Nr. 8 Dritter
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.Anzeiger" viermal wöchentlich bciqelegt. das ..Kreisblatt für den Kreis Hießen" ziveimal Ivöchcntlich. Tie „randl-irtschastlichen Zeit
fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Blatt M. Jahrgang
General-Anzeiger für Gberhessen
Zamrtag. stt. Januar
Rotationsdnrck und Verlag der Brühl'schen Universität- - Buch- und Cteindruckerei. R. Lange, Gießern
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- ftraße 7. Expedition und Verlag: fe&ol.
Redaktion: 12. Tel.-Adr.:AnzeigerGießen.
Der hessische Ztaatsvoranschlag für
Ter schon vor einigen Tagen von uns angekündigtc neu. Hauptvvranichla-! iür die Einnahmen und Ausgaben des Gros- herzogtnmS Heise» ist soeben von der Regierung de» beiden Ständclaminein übersandt worden. Tr balanziert in Einnahme und "Ausgabe für den PerwaimngrVoranschlag mit 75 903 315 Mark, iür den PermögenSccil mit 1.2 357 333 Mark, in Summa also 88SM «54 Mark, während sich der Staatsvoranichlag für 1313 im Berwalinngrteil aus 73 652 660 Mark und der Geiami- voranschlag auf 86 067 513 Mark bezisscrtc.
In den, den, neuen Voranschlag borangestcllien Finanz er So sc e des F i n a nz m i » I stc r s gibt dieser '»nächst über die dcrinalige Lage der Sraatssinanzen ini allgcineincn ans Oirund des- gesamten ihm vorgelcgten Materials eine 1Ic!>ersicht, die in mancherlei Hinsicht Ausmertsamkeit nnd Beachtung verdient. Ter Penvaltungsooranschlag für das Jahr 1312 schloß mit einem lleberichnß von 2175 673 Mark ab. Ta aber darin die durch Grieß vom 17. Fnli 1912 sür 1912 bewilligten Beträge zur Aufbesserung der Beanircn und Lchrergehalte nstv., die sich out rund 2 425 000 Mart belicscn, nicht enthalten Ivarcn, des- qleichzcn auch die neuen Einnahnien an Nrknndenitcmvcl nnd ,',u- schlügen der ReicktSetbichaftsslcuev nicht, so ergab sich in Wirklichkeit für 1912 ein Fehlbetrag von rund 50 000 Mark, Dieses Ergebnis ist aber trab de-: erwähnten Fehlbetrags, wie der Finanz minister bemerkt, als ei» gute.- zu bezeichne.,, da bis ant diese kleine Summe der ganze Aufwind tür die Gehaltsaufbesserungen aus den Erträge» der neu erichtossencn und den Mehrcrlrägeik der ichon vorhandenen Tinnahmcguellen, ivivie aus Äusgabc- eriparnissen gedeckt iverdcn konnte. Ter günstige Abschluß des Jahres 1912 ist besonders de» Tiiinahmcn ans Forsthvm inen und aus direkten Steuern, sowie der Anlage der «avitalbeiläiide der Hauvtstaatskasse in llliintogeld, zu danken: tu 'einem nicht geringen Teil ist er aber auch darauf zurückzntübren, daß in allen Zweigen der Staatsverwaltung sehr sparsam gewirtschastei wird.
Tas Etatsjahr 1913 ivird gleichsalls befriedigend abichliesten. Ter für dieses Jahr vorgesehene »cbeiichus; von 2074 682 Mark wird, wie der iür dos vorhcrgegangenc Jade. dem Rcsicionds zn- gcsührt: soweit sich das Ergebnis zurzeit übersehen lüszt, wird die Rechnung einen etwa 1 1 , 9H i II t o h e ii höheren IIcbcr -• schuß liefern; dieser ist in erster Linie durch den hohen Ertrag an Einkommen- und Vermögenssteuer vecaniaszt, der hauptsächlich aus die veränderte Gemeinden cnergeseßgebung nnd die guten Geschäsisetgekmifte der lehteo drei Jahre zurückzuiühren ist.
