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Wahren Orte beß Mordes doch vielleicht von Wichtigkeit gewesen. Diese Herren aber haben mich behandelt, als wenn ich an Halluzinationen litte, oder wenn ich ihnen absichtlich ein Märchen erzählte!"
„Die Sache regt Sie auf, Baronin. Sprechen wir lieber nicht mehr darüber."
Sie schwieg einen Augenblick. Dann sagte sie mit wieder verändertem Tone: „Sie haben recht. Wir wollen
C att dessen den Segen auf den Feldern anschauen, der in iesem Jahre so reich ist. Ja, das schöne Garchim!" „Freilich ist es schön," entgegnete Bassow langsam. „Aber es tut mir Weh, das aus Ihrem Munde zu höreiij. Ich komme mir dann wie ein Eindringling vor, der Sie aus Ihrem Eigentum vertreibt."
„Was können Sie dafür, daß mein Mann Ihr Vetter war?" Es klang ihm, als wenn sie noch etwas hätte hinzw- fügen wollen, doch brach sie ab und fragte nur nach einer Pause: „Wohin darf ich Sie fahren lassen in der Stadt?"
„Ich will dein Landrat meinen Besuch machen uni- später auch dem Herrn Kreisphysikus."
„Das ist hübsch ! Dahin fahre ich selbst. Das sind Prächtige Menschen, der Kreisphysikus und seine Frau. Er besonders, aber sie hat auch das Herz ans dem rechten Fleck; ein wenig Schöngeist ist sie, doch dabei von Herzen gut. Diese beiden Menschen sind hier von vornherein die ersten gewesen, die mich's nicht entgelten ließen, daß ich einmal eine angesehene Künstlerin war. Darum halte ich sie auch als wahre Freunde in meinem Herzen."
„Dann werde ich die Freude haben, Sie dort wiederzusehen?"
„Ich hoffe darauf. Ich habe mich angesagt und bleibe den ganzen Nachmittag. Und hier sind wir ja schon am Tor und müssen verstummen. Auf dem Pflaster dieser edlen Stadt ist Reden im Fahren unmöglich."
Ein Poltern und Stoßen des Wagens auf dem beginnenden Pflaster gab ihren Worten recht, und Bassow nickte nur lachend, weil seine Stimme doch unverständlich geblieben wäre. Bald war auch das Landratsamt erreicht und er sprang mit einem „Ans Wiedersehen" von dem einen Augenblick haltenden Wagen hinunter.
Er traf den Landra't zu Hause, kürzte seinen Besuch aber so sehr als möglich ab. Es war viel von der schwebenden Untersuchung die Rede, über die der Beamte genau unter richtet war, doch wußte auch er nichts weiter zu berichten als was Bassow von der Baronin schon gehört hatte
Das Haus des Kreisphysikus war daun bald erreicht, aber als Bassow den gemütlichen alten Bau betrat, erwartete ihn dort eine bittere Enttäuschung. Schon beim Oefsnen der Tür machte die alte Dienerin des Arztes ihm -vertrauliche Mitteilung, daß außer der Frau Baronin aus Garchim noch anderer Besuch gekommen sei. Der Herr von Breitenbach mit seiner Braut sei zugegen
Ain liebsten wäre Bassow gleich wieder umgekehrt Seme ganze Freude zerstob und verwehte vor diesen Worten und eine plötzlich neu auflodernde Eifersucht flüsterte ihm m, daß die Baronin um diese Begegnung gewußt habe ? r ö & — zum Teil wenigstens — der Grund liege für fahrtauffal^nd^ Heiterkeit uiid Gehobenheit auf der Her-
Aber ein Entkommen war nicht mehr möglich. Die Tür des im Erdgeschoß gelegenen Salons öffnete sich, und hervor kam der Kreisphysikus in eigener Person, den Ton der lauten Kliiigel au der Haustür vernommen f lt v Emodisch anmutenden, gastfreund-
lichen Herzlichkeit ging er Bassow entgegen und bewill- lommnete ihn mit andauerndem Händeschütteln.
^on, das ist mir eine wahre Freude, daß ich Sie hier begrüßen kann. Die Baronin hat Sie mir <m- gekundigt. Ich hatte schoii gefürchtet, Sie fänden überhaiipt mcht mehr den Weg zu mir. Und das wäre mir sehr leid Lbwesen, weil ich aus Garchim seit vielen Jahren als guter Freund habe verkehren dürfen. Wer nun sind Sie ja da — das freut mich, das freut mich!" * '
wiederholte sein herzliches Händeschütteln und nötigte Basjow zum Eintreten, wobei er sagte- Sie finden emen Teil der Nachbarschaft bei' mir ve^ammett Wir haben noch zwei aridere Gäste hier."
