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Nr. 9 Zweites Blatt

Erscheint täglich mit Ansnahmc des Soimtdgg.

DieGießener Zamtlienblätter" werde» dem »Anzeiger^ »iermal wöchentlich beigelegt. das Xreirdlatt str den Urei» Sichen" zweimal wöchentlich. Di-xandwirtjchastllchcn Zeit-

sragcit" erscheinen monatlich zwemiat.

<64- Jahrgang

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General-Anzeiger für Gberhesfen

lllontag, \ 2 . Zanuar t9;4

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universität? - Buch- und Sieindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: e^ä*51. Redaktion: 112. Tel.-Adr.:Anze,gerÄreßc>u

Die finanziere Lage yeffen;

stellt sich nach den von uns Mitgeteilten Zablen des neuen ^taatsvoranschiags für 1914 und den vom Finctnzminisier darüber angestelltcn finanzvolitischen Betrachtungen als durchaus befriedigend und erfreulich dar. Wie schon erwähnt, konnten tut neuen Budget die Einnahmen aus oetn Kapitel direkte Steuern, Regalien, indirekte Auflagen tifro. mit 990000 Mark mehr gegen das Vorjahr eingestellt werden, an tvelch letzterer Summe die Staatsetnkotmncnstcuer mit 662 400 Mark und die Bertnögensstcuer mit 237 600 Ml. beteiligt ist. Es kommt in diesen Zahlen -..gleich auch ein erfreuliches Steigen des allgemeinen wirtschastlichen Wohl­standes zum Ausdruck. Ganz besonders erfreulich ist auch die tn den letzten fünf Zähren fortdauernd erfolgte Erhöhung der Ueberfchüffe aus bcu Ertragnissen der preußisch-hessischen E t s e n b a h n g c m e i n s ch a f t. Während sich dieser Uebcr- schutz für das Etatsjahr 1910 auf 19 626 800 Mark stellte Iticg er 1911 auf 17 892300 Mark und 1912 aus 8587 000 -bkark. Für das Jahr 1913 ist der Ueberschuß im StaatSvur- anfchlag aus 17 443 000 Mark festgestcllt worden, doch wird Nch das wirkliche Ergebnis wahrscheinlich bedeutend höher stellen, da ,a der Finnnzntinistcr selber, der doch in scit'.en Schätzungen und Erwägungen in Bezug aut das Staatsbud­get stets sehr vorsichtig zu Werke geht, den Mehrüberschuß aus dein Budget für 1013 gegenüber dem Voranschlag auf etwa IV-Mill. höher veranschlagt. Für das Etatsjahr 1914 ist der Eisenbahnitberschust nach den ersten Schätzungen der Eiscnbahngenteinschast aus 551000 Mk. höher gegen da-'- Borjahr, näntltch ans 17 994 000 Mk. in die Rechnung ein­gestellt worden. Ter Finanzminister hat aber in seinem Ge­samtüberblick daraus hingewiesen, daß nach den neuesten Nachrichten aus Berlin angesichts der ungünstigen Ent­wickelung unseres gesamten Erwerbslebens in der letzten Zeit kaum dantit gerechnet iverden kann, daß auch nur der ctatsmäßige Ueberschuß erreicht tvird. Run, wir hoffen, daß sich die hier ausgesprochene Befürchtung nicht erjullen wird.

