dazu angesehen. Was Jzzet Pasckia betrifft, so hat er selbst die Beschuldigung, daß er nach dem albanischen Thron strebe, „mit tiefster Entrüstung" zurückgewiesen, wenn er auch zugibl, „daß es vielleicht lieute in Mbanien gibt, di« ihn znm Fürsten wünschen"'. Die Wahrheit ist in diesem Falle, daß Jzzet Pascha nur ein« vorgeschobene Person darstcllt, während die Draht
zieher am Goldenen Horn und zwar im j u n g t ü r k i s ch e n Komitee zu suchen sind, das zurzeit tatsächlich die lür- lische Regierung darstellt.
Wenn aber Jzzet Pascha bestreitet, daß seine Ersetzung durch Euver in der Leitung des Kriegsministeriums mit den albanischen Putschvcrsuck^u im Zujamnienhang siehe, so ist das nicht ganz zutreffend. Man hat Enver Pascha, den rührigsten der türkischen Militärs und Staatsmänner, ans den verantwortlichen Posten in der Hoffnung gestellt, daß er aus dem Balkanschiffbruch retten werde, was zu retten ist. Und »zu dieser Rettungsaktion sollte auch der Versuch gehören, die Wahl eines mohammedanischen Fürsten in Albanien durchzusetzen, um dies Land auf diese Weise wenigstens unter der versteckten Souveränität der Türkei mit der Hofsnung auf etwaige spätere Miedepanglicderung zu erhalten. Diesem Zweck diente die Bearbeitung der albanischen Mohammedaner, dienten die mit türkischem Geld« und türkischen Soldaten inszenierten Putschversuche, wobei mau den Namen des in Albanien bcgütdrtcn Jzzet Pascha mit oder ohne dessen Einwilligung benutzte.
Die Putschversuche siud gescheitert, «ntgültig gescheitert, nicht zuletzt daran, daß cS in Albanien mehr als ein Dutzend Paschas gibt, die alle ein Recht auf den Thron zu haben meinen: es seien nur Asis Prioni und Haki Elbasani genannt. Tie überwiegende Mehrzahl der Albanesen, soweit sie politisch milznreden haben, aber weiß, daß die mühsam er- iämvfte Selbständigkeit ihres Landes nur durch einen von den Mächten anerkannten Fürsten gesichert werden kann, und das ist der P r i n z zu W i e d, mögen ihn auch die albanischen Muhammedaner nur als notwendiges Uebe! betrachten. Den Slandpunkt der überwältigenden Wiedniehrhcit bringt auch die albanische Abordnung zum Ausdruck, die soeben in Berlin cingelrosfen ist, die jedoch nur den Vorläufer der ossizicl- len Abordnung darsleiil, welche gegen Ende des Monats in der deutschen Reichshauplstadi cintretsen wird, um dem Prin zen zu Wied feierlich die Krone Albaniens anzubieten. Die ebenso seierliche Annahme bedeutet nur noch eine Formalität. Aber der Antrittsbesuch wirb eine ganz erhebliche Verzögerung erleiden, da der Prinz keinessalls vor der endgültigen Grenzfestsetzung und der Regelung der Anleihefrage in seine Residenz D u r a z z 0 einzuzichen gedenkt, die den unschätzbaren Vorteil aufweist, am Meere zu liegen, also die günstigsten Chancen für eine etwa plötzlich notwendig werdende — Luftveränderung bietet.
Rom, 13. Jan. Italien hält, wie man erfährt, an der Ablehnung jeder südalbanischen Grenzkorrektur fest und lehnt die Errichtung einer neutralen nach Veniselos Vorschlag der Oberhoheit Albaniens zu unterstellenden auto-- iiomcii Zone ab. Italien wird jedoch leinen Einspruch erheben, wen» die Räumung der Grenzgebiete durch cleineii- tare Ereignisse Mich» so schnell vor sich gehen sollte. Veniselos soll sich aber verpflichten, nicht länger als einen Monat mit der Räumung zu zögern. In der Jnselfragc steht Italien sehr freundlich zu Griechenland. Dieses soll, falls die anderen Mächte einverstanden sind, auch LemnoS und Samothralc erhalten, dagegen sollen Chios und Mhtilenc bei einem Anschluß an Griechenland neutralisiert werden. Dafür ivürden die Mächte etwaige türtische Revanchegelüste Niederhalten.
