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her Tasche und schärfte die Schneide. Dann bückte er sich nieder und mühte mit dem blitzenden Säbel die Halme.
Fntz ging quer über einen Weg, der eine Chaussee sein sollte -u dein Alten hin. „N'Abend," sagte er.
Der Alte fing heftig an zu zittern und ließ den Sabel falten.
ma T c einen tiefen Bückling, sah aber Fritz aus düsteren glimmenden Augen feindselig an.
r. r ein bißchen Korn mähen, es sei seilt Kornfeld. Er
brauche Mehl für seine Tochter und ihre Kinder, sagte er in ge vrochenem Deutsch.
(s. r^ r *L/* u ^ crte ' er ^oürde ihm gerne helfen, wenn er nur eine Sense hatte.
a dllte schüttelte den Kopf, daß seine Korkzieherlocken flatter-
Ware Nichts da. Kern Gerät . . . Gar keins ... Ein „Dait- K brauche ihm nicht zu helfen. Und Mieder staiid der hassende Ausdruck in seinen kleinen Augen.
Schwertfeger ^^utschen ihm etivaö getan hätten, fragte Fritz
hätten seiner Frau das Schlimmste angetan uird sie dann entochen. Er hätte sre, als er nach Hause gekommen märe, mit "/^öen deutschen Säbel in der Brust aufgefunden. „Ich selbst habe sie gesunden . . Ich". Er legte die rechte Hand be
schwörend auf die Brust, dann legte er sie über die Augen und wernte.
"Das glaube ich nicht", sagte Fritz.
. Aber der Alte schmor tausend Eide, daß es so sei. Er habe früher nicht so was Schlechtes von Daitsche gedacht. Sei Freind von Daitsche gewesen. Aber jetzt nicht mehr.
r k mit stillem, nachdenklichem Gesicht in das polnische Schloß zuruck.
Außer seiner Kompagiiie tvar da noch> eine Feldtelegraphen- avteilung auf dem Durchmarsch. Das waren junge Leutchen aus der Heimat, denen nun zum ersten Male der Wind des Schlachtfeldes um die Nase wehte. Biele Berliner waren darunter. Die hatten ihre Pferde m der Vorhalle des Schlosses nntergebracht: deinl die Stalle waren zerschossen, während sie selbst sich mit ^nen Kameraden den großen Saal mit den Ahnenbildern als Schlafraum teilten. Einer saß da in einer Ecke an einem Tisch und schrieb Als er letzt fertig war, nickte er dem Bildnis der alten Polin, das ihm gegenüber hing, zu. „Na, Jroßmama, ick habe denen zu Hause dein ollet Schloß hier mächtig rausjestrichen.. Bon weien polnisches Jrafenschloß. Ick sage dir, en Berliner Haus Mit herrschaftlichen Auflang is mir lieber." Er lachte und auch über Fritz Schmertfegers ernstes Gesicht glitt ein Lächeln.
Der fragte den jungen Kameraden, wie es denn dahinten in der Heimat wäre. Ob man noch guten Mutes sei. Wie die Ernte ausfalleii werde, und toas dergleichen so mehr war, was er aus dem Herzen hatte.
Es sei dahinten in Deutschland alles in bester Ordnung, daß die immer guten Mutes blieben, dafür sorgten die Sieges- nachnchten. Seine Mittler hätte schon zum zweiten Male schwar- zen, weißen und roten Kattun gekauft und hätte eine neue Fahne genaht: denn die erste, mit der sie Lüttich, Antwerpen, Tannen-. berg und all die anderen Siege gefeiert habe, sei nun schon ver-c braucht, die zweite habe fte mit Jwangowd und Warschau ein^ aeivecht Ja, so ungefähr sei die Stiimnung überall in Deutschland. Zuversichtlich, gut und stolz.
. faßte i^witz _Schwertfeger und schlug mit der flachen Hand
dröhnend auf den Tisch, „stolz sind die zu Hause aus uns, das sollen fte auch sein . . . aber . . . aber ..."