Die günstig sich im altgemeinen die finanzielle Lage Hessens in den letzten Jahren entwickelt hat, zeigt das An wachsen der beiden ans den Ueberschüssen der früheren Fahre gebildeten großen staatlichen Fonds. Ter seither aus diesen Ueberschüssen gebildeteR e st e f o n d s" hatte in den Jahren 1910 und 1911 die aus der Stenererhöhnng im Jahre 1910 abgeworsenen lleberschllsse ausgenommen und Ende 1912 bereits die Summe von 8092 998 Mil erreicht. Im Jahre 1913 ist ihm zugeführt tvorden der etatsinäßige Ueberschuß von 2074692 Ml., und es iverden ihm voraus- sichttick nach dent Bekenntriis des Finanzministers weitere 1V: Millionen Mk. zuflirßen können Dazu tonimt dann der nach dem Tilgungsgcsetz vom 17. Juli 1912 sür 191.3 zu ersparende Betrag von 323 750 Mark, so daß sich der. Olefamtbetrag des RestefondS aus rund 11990000 Mark stellen tvird. Da nun aber aus diesem Fonds die Kosten für die Gehaltsattsbess-eruiig der Beamten» und Lehrerschast sür 1913 mit 2 540230 bestritten werden, so stellr sich die Ende 1913 in diesem RestefondS enthaltene Summe auf 9 451000 Mk. Im lausen­den Jahre wird dem Fonds weiter der etatsmäßige Ueber­schuß von 2 716 848 Ml. zugeführt, und weiter an Erspar­nissen aus der Schmdeniildung 269 648 Mk., in Summa 2 986 498 Ml. Da nun auch hiervon wieder die G.'halts- aufbcsserungen der Beamten und Lehrer für 1914, die nach der Regierungsvorlage 3 095000 MI., nack den Beschlüssen der Zweiten Kammer aber 3 275000 MI. betragen iverden, unter Berücksichtigung von 70000 Ml. Ersparnissen entnom­men werden, so tvird sich Ende 1914 ein Bestand von 9 411000, beztv. 9 229 000 Mk. ergeben. Der Ausgleichs­und Ti lg u n g s s o nd S , der nach dem Gesetz vom 17. Juli 1912 nur den Betrag von 8 Millionen Marl aufnehm'n darf, hatte am Schluffe des Jahres 1912 einen Bestand von 6 702 810 MI. und tnnßtc Ende 1913 aus 8 762 271 Mk. pngewachsen sein. Diese 782000 Mk. über die acht Millionen

hinaus solleit nun die Grundlage sür die Bildung eines neuen Funds, des Rcstefonds II bilden. Ter für 1914 .,n erwartende Anteil aus den Eisenbahnrinnahtnett, der nach Abzug der Tilcptngsbeträge auf 4 485 000 Mk ver­anschlagt wird, wird sich nach Abzug des gesetzmäßig an die allgemeine Staatsverwaltung abzuführenden Betrags von 2 Millionen Mart noch aus 2483 000 Mk. stellen, die nun dem Rcstefonds II zrizuführen sind, und dessen Gesamt- bestand damit bereits im Jahre seiner Bildung aus.3 247 000 Mark anwächst. Es werden also Ende des Jahres 1914 in unserem Hessenland drei verschiedene Fonds mit einer Ge­samtsumme von mehr als 2 0 Millionen Mart sür Reservczwccke zur Verfügung stehen.

Hauptversammlung der Zeiüralkasse der hessischen lanöwir-schäsllichen Genossenschaften.

rb. Darmstadt, ll. Jan.

