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Vermischtes.

' Französ i fch e Schul en in der Feuerlinie. In

-enenfranzösischen Ortschaften dicht hinter derFront, deren Bevölkerung

dis jetzt noch nicht zu flüchten brauchte, geht der Schulunt erricht fort, wenngleich ihn natürlich der Krieg vielfach verändert hat. So ist z. B., wie dieRevue des Deux Mondes berlchtet, in Böthune die Knaben- und Dtädchenschule in einem Schulgebäude zusammengefaßt worden. Die Lehrer und Lehrerinnen dieser ge­fährlichen Gegend Bethune ist bereits von über 3000 Granaten getroffen worden versehen ihren Dienst freiwillig und habe,» sich verpflichtet, auch bei heftiger Beschießung am Platze zu sein, während die Kinder in diesem Falle fehlen dürfen, wenn sie wollen. In Bsthune, ebenso wie in Arras, Soissons, Pont-L-Mouffon ist den Kindern ganz genau eingeschärft worden, was sie tm Falle dringender Gefahr zu tun haben. Jedes Kind hat auf dem Platz vor sich seine elektrische Lampe zu liegen und weiß, daß e8 sich der einem bestinnnten Glockenzeichen sofort in den Keller zu begeben hat. Dann werden, wenn nötig, Gasinasken verteilt, deren Ge­brauch den Kindern durch regelmäßige Uebungen vertraut ist und in, Keller, dicht aneinander gedrängt, warten die Schüler, lns d,e Lust draußen wiederweniger dick- geworden ist. Wenn irgend angängig, wird der Unterricht auch unter der Erde fortgesetzt. Suchen in den meisten bedrohten französischen Städten die Schul­kinder nur gelegentlich die Keller auf, so sind die Schulen in Reims vollkommenKellerfchulen* geworden. Nachdem iin Oktober 4914 der Schulanfang durch die Kriegsereignisse unmöglich geworden war, ka,n einem erfindungsreichen Kopfe im Dezember der Ge­danke, die Champagnerkellereien als Schulgebäude einzurichten. Raum genug war ja da, denn diese Kellereien, die sich zivei bis zehli Meter tief in die Kreide eingraben, ziehen sich in einer Breite von 5 bis 10 m mehrere km unter der Erde hin und erreichen eine durchschnittliche Höhe von 3* m. Die Feuchtigkeit soll nicht allzu groß sein und für Erneuerung der Lust sorgen die Oeffnungen, die in gewissen Abständen die Kellerdecke unterbrechen. Freilich, die freundliche Sonnenhelle ist durch das elektrische Licht nicht zu er­setzen, doch haben die Franzosen grüne Pflanzen mit in tue Keller- klaffen genommen und an den Wänden die Bilder ihrer Heerführer aufgehängt. Die erste Schule wurde in dem bekannten Weinhause von Pommery eingerichtet. Bald folgten die anderen Weinhäuser nach, und so entstanden die Joffre-Schule, die Dubail-Schule, die Albert-Schule und andere. Durch Kisten und Weinfässer, die bis zur Deckenhöhe aufgestapelt werden, sind die einzelnen Klaffen der­selben Schule von einander getrennt. Besonders eigenartig ist die Dubail-Schule, deren Riesenraum durch eine breite Zeltbahn in zwei Teile geteilt worden ist. Aus der einen Seite sind Reserve­truppen untergebracht, während auf der anderen Seite vier Schul­klaffen Platz gefunden haben, in denen auch ganz kleine Kinder bis zu zwei Jahren herunter - beaufsichtigt werden. Diese Keller­schule liegt am weitesten nach vorn ist sie doch nur 1800 Meter voin ersten französischen Schützengraben entfernt. Der halb er­stickte Kanonendonner, der die dumpfe Begleitung der Unterrichts­stunden bildet, ist Groß und Klein zur Gewohnheit geworden.

* I o f f r e als Briefmarke. Die Schriftleitung eines schwedischen Blattes hat unlängst eine neue französische Feldpost­karte einsehen können und teilt nun mit, daß die Franzosen ihren Generalissimus Joffre jetzt an Stelle einer Briefmarke aufihren Feldpostkarten verwenden: in der rechten oberen Ecke prangt tatsächlich eine Abbildung Joffres! Freilich ist es nicht Joffre allein, der dieser Ehre teilhaftig geworden ist, sondern er mutz sich in sie mit dem Schöpfer der Marsellaise teilen, der in einer anderen Ecke abgebildet ist. Darunter steht der Kehrreim aus der Marsellaise Am armes, citoyens. _

Vüchettisch.