Er schluckte, als würge er etwas hinunter, schwieg sekunden- ang. Dann fuhr er grollend auf. „Uiid es ist nicht wahr ... Es ist Nicht wahr . . . Ich glaube es nicht."
„Was denn?" fragte der junge Telegraphist verwundert
Und auch einige von Fritzens Kompagniekameraden traten herzu und fragten, was denn los sei.
Er zögerte noch ein Weilchen, dann, die Stinlme dämpfend, erzählte er sein Gespräch nitt dem alten polnischen Jrcden -und was der ernem deutschen Soldaten zuin Vorwurf mache f bn ' olle Ponipejaner. Wir sind doch keine Kosaken," schne der Wehrmann Krause.
„Wer weiß, wie das zusammenhüngt," sagte ein anderer, der auf einem.mottenzerfressenen Polsterstuhl saß und bedächtig an seinem Komniißbrot intt Speck kaute
„Vielleicht is er von die Russen gekauft. Die suchen doch mit Gewalt uns wav anzuhängen."
Immer mehr Soldaten kameii herzu, umstandeil den Tisch und äußerten sich erregt zu der Verdächtigung des Alten
Plötzlich ließ ein dumpfes Gepolter sie aufhorchen. Es hörte sich an, als wenn ein schwerer Gegenstand jenseits der Mond, vor Welcher der Tisch stand, niederfiel.
. Eftnge stießen die Tür zuur Nebenramn auf, sahen sich in erneni schmalen Gang zwischen den ungeheuer dicken Türpfosten und gelangten danu erst m ein halbrundes, jedoch vollstäiidig aus- geraunttes .Zimmer.
Kraust^ ^ dollerei nicht geweseii'" sagte der Wehruiann
„Kinder," meinte ein anderer und klopfte mit dem Knöchel hart gegen die Wand, „diese dickeii Wände. Die sind lwhl Das ist ein Schornstein. Ein Stein wird rrmtergefallen sein."'
.Mer w'.e ]ic wieder alle in den Saal znrücktraten, ertönte
baäJBoltexn von neuem, unb diesmal stärker. Ter kleine Telegraphist sprang ans, zeigte auf das Bild der alten Polin und rief: „Jroßmama hat sich verbeugt."
_ ^ohAaftlg, wie sie hinsahen, stalid der schwere schwarze Rahmen dev Bildes oben einige Zentimeter von der Wand ab, rrnihreud er unten »me eingeklemmt »var.
„Eine Tür," sagte einer.
- - l l\ lb drei, vier standen sogleich vor dem Bild uiid zerrten an dein Rahmen. Es war wirklich eine Tür. lind wie sie sich nun knarrend öffnete, polterte ein schwerer Körper heraus und den Soldaten vor die Füße. Eine steil aufsteigende Wendeltreppe zeigte sich m der dunklen Oeffmmg.
*vr^ m r l! ff Ä ec Soldat lag zu den Füßen der jungen Telegra- phisteil und Wehrntanner. Er war tot.
Ter Tod mußte schon vor Tagen eingetreten sein: deuii es machten sich bereits Verwesungszeichen am Körper bemerkbar.
Der funge Telegraphist war ein wenig blaß geworden, die anderen aber, die den Krieg und seine Schrecken bereits kannten, hatten nichts als ein verwundertes Fragen in ben Angen.
.. die Leiche auf den Hof, wo einige der Dorfbewohner
Mit Schuf)eln und Töpfen standen, um aus der Feldküche Essen zu empfangen. Auch der alte Jude im langen Kaftan mit zwei iteinen, fchwarzauglgeu Mädchen war unter den Hungrigen.
. Wie fte nun aber die Leiche sahen, drängten sie alle neu-c gierig herzu.
Der im Kaftan fing an zu zittern, und mit den Finger auf den Toten zeigend, tagte er: „Von daitsche Soldat. Aber ich ihn kenne. Peter Sergen"
Und nun sahen es auch die anderen, daß der Tote ein roh- ledernev Soldatenkoppel trug. Das Seitengetoehr aber fehlte.
