„Nicht bei mir. Ich bin alt, ich werde sterben. Aber cmdersloo. Nur nicht bei ihm. Glaub iM'"
Sie weinte plötzlich gart* leise.
Da fuhr er ihr mit der Hand über das Haar, mit seiner kurzen, dicken Hand, und sie pmtzte daran denken, daß auch
g anzere vor Wochen, in der ersten Stunde ihrer Bekanntst, das gleiche getan hatte. Und doch streichelte die tige Hand, obgleich sie häßlich war, zärtlicher. Daran mußte sie denken. Und sie weinte mit einem Milo heftiger und lauter.
Er neigte sich über sie unb küßte ihre Stirn. „Verzeih mir," sagte er in einem Don, den sie noch me bei ihm gehört batte, denn es lag etwas Geheimnisvolles, etwas Tiefes darin.
Eine dunkle Furcht erwachte in ihr, für die sie keine Erklärung hatte. „Was du vor fragte sie und sah flüchtig LU ihin aus. >
Er schüttelte den Kops, als lvünsche er sie zu beruhigen. „Nichts," sagte er still, „nichts Schlimmes."
Dann fragte er: „Wo ftnb die Kinder?"
„Im Zimmer drin," antwortete sie und starrte schon wieder durchs Fenster.
„Verzeih mir," dar er noch einural, trat dann von ihr zurück lmd verließ das Zimmer.
Er ging Pr den Kindern.
Der Kleine tag im Wagen und schilies. Gutzeit neigte sich über ihn und küßte ihn voller Vorsicht, besorgt, er könnte ihn wecken.
Sodann nahm er das Mädchen, das in einer Ecke bei freu Puppen saß, auf den Schoß und sprach einige leise Worte der Liebkosung utü ihm. Das Kind war ungewöhn- lich scheu, aller Welt, auch den Eltern gegenüber. Es wunderte sich über die Zärtlichkeit des Vaters, wurde unruhig und drohte zu weinen. Da gab er es frei, und es eilte wieder zu seinen Puppen.
Er zog die Uhr und sah, daß es die Zeit war, um die »men das Kontor geschlossen wurde. Er drückte leise den Türdrücker nieder und schlich aus dem Zimmer, auf der Schwelle noch einmal zögernd.
Seine Frau hörte seine Schritte, obwohl er sich Mühe gab, lautlos zu gehen. Sie vernahm es auch, als er seine Kammer aufschloß, in diese eintrat und sie wieder hinter sich ab- schlotz.
Sie dachte: Warum schließt er sich ein? Das hat er sonst nie getan?
Aber mit einem müden Entschluß strich sie daun alle Gedanken an ihn wieder aus. Sie wollte an den anderen denken, an den. dem sie anhing, dem sie gehörte, obwohl er sie zurückwies und verachtete.
*
Am Morgen des nächsten Tages fragte Reisner seinen Buchhalter: „Wo ist Gutzeit?"
Gutzeit war nicht da. Obwohl die Uhr auf zehn ging, hattc er sich tm Geschäft noch nicht blicken lassen. Es wurde daher jnitaitb in seine Wohnung hinausgeschickt, um ihn zu holen.
Reisner wartete gereizt, denn er hatte den Eindruck, daß Gutzeit schmolle und sich absichtlich nicht blicken lasse.
Nach Verlauf von zehn Minuten kam der Bote mit blei- ajem Gepicht zurück und ihm auf dem Fuße folgte, noch im Morgenkleid, Hulde Gutzeit, die den Boten beiseite schob' und zu Reisner m das Zimmer stürzte, atenilos, von einem jähen, furchtbaren Schreck wie erstarrt.
„Was gibt es?" fragte Reisner.
„Mein Mann," würgte sie, „mein Mann . . ."
„Nun?"
. . ist tot!"
wrang aus. Er hatte sich verfärbt. Er packte DUde hutzelt am Arm. „Sind Lie verrückt?" schrie er sie an. „Tot, schluchzte sie, „tot ... Er hat sich — erhenkt!" l Lr‘ U nrh aus dle^Erde nieder, umschlang einen
IaahSK e un £ r 61 ^: spurte es nicht, wie Reisner
fÄ e ' und sie horte auch nicht die Worte, mit denen ^ nicht zu lchrewn und sich zu fassen. Sie ge- tätm sie ^ WlC ^^usmnig, Furcht und Entsetzen schüt-
Reisner schickte zlvei seiner Leute fort, damit sie euren d/hörde verständigten. Einen dritten
kJammnnde f-r'-Kchotzn. ^
Sie brachten sie in Reisners Wohnung, wo sie, noch immer taut schluchzend, auf die Ottomane sank, das Gesicht in den Armen vergrub und trotz allem Zureden Reisners! nur dazu zu bewegen war, ablehnend den Kopf zu schütteln, Reisner machte der Starrsinn der ihm sonst so gefügigen Frau gereizt. Er wandte sich zur,Tür und sagte: „BleibRr Lie einstweilen hier. Zch werde sofort veranlasseil, daß man Ihren Gatten fortbringt. Beruhigen Sie sich endlich. Ant Nachmiltag lverde ich Sie aussnchen. Dann wollen wir beraten, was sich tun läßt/'
(Fortsetzung folgt.)
Die spiegelnde Strecke.
Von Max Prels.