Hessenkunst 1917*. Soeben bringt der Verlag von N. G. El wert in Marburg den KalenderHessenkunst 1917* (1,60 Mk.). Allen Kunstfreunden ist dieser Kalender, der nunmehr im 11. Jahrgang erscheint, schon längst ein lieber, alter Bekannter. Waren es in den seitherigen Jahrgängen Otto Ubbelohdes Zeich­nungen, die dem Kalender vornehmlich sein künstlerisches Gepräge gaben, fo hat diesmal ebenfalls einer unserer besten jüngeren Graphiker, Hermann Kätelhön, den künstlerischen Bildschmuck übernommen. Müssen wir schon über die vielseitige Begabung des Künstlers, über dessen Schaffen Dr. Gronau, der Direktor der Kasseler Gemäldegalerie, näheres mitteilt, staunen, so steigert sich unsere Bewunderung noch inehr beim Betrachten der Bilder Her­mann KätelhönS; seien es die feinen Radierungen von Laud- schaften, oder die hervorragenden Portrait-Zeichnungen, oder die Monatsbilder, die in Federzeichnungen dem Kalender beigegcbcu sind. Mit Uebersendung dieses Kalenders wird unseren Feldgrauen sicher eine außerordentlich große Freude bereitet; zeigt erjdiesen doch aufs deutlichste, daß unter ihrem Schutz Wissenschaft und Kunst in Deutschland sich ruhig weiter entwickelt haben. Der Umstand, daß der Kalender von den: Kriegslärm, der jetzt alle Welt durch­tobt, fast nichts verrät, wird sowohl in der Heimat, wie draußen im Felde besonders angenehm und wohltuend berühren. Auch an unsere Gefangenen wird er anstandslos gesandt werden können. Neben den Zeichnungen KätelhönS finden wir eine Anzahl wert­

voller Arbeiten erster Fachleute mit zahlreichen Abbildungen. So einen Aufsatz überOberhessische Möbel" von Back, dem Direktor des Großh. Landesmuseums in Darmstadt, ü-berAlte Brunnen auf dem Land" von Geh. Baurat Walbe in Darmstadt. Ferner sind noch die Herren Professor Rauch, Archivdirektor Küch, Dr. H o l t m e y e r, Dr. N e u b e r und Dr. Klingelschmitt mit Beiträgen vertreten. Alles in allem dürfte auch diesmal der Heffenkunst-Kalender* wegen seines künstlerischen Wertes und feiner vornehmen Ausstattung an allererster Stelle unter ähnlichen Unternehmungen in Deutschland stehen.

Aus der niederrheinischen Franzosenzeit. Als neuer 1 Mark-Band der Wiking-Bücher erschien im Verlag der Wiking-Bücher, Leipzig, ein Roman von Walther Schulte vom BrühlDie Ohnehosen*. Mit der Lebendigkeit und Farbenfrische, die dem Verfasser in seinen historischen Romanen besonders eigen, führt uns der Dichter in die in der Erzählungsliteratur noch wenig behandelte, aber sehr interessante Zeit des Einfalls der fran­zösischen Revolutionsarmee, derZauseulottes", derOhnehosen* in die niederrheinischen Lande und zeigt, wie dieFretheitshelden* damals hausten.

Der Völkerkrieg*. (Herausgegeben von C. H. Baer, Verlag von Julius Hoffmann, Stuttgart.) Unter den Kriegs­zeitschristen hat sichDer Völkerkrieg* nun ohne Zweifel zu einem bedeutenden Ansehen durchgerungen. Er will nicht der Neugierde dienen, die sich jeweils an die letzten Ereignisse auf den Kriegs­schauplätzen heftet, sonder»i behandelt in zusammenhängender, wohl- geordneter Weise Abschnitte des Weltkrieges, die abgeschloffen sind und über welche eine hinreichende Vollständigkeit der Quellen vor­handen ist, um eine erste geschichtliche Darstellung zu versuchen Wer die Probe darauf anstellen »vill, wie demVölkerkrieg" diese Aufgabe gelingt, dein empfehlen wir da? Lesen der gegenwärtig erscheinenden Hefte (die neuesten sind 93 und 94; Preis je 30 Pfg.), in denen die große französisch-englische Herbstoffensive von 19lb und die deutschen Gegenangriffe behandelt sind. Den Höhepunkt der letzten Hefte bildet rvohl die packende Schilderung der Herbst­schlacht in der Cha»npagne.

- Hess es Volksbücherei. Nr. 10971104. Preis jeder

Nummer 20 Pfennige. Leipzig, Heffe & Becker Verlag. In Heffes Volksbücherei, dieser allbekannten wohl'eilen Sanunümg, sind wieder inehrere Bändchen erschienen, die als fesselnder Lese­stoff willkommen sein werde», und die sich auch vorzüglich als Liebesgaben eig»»en. Nr. 1097 (Meine Bildergalerie") enthält an­mutige Novellen des vor kurzem verstorbenen Wiener Erzählers Balduin Groller, Nr. 1098 (Der große Unbekannte*) spannende Kriminalgeschichten des vielgelesenen HanS Hyan. I»» Nr. 1099 berichtet Dr. Hermann Ullinann über die Erlebnisse, die er in Polen und Frankreich als freiwilliger Krankenpfleger gehabt hat. Nr. 1100 bringt die berührntenHochlandslieder" und Nr. 1101 die nicht minder berühmtenNeuen Hochlandslieder* des DichterS Karl Stieler. Eine prächtige Gabe für die Schuljugend sind die kleinen ErzählungenGold und Eisen" (Nr. 1102) aus der Feder Paul Krauses, eines Lehrers; wertvolle Kriegsbilder des bekannten Novellisten Kurt Küchler (Allerhand Kriegsvolk") füllen die Nr. 1103. Eine Reihe von köstlichen Skizzen aus dem Deutsch­land des Friedens legt Leonore Nießen-Deiters vor (Nr. 1104: Mein schöne« Deutschland"), die sich vornehmlich als Humoristin einen Namen gemacht hat._

Schach-Aufgabe.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Rätsels in vorig« Nummert Seide Seidel.

Schriftleltung: Ir. R. Zenz. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.