Sn Sturm und Stille.

Roman von Max Treu.

(Artsetzung.)

Vom Stifte Hohenbergen her schallten deutlich drei rasch vus-einander folgende Schüsse.

Im Nn vfiss Hans Joachim seinen Braunen, der so­fort gehorsam herbcigelausen kam.

Das Alarmsignal der Unseren!" sagte Hans Joachim. Was bedeutet das?"

Be.tte drängte sich an ihn. p

Wohin willst du, Geliebter?" fragte sw, angstvoll chm

in die Augen sehend.

Zu meinen Getreuen!"

Und ich?"

Einen Augenblick sann er nach.

Geh ruhig zurück ins Stift, Beate," sagte er dann. Bei der Tante Aebtissin bist du am sichersten. Sie laßt dir kein Haar krümmen."

Beate nickte zustimmend. ,

Es wird das beste sein, Hans Joachim.

So leb wohl, bald bin ich bei dir."

Bald, bald, Geliebter."

Dann gab er dem Pferde die Sporen, daß der Braune hoch ans bäumte. Eine solche Behandlung war er nicht ge­wöhnt. Aber gehorsam jagte er dann mit seinem Reiter ventre L terre davon in der Richtung auf Linau zu.

Als Hans Joachim das Gehölz hinter sich uiid freie Aus­schau noch allen Seiden haste, warf er einen Blick hinüber nach dem Stift, um Beate noch einmal zu sehen.

Und er sah sie. ^ w , v

Aber das Blut in den Zidern eigtarrle ihm. Eine Anzahl französischer Reiter hatten das Mädchen ergriffen und schlepp!en es Zu einem in der Nähe haltenden Rmsewagen. Etwas wie ein Hilferuf klang zu dem versteinerten Reiter

herüber. . , - ,

Ein paar Augenblicke hielt er regungslos an) dem Pferde, das er mit jähem Ruck angchalten.

Schurken!" knirschte er. , .

Mn Blitzesschnelle sagten sich die Gedanken in wrnem Kopse, dessen Schläfen er zum Zerspringen heftig klopfen

ftihlbe. ......

Was sollte er tun? Dort hrnubcrrageu?

Torheit!" schall er sich.Was soll ich allein gegen

zweihundert?" . A. . _ r ,

Reim, nein es-gab mit ein Mittel: Vrlfc holen aus Linau, alle Sturmglocken läuten lassen, und dann den Ent­führern nach. Es konnte nicht schwer fallen, Mit guten Pfer­den den schwerfälligen Reifsvagen einzuholen. Und lerne Spur wollte man schon finden. dafür sorgten die guten Augen seiner Altmärker. Im Ru war das alles überlegt und dkdachi. '

Keine Furcht, Beate!" rief er durch die blaue Lust, als ob sie es Horen müsse.

Und dann gab er dem Braunen dre Sporen.

Borwätts, Freundchen! Jetzt geht es um Leben und Tod'"

Als ob es ihn verstanden hätte, raste das treue Tier davon, daß Kies und Funken stoben. Eine Staubwolke wir­belte hinter ihnen her.

Als Hans Joachim in Linau eintritt, lauteten schon d« Sturmglocken. Das Zeichen der drei Schü.se war gehört und verstanden worden. Aus allen Häusern eilten die Männer, mit Gewehren. Sensen, Piken und Dreschflegeln bewaffnet. Selbst Knaben hatten sich dem Zuge angeschlossen, ihnen allen voran Böttchers Fritze, der die große Posaune von dem stillen Platz erlöst hatte und gutgemeinte, aber ohrew- zerreißende Fanfaren blies.

Hans Joachim hielt vor der Schmiede.

s.,Wo ist Riezler?" fragte er die junge Frau, dre am Fenster stand.

He is schon mitten mang, ^ungherr.

Hans Joachim jagte weiter, die Dorf,trotze entlang.

Bei der Kirche sammelte sich die Mannschaft.

Und jetzt klangen ans der Luft her aus der Ferne an­dere Töne, die Sturmglocken der nächsten Dörfer. Aber die Linauer klang am gewaltigsten.

Jetzt hielt Hans Joachim vor Riezler, der eine Flinte über der Schulter und ein Haubajonett an der Seite trug.

Riezler, die Stunde ist da!"

Schon recht, Jungherr, wi sin ok do. stopp oben!

Kopp oben!" _ _

In fliegenden Worten erzählte Hans Joachim, was seine Augen gesehen hatten.

_Unb mm, Riezler/' schloß er,mchmen ««dre besten Pferde aus meinem Stall und lassen ^ie die besten Retter aussitzen und dann den Halunken nach! Ich folge euch, so­bald ich gesehen habe, um was es sich im Stift handelt."

Ohne Sorge, Jungherr," sagte Riezler.Den Knoten woll'n wi schon npmaken, hat von de Strippe nrch veel uwrig blewen soll." . ^ V . ,

Schon einige Minuten danach hatte der Schmied ein Dutzend handfeste Burschen um sich versammelt, mit denen er, um die Pferde zu holen, nach dem Rittergute abrückte.

Riezler," rief ihm Joachim nach,wenn Sie zu schwach sein sollten gegen die Schurken, so nehmen ^ie alles mit, was Sie an waffenfähigen Mannschaften auf den Straßen antrefsen!" . r ,

Ohne Sorge, Jungherr! Dat Fröleu wolln wir schon wedderkreegen. Dal Düwetslüg von Franzmännern hat man ook bloß eenen Hals."

Er marschierte ab.

Hans Joachim ritt vor die Front der übrigen.

Leute," rief er,es geht loS!"

Immer druff, Jungherr! Wir towen schon lang!"

Seid ihr bereit?"