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„Also nichts!" rief Maryan Batnmski im nächsten Augenblick und warf seine Karten aus der Hand. „Nur der
Diener." ^ -
„Besser ist besser," nickte der Abgesandte. Er ftecfte den Revolver in die Tasche zurück. Die Unruhe legte sich erst, als Kozlowski nach einiger Zeit zurückkehrte.
„Weil wir gerade von Nasgora reden, —. eben war ern Bote da. Man kann sich auf ihn verlassen. Nun, was geht s uns an: Man feiert Feste auf Nasgora. Das gnädige Fraulein hat sich gestern verlobt. Mit dein Dragoner. Wie HertzL
er gleich? Weiß der Himmel die deutschen Namen !' --
Vor den Augeii des Grafen wurde es finster. Er zitterte. „Versen?" Seine Stimme war heiser, als wäre es die
eines andern. ...
„Richtig, Bruder, Versen! Nun, was verliebt ist, will
Hochzeit halten. Das war immer so!" t// . . _ r
Und wir zünden ihnen die Brautfackeln an. rief ^chb- sczynski. „Ob mit, ob ohne euch, Schwert und Feuer über den Ketzer und seine Sippe! Und deine Antwort, Napoleon? Ich habe sie noch immer nicht!" , M -
Es war gut, daß die Köpfe voni Wem und von der Aufregung schon erhitzt waren. Im Trubel achtete man schon weniger auf den Grafen. Sein Gesicht hatte sich verzerrt.. Seine letzte Hoffnung war zusammengebrochen. Hanmr von Graßnick sollte Hanna von Versen werden. Wirre Bilder, wirre Gedanken jagten durch seinen Kopf. Er dachte au die Schlittenfahrt nach der Bekanntschaft mit Versen. Er dachte daran, wie sich schon damals alles in ihm gegen den blauen Dragoner aufgebäumt. Hatte er nicht damals den schwur getan, daß die ganze Welt Hanna von Graßnick eher haben sollte als Versen?
Und nun? . . .... , . ^
Nun war er der Besiegte, der Gedemutigte und Verschmähte. Und der Dragoner war der Sieger. Mochte kommen, was wollte, das durste nicht sein!
(Fortsetzung sotgt.)
Erlebnis im Nebel.
Von Mar Prels.
Grau imb trüb schlich der Tag durch die Straßen. Tie Schritte waren imfufrt und glitten auf den Steinen zögernd hin, Keuchende Pferde muOen sich!, di- straffen Muskeln nnt verzwerfelter Anstrengung anspannend, vor den Wagen, die mcht vom Fleck lammen wollten: die Kutscher schinrpften und fluchten rmd trieben, ,«lbst auf unsicheren Fügen stellend, die Tiere mtt den geschwungenen Peitschenstielen an. Tie ganze Stadt schien verdrossen rmd mürrisch und ängstlich zugleich zu sein, und wer Nicht mußte, blieb hübsch daheim beim warmen Ofen, wo die Lchrüte sicher über den Bretterboden oder über die weichen Teppiche führten. ^
Als der frühe Abend die grüngrauen Lickster in den Straßenlaternen ansteckte, tarn in die graue Eintönigkeit dieses Tages etwas Farbe. Eine fremdartige, mit dumpfen Reflexen fpielende Fartng- feit die in das hachdünne Eisnetz auf deil Straßensteinen schillernde Fäden webte. Alle Geräusche verhallten, so daß sich das ängstllckw Hasten der Menschen mit eurer unheimlichen Laittlosigiert abspielte.
