570

n

f " r

-,Herr Baron!" rv r ?,Ich bin Ihnen wohl zu schlapp, Tschammer? g Ich

Weiß/'

Herr Baron bewahre mich der Himmel vor einer Sünde. Aber das das das können Sie nicht! Sie dürfen das nicht! Sie haben Haus und Hof mck> Weib und Kind und haben die Last der Jahre"

Andre auch, Tschammer. Sie sollten sich schämen, in dieser Zeit so zu reden. Also es ist aut. Es bleibt dabei. Wenn dann fehlt Alexander Rothkirch nicht, Tschammer!"

Matt setzte er hinzu:

Vielleicht vielleicht kommt es noch nicht zum Aus­bruch. Wer will das heute wissen? Aber hoffen wir's! Hoffen wir's!"

Oberinspektor Tschammer sah den Freiherrn an, wie man einen Fieberkranken betrachtet.

Sie, Herr Baron, haben mir in meinen: ganzen Leben noch nie etwas übelgenommen, wenn ich auch immer gerade­aus war. Sie müssen mir jetzt auch die Frage erlauben, die hier einzig am Platze ist: Sind Sie krank, Herr Baron?"

Da sprang Rothkirch aus und blickte seinen Oberinspek­tor voll Zorn an.

Tschammer!"

Er machte ein paar Schritte in das Zimmer.

Sie haben mich noch nie beleidigt. Fetzt haben Sie das getan. Aberes ist vorbei ihr alle ihr ihr", - er schrie das fast hinaus, so geriet er in Aufregung,ihr dürft mich ja beleidigen. Hahaha ihrftdürft"

Atemlos sank er auf den nächster: Stuhl und stierte zu Boden.

Was was war das? Wo bin ich?"

Geistesabwesend sah er Tschammer an, der sich über ihn beugte und ihn sanft am Arm gefaßt hatte. Kein Zwei­fel, der Freiherr hatte der: Verstand verloren!

Es ist schon vorbei. Schonen Sie sich, Herr Baron. Fahren Sie einen Dag später, fahre:: Sie übern:orgen."t

An: Spätabend dieses Tages geriet die Menge vor dem Dorftrug in Brand. Das Telephon hatte den Mobil­machungsbefehl gebracht. Nun gab es kein Halten rnehr. Zwischen derWacht am Rhein" hörte man das Schluchzen der Frauer: und Mädchen. Bis in die späte Nacht hinein brannte in der: nwistei: Häuser:: Licht. Es wurde gekramt und gepackt, geschrieben und gesiegelt. Die jungen Männer warer: kann: zu Halter:. Und auch, wer ein Weib hatte, stand schon mit einem Fuß aus der Tür.

Wie das kam, woher das kam, dieser Geist, der sie alle beseelte, riiemand konnte es sagen. Es war wie ein feuriger Hauch aus der großen Vergangenheit, der über alles ging, was e:n deutsches Herz im Leib hatte. Die Polen waren nicht anders. Jetzt zeigte es sich, wie fest der Kitt war, den em geernteS, nationales Schaffen, Sorgen und Mühen zwi-. scher: tue verschiedenen Stämme legte. Dorf für Dorf ein Heerlager^ und die kleinster: Buben mitten dazwischen, als ob drese Sache auch die ihre war.

Ein gewaltiaes, nie geahntes Vorspiel zu den furcht­baren Kämpfen, o:e der Krieger warteten

Am Sonntagmittag war Rothkirch in Berlin und führ w:e im Traum durch tue Volksbrandung in der: Straßen der Re:chshauptstadt nach Friedenau zur Wohnung seines Bru- c r «w auf sein Telegramm erwartete. Nachmittags Lügner vor und arbeitete mit den Herren bis zum Abend. Er nahm sie dann mit nach Berlin.

Deutschland nwbil!

~ waren ergreifende Bilder auch für gehärtete Seelen. Gxzellenz Lothar v. Rothkirch rannen die Tränen über die Wangen. D:e Augen seines Bruders saugten sich in den

«'«»S iS'Sl"" 1 " D-- »II-

S Ä «KN-SiTÄ-Ä

Es jubelte und dröhnte durcheinander. ,

Deutschlarld, Deutschland über alles!"

Cs braust ein Ruf wie Donnerhall!"

Un i!,^ tl y n ^ Lied, das in den fünfnrrdzwanzig Jahren unter Wilhelm dem Zweiten nie recht gestimmt hatte, weil Echt war - dasHeil dir in: Sieger-, 3 sollte s:ch jetzt endttch erfüllen, der:Siegerkranz" wollten sre alte erstreite:: Helsen. 6

Ueberall tauchte ein unbekanntes Moment auf, das mit fetiter Massenhaftigkeit diesen Tagen den Stempel auf­

prägte: das Feldgrau der neuen Uniforrnen, in seiner Schlichtheit ein Symbol der r:icht zu brechender: natürliche einfachen deutschen Wehrmacht. D:ese graue Woge flutete aus der: Kasernen in die Gassen und mischte sich mit den Hellen Sommerkleidern der Frauen und Mädchen zu einer nationalen Symphonie.

