Die Mdenspiilme.

Bon '^nul Ale^anfer Schettler. ®

(Nachdruck verboten.)

Buchhalter Semmelmann, jetzt Kanonier Si'nrmelmonn, hatte feit Alfriede Semmel-mann, gcb. Unverzagt seine Kn-'gs'tranuiig Vollziehen lassen. Einen Tag nach diesem wichngcn Schritt in seinem Lehen tat Kanonier Semmel,-.tann den zweiten, nämlich in das nächstbeste Rckrutendepot, um seine, dem Vaterland ge weihten körperlichen Talente zum Dienst eines Kanoniers gehörig vorzubilden.

,,Und vergis nicht, Tante Linas Palme zu pflegen," war sein letztes Wort an seine jnne.e Frau genasen, als er Abschied nahin. Das bleiche Gesicht in ein Taschcnruch pressliid. hatte Fricdchen Unverzagt, jetzt Fra« Elfriede Semmelmonn, ihr«»» absahreiiden Gatten gehorsam nack^cruckr, hatte einige Male mit dem Tascfen- Ulchlein gewinkt, und tveg war er, ihr Emil, ihr Mann, nach einem Tag junger Ehe.

Trüber Gebansten voll hatte' sich die junge Frau in ihre Wohnung heimbegeben, die so reizend stilvoll eingerichtet »var und ihr nun so leer und einsam erscheinen mitftfc, nun. daer" fort »var, ihr Emil. Kaum kannte sic es recht fassen. Vorgestern noch die fröhliche Hocfeeit im kleinen Kreise, und lxitte - o Gott, wie still würde es in ihren« trauten Heini sein ohne ihn. Freilich, sie hatte sein Bild, und dann würden seine Briese kommen, richtige Feldpostbriefe und - ach ja, die Palme, seine Palme. War es nicht sein letztes Wort gewesen, das sic sie pflegen solle? Er Mutzte doch viel von ihr holten, oder vielleicht auch von Tante Lina, die ihnen dieses sinnige Hochzeitsqeschenk gen,acht hatte.

Ach, der gute Emil, er wüste nicht, daß cs schon Tradition bei Tante Lina war, wenn sie zu Hochzeiten Palmen schenkte. All ihre Schwestern, Marie. Else und Martha halten zur HockMÜ ihre Palme bekommen. Das war nun schon etwas so Natürliches irr der Familie Unverzagt, daß man über Tafte Li,ms HochzeitspUme in weiter kein Ersannen geriet: in allen jungen Haushalten, nrtt denen Tante Lina verwai.disck,östliche Besetzungen pflegte, prangte eine inehr oder minder große Palme, df.- ge,vis nicht so alltäglich war w-c du- übliche Bvwleuferrme oder das Gemälde vom Mohr von Venedig, die aber bcn Vorzug hatte, daß sic der Pflege fe-Uirfte, also daß sie und ihre Gebern» uickp so schnell dem Fluch? des Ver- Hessens anheim sielen.

Außerdem sieht solch eine Palme doch sehr nrtt aus,sch?" pflegte Tante Lina jedesmal ihr GrschenS zu rochtseriigen und daß es in redes Heim passe, und sei es auch j.o f-chc imIügenfetil" gehalten wobei bemerkt fei, daß lür Tante Lina der Begrifs Moderne in den, Wort Jugendstil ausgedrückt iwv.

Von dieser Gewohnheit der guten Tante ttmfee nun f«ulick) «-»«dchens Ermt nichts und so hatte auf sein gutes Geuiüt dieses Geschmt wohl besonders Eindruck gemacht. WGordem (Kittv die Taule fine geistreiche Nuance gefunden, mit der sic ihre diesuml fällige Familieiipalme lächelnd eiusührte. Als gute Vorbedeutung solle das junge Paar sie hinnehmeu, hatte sie gesagt, als eine Bor bebcuiuug für den baldigen Frieden, und die Rückkehr des jnnaen Gatten in du Arme seiner sc hu süchtig ferrenden Gattin. Als eine Friedenspalm-e" solle sie dann die W-tednoeoeintgiing zweier nebenoe»- Herzen mtt ihren tveheudtti Palmienwedeln segnen und dem Zungen Glück ein Symbol und Hausgeist sein.

