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Von memaubfH mehr beachtet, das dumpfe monotone Dröhnen herüber. Und wenn die junge Marquise manchmal aus Ihrer Erschöpfung hochschreckte und sich über die Stirn strich und den Kopf hob — dann vermochte sie in der tiefen Stille ringsuni deutlich das schwere Schlagen der riesigen alten geschnitzten Standuhr von der Empsangsdiele her zu hören.
Bis auch das wieder still wurde, bis sic den Kops zurücksinkeil ließ, bis sie die Angen wieder schloß.
Stunden um Stunden war das so.
Der Schlaf mußte sic wohl wider Willen überinannt haben — denn sie schreckte verwirrt hoch, als drüben ans der kleinen Nische des Boudoirs her ein Lichtschein sie Iran
Marguerite Varrel war lautlos in das Zimmer gehuscht und hatte die große tief verschleierte Ständerlanipe an gezündet.
„Sie hier, Marguerite? Und es ist schon so spät?"
„Acht Uhr, Frau Marquise."
Sie strich sich mit schwerer Handbcweqnng über die Stirn.
„Schon. Und ich habe stundenlang hier gelegen imb mich nicht uni nieinc Gäste gekümmert."
„Die deutschen Herren speisen drüben im Kavalierhaus, Frau Marquise, Herr de Marsillargnes und sein Freund auf ihren Zimmern."
„Wer ist dieser Herr, Marguerite? Ich entsinne mich gal nicht, von seiner Anwesenheit benachrichtigt zu sein."
, Das junge Mädchen stand noch immer im Hintergründe des Boudoirs, wo die Schatten schwarz und schwer lute zum Sprung geduckte Raubtiere lauerten. Ihre Stimme klang müd und abgespannt vielleicht von den Nachtwachen der letzten Tage.
„Es handelt sich um einen Doktor Paul Darragon, einen Pariser Freund des Herrn de Marsillargnes. Die beiden D-l'rren tarnen im Auto hier an, als die Tranerprozession schon zürn Kirchhof unterivegs war.
„Herr de Marsillargnes läßt sich erkundigen, ob Frau Marquise sich bereits soweit erholt hätten, ihn zu emp- sangen und die Vorstellung seines Freundes entgcgenzn- nehmen. Andernfalls würden die Herren selbstverständlich bis morgen warten."
Die sauge Witwe machte eine halbe abwehrende Hand bewegung."
„Nicht heut mehr, Marguerite morgen vormittag."
„Ich werde es ansrichten, Frau Marquise."
„Lassen Sie bitte in meinem Schlafzimmer alles zn- rechtmachcn; ich möchte mich sofort hinlegen."
„Wollen Frau Marquise nicht wenigstens vorher noch etwas essen? Frau Marquise haben der, ganzen Tag noch nichts zu sich genommen."
L^^be keinen Appetit, Kind. Ich möchte nur lchtafei.. ^ch werg — Sie meinen cs gut. Aber quälen Sie Mich heilte nicht."
Und als das junge Mädchen wortlos und diensteifrig das Zimmer verlassen wollte, rief die junge Witwe sie noch einmal zurück, streckte ihr die Hand entgegen. f . f/tfinb — ich danke Ihnen von ganzem Herzen. Sie S" dfksen Tagen^sehr, sehr viel für mich getan. Ich
si'ylt mich in Ihrer Schuld; und ich werde die Möglichkeit finden, dreie schuld abzutragen."
Da schüttelte Marguerite Barrel nur heftig den Kopf, wandte das Gesicht ab, löste ihre Hand hastig ans der ihrer Gonnerin und stürzte ans dem Zimmer
nislos'nach ^ schloß Herrin sah ihr erstaunt und vcrständ-
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Wie seltsam sich der Doktor Paul Darragon benahm, ob «m nodiftcii Vormittag der Hausfrau gegenüberstand! p^lichrschuldigeil Haildkuß, die pflichtschuldig her- " Bcileidvphrajen, die pflichtschuldig erbetene Z^eihniig wegen seines unvermittelten Auftauchens auf Schloß St. ^Haina.lt, und gerade zu solcher ernsten Stunde . ► . selbstverstanblia), daran mangelte es nicht!
. .„^ber das war auch so ungefähr das Einzige, was die betäm ^ ölqm f e 1,1)11 ^in Freunde ihres Vetters zu hören
da an verstummte er fast vollkommen. Sank in l'K 'Miner und immer wieder mit der Hand durch das wnschlige Haar, zerrte an seinem Sviü- bart uno ließ die krellen unrastvollen Auge-n rlichetos i» dem k 'lneu Salon umherwander,.. Etnms U.istäckes lag Ä diesem Mensen, etioas Gedrücktes, ettva Sprunghaftes.