Nach einer ruhig verschlafenen Nacht fuhr Freiherr! Alexander v. Rothkirch zu seinem Regiment nach Norden. Der grauköpfige Rittmeister war nicht der schlechteste der Königin-Kürassiere.

Noch eine kurze Neichstagssitzung unter der goldenen Küppel vor dem Brandenburger Tor, ein kurzer Abschied den Tag darauf von Bronin, mit verzweifeltem Händeringen und endlosen Tränenströmen dann brausten die Kriegs­lage durch das Land, Holter: ohne Unterlaß jung und alt aus Haus und Hütte und stellten alle Lebensverhältnisft so auf den Kopf, wie man -das nie für inöglich gehalten hätte.

Der Schloßbau, die Höfe und Ställe, die Fabriken und' Felder waren in der: nächsten Tagen säst ganz leer und be­völkerter: sich nur langsam und spärlich wieder aus den matten Reserven, die zu Haus geblieben waren wie Erich Wölflin und Waldemar. Diese beiden verkrochen sich in der: hiritersten Park, wie sie sahen, daß alles Mannhafte auszag und nur sie daheim sttzenbleiber: mußten. Gin Gefühl der Wr:t und Scham ballte ihre Faust, ,d,aß die große Stunde, sie zu den Schwächlingen rechnete. Dietrich v. Rothkirch, Gerhard Ladenburg, Herr v. Saar, sämtliche jungen JuspeA- toren, Techniker und Chemiker der Fabriken, fast alle Bau­leute standen im Feld und trugen die Zukunft Deutschlands auf ihren Schultern. Und sie ?

Die Zeitungen wurden rnit fiebernder Ungeduld er­wartet. Da standen die schlimmsten Nachrichten über die Behandlung der deutschen Reichisän,gehörigen in Feindes^ land. Erich Wölflin zitterte um seine Schwester. Susanne wurde nicht müde, ihn heiter zu stimmen. JU ihren Augen, in denen ein stilles Glück strahlte, fand er Ruhe und Frieden. Unbewr:ßt klammerte er sich daran fest.

Immer, wenn er Susanne sah, schwebte ihm eine Frage auf den Lippen: Warun: waren Sie nicht auf Ilses Hoch­zeit? Was ihm Saar damals gesagt hatte, konnte nicht wahr sein. Er hatte Susanne nun genau kennen gelernt.

Und so war es. Als er sie endlich doch fragte und chr die Erklärung Saars gab, lachte sie laut auf.

Ich habe von Herrn v. Saar nie viel gehalten und habe ihn das auch merken lassen. Daß er mir aber solche kind­lichen Dummheiten andichtet, hatte ich ihm doch nie zu­getraut."

Es wäre also verzeihen Sie der: derben Ausdruck, gnädiges Fräulein glatt gelogen, was er mir sagte?"

Natürlich! Wäre Lotte dagewesen, hätte ich Schmet- taus Hochzeit sicher nicht versäumt. Meine Eltern kamen als Gäste für der: jungen Schmettau überhaupt nicht in Frage. Niemals ist darüber auch nur ein Wort gesprochen worden. Es ist doch zu abscheulich."

Was hatte Saar ihm rwch alles ins Ohr geblasen! Jetzt wurde ihn: diese Taktik des Direktors klar, ur:d er gab seiner Erkenntnis unwillig Ausdruck.

Aber was hat dies alles für eir:en Sinn?"

Sprechen Sie mit Waldemar darüber. Saar tut nichts ohne Zweck und Ziel."

* c

(Fortsetzung folgt.) _ .

jiUiU|l8 DOW üÜOCmUliQ«

Von Alfred Bratt.

C U J 5 b toit^er *00 eine Nacht über Land. Ein Dunst tiefroter und fahlgelber Streifen loderte über den Horizont; mit sanften Schleiern senkte die Dämmerung sich auf die leichtgewellte Ebene. Die Luft wurde ftill und heiter, befreit von Staub und Hitze des XU 1 * L- em a . u f ihr gelastet hatten. Ter ruhige,

Atem des Abe:ü>s war von einem leisen Hauch durchweht, wie von« , b . en Tag und Nacht, einander ablöserrd, austauschten. Selbst die Geschütze grollten nur spärlich, ver- emzelt und gedampft, als beugte auch ihr Zorr: sich vor dem Frieden der Stunde. In der: langen, fchrnalen, im Zickzack gewundenen .Verbindungsgräberl die z:i der Jnfauteriestellung führten, nne d:e Adern des Herzens, tauchte ein Prozessioü gleUender grauer Spitzen auf: als wanderteu schmale Feldstreifm nnt abendlich verhüllten, nickenden Aehrenköpfen einen geheimrns- waren die feldgrau überzogenen Helmspitzen die schweigend auf die Schützengräben zu- schritteri, um den Nachtdienst anzutreteu. Seitwärts, im Beob-