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Und sie fehlt mir noch-nicht, Alphonse!" - Damit schob der Doktor Paul Darragon ruckhast seinen Stuhl zurück und erhob sich und verlor die Farbe und seine Stimme sank bis zu einem ranhien Mistern.

Und sic fehlt mir doch nicht - diese Kombinations- ge.be! Jetzt versteh' ich Sie. Alphonse Sie sind ein brillanter Gesellschafter und ein reizender Kerl, aber Sie sind ein verteufelt scharfer Kavalier!"

Drüben die schmalen Lippen verzogen sich zu einer selt- sauren Bewegung.

Nicht doch, Teuerster."

§ie sind ein verteufelt scharfer Kavalier."

Sie sind exaltiert, inein Lieber."

Das nennen Sie exastiert, Älphonse? Für jeden, der nicht gerade Nerven von Stahldraht hat, ist das eine Un- heimliche Geschichte, eine grauenhafte Geschichte, Alphonse!"

Unheimlich möglich. Grauenhaft nicht sonderlich. Auf jeden Fall aber sehrzweckentsprechend, 4ostor. Gelingt mir der Wan, so dürfen i^tc versichert sein, daß sich hinsicht­lich der Stimmung in Frankreich ein sofortiger radikaler Umschlag geltend machen lvird. Nicht nur hinsichtlich der Stimmung im Volke, sondern auch hinsichtlich des Zu­trauens in imseren Schützengräben, hinsichtlich der $¥* tiousfreudigleit unserer Generale. Und das ist es ja gerade, was uns bis heute fehlt und was die Sachlage mit einem Schlage ändern wird. Wißen aber unsere -Generale erst die Truppen aus den Schützengräben heraus und führen sie nach altfranzöisischier Art mit gefälltem! Bajonett zum Sturm, so jagen wir die Deutschen über bcu Rhein zurück. Und die Baissespekulation an den französischen Börsen hat ausgelebt. Hat ausgclebt, um uns Platz zu machen, damit ivir die goldenen Berge endlich zusamincnscharren, die wir für unsere Existenz brauchen .. mag also mein Plan meinet- wegen grauenhaft und unheimlich sein, er wird von weiter- tragender Bedeutung werden, als Sie int Augenblick abzn- schätzen vermögen."

Und dazu brauchen Sie mich? Dazil soll ich Ihnen als .Helfershelfer die .Hand bieten?"... stieß der Doktor Darra- gou hervor.

Möglich wenn ich Sie brauche...."

Dann weigere ich mich, Mphonse de Marsiltargucs."

Ich versiehe Sie nicht, bester Doktor."

Dann weigere ich mich, Alphonse - ich wiederhole es Jh-ilen noch einmal. Ich habe nicht Ihre Nerven, ich habe nicht Ihre scharfzugreifende Gewissenlosigkeit ich wurde euifach vorher znsammenklappen und Ihnen damit altes zunicche machen."

Jetzt reden Sie Torheiten, Verehrtester."

Der kleine bewegliche Herr zerrte verzweifelt an seinem Spitzbart. Er hatte ganz große runde Augen, als süße ihm eure grauenhafte Angst im Nacken. Er schleuderte die Worte förmlich hervor.

Alphonse nicht jeder ist eine solche Gewaltnatur wie Sre. oie sind verbittert, Sie sind enttäuscht, Sie sind auf­geregt ourch manche^ Einzelheiten uut> Episoden Ihres LeveusMurch manche sehlgegangenen Hoffnungen und Ent- würfe. ^re sind ein Mann ohne Gewisjeu geworden Sie find eine Brigmlteuuatur großen Stils. Ein geborener Führer. Unter diefem Gesichtspunkt kann ich Sie nicht nur verstehen, fondern da bewundere ich Sie sogar und da imponieren Sie mir. Sie kennen keine Hindernisse, ondern gehen mitten durch; uiid sagen sich einfach: wer nicht für mich Ist, der ist wider mich! J-n Ihnen steckt das gefährliche dianbtter mrt stniem brutalen Egoismus. Aber aber " ^ mir steckt einfach ein nüchtern denkender Mensch, DoUor. ^ch sage mir Sie und ich und die paar andern, u- ff U1 l|. gehören wir sind wie eine Horde schisf- die sich auf einem leckeil Floß irgendwo Weltmeer zujammendrangen. Wir leben von der Börse' wir wb-,, vom geldwsternen blöde» Philistertum. Wir sind Außenseiter der gute» Gesellschaft, s» sehr wir auch dem Anschein nach mitten in ihr leben. Wir sind Wegelagerer mi Mact und tragen ganz einfach jetzt weil zeitgemäß dw Mavke eines radikalen Nationalismus. Im übriaea K"' Toktorchen, kampsen ivir heute verzweifelt um unser

nrrn£ U - g£ 't e, r!r rt b,e ^ geschäftliche Depression, diese allgemcme trostlose Entmutigung noch länger au, so liegen

TrniTL» a %* derStraße. Damit ist dann das bißL Firnis zum Teufel, unter dem wir unser wahres Gesicht und unser wahres Herz verstecken. Und dann gibts kein Hoch­kommen mehr. Dann sind wir alle endgültig abgetan und

erledigt -- wir, die Führer der radikal-nationalistischen Partei, die ja, nebenbei bemerkt, sich überhänpt nur ans uns paar Leuten zNsammcnsetzt."

