Die Racher.

Roman von Hermann Wagner.

(Fortsetzung.)

7. Kapitel.

Das Auto hielt vor dem Hauptbahnhof, Reisner stieg aus und gab einem herbeieilenden Gepäckträger die Wei­sung:Nehmen Sie meine Koffer!" . . . -

Alles Gepäck, das er mit sich führte, hatte m drei großen Nohrplattenkoffern Platz gefunden. r ..w , .

-tzr verabschiedete den Chauffeur und begab sich sodann an den Billettschalter.Eine Fahrkarte erster Klafse nach Berlin," sagte er. Und wenige Minuten spater saß er rau­chend in dem Abteil, von keinem Mitreisenden belästigt, und blickte den Häusern Hamburgs nacl), die langsam vor ihm zu-

^^Ms^der Zug Bergedors passiert hatte, öffnete Reisner seine Harrdtasche mrd entnahm ihr ein Bündel Briefe, die er aus den Polstersitz neben sich legte, mn sie noch em letztes Mal durchzusehen. Es waren Angebote, die auf eine von ihm nt Berliner Zeitungen ein gerückte Anzeige haufenweise etn- gegangen waren. Nur noenige davon interessierten ihii lotrt- lich, während eins doch seine volle Aufmeichamkett erweckt

war ein Schreiben, das in seiner Naivität fast rüh­rend wirkte.Sie suchen," hieß es darin,ein.größeres Unternehmen, an dem Sie sich mit einer^ beträchtlichen Summe gewinnbringend beteiligen können. Ich möchte Zhr Interesse auf mein HoLz-Jmport-Geschä,t lenken, das, wenn es auch jetzt vor dem unmittelbaren Zusammenbruch steht, doch wieder in eine Goldgrube verwandelt werden kann, wenn ick) einen ehrlichen und kapitalkräftigen Teilhaber finde, der sich nieiner annimmt. Ich empfehle Ihnen, mein Angebot ernstliche zu prüfen. Sollten wir einig werden, dann würden Sie an mir einen dankbaren und fachkundigen Mitarbeiter haben. Im Kaufmännischen bin ich freilich nicht so gut be­klagen, wie ich es sein müßte, und das ist mir auch zuin Verhängnis geworden. Ein-junger Mann, den kfy zu meinem Kompagnon gemacht hatte, hat mich durch seine betrügeri­schen Machenschaften an den Ruin gebracht. Ich bin nun alt mrd nicht mehr fähig, mich aus Eigenem wieder emporzu­arbeiten." _ .

Der Brief war in einer seltsam verschnörkelten Hand- schrift geschrieben, enthielt noch sachliche Details und war mit dem Namen Ehrhard Gutz-eit unterzeichnet.

Reisner warf die übrigen Angebote, die äußerlich viel glänzender aufgemacht waren, wieder in die Tasche zurück, sie verloren an Interesse für ihn immer metzc, während der Brief des Ehrhard Gutzeit seine Phantasie nach wie vor beschäftigte. Sein kaufmännischer Instinkt, der die Gelegen­heit, die günstig war, witterte, war erwacht. Er war voller Ungeduld und Neuaier.

Als der Zug an der nächsten Station hielt, übergab Reisner dem Schaffner eine Depesche zur Besorgung. Sie war an Ehrhard Gutzeit gerichtet und teilte diesem nnt, er möge noch heute kurz nach sechs gewärtig sein, m Angelegen­heit der Beteiligung an einem Geschäft Besuch zu erhalten.

In Berlin angekommen, fuhr Reisner sogleich in das Hotel Atlantic und bestellte zunächst für vierzehn Tage für sick) zwei Zimmer. Er wusch sich, zog sich um, etwas und nahm ein Auto nach denv* Westen. Es war etwas nach sechs, als er vor einem der großen modernen Miethäuser hielt, an dessen eichener Tür ein blank geputztes MessingschilD: Ehrhard Gutzeil, 1. Stock, angebracht war.

Auf sein Läuten öffnete ein Mädchen, das auf sein Kommen schon vorbereitet schien, denn es führte ihn sogleich in den verschwenderisch eingerichteten Salon und bat ihn, em wenig zu warten: die gnädige Frau werde tn wenigen Augenblicken erscheinen.

Ich möchte Herrn Gutzeit selbst sprechen," sagte Rers- ner enttäuscht,ist er nicht da?" . _ .

Doch im gleichen Moment trat eine lunge Dame ent, bei deren Anblick Reisner vor Ueberraschung bie Augen aufritz. Es schien ihm unmöglich, daß sie die Frau Gutzetts fern könne, der doch von sich geschrieben hatte, daß er em alter

Mann sei. t pp . . , ,

Sie war nicht schön, aber hübsch und raffiniert nach der neuesten Mode gekleidet. ^An ihrem Gang und an ihrem Lächeln war etwas, das sich anbot. Zugleich aber hatte sie die beherrschten Formen einer fast prüden Frau.

Er stand auf, verbeugte sich und nannte fernen Namen. Sie streckte ihren rechten Arm aus, um Reisner zu be­deuten, seinen Platz Ai behalten. Dabei glitt der halblange weite Aermel ihres rohseidenen Kleides zurück und entblößte einen winzigen Teil des schön und fest geformten Ober­armes, dessen weiche Weiße sich von der drmklen Farbe des Kleides sinnlich, abhob. Sie lächelte maskenhaft utld sagte mit dunkler Stimme, in der etwas wie Berachtimg für ihren Mann enthalten schiert:Mein Mann ist mit den Kindern spazieren gegangen. Er tut das fetzt alle Tage, da er so viel freie Zeit hat. Ihre Depesche kam in seiner Abwesenheit. Ich möchte. Sie bitten, emsttveilen mit mir vorlieb zn nehmen." , ^

Noch mehr als ihre Worte bat ihn der Don ihrer Stimme, zu bleiben, desgleichen ihr kalt aufreizendes Lächeln, dasselbe, denr er schon einmal in seinem Leben er­legen war. Die Erumerung daran erfüllte ihn mit Schrecken, aber zugleich mit kaltem Haß. Cr fühlte, daß er ihm tlie mehr erliegen würde. Und diese Gewißheit gab ihm heitere Sicherheit mrd innere Ruhe.

Gern," antwortete er und freute sich, daß sein Spott so beherrscht war, daß sie ihn kaum-verstehen konnte,nur weiß ich nicht, gnädige Frau, ob Ihnen das, was mich zu Ihrem Gatten führt, bekannt ist."

Sie seufzte, ließ sich in einen Sessel nieder und schlug wie in Gedanken ein Bein über das andere, so daß er