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Die Krau des Italieners.

Skizze von Martin ProZkauer (Nachdruck verboten.)

Tie Einwohner des kleinen schlesischen Städtchens hatten sich langst an das seltsame Schild gewöhnt, das über dem Grünkram- ladcn an der Ecke des Marktplatzes hing : und nur die wenigen! Fremden, deren Blick zufällig darauf fvel, mochten sich verwundern. Denn da stand:

Obst- und Südfrüchthandlung von Ereole Mvrrosini aus Ravenna."

Aber der tönende VornameEreole" und die historische Stadt r,Ravenna" waren mit einem kräftigen Färb strich durchstrichen glerchsam ungültig gemacht und darüber stand etwas anderes, so daß Me richtige Inschrift nun hieß:

Obst- und Südfruchsthandlnng von Emma Morrosini geborene Kirsch."

Und jeder Einwohner kannte die ziemlich banale Geschichte, die mit dieser Schild-Uebermalung zusammenhing.

Bor vielleicht 25 Jahren war Emma Kirsch noch' Haus­hälterin bei dem ortsansässigen Kaufmann und Eisenwarenhändler Meyer und hatte schon verschiedene Heiratsanträge abgeschlagen, die ,owohl ihrer frischen kräftig-derben Erscheinung wie ihrem Sparkassenbuch galten.

rr ^lnem warmen Sommerabend diegroße Leiden--

schast" über Emma Kirsch.

wandenide Misikanten, ziemlich zerlumpte südländisch au^jehende Kerle, zogen bettelnd uiid musizierend durch das Städt­chen und machten auch vor dem Haus, des Kauftnanns Meyer halt, ^.er erne IMelte Geige, der aridere Ziehharnronika; und der dritte hatte erneu Kasten umgehängt, in denr ein kleiner, giftgrüner da Pag er vor emem Pack gelber, blauer und roter Briefe saß. Dieser Dritte hatte das Amt des Einsammelns: er ging, während u/e beiden anderii mit einer handwerksmäßigen Feurigkeit ihre italienischeri Lieder spielten, unter den Zuhörern umher, hielt ernen ver^genen Samthut hin imb sah mit seinen dunklen, gleich- falls etwas handwerksmäßig feurig glühenden Augen die Weiber ehnsuchtsvoll an. Und wer ihm statt eines Fünfers einen Zehner pendierte, dem überreichte der Pachagei, durch ein Klopfen an MücksMiefe" ^Entert, einen der gelben, blauen oder roten?

K- c^.trat der sehnsuchtsvolle Bettelnmsikaut auch vor Emma Kirsch, die in derber rotbäckiger Gesundheit sttabtend in der Haus- ttrr stand und der Musik zuhörte. Emma Kirsch schenkte einen Zehner, der Pawiger bopfte von seiner Stange und überreichte ihr ernen roten Brief, den sie init einem verlegenen Lacheii sofort «-Und wtter dem Gekicher der befreundeten Mädchen ans den Nachbarhaufern zog fte eine Photographie heraus eigent­lich nur den schlechten Druck-Abklatsch einer Photographie auf der ern schwarzhaariger Jüngling mit gezwirbeltem Schiiurr- ^L^beu Augen abgebildet war. Der Italiener ^blte Emma Kirsch an, wobei er sich seiner funkelnden Augen, ^^^lppeil urü> wer gen Zähne wohl bÄvußt war, tippte mit dem Finger auf das Bild und sagte:

,.JHre Sukimftige, mein Freilein! Ihre S'atz!"

Enima Kirsch hob die Augen und sah in die des Italieners brütend, verschwand sie im Hause des

^^eyer. Aber der herrli^ schöne Jtalierier ging ihr

Ettvbiü ^ ^Kj 1 ' UfÜ> ?/* mr lpät nachts noch auf ^ dem s c e fJ te ftngeii anhtib wid sie von ihrem

W^denftnster aus den Italiener stehen sah. Merkte sie tief beglückt daß man ihr em ^tarrdchen bracht-, zog sich leise an U"d schlich übn di- knarrenüe Solzsttcgc jll ihm hinunter. - Zwei Tage blteben die TOi Amfcett mit Ort, dann zogen sie w iter aber nur zu zwei«, Ter dritte hatte den Papagei mit i^n ,®!gg abgegeben, blieb am Ort und tat hier und da Ä

^ abeichs band er fich einen roten Schlips um itnd spazierte 'i t , b«r glückstrahlenden Enima uck den Diarktplah, wie auch die vrtsausassigeu -oerlicoteii mrd Verlobten tateii.

. v w icrt äj n ^ r kündigte Emma Kirsch beim Eisen-

^^ouhandler Meyer, hob ihr Sparkassenbuch ab und veränderte

ILroflÄ RaomkwV Seirat die Ehefrau des Ereole

ein fÄÄ ft fand

^nen sauberen Krage,? tnr, wenn # VomllÄr"nVm'Äe

Huer! m krim* f ^bst- und Gemüseladen an! Markt.

Zuerst gmz. das Geschäft, wrx daS in solchen Fällen üblich ist.

