fcent vielfach über'die Ausbreitung rmd V-eriverrdung des Verchpecher- dialekts in Deutschland die Meinungen geteilt sind, steht jedenfalls fest, daN in Berlin wie in jeder Großstadt die Verbreckser spräche noch ziemlich gebrriuchlichift und vorläufig auch kein Aussterbcn derselben crloartet werden kann. Me eurem von der Deutschen Strafrechts- Zeitung mitgeteilten Beitrag zur KemrtniI der Verbrecher spräche ju enttrehrnen ist, sck^eint die große Masse der Verbrectrer, abgesehen von der: geistig am bochsteherrdsten gclverbsmäßigen Berbreck-ern, wie Hochstaplern, Falschmünzern, HeiratssäMindlern, aus sozusagen „beruflichen" Gründen auf die Verbrechersprache angelviesen zu sein, die zwischen den Komplicen eine Art geheimen Bindemittels bildet. Ein Verbrech:r braucht den andereir zunr „Baldowern", zum Erkunder: der Gelegenheit einer Straftat, zum „Schmierestehen", d. h. zum Aufpassen ioährend der AnsWung der Tat, zum „Verschärfen der Sore", d. b. zunr Verkauf der Beute rrstv. Die meisten Verbrecher ernpfinden sehr deutlich die Kluft, die sie von den bürgerlichen Elementen, die sie selbst die „Anständigen" nennen, trennt, uird so bildet sichdenn von selbst eine eigene Sprach heraus, die den besonderen Sitten ihrer Kaste uird ihrem besonderen geistiger: Standpunkt entspricht. Als bestes Beispiel für die komplizierte Eigenart der Verbrechrsprach führt der Berliner Kriminalkommissar Metelmann einige Stellen aus Briefen an, die von einem Verbrecher an den arrderen gerichtet sind. Auf den ersten Blick erscheint die Sprach dem Unkundigen als ein Kauderwelsch voller unlösbarer Rätsel. So hesrßt es in einem Mief: „Blrii.be vorerst noch von mir weg, demr die Lampen wegen der Berlirrer Lerche sind da, sonst könnte/ die Sache noch mM werderr. Der Spindeknacker, welcher zu uns ins Kaffee kanr, als er ans dem Zucker Hans Lichtenburg entlassen wurde, ist mit meinem Sperrzeug abgefangen . . . Glücklicherweise hat mlir der Potsdamer Karl wieder ausgeholfen mit einer düsten Tändelei. Solltest Du Dich noch länger in S. . . aufhalten, so weist ich Dir einen duften Krampf." Die Uebersehung lautet: „Bleibe vorerst noch dorr mir Weg, denn die Berliner Leichenfledderei hat ihre Aufklärung gestruden, sonst könnte die Sach noch faul werden. Dar Geldscknankeinbrechr, welcher zu uns ins Kaffee kam, als er aus dem Zuchthausc Lichtenberg entlasten wurde, ist mit mei- nein Cinbrechrwerkzeug abgefangen. Glücklicherweise hat mir der „Potsdamer Karl" wieder ausgeholfen mit einem glänzenden Ein- vruchsdiebstahl. Solltest Du Dich noch längeren S. . . aufhalten, so tn>erst ich für Dich einen glänzenden Naubanfall." Roch charaktc- ristischr /ist die folgende Stelle: „Ich schleppe gegenwärtig die Affen zum Küinmelblättchn. Weißt Du nicht, wo der Sprirng-Athlet steckt? Er ist spurlos verschwunden Hoch kann er nicht gegangen fern, sonst Nrüstte ich es von seinem Bruder wissen. Ich hoffe, dast, wemk die Luft rein ist, wir wieder zusanrnrenkommen. Du wirst wohl keinen U,nschlag bauen." Die Assen zum Kümmelblättchen schleppen heißt in der Art von Bauernfängern Leute zum Kartenspiel bewegen. Hochgehen heistt verhaftet lver'den, und einen Umschlag bauen bedeutet untreu werden. Charakteristisch ist, dast die Bedeutung vieler Ausdrücke weniger erschreckend ist, als es den Anschein hat. So ist mit ,Leiche" nur ein Schlafender gemeint, und Leichenfledderei heistt Diebstahl an einem Schlafenden. Wie aus diesen wenigen Beispiele zu ersehen ist, bildet die Kenntnis der Verbrechersprache st'rr den Kriminalisten eine regelrechte Wissen- schaft, die zur Aufdeckung von Verbrechen äußerst bedeutungsvoll! ist. Man geht nicht zu weit in der Behauptung, daß der Kriminalist ohne dreses Studium überhaupt keiner erfolgreichen Tätigkeit mächtig ist.
vermischtes.