Ter Hauvivoranschlag für 1914 bietet ebenfalls ein nicht un- erirculiches Bild. Sein Berwaltunasteil schlieist mit einem lieber- schuß von 2 716 848 Mark ab, also 642000 Mark mehr als der des lausenden Etaisjahres. Tiesc Verbesserung ist indessen säst ausschließlich aus das schon erwähnte außergewöhnlich günstige Ergebnis der Veranlagung der direkten Stenern sür 1913 zurück zniühren, ans der die Veranschlagung sür 1914 aufbaute, während sich das Mehr der übrigen Einnahmen überall in bescheidenen Grenzen hielt. Tie Einnahmen bewegen sich nock auswärts, ihr Ansteigen ha, sich indessen sehr verlangianit. „Ter Anteil uni Betriebsüberschnß der Efßenbahnarmrinsckiaft ist übereinstimmend mit den Zahlen des vreußischrn Etats und der Angaben der Ge mcinschaitsverwaltnng zwar mit einem Mehr von 551000 Mark ringestellt.
Nach den neuesten, erst nach Abschluß der Voranschlagsarbritcn eingegangenen Nachrichten kam, aber angesichts der ungünstigen Entwicklung unseres gesamten Erwerbslebens in der letzten Zeit kaum damit gerechnet werden, das; im Rechnungsjahr 1913 auch mir der ctaisinüßsge Ueberschuß erreicht wird." Es wird nun daigelegt, das; die Finanzlage des Staates im allgemeinen weiter gefestigt wird durch die Neuordnung des Tilgungswesens rmd der Verhältniisc deS ä'lusgleichssonds, woini.t Vorsorge getrosicn sei, daß die Finanzen in Zukunit vor allzugroßen Erschntterunaeil lenahrt bleiben. Tic Mehrausgaben lvcgen Erhöbung der Beamten- und Lehtcrgebältcr usw. blieben, wie seither, ans dem Voranschlag weg, da sich die gesetzgebenden Faktoren über diese Fraoe »Och Oicht völlig geeinigt baden. In den Voranichlag eingestellt, würden sie natürlich nicht nur den llcberschnß verschwinden lassen, sondern cs würden zu ihrer völligen Deckung noch über 300000 Mark aus» dem Restefonds nötig sein,
Ter Finanzminister Iveist darnach aut die Schatten in den. Bilde bin. Ter Stillstand oder Rückgang der vorerwähnten Eisenbahn -»eberscvüsse zwingt zu der Annahme, daß in unserer Irillichaftlichen Emwiaelun; wieder ein Höhepunkt der Konjunktur erreicht ist. Auch in, Lande machen sich mehrfach 'Anzeichen eines Niedergangs bemerkbar. Es muß daher mit Nach- dinck ani diesen sich anscheinend vorbereitenden llmichwnng der toirtichasllichen Verhältnisse bingewiese» werden. Weiter ist zu beachten, daß durch die kürzlich verabschiedete Novelle zum Reichs- strtnvelqesetz. die den Stempel sür Gescllschastsverträgc und für Versicherungen den, Reich zu reist, der Staatstäsle von 1915 an ein Einnahmeaussall von iast 30,1000— 400 000 Mark entstehen wird Ter Bedari sür die Staatsschuld wird sich demnächst, loesenilich erhöhen, wenn die Hauvtsiaatskasse die ihr gegenwärtig zur Pcr- sngiing stellenden besonderen Mittel, aus denen sie ihre außerordentlichen Ausgaben bestreitet ORestesonds usw.', verbraucht hat »nd durch Anleihe Erlaß beichasit werden Iititß. Auch der außerordentliche Wehrbeitrag nnd das R c i ch s b e i i tz st k u e r = geietz sind hier zu berücksichtigen, die '.tvar den Landessin inzen keinen unmittelbaren Busiall bringen, aber die leistungsfähigeren Stenerzahter mit erheblichen Beträgen belasten. „Unbeachtet bleiben darf keinesiolts die Tatsache, daß die notwendige Mehrbelastung durch daS Reich da- natürliche An>oach>ien des Auikommens aus den eigenen Sieuerauellen des Landes unaünstig zu becinslusscit geeignet ist. Bei der Höhe unserer Steuersätze und angesichts des Umstandes, daß auch die kotnmunalen und kirchlichen Bcdürsniisc fici uns in der Hanvtiache durch Zuschläge zu den direkten Steuern gedeckt werden müssen, ivürdc ei» tveiterer Eingriff des Reichs in das Gebier des direkten Slcuerwesciis sür die Siaaissinanzen und damit iür die Lösung der dem Staate obliegenden Kullurausgabcn zweifellos die bedenklichsten Folgen haben."
