r Die vom Rauhen Grund.
Roman von Paul Grabein.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
^ile diese gewaltigen Wandlungen vnrchznführen ml ~5 r gebotenen Elle ivaren nicht Hände genug im Ort und in ytQu.oejt Grund. Von außerhalb, vom Westerwald drüben aver auch noch von weiterher wurde darum .Hilfe herbei geholt. Schwer war es, Unterkunft für diese Landfremder Air schaffen, die die Ortseingesessenen nur scheelen Augeä komme,: sahen.
Da zeigte sich des Hannes Rensch betriebsamer Ge- schaftsslnn auf seiner Höhe. Er setzte sich mit einer Kölner Gvoßftrma rn Verbindung, und bald begann ein eifriges Vauen, mrt amerikanischer Schnelligkeit. Fast über Nach! entstand da auf dem letzten Ackerstreifen, der dem Hirschen- geblieben war nach seinem großen Verkauf an die Zeche, ein kleines Wohnhaus nach den: andern. Uu- schon, nur eben notdürftig für seinen Zweck gemacht — etrte lange Doppelreihe kahler Ziegelhäuser, anznschauen wie ern Msernenbau. Aber die Wohnungen darin fanden rm Handumdrehen Absatz, und wieder einnral hieß es im Rauhen Grund: Ja, der Reusch-Hannes — der verstand's! Da kam Geld zu Geld, haufenweis.
Aber es war ihm damit noch nicht genug. Wie wenn er angesteckt tvar von dem großen Werden und Wachsen, das er droben auf Christiansglück tagtäglich vor Augen hatte, kam ein fiebernder Unternehmungsdrang auch über den kleinen beweglichen Mann.
Eines Tages sahen die Nachbarn zu ihrem Erstaunen auch auf seinem eigenen Grundstück die Bauleute ihr Wesen treiben. Man schüttelte den Kops, was sollte das nur, wieder geben? Bald aber wußte man's: die ganzen Wirtschaftsgebäude hinten auf seinem .Hof ließ der Rensch- Hannes niederreißen. Was sollten ihm die auch noch, nun, wo er keinen Fuß breit Land mehr sein eigen nannte? Nein, den wertvollen Boden konnte man jetzt besser ansnutzen.
Und allmählich stiegen die Mauern eines umfangreichen Neubaues aus den Fundamenten auf. Eir: Saal sollte es werden, und drinnen an jedem Sonntag großer Tanz.
So etwas hatte noch keiner je in: Rauhen Grund! gehört. Tanzen am heiligen Feiertag? Wie ein Verbrechen wäre das den Alten erschienen! Als das Geriicht davon auch bis zum Pfarrhaus drang, drunten im Tale, schlug es ein wie ein Wetterstrahl. Hellauf schlug die Lohe, und eine halbe Stunde darauf war Burgmann schon droben beim Rensch.
„J'st's wahr, was man spricht? Ein Tanzsaal ist's was Ihr da baut?"
„Wird wohl so stimmen," nickte der Wirt.
„Mann!" Drohend sah cs aus, wie der streitbare Gottesmann sprühenden Micks vor den andern trat. „Seid Ihr denn ganz von Eurem Alten Geist verlassen,, im
Rausch der Geldgier, der über Euch geraten ist — Gotö se:'s geklagt! — seit der Unheilsmensch, der Bertsch, hier ins. Land gekommen?"
„Mas ereifern Sie sich, Herr Pfarrer? Gibt's denn nicht Lausende von Tanzsälen draußen in der Welt?"
„Was schert das uns? Wir wollen nicht mittun mit denen da draußen. Festhalten wollen wir an alter Zucht und Sitte!"
i„Die wird von dem bißchen Tanzen auch nicht gleich zugrunde gehen."
„Rensch — könnt Ihr nicht sehen? Oder wollt Ihr nur nicht?"
ftarffttodjtgett Hände des Pfarrers packten den kleinen Mann bei der Schulter und schüttelten ihn.
„Herr Pfarrer, ich muß doch sehr bitten!"
Da ließ der weißhaarige Gotteseiserer von ihm ab, aber es brach ihm-wie ein Blitz aus den Augen.
„Und Euch Hab' ich konfirmiert und getraut! Schämt Euch, Rensch — im tiefsten Grunde Eures Herzens!"
„Ick bin Ihr Konfirmand nicht mehr, Herr Pfarrer, und weiß allein, was ich zu tun habe." Kühl kam es zurück. „Im übrigen — mit Ihrer Auffassung vom Sonntagstanz werden Sie bei unseren jungen Leuten wenig Glück haben. Ich glaub', die kenn' ich besser."
„Das wird sich zeigen!"
t v,Gew iß, das wird es sich, sobald wein Saal erst fertig ist."
. „Dazu wird es nie kommen!" Heftig fuhr Burgmann auf. „Ich werde persönlich bei der Regierung vorstellig werden. Sie werden die Konzession für Ihr Tanzvergnügeil nicht erhalten."
>„Da werden.Sie zu spät kommen. Die Hab' ich nämlich schoii. Ein kluger Mann baut vor, Herr Pfarrer!"
Und Rensch lächelte vergnügt in sich hinein.
Dunkelrot färbte sich Burgmanns Antlitz, bis hoch hinauf unter das silberweiße Haar. So stand er eine Welle in mühsam nur niedergezwungenem Grimm. Dann hob er wuchtig die Rechte.
„Das wir Ihnen kein Segen werden — so wahr ein Gott lebt! Denken Sie an diese Stunde, Rensch."
Damit ging er.
yuuuii.' yieu|U| yov glenriMUlig uit oiyuucui. ein wenig nachdenklich war er immerhin geworden. Merkwürdig — ganz dieselben Worte hatte ihm an dieser Stelle schon mal jemand gesagt. Die alte, blinde Frau da hinten.
Die Reusch-Mutter J^cjnit stillem Kopfschütteln von all den neuen Djiigen^/c^Drk, die um sie herum geschehen sollten. Sehen konE sie jcr nichts davon. All sein Land sollte der Sohn verkauft haben! Von dem stattlichen Grundbesitz, der die Hausmarke der Reuschs draußen in dckk Flur gezeigt, von Geschlecht zu Geschlecht, war nun kein Fuß breit nrehr seu: eigen. Wie ein armseliger kleiner Kötter saß er nur noch auf seinem Hof.


