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Staubwischcn ist zur reinen Manie geworden, das müssen wir nämlich selbst tun, und so fuhrwerke ich denn v'on früh bis spät in meiner Zelle, wollte sagen meinem Zinnner- chen umher und schwinge den Staublappen wie eine Fahne. Bleibt auch nur ein ALömcheu liegen, schwapp hat man seine Nase weg. Ich werde überhaupt viel gerüffelt, Mie, namentlich von Schwester Agnes, die mich vor „Ueberhebung^ bewahren und Kur Einfachheit zurückfühiren will. Wenn das nur so rasch ginge. Aber die ruchtge Gemessenheit hier und das feierlich Ausgeglichene, das Sanfte und doch wieder Herbe macht mich ganz rabiat. Ich sei ein schreckliches Welt- kind, sagte Schwester Agnes, ohne Zorn, immer mit mildem Lächeln. Ich glaube, sie hat recht. Ich kann nicht stillsitzen. Manchmal, in der Betstunde, übertommt inich freilich eine mächtige Rührung; idamr werde ich igariZ zierbnirscht und weh- rnütig und heule wie ein Schloßhund und muß au Muttern denken und nehme mir fest vor, meinen Sinn '.nehr aus das Geistige $u richten und meinen Hochmut fahren Ku lassen. Mer schon eine Stur de später möchte ich am liebsten tanzen inch singe statt eines Liedes von Zinzendorf irgend einen Rüpel Vers und kneife die Jan nasch, wo es sich nicht hiuge- hürt, und treibe allerhand Unfug. Es ist so schwer, sich zu bessern. Namentlich hier, wo die Freiheit beschränkt ist, ach wie sehr, und der Mutwille gerade darum einmal die Fesseln sprengen möchte. Siehst Du, Mie, ich kann mir nicht helfen: ich habe allen Respekt vor den Herrnhutern, den muß man haben, aber über den Formelkram uub das unerschütterliche Gleichruaß nnd auch! über dies tief demütige Wesen komme ich nicht fort. Ist das wirklich etwas Großes? Ich erinnere mich, was Belten uns einmal gesagt hat: die Größe wohnt nur in der Freiheit des Geistes, und hier umschnürt mau alles, hier ist alles geregelt Tun und Lapsen 'vnb selbst das Denken. Auch «der Frohsinn hat etwas Seltiererhastes, soll ich Abgeklärtes sagen? Man lacht nicht, höchstens lächelt man matt, als dulde man nur eontre coeur bte aufsteigei^de Heiterkeit als etwas schwer abKuwehrendes Menschliches. Ich will aber ordentlich jubeln und jauchzen können, wnll vor Lust einmal schreien, bis mir der Atem vergeht. Ich weiß nicht, es ist hier doch manches wider die Natur, jedenfalls gegen die ineine. Aber die mag auch nichts taugen. » ^
(Fortsetzung folgt.)
Aus diesen Tagen.
Von H erm ann Wag n e v Das Opfer.
Der alte Theodor Pisst pflogt von sich zu sagen, daß er nichts, rein nichts besitze.
„Ich! habe nur eine Freude, und das ist am Nachmittag mein Skat."
Er war Htmestolz, 63 Jahre alt, lang und dürr und mürrisch. Er be^og die Pension eines mittleren Beamten. Er lebte, weil er nochi nicht gestorlren war, Und er lebte freudlos. Er hatte weder Eltern noch Kinder, weder Brüder noch Schwestern, weder Onkel noch Tanten. Er hatte nur am Nachnnttag eines jeden Tages seinen Skat. Sonst nichts.
Aber aur Nachnnttag blieb Pisst bei diesen! Skat aus. Ob er kraul ist?" fragte verwundert die Runde.
Auch am zweiten Tag erschien Pifsl nicht. Ta wich das «Staunen dem Gefühl eines leisen Unbehagens. „Gott." sagten Unbestimmt die von der Runde, „Leute in seinein Alter
Und als Pifsl auch am dritten Tage nicht erschien, da stand es bei der Runde fest: Pisst war gestorben!
llinso größer war das Erstaunen, als man den Vermißten evnge Tage später allein auf einsm einsamen Spaziergang traf.
w 0 ' 5rm ^ ^öt das? Warum kommen Sie nicht mehr zunl .Skat?"
Ta gab Pisst in, seiner nrürrischcn Art Auskunft, indem er sagte: „Ach sptele nacht mehr. Nein, solange der $Meo bauert, AA. Es i,t wahr, es ist Meine einzige Freude. Wer gerade des- halb. Ich null dre Freude nicht. Nein, solange dev Krieg dauert, fcml tet)' keine Freude."
„3tf, &a*e nid»," fonnte Thwdvr Pissl von di-sem x-ige Rocht sagen, „n*, rem nichts. Sttcht einrnvl meinen,
.Wer er fegte es nicht, sondern senkte mir heimlich uni» daMe: „Hergott, loenn ra> inng wäre! Jung!"
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k K l e i n e T r a g ö d i e.
ZS kaum jemals einen VeschicnÄneren Mlmschcn gegeben, «s .vrttz Temut eS war, von dem, wenn man eimnal über ihn Mach, ev rtwach hieß: ah --- der kleine Demut [
Es gibt Menschen, die es gelernt haben, zu lächeln, sie leiden.