Valona, 13. Jan. Zwischen Gendarmerieabteilnngen der provisorischen Regierung und bei Elbassan kon- zenlrierlen Anhängcrn Essad Paschas, welche Elbassan bedrohen, kam es nach einem Scharmützel in den letzten
Tagen beute zu einem e r n st e n Kampf bei G 0 d 0 l e s ch iluwclt Elbassan. Die Aufständischen wurden geschlagen und zurückgeworsen. Bon Elbassan ist jede Gefahr abgewandt
rentfebe» Uci«h.
Die Matrikularbeiträge. Laut „Tägl. Rundschau" haben die Bundesstaaten sich bereit erklärt, die bisherigen 80 Psg. für den Kopf der Bevölkerung an Matri- kularbeiträgcn zu entrichten, jedoch gelten diese Abmachungen nicht mehr für fünf Jahre, sondern nur bis auf weiteres.
JmAnschlußandasncueWahlr echtin Rcuß ist, wie aus Gera gemeldet wird, für die Gemeinden ein M e h r st i m m e n w a h l r e ch t vorgesehen, mit dem in Kommunen mit über 2000 Einwohnern das Proportional- wahlshstem verbunden sein soll. Ferner sei auch die Einführung der Wahlpflicht vorgesehen.
Bom Verband der Aerztc Deutschlands gehl uns folgender Beschluß seiner Pcrtrauensinännervrrsanim- lung vom 11. Januar 1914 mit der Bitte um Berösfcnl-- lichuug zu: „Nachdem die deutsche Aerzteschaft unverzüglich und restlos dem Abkommen vom 23. Dezember 1913 getolgt ist, haben die am 11. Januar 1914 in Leipzig versam mellen Vertrauensmänner nebst Vorstand, Aussichtsrat und Beirat des Leipziger Verbandes mit großem Befremden davon Kenntnis nehmen müssen, daß bisher die Beendigung des Kriegszustandes durch alsbaldige Eiilbindnng der ärztlichen Nothelser von ihren Kassenarztverträgen gemäß 8 11 des Abkommens in mehreren Orten, z. B. in Braunschweig, BreSlau, Elbing noch nicht erfolgt ist. Sie erachten die Durchführung des 8 11 als eine unbedingte Voraussetzung sür den Fortbestand des Abkommens und sind der Ansicht, daß wenn sie nicht schleunigst erfolgt, die Gültigkeit aller bisher aus Grund des Abkommens abgeschlossenen Verträge in Zweifel gestellt ist und ein wichtiger Grund zu ihrer alsbaldigen Auslösung vorliegt. Tie Vertrauensmännervcrsammlnng würde cö auss tiefste bedauern, wenn die Aerzte dadurch zur Wiederaufnahme des Kampfes gezwungen werden.