Die junge Witwe Wußte sich nicht zpi erklären, wok)>tr das leise Mißtrauen kam, das sie sofort von der ersten Ge^ künde ihrer Begegnung überkonlinen hatte.
lind dabei wirkte er nicht einmal nnsiimpath-isch; nur — es war etwas mit und um diesen Menschen, was sie mcfyt zu deuten wußte.
iü'beigens war sein Benehmen absolut tadellos, kavaliermäßig wie er so in seine!,i Sessel saß und seine unruhigen Angen umherwandert« ließ.
Alvt.onse de WLarsiUargnes, der sclbstverstätidlich gleichfalls sich un Salon befand, hatte die Unterhaltung an sich gerissen. In jener spielerischen zwanglosen Manier, die über jede, selbst die ernsteste Situation einen leichten liebenswürdigen Schleier ir.arf.
R'och nie in all den Ihren hatte Jutta diese seine Manier störend oder gar unangenehm empfunden — lMt mißfiel sic ihr. Heut mißfiel ihr eigentlich alles in diesem glatten geschniegelten, stets korretten, stets über sich selbst wachenden Menschen.
Schon N'ie er ans dem Knie die Handflächen leicht geg, „einander legte und sich lässig vorbog, schon wie er «lach den ersten Einleitungen gleichsam beüänfig hin warf:
„Vergessen Sie doch eins'nicht, teuerste Eou^ilw - - Sie haben cs doch stets verstanden, zwischen sich lind den Leben- c»et, Distanz zu halten. Warum finden ^ie diese Distanz nun nicht Mischm sich ,md der Toten?"
„Wollen Sic mir das nicht näher erklären, Alphonse?"
Er schien euren Augenblick zu überlegen; dann hob er langsam den Kopf.
„Daß Sie um die alte Dame trauern, Jutta — selbstverständlich Niemand verargt cs Ihnen, jeder schätzt Sie um oieser Trauer iuil(ru nur noch desto höher; jeder würde Uw wnnderii, wenn es nicht an dem wäre. llnd trotzdem! Vergessen Sie doch das Eine nicht, Cousine - es war eine alte Frau, die da nach einem an Ehren reichen Leben ge- stoiwen ch . . . draußen aber ans unseren -Schlachtfeldern rn den Vchntzen gräbt il, in den Forts .und Artillerie ständen, manßen verenden täglich Tausende und Abertausende junger blühender Männer! Draußen verblutet sich Frankreichs Iw gerid und Frankreichs Hoffnung. Was roill da das Sterben einer lcchsnndsiebenzigjahrigen Greisin dehnten!"
Die junge Marquise sah ihn starr an. Er hatte in seine Worte „her Frankreichs Jugend einen lvarml.erzigen be- dnueinaen Kttang hineingelegt unb dennoch schien es ilw ab laiire hinter all dem ein ungeherlerlicher grerizenlo-br Zynivinn-'. Ein Zhnismns, den sie nicht begriff, für den sie ine im Leben eine Entschndignng g-efitnden hätte versetzte lall:
Thönse die kühle Bcrstandesphitosophie euieo WUunaiuiev von ^hrcnl Schlage deckt sich wohl kann, nut den Empfindungen einer Frau " '
Dentsch^ist"^ bn3U/ )üCUn Mefe 3 WW von Geburt eine
von Alphonse de Marsillargnes Lippen diese Worte geglitten, bereute er sie schon wieder Er war sonst eine kühl berechiiende Natur, die sich allereit im Zugel zu halten wußte. Wo sich ihm aber die Mc>gtich- Spott bot — da betrog inanchmal das ^empeia.nent sesnen scharfen Verstand. Auch jetzt war das gewesen, diesen Aligeiiblick eben. Er lvußle es sosi l.. Er hatte cs in derselben Sekunde an der leisen hoch- mutigen Bewegung gemerkt, mit der seine Eonsinc die Brauen znsammcnzog. ' ' w
Als wolle er seine letzten Worte von sich selber ab-
^ Mcb^d ick? ^i uub lächelte beschwichtigend
„Nicht doch, teuerste ^nrta — ich fürchte Sie imfi» Beritten mich voUk'ommeii. Mchts lng in s ferner Ja »nendwie einen Tadel allSznsprechs.n Ich hatte ja a ck
ml! n C H<! e1 ' 0 1«' n b 1*Vr' pi-rsöiilich habe im Gegen, teil alle detikbare Beranlassnng, Ihrer deutschen Herknickt
verpflichtet zu sein. Denn diese deutsche Herkunft und dieses gütige deutsche Herz, das Sie besitzeil — hat mir in den ^Ä.?Ä^U "N!erer Bekanntschaft zahllos viel unvergeßlich lt ^§* unbGU auf St. Ehamant geschenkt. » v
s.-ck^^-vbnkc oft voll aufrichtiger Wehmut an die einzia schonen Tage Zurück, wenn Rene mich zur Jagd eirrgeladen hatte, wenn unter Ihrem Vorsitz abends bie cntiiWenbS! uewen.Zagdsoupers stattfanden, die keine Frau me „er Bekanntschaft so 'vundervoll vornehm und doch so anregend zu leiten versteht, als gerade Sie, Jutta. ^nd
tFortsetzung folgt.)


