„Ach und da nwllteu Sie ivüh! mal probieren, ob Sie es noch nicht verlernt habe::?"
„Nun ja, es kam: nicht schaden, wenn man ein bischen im. Training bleibt. Doch wenn es Sie interessiert, will ich Ihnen erzählen, wie ich dabei einmal fast das Genick gebrochen hätte und nur durch eine wundersame Begebenheit heil und gesund davongekommen bin.
Ich sagte Ihnen schon, mit welcher Vorsicht ich immer zu Werke gehen mußte, uni nicht die Aufmerksamkeit der wachsamen Feinde zu erregen. Früh morgens, ehe es hell wurde, begab ich wich auf meinen luftigen Stand und konnte ihn häufig erst nach Einbruch der Dunkelheit wieder verlassen.
Tas war natürlich keine Kleinigkeit, bei Wind und Wetter, bei glühendem Sonnenbrand, zwölf und manchmal mehr Stunden in dieser unsicheren Stellung zu schweben.' Tenn obgleich ein kleiner Sitz angebracht war, an bent man auch den Fernsprecher befestigt hatte, konnte m<m doch kaum von einem Sitzen sprechen.
Am unangenehmsteir waren mir die vielen feindlichen Granaten. Ich sah sie alle kommen und glaubte zuerst immer, sie flöge:: alle gerade auf mich zu. Doch daran gewöhnt man sich. Mit der Zeit wurde ich vollständig abgestumpft. Ich will es aber nicht leugnen, daß dieser überaus anstrengende Dienst meine Nerven sehr mitnahm.
Eine Entschädigung T>attc ich, ich konnte jede Nacht in. einem richtigen Bett scUasen. Wenn ich des ALeirds von meinem Baum heruntergerutscht war, mußte ich iwch ein.Stück zu Fuß gehen., Daun bestieg ich mein bereitgestclltes Pferd und iur Galopp ging es bis zu einen: kleinen, im' Walde versteckt liegenden Dörfchen.
Bei einer alten Frau hatte ich eine kleine, aber gemütlijchei Sttlbe. Vor einigen Monaten war ihr einziger Sohn gefallen, und ne hatte b-eit Schmerz iwch nicht überlvuiiden. Mich behandelte sie stets freundlich, ja ich kaiiu sagen, mit einer gewisser: Zilneigung.
lvlchl in mir reicht den Feind, sondern ebenfalls einer' Mutter Kind. Mein Verhalten ihr gegenüber war natürlich dem- entsprecheird höflich und rücksichtsvoll.
Ein Umstand kaur unserem guten Verhältnis sehr zu statten^ Tre Frau besaß einen wundervollen schneeweißeil Angora-Kater, aul den sie nun rvach dem Verlust ihres Solmcs ihre ganze Liebe' verschwendete. Alte Frauen pflege:: ihrer: Lieblingstieren eine große Menschenkenntnis zuzutrauen, urid da der Kater sich ganz be- sonders zu niir hingezogen fühlte, war es klar, daß ich eine gute» Seele haben mußte. In Wuklicksteit lag der Grund viel einfacher, ^.cr Kater war unglaublich gefräßig, urrd ich gab ihm von dem Leckereren, mit denen mich ineine Angehörigen ausgiebig versorgten, stets einer: Teil ab. Es war daher Tein Wuicher, daß er, sobald ich rm Dause ivar, rücht von meiner Seite wich mrb nirgends anders als:n meinem Zinnner schlafen wollte.
Eiiles Nachts war ich todmüde angekonunei: und warf rnich, ohne noch etwas zu genießen, halbangelleidet auf urein Bett. Sehr .bald verfiel ich in einen festen, aber unruhiger: Schlaf.
Plötzlich erwachte ich. Ich hörte ein merkwürdiges Geräusch, Vj? bald oben auf dem Dachboden, bald in rneincr Stube zu sein lchreu. L:e Nacht ivar zienrlich hell und ich tonnte zur Not die einzelnen Umrisse unterscheiden.
r ganz deutlich die Tür. Ich vernahm leise, schlei
chende Schrrtte. Mt einem Satz war ich aus den: Bett. Leider versagte meine elektrische Lampe. Aus der Ecke, wo der Ofen stand, starrten mir zwei unheimlich glühende Augen eittgegen.
unbegreiflich, !vie ich so erschrecken konnten Cnn lahrnendes Ent,ctzen l-atte rnich gepackt. Glücklicherweise kau: gleich daraus meine Wirtin, die das Geräusch auch gehört hatte, mit einer brennenden Lampe.
