Nr.3 H Zweites Blatt
Samstag, 2 .Dezember *9$
Vählrrversammlung in hruchelheim.
Man schreibt uns:
, .öeuchesheim, 26. Dez. Unter dem Vorsitz des Kreisobst- «rutechnlkers Hebe rer fand heute hier eine stark besuchte Wäh- rerversammlung statt. Der Kandidat zur dLationalversamm- lnng, Iusttzrat Grünewald aus Gießen, sprach über das Ver- haltmswahlrecm und über die gesamte politische Lage, über bia Ursachen des Z u sam me;rüruck>es der Disziplin in der Armee und über sie Notwendigkeit, daß so rasch als möglich geordnete Zustände rm Deutschen Reiche wiederhcrgestellt ivcrden müßten. Tie Deutsche demokratische Partei habe die Führung der nichtsozia!- simokvahickxm Wählermassen zu übernehmen, sie sei bereit, bei dem Ausbau und der Sicherung der Ergebnisse der Revolution aufs entschiedenste mitzuwirken, sie wolle das Reich als Ganzes erhalten, uirbeschadet der Fortexisbenz der einzelner Bundesstaaten. Mit internationalen Bestrebungen habe sie nichts zu hm', sie stehe vielmehr auf streng nationalem Boden, wro übrigens auch ihre Geschichte beweise. Für die Gleichberechtigung der sozraldemokratischen Partei sei die Fortschrittspartei jeweils eingetreten, sie sei auch bereit, gegenwärtig mjit ihr zusammen- zuarbeiten. Gerade die Ereignisse der neuesten Tage aber zeigten daß die sozialdemokratische Partei nicht imstande sei, die Ordnung herzustellen und das Reich aus den Boden verfassungsmäßiger Zustände zu führen. Die drei Richtungen, Regierungssozcalisten, Unabhängige Sozialdemokraten und Spartaluslcute, bekämpfen einander mit lvüsten Schimpf reden und schießen aufeinander mit Maschinengewehren und Kanonen. Alle drei Gruppen seien Sozialdemokraten, seien in ihren Endzielen einig und müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, daß ihre Unleinigkeit das Volk weiterhin ins Unglück führt und daß die Gefahr einer Besetzung des ganzen Landes durch unsere Fciirde jeden Tag näherrückt.
Eine sozialistische Regierung, wenn sie auf Grund einer Mehrheit in der Nationalversammluirg ans Ruder gelangt, werde sich vor dem Ansturm der radikalen Elemente nicht halteii können. Weitere Wirrnisse nick unabsehbares Blutvergießens müsse die Folge sein. Schon jetzt zeige sich, daß die Regierung! Ebert-Haase der Spartakisten sich nicht erwehren könne. Jeder' der die Wiederkehr der Ordnung wünscht und der ciu Interessti hat am Wieberausbau des Reiches, Bürger, Bauer und Arbeiter müsse sich angesichts des Bildes von Zerrissenheit, das die sozialdemokratische Partei ausweffe, von ihr abwenden.
Ter Redner erörterte an Hand des sozialdemokratischen Programms und der Protokolle früherer Parteitage der Sozial- pcrraofrotie die Lehre von der Vergesellschaftung und oon'ocr Aufhebung des Privateigentums. Gewiß seien Eisendahn, Post, Telegraph und Telephon verstaatlicht und ebenso gewiß gäbe es auch größere industrielle Betriebe, die ihrer Art und ihrem Umfange nach der Verstaatlichung zugänglich seien. Tie allgemeine Verstaatlichung welche den -Schaffens-trieb und die Eigenverantwortung aufhebe. sei zu verwerfen. In einer Zeit, in der die wirtsäiaitliche Kraft des Volkes aufs äußerste angestrengt -verden Müsse, damit Erträgnisse ffür die Bestreitung der Verüindlick>- keiten des Reiches erzielt werden könnten, seien Experimente, wie die Verstaatlichung großer Industriezweige abzulehnen. Die großen Gewinne, welche die Industrie abwerfe, körmtm in Form der Vermögens- und Einkommensteuer sehr wohll dem Reiche zugänglich gemacht werden.
