Montag, drn 21 . November
Königsträume.
Roman von Karl Busse.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
„Der speiste Schnee und der sveiße Adler sind Freunde," murmelte Batranski. „Wir werden den Schnee im Walde, brauchen." - . . p c .
Nack) halbstündiger Fahrt aus der einsauren Chaussee hob Kozlowski die Peitsche. Das Signal ward weitergegeben. Dann ging der Beseht von Mund zu Mund: „Auspassen! Jeder Schlitten im Geleise des andern!"
Kaum erkennbar, führte links ein verschueiter Feldweg von der Straße ab. Aus diesen Weg bog der Schlitten- zug ein. Fünfzehn Minuten fast ging es durch die Emode der schweigenden Fluren liub Felder. Dann tauchte ein Waw auf. Der Wind pfiff, die Kiefern knarrten. Ein Ruck — die Schlitten hielten. ^ ^ ^ ^
„Hier sieht uns keiner," sagte Kozlowski. Dann legte er den Finger an die Lippen und drehte sich um. Ein Raub- vogelruf, kurz, gell, in so unmittelbarer Nähe, daß die Hände muvillknriich nach dem Revolver tasteten. Noch einmal ahmte Kozlowski den Vogelschrei nach. Von fern kam Antwort. Wenige Minuten später trat ein Mann aus dem Walde und näherte sich mit abgezogenem Hut den Schlitten.
„Hierher, Pjotr! Nun, wie steht's?"
Der Knecht küßte den Rocksaum des Gelneterv. ,,^ck) komme von Powicz, Euer Gnaden. Um 4 Uhr sind acht Dragoner unter Führung eines Wachtmeisters ausgeritten. Eine Viertelstunde später noch einmal acht. Bis sechs habe ich gewartet. Drei Mann traf ich, als ich davonrntt, aus der .Chaussee. Sie fluchten und erzählten, sie sollten das Kommando verstärken, das die Grenzchaussee beherrscht."
„Gur, gut. Wieviel bleiben also in Powicz?" ^
„Ungefähr fünf Mann, Herr! Sie halten, wie Taddaus Elgiet erzählte, den Dorfweg bis zum Grenzkreuz."
„Vortrefflich!" murmelte Kozlowski. Aus einen Wink war der Knecht an die Gäule herangetreten und hatte die Schellen abgenommen. Dann sprang er auf den Schlitten seines Herrn, und die Fahrt ging weiter.
Man hatte jetzt etwa nach deni großen Umweg Stral- kowo lvieder erreicht. Drüben rechts schimmerten ein paar Lichtpunkte auf: das war das Städtchen. Denn zur Jrresüh rung hatte man bei der Ausfahrt die entgegengesetzte Richtung eingeschlagen, die immer mehr von der Grenze abführte.
Der Weg besserte sich), und die Pferde konnten wieder kräftiger ausgreifen. An einem Kreuzweg sprang ein zweiter Knecht auf beit vordersten Schlitten und erstattete leise eine Meldung. „ r _ . .
„Es stimint alles, Freundchen," sagte Kozlowsri. indem er anhielt und sich an Bininski wandte. „Die sechzehn Dragoner, die in zwei Trupps zu je acht Mann von Powicz aus- ritten, haben sich vereinigt und deinen Wald besetzt."
Er lachte. „Die armen Burschen haben schweren DiensU Sie tun mir fast leid. Die ganze Nacht unterm Gewehr, und dann noch nichts fangen, brrr."
Eine Stunde später fuhren die Schlitten lautlos durch den Powiczer Forst. Es ging nur Schritt für Schritt vorwärts. Kein Wort erklang. Die Hände hielten den Zügel. Neben jedem Sitze lag griffbereit der Revolver. Man näherte sich der Grenze, und die Gefahr wuchs mit ledem schritt. A)ars spähten die Augen umher. Nur Siga Wendrewski, der Marquis, saß auf seinem Schlitten, als sei die ganze Geschichte höchst unwichtig. ^ c- ^
Der Wald näherte sich seinem Eirde. Er fiel ziemlich steil zum See ab. Die Pferde schnauften und wurden unruhig. _ rfa
„Absitzen!" rief Kozlowski deni nächsten zu. Der gab s weiter.
„Jeder nimmt die Gäule beim Zügel!"
Wieder lief das Kommando flüsterird von Mund zu Mund. Kozlowski prüfte den Weg. Dann packte er die Zügel dicht beim Maule. Den linken Gaul hielt Pjotr, der Knecht, während der andere Fornal, der sich beim Kreuzweg auf- geschwungen, mit dem Grafen Bininski die Gäule des zweiten Schlittens führte. Es sollten immer zwei Schlitten zugleich heruntergeführt werden. Vorher ward den Tieren noch ein Stück branntweingetränktes Brot ins Maul geschoben, das sie gierig kauten. „ .
Der Abstieg war schiver. Bei dem glatten Boden liefen die Pferde stets Gefahr, mit den Hufen hinabzupflügen. Mit aller Gewalt stemmten sich die Männer entgegen.
Es dauerte lange, ehe die acht Schlitten unten am Ufer standen. Eine-glatte, weiße Fläche, lag der See vor der kleinen Schar. Westlich davon Powicz, durch das die Stratze führte, die von den Dragonern besetzt war. Man mußte quer nach Osten herüberschneiden, um die Grenze zu gewinnen.
Nach Passierung des Sees ging es noch ein paar Minuten quer über die Felder weg. Dann knallte Lucian von Kozlowski heftig mit der Peitsche. m
„Brüder," rief er aus —, „Gott segne Polen! Die Grenze liegt hinter uns. Wir stehen auf dem Boden, für dessen Freiheit die Brüder kämpfen!"
Südwärts ging es weiter. Plötzlich ein Pfiff. Das Busch werk zu Seiten des Weges, auf den man gestoßen war und den man weiter verfolgte, ward lebendig.
„Halt!" kommandierte eine Stimme. Ein paar Büchsenläufe waren auf die Gäule gerichtet. Sensen hoben sich empor.
„Jecku," rief Kozlowski lachend, „da bringt man euch Gewehre, und zuni Dank wollt ihr uns totschießen/' Er sprang vom Schlitten. „Hie gut Freund. Wo steht Pad lewski?"
„Gott sei Lob und Dank, Ihr seid es wirklich. Ich dachte schon, Ihr wäret abgefangen." ..
Ein junger Mann, den grauen Mantel halb offen über dem rotwollenen Hemde, trat vor und streckte ihm die Hand


