. 3n Sturm und Stille.
Roman von Max T r e u.
(Fortsetzung.)
„Ich erlaubte mir schon gestern Kn bemerke,:/ «mt- tzegnete er nicht ohne Verlegenheit, ,,datz mich auch gewrsje dienstliche Aufträge hierhergeführt haben, und ich bin
„Dienstliche Aufträge?" fiel die Domina lebhaft ein. „Mit so starker Truppenmacht?'
„Zweihundert Mann!" versuchte Wellingerode zu scherzen.
„Fstr eine Jagdpartie ein so unge)vöhnliches Gefolge. Jörn- Graf, daß ich an die Wahrheit dieser Geschichte nicht zu glauben vermag! Jedenfalls muß ich Sic bitten, piese Wiese wieder ftei zu machen, — ich verweigere sie Ihnen für Lag erw ecke."
^Oder haben Sie etwa einen schriftlichen Befehl Ihrer Behörden?" .
»,Den zwar nicht, gnädigste Frau Aebtissin, aber die Vollmacht Sr. Majestät des Königs, nach meinem eigenen Ermessen zu handeln."
„Darf ich diese Vollmacht sehend'
„Ich bedauere, sie nicht vorzcigen zu können, da sie noch andere Mitteilungen enthält, die nur für mich bestimmt sind." . .
Die Domina führte eine gewaltige Prise zur Raft.
„Sehr wohl, täerc Graf, dann bedauere auch ich, Ihnen die Wiese nicht für Ihre Zwecke überlassen zu können, für die sie nicht da ist. Ich bitte Sie, diese Wiese zu räumen."
„Und wenn ich das nicht tue'?"
Die "Domina wollte gerade eine neue Prise nehmen. Mer sie tat es nicht. Mrt 'scharfem Krach schlug sie den Teckel der Dose zu.
Mer kühl, als handle es sich um eine Selbstverftäudlrch- keit, klang ihre Antwort:
„Dann werde ich meinen Leuten den Befehl geben, Ihre Zelte abzureißen."
Der Gras sprang von seinem Sitze auf.
„Eh bien ! Und dann werde ich meinen Leuten den Befehl geben, jeden Versuch dazu mit der Waffe abMveisen."
Auch die Domina hatte sich erhoben.
„Tun Sie, was Ihnen geeignet erscheint! Aber vergessen Sie nicht, Herr Graf: bei dem ersten Sck)usse, der fällt, lasse ich die Sturmglocken läuten, imb dann mögen Sie sehen, \w Sie mit Ihren zweihundert Mann bleiben "
„In der Tat, Frau Aebtissin,' das werde ich sehen. Zunächst sind Sie meine Gefangene. Sie verlassen dies Zimmer nicht ohne meine (£nmnlftgimg. Und ebensowenig empfangen Sie irgendwelche Besuche — ein Posten wird vor Ihrer Tür stehen."
Er öffnete das Fenster und gab einen Wink nach dem
Hofe hinunter, auf den hin der Kapitän Salignac sofort zwei Soldaten nach oben sandte.
Völlig ruhig war die Aebtissin geblieben. Ein ironisches Lächeln spielte um die blassen, blutleeren Lippen.
„Ganz wie es Ihnen beliebt, Herr Graf. Mer vergessen Sie dabei nicht, daß die Aebtissin des Stiftes Hohenbergen und ihre Leute keine Hasen und Mhböcke sind."
Die Soldaten waren offenbar schon instruiert. Denn fte ließen den alten Diener nicht mehr hinein. Rasch entfernte sich dieser nach unten.
So, Frau Aebtissin, es wird ganz auf Sie ankommen, wie lange die Haft währt."
„Allerdings, Herr Graf, ganz auf mich."
Und wieder spielte das ironische Lächeln um ihre Lippeir.
Wellingerode tvollte sich entfernen. .
In diese in Augenblicke hörte man draußen zlvet Schüsse in kurzem Abstairde htnwreincncher fallen. Ein Lächln des Triumphes trat aus dre Züge der Domrna.
„Wer schießt da'?' ries der Graf bestürzt, und schnell, ohne Gruß, eilte er hinaus.
*
Niemand konnte 'ihm, als er den!großen Hofraum betrat, Auskunst geben, wer die Schüsse abgefeuert hätte. Jedermann hatte sie gehört, aber keiner bemerkt, wo sie gefallen waren. Nur das eine ließ sich feststellen, daß sie nicht von freit Soldaten abgegeben worden waren.
Diese weitere Nachricht machte Wellingerode nach deutlich.
„Entweder liegt hier ein Zufall vor," sagte er m den begleitenden Kapitänen Salignac und Breville, „oder es handelt sich uni irgend ein verabredetes Zeichen. Ackso Vorsicht, meine Herren, Vorsicht!"
Eine kurze Pause. Dann fiagte der Gras:
,,.vmt Fräulein von Hassow das Stift bereits verlassen?'
„Jawohl, Herr Gras. Sie ist muh dem Gehölz hinübergegangen." _ ^ .
„Sehr wohl. Dann handeln Sie nach meinen Befehlen — schnell, vorsichtig, geräuschlos! Sie 'haben mich verstanden, lieber Kapitän?'
^Gewiß, Herr Gras!"
„Erst die eine, dann den anderen! Wrr wollen doch mal sehen, wer hier Herr im Lande ist."
Das sollte in der Tat der Herr Gras von Wellingerode sehr bald erfahren.- ,
Währenddessen war Beate, ohne eine Llhniurg davon, was im Stifte vorging, am Gehölze drüben angelangt.
Hans Joachim kam ihr entgegen; herzlich streckte er ihr die Hand hin.
„Tausendmal toill kommen, Fräulein Beate!"
„Willkommen, Herr von Sormitz!"
Der Braune, der in der Nähe an leckeren Kräuterv naschte, stieß ein fröhliches Wiehern aus.


