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an alten Mrmiün oder in SWoßgärten ihr vergessenes Leben: Mren tmd anj der Zeit, die jetzt die Uhren Muters mrd Sommers verkünden, irre geworden sind. Sie ist a uch verschwiegener als diese Zeitmesserinnen, die immer, wo man ihnen begegnet, ein ernstes Wort im Münde sichren und den Menschen, der nur die Stunde wissen will, mit Worten solcher Art mahnen:Der Tod ist dir ge­wiß, die Stunde ungewtß", v-derBon diesen Stccnden eine ist sicher auch die deine", oder die wohl gar mit der Stimme Virgils und nur zu dem gelehrten Leser sprechen:Sttat sua cuique dies". Nein, diese merknckrdige Uhr ist stumm und gibt Rätsel auf, oder besser, sie spricht mir zw dem Phantasten., wie die meisten Tinge in unserm ach so klaren Alltag, denen der-enssinn nicht ans di« Stirn geprägt tvvrden ist.

Ans einem kreisrunden, meterbveiten Steinsockel streben drei geschMingene, barocksönnige Arme aus Mußerz und tragen eine eiserne Kugel. DenW, Mensch, dies sei die Erdkugel. Wenn du fte jedoch näher betrachtest!, findest du, daß es eine Kanonenkugel ist, toas man ebenso lehrreich wie traurig nennen Mächte. Und es wird dich auch nicht sonderlich trösten, daß auf dem Stein, inmitten der Füße unter der Erdkugel, ein stilisiertes Flämmchen weht, das dir als kleine Herd- und Friedensflamme, als Feuerchen Urlicht aus der Tiefe heraus erscheinen will. Es wird dich nicht trösten, denn! der Betrachter neben dir, der Bruder Mensch, sinnt eben darüber, daß es nichts anderes als das ewige Feicer der Zwietracht unter der Erde bedeuten soll. Aus der Erde aber liegt, schräg befestigt und die Kugel in Spannenlange überragend, esu Kreuz, dessen ncassige Arme so breit wie hoch sind, und das an serrven nach oben gekehrten, Innenflächen die Stundenzahl trägt, auf denen, träfe die Sonne das Kreuz, der SckMtten von derc Kanten des Mittlern Kreuzarmes! die Tagesstunde nennen würde.

Das Kreuz als Uhr; das erscheint mir als ein neues Symbol. Und doch ist es nicht nur das schlichte Kreuz«, das der: Marterpfahl darftellt. Ans seinen vier Armen und an den vier quadratischen Endflächen hält es acht Rosen. Es ist das alte Rosenkrenz, dem geheimnisvolle Kräfte eigen. ll!nd der Ergrübler des Bildwerkes> daran setze ich Kinchr Zweifel gehörte jener dunklen und lichtest Brüderschaft der Rvsenkvckvzer an. Welches Mück für ihn, daß er diese neue Prägung des hohen Zeichens gefunden hat! Das Njosen- kreuz als Stundenuhr! Welche innigste Berschwisterung mit dem Licht! Welche Anbetung der Sonne!

Hunderte gehen des Tags dort vorüber, keinen toirst du erblicken, der stehen bleibt und mit gestreckten Fingern die Stirn reibt. Fragst du.einen: He, Freund, was bedeutet das Bildwerk, das'dir da mitten in den Weg gestellt ist, damit du, wenn auch nickst mit den Füßen, so doch mit den Gedanken darüber stolpern kannst? er wird die Achseln zucken und seinen Weg writertreten. Aber behalte ihn tvohl im Auge. Er steht schon hinterm nächsten Baum und lugt mit der tÖPferteAch närrischer Mansch!" Ku dir herüber. Und der 4lchsel- zucker hat xecht. Wieviel Tinge sind nicht um nach heruutgrbaut, denkt er, deren Mutsckstag und Bestimmung ich nie ergründen will! Was sollte ich erst von meinem Leben sagen! Ist mir, nicht der Laternenpfahl, der mir mit seinem kleinen Lichtkopf zwei Minuten lang durch die Finsternis leuchtet, wichtiger als dies phantastische Gebilde, das mir mit dem stundenweis abgeteilten ewigen Licht des Himmels durch mein Leben und ms ewige Grab leuchten möchte? Und was diese Sonnenuhr angeht-.

