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ausströmte, just so gefangen nehmen, wie die anderen, die er gefangen nehmen wollte. Zwei Stunden vergingen, und nnr mit kleinen Pausen sang der süße, schmeichelnde Tenor von Liebe, Lust und Leid. Er machte aus uns rauhen Kriegern andere Menschen rmd nabm mit sich unseren herzlichen Dank, den brausenden Beifall, den Vielhundert Barbarenhände klatschten.
* Ein beleidigter General. Es war im Jahre 1871 während der Belagerung von Paris: die Fensterscheiben in den Villen der Vororte um die belagerte Stadt »»raren durch den Luftdruck der krepierenden Geschosse häufig zersprungen, und die Soldaten, die in solchen Häusern einquartiert waren, hatten die Fenster verklebt. Da ging eiires Tages General von Henning vorbei. Der General, ivegen feines lderben, aber geniütlickwn Wesens sehr beliebt bei den Mannschaften, trug einen riesigen Stock in der Hand, mit dein er an der Scheibe eines der zugeklebten. Fenster so lange lierumstocherte, bis er sie durchstoßen hatte. In der Stube entstand dari'iber grober Lärm, ein Soldat ergriff drinnen den Stock imb rief: „Was ist denn das für ein infamer Schweinehuiid, last los, Hallunke!" Der General folgte dieser Weisung, liest den Stock los, begab sich aber in die Stube, wo die Soldaten erschreckt in die Höhe sichren, und fragte: „Wer hat mich eben hier Schweinehund und Hallnnke genannt?" Einer trat Atternd vor und sagte: „Zu Befehl, ich, Herr Geireral?" — „So!" sagte General Heirning, „das hat außer dir, mein Sohn, iwch nienvand gen^agt.. . . Darauf müssen wir zusammen einen Schnaps trinken!" Und General und Gemeiner gingen miteinander von dannen, uM den „Wageinut" des Soldaten zu beziehen.
* Die Heimat deS „P f u i". Eine seltsame spracbltche Ge»volwhett ist den Dentichruffen KirrlandS eigen, wenn man den Schilderunqen Ludwig BrnuierS glauben darf. Dieser 1905 in Lübeck verstorbene Schri tsieller. der lange in den ruffi|ct»en Ostsee» Provinzen gelebt hat und verschiedene Bücher über Kurland und seine Bewohner hera»isqab, behauvtet, es wäre unmöglich, auf- zuzählen, wie oft die Deutschen der russischen Ostseeprovinzen an einem Tage, ja in einer Stunde „Wm* saaen. Aber dies ,Piut- töt eine ganz andere Bedetcknng als bet uns. Es macht zum Beispiel ein junger Deutscher bei seiner Reise »»ach Petersburg einem vornehmen Herrn in Milan seine Aufwartung. Der Herr erkundigt sich, in welchem Gasthof er adgestiegen sei. Der Reisende nennt den Gasthof. Da ruft der Mitauische Herr aus: »Pfui, aber warum auch dort?" Ter Reisende erschrickt, da diese Bemerkung ihn auf eine widerwärtige, ihm verborgen gebliebene Seile deS Gastho'eS schließen listt, meint: „Nun, dann ist es wohl geraten, in einen anderen Gasthof umzuziehen?E Der Mitauische Herr antwortet: „Pfui, sind S»e einmal da, so kleiden Sie nur getrost l" DaS erstemal wollte der Herr etwa sagen: „Aber warum fliegen Sie denn in diesem Gasthof ab?" Das zweite,nal sollte die Bemerkung etwa heißen: „Ei, nicht doch! So schlecht ist der Gasthof nicht, daß Sie eS dort nicht einige Tage sollten auShalten können!" Brünier selbst sprach einmal mit einem Gutsherrn, der einen sehr sparsamen Gebrauch von feiner Equipage machte. „Gewiß wurde»» Ihre Töchter glücklich sein," meinte Brünier, „wenn sie täglich einige Werst spazieren fahren könnten." „Pfui." a»»twortete der Vater, „sie machen sich gar nicht so viel daraus." Ein andermal fragte Brünier eine junge Dame: „Neun Meilen von Ihne»» ent» sernt wohnt Ihre Tante?" — Pfui, nur sieben!" lautete die Antwort. Beide Male bedeutete daS „Pl»n" ein starkes Rein. Uev- rigens verspotten die Kurländer zmveilen selbst die seltjame An- gewobnheit. Einer Knrländerin, die au! einen» Rheindampser ln lebhafter Unterhaltung das Ltebliugswort häufig gebrar»chte, stellte sich ein Herr, der eine Weile dem Gespräch gelauscht hatte, »nit de»» Worten vor: „Da Sre a»»s der Heimat des Pfui sind, so dars ich mich Ihnen »vohl als Landsmann vorstellen I*