Die Rechtfertigung des Postamtes in Zaber». Rach den Zeitungsnachrichten sagte Oberst v. Reuter in den Verhandlungen vor dem Kriegsgericht aus, daß die Postbehördc in Zadern Karten mit beleidigenden Angaben an die Offiziere unbeanstandet bestellte, während sie Karten, in welchen das Verhalten der Offiziere gelobt wurde, znrückgebalten habe. v. Reuter erklärte einem Lcr- treler der Postverwaltung gegenüber, daß er eine so schwere Beschuldigung gegen das Postamt in Zabern nicht anS- sprechen wollte; die vor Gericht gemachte Aussage sei entstellt wiedergegeben worden, es seien aber in Wirtlichkeit Unregelmäßigkeiten bei der Bestellung der fraglichen Sendungen vorgckommen. Die von seilen der Post eingcleitete Untersuchung hat ergeben, daß bei der nach vielen Hunderten zählenden Menge der in Zabern sür einzelne Offiziere eingegangenen Schmählarten tatsächlich einzelne Sendungen mit erkennbar beleidigenden Angaben in der Hast des Betriebsdienstes der Ausmerksam- lcit des Personals entgingen. Diese Fälle sind aber im Hinblick daraus, daß viele Hunderte von Sch mähbar len in Zabern als unzulässig erkannt und zurückgesandt worden sind, als vereinzelt zu betrachten. Bon de» ebenfalls zahlreich eingegangenen Z n st i m m u n g S p 0 st - lnrten usw. sind nur zwei vom Personal wegen Zweifel über die Zulässigleit des darin enthaltenen Ausdrucks zunächst' (beanstandet worden. Beide Karten sind aber auf
Der Neuigkeittschiitze.
Es ist ganz merkwürdig, was für Chancen dem Manne mit Unternehmungsgeist und Erfindungsgabe in unfern, Zeitalter ossen- ftehen, trotzdem man fortwährend annimmt, daß gerade in diesem Zeitalter jo zicinlick, alle Felder gepstügt und abgccrntct sind. Ta ist vor allem dos Kino, das verblüffende Ehaircendenr Manne bietet, der „aus dem Fleck" ist. Als z. B. Blöriot zum ersten Mal über den Kanal stog, trug es sich zu, daß ein An'.oteurpbotograph mit seinem Filmapporat aus einem gewissen Fleck stand und die einzige 'llusnahme dieses von Krnolicferanten äußerst heftig begehrten Ereignisses machte. Es nwren genug protesswncllc Photograpbcn da, ganze Scharen, aber sic batten nicht den richtigen Platz erwischt, der Amateur war infolgedessen in der Lage, seinen eigenen Preis für seinen Film zu machen. Ein Okstcrreicher, der in den Polar- ländcrn der Jagd obgclegen hatte, erhielt über 120 000 Mjk. sür die Jagdfilnis, die er mitbrachte: und der bekannte Naturiorscher Kcarton. der (allerdings ganz hervorragende) 'Ausnahmen sür Kinofilms des toilden Tierlebens in allen Erdteilen nmchte, verkaufte seine Wider sür 400 000 Mk. Mit dieser Summe ist er gewiß aus seine Reisekosten gekommen, andererseits hat er aber auch ctivas geleistet. Wenn man seinen Films gegenübersitzt und sieht, wie der wilde Elesant, die Riesenschlange, die beiden Nilpferde, ober der nach und nach aus ein paar im Dickicht glühenden Augen sich entwickelnde Tiger mit ganz unheimlicher Beharrlichkeit aut den Beschauer, also mis den Apparat, zustürmen, fragt man sich unwillkürlich. wie lange noch ein Mann wie<Kearton dem Schicksal jenes Filmplwtographen entgehen kann, von dem man nichts fand, als seine Uhr und den Apparat - und, als man den Film entwickelt hatte, einen springenden Löwen. ,