'Was ko ft et der Anblick des Niagara-Falles? Lbenn enr Amerrkaner vor dem majestätischen Niagara-Fall steht, rl> sein erster Gedanke der: wie viel Kraft wird hier vergeudet! Und als guter Geschästsmamr fragt er sich, wie viel der Blick, den er auf deu Niagarafall wirft, in Dollars ausgedrückt, wohl wert fei. Eiu Fachrnaun stellt hierüber in der in Chicago erscheinenden Zertschriit „Engineering and Contracting" eine Berechnung an, in der er zu dem Ergebnis kommt, daß der Anblick des Niagara mit lbO Dollars zu bewerten fei, was ihm übermäßig hoch erscheint. Tatsächlich uracht er damr auch einen Vorschlag, wie die Kosten eruräßigt iverden können. Der Aurerikaner verhehlt sich dabei nicht, daß es recht schwierig sei, den Wert eines Schauspiels zu ernrittelu, das die Natur ohne Gegenleistrmg vorführt. In runden Zahlen, so führt er aus, gehen im Niagarafälle 3 Millionen Pserde- kraste ungenutzt verloren. Dafür sehen allerdings in jedem Jahre rund eme Mrillion Besucher den Niagarafall, so daß für einen jeden 3 Pserdekräste während ei»,es ganzen Jahres ungenutzt ver- loren geheir. Er setzt nun 50 Dollar) als Jahrespreis für eine Pferdekraft des Niagaras an, und komnrt so zu dem Ergebnis, daß aus jeden Besucher 150 Dollars kommen, die mau in barem Gelds aewmnen könnte, wenn die gewaltige Kraft des NiagarafalleS, die bisher nur zu einem Teile ausgenutzt wird, restlos ausqebeutet würde. Was ist nun zu uracheu, um die 15O000 00O Dollars die die Besichtigung des Niagarafalles im Jahre kosten, zu retten? Sein Vorschlag lautet: Man soll Turbinenanlagen bauen, die zu gewissen Zeiten die gesamte Wasserkraft ausnutzeu, während zu anderen Zeiten das Elektrizitätswerk stillstehen rurd der Niagara- fall ivieder „in Betrieb" sein soll. Beispielsweise: We,m während
emer Stunde des Tages der Wasserfall flösse und während der üb Men 88 Stunden des Tages die Turbinen triebe, kostete der Anr * zk^wgarasalles statt 150 Dollars für jeden Besucher nur etwa 7 Dollars! Freilich wäre es wahrscheinlich, daß bei diese- ^egelung der Drnge sich die Anzahl der Besucher erheblich ver mindern würde, wodurch der Preis für den Anblick des Niaqara- lalles wieder stiege. Allein man könnte den Wechsel zwischen Kraftausnutzung und Kraftvergeudung ja auch beliebig anders handhaben, und so ist eS durchaus nicht unnröglich, daß die Arnerikaner, denen dre Vergeudrurg von 150 000 000 Dollars für Wasserkraft, die aus- genutzt werden könnte, sicherlich verdrießlich ist, in absehbarer Zeit Besichtrgungstage für den Niagarafall eirführen werden, während zu anderen Zeiten deS Jahres von dem gewaltigen Wasserfalle nichts zu Horen oder zu sehen sein wird, weil er sich fast lautlos durch die neu zu erbauenden Turbinenanlagen zwängeir muß.
Aus welchen Ursachen beruht die Eiterung der Wunden? Von den vielen tausend Verwundrrngen, die in den zwei verflossenen Kriegsjahren von unseren Soldaten schon ertragen werden mußten, ist ein erfrerilich hoher Prozentsatz glatt rnrd ohne jede Eiterung oft schon in wenig Tagen geheilt worden. Das wäre,r zumeist die von Jnfanteriegeschoffen. Trotzdem aber bleibt noch ein ansehnlicher Teil übrig, bet denen, sich bald nachher schon inehr oder weniger große Eiterungen einstellten. Namentlich Verwundungen durch Granatsplitter und Schrapnells weisen meist o'ese lmangen'ehme Begleiterscheinung auf. Wie koiumt nun diese gefährliche Eiterung zustande? Darauf gibt in der neuesten Veröffentlichung des „Kosmos" der bekannte uredizinische Schriftsteller Dr. Hermann Dekker in lichtvollen Arlsführungen treffende Antwort. Jmnrer xinb stets, sagt er, ist Eiterung die Folge eines Ein- orrngens von Bakterien in die Wunde. Eiire andere Entstehiurg von Entzündung und Eiterung gibts im gewöhnliche,: Leben nicht. Wie aber kourmen die Bakterien auf den Körper und in die Wunde?