"Ein neues Zwergvolk. In Französisch-Kongo ist nach Mitteilungen des „Scientific American" ein neue« Zwergvolk entdeckt worden. Die Zwerge dieses Volkes sollen eine Größe von 1,50 Meter nicht überschreiten. Sie leben ganz abgefchlosseir im Bezirke von Mongimbo und baue»» ihre halbkugelförmigen Hütten in Gruppen von 5 bis 30 Stück mitten im Walde. Ihr Häuptling ist ein aller Ma»n», der absolut herrscht und aus seinem Geschlecht seinen Nachfolger bestimmt. Manche seltsamen Gebräuche befolgen diese Zwerge in ihrer Ernähr»»,»g: so lebe»» die Frauen von Wurzeln, die Männer aber von der Jagdbeute, — jene also vegetarisch, während die Fleischnahrung den» stärkeren Geschlecht Vorbehalten zu bleiben scheint. A»,ch in ihren Legenden »nachen sie zwischen Männern und Frauen einen scharfen Unterschied: die .Herkunft der Männer »vird von einer Kröte hergeleilet, während als der Ahnherr des »veiblichen Geschlechtes ein Igel gilt. Einige unsichere Vorstellungen von gut und böse sind bei bieiem Zwerg- volke vorhanden, das mit viel Frömmigkeit einen Toteuknllu- betreibt. In der Verteidlgung ihrer Freiheit und Unabhängigkeit zeigen sie sich sehr tapfer.
Sprachecke des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins^
Gedankenlosigkeit. Wenn das Kind über etwas ganz Vernünftiges lacht, das ihm ungewohnt ist und deshalb „komisch" vorkommt, so halten wir ihm das zugute, »veil dies Lachen harmlos und unschädlich ist: lacht es aber über das Gebrechen eines Mit
menschen, so verioeisen lvir ihn» das mit Recht. Spott ist nicht an» Plaste, ivo des andern Mangel unser Mitleid erregen sollte. Und doch verlialten sich viele Erwachsene, die das Kind wegen! solcher Gedankenlosigkeit tadeln, ganz ähnlich. Oder was ist es anders als kindliche Gedankenlosigkeit, wenn gebildete Leute fick über falsche Ausstnache oder Schreibung von Fremdwörtern bei dem einfachen Mann a»»s dem Volke lustig machen? Der fran- ösische und der griechische Ausdruck, dessen Ursprung dieser nicht ennt, ist ihm lediglich eine Wovtmcrrke, die er von andern übernimmt, und er schreibt oder spricht ihn, so gut oder so schlecht er es vermag. Wer hat ein Recht, darüber zu lachen? Kann jener doch für die Fehler, die er nmcht, ebensowenig wie der arme Krüppel für den Buckel, wegen dessen ihm die Kinder auf der Tvrfstraste irachlanfen und ihn» Spottworte zu rufen. Mag er also statt Parterre Badähr sprechen, statt Lyzeum Listeum schreiben, mag er .Chauffeur^ »ind Coiffeur verivechseln, patriotisch und paritättsch, Krematorium und Koirservatorium, Feuilleton und Fauteuil u. a. nv. — es ist nicht seine Schuld, wenn er »richt so „gebildet" ist wie wir (lieber Himimel, die Kenntnis ausländischer Wörter „Bildung"!), und so sollten wir nicht darüber lächeln oder wistelr», sondern lieber bedenken, daß wir selber an seinen Verdrehungen schuld sind, indem wir Ausdrücke gebrauchen, me er nicht versteht. Anderer Leute Mängel sollen uns nicht zu Spott veranlassen — der ist billig l —, sondern zur Selbstprüfung: damit nüsten wir ihnen und uns selbst. Bemühen wiv uns, ehrliches Deutsch zu reden! Dann verstehen sie uns, und lvir selbst werden, indem wir auf den Ncsdruck achten, reifer und tüchtiger im Gebrauch unserer lieben Muttersprache.
vüchertisch.