Vitus Losert stand anr Rande der Fahrbahn und schaute m das matte Lichtspiel auf den Steinen hinunter. Ganz verträuntt stand er da und merkte es nicht, wenn ihn die Leute unfreundlich pufften. Erst als ein Wagen knapp an ihm vorüberfuhr, so daß rhn die Hufe der Pferde beinahe streifterr, sprang er zurück, strauchelte und konnte sich, nur mühsam auf den Füßen halten. „Das kommt davon, wenn man am Glatteis stehen bleibt und spintisiert," brummte neben ihm eine Stimme. Ta ging Vitus Losert ein wenig beschämt und ein wenig erschrocken weiter. Diese trüben Gedanken, in denen wunderbare Hoffnungen wie rote Lichter au fle achteten, schwärmten nun so dicht um ihn wie der graue Nebel, ans dem die Blendlaternen der Automobile und Wagen glozten. Vitus Losert war verzweifelt. Da rackert man sich, feint junges Leben herunter und Not, nichts als Not. Er war gewiß fleißig, v ja, das war er: und er hatte Pläne und Hoffnungen! und so viel nmnderbarc Ideen. Vitus Losert war. wenn man's im Grunde nahm, ein Künstler. Freilich, man durfte das nicht so ohne weiteres behaupten. Tapetenzeichnen ist schließlich ein Gewerbe wie jedes airdere und das Ersinnen neuer Muster vielleicht nur eine Geschicklichkeit, die Fleiß und große Uebung reifen. Aber Vitus Losert hatte den festen Glauben, daß die Tapetenmuster die er entwarf, kleine Kunstwerke waren. Allerdings er arbeite nur für kleine Meister. Es ivaren immer wieder dieselben faden Rosen, dieselben derben Ornamente, die er entwarf, immer dieselbe billige Herrlichkeit, wie sie der Geschmack der großen Menge begehrte. Aber er brachte dock) immer in diese gefälligen Rosen, in diese aufdringlichen Ornamente irgend eine seine, persönliche Nuance, die vielleicht nur ihm gewahr wurde. Und er hatte dieses heiße Verlangen, Besseres, Schöneres zu leisten, sich an der Wohnungs- knltnr geschmackvoller Menschen zu bilden, neue Muster zu erfinden,
sein Ziel war es, für Architekten zu arbeiten, sich von den: Dienste des Durchschnittsgeschmackes zu befreien. Aber immer wieder mußte er.zurück ins alte, eintönige Gleis, zurück zu seinen faden Blumenmustern, denn die liebe Not war jetzt stärker denn je. Er wagte sich, kaum nach Hause, denn wieder war ein Tag vergangen, an dem er keinen einzigen Anstrag erhalten, keinen Heller verdient hatte. Im Straßennebel irrte er planlos umher, fühlte sich, wie verborgen vor den Verfolgungen der Not und träumte seine künstlerischen Entwürfe. Unsicher glitten seine Schritte über den Boden, klebten fest, rissen sich wieder los, so wie seine Gedanken, die sich, an den Phantastereien wunderbarer Entwürfe festhielten und immer wieder strauchelten. Vitus Losert blickt? aus die Sttaßen- steine. Das hauchdünne Netz, das da gespannt war, mit den Reflexen der Laternen gesprenkelt, schien ihm wie eine Anregung zu einem neuen Muster. Wie schön ein Zimmer mit diesem Eisdessin werden müßte. . . . und eine schöne, vornehme Dame müßte drinnen wohnen . . . eine schöne Dame. . . .
orY . Tie Leute schrien aus. Geschäftige Lungerer rannten herzu. Alles umstand Vitus Losert, den eine elegante Equipage umgeranut hatte. (Bittemb hielten nun die Werde inne. Vitus Losem Ichwaudcndie ^inne. Schmerzen zerrten in seinen Gliedern und eine schwere Müdigkeit umstng ihn. Aus dem Eoupe stieg eine vornehme wunderschöne Dame. Kurz entschlossen nahm sic den Verunglückten in ihren Wagen. Sie fragte nach seiner Wohnung, er nannte halb im Traum eine entlegene Gasse. Ter Kutscher ließ die Pcrde lausen.
Tie Lust im Wagen war von einem leichten, feinen Parfüm durchzogen; Vitus Losert kam langsam zur Besinnung, er öffnete die Aiigen und ichaute die schlanke Frau an, die sich besorgt zu ilnn beugte.