Haben die Achselzucker nicht recht? Was diese Sonnen uhr an geht, so wird man finden, daß sie, die den Gang der Sonne auf den Menscheutag abmessen wollte und urit Symbolen einer erhöhteren Wett Mseanet «scheint, hilflos d«"lüht, von Schatten um' eilt und ge­bannt. Drc Zweige der Linden, Kastanien und Buchen sind in den sM'chen Himmel gewachsen, der si' -einst Leg ä'zw. Und mcr^manch­mal, wenn ein jäh« Wind ins Blattwerk stößt, fällt ein Sonnen­strahl aus das Kreuz mit den acht Rosen. ÄP« mutt vermag nicht mehr zu erkennen, toelche Zeit es ist. .

Tie Sonnenuhr im Schatten! denkst du, ist sie denn rcicht ccn Bild dieser Tage? Gottes Sturm wird das Gszioeig nicht krcicken, was wartest du also aus den M enschen, der die Bäume fällt, damit dir die Sonne -deine StWtd-en wieder zumißst und arcch dies Wesen seiner Bestimmung zurückgeschenkt wird?

Urlaub.

Bon Fan.

Sie saßen einarrd« gegenüber auf der grell übersonrrten Terrasse, an einem ffetttm Tische, der von Sllb« und Kristall blinkte. Seit gestern war er teuf Urlaub gekommen, nachdem sie ihn eitc langes' Jahr nicht gesehen und ihm nach der Kriegstrannng- nur wenige Tage cmgchört hatte. Ihr tvar sehr bange gewesen vor m diesem ersten Medersthen. vor dem wilden Ueberfchwang nach so langer Trennung, weil sie sich inzwischen znrückgeftutdett hatte zst der scheuen Einsamkeit ihre? Mädchenzeit, in die nur seine Briese flackernde Lichter warfen. Und mm war sie unbe^reiflicherweiss enttäuscht, als er mit müden, gemessenen Bewegungen dem Zug entstieg. Er hatte sie geküßt, zärtlich, gewiß, aber doch ohne Leiden-, schaftlichkeit, und dabei gescherzt: .Laß mich erst wieder zunc Men- ' schen werden, Liebling. Komm mir nicht zu nahe!"

Sie zürnte ihm fast, well Uebectegung aus diesem Gedanke»- gang sprach und sie seine MiederseHeicssreude impulsiver gewünjW hätte.

Und nüin saßen sie einander gegenüber im unbarmherziges Sonnenlicht, und sie sah in seinckn' Gesicht joden Mlonat, jödeu Täg, jede Stunde des Trerinungsjahres eingezeichnet. Mie eine Land-» karte war es, in der sich alle Striche und Linien fanden, auf denen ihre bangende Liebe ihm in' (Albanien gefolgt. Diese Falte «zählt«! von den Schrecken der Somrne, die andere, herbe, tief eircgeschnittenL am Mund von dem Grauen vor Verdun, dies Netz von seinen Strichen um die Augen von der Hölle bei Arras. Aber schlimmer als alles war, was sie hinter dein inDm Ausdruck der gleichsmni verblaßten Augerc entdeckte. Dort stand Unvergessenes, Ctviges.

Die Stille wurde so qualvoll, daß sie anftng zu sprechen und- war es Einbildung oder Wirklichkeitdie Tasse klirrte in seines Hand. Er, neben dem Dag und Nacht die Granaten eiugefchlagen, in dessen Ohr sich der Jammer und das Stöhnen der Verwiutdeten gegraben, er fuhr zusamnuekn bch dam Don ihrer Stimme....

,,Habe ich dich erschreckt. Hans?" fragte sie und konnte nicht verhindern, daß ein leis« Vorwurf in ihrem Tonfall nachzitterte^

Verzeih, Liebling, ich bin ein bischen nervös geworden da draußen, ich muß «st lernen, mich wieder in das alte Neue zu finden..." . i

Und tvenn du endlich sotveit bist, dann gehst bat imeder!" klagte sie.

