Dm taten See
Roman von Robert K o h l r a u s ch. (Nachdruck verboten.)
lFortsetzung.)
Der Baronin Blicke zwangen ihn, unterjochten ihn, und er antwortete rasch, als wenn jeder Augenblick des Schwei- gen^ Beleidigung wäre: „Nein, Baronin, ich nehme sie an, wenn ich darf/'
„To kommen S-ie."
Gleich darauf saßen sie nabe nebeneinander in dem kleinen, leichten Wagen, der Kutscher sprang auf den Bock, und sie fuhren in raschem Trabe über den Hof hinaus auf die Landstraße. Wieder war ein leicht humoristischer ^ug um die Lippen der Baronin, als sie den Kops nun halb zu Bassow wandte und sagte: „Sie dürfen übrigens auch schweigen, wenn Sie iiicht mit mir sprechen mögen, dcur üit[ dem Hose, warum sollen wir den Leuten immer das Schauspiel der feindlichen Geschlechter geben?" r . ich ruächte mit Ihnen sprechen, Baronin. Ich
bm glücklich über diesen Zufall. Denn ich habe längst schon bereut, daß ah mir jede Gelegenheit abgeschnitten habe, Sic genauer rennen zu lernen und mir ein bestimmtes Urteil über Sw zu bilden."
lvort SiC mi ^ itt ^ und ich werde ant
„Nein, kein Verhör. Aber doch, — eins möchte ich Si fragen: warum such Sie heute so heiter?"
„Ich bin es wirklich. Sie haben recht. So heiter nn, froh, daß ich sogar gestimmt bin, freundlich gegen Leute zr sein, die furchtbar unfreundlich gegen mich gewesen sind '
Srewars ihm einen raschen, kurzen Blick von der Seit zu, der ihm das Blut ins Gesicht trieb, aber zugleich er sparte sie ihm eine mühsame Antwort, indem sie schnell hin zusugte: Leider kann ich Ihnen vorläufig noch nicht sagen tvas meine Stimmung so verändert hat."
„Vorläufig nur?"
,,Vielleicht, vielleicht auch nicht. Es hängt von Um standen ab, die nicht in meiner Macht liegen "
Euren Augenblick verfiel er wieder in tief nachdenkliche- Schweigen. Er mußte sich erst in ihr verändertes Wesen hinenisrnden, und er sagte sich: war diese nrerkwürdige Heiterkeit und Gehobenhert nur Pose, um ihre wahren Emw sindungeu zu verbergen? Spielte sie vor ihm eine geschickte '^uome um ihren Schmerz über Breitenbachs Verlobung Nicht sichtbar werden zu lassen?
Diese Gedanken flogen aber nur schnell durch sein Hrrn, dann wies er sie von sich ab. Seine Blicke schive-iften ^er dw wetten, halbieren Felder, ans denen die weißen ^mdarmel der Aroeiter leuchteten, und er sagte mit.einer nnwlenken Handbewegung: „Hoffentlich kommen wir beule ^ vorwärts mrt dem Roggen. Ich glaube, wir müssen uns beeilen, — der Himmel sieht sonderbar aus."
Der Himmel sah wirtlich sonderbar aus. Ein eigentümliches Leuchten war in der Höhe, wo Gold und Blau ineiu- Lnderzufließen schienen. Einzelne lange, wie ans Watte geformte Wolken zchwammen ruhig in d.m schimmernden Meer, dejien Licht um sie her glänzende Ränder zog.
"Wenn !vir in Italien wären, würde ich sagen, wir haben ^cirocco," brach die Baronin das Schweigen.
„Sie waren in Italien?" fragte Bassow.
„Eiri paaranal. Einmal zum Vergnügen, einmal nn Dienst."
„Im Dienst?"
„Ich habe dort gesungen, gastiert. Aber ich fühlte selbst, ich war ulatter als sonst. Hinterher wurde mir gesagt, wir hatten ^cirocco gehabt. Darum habe ich den bösen Südwind im Gedächtnis behalten."
„yatnen ouDimnö haben wrr heute wirklich. Das ist hcer im Norden ein seltener Winde."
„In diesem Sommer nicht. Er hat auch damals geweht, —"
„Wann?"
„Sin dem Tage, als mein Mann ermordet wurde."
„Ein Gefühl, halb Schrecken, halb Freude, faßte ihn an bei ihren Worten. Hätte sie so unbefangen von jenem furchtbaren Ereignis reden können, wenn sie rvirklich selbst an chm die Schuld getragen hätte? Vergeblich suchte Bassow Zuerst nach Worten, um dann zu fragen: „Gibt es gar nichts Neues in dieser traurigen Sache? Haben Sie nichts gehört liber den Verlauf der Untersuchung?"
„Doch, etwas Neues gibt es. Das Gericht ist wieder auf einer andern Spur. Nach langem Zögern hat sich nämlich ein Wirt ans einem Nachbardorfe gemeldet und aus- gesagt, mein Mann wäre nicht lange vor seinem Tode mit leinem krank und ärmlich aussehenden Menschen dorthin gekommen, hätte ihm zu efserl und zu trinken geben lassen und längere ^>eit mit ihm gesprock)en. Worüber, das hat niemand geport, aber für die Herren Juristen genügt dies — bei dem stolze meines verstorbenen Marines in der Tat etwas auffallende — Vorkommnis, um einen Verdacht gegen den Unbekannten zu konstruieren."
„Und Sie — glauben Sie nicht an eine Bedeutung dieser Spur?"
„Nein, vorläufig nicht sehr. Ich habe nie großes Vertrauen zu den Aktenmenschen gehabt, und es ist jetzt noch viel geringer geworden. Wie haben sie meine Wahrnehmungen und Aussagen mißachtet! Ich habe damals den Schrei doch gehört nnt diesen meinen Ohren, der aus dem Parke zu nur heran!d rang, diesen gräßlichen Toii, den ich bis an mern Lebensende nicht vergessen werde."
„Ich habe davon sprechen hören, aber —"
„Es war die Stimme meines Mannes, der um Hilfe rref in fernen letzten Augenblicken. Daran gibt es für mich lernen Zweifel mehr, und wenn es am Emde auch gleichgültig ist, ob er im Park oder in seinem Zimmer gelötet worden ist, für die Untersuchung wäre die Frage nach dem