Tie Zentralkasse der hessischen landwirt- s ch a st l iche n Genossenschaslcn hatte für Samstag nach­mittag im städtischen -Saatbau eine außerordentliche Hauptver­sammlung einkernten, deren Hauptzweck dre Genehmigung des mit der Regierung getrossencn und von beiden Ständekammern geneh­migten Wlommens über die. Gewährung eines staatlichen Dar­lehens von einer Million Mark und eines Kredits bis zu. zwei Millionen Mark betrat. Als behördliche Vertreter waren Geh. Landesölonomierat Müller, Finanzrat Tr. Michel und Land» wirlschaftspräsident Lekonomieiat Walter zugegen. Den Vor­sitz sühickc der AutnchtSratsovrfttzende Becker, der die etwa 400 Eenossenichaster und die bchürdtichrn Vcrtr-etcr mir sreund- lichen Worten begrüßte. Tann gab Direktor Mager namens des Vorstandes und Aufstchtsrats eine Ilebersicht über den Stand der Verhältnisse. Schon jetzt sei eine Entwicklung zum Bessern zu erkennen, und er sei überzeugt, daß das Abkommen mit der, Regierung dem ganzen hessischen Genossenschaftswesen zum Segen gereichen werde. Ter Rm nach Staatshilsc sei infolge des Not­standes ans den Genossenschaften selber ertönt und die dagegen auswärts angewendclc Kritik sei ungerechtserligt. Eine Staatsaus- sichl der Zentralkasse sei noch lange keine Staatsaussicht über die Genossenschasten, und die Kritik, die der Anwalt der Schulze- Telitzschcn Genossenschasten, Tr. C rüg er, in dem Verbands organ daran geübt habe, sei zum mindesten stark übertrieben^ Ter Tag, an welchem die Bewilligung des Abkommens durch die Landstände ersolgte, sei durchaus kein Ties ater für die Selbst­verwaltung ler Genossenschaften. Ten Herren aus Rorddentsch- land, die solche Artikel schreiten, tonnte man entgegen halten, daß das Hereinnehmen der Staatsaufsicht keineswegs eine Schädigung des GeiwssenichastSgedankens bedeute. Tic ganze Sraatshilsc würde auch nichts Helsen, wenn nicht das Vertrauen wieder gewonnen würde. Eine gute Verwaltung brauche sich auch nicht zu schämen, ihre Geschästssührung offen zulegen. (Zustimmung.) Ter Redner empfiehlt schließlich namens des Vorstandes und Aufiichtrats die möglichst einmütige Annahme folgender Entschließung:

Das Abtommen mit der Großh. Regierung gilt gemäß tcn Artikeln I und III des Gesetzes, betr. die Hingabe eim-s Darlehens und die Eröffnung eines Kredits an die Zcntral- kajie der hessischen landwirtschaftlichen Genossenschaften, c. G. m. l. H. zu Tarmstadt, als wrsemlicher Bestandteil des Sta­tuts."

In der darüber eröffnetcn Aussprache stellt Ockonomierat Walker den Antrag aus en bloc-Awnahme dieser Entschließung und wendet sich dann ebenfalls gegen die ungerechtfertigte Kritik des De. Crüaer. In dem Ilblommen mit der Regierung werde nur das sestgelcgt, tras jeder Geldgeber zur Bedingung nmche. wenn er Eelo hcrgelen soll. Auch die Schulze-Tetitzschen Genossen­schaften bürten mir der Tresoener Bant ein Alkommen getrot- fen, die sicherlich ebenfalls sich die nötigen llntcrlagen verschafft habe, durch welche ihr Einblick und Sicherheit gewährt wird. Also das, was die hessischen Genossenschaften Zctzl MN, haben andere Genossenschaften ebenfalls getan. Tie Siaatsanssicht sei durchaus keine Bevormundung; sie höre mit demselben Tage wieder auf, an welchem die Gelder zurückgezahlt würden. Im Gegensatz zu Tr. Crüger halte er den Tag der Benilligung des Abkommens sür einen glorreichen Tag in der Geschichte des hessischen Ge­nossenschaftswesens. Tiefes weiche bannt nicht geschädigt, sondern zu neuer Blüte gebracht werden. (Lebh. Zustimmung.)

Nach kurzen weiteren Bemerkungen einiger Redner, die sämt­lich die Annahme des Al immens warm empfehlen, wird die oor-

stchenbc Entschließung einstimmig a n g e n o m n> e n , desglei­chen eine von Oekonomicrat Walter cingebrachte Entschließung: Tie heutige außerordentliche Generalversammlung spricht der Großh. Regicrimg »ird den beiden Ständekammern Tank kür die ihnen gewährte Staatshüsc aus. (Lebh. Beifall.)