Er sah an ihr vorbei.

Dann geh' ich wieder.... wie ich ftr.it. Tie eisenharte Pflicht fordert es.- Ab« vielleicht sollte man uns nicht herauslassen aus Unserem blutigen Handwerk, für Tage.... Mr können uns in so kurzer Zeit nicht auf den ruhigen, friedlichen Alltag ein schalten^ Es hämmert mehr auf uns ein, als die tägliche »Hölle des Krieges. Wie soll ein Hirn, das übersättigt ist von Greuel und Entsetzen, so schnell fassen, daß es irgendwo in der Welt einen Platz geben kann^ zu ldem der Lärtn d« Geschütze nicht heraudringt, wo man an einem weißgedeckteu Tisch in beschaulicher Ruhe seine Mahlzeiten nimmt und einem eine geliebt« Frau gegenübersitzt in einem roeißen Kleide? Ich habe dir das sagen inüssen, damit du mich begreifst und mir o:o- zeihst, tvenn ich dir so vieles schuldig bleibe; ab« wir Männer- auch die stärksten von uns brauchen in solchen Stunden daheim mehr als das Wsckib und die Geliebte, die Mütter.... eine Liebe, die snicht fordert, sondern nur giebt...."

Er schloß für einen Augenblick die Augen. Da faßte ihre Hand die seine, nicht suchend und heimlich werdend, sondern mit einem starken, feften Griff. Es war, als wollte sie ihm sagen: ich stehe neben dir und zu dir! Ich warte auf meine Zeit, die wiederkommeM wird, meint die Symphonie des Lebens die grause Weise des Ster- bens, die in dir llingt, übertönt liaben tvird.

Er lehnte den Kops an ihre Schulter, als suche er bei ihvey starken, gütigen Weiblichkeit den so laug entbehrten Frieden, während ihre Hand leise üb« seine Augen strich, die müde tvaven von denl Schrecken ein« entfesselten, rasenden Menschheit, die sich selbst verzehrt.

Büchertisch.

Das literarische Echo. Halbmonatsschrift für Lllera- türfreunde. (Begründet von Dr. Josef Etllinger. Hercrusgegebetk von Tr. Ernst .Hellborn.) Verlag: Egon Fleischel & Co., B«- litt W 9. Das 1. Februarheft ist soeben mit folgendem Inhalt erschienen: Julius Petersen: Fritz votc Unruh: Haus Natoner: Das Tragische und der Humor: Hans Knudsen: Das Leipzig« Städte theater; Anselma Heine: Vom Elsaß: Georg Witkowski: Goethe- Schriften Echo der Bühnen - Echo der Zcittutgen Kurze Anzeigen.

Die Schaubühne, Wochenschrift für Politik, Kunst Wirtschaft, herausgegeben von Siegfried Jacobsohn, enthält M der Nummer 3 ihres vierzehnten Jahrgangs: Tie politische Kin­derstube, von- Germanicus. Erzberger, von Erbe. Tie drei Type« der Menschheit, von Egon Friedell. Vom rechten Weg, von Htmo Bergmann. Wilhelm -Schäf«, von Leopold Ziegl« (Schluß). Wien« Theater, von Alfred Polgar. Strindberg-Äufftth-vungeNi, von S. I. Inschriften, von Karl Kraus. Der nette Ralhmm^ von Lorarius. Antworlett.

Kapselrätsel.

k'renäsukest, Emma, Ohrnnaehtsanfaü, Niel.tsWürdigkeit; Neunaug«, Argentinien, As -henbrödel. Sohcnkol.

Es ist ein Sinnsvruch zu suchen, dessen einzelne Silben der Reihe nach versteckt sind in vorstehenden Wörtern ohne Rücksicht aus deren Silbenteiluug.

(Auflösung in nächster Nummer.)

Auslösung des Quadrat-Stellrälsels in voriger Nummer. Alt er» chü

tzt Tor Tor

hei tu» cht

Schrtstleirung'. W. Meyer. Zwillingsrunddruck der Brüh loschen Nn v.-Bnch- und Steindrückerei. !/!. Lange, Gießen.