„Fühlen Sie sich, jetzt wohler?"
„O, danke . . . ." sagte Vitus Losert befangen. Wie fein und schon die Dame war! Ihre Hände in den dünnen Lederhandschuhen, chr Gesicht, das unter einem großen Petzhut hervorlächelte, selbst ihr .Handtäschchen war so schmal und fein!
„Haben Sie schmerzen?"
„Oh .... nein ....!" sagte Vitus Losert und lächelte. Sie tastete vorsichtig an seinein Gelenk herum, das mehr und mehr anschwoll.
„Sie Ariner, oh, Sie Armer!" rief sie erschrocken und streichelte ganz leise über die schmerzende Stelle.
Vitus Losert schwieg. Er spürte, daß er jetzt etwas ganz besonders Feines urrd Höfliches sagen müsse, sich bedanken, um Verzeihung bitten — aber es stel ihm nicht ein, was er reden sollte.
„Ich — ich danke — Ihnen — recht schön," sagte er also verlegen.
„Sie danken mir — Sie? Aber Sie sind ein merkwürdiger Mensch? Mein Wagen.überfähtt Sie und Sie danken mir noch dafür?"
Nun sah sie chn von der Seite an, es kam nur das spärliche Licket der Straßenlaternen in den Wagen, aber Vitus Losert versuchte mit dem angeschwollenen Arm den ausgesranzten Rand seines Rockes zu verdecken.
„Sie sehen schlecht aus — Sfe tun mir so leid! —> Wie heißen Sie?"
Ganz plötzlich tauten in Vitus Loserts Herzen alle die Leiden hnd Enttäuschungen seines Lebens auf: und er erzählte der fremden, vornehmen, schönen Frau alles, alles, was ihm wehtat.
Sie streichelte immer wieder den verletzten Arm und sagte oftmals hintereinander: „Sie tun mir so leid, so leid."
Aber Vitus Losert wollte nicht bedauert werden; n>ar es etwa das Richtige für einen ganzen Mann und Künstler, neben einer schönen Frau im schaukelnden Wagen zu sitzen und zu flennen wie ein Kind? Oho! Er wollte dock! zeigen, daß er auch jemand war!
Und so begann Vitus Losert von seinen Tapetenmustern zu erzählen.
„Wissen Sie, gnädige Frau, wie Ihr Zimmer sein müßte! Also: ein mattgelber Grund und darauf hängende, blaßlila Flieder- doldcu, so schwerer Flieder, ja: das wäre das Schlafzimmer. Das Boudoir aber — das ntiifcte blau sein, ein sattes Grünblau: und eine Bordüre in Wellenlinien müßte es unbedingt kriegen."
,.Wie reizend, Herr Losert! Und warum muß das gerade so sein?"
„Weil — weil Sie so schönes rotblondes Haar haben!" sagte Vitus Losert und atmete ttef auf.
Das Licht, das die Straßenlaternen in den Wagen warfen, wurde immer dürftiger und blasser.
„So", sagte die schöne Frau, als der Wagen hielt: und sie selbst half Vitus Losert beim ?lussteigen. Er schrie leise auf: der verletzte Fuß schmerzte.
„Ick werde Sie bis in Ihre Wohnung bringen," sagte sie freundlich und stützte ihn leicht. Vitus Losert schämte sich, weil das Haus und die Treppe so elend und armselig Uxrr. „Kops hoch," dachte er, „aus mir wird schon noch was?"
N!mr standen sie vor der Tür zu seiner Wohnung: seine Schwester öffnete und brach in eine Flut von Worten und Fragen aus. Vitus Losert küßte der schönen fremden Frau ungeschckt die Hand.
„Bitte kommen Sic nicht ins Zimmer, intte nicht?" sagte er Sie sollte nicht sehen lim' elend es da aussah.