~ ^ U1 * ftärte sich das Rätsel auf. Es war der weiße Angora-
uatcr. Aber wre sah er aus. Kohlvechrabenschwarz! Gewiß war er aus Versehen ausgeschlossen worden, und hatte sich den Eingang :n das Hans durch den Kamin erzwungen. Nicht die Zimmer- tur, sondern die nur angelehnte Ofentür hatte geklappit, und esj waren seine im Dunkeln leuchtenden Augen, die mir einen solchen Schrecken emgcmgt hatte::.
Unwillkürlich mußte ich. lachen, doch meine Wirtin weinte und wiumerte. Ich woMe sie über ihren vermeintlichen Krrmmcr trösten und sagte, daß :hr L:ebl:ng nach einer gründlichen Behandlung mit Wasser und Seife s:cl>er wieder seine alte Schönheit erlangen würde. S:e aber unterbrach mich:
„Mein lieber junger Herr, nicht um den Kater bin ich in L>orge, louderu um Sie. Schon einmal ist der Kater durch deu rtanun gekrochen und den Tag dyrans fiel mein Sohn."
- ™ Üblich f:el sie vor mir auf die Knie und bat und flehte, ich solle doch nur den erneu Tag zu .Hause bleibe::, ich könnte mich ja krank stelle::. S:e hatte nnch lieb gewonnen wie ihr eigenes Kind und würde es nicht ertragen, wenn ich nun auch sterben müßte.
Ich schob s:e beiseite und sagte ärgerlich:
. " 5 können Sie nur von mir erwarte::, daß ich lvegeir
krnes solch unsmmgei: Merglaubms auch nur eine:: Augenblick ^.^^dmch't versäume. Und übrigens, wenn mich der Tod finden w:ll, so findet er mich auch hier."
Ta ging sie leise weinend hinaus.
An Schlaf war nun doch nickst mehr zu denke::. Früher als gt'wohnlvcb brach :ch aus. Ich hatte nickst viel Zeit, über mein näckst- Ixrfj'eS vn>e: i teuer nachzugrübeln. Tie Franzosen waren sehr rege, iljr ArtiUerieseuer rrntm: ständig an Heftigkeit zu. Sehr lästig
war mir die große Hitze und die unbarmherzig brennende Sonne. Dazu überfiel mich eine derartige Müdigkeit, daß ich nur mit äußerster Anstrengung dem Schlaf widerstehen konnte.
Auf einmal sah ich zwei schwere Granaten.in gerader Linie wie ein Zwillingsjxrar auf mich zukommen. Sie schlugen cn:ch etwa hundert Meter vor meinen: Baum zusammen ein.
Ta hatte ich eine furchtbare Vision.
Eine ungeheure Wolke von Qualm und Rauch entwickelte sich, die den grellen Blitz der krepierenden Geschosse dampfte. Daraus bildete sich ein riesengroßer Kater, das Feuer der Granaten ivaren seine glühenden Augen, sein aufgesperrter Nachen drohte mich zu verschlingen.
Hatte die Erzählung der alte:: Frau so auf mich gewirkt und waren mcmc Nerven schon derartig zerrüttet, daß dieser eingebildete Anblick mich ganz aus dem .Hänschen bringen konnte, war es die fürchterliche Hitze, kurz und gut ich bekam cinew Schwächeanfall und fiel von meinem Sitz herunter.
Ich wäre wohl zerschmettert unten angelangt, hätte ich rnich nickst noch rasch :::it Arme:: und Beinen an dem Stamm ange- klamn:ert. So rutschte ich mit affenartiger Geschwindigkeit herab. Zwar war meine Uniforn: zerrisse::, meine Häi:de bluteten, aber sonst war ich heil und unversehrt.
Kaum hatte ich jedoch den festen Boden berührt, als es über mir einen entsetzlichen Krach gab. Den Franzosen war es endlich geglückt, die Pappel zu treffen. Wie ein Strohhalm stürzte sie in sich zusammen.
Das Scherenfernrohr und mein kunstvoller Sitz lagen nicht weit von mir ganz zertrümmert auf der Erde. Ich :var zum zweiten Male mit den: bloßen Schrecken davongekommen und das Staunen der Kameraden fand keine Grenzen, als ich, der Totgeglaubte, ihnen munter und vergnügt entgegenschritt.