T-s einzelnen Positionen des neuen Voranschlags haben im allgemeinen keine wesentlichen Aenderungen erfahren. Am bemerkenswertesten ist die Bildung eines neuen, im Schnldentilgungs- geietz vorgei'chriebenen Fonds, des „Resteionds II". da der Ausgleichs- und Tilgungsfonds die vorgeschriebcne Höhe von 8 Millionen erreicht ha!. Dem jetzt darüber hinansgehcnden Betrag von 762 271 Mark werden die Uebcrschüsse für 1914 mit 2 485 016 Mark hrnzugesügt werden, so daß Resteionds II Ende 1914 einen Bestand von 3 247 287 Mark aufweisen wird. Tas schon erwähnte erfreuliche Ansteigen der Einnahmen aus den direkten Steuern ist im neuen Voranschlag iür die Einkommensteuer mit 662 MX.) Mark mehr als im Vorjahr, nämlich aus 15 590000 Mark, und iür die Vermögenssteuer mit 237 600 Mark mehr, d. h. aus 4 800 000 Marl berechnet. Tas Soll an direkten Steuern überhaupt stellt sich aus 20 515 000 Mark gegen 19 596 OM Mark in 1913. Insgesamt schließt die Hauptabteilung: direkte Steuern, Regalien, indirekte Auslage» usw. mit einer Einnahme von 26 218 970 Mark und einer Ausgabe von 2 865 966 Mark, sonach mit einem Ucbcrschnß von 23 353026 Mark oder 990 054 Mark mehr als im Vorfahr. Iw Bereich des S t a a t S I» i»i st e r i u m s betragen die Ausgabe,' int ganzen 332 196 Markt das Mehr von 25 OM Mark gegen 1913 ist im wesentlichen ani einen geringeren Ertrag bei der Obcrrech- nnngskammer für Revision nichtstaatlicher Rechnungen znrückzn-
iübre». Beim Ministerium des Innern betragen die Einnahmen 7 960 945 Mark, die Ausgaben 21390 896 Marl. Ter Zuschuß oedars sür die Zentralverwaltung dieses Ministerium beträgt 848 629 Ml., sür Lola,- und Polizeiverwaltnng l 671 106 Mk„ iür ttrchen und Religionsgemeinschaften 485 721 Mt., iür Bildung -nd Erziebnng, Kunst nnd Äisscnickait 6 738842 Mark mehr 165 712 Mk. , iür Teiientlickie Geinndheit-spslege und Veterinär wesen I 01 l 275 Mb, iür Fürsorge riii; Hinterbliebene von Beam tcn, Unterstützungs- und Versicherungswesen 264 914 Mb, iür La» deekuliut und Landwirrichail 826 167 Ml., für Bergbau nnd Ver kehr, Handel nnd Gewerbe ! 582 99c Mk.