Tirektor M a g e r macht daraus geschästliche Mitteilungen. Bis heute haben sich 308 Genossenschasten angeschlossen, die 742 Gc- schästsantelle übernommen haben, darunter 112 in Starkcnburg, 138 in Rheinhessen und 58 IN Oberhcssen. Kapital und Haft­summe überschreiten heute eine Million Mark. ES wäre dringend erwünscht und läge auch sehr im Interesse Oberhksscns, wenn auch die andern dort noch vorhandenen guten Genossenschaften bald dew' Weg nach Tarmstadt finden wollten. Ter Jahresumsatz in den nicht ganz neun Monaten 191.3 betrug 144 Millionen, im Monat No­vember 17 960 954 Mark und tut Januar betrug sie bcrcfts 6571 881 Mark. Tie Inanspruchnahme des Kredits bei der preu­ßischen Zentralkasse ist aut 4 200 000 Mark zurückgeqangcn und wird auch im nächsten Jahre noch weiter zurückgchcn. Bezüglich de, Erklärung über die angcsordcrtcn I' , Proz. stehen noch 153, be­treff den 50 Proz. noch >41 Genossenschaitcn aus. Ter Redner richtet den dringenden Appell aii die noch Ausstehcndcn. alle klein­lichen Bedenken beiseite zu lassen und deni Moratorium beizu- trcten.

Zuni Schluß erstattet noch der Vorsttzeiide der Revisionskom­mission, Lehrer O s e nl o ch - Finthen, Bericht über die gegen­wärtige Lage. Tas Bild über die hessischen Genossenschaften ist nicht so trübe und hoffnungslos, wie es hier und da an die Wand gemalt wurde. Zu 90 Uiid mehr Prozent such die hessischen Gc- nosscnschasten gctund und weiter cnttpickclnngssähig, wenn sie das Vertrauen^ wieder znrückcrobert haben Durch die Staatsaufsicht und die Staatshilsc, die uns bütiges Geld zur Verfügung stellt, find die Vorbedingungen gegeben, die Schwirle auszuwetzen und uns wieder autzudetten. Treues Zllsamincnballcn und Aufklärung überZne Krisis wird darüber hinwegführen. Die Hanvtsache muß die Selbsthilfe bleiben. Den Herren Becker und Mager gebühre sür ihre unermüdliche Tätigkeit der wärmste Tank, desgleichen dem Leiter der Preußenlassc, Wirft. Geh. Finanzrat Tr. Heiligenstadt in Berlin, der das Wagnis uitteriiahm, der Zentrallasse, bczw. den hessischen Genossenschaften 6 Millionen Mark zur Beringung zu stellen. Wenn die Wunde duröt die Verluste bei der Reichs- genoffenschaftsbank nicht allzu ftaffend gewesen wäre, hätte man die Staatshilsc gar nicht gebraucht: durch die Staatshilsc sind wir aber nun ln der Lage, den notleidenden Genossenschaften zu Hel­sen. Ter Redner teilt die Genossenschaften in 6 Gruppen und legt die näberen Umstände sür diese dar. Es müsse auch erwogen wer­den, ob nicht der Staatskrcdlt dauernd zur Verfügung gestellt wer- bt'ii löinic, gewährt doch auch Bayern seinen Genossenschaften einen solchen non 4 Mlllionen Mark zum Tell gegen 3V. Prozent Zin­sen. Tie Genossenschaften sollten mit einem Höchstkredit auskom- men, der > 10 der Aktiven gleichkommt. Daß eine Genofsenschast bei 100 000 Mark Aktiven 50 000 Mark Bankschuld hat, dürfe nicht mehr Vorkommen.

