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Die horiiggret.

Don Valentin T r a N d t (Nachdruck verboten.) *

Tie Honiggret war nicht nur auf aller: Dörfern ringsum, sondern auch in der Stadt wohlbekannt. Alle Hausfrauen, Köckinnen und Dienstmädchen wußten, daß sie der: reinsten Honig auf den Markt brachte und alle Bauern, die noch nicht ihre Wirt­schaft nur als Geschäft ansahen, sondern noch die Liebhaberei, der Bienenzucht nebenher betrieben, verkauften ihr aus alter An­hänglichkeit ihren Ueberfluß am liebsten. Sie wußte auch allerlei aus den Nachbardörfern dabei zu erzählen, was nicht imLand-, boten" stand, und war zu manchem Auftrag wie geschaffen, denn sie hatte auf den Höfen ringsum ihre Augen überall. Sie war ein kleines mUggeliges Weibchen mit gutmütig leuchtenden, ein wenig schalkhaften Augen und merkwürdig weißen Fingern. Nicht selten wanderte ein holder Brief in ihrem Korb hier und dahin und nicht selten Farn auch auf dem gleichen Weg eine süße Anwort zurück. Man hätte meinen sollen, ihrem rundlichen Leibchen wären die Wege beschwerlich gefallen, aber das war nicht der Fall. Sie ging beharrlich Schritt um Schritt, ohne Eile, und hatte eine wohltuende Ruhe, wenn sie einmal auf einer Bank am Herde saß.

Nehmt euch nur die Zeit, Andres. Schneidet nur fein sauber die Wabe aus. Ich trink erst ein Schälche mit eurer Frau."

Und wenn bei dem Schälchen Kaffee zwei Stunden verflossen waren, dann schlug sie auch kein Vesperbrot aus.

Und wenn ein Wagen denselben Weg hatte, dann fetzte sich die Honiggret gern mit ihrem Korb hinten auf das Wagenbrett und fuhr ein Stückchen mit. Einmal hatte sie das Unglück, daß die Pferde plötzlich an ansteigender Straße anhielten und sie vornüber Mit ihrem Regenschirm in den Straßendreck flog.

Ich dank auch recht schön", sagte sie nur, rappelte sich auf Und ging lachend weiter.

Nachher saß", die Honiggret oben im Walddorf in der Mche vom Gr eben Hof.

Es is 'n schlecht Honigjahr Heuer; aber ebbes werd ich schon zusammen kratze" sagte der Bauer, und als er hinaus getappt ^

war, 7ieiche sich fein Weib über die Händlerin.

Wißt ihr mir kei Mädche vor unseim Franz? Das is so ei un­gehobelter Bursch, so ei stiller Hampel, der's bcr keiner wagt. 'Aber es muß doch mal eine auf den Hof."

Das wird schwer falle; es kann aber auch leicht sei. Je nach­dem. Da is die Marie in der Grenzmühl. Das is ein forsch Weibs- Mensch. Arme hat die un Arbeitskraft! Tie schafft dem liebe Gott die HimmelswieS au einein Vormittag zu Heu. Ja, ja. Aber auch dem^Steinhauer sei Lies biß am End an den Grebehof. Taler habt ihr ja auch. Aber die is ei wenig obe hinaus. So was Feines hat sie."

Ter Bauer meint die Torte aus dein Greinerg'höft in .Dorselde."

Die? Die is ganz mannstoll. Freilich. Aber Sie verdreht am End euerm Alte noch de Kopp."

Ne, ne, dann net."

,Wann's net so regne tät, als Wann der liebe Gott uns all versaufe wollt, tät ich euch den Gefalle un ging über'n Wald zum Weidebauer, der hat auch ei. Die Christine. Ihr Bruder hat in vierzehn Tag' Hochzeit und da wird sie überflüssig. Die könnt ich euch auch empfehle. Sie hat ein schwer Aussteuer, nebeber ein Vatze Geld und ei anständig Fratz im Gesicht."