Sc' oder so ähnlich hatte dieser Speech gelautet, den die Tante vom Stapel gelassen: E»uil hatte ihr sichtlich gerührt die Hand ge- ^ückt »nid d»e umstehende,» hatten gelächell und genickt. Nur sie, Elfriede, und Onkel Kvsimir lvaren nicht gerührt getves«,. EliriEde, e? lmschöu empfand, ein Trope», ge wachs in einer euxw p« fchen, dazu noch modern eingerichteten Wohnung, Onkel Kasimir weil er wie gewöhnlich schon zu tief ins Glas geguckt hatte ,md seine K>r»eascr«ebu»sse »n Wildwest zum best«» gab.

g Aderm-ochte sie sich auch, ans der dummen Pulnu- nichts machen, ff. genügte, daß Emsl sie schätzte, und seine Mahnung sollte ihr ;v$ 4 J fni - bie Dalure icklcgen, daß er, wenn als

^n7am. s«ne Freude daran haben würde. Für ihn hätte sie ja "les tun können,.warum sollte sie da nicht seinen Wunsch erfüllen?

Und als sie in ihrem Heim angekommen, betrachtete sie »rock'! nninal so freundlich, als bisher, die große Palmen st an de, die int «rtWiirmvt stand, und es war ihr, als ob sie beim Anblick dev gjwcnflwi Bananenpflanzeseiner" besonders innig gedenken

Mein Gott, was spar da§r Beim näheren Betrachten der ^pfpslanze entdeckte s»e, daß eines der langen Mütter braune Veck? anftmes. Elfrredchen war ge näß ohne gärtnerische Talente, ^iel glaubte sie gelernt zu haben, daß sie annahin. daß grüne Blätter habe, daß braune Blätter ein Leichen des Absterbens und Bertrocknens seien ,»nd daß gegen Ber- j^en das Tranken helfe. Mo füllte Elfriede ich- zierliches Mießkännchen nnt ^Sasfer und tränkte die durstige Palme.

g ^^chrak jedoch sech heftig, als sie am nächsten Tage sest- te, daß die braunen Flecke ans den» pp. Matt nicht a^ imrdeu »vareii, sich viel inehr vergrößert halten. T-iesiual fürste Besorgte das Girükauuche>, gleich zweimal mit Masse»- und »oiczzte den Durst der Frieden spalme.

Ich Kc.mkl," nwuologicrle die Palmen Pfleger in da bei . »che konnte ,ch auch danken, daß solch große Pflanze nur soviel Wasser brauckü wie die Äcraniea."

<*, nm ?°^lten Tage war nieferfchfegrnd Toe rw -

77?," bttte sich noer und über mit Braun bezogen, es war spznsaqen Elfr,ede.war ganz, unglücklich.Fa, .mevicl säuft de,.., B,cft? schalt sw verzrorLfelt, und goß drei Giüküunen Mi) ^e Trove»Mai»ze, daß der ganze Erker bald unter Waffe. stand --ci ns cd) schrieb sie emen Brief an ihres, Emil, der ganz Sarg- für Soldaten, und sie, die F-riedenspalme, war. iL2 * r *°* «nt iv-t»blicker Schläue omt Iw»- präiMige«

~ "«Ä baß lie. die Palme, bereits «euf «nch nicht nach, die P«;,ne

fleißig gießen und besprengen.

-f l, V^ U lS l dir Palmeiiiiatur »fiivfen, « Ec Äk ' ubci.dics, Behoxdlun» bcimruAgt acwesa, So abci vcr- stand cr cbcnsoweing von dcr Scclc ci>icr Pa,ic mit wiiHThout. norf) von b« (ikitx-Inicrfc. Sem Brief !var ga,^ von Sl»^ rrffitlt u i b. 1 1üiiüt- Vemutsart feines imiflot Deibcs, die sich in der Snlmrnpslrqe IN feiner Art chend tat. So handelte mich s?in Br »er

,md GEeNavv^' 8"^' * r aiU>fr 00,1 T<h"1i,cht

f fl,n ß ?'»"s spirlte auch fürderhin die lvn^igsk fvm livJti Kvrrespondenj beider Ehe«ttcn Nicht allen,. Ä 'ir Mm «n-elpuiM in allen Frafsen des häuslichen G-üekeS oder des desselben wurde, es liesje» ,'jch auch, allerhond hiibsche !v., MuÄr,f '' a " t an den Frieden ini allgemeine« und

1,11 besonderen. So lvnrde das Wort LcslingSman wandelte nicht m,gestraft unter Palmen"ich, selten Frei-

'tTT, »-meint war, für Alfriede nmxbTrS

arSmÄ^^ÄiSc. nx,nMk mt m ' Mt Mtrt

^ähnilich stellte cs sich heraus, boß nicht mir ent £ x nn und drittes braun zu »oerd-on begann