Fritz Schwertfeger war mit einem Sprung bei dem Alten und packte ihn hastig am Arni. „Mter, der, der da hat Deine Frau unigebracht."
. Ee schien den Toten mit seinem finsteren Augeii zu
durchbohren. Er legte die linke Hand wie beschwörend au die Brust, hob die rechte zur Faust geballt und murmelte etwas, was wie ein Schwur klang. Tann stürzte er, che es jemand hindern konnte, auf den Toten zu, riß ihm die Litewka auf und förderte em Kästchen zutage, ba§ mit Münzen und goldenen Schnnlcksachen angefüllt war.
^ Des Alten Augen glühten wie Feuerkugeln. Er drohte deni Toten mrt der Faust und niurmelte heftige Flüche. Tann hob er eine Goldkette Mit einem runden Anhänger in die Höhe und zeigte w den umhersteheudeu Dorfleuten. Sie erkaunteli das Schmuck- ttick als feiner ermordeten Frau gehörend, ebenso die anderen rn dein Kästchen befindlichen Sachen.
„Hab daitsche Soldat unrecht getan. Verzeihung. Bin »weder Fremd von Tcutsche," fagte er zu Fritz Schwertfeger. Nach der furchtbaren Aufregung bebte er jetzt »vie Espeittaub, und Träne um Trane ^ rollte in feinen fangen Bart.
Fritz Schivertfeger »var geradezu glücklich, daß diese schwere Bezichtigung sich so klar widerlegt hatte. Der Ofsizierstellvertreter iiahm das Ganze zu Protokoll. Sämtliche Dorfleute wurden als Zeugen aufgeführt. Dann wurde der Tote in einer Ecke des Schloßgartens begraben.
Er »var offenbar in dem Turmzimmer, zu dein die persteckte Wendeltreppe führte, Hungers gestorben. Vielleicht hatte er sich erinattet bis an die Treppe geschleppt und tvar dann später alä Leiche abgestürzt.
Der Mte aber rächte sich auf seine Weise.
In der Frühe des nächsten Tages sah Fritz Schwertfegek me gesamten Dorsleute »nit dem Alten auf der Chaussee versammelt. Sie hotten Spaten in den Händen und schienen gearbeitet zu haben.
^ Fritz ging hinzu und erfuhr, daß sie den Russen iur Schloßgarten ansgegraben und unter der Chaussee eingegnrbeu hatten.
„Die Füße von Menschen und Tieren sollen über ihn »veg- achen Er soll keine Ruhe baben uiid soll verflucht sein," sagte der Greis mit erhobener Stimme, unb seine asketische Gestalt erschien »oie die emes furchtbar zürneiideii Propheten ans dem Lllteii Testament.
Vermischtes»
1 ® a ^ Konzert i nt feindlichen Schützengraben, gm Felgrauer schreibt uns: Es war in der Champagne, wenige Tage vor ben neuen großen Joffre-Offensive. Ruhig verträumt tauchte der Mond aus den Wolken unb eine helle, herrliche Herbst- nacht begann. Wir lagen dem Feinde ganz nahe gegenüber, trotzde,n fiel nur da nnb dort ein Schluß. Es »v>ar, als ob man auckfi rn den Gräben schliefe. Da hob drüben bei unseren Feindeii e i n e Stimme an, eine Stimme, deren Tonschönheit sich immer mehr entfaltete. Drüben gab es Kmtzert, und wir lonschten, als ob es für uns bestimmt wäre. Mit Taniihäusers Ht-mnns an den Abend- sterli begann es, unb die späteren Lieder belviesen uns, daß es ein Wagnersänger sein mußte, der, »ver »veis; »vie, den Franzosen als göttliches Geschenk m den Schützengraben hineingeschneit war Nun hallte keul Schuß mehr, nun schlief auch bei uns menmub und mochte er noch so »nüde sein. Wir spendeten dem Stimmbegnadeten unseren Beifall mit derselben Begeisternna, wie seine Zuhörer und Landsmänuer. Wir ließen unö von bem Zauber, den diese Stimme