_ „Etwas heißen Kaffee, bitte, und genügend Zigaretten, Eugen^ Sie gehen dann frmunter, schließen die Halle ab, schalten, dass Telephon um und sorgen für vollkomnrene Ruhe."
Der Diener trat aus dein blauen Halbkreis, der aus der Licht- schale von der Decke herrmrer eine hellere Scheibe in beit sanft gelben Teppiche zeickxuete, uub unterbrach die ruhige Täselnngj der Wände, als er abging, um Kaffee und Zigaretten zu holen.
Frank Witt saß indessen sehr ruhig, fast ein wenig gelangweilt, in den Kissen. - *
Dann, brachte Eugen Kaffee und Zigaretten und entfernte! sich jetzt mit derbeir Schritten.
er twiAxtji uit gu| iiutst.il, luj&iua-it. uii uti -Luuc tuuyti
Birnen mis, so, daß das Licht milder irnd mtlsittlicher in den Raum siel, und ging mir fast bedächtigen Schritten iit die Ecke des' Arbeitszimmers, wo ein grau verhängter Tisch sich an das Dunkel der Täfelung schmiegte.
Vor diesen Tisch setzte er sich, nachdem er das graue Tuch ab-ge-. nominell und ein Klappihrett durch einen Federdruck hochgehoben und hintenüber gelegt hatte. Dann bog er etliche dunkel umsponnene Drähte, die von der Diele in die Tischbeine führten, zurück und schaltete Strom in die vielen Leitungen ein. Augenblicklich zeichneten sich viele gleichlaufende, rot und grün leuchtende Striemen m die Platte des Tisches. Und über die sie leuchtsenden Schnüres 1 rochen mit leinziger Geschwindigkeit dimkle Raupen, die vorne weißlichen Schein verbreneren, während ihr Ende glutrote Nadeln sliche zeigten. Eine Weile sah Frank Witt dieser Spiegelung un- ertlärlicher Dinge zu, daun spielte er eine klappernde Melodie auf eine Reilw von Knöpfen an der Tischwnte. Mit iedein Truck änderte sich das Bild auf der Tischplatte. Und schließlich waren ttur mehr zwei leuchtende Striemen zu sehen und nur mehr zwei bon< den Raupen, deren eine am rechten Eichte der Tischplatte vor emem dicken Knotenpunkt lungerte, indes, die andere am linken Ende über die grüne Schiutr 'kroch. Nun 'waren Frank Witts Augen wie festgenäht an das Bild auf der Platte. ,I-ach zwei Almuten,"' flüsterte er „noch knapp, zlvei Almuten." Und als diese Zeit der-, gangen lvar, öffnete Frank Witt eine in der Tischplatte versteckte Klappe, ein Trichter wurde freigelegt, und seltsam multipliziert und verstärkt, stiegen ganz ferne Geräusche daraus hervor. Ein summen, das Rauschen von Wind und nun ein ferner, leiser Pnff. „Endlich! Nun fährt er ab," dachte Frank Witt laut. In diesem Augenblick reckte sich die kleine Raupe, die bisher stillge-, Nauden hatte. Klümpchen weißen Rauches flockten aus dem Raupen-, topf und ein fernes- Rasseln begleitete die schleichende Bewegung. „Noch vierzehn Minuten," sagte Frank Witt und kostete das gran- samc Eluck dieses Abwartens im voraus. „Um elf Uhr üierimbM vierzig kreuzen ste hinter Anipfort, bei Kilometer 119,7." .Fa. selbst wenn eine Differenz von 15 Sekunden eintreten sollte . " teocr Fug hat 11^ Achsen, die beiden brauchen also, um aneinander bor bet zu ko mm ei i, brauchen . ..." Er hastete mit den Augen über eme voll Zippern wirrende Tabelle: „Sie brauchen also . . . siebzehn Lttunden" „siebzehn weniger fünfzehn . . . ah! Zwei bekunden Zeit! Ach, es heißt nur, die Augen zugleich an^ der Uhr und ans detn Graphikon zu haben. Siebzehn Sekunden Spielraum' Und dann . em Druck ans den Knopf . . . alles . alles vor^ Minuten und zwanzig Sekunden drücke ich auf diesen
k lotinte es sich nicht versagen, einen scharlachroten Knopp über der Tastatur des Tisches mtt äußerster Vorsicht zu berühren. Alls dem Schalltrichter rauschte die Nacht: Pfeifende Signale stachen aus diesem gletchmäßigeii Einerlei wie Hilferufe. Frank Witt saß vor dem Tisch iw're die Lptnne inmitten des Netzes. Die eine Raupe znuingte sich in die freiere Landschaft, die man nur winzig klein aber immer scharfer unterschied, die andere kroch ihr ahnungslos entgegen.Wieder sprang ein Pfeifen aus dem Schalltrichter , Glück- ube Reise, meine Lieben, und -auf gutes! Wiedersekm. IN elf Mmuten^drücke ich auf diesen kleinen scharlachroten Knopf." .Das iverden Lie nicht tun, Frank Witt!" „Irrsinn! Irrsinn! Heilig ; Temel . .. Woher kam die Stimme:- Frank Witt stand Ef“ MeM da Hatte ihn nun der Verstand verlassen? Woher Um das Wort? Es konnte nur ans dem Schalltrichter kommen.
k-^dErregnt^die ihn unversehens angefallen hatte» Mt wilde Tiere, verkwchen sich aber. Seine Nerven hielten de«


