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Sn einem Hohlweg, von den Kameraden ans Rusweüe getrennt, lag eine halbe Kompagnie von: Secbataillon. Darunter Klaus Fittje. Dreihundert Meter zurlick, bei der Bedienungsmannschaft der Geschütze, lvar der alte Sondermann. Verdorrende Grasbüschei Und graugrünes Kieserugestrüpp lvuchsen aus den Granitspalten. Hinter jedem Strauch und jedem Busch lag ein Soldat, den An­sturm des Feindes hungrig erwartend.

Dreinral zeigte sich hoch im Blauen über ihnen ein japanische^ Flieger. Das Fieder des ersten Gefechts packte den jungen Ktails ©ttje und schüttelte ihn wie einen Kranken. Blindlings, ausraseno im Zorn, gab er zwei Schüsse ans den Flieger ab, oyiie ihn zu treffen.

Munition sparen. Sie Kerl da!" schrie ihm ein Unteroffizier zu.Blödsinn, in die Luft zu schießen!"

Es war hoher Mittag. Im wolkenlosen, tiefblauen .Himmel brannte die Sonne, die Strahlen stürzten prallend cuif den nackten Granit der Prin^-Heinrich-Berge und stiegen sengend und flirrend wieder hoch. Wie wirres, schwarzes' Geflecht liefen hier Und da die Wurzeln des Krieferngestrüpips über den Gneis.

Reglos lagen hinter den Steinblöcken und Büschen des Hohl­weges die deutschen Soldaten, lauerten die paar Maschinengewehre.

Halblaut erzählte einer von den wenigen, die den Engpaß im Lauschaugebirge stundenlang gegen eine dreißigfache Uebcrmacht gehalten hatten, von dem Weichenden Herankommen und dem 'tatzenhasten Anspringen der Japaner. Es waren schreckliche Stun­den gewesen, aber immer, wieder war der Ansprung des Feindes im Feuer der paar deutschen Maschinengewehre zusammenaebrochen. Erst <cks cs den Japanern gelungen war, zwei schwere Geschütze vor dem Schluchtweg in Stellung in bringen, hatte sich die deutsche Mannschaft im Laufschritt zurückgezogen. Mer der Feind war üichtt gefolgt. Zu Hügeln geschichtet lagen seine Toten int Hohlweg.

Während oer Soldat noch erzählte, knallten plötzlich kurz hintereinander drei Schüsse im Vorgelände.

Kam das von der deutschen Patrouille, die man. vor einer Stunde hinausgeschickt hatte? War sie entdeckt, niedergeschosseu? Trank die Graniterde ihr rotes Blut?

Die deutschen Soldaten ^hinter den Büschel: und Blöcken des Hohlwegs streckten die Köpfe vor, lauschten in fieberhafter Span­nung, hoben die Gewehte. Keiner sprach: man hörte das schwere Atmen und das Klopsen des Blutes hinter den heißen Stirnen.

9Lach zwei Minuten, sah Klaus, vierhundert Meter voraus, drei, vier, fünf Köpfe wie formlose Schatten zwischen den Granit­blöcken austauchen und blitzschnell wieder verschwinden.

Bei den Deutschen blieb alles' ruhig. Kein Kopf hob sich, kein Schuß löste sich aus den Roßten. Nur der Atem ging den Männern rauhund kurz aus der Kehle. ,

Der Flieger hatte die Stellung entdeckt,, das war augenschein­lich; nun kamen bie Japaner heran, schleichend wie Katzen, die Ms Raub ausgehen, unheimliche wie Geister oer Hölle.

Mit einemmal tauchten vierzig, fünfzig Köpfe gleichzeitig auf, dicht cmeinandergedrängt. Klaus' Fittje sah deutlich die blauest Mützen, darunter die schiefen Angen, die gelben, glänzenden Ge­sichter Und aus den Schultern die roten Achselklappen.

Visier fünfhundert!" flüsterte es von Manu zu Marin.

Ta schob sich, kau in dreißig Meter vorauf, vorsichtig ein gelbes. Gesicht hinter einem Grasbüschel hoch, ein fratzenhaftes, verzerrtes Japaner gesicht. Ter Kerl trug keine Mütze. Das schwarze Haar glänzte wie blankes Fett in der Sonne.