.Erl sie in Millionenscharen überall sind: Im Schmutz des Bodens nicht nur, sondern auch an unseren Kleider«:, unsere,: Händen, kurz
\ 10 ** berühren und in die Hand nehmen. So ist eS kein Wunder, daß die Bakterien auch in die Wunde eindringen »lnd diese verunreinigen. Wenn aber trotzdein viele Wtinden nicht eitern, so komint das daher, daß der «nenschliche Organismus sich dem Werk der Verwüstrlng, das die Bakterien anrichten, mit Erfolg wldersetzt. Das rst dort möglich, >vo die Freßzellen des Lebenssaftes, die weißen Blutköroerchen, in der Mehrzahl bleiben, wo sie auch in die geheimsten Schlupfwinkel der Wunde eindriugen können und wo dre Bakterien keinen günstigen Nährboden finden. Daraus geht hervor, daß die Eiterung überall dort stattsindet, wo diese ^?^"^!etz"ng.en fehlen, ivo die Bakterien dem Zelle»rstaat erfolg- ^ch zu i/eibe gehen und wo in den: durch das verwundende Geschoß zertrümmerten Gewebe sich Schinutz rrnd Staub ansamurelir kouuen. Dort macht sich daun, unaushaltsam wuchernd, die widrige Maste von Millionen klebriger Bakterienleiber in der Wunde breit und wird zu einer eklen Quelle verderblicher Gifte. Ist das gefährliche Bakreriengesindel in der Mehrzahl, so greift die Abtötuug und Zersetzung der Gewebezellen der Nachbarschast rasch unr sich, und Knochen, Muskeln, Sehnen gebe«: bann widerstandslos neue frucht- bare Kermbödeu ab. Es ist also ei,r Kampf auf Leben und Tod, was uns als Entzündung und Eiterung bei Wunden erscheint, her- vorgerusen burct) das Eindringen feindlicher Bakterien, drirch die Bresche, die die Kugel des Gegirers in die Festung des nrenschlichen Körpers riß, wobei sie einesteils die Feinde gleich selbst mitbrachte, andernterls durch Mitreißen anderer Keinrträger ihnen das Ein- drurgen erleichterte. Nur wenn es den gegen die Feinde sofort aufgeboteneu Schutztruppen gelingt, der Eindringlinge Herr zrr werden, erfolgt die glatte Heilrmg, andernfalls muß der Arzt, der hier als Vormund des „ienschlicheu Zellenstaates erscheint, kommen und helfeil, ehe e? zu spät ist.
Logogriph.
Ehemals schuf es mit „l" in Spanien treffliche Waffen, Heute jedoch mit „rp* ist es viel furchtbarer noch, (Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösurrg der Skataufgabe in voriger Nummer: (Abkürzungen: tr — Treff, p — Piqrle, c — Coeur, car — Carreau, trB ---- Treff-Bube, pA — Pique-Aß, cD — Coerlr-Dame u. s. f.)
Da Ramsch nicht in Frage konrmen kann und auch Tournee nur beim Finden eines Wenzels günstig verlaufen dürfte, ebenso Grand leicht zu verlieren ist, so entscheidet sich Vorhand für Pique- Solo ohne Sechs. Das Spiel wird gewonnen. — Mittelhand hat: pB, cB, pA, pD, trD, tr9, cK, car9, car8, car7, im Skat liegen o9 nnd c7, Rest für Hinterhand. Gang des Spieles:
1. V. p7 M. pA H. pZ = - 21.
2. M. cK H. c8 V. cA.
3. V. p8 M. pD
4. H. cD V. cZ
5. M. car9 H. carD
6. V. p9 M. pB
H. carB = — 6. M. cB = — 15. V. carA
H. UB - - 4.
Die übrigen Stiche erhält der Spieler, welcher somit gewonnen hat.
Schrrstlettung. Fr. R. Zenz. Zwillingsrunddruck und Verlas der Brübl'fchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lanae. Gießen.