Das Letzte in einem so aufreizend blutigen Hohn, daß denr kleinen Doktor jählings wieder das Blut ins Gesicht schoß. Mer er lvußte nichts zu erwidern, er starrte den andern nur wortlos an. Der aber ergänzte:

So stehen die Dinge. Wir paar Leute ringen gegen den materiellen Zusammenbruch: wir fühlen und sehen, wie uns oie Planken unter den Füßen wegsplittern. Unser Egois­mus, unser elementarster Selbsterhaltunastrieb drängt uns förmlich zu einer befreienden Tat, mit der wir die Skim- nrNng des Landes und das darniederliegende Börsenleben , wieder heben.

Und da kommen Sie plötzlich mit philiströsen Be- drnkeu! Da werden Sie plötzlich sentimental und philau- thropisch! Da entdecken Sie den Torso Ihres Gewissens und wollen mich feige im Stich lassen. Ich aber kann meinen Wan mcht allem ansführen, ich brauch einen Helfer> euten Manschen, auf den ich mich blindlings verlassen kann ich brauch einen Mann, Doktor."

Wählen Sie irgendeinen andern unserer Partei, Alphonse." ' * '

Ich wähle Sie, Paul Darragon."

Wählen Sie einen andern, Alphonse de Marsillargnes."

Ich wähle Sie, Paul Darragon, weil in der Partei kemer ist, der mir so uahefteht und mit dem ich mich so lauge und so genau kenne als gerade mit Ihnen."

Und wenn ichs doch nicht tue, Mphonse^"

Da schob der Pariser Flaneur nachlässig die Schultern hoch. Eine kaum merkliche Bewegung.

Daun gehen Sie eben vor die Hunde, mein Lieber. Machen Sie mir doch nichts vor - wie die Verhältnisse heut liegen, stehen und fallen Sie mit mir. Wenn ich stürze, reiß ich Sie sowieso mit iu den Abgrund. Und wenn ich durch imfmi Plan meinen Platz behaupte trotzdem Sie mir die Gefolgschaft versagt haben, dam, werden Sie durch Ihr Verschulden allein iu den Abgrund stürzen ich aber'werde nicht die Hand rühren, Sie zu retten. Wählen Sie also. Ent­scheiden Sie. Nicht heute, wo Sie leine Direktion im Leibe staben, wo Ihre rebellierenden Nerven Ihnen den klaren Blick schwächen, wo ^ie - mit hinein Wort gesprochen nicht ganz auf der Höhe sind.

Pariser Sommernächte - - auch in Kriegszeiten jtrib lang und schlaflos. Sie haben also Zeit, zu überlegen, abzuwägen, Doktor. Kommen Sie morgen wieder. Meinet­wegen um oieselbe Zeit. Ich werde Sie erwarten."

_ w ^ cr kleine Herr wagte keinen Widerspruch. Er band sich Schlips und Kragen um, zog sich Weste und Jackett an, griff nach L-tock und Strohhnt.

In der Tür wandte er sich noch einmal zurück. Seine großen, sonst so unruhig sprühenden Augen tasteten sich verstört durch das Zimmer, blieben an Mphonse de Marsi- largues haften. . '

, 0 greianam als Antwort drüben vom Schreibtisch

her die kühle, überlegen gelassene Stimme des andern: Paul Darragon - - Mann mit dem sensitiven Herzen

" V f l V lt1 İ- no ^ , $; unb ^jährlich, mich zum Feinde zu haben. dcoch bin ich Ihr freund. Sorgen Sie, daß ich es bleiben kann. Und nun gehen Sie. Ans morgen."

*

nefellfchasterm und Vertraute. . mit diesen beiden

Worten hatte damals die junge Marquise von St. Ehamant den zukünftigen Wirkungskreis ihrer neuen jungen Hans- genossm belchrieben.

r; 1 ! 11 !t ltnubc ganz anders. Ganz anders, als

gcdicht ^ C ^st^vßherrln, als es sich Margncrite Barrel

Am dritten Tage ihrer Anwesenheit im Schloß erhob sich in früher Morgcnflnnde aus Treppen und Muren, in Vorzimmern und Entrechambres nnerklärlick-ie Unruhe Das war ein Hin-und Herhasten, ein Treppen-Hinans und .Her­unterjagen, em unerklärliches Stimmengewirr

So seltsam, daß Margnerite Varrel trotz der kurzen l Jp* § iei ^ etug doch schon mit den Gewohnheiten der Schtoßbewohner pertraiit - sich erhob und hastig ankleidete trttluf) lag für he gar kein Zwang dazu vor; sie hätte noch fast eine Stunde ruhen kchinen aber es litt sie nicht langer in ihrem Zimmer. ' r

(Fortsetzung folgt.)