Ter Zuschuß für die höheren Schulen, Gpmiiasien, Rcalschul» steigt um 40 446 Mark aut jetzt I 080 224 Mark, der Zuschuß sür die Volksschulen um 71 860 Mark aus 3011570 Mark. Jniolgc Vermehrung der Schulstcllen erhöht sich der Bedarf an Tiensr- znlagcn um 50OM Mt. Für Veranstaltungen zur Förderung der Jugendpflege werden 30 000 Mark (gegen 15 000 Mark im Vorjahr »»gesorderb
Beinl M l II i ft c r i uni der I u st i z konnte zwar die Einnahme an Gerichisgebühren in Zivilsachen um >5000 Mark ans 1 415 000 Mark erhöht werden, dagegen mußte der Ansatz ftir Einnahmen an Geldstrafen, Untermalung. und Vervilegnng:- kosten um 22000 Mark aut 541 MO Mark ermäßigt werden. Tie Geiamleinn abmen dos Ministeriums betragen 2 592 158 Mark, bie Ausgabe« 5 778 000 Mark, oder 1,40153 Mark mehr als im Vorjahr. Tie Einnahmen und Ausgaben des F i n n ii s m i n i - ft er in m-3 halten sich in den bisherigen Grenzen: Einnahme 115 929 Marl. Ausgabe 2056815 Mark Zur Hauvtabteilun.1 Pensionen beträgt der Zuschußbedarf 3 816 301 Mark, gegen bat Vorjahr 163 750 Mark mehr. — Für Eise nbahnz wecke werden diesmal 6 678 000 Mark ailgesorderb Den Ausgaben evt- svrcchend ist im Voranichlag eine Gcsamtanleihe bvn 6 980 OM Mark vorgesehen.
Der Finanzausschuß der Zweiten Ra »i m e r wird am Donnerstag, den 15. Januar, vormittags 10 Uhr, mit der Beratung des neuen Staatshaushall svvranschlags begi nnen.
Aus fieften,
(!) S> u n gen, 9. Jan, Im Gasthaus „Zur Traube" hicll gestern abend der ReichSlagsabgeocdnele Dr. Werner einen Vortrag über die politische Lage in Deutschland. Er beleuchtete zunächst die Unruhen aus dem Balkan, und gab der Ueberzengnng Ausdruck, das; die Glieder vcs Dreibundes durch die B a>l I a n i: «ruhen sich einander g o n ä h e r t und der Bund gefestigt worden sei. Sodann beleuchtete er die deutschen Kolonien und wies auf deren Rentabilität bin. Auch die Bersichkruug der Arbeitslosen und Privatbeamten streifte.er. Hieraus sprach er noch über die Wehrsteuer und beleuchtete daun in kurzen Worten den Fall Z a b e r n. __
Gsrichtrsaa!.
W. Mainz,!). Jan. (Priv. Tclegr.) Ter 16 jährige Tberreab schüler Jobann Kaufmann von hier, welcher am 8. Nov. v. I. angeblich einen M ordvcrsu ch gegen eine» seiner Lehrer, den Lehramtsassessor W i t t i g , verübt haben soll »nd sich dann selbst einen Schuß in den Kops heibrachte. stand beute vor der ersten Strafkammer unter der Anklage des Mordversuchs^ hkach der Ver nebmung von ungefähr zwanzig Zeugen und eines Sachverständigen stellte der Staatsanwalt de» Antrag auf Freisprechung. Tas Gericht entschird demgemäß.