Immer lvieder habe ich diese Geschichte von meiner seltsamen und wmüwrbaren Rettung erzählei: müssen." —
Schweigend waren wir iveitergegangen. Wir kamen an eine Lichtung. Ein herrlicher Blick auf das friGliche deutsche Laich tat sich vor uns ans.
„O meine geliebte Heimat," rief mein junger Freilich entzückt „möge dir imn:er das schreckliche Elend, wie es die Kriegssnri« über jenes nnglüclliche Land verbreitet, erspart bleiben."
In diesem Augenblick brach die Sonne drnch die Wolken. Ihre leuchtenden Strahlen schienen unseren trunkenen Augen eine glückliche Vision, eine stille Verheißung zu sein.—
vermischte».
— Wie Edel metall rück st ände wiedergewonnen werden.- Wenn scho:: im Frieden die Rückgewinnung der Edelmetalle aus den verschiedener: gewerblichen Rückständen von gr'oßer Wichtigkeit war, so erscheint sie heute in Hinblick aus den gesteigerten Wert des Goldes von ganz besorchers hoher Bedeuttmg. Im Kriege, der auch zur Sammlung von Schmuckstücken aller Art zur Wiedergewinnung des darin enthaltenen Feingoldes für die Reicbsbanf veranlagte, handelt cs sich uu: zwei Prozesse: erstens um die Läuterung des Feingoldes aus den gesammelte:: Schmuckgegenständen und zweitens um die Ausnützung der gewerblichen Rückstände aus allen jenen Betrieben, in bcuen Silber uitb Gold verarbeitet iverderp Tie Wertgegenstände, die auf den Sammelstellen ernlaufen, enthalten Gold in den verschiedensten Käratcn und verschiedensten Legierungen, vielfach in Verbindung mit Silber, Platin und auch einer großen Anzahl von unedlen Metallen. Zur Gcnännung des Feingoldes gilt es vor allem, Jute einer Schilderung dieses Rück- gcwinnnngsprozesses von Georg Nicolaus in der „Umschau" zu entnehmen ist, den Schmuck von allen unechten Teilen zu befreien. Hierauf wird die zulückbleibende Masse in einen aus hessischem Ton verfertigten Schmclztiegel gebracht. Wem: der Inhalt, das sogen. Schmelz gut, flüssig geworden ist, wird Salpeter zugesetzt, der Tiegel :vieder verschlossen und zur Weißglut gebracht, in welcher er ungefähr eine Stunde lang verbleibt. Dam: läßt man ihn erkalten, und der Salpeter hat me Reinigung des Goldes bewirke indem er unechte:: Legierungszusatz, Bronze, Kupfer oder dergleichen zerstörte, wobei cs jedoch nicht gelingt, das Kupfer vollständig zu entfernen. Was bisher gewonnen :vlnrde, ist also vorläufig erst bloß eine Legierung von höherem Wert. Nunmehr wird der erkaltete Tiegel zerschlagen, das Schmelzprodukt, „König" gewannt, w:rd nach Entfenumg noch anhaftender Schlacken ein zweites Ma'/ geschmolzen, und zwar mit Zusatz von Borax, und dam: als sogen. Plansche u: eine eiserne Form ansgegossen. Schließlich walzt mar. d,ese Plansche zu dünnem Goldblech, das, in ganz kleine Stück« zerschnitten, durch ein Säurebad, meist reine Salpetersäure, aufgelöst wird, nwbei das Feingold in Gestalt eines schwarzbrauneu Pulvers auf den Grund der Lösung sinkt. Dieses Feingoldpulvep w:rd imt heißem Wasser ausgewaschen und nach der Trocknung wiederum mit Borax und Soda geschmolzen, lvorauf als Endprodukt das chemisch reine Feingold geivonnen ist. Wesentlich komplizierter :st der Vorgang bei der Rückgewinnung des Edelmetalls aus den gewerblichen Rückstmchcn, als da sind Maschinenteile, Attxntsgc.' rate der Juwelrenverkstätten, Kehricht, ja selbst Staub der Araetts- raunle, Arbeitskittel, Handtücher nsrv. An all diese:: Gegenständen, auch tu: Waschwasser, sammeln sich oft erhebliche Mengen ser.stcr Metallkeuchen an, die nicht verloren gehe:: dürfen. Die Gesara.heit