Ein Schuß bei den Deutschen, ein rasch auffliegendes weiß- blaues Wölkchen, weit vorauf ein tierischer Schrei, ein hoch­springende Gestalt, die das Gewehr in der weit ausgestreckten Hand hielt und jcih zu Boden flürzte.

Getroffen!" schrie Klaus außer sich. Jetzt erst, als er den Japaner stürzen sah, kam ihn, das Bewußtsein, daß er es gewesen war, der gegen das Kommando den ersten Schstiß abgegeben hatte.

Da brauste die furchtbare Woge auf.

Hinter jedem Block, Unter jeden: Grasbüschel, hinter jeder Kiefernstaude kam es hoch; Degen blitzten, Gewehrlänfe starrten, wie roter, dicht aneinander gedrängter Mohn, leuchteten viele hundert Achselklappen; ein Wirbel von schreien tobte gellend zum Himmel enrpor. Aus einer Entfernung von mehr als dreihundert Metern stürzte die blaue Woge, ausgepeitscht durch Klaus Fittjes Schuß, zum Hohlweg. Wie die brüllende Brandung kam sie heran. Es gellte wie das heisere Geschrei von zehntausend Geiern: Bansa:! Bansai!

In den: Augenblick, Ivo die blaue Woge sich aus dem Gewirr der Granitblöcke vor dem Hohlweg aufbäumte, taten sich donnernd die Mäuler der drei deutschen Geschütze auf. Es war, als schlügen gigantische Hämmer aus dumpf tönendes Metall. Heulend fuhren die Schrapnellgeschosse über die Köpfe der Deutschen weg, schreiend zerbarsten sie über den Reihen der wild heranstürmenden Japaner, atü8 weißen Wolkenfetzen spritzte der eiserne Tod. Trüben leckten gelbe Flammen aus hundert Rohren; die ersten Kugeln rauschten M den Hohlweg. Ter Mann neben Klaus, der eben noch von der h elden haften Wassentat im engen Hottmgpaß erzählt hatte, knickte

*) SEJiit (&rtau6n-i$ des Verlags Gugen Salzer in Heibronu, aus dem demnächst erscheinenden Buch!Die letzten Tage von Tsingtau". ML! Kurt Küchker. (Mk. 1, geb. 1,60). Wir werden nach Isrfcheiueu auf das glanzend geschrie bene Buch zurückkommeu.

jäl" zusammen und schrie ans schrecklicher Todesnot:Mich hals getroffen!"

Er stürzte vornüber; Blut troff aus der Brust über den Waffe,:- rock: aus der erstarrenden Hand sank das Gewehr.

Blitz auf Blitz kam das Feuer aus den Rohren der Deutschen. Jeder Mann schoß, lud, schoß, lud. Kaltblütig mit heißen Augen cm rasches Ziel suchend, zogen sie die Gewehre ab.

Den^Leuten bei den beiden Maschinengewebren, die in busck,über­deckten Felsspalten ausgestellt waren, rann der Schweiß vom Gesicht. Tack, lack, tack niähten die Maschinengewehre die brüllend vorbrechenden Reihen der Javaner ab.

Tie Woge staute sich: Opfer um Opfer kniete nieder: die Woge überschlug sich; dann brachste zurück, als fände sie in den pfeifenden, heulenden, von Hunderten von Kugeln durchsurrteu Luft einen un­bezwingbaren Widerstand. Hinter den Felsblochen im Hohwelg stieg ein triumphierendes Hurra zum blauen Himmel hinauf.

Aber anss neue donnerte die mächtige Welle heran; wie ein wild brausender Gießbach stob der Schlachtruf der Gelben:Bansai? Bansai!" zu den Deutschen herüber. Tie gelben Horden kamen gerannt wie tollkühne, wutschnaubende, blutgierige Bestien. Ver­nichtend strich das Feuer der deutschen Gewehre mtfc der Maschinen­geschütze die stürmenden Reihen entlang. Hunderte sanken, aber :mwer neue Massen schien die Erde zu gebären.

Klaus Fittje schoß unermüdlich. Seltsam, lvie ruhig er war! Mit barten, grimüiigen Bewegungen schob er die Patronen in den Verschluß, kaltblütig nahm er seiner: Mann aufs Kon:, zwei Sekunden lang zielte er, tntmer mitten in ein gelbes Giesicht; dann zog er das Gewehr ab.