Jedenfalls ist dieser Berus einer der wenige», in denen man eine Liebhaberei mit einem Einkommen verbinden kann. Dem Kinolieieranten ist alles noch nicht Dagewesene willkommen, das Leben und Treiben eines Infektes, der Kamps zwischen meinem Krebs und einem Tintenfisch, oder das Aufblühen einer Blume ist :(« ebenso annehmbar, wie rin Schisssuntcrgang, ein Feuer, ein Polksautstnnd, oder auch die gelungene Ausnahme einer hohen oder berühmten Persönlichkeü, die sich ganz unbeobachtet mahnt. Der Amateur darf nun niemals ausgchen ohne seinen Apparat; laßt er den zu Hause, so kann 'er daraus rechnen, daß er eine gute Gelegenheit verpaßt. Andererseits ist er sicher, wenn er ihn nur ftetS zur Hand hat, daß sich ganz überraschende Chancen bieten, fiit die er einen guten Preis erhalten kann. Gz ist auch nicht lange her, daß die Kosten eines Apparates allzu groß sür den bloßen Liebhaber loarcn. aber heutzutage kann er eine zuverlässige Ausrüstung schon für 400 Alk. hckonimen, und wem, er bereits mit der Sttllcbenphotsgraphie vertraut ist, so kann er schon innerhalb "vierzehn Tagen die nötige Erfahrilng für die lebende» Films
sammeln. Das Kino usurpiert täglich mehr das Gebiet der illustrierten Zeitung; um seine Klienten z» befriedigen, braucht es die Erfindungsgabe und die „Immcrbercit"schast des Liebliabcr-Kinr- matographcn ebenso nötig, wie eine Zeiwiig ihre gelegenll::l>en Korrespondenten. Als „Ncuigkcitsschützc" hat er nicht nur den aufregenden Spott — er kommt dabei auch auf seine Kosten. O. K.
— Die Not eines Künstlers. Aus F r e i b e r g (Sachsen) wird gemeldet: Am Sonntag nachmittag ist in H e r m s d o r i bei Nchcscld der Kn n st m a l e r Werner H i e ck m a » n aus Frcibcrg neben seiner Staffelet im Walde c r f r v r ni ausgefunden worden.
— Flugzeuge ohne Führer. Unsere Leser werdtti sich de- Aussehens erinnern, das seinerzeit das führerlose Boot mü cUklrischer Fernsteuerung machte. An einer ähnlichen Idee für das Flugzeug arbeittt, wie die .Lustslotte" initteilt, seit einigen Jahren der Konstrukteur ö. Folk in Uerdingen, wenn die Art der Steuerung auch nicht dieselbe ist, Herrn Folks Erfindung sühn vielmehr durch eine vorher eingebaute Vorrichtung das Flugzeug ohne Besatzung in der jeweils gewünschten Höhe über eine vorher bestimmte Strecke und läßt es selbständig nicht nur zum Ausgangspunkte zurückkchren, sondeni dott sogar mit abgestelltem Äivlor selbständig im Gltttstuge landen. Tos Flugzeug erinnert also an den Bumerang der Auittalier. — Solches Flugzeug kann, da das Gewickst zweier Personen gcsvatt wird, gepanzett werden und als Bombenwursmaschine Verwendung finden. ES kann aber auch, unbehelligt in großer Höhe fahrend, im Kriegephowgiopkisch die scind-- lichen Stellungen erkunden und im Friedttt ebenso für oie Erforschung noch unbekannter Gegenden ersprießliche Dienste leisten. Als Kricgsinstrumcnt wird cs sicher dem Staat, der die Erfindung als sein Geheimnis zu wahren versteht, vor allen andern erhebliche Vorteile sichern.
