Die foioncie Drossel

Roman von E. F a h r o w.

(Fortsetzung.)

2. Kapitel. '

Als Berber an diesem Abend nach Hause kam, fand er seine Nichte im Wohnzimmer vor.

Sie Mar damit beschäftigt, Zigarettenhülsen mit Tabak zu füllen.

,2lls er eintrat, sah sie attf, und ein rascher Blick ans! zioei ungewöhnlich großen und dunkteil Augen traf ihn.

Schimpfe nicht, teurer Onkel!" rief sie ihm entgegen. Ich sehe es dir an, daß dir wieder eine donnernde Straf­predigt auf der Zunge liegt? Aber schlucke sie nur herunter, sie nützt dock) nichts, und ich bin nicht für Krastverschwen- dung."

Berbers stets grämliches Gesicht wurde noch mürrischer.

Du weißt, ich gestatte keinen Zigarettenrauch in meiner Wohnung," knurrte er.

Ja, ich weiß," erwiderte sie sanftmütiger als nötig. Du sichst ja auch, ich rauche nicht! Ich mache bloß Ziga­retten."

Wozu das? Unnötige Ausgaben!"

Behaupte das nicht! Verurteile mich überhaupt erst, wenn du alles weißt, bester aller Onkel! Soll ich dir die Pantoffel und das Pfeifchen bringend

Niemals hatte Gustav Berber diese beiden Requisiten benutzt, und enlpört blickte er seine Nichte an.

Sie aber lachte übermütig auf, wobei ihr pikantes uird anziehendes Gesicht durch ihre prachtvollen Zahnreihen ver­schönt wurde.

Nein!" rief sie ans.Er lacht nicht! Um keinen Preis lacht er! Wo wird er denn Spaß verstehen! Er ist der ge­treue Knecht Fridolin, ergeben der Gebieterin, Karoline Ulrich, und damit basta! Na, nun nimm mir nicht das wieder übel! Onketchen, du meinst es ja doch so gut! Und diese Zigaretten sind eine hervorragende Erfindung von mir ! Es sind B l u m e n d u f t - Zigaretten."

Was?!"

Im Ernst! Ich versuche auf einem Umwege den Damen Aesthetik beizubringen. Wenn sie denn schon durchaus qual- men muffen, soll es dabei wenigstens gut riechen. Dieser Tabak hier ist erstentduftet" und dann imprägniert mit einem chemischen Produkt. Willst du mal Veilchen riechen?"

Berber witterte etwas Geschäftticl-es und ward inter­essiert.

Meinetwegen," sagte er und nahm aus dein altmodi­schen Sofa Platz.Rauche mir also Niars vor."

Therese stand aus, reckte ihre prachtvolle Gestalt ein wenig und stöhnte, während sie Streichhölzer holte:

Ach, was muß man sich plagen! Den gairzen Dag Menschen photographieren, und abends noch Oheime an­

räuchern! Ich mu,ß übrigens gleich wieder fort, also mm fix!"

Sie zündete eine ihrer Zigaretten an und blies leise den Rauch zu Berber hin.

In der Tat verbreitete sich eilt erfrischender Veilchen- geruch im Zimmer.

Berbers geräumigen Nasenlöcher weiteten sich, er sog rn vollen Zügen den Dust ein.

Nicht übel!" murmelte er.Wirklich nicht schlecht-"

Wenn dunicht übel" sagst, meinst duprachtvoll","' versetzte kaltblütig Therese.Und nun wisse: Diese Sache tvird mir das Kapital bringen, das ich für mein Tieratelier brauche."

Du bleibst also bei der verrückten Idee: Obgleich ich dir so dringend abrate?"

Therese nickte und toard einen Augenblick ernst.

,-Onkel Gustav, ich bin 24 Jahre alt und ein moderner Mensch. Ich muß auch zuweilen nach eignem Ermessen handeln, selbst wenn es gegen die Ratschlage erfahrener Leute geschieht. Erfahrung auf einem Gebiet macht ja auch noch nicht zur Autorität auf andern! Wenn ich erst so Viel Geld besitze, daß esangelegt und Verlvaltet werden muß, dann werde ich mich an dich wenden, verlaß dich darauf! Mer photographieren kann ich halt besser als du. Und was in dieses Fach schlägt, davon verstehe ich toirklich eine ganze Menge."

Ich rede ja auch nur davon, daß man doch eine sichere Stellung, wie du sie bei deiner Firma hast, nicht anfgibt, unr ins Blaue hinein einSpezial-Atelier" zu gründen! Das ist ein Risiko."

_ ^ rillig. Und wer nichts wagt, der nichts gewinnt.

Ich finde, daß ein Tierphotograph erster Sorte hier fehlt. Alle die Pserdebesitzer hier in der Reichshauptstadt, alle die Hundeliebhaber, ja, alle die stolzen Landwirte, die ihr preis­gekröntes oder auch noch nicht preisgekröntes Vieh photogra­phieren lassen wollen, sie sollen und werden mich in Nah­rung setzen. Es muß nur erst einSpezialist' austauchen, dann findet er auch Beschäftigung. Natürlich, ein paar tausend Mark muß ich erst für Reklame ausgeben."

Und inzwischen? Bis du etwas zu tun hast? Willst du von der Lust leben? Oder behältst du doch noch deine Stellung?"

Therese lachte und legte ihre Zigarette beiseite.

Nein, nein, ich habe gekündigt und bin von jetzt ab brotlos. Mer meine Ersparnisse und diese famosen Ziga­retten werden mich schon über Wasser halten. Uebrigens, falls ich reinfalle urrd bankrott werde, ninnnt mich Pro­fessor Otter immer gern wieder auf; das hat er nlir groß- mütrg angeboten. Nun aber will ich deine häusliche Ruhe nicht länger stören, Onkel Gustav. Meine Erfindung habe ich dir vorgesührt, mein rechtliches Gewissen ist lrernhigt schlaf wohl!"

Äe blickte ein werüg von oben herunter aus den ficr