Da kam just der Bauer mrt einen! Steintops voll Honig und die Bäuerin sagte:Unser Jung könnt die Gret ei Stück über'n Wald fahre? Sie hat beim Weidebauer auch noch ein schwere Topf Honig stehe."

Hat der dann wieder Biene? Ei? Bei dem Wetter?"

Es Nluß ja net sei," erklärte die Gret gutmütig.Ich patsch auch so hin."

,No ja," willigte der Grebenhofer ein,da kann er auch gleich zusehe, ob er ein Fohlen im Stall hat."

Die Händlerin deckte das weiße Schutztuch über ihren Korb und lachte in sich hinein. Nachher sie noch ein Brot mit Schinken, während eingespannt wurde. Und dann ging's durch den Wald. Der Regen Prasselte auf die Blätter. Die Gret busselte sich eng an den Franz.

Siehst du, Bub, wann ich ein jung Weib wär', dann wär's

was. Aber so ein alt' Tier."

Er wippte mit der Peitsche und sah quer in den Wald hinein.

Nach dir griff schon ei' jed'."

Glaub gar. Hab' noch nix gemerkt."

Weil du blind bist. Du meinst gar, die Mädel stürzte sich auf dich, wie ich mich auf den Honig? Glaub's gar, Jung. Hier mal ein Kuß und da mal ein Stupps. Wann ich nett so verhutzelt wär, tät ich sage, küß' mich null."

Auf der Waldhöhe am Wirtshaus der Steinbrenuerei hiel­ten sie an und tranken einen süßen Schnaps.

Siehst du, wie dich das Wirtsmädel begafft? Die nähm' dich hinterm Tisch weg."

Und als sie wieder unterwegs waren, wußte sie ihm die Ehe blau in blau zu malen.

Bei dem Weidebauer fragte die Gret in einem Atemzug nach Honig und einem Fohlen. Den Honig wollte er holen und das

Fohlen wäre wohl schön. Die Christine könnt ja dem Grebehofer Franz das Pferd weisen, sie verstand' doch nichts davon und hätte auch nicht viel Zeit, sagte die Gret, ging aber dann doch mit den jungen Leuten in den Stall und bändelte zwischen ihnen! mit allerlei süßem Gered an. Aus einmal war sie weg und stand neben dem Alten im Milchkeller.

Den Topf wieg mir später zurück, Weidebauer."

Gefällt dem Bub das Fohlen? Aber der Bub kanft's ja net."

Aber vielleicht gefällt ihm die Christine."

Der Weidebaner brummte etwas in den Bart und tappte hart über den Hof nach dem Stall. Aber da kam schon der Fran? heraus.

Der Goldfuchs wird schon meinem Alte passe."

Und er hatte etwas in den Augen, was dem Bauer auffiel. Dann guckte er wieder nach der Statttür, ob die Christine nijdjjt auch käme.

Natürlich kommt's nun auf den Preis an."

Da ließ der Bauer von dem anderen Gedanken. Es sprach ja da einer etwas vor: Geld.

Das wird sich tzabele. Mei Schwiegertochter bringt ja ei Stnt mit einem Fohle mit. Da wird der Stall zu voll."

Unterdessen saß die Honiggret bei der Hausfrau, die wieder die Gicht in den Knochen hatte, beim zweiten Schälchen Kaff«! und erzählte vom Grebenhof und seinen praktischen Ställen imd großen Scheunen. Und was der Franz für ein braver Bursch wär', sagte sie, bei den: Wetter hätt' er sofort eingespannt, als er gehött, sie müsse zum Weidebauer. Der verdien ei' wacker Weib.

Da soll er sich ei' greife."

Ich tät's.mit dem Gaulhandel aus die lange Bank ziehe."

Aha Gret."

Jetzt kam der Bauer mit dem Honig, dem Franz und der Christine, die ein beleidigtes Gesicht machte.