Tirektor Mager gibt im Anschluß an den Bericht noch ver­schiedene Anregungen. Mit der Entwickelung der Geschäfte in 1913 könne man unbedingt ziffrieden sein. Bedauerlich sei das Ausstehen einer Anzahl Genossentchasten. Es werde .zu erwägen sein, ob nickt von einem bestimmten Zeitpunkt ab ein Eintrittsgeld von neu auf­zunehmenden Genossenschaften erhoben Iverden solle. Öekonomie< rat Walter bespricht noch verschiedene genossenschaftliche Ge­danken und Wünsche. Er rmpneblt, dieGenossenschaftliche Presse" als Vcrbandsorgan in den hessischen Genossenschasten zu streichen und dafür dasHessenland" zu bestimmen. Weiter müsse eine strenge, reinliche Scheidung der Genossenschaften, Konsumvereine, Dartehnskosscn und Winzervereine eintreten: man sollte lieber die Steuerpilicht aus tick nehmen, als die jetzige Verkapselung bei behalten. Vor allem müsse auch dafür gesorgt werden, daß die Revi­sionsberichte den verenttoortlichcn Stellen zur Kenntnis kommen und befolgt werden, istach weiterer Aussvrachc, an der sich noch Lehrer Solms, Ofenloch, Tr. Gottschad, Bürgermeister Feldmanir Gras-Büttclborn und Tr.-Fitting beteiligten, schloß die Versamm­lung, deren ganzer einmütiger Verlaus bei allen Teilnehmern cinen befriedigenden Eindruck hinterließ.

Hcntlcbcs Reich.

Ter Kronprin-', über seine Versetzung in den G e n e r a l st a b. Einem Mitarbeiter der -,,V. Z. a. M ", der ,am Samstag vormittag vont Kronprinzen zu einer Unter redungüberdieVorgejchichte sei­ner Abberufung aus Danzig' e nt p sangen

Die neuen deutschen Ausgradunzen von MNet.

Athen, 3. iJanuar.

Soeben fand die erste diesjährige öffentliche Sitzung des Kaiserlichen Deutschen Archäologischen Instituts statt. Tie Büste Wilhelm Doerpfelds, des langjährigen berühmk--n Leuns des Instituts, war im großen^Bibliotheksaatc zum ersten Mate ausgestellt, von Freunden und Schülern gestiftet. Dadurch erhielt die «itzmtg ein festliches Gepräge, das durch die Anwesenheit des griechischen Känigspaares und einer großen Versammlung von iöelehrten aller Nationen erhöbt wurde. Nach einer kurzen Be- -rrüßung durch den ersten Sekretär Prosessor Karo feierte der Direktor des Athener Nationatmuseums, Tr. V. Stals, in aus­führlicher Rede die Verdienste Doerpsclds, der eben sein 80. Jahr vollendet hatte, seine bahnbrechenden Forschungr>i aus allen Ge­bieten der Archäologie und tcine treue Freunoschast sür Griechen­land. dos ihm zur -.weiten Heimat geworden sei. Den Hauvlvortrag des Tages aber kielt der zweite Selrctär des.Instituts, Daurat Knackiuß, und erstattete dabei Bericht über die von ihm ge­leiteten großartigen Ausgrabnngeii bei Milet im indivest- lick-cn Äleinasien.

Das Haupit,eiligtum von Milet war das südlich außerhalb der Stadt gelegene Lncllorafcl des Apollon von Tiqyma, dessen Tempel an Stelle eines älteren, von den Persern zerstörten Ele- ImudeS IN der Zeit nach Alexander d. Gr. erbaut wurde. Seine Ruine ist, nachdem die llntersnchung einzelner Teile derselben von mehreren sranzösitchrn archäologischen Erveditionen vorgenom men war, durch die von seiten der Königlichen Museen zu Berlin ins Werk geietzien ä'llisgrabungen ganz ftkigelcgt worden. Tic Aufdeckung der ausgedehnten Tempelanlage hat große Schwierig > ketten, da das Gebiet derselben von den Häusern eines modernen Dorfes bedeckt war, deren eine erhebliche Anzahl angckauft und niedcrgelegi werden mußten, utck well die abzuränmenden Trümmerntaffen im wesentlichett aus sehr großen Blöcken be­standen.

