Mittwoch, den KO. Mai
Dis arme Prinzessin.
föontan von Fedor von Zobeltitz.
(Nachdruck verboten.'»
(Fortsetzung.)
„Sie werden uns nicht verraten, Durchlaucht," sagte sie, „'Mir bilden ein Korps, Fräulein von Wallroden ist erste Chargierte, Prinzeß Berleberg hatte eine Flasche Portwein gekauft, da haben wir einen Salamander auf gute Freundsthaft gerieben. .
„Daß du den Mund hältst, Jost," sprach Annemarie, „es ist eine gehenue Verbindung, aber hält aus Ehre und Zucht, es sitzt Schneid darin . . ."
Die Komteß Berkuhn, eine niedliche Brünette mit frischem Schelmengesicht, hatte sich an Velten gewandt: „Mein Herr, es tut uns leid, daß Sie Mitwisser unserer Mysterien geworden sind. Doch haben Sie nichts zu fürchten, tmr müssen wir selber iut3 schützen. Kommilitoninneu, ich proponiere: wir machen diese beiden Herren zu Ehrenmitgliedern unseres Korps und nehmen sie unter Eid, dann fiub sie unlöslich mit uns verbunden und dürfen nicht plaudern."
Mseitiger stürmischer Zuruf erfolgte. „Ich frage Sie, Prinz Gotternegg," sagte die Prinzessin Berleberg, „nehmen Sie unsere Wahl an'?"
Jost verneigte sich. „Es wird mir eine besondere Ehre sein, Prinzeß, einer so ruhmreichen Verbindung, wenn auch nur sozusagen als auswärtiges Mitglied angehören zu dürfen."
„Ich schließe mich dem Hevrn Vorredner an," fügte Belten in tiefstem Ernste hinzu.
„Wohlan," rief Fräulein von Waltroden lebhaft, „so be- aiiuie der Akt! Hede, riegle die Tür ab! Stichle herbei, Annemarie? Schriftwart, die Urkunde und die Insignien. Aufstellung nehmen!"
' Jost und Velten wurden ersucht, auf zwei Stühlen nebeneinander Platz zu nehmen. Sie taten dies mit Grandezza^' Die Mädchen umgaben sie in Kreisform, die Hände über der Brust gekreuzt, Weihe int Antlitz. Hierauf las die Prinzessin Berleberg die Stiftungsurkunde des Korps Berlinia Elisa- bethina vor. Als der Name ausgesprochen wurde, flüsterte die kleine Berkuhn: „Sie inüffeu ausstehen?" — Jost und Velten schnellten empor. „Wieder setzen!" ries die Berkuhn. Jost und Velten ließen sich nieder. Aber sobald der wahn- fiituige Name Berlinia-Elisabethina genannt wurde, erscholl das Stichwort „aufstehen!" Die beiden Herren fuhren rhythmisch ans und nieder. „Eine gesunde Bewegung," murmelte Belten. „I, du Donnerwetter," murmelte Jost. Schließlich kam der furchtbare Schwur. Die Novizen mußten sich verpflichten, niemals das Geheimnis des großen Bundes zu verraten, treue Freundschaft zu üben „bis über das Grab hi^ aus" und noch einiges ebenso Wichtiges. Dann hieß es:
„Diesen Eid besiegeln wir durch..." da aber stockte die Vorleserin einen Augenblick und schloß endgültig: „durch feierlichen Handschlag."
Jost empfand, daß hier irgend etwas nicht in der Ordnung sei. „Ich bitte um Entschuldigung." sagte er, auf- stehend, „ist der Handschlag alles?"
„Er genügt," erwiderte die Berleberg, und die Kommiti- Loninnen erröteten jäh_
„Mir genügt er nicht," sagte Belten, und erhob sich gleichfalls, „ich habe das Gefühl, als verlange der bindende Eid eine stärkere Form urt'o als sei solche auch vorgeschrieben, ich bitte um Einsichtnahme in das Dokument..."
„Es ist dies nicht angängig," entgegnete Fräulein von Tempel sehr.verlegen, aber die kleine Kornteß Bertuhu erklärte, den Schalk im Auge, das sei zu verlangen.
„Ha," rief Velten, „so bestehe ich also auf meinern Schein!" —
„Ich auch," sagte Jost voll Energie, „ich muß es, ich will, daß der Vorschrist vollkommen genügt wird, ich will nicht gegen die andern zurück stehen, ich kann fordern, daß sich meine Aufnahme in das Korps unter den üblichen Normen vollzieht; wir wollen nicht nur geduldet sein, wir stellen uns auf den Boden des Gesetzes."
Die Häupter neigten sich, man^ trat zueinander, die Stirnen zeigten dräuende Falten, man beriet. „Was tun?"'
a terte die Waltroden, „wir können doch nicht — es geht ,.t — ich schäm' mich zu Tode..— „Sie wissen alles," wisperte Tini Erdmann, „sie ahnen es, wir hätten diese harten ALänner gar nicht hinzuziehen dürfen..." — „Es ist Annemaries Schuld," erklärte die Berleberg, „sie war zu voreilig..." — „Annemarie ,nuit löffle die Suppe aus, die du uns eingebrockt hast," ries die Berkuhn leise; „die Männer sind in ihrem Recht, nun hilf!..." Da richtete Annemarie sick stolz empor. „Es sei," sagte sie, „ich werde ein Opfer bringen; der eine ist mein Bruder, bei dem andern mack' ick die Augen zu, es wird mich nicht töten. Also hört.. /1 Wiederum neigten sich die Häupter, das Blondhaar, Lclpi>arz- haar und Braunhaar ob den Stirnen erzitterte, es wurde gezischelt und geflüstert, es war ein heimlicher Rat und ein schwerer. Endlich umudte sich die erste Chargierte zurück au die beiden Novizen und gab zur Kenntnis: „Die Form schreibt vor" — sie stockte — „schreibt vor. es folge dem Treueid" — sie stockte von neuem — ,,ihnr folge der TreU- kuß. Die Statuten berechtigen in jedem Falle zur Stimmenübertragung. Der Vorstand hat beschlossen, auch bei der Aufnahme der beiden Ehrenkommilitonen davor: Gebrauch zu nrachen; die Ausübung der Funktion wurde der Prinzeß Annemar ie zuge sp rochei i."
,Zch protestiere," rief Jost; „ein Prokuraknß hat nichts Bindendes für mich..
„Sei still," sagte Annemarie, „es bleibt bei dein Beschlüsse, es ist nicht daran zu rütteln.. ."
Velten sah die Prinzessin an, verbeugte sich und spracht „Was hohe W. beit im Rate der sechs für genügend er-