— Der Kunst wart als „D e »»t s ch e r W i l l e" bat soeben sein ersieS Heft beransgebracht. (Georg D. W. Eall»vey, München.) Nach Aussehen und Stoff ist es den Heften deS vorigen „Kriegsjahrgangs" dtirchauS ähnlich. Voi» de>» sechs größeren Aufsätzen des ersten Teils beschäftigen sich drei mit künstlerischen Bestrebungen. Avenarius schreibt über das „Deutsche Warenbuch" der Dürerbund-Werkbu»»d-Genoffenschaft, das in» Oktober erscheint und den ersten groben Vorstoß für den Vertrieb voi» Wertivare bedeutet: Die Verbündung von Dürerbund »md Werkbund mit
160 großen Händlersiriuen zur Propaganda erlesener Ware — ein echt deutscher qroßarti »er OrganisatiouSveriuch, wie ihn kein ziveikeS Volk der Welt aufiveisei» kam». Gür ler »vendet sicb in einem Auf- sah über „Die deutschr^Musik in Gegen,vart und Zukunft" dagegen, daß Etra»»b zu sehr iit den Vordergrund gestellt wird, er »vendet sich dann allgemein gegen den allzu internationalisierende,» Zug in der Tonkunst und in unsrer öffentlichen Musikpflege. Wosigang Schumann erörtert die „Frage der Kricgslnrik". Tie übrigen drei Aufsähe behandeln ethische, politische und wirtschaftliche Themen.
— Kriegskarten für die Balkan länder sind erschienen im Verlage von Oskar Eulist, Lissa i. P. (von dem bekannten Leipziger Kartographen C. Opist bearbeitet), und in der Kartograph. Anstalt G. Frey tag »»'. Berndt, Wien.
— Ernst Schubert, R n hm. Ein Novellenkranz um Friedrich den Großen. (Grote'sche Sammlung von Werken zeitgenössischer Schriftsteller Band 122.) 836 Seiten 8°. Geheftet 3 Mk. (Berlin. G. Grote.) — Ein junger, »wch unbekannter Schriftsteller bietet hier in seinen Erstlingsnovellen das rein erschaute, plastisch gestaltete Bild des Zeitalters und der Heldengestalt Friedrich des Großen, wie es ihm in Nacherleben jener hehren Lage und Tate»» lvard.
—- Hebels Nh ein l ändi sch er Hausfreund- Jahrgang 1916, ist im Verlage von I. H. Geiger (Moritz Schauenburg) in Lahr, Baden, soeben erschienen. Ter Jahrgang trägt sotvohl im Text als auch in den Illustrationen »mserer großen Zeit Rechnung. Neben den „Weltbeaebenheiten", in denen der Ursprung des Weltkriegs und sein Verlauf während des ersten Kriegsjahres übersichtlich geschildert wird, bringt der Kalender lehrreiche Aufsätze und viele unterhaltende Geschichten, teils mit, teils ohne Bez»»g m»f den Krieg.
Krebsrätfel.
Es ist der Schöpfung altes Rätsel,
DeS Löf»u»g nicmaub noch ersann.
Ein Strom, der jetzt durch Blnme»»wiesen Sich windet mio durch Klippen dann,
Bald träae schleicht, bald ftürmt und brauset,
Bis er versinkt ins »veite Meer. —
Doch fite» t er rückwärts, dann verschleiert
Er alle Dinge rings umher. (Aufl. i,» »»ächster Nr.)
Auflösung der gahlenpyramtde in voriger Nummer:
Ll 8 & c» 8 Sage Agnes
Spange
Schrijtleitung: Aug. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitälS-Dnch» und Cteindnickerei, R. Lgnge, Gießen