— Einen Sonncnfleck von ganz gewaltigen Maßen hat der Tirekwr nnd A)ttonvm des Santa-Clara-Eollcgc in Kaliiornicn. Pater Jeröme Ricard, beobachtet. Nach der „Umschau" beläuft sich der Umfang auf 409 93k 700 englischen Ouadratmeilcn. Tie Gelamtoberslöckie unseres Erdballes, die Mecresslächen inbegriffen, btträgt 197 Millionen englischeOuadrat- meilcn, so daß dieser Sonnenslcck groß genug wäre, die Erdkuget zweimal zu umhüllen. Bei dem riesenhaften Umfang der Sonne stellt der neurntdeckte Sonncnfleck jedoch mir V„ 7 t» der Oberfläche unseres Tagesgcstirns vor,
— Die Träume der Blinden, In der „Daily Mail" Hot jemand ueutich die Frage ansgeivorsen, ob ein Blindgeborene^ Träume hat und ,v,e diese Träume sich von deneil der Sehenden luttcrscheiden. Ties ist eine äußetti interessante Frage, die merkwürdigerweise bis jetzt noch nicht viel Beachtung gefunden hatte. Die Antworten darauf iverscn in man-
cher Beziehung ein Licht aus das Problem. Im allgemeinen glaubte man, das; die Träume der Bliubcii sich auf solche beschränkten, in deiirn ein körperlicher Reiz gewisse Vorstellungen hrroorttei, — daß also : B. eine imbequeme Lage oder eine organische Störung dir Illusionen des Füllens, der Fluchi, des Erstickens, des Truckcs hervorbrachtcn. Ein Londoner Geschäftsmann jedoch, der dlino geboren ist, hat über seine periönlichen Erfahrungen allerlei Auffchlüff'e gegeben, die ans, wenn auch unvollkommene, visuelle Illusionen Ichlicßen lassen,. Er träumte, daß er von merkwürdigen Tieren verfolgt wurde. Da er nie ein Tier gesehen hat, so nannte er sie Tiere seiner Einbildung, Und cr lräunite von Schlachten. Ta waren Reihen von Männern, die farblose» Formen von Männern. Sir zogen in Reihen auf, und dann gab es ein Krachen und Blitzen, nnd wo die Minner nicht waren, da war es weiß. Man lieht, daß dieser Blinde notgedrimgen zur Terminologie der Sehenden greift. Er ipricht von Ivciß. Fragt n,an ihn, was er darimter verstehe," io aniwottel er, genau so nnsäbig zu desi- nicreu, wie ein Sehender selbst, daß er bas nicht sagen könne, es sei das Gcgentell von schwarz. Er spricht von Blitzen, und hier wenigstens folgt cr sicher nicht nur hem, ioas cr gehört bat, denn auch er hat jene sunkenartigen Ettcheinungrn, dir das Auge htt- rorbringt durch einen Schlag von außen, ohne Einwirkung von Licht. Am merkwürdigsten ist das Wort von „farblosen Reihen von Männern", das den Stempel aufrichtiger Beobachilliia birgt, denn selbst der phontasievollstc Blinde kann sich keine Farben denken, ebenso wenig wie ein Sehender eine neue Farbe lnnzu- denken kann. Sonderbar ist, daß der Raum, wo keine Männer waren, ihm „weiß" erscheint. Wir Scheiiden würden sagen „lcett", trotzdem er nir uns ganz farbig erscheine» ioärdc. — die Abwesenheit der Form wäre uns das Wesentlichere. Es ist eben kein Wortschatz vorhanden, der die Welt des Blinden auch dem Sehende!! verständlich machen könnte, ebenso wie wir ihn, unsere Welt durä, alle Wortmalerci der Erde nicht erschließen können. Man begreift wieder einmal, loie eng die Grenzen unserer Sinne gezogen sind und wie gänzlich die Mitteilung ihrer Wahrnehmungen darani be- ttiht, daß der andere mit gleichen Werkzeugen diesetben Eindrücke sammelt. Deshalb nrus- dos beste von den,, was solch ein Blinder uns jagen könnte, unausgesprochen bleiben, weil cs eben keine Worte gibt, die cs ausjprechcn können. H. S. Wells &oi einmal mit dem ihm eigenen Genie für solche Spekulationen einen Roman geschrieben: Das Land der Winden. ES geht uns auch wie dem Helden dott, dem gerade durch den llmftand. daß er sehen konnte, ein Verständnis der Ideen und Auffassungen des Blindenlandcs unmöglich erschien.
— Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen- i ch.a 1 t In Wiesbaden ist der erste Charakterdarsteller ain dottigen Residenztheater Georg Rücke an den Folgen einer Magenope- ratio» im Alter von 45 Jahren gestorben.