Die Christine will net, daß 'b<a3 Fohle verkauft wird. Sie meint, brächt' unser Schwiegertochter eins mit, könnte mir für sie auch alle Jahr eins auf'm Präsentterteller habe."

Dann kann Je ja freie, dann hat. sie 's."

Das kann sie," sagte die Grete, trank aus, setzte den Honig­topf in ihren Korb und machte sich zum Gehen fertig. Der Regen hatte ausgehört.

Ja," meinte sie pftfftg,wenn die drobe im Steinwerk auch auf euer Hochzeit komme, könnt ja die Christine mft der gut Gelegenheit zum Einlade mitfahre? He?"

Jeder wußte etwas dagegen, bis die Honiggret das Mädchen zwischen sich und dem! Franz auf dein Sitz hatte.

Allweil halb ich aber ei recht Last Honig bei mir. Zwei junge Leut, die Schcktzlent sei' könnte, meiner Seel. Und dazu zwei Döps Honig. Haha. Aber du mei Gott, da Hab ich ja mein Korb vergesse. Franz, halt, ich muß zurück! Blieib nur Christine, bleib nur! Fahr 'langsam, Bursch! Ja, wann du mich auf dem Kops trage könnst, Christine, dann tät ich sage, geh hin."

Und schon war die Häirdlerin um die Wjegbiegung. Als der Wagen langsam bergauf ratterte, drehte sie sich und ging ihm nach. Ha, wie saßen die zwei da vorn? Der an der einen Wagenleitcn imd die an der anderen! Freilich; der Landjäger kam ihnen ent-> gegen geritten. Als der vorbei war, sah es aus, als säße nur ein dicker Kutscher auf dem Bock. Da beeilte sie sich, daß ihr fast der Atem aus ging.

Haalt! Ihr habt den Honig da vorn doch."

Nun hockten wieder zwei ans dem Wagen. Und richtig, hinter ihnen stand der Korb unter den: zweiten Sitz.

Die ist verrückt!" sagte der Bursch.

Das ist sie auch! Aber morge Abend bin ich sicher wieder auf dem Steinwerk."

Die Honiggret schob die jungen Leute wieder dicht nebenein­ander und hatte in dem Wirtshaus Last, den Burschen zur Heim-- fahrt zu überreden.

Das Mädchen hi7tter dem Schanktisch hatte die Honiggret ge­fragt, vb sie nicht merke, daß die beiden verliebt seien.

Nicht die Spur."

Ans dem Grebenhof wußte sie mehr zu erzählen. Die Christine hätte zwei KüHe, ein Pferd wtb ein Goldfuchsfohlen, fünfzig Stück Leinen, allein ztvanzig Stück Wldzeug dabei, und so an ein halb Dutzend Tausend Taler. Das paßte ja. In der Nacht blieb sie im Hof zn Gast.

Der Honig war billig für sie geworden: aber als sie aus dem Mark! gegenüber der Post hinter ihrem' Korb hockte, sagte sie allen Leuten, die Ernte niäre diesmal sehr schmal, der Preis nur etwas höher; aber der Honig auch noch zweimal so süß wie sonst.

.Ja, ihr lacht, ihr Mädchen! Wer von dem schleckert, kriegt so ein süß Maul, daß 'n sei Schatz immer fort an einem hin küsse Müß. Ja, ja. Mer er kost't zwanzig Pfennig mehr."

Die Honiggret ist ein Segen für die Gegend.

Aus demWortschatz" der Verbrecher.

Unter den vielen Dialekten, die sich in jeder Sprache nach ge­wissen beruflichen Gruppen bilden, ist bekanntlich der leider in allen Ländern noch häufig genug vorkommende Berbrecherdialekt beson­ders kompliziert. Aber nicht nur aus reiner Neugierde und aus ethy mol ogischein Interesse, sondern auch ans sehr praktischen Grün­den ist die Erforschung der Verbrechersprache von Bedeutung. Trotz-