Ersonfcu m Walser nichts dagegen ausnckKctc Etnc- ^ flunn packte El friede bei dem Gedauß?n. die Friedens-'

^lme mochte nicht gedeihen. Sie stürzte zu ihren Schzoefteni. Die Schivestern lachten sie ans. DLaric meinte, sie habe k^'inen Sckq'm-

msl'1 m - habe stets ikw Mann b*

- c uwlnte, Wasser ]ei das Lchüdlickitt« für cüle Pal »ne »vas es gätx, ruau Müsse ße trocken Halter», den Staub abspül«» nnd die trockenen Marter ab,ckmeidin. Marth,- müder ma mMe

Smnenmc ans s»e streuen, seitdem ihr Erwin das evimal mckan. se» ihre Paln»e »vuildervoll gcn-achsen ilebrigens, m» Wrttrauat, sei es schon d,.- dritte Pvl»»»e, dir sie seit ihrer Hoch^-it teftov Ne njibfrfji se»en alle gestorben ?(bci- Tante Lir»a dürfe natürlich nwfag oaoou wlssen.

ci^Slf m ^ t]r>eik Elfriede, Tante Linas Srfahrung.m

ci.izuholen L»c Ivar der Laute durchaus »sickrt hold und brese Filcoeuspalme vergaß s»c ihr ganz und gar nicht. Als aber anck' der Gattner nicht mehr zu erreiche,» tva», denn er rvar einbr.'n ichlietzlich rwch Onkel Kasimir ins Bertram u. ^ann der nüchtern«, Weitauschau»,a. Ansicht ging dahm, daß vor Trockenheit die Feu/ktia^-it

nm ÄSÄ.'ri(« flt ,Mr ' b,,lfr * ,e

Augestillt mii so piche« urohlgesneinte», Natjchiägen, 0,-gab iick El friede tweder zu ihrer Pal »ne. Eigentlich »rar sie ,liefe klüger, nlo i ) orfe r Wenn doch eure Palme r^en könnte od«-r »»«m e*? dock'

PstonAstNiarzte gäbe dachte sie schwerzbewrgt. dr»n zweilettos, d,r Palme iv.»r krank. Scchr krank. Sc' trübselig, wie tNislah. Ob s»e Sehnsucht nach ihrer Wüstt hatte wer ElNiede nach .feem Äönoitift ? Fedcnfalls durfte sie nicht Kantern. ^.Manzr' wsefer^ gesund zu machen. Onkrl Kasimir l«»te zum «^2 -/%*} r!r Else zun, Fasten nui> Blätterabkn»ck. n.

V 5 Tvi znm Futtern mit Zlgarrenafckw. Glfriedc tat %Z,r% te ; mS be« so viele,» Rezepten tun far. sie

m 6 , um i*" n?u V rn eul anderes an. Einen Lag trautte ^ ^olme. den zweiten ließ sie sie fasten und ttlickte Blatler ab den dntttn stteute ,w 8»garrenasche, die Onkel Kvsimn fron! willigst annParte, m den Topf.

^iednisl-alme rragierte seltsam auf diese Behandlung, brachte Bckzc zur Well^ - Meder stürzte Elttirfe zu den Sckwcstcr^. und Onkel Kasimir. Diesmal sckmtteltcn alle den »ropß Spuluweb, la. das !«tteu.sie schon an den Palinentzlättern tnodack» Nem, Onkel Kasimir ließ die Frage offen, dar mellekcht kennend»- Banane» seien, die diese Pflanze zn^r nur ^Ap'nd herporzubrmgen pflege, vorausgcs^. baß es slck nicht um eure Dattelpalme handle: als ihm «fer Elsnede glstgud. daß sie im imer nur selten tru<\ gfeg

tim- ^liwchtuug ufer sein tfenckt Nur fesfelb gefe.h dir Wärme natürlich die hrimatlickß- trvpißfe

Wachm lvaufee Esfri^- einen rchck'-dwn

t ni1 !' V 1 1 " r,n . ^'Oliur da- iK-imatlidv i ,ma

ä)i ersewu. Die Tafeteu loderten s,ch an fen Wgnfe,, P,

sprangcm die Satten, dir Bilder rx-rfe.gen sick- die f t ini , i i rrn

Sfer l b klappten z,dämmen, die Wfeudu!,'. bekam tvn Trop..,. Allee und «lte uiu Tage ui der Zeit »ruau^ T»e Palme im»V kr1m,»'erli»fer »ub kürnn,etlicher.