Marburg, 9. Jan. Bor dem Amtsgericht in Ftoiihausen bei Marburg a. d Lahn kam heute das anfanas Oktober v. I. auf Her Rehbrücke verübt- Attentat auf das l» voller Fahrt beiindliche besetzte Auto des Fabrikanten Herrn Joievb Kreuter, hier, zur Verhandlung. Der eine der Attentäter, H. Wolf Rus Argenstein bei Marburg, der bei seiner Feststellung geständig >var, leugnete iväter- bin hartnäckig, konnte jedoch an Hand verschiedener unwiderleglicher Tatsachen als schuldig befunden werden. Tas Urteil lautete Ions 9 Monate Gelängnis, beantragt waren 1h', Jabrc. Neben der R»ch- loiigteit der Absickst siel für den Attentäter sein fortgesetztes Leugnen bei Bestimmung der schrocren Straie sehr ins Gewicht, zumal nur durch die Geistesgegenwart des Führers des Autos ein schweres Unglück vermieden wurde. Gegen den Heinrich Fint aus Argenstcin, zurzeit IN Siegen, der unentschuldigt fehlte und ebenfalls als über führt gellen dürste, wurde sofortiger Hastbesebl beantragt. Tic rner- giscktz! Tätigkeit des jetzt in Abterode bei Eschivege statioitierkeit Wachtmeisters H e s s c bei Ermittelung und Ucbersühruiig der Täter verdient besonders hervorgehoben zu werde». Er erhält nach Ab-" ichlnß drs VersahrenS die ausgcsetzten Prämien.
W. K a s se l, 9. Jan. Die hiesige Strafkammer verurteilte den. früheren Schreiber Wilhelm Rhein aus Mainz wegen Werdens sür die französische Fremdenlegion unter den Arbeitern der Möncheberger olewerlschait zu sieben Monaten Geiängnis. Rhein wär früher als Arbeiter längere Zeit in Frankreich bcschästigt.
W. Strahburg, 9. Jan. Bei der morgigen B e r u i u n g s- Verhandlung gegen Leutnant «. F o r st» e r vor dev! Korpsgericht wird Oberkricgsgerichtsrat Sind, nicht Oberkriegs- gcrichtsrat Mcoicus, der in einer Prioorangelegcnheit beurlaubt ist, nls Vrrhavdttmgsleitcr tätig sein. Obertriegsgcrichisrat Tr. Medi- cus ist ab I. März d. I. ani si-rnnd einer ichon vor einiger Zeit er- iolgten kricgsministcricllen Bersügnng zum 10. Armcekorvs in .Hannover versetzt.
K t olv i. Pomm., 9. Jan. Vor der hiesigen L-traikammcr begann heute der Prozeß gegen den Privatdetektiv Paul Schwarz und den Oberkellner Hinze wegen Anmaßung eines öiscntlickien Amtes, Beleidigung und Freiheitsberaubung. Es bandelt sich um das gerichtliche Nachspiel des Selbstmordes des Gymnasiasten Tie- mann in Ebarlottenbnrg. Nach mehrstündiger Verhandlung ersolgtc wegen plötzlicher Erkrankung Schivarz' die Vertagung des Prozesses.
G e r i ch t u n d P r e s s e. Ter Verein iür Recht und Wirtschaft, her sich die Förderung zeitgemäßer Rechtspflege in der Verlvaltung zur Ausgabe gesetzt hat, schrieb einen Preis von I0M Mark aus für die beste Bearbeitung des Themas! „Das Verhältnis der Presse zur Justiz unter besonderer Berücksichtigung der Bcrichtcrstatinng durch die Preise jnnd ihre gesetzliche Verantwortlichkeit". Das Preis" gericht. bestehend aus Reichsa'erichtsrar Ebermaver als Vorsitzenden, Landgcrichtsdircttor a. T. Tr. Aichrott (für den erkrankten Obcrlandesgerichtsvräiidenteii Tr. Boerngen - Jena), Tr. Faber- Magdcburg, Vorsitzender des Vereins Deutscher Zcilnnqsvcrleger, Vcrlagsbuchdändler Krcpeiiberg-Berli», Eheiredakteur Marr-Ber- lin, 1. Vorsitzender des Reichsverbandes der deutschen Presse, und Geh. Regierungsrat Wftting-Berlin, hat in seiner heutigen Sitzung den ersten Preis dem Rechtsanwalt Glaser-Dresden stierteilt. Lobende Erwähnung erhielten iür ihre Arbeiten Rechtsanwalt Weck- Cbarlottenburg, Gerichtsaiicisor Tr. Albert Hellwig-Fricdenau, Assistent der llniversität Berlin.
vermischte».