.blieb nachts aus, hatte allerlei Abenteuer unkj vmwel und wurde ein Ehemann, wie er weder in einen Olilttoden noch in eine schlesische Keinstadt paßte. ^bstladm

So ging rs etwa zwei Jahre lang. Da erschien wieder einmal nne wandernde Mujikantenbande, mit der sich Ercole in der Svrache ^n^/blmat wsort begeistert schreiend unterhielt. Und am uäc§

ruverlässiger Bürger und ^r 6-rau Emma ihr Ehemänn mitsamt der Ladenkasse und den

dem"Laden^ ^ußbaumschrank in der guten Stube hinter

sich wieder der nüchteni praktische Sinn der ebe- ShT l fr It ? ^ ir W- Sie heulte sich gründlich aus, erholte sich ^sow^ kckm?län^ ^Lumpen", gab den Nachbarn Recht, die ' r/tfÄÄ: ^tten kommm sehen", mrd brachte ungefähr

w,> alä tam L blcfen Kunden Jungen zur Welt, der

August echftlt ^ ^ bCTl ^^nanttschen Vater - den Vornamen

3m übrigejl führte sie das Geschäft mit Fleiß und Arbeit ?***.£;' n rL ^ e bom Malermeister Me schon zu Anfanal ^^Erandevung vornehmen. Die Enckeifung einer rechM

atS 'k ? em Rat der Nachbar L

da derLump die Kosten nicht wert sei und sich wieder sehen,lassen könnte, dstrfte und würde ^

Auch! ihr Sohn Augüft, der mit schwarzen Haaren, blauenl Augen und roten Pausbacken den Dyp seiner Eltern sonderbar; lustig, vermischt zeigte, erfuhr Nur, daß sein Vater leider ein

6l/ q ü 3u .Volksschule und würde schließlich braver strammer Lehriunge im Eisesüvaren-Geschäft des Kauf­manns^ Meyer, wo Frau Ennna früher Wirtschafterin gewesen

ÖlpTf schrieb iitUeSi e W«

»Ä^"^ 1 %P 6 te tti>rer , babcü nwchto und

rwts srm ,ss

©o pergmgen die Jahre. August Morrosini wurdejunger S'l rm Meyerschen Eijomoarengeschäst und seine Mutter eine rotwangige Frau, die den rdmantischen Traum

\errw^(kr! 4 n t häusliches Ende nur noch wie ein unwirkliches fernes Geschehen empfand, an das man sich Mit Mühe erinne^

fÄnsTi 'f>iden alz y ihr Vater'und GEelWU b"wr nrcht mehr mit Schimpfwotten, man dackNe vicht mehr an ihn. Und nur der NamtzMorrosini"

pL?dZ'MmrtpkaL''- 9C dlume über das holprig- Stein-

ungeheure Weltereignis, das wir bcrcits bem eigmtlich armseligen, nichtssagenden StichwortWrlt- ^ unseres Begriffsvermögens eingestellt haben.

. «um m dieser kleinen Stadt spiegelte es sich wie überall im Lande wieder. Ern Lazarett entstand, Feldgraile kanren und gingen, ans dicken Bürgern wurde über Nacht wie durch Ver­mummung haherstanipsende Soldaten: und auf dem Sandvlaü vor der Stadl übten die Rekruten des rasch hierher verlegtÄ Jnfantene-Ersatz-Bataillons, unter denen auch August Rtorro- frni war.

im Bürgerverein eifrig LWesgav-n- Socken imd Leibwarmer und gab außerdem eine Menge Obst

anzunehmen ^ ^^^azarett, ohne Bezahlung daftlr

So kam'erl die Tage des Jahres 1915, in denen der Staat' Italien es für richtig hielt, deii früheren Bundesgenossen als Fernd gebenöberzütreten. Schon lmige hatten fett gedruckte Artikel T1 X k, eu Zeitung gejtandeik, die Frau Einnia immer mit A^^rem Jliteresse als das andere yelesen hatte: denn der Scknvall dhr°sen, dieses unnötige Spiel uüt Ehre, National- glühenden Empfindungen in einer dem gesilliderr ..t».nickenverstand nüchtern und klar crscheinendeii Sache, diese & l n ö ® beteuernden, nur das Mißtrauen weckenden Reden italienischer Minister erinnerten sie an den verftosseiien Ercole Morrosnro der muL wnin er seelisch am meisten in der Klein Nitz faß 1 , von feurigen Worten Überzuströmen pflegte.

habt^hchte^ ^ b{c, ' c ^rinnKing magische Ktaft ge-,

-r.. ^ 'ines Slbends stand in dein leeren Laden, gerade als ! wollte, ein ältlicher, zerzaust mib verlnnipt

2?n f f5SwJt wrt wirrem grauschivarzcm Haar und flackeni-

be! sein« EWd'w,Lr'°mn'- **««*«

wiw f ° fWt ^ WS ruhig aus und

Na, was soll's-" fragte sie.

& ^^^^ubsti-cicher unb versuchte, mit dem dlick früherer sichre die Augen seines Äegeunbersl emzufangen. Frau Ernma schüttelte den Kopf.

^ wit dir nischte mehr zu schaffen," sagte sie langsam,

Nick! r^,- ° f w rt - r rci>n .- Wiis früher nmr, Mis iS'

J ei P e Schuld is es mch, aber an deiner Stelle,

ISs«rtS fe $nüci\Z l- mi " Wmn ^ irf) nM} ü5c, ^'W

r, Aovle stotterte etwas zusammen. Er Iviir aus der Fassung S5 a 2T' ?>attc sich letzt, da ihm Mis schirellfüßtge

der Laiidstraße allerlei Böses seiner südlichen Hmmit ich«

Ntragon hitte. di- SÜiÄIrt Pol« Witt * fiS Ä

MmmaShastn kEt. M.r her koste ä feS»rS LE itnruhigte i[)it Mehr, als tes SMmpfivortc actmi hätten.