Ter Tctnpc. ist ein ntvieros von 109 Mtr. Länge und 51 Mckr. Breite mir zehn Säulen an der Front und einundzwanzig Säulen an den Langseiten, der sich init einer doppelten, aber' nichnats ganz zur Vollendung gelangten, 19,70 Mtr. hohen ionischen Ring­hatte ans einen, siebcnstufigen llnterbau erhebt. Der von jener Ringhalle umschlossene Ecllabau ist dreiteüig: der vordere Raum, der PronaoS, bildete einen weiten Saal, dessen Decke von zwölf Säulen getragen wurde und de, sich in einer sechs Meter breitet- Tür gegen das folgende zweifäulige Gemach öffnete.. Die Schwelle dieser großen Türe und der Boden des ztoessäuligeu Saales liegen i>-, Mir höher ais der Fußboden der Pconcos, so daß die Türe Nccht als Zugang dienen konnte: sie war nur die Türe des Gottes, von der ans die Derkündigung des Orakels erfolgte.

Dieser innere Saal stand mit dem dritten Abschnitt des Eella- gcbäudes. dem einen offenen Hofraum bildenden eigentlichen Allerheiligsten, durch drei Türen und eine im Innern der letzteren denselben vorgclegte prächtige Marmorlreppc von 22 Stuten in Verbindung, aut tvelchcr der das Orakel verkündende Prlester aus dem Allerheiligsten emporstteg.

Seitlich von dem Mittelsaal besinden sich kleine eingebaute Treppen, die einen Zugang zu dem Tachc der überdeckten Teile des Tempels bildeten. Die einzigen eigentlichen Zugänge in das Allerheiligste iourdcn durch zwei, »eben der großen Türe im Proneos zu ebener Erde, gelegene Türen bildet, durch die mau in überwölbte Gänge gelangte, die unter den genannten Dachtreppen liegend, in leichtem Gefälle zu dem tieferen Atlerheiligsten hinab- fübrren. In letzterem stand ein eigener kleiner Tempel, der einst das alte Knltbild des Äpoltun enthielt, tvädrend sich wahrsch.-intich ü, der rordcren Hälfte dieses offenen Höfts die heilige Quelle be­fand, deren Stelle ,edoch »ich: mit Sicherheit zu hestmimen ist, da dieser Teil noch von mittelalterlichen Bauresten bedeckt wird. *

SchillersW ilhel in Teil" in Monte Carlo. Tein Theater oon Monte Carlo ist es Vorbehalten geblieben, in diesen. Tagen vor einem .internationalen Publikum zum ersten Mate die neue französische Uebrrsetzung von SchillersWilhelm Teil" aufzusühren, die M. Bedel, der auch den Goetheschen Fällst" übersetzt hat, mit Eifer aus dem Deutschen überttagen hatte. Tie Inszenierung und Ausführung leitete Anwine, als Darsteller wirkten die Kräfte des Pariser Odeons, und der Ver­such endete mit einem starken Erfolge, Bedel hat sich in seiner Uekeiset.-ung ziemlich getreu an den oechillerichcn Trrt gehalten, aber leider den Schwung der Verse in Prosa ansgetöst, wodurch de, pathetische Rhythmus und der mitreißende Klang der Vers spräche iortsielen. Mit unverlennbarer Begeisterung hatte sich Antoine bemühtt das Tchillersche Drama in Szene zu setzen: die Prosaübertrvtung und Ivohl auch die Neigung Antoines gebot dabei von selbst, die Rhttorit des Dialoges zu dänipicn und die Leidenschaftlich feit des Geschehens nur aus den handelnden Menschen emporwachsen zu lassen. Ganz prachtvoll waren die Tetoratlonen Bisconlis. während die Kostüme oon dem Alaler JlelS rnüroiie» ivaren. Ten Tell spielte Desjardins, .Herr Herve den Melchkal. 'Rach dem großen Eriolge. den diese Tell-Auf- sührung in Plonte-Carlo errungen hat, wird das Schillersche Drama in der gleichen Bemgzeng und unter der Regie Antoines, binnen kurzem im Parffer Odeon zur Aufführung kommen.