Es war nicht nur eimnal geschehen, daß man Fritz Dennft bvutal und nicht ohne Höhn gefragt hatte: „Wie, Sic sind nicht Soldat? Man hat Sie nicht angenoninren?"
Und noch ein jedesmal hatte es Fritz Dcmur fertig gebracht. Unter Lächeln zu erwidern: „Nein, ich bin zu schwach."
Es war das Tragische in seinein Leben, daß er „zu schwach^ war. Schon in der Schule hatte er das erfahren, wenn er bei dev lauten Fröhlichleit seiner Mitschüler verschüchtert abseits stand, Und dann später im Lehen, als er wahrnahm, wie von seinen! Alters- und Berufsgenossen einer nach dem andern sich rühmen; durste, die Gunst irgend eines schönen Mädchens zu besitzen..
So wahr allmählich eine müde Resignation über ihn gekommen, die aber von seinem Wesen doch nur die .Hülle war. Unter dieser Hülle pochte ein lckutes und heißes Herz. Dieses Herz machte den harten Marsch der eisernen Tage mit, hörte das dumpfe Grollen ber Geschütze, erlebte den roten Rausch der vielen Siege. Es war wie ein feierliches Schreiten durch einen nie endenden großen Traum.
Und doch, war es ein Bild, das viele Leute, die zufällig gut gewachsen waren, zu entern Mutigen Witz hinriß, wenn der kleine TrtnUt selbstvergesset! vor einem Bericht der Heeresleitung! stand und diesen mit heißen Augen las.
Mißte mau, daß ein solcher Witz den kleinen Temut vielleicht schwerer traf, ochs ettva da draußen im Felds eine Granate einen tap-ereu Soldaten?
Ter kleine Tentut war nicht tapfer.
Er duckte sich, wenn ein solcher Witz angestogen kam, lächelt« schwach, antwortete nicht und schlich davon.
Denn sein Kampf war aussichtslos.
Tie Uebermacht, gegen die er ihn hätte führen müssen, hätte ihn erdrückt.
Und so rettete er sich in seine Träume. . - -
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Der Granatsplitter.
Ter Sohn hat den Seinen regelmäßig ans dem Felde geschrieben, richtige Soldatenbriefe, bald sehnsüchtig, bald heiter, oft voll Ungeduld, Manchmal voll erhabener Bangigkeit und wie in Erwartung von etwas' Dunklem Großem . . .
Aber mit einem Male blieben die Nachrichten von ihm aus. Zuerst Tage, daun Wochen.
Bis die in Angst .Harrenden endlich die Ankunft eines kleinen Paketes überraschte, welches neben einem Brief ein kaltes und schmutziges Stück Eisen enthielt.
In dem Brief hieß es: „Ich liege im Lazarett. Beifolgenden! Grattatsplitter hat der Arzt aus meinem rechten Oberschenkel entfernt. Nun geht es mir schon besser."
Ter Grattatsplitter wanderte aus einer Hand in die andere. Er war recht schwer, sah unförmig und plump aus, gar nicht! wie ein „Splitter", und machte überhaupt den Eindruck von etwas Rohem und Kalt-Grausamem.
„T-ieses ist der Feind," sagte der Vater, indem er das Eisen mit recht befangener Miene in den Händen wog, „der, welcher Uns ans Leben will."
Tie Mutter bestel ein leises Zittern. Sie war nicht mehr imstande, das Eisen anzugreifen.
Tie Braut d-O verwundeten Soldaten schüttelte den Kopf. Sie Nahm das Eisen in ihre Hände Und besah es und legte es auf den Tisch zurück.
„Das ist nicht der Feind," sagte sie. „Ter Feind ist nicht so bös wie dieses Eisen. In den! Feinde sind Leben, Seele, Leiden- schaft. Es ist Haß, aber auch Liebe in ihm. Aber dieses Ensen ist tot. Und es kann Unedernm nur töten. Keine Barm herz igkeik ist in ihm."
Ter Granatsplitter blieb von all den Reden völlig unberührt Und lag trotzig, schvwr und roh auf den' Tisch Mit keiner Wimper zuckte er, nicht um den tausendsten Bnichteil eines Millimeter rückte er von der Stelle. „Ihr könnt mir —!" dachte er.
Solches Verhalten mißfiel dem jüngeren Bruder des verwundeten Soldaten, einen! neunjährigen Knaben.
Er packte den Granatsplitter, niarf ihn ohne viel Federlesens in einen Winkel und sagte veräckttlich:
„So'n dreckiges Stück Eisetr!"
vermischtes.
' Der gegenwärtige Z u st a n d der Bagdadbabn. Die ungeheuer ausgedehnte Strecke der Bagdadbahn, die dank den Siegen der Deutschen und ihrer verbündeten Truppen heute ganz durch unter Herrschaft der Zentral,nächte und der Türkei stehendes Gebiet verläuft, befindet sich gegenwärtig in einen, Zustand des Ausbaues, den, zur endgültigen Vollendung nur noch die technisch« Fertigstellung einer Linie in Länge von 633 Kilometer fehlt. Da diese Strecke, die zu den, Stück von Haidar-Pascha (Konstaminoml) bis Bagdad gehört, erst „ach de»n Kriege fertiggestellt werden loch nt, wie im .Pro,„elhens" davgelegt wird, die Arbeit an diese,u 3ceisenun!ernehmen, das m jekitt Art ohne Bekspiei Gesicht. zu