Meder ein Schuft weniger auf der Molt," murmelte er, wenn er den Gelben, den er getroffen hatte, springen Jinjb» stürzen sah.

lieber die zu Hügeln aufgeschichtet ei: Leiber ihrer Toten drängten die Japaner in den Hohlweg. Es ging Mann gegen Mann, Kolben gegen Kolben. Aufhaltei: die gelbe Bande! Aus­halten!

Die Maschinengewehre mußten mitten in der Arbeit aufhören'- die Geschütze waren längst zurückgenommen worden, im wirrcw, wckden Handgemenge unterschied man nicht Feind und Freund. Es war ganz unmöglich, den Hohlweg gegen diese ungeheure Uebeü- macht zw halten; nur Zeit gewinnen, bis die Maschinengewehre Uno die Geschütze in Sicherheit waren.

Bansai! Bansai!"

Immer heulender, immer tierischer gellte der Schlachtruf der Japaner.

Me schreiende Affeir; genau wie schreieiche Asfei:! dachte Klaus.

Und wie sie schossen, diese gelben, schlitzäugigen Zwerge, hinter derer: dünnen Lippen beim wilden Banseischrei die großer: Zähsten' blitzte,:.

Und wir sind doch eure Lehrmeister!" schrie Klaus Fittje außer sich, ganz vom schrecklichen Taumel des Kampfes ergrtsfen.- Er packle sein Geivehr beim Lauf und sprang mitten :n ejn Rudel Japaner hinein, die wie aus einem Ungeheuren, unewsmöpflichMj Trichter in den Hohlweg eindrangen. Sein Hurra fuhr wie Donnerhall zwischen die Japaner, sein ganzes Wesen lvar in Zorn und Wut aufgelöst, er schliig besinnungslos mit dem Kolbeit nM sich und traf mit jebem Hieb einen Feindesschädel.

Da hing einer, ein Offizier, ans' beidei: Beine,: blutend- - mit zersetzter Backe, mit zerschmettertem rechten Arm, ein blutender Klumpen Fleisch fast nur noch, in: Kiefern gestrü PP hvch am Ab­hang des Hohlweges. Mit der linken Hand hielt er das Gewehr, mit den großen iveißei: Zähnen riß er verzweifelt an: Abzug. Klaus Fittje sah die blitzenden Augen uitter der schrägei: Lid­falte, er sah die Mündung des Gewehres', die auf sein Herz zielte, er hörte den MUschrei dieses Japaners, der verblutend im Kieserngestrüpp hing, und sah die Flammenzunge aus dem Rohr brechen.

Das alles sah Klaus Fittje wie dilrch einen Nebel von weißem Dampf und rotem Blutdunst; dann spitirte er einen dumpfen Schlag gegen den rechten Arm!. Er griff hin, warn: quoll ihn: das rote Blut über die Hand. Das Bild der wahnsinnig kämpfenden Mensche»: verwirrte sich ihm zu einem schreckliche,: Wirbel; schwarze Schatten wogten auf; dumpf verebbte in seineir-Ohren der gräß­liche Lärm!; mit einem wehen Schrei sank er hin.

Ein Name, ein letzter Ruf wollte aus der Tiefe seiner Seele noch aufsteigen; aber es war ans; schwarz . . . alles schwarz.

Und über ihn hin brauste wie eine blutgierige, schreiende, bellende Meute toll geword ener Hunde d er Sturm der Gelben.

vermischter.

* Der alte Fritz als Kafseefeind. Die Einschränkung in: Kaffeeverbrauch, die die Kriegszeit mit sich bringt, wird uns allmählich wohl wieder zu den guten Morgensuppen zurückkehren lassen, bei denen unsere Voreltern sich wohl befunden und ein behag­liches Alter erreicht haben. Zum Trost sei daran erinnert, daß es noch gar nicht so lange her ,st, seit der Kaffee als Volksgetränk allgemein verbreitet und beliebt wurde, und daß in manchen Gegenden auf dem Laude noch heute eine Suppe die Stelle des Kaffees vertritt. Der alte Fritz hielt das braune Gebräu für eine Teuielserfindung und einen schädlichen, rum mindesten aber über flüssigen, neumodischen Luxus. 5DHt dem Krückstock ließ sich dagegen nichts machen, aber die Steuerschraube konnte vielleicht Helsen.