Afrikanische Kochku « st. Tie Forschungsreisende Mrs. Dan Chauiord erzählt m ihren Reiscerinnerungen aus Zentralasrika oon mancherlei eigenartigen Gerichten, mit denen ffe ihren Küchenzettel bereichern konnte. Unter diesen Leistnugen

der afrilanischen Kochkunst behagten ihr besonders gebackener Ele- antenschinken, geröstete Rhinozerossüße, gekochte Zilpserdzunge sie muß 48 Stunden in der Pfanne bleiben, wenn sie zart schmecken soll gerösteter wilder Esel, gebratener Asse. Auch geröstete Wasserratte, Kops, Schwanz und alles in einem Stück gekocht, wurde ihr vorgcseyt, und ein Häuptling, der sie besonders crsrencn wollte, traktictte sie mir einem Ragout, aus Tausenden vonweißeitAmeisen bereitet, die in ihrem eigenen Fett gebraten waren. Ein Spezial­gericht. der mfttelasrikanischen Küche ist auch mit Fett gekochtes Gras.

kt. Blinde, die sehen Merkwürdige Geschichten vom so­genanntensechsten Sinn der Blinden" erzählt Tr. G. C. Brown, Leiter der höheren Blindenschule in Worcester, im Rahmen eines längeren Aussatzes derDaily Mail". Man bat ihn, so berichtet er, oft gefragt, ob er der Ansicht sei, auch Blinde könnten sehen und diese Frage beantwortet er mft ja, falls man das Wort sehen nicht im landläusigen Sinne meine. An ein paar Beispielen führt er dann aus, toas er mit diesem Paradopon meint. Wenn man einem Blinden beispielsweise einen Apfel porlegt, so untersucht er ihn mit leinen arbeitenden Sinnen und gelangt zu einer A>> schamtng, die sich von der des Sehenden nach lBrowns 2lniick>^ laum unterscheidet. Daß die Blinden im Geiste Schvorstellung haben (auch wenn es sich um Blindgeborene handelt, sucht Brown dadurch einleuchtend zu machen, daß er aus die Träume der Blinden hinweist. Ter Blinde träumt seiner Ansicht nach, genau wie der Sehende, in Bildern. Wenn Brown dies annimmt, darf man sich nicht darüber wundern, daß er den Blinden auch Sinn tür die landschaftliche Schönheit zuschreibt. Tie Blindenanstalt, die er leitet, ist eine Sttftung einer reichen Dame, die in der Stiftungs- nrkunde ausdrücklich verlangt bat, die Anstalt solle eine schöne Aus­sicht haben, loas ihr manchen Spott eingetragen hat. Tas hieße Perlen vor die Säue loerfen, hat man ihr oft vorgehalten, allein der Blindenlehrer versichert nun, daß seine Zöglinge gern Spa­ziergänge machen und tatsächlich an den Landhäusern, den Pappeln, den gepslegten Feldern, kurz, der Landschaft Gefallen -ee.iden. lvaS sich temand, der nicht mit Blinden zu tun bat, allerdings kaum Vörstetten kann. Ja Brown berichtet sogar, Blinde seien im­stande, vom Besuche des Theaters oder des wortlosen Klnemato- graphen Genuß zu haben und belegt dies durch eine ganz eigentüm­lich e Erzählung: sein siebenjähriger Sohn begleitete einmal einen blinden Studenten in den Kinematogravhen, wo die Schlacht von Waterloo vorgesührt wurde. Als der Vater später seinen Sohn er­zählen ließ, waS er gesehen habe, war er erstaunt über die Aus- sührlichkeit des Berickztes, und der Junge .gab daraus an, der blinde criudent habe ihm jedes einzelne Bild bis in die Einzeln heiten -rklärt!