daß auch de^^eisphysttus Wer Nsen Äteren Itefu*
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Um einen großen, runden Mahagonitisch faßen die Anwesenden beim Kaffee. Bassows Augen suchten zuerst nach dev Baronin und fanden sie, wie er vermutet hatte, inj chsriaem Gespräch mit Breitenbach. Aber es blieb ihm zunächst keine Zeit für nähere Beobachtung; denn der Kreisphysikus führte ihn zu seiner Frau, in der Bassow eine alte, wohlgenährte Dame mit weißen Haaren kennen lernte, die ebenso licht und voll waren,, wie die ihres! Gatten. Auch sie begrüßte ihn mit großer Herzlichkeit: Breitenbach sprang auf und sagte: „Welche Freude, Sie hier zu treffen!", die Braut streckte ihm die Hand amerikanischherzhaft entgegen, die Baronin aber nickte ihm zu mit den Worten: „Das ist nett, daß Sie da sind." Gleich wandte sie sich dann aufs neue Breitenbach zu, der sich wieder neben sie gesetzt hatte.
Bassow wurde von der Herrin des Hauses mit Beschlag belegt. Er fand bestätigt, was die Baronin über ihre schöngeistigen Neigungen gesagb hatte, und mußte im Verein mit der Amerikanerin, die zuweilen verstohlen durch die Nase gähnte, eine längere Abhandlung über Schillers Aufsatz „Die Schaubühne als moralische Anstalt" entgegennehmen, den er niemals gelesen hatte. Dabei sash die Frau Kreisphysikus viel mehr nach gutem und reichlichem Essen und Trinken aus als nach Aesthetik, und er hätte sich zuj anderen Zeiten über diesen Gegensatz von Körper und Geist im stillen köstlich amüsiert, aber heute waren seine Gedanken viel zu sehr mit der schönen Frau beschäftigt, dia unter ihrer goldenen Haarkrone ihm gegenübersaß.
Nach dem Kaffee ging man in den Garten, der sich bis zu der alten Stadtmauer hinzog, doch wenn Bassow nun auai von der ^-rau des Kreisphysikus freikam, so zog ihn dieser selbst letzt mit sich fort. Er führte seinen Gast als leidenschaftlicher Blumenfreund mit Eifer durch alle Gänge des Gartens, auf dessen Beeten in der Tat eine Fülle von blühenden Blumen stand, wie man sie selten sah.
- '/Der Park von Garchim ist ja wunderschön," sagte dabei der Arzt, „aber Sw haben dort nicht Blumen genug Blu^ men bedeuten Freude, und Freude muß man sich schaffen so viel als möglich. Das ist für mich die ganze Lebenskunst Blumen her, immer nur Blumen her — fürs Auge und für die Seele!
Bassow nickte stamm; ihm war in diesem Augenblick wieder gar nicht nach Freude zumute. Denn er sah, daß die Baronin auch letzt wie fasziniert in Breitenbachs Nähe blieb und ihn mit eigentümlich leuchtenden Augen unverwandt anschaute. Der Baron blickte verstohlen zu der Ameri- lanerin hinüber, ob sie nicht ärgerlich sei über solche dancriide Bertraulichkert. Doch sw ging ruhig an der Seite der Frau Kreisphysikus und schien mit nichts beschäftigt, als mit dem Augen^b^ dlufschlag ihrer m der Tat abnorm schönen
- Der Arzt fuhr fort, von seinen Blumen zu schwärmen, und Bassow hatte seme botanischen Kenntnisse bedeutend bereichern können, wenn er zugehört hätte. Aber seine Blicke und seine Gedanken waren dort hinten an der alten Stadk- mauer, wo die Baronin mit Breitenbach in eifrigem, halblautem Gespräch auf und nieder ging.
(Fortsetzung folgt.)
das Duell.
Ms dem wundervollen Birch „Tyll Ulenspieael und Pnmm Aoedzack" von Charles de Coster, das Friedrich von Oppe^ Bronikowskl m mustergültiger Uebersetznng »eu heraufibt bangen >du mit Erlaubnis des Verlages Engen Diedierick^ ^enn folgende Schilderung zmn Mdruck: ^ '
Das Wassn rnchte Ulensviegel bis, an die Schenkel, und oftmals lwb chn eine tnckijche Welle m die Höhe, ihn und sein Pferd HM* fQ ) Y ie F^loldateu vorbeiziehen, die ein Säcklein mit Pulver auf dem Hut und ihre Büchen in der Lust trugen. Dann q' U fxrA? irCn ' b !5 Hakenbüch,en, die. Feuerwerker, die Zünd- doppelte Feldschlangen, Falkonetts, Qumtier- schlangen, halbe Q-uartierschlangen, doppelte Quartierschlangeir Lombarden, doppelte Bombardon, Kanonen, Mörser, Kammer^ tü! me ^bldstüch, so Mif Protzwagen gelegt und von. zwei Pferden gezogen, im Galopp stch bewegen konnten Sie glichen auf ein Haar denen, so Pistolen des Kaisers genannt wurden
chutze baKatifriL ^ Sani>äfn€ct)te mb flandrischen Reiter zum
WpJtVfW? 60 * 1 etnen erwärmenden Trunk. Der Schütze
Riesenkraft, em magerer, grausamer Hüne, schnarchte neben ihm