Zu Acht in den Tod.
Ueber ein.«.' grausige Bluttat, der acht Menschen zum Opfer fielen, wird aus Soldau (Oswreußen) berichtet: Tie Familie des Baumeisters.Alfred B r a tz, bestehend aus den Lltern und fünf
Kindern im Alter von vier bis achtzehn Jahren, ist heute itt itrer Wohnung 10t ausgefnndcn worden. Die fnns Kinder lagen mit durchschnittener .^ehle in ibren Betten. Tie Eltern satten in Trauerlieidern ane^nandergclebnt ans dem Sofa. '?luch d<e Schwester des Baumeisters wurde tot ausgcsnndcn: ebenso lag der >dund mit durchschnittener Kcl,le .in der Wohnung. An dem Wohnungs- cingange iand inan rimm Zettel mit Der Aufschrift: Borsiclch. 0)n . ! Säinttiche Eiw l.ähne der Beleuchttingsanlagc »varcn geöffnet. Wie aus I inierlassenen Briefen bervorgeht, handelten das Ehepaar B r a r, und die Zchrnestcr des Baumeisters im Einverständnis. Es sicht ebenfalls fest, dasi zunächst die Familie mit Gas Vergifter werden iolltc. und dasi Brau, als die Wirkung nickt schnell ciu* trat, mit seinem Taschenmesser den Bindern uird seiner Schwester die Kehlen dnrchschnitr. Ter älteste Sohn batte ausier einer Stichwunde eine Sckusiwunde. Das Ehepaar hatte Schußwunden an der Stirn und der Schläfe.
In dem hinterlassenen Briese gibt Bratz eine Ausstellung seiner Schulden nnd icilt mit, dasi er seine Lieblinge nicht allein zurüttlassen wollte. Bratz ist 30 Jahre alt jinö hatte seit drei Jahren ein Baugeschäst übernom. en, in dem er früher selbst als Architekt tätig war. lieber dieses Geschäft iwr der Konkurs vor- l ängt worden. Bratz sollte ivegen verschiedene!' Gesckäslsmani- pulationen aus den.Geschüftsbüchcru Nect>enschast ablegen, was er jedott, verweigerte. Durch seine bevorstehende Verhaftung sollte er dattl gezwungen '.oerden. Dies mag wohl neben dei^zerrütteten Familicnverhälrnissen der Vauptgr'und der grausigen Tat genvsen sein. Ti? acht Leichen tvurden sofort beschlagnahmt. Um 5 Uhr fand im Beisein des Ersten Staatsanwalts ans Allenstcin, der zufällig ^u einer Revision hier iwiiif, au Ort und Stelle ein Lokaltermin statt. Tarans wurden die Leichen freigegeben. Die andereit Sachen des Bratz find jedoch noch bcfchlaqnahntt.
Hamburg, L. Jan. Ein hiesiger Scyutzmanit durchschrtitt süinen drei Töchtern im Alter von 2, 4, und 7 Jahren die .Metzle und erl äugte sich dann selbst. Ter Grund der Tat soll in Familiew- zwistigkeiten zu suchen sein.
' S t e r b e k a s s e n im alten R o m. Wie bekannt, lebte ini alten Roni ein sehr zahlreiches Proletariat. Um sich wenianens ein Begräbnis zu sichern, hatten sich viele Prolefarier in Sterbe- kasscn rusammengeschlossen. Ten Sterbekassen gebürten ftreie, Jrei- g' lassene nnd anch Sllaven an. In einem alten römischen Sterbe- kasiensiatnt, das erhalte \ gebticben i't, ,oar iesrgeient. dasi die Btitalieder I 0 Sesierzen (rmgesähr 20 Marks Eintrittsgeld nnd iälrlich 15 Ee' erzen Beitrag zu entrichten hatten. Ter Jahresbeitrag wurde in monatlichen Rialen erhoben. Takür »ibernahm die Srerbekasse die Vervilichtung, sür das Begräbnis eines j, den verstorbenen Mitgliedes Sesterzen auszngeben. Bei Selbstmorden kam aber die !kasse nicht tür die Kosten des Begräbnisses auf Beim Begräbnis stellte die Kasse ein Leichcnbealeit von vier Personen. Tie vier Bkitglieder, die zum Reiche»,begleit a»,sgewäblt ivaren, erhielten von der Kasse eilte Entschädigllng von insaesanrl .'»0 Sesterzen. Wohl immer trugen diese altrömischen Sterbekassen den Flamen irgend eines Gottes, der zu»n Schnsie aiigern'en wurde. Pielleicbt sind diese alten Sterbekassen vor ungefähr 2 00 Jabren als die ersten Borlmifer uiiseres jetzigen iveitverzweigten Ber- sichernngswescns anzuiehen.
Splclplcm der vereinigten Zrankfiirter Ztadttheater.
Spernhau.
Sonntag, den ll. Januar, nachnrittags ',',4 Uhr: ^Tie Regliiieiitstochter." Llbends 7 Uhr: -Lohengrin." Montag, den
12. Januar, abends Uhr: „Ter Wildschütz." Die»'stag, den
1Januar, abends '/.tz Uhr: „Biadame Butterfly/ Mittivocb. den U Januar, abends 6 Nbr: .Parsiial “ TonnerStag, den lö. Januar, abends'/,tz Uhr: ..Orpheus in der Unter»velt." Freitag, den 1''. Januar, abends '/..tz Uhr: »Ter Waffenschmied " Eainstaq, den 17. Januar, abends 7 Uhr: ^Tie Fleder»nans * Sonntag, den 18. Januar, nachmittags 4 Uhr: „Parstsgl." Montag, den l^. Jan , abends tz llhr: .Der fliegende Holländer.- Tienstag, den 20. Ja,!., abends 7,8 Uhr: .Manon." Mittwoch, den 21. Januar, abends 7,8 Uhr: „Hoffmanns Er^ähliinaen.-
Lchanfpiethaur.
Sonntag, den II. Januar, nachmittags 1 }A Uhr: «Ter aestieielte Katers Abends 7 Uhr: »Wie einst im Btai." Montag den 12. Januar, abeirds tz Uhr: „Wie einst im Mai." Dienstag, den 13. Januar, abends tz Uhr: »Der Herr Minister." Miitwoeb. den 14. Januar, nachmittags 7.4 Uhr: „Ter gestiefelte Kater.'
Abends 8 Uhr: Znm ersten Male: ^Schiriti nnd Gertraude." Ein Eckerzspiel in 4 Elften von Ernst Hardt. Donnerstag, den 15. Jan., abends 8 Uhr: »Pyamalion." Freitag, den 16. Januar, abends 8 Mir: „Wie einst im Ata:/ Samstag, den >7. Januar, nachmittags 7,4 Uhr: .Ter gestiefelte Kater." dlbends 8 Uhr: Znm ersten Male: .Ehristiune." Ein Spiel in 3 Akten aus der Goethe- ^eit von Lotbar Schmidt. Sonntag, den 18. Januar, nachrninags ' .4 Uhr: .Ter gestiefelte Kater" Abends 7 Uhr: »Schirin und Gertraude." Montag, den 19. Januar, abeiids 8 Uhr: .Ehristia»ie." Dienstag, den 20. Jannar, abe»:ds tz Uhr: »Schirm und Ge:» trande." Mttilvoch, den 21. Januar, nachnuttags 7,« Uhr: ,Der gestiefelte Karer." ^'lbends 8 Uhr: .Nathan der Weise."