Ter kitzeligste Punkt für die Sozialdemokratie sei die Agrarfrage. Dem Landwirt müsse klar gemacht werden, daß, je rascher und ausschließlicher die Sozialdemokratie zur Herrschaft konlme. um so schleuniger auch er der Enteignung anheimsalle. Die Landwirtschaft aber eigne sich hierzu am allerwenigsten. Der Bauer sei der geborene Eigcnunternehmer. Im Gegenftrtz zur sozioldemvkratischen Lehre sei er der Ansicht, daß der bäuerliche Besitz ge stärkt, die bäuerliche Existeirz gefestigt werden Müsse und daß man den Preis des Grund und Bodens herab-^ mindern müsse namentlich durch Aufteilung des gebundenen und des Großgrundbesitzes. Der Redner bezeichnete es als böse M- sichr. daß man ilnn mttersck>oben habe, er wolle nicht für die Aushclnmg der Fideikommisse eintreten. Er sei ein Gegner der Fideikommisse und sei überzeugt, daß man sich ihrer Erweiterung und Neubildung widersetzen und daß man die Auflösung der Fideikommisse herbei führen Müsse. Letzteres selbstverstündlich auf ge- setzlickrem Wege und unter Aibfinsimg der Anwärter, ivie denn überhaupt derartige Maßregeln nicht als Enteignung ohne lÄrtschä- digrnl-g gedacht werden könnten, sondern unter Gewährung der letzteren, dies zwar ghue Berücksichtigung des Konjunktnrwertes.' Tie Verstaatlichung der Industrie stoße auf das weitere Bedenken, daß gerade für die Entschädigung der Besitzer das Reich gegenwärtig kein Geld habe und daß ferner man mit der Schaffung von weiterem Neichsdermögen unseren Feinden Zngriffsobjekte verschaffe, die sie mit Freuden für ihre Ansprüche ergreifen werden.
Ter Redner l>edanert, foafc in einigen Versammlungen der 'rü- heren national liberalen Partei in Gießen Bemerkungen: ge'assen seien, als ob das Volk an dem Zusammenbruch unserer Verhältnisse schuld sei, und daß ein Redner in einer Deutsch-nationalen Versammlung ähnliche Vonvürse gegen das Volk und weitere Aeuste- rungen getan hähe, die dem Ernst der Lage nicht entsprächen und geeignet feien, die bürgerlichm Parteien untereinander zu entzweien. Er schloß mit der Mahnung, alle wirtschaftlichen Maßnahmen imd die Stellung der Parteien zu denselben unter dein Gesichtspunkte zu betrachten, ob sie geeignet seien, die Ehverbs- chancen für die Arbesiermassen zu verbeisern und zur Erhöhung der Versorgung der Gesanrth-eit beizutragen. Von der Tätigkeit des Präsidenten Wilson erwarte er einen günstigen Einfluß aus die Friedensverhcnrdlnngen, von dem Anschluß der österreichisck>en Provinzen eine Stärknirg >des Reiches und eine Bffeitigung der HegemLane Preußens. Er begrüße auch den Gedanken eines Zusammenschlusses der hessischen Landes teile, die früher zusammcngchört lstitten. u'.rd er envarte von einem solchen gerade für Gießen mrd dessen Umgebung große wirtscha tliche Vorteile. Ter Widerstand, den seither Preußen bem wirtschaftlichen Zusammenschluß des hessis dvm Hinterlandes mit der tvestlichm Peripherie der Provinz -Oberhessen und speziell Gießen eirtgegengrsetzt habe, werde verschvinden und die Stadt Gießen sei durch ihre zentrale Lage als Verkehrsftwtenpunkt geradezu be>timmt, ein V e r -
DsS raiieriiiitte ü&fgffncr öcs Harn 8s!shül> ZMö.
Roman von A. H. Adams.
(40
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
„Bist du's'?" rief sie leise.
„Ja, ich bin es."
Aber der „Ich' war durchaus nicht der „Du", für den sie ihn genommen hatte. „Sie?" sagte das Mädchen, und ihr Eifer schien, merklich abgekühlt. „Allein? Kommen Sie schnell herein!" befahl sie ungeduldig. „Cs ist ganz sicher. Vater ist heute abend nicht zu Hcmse..."
Unendlich verlassen, ein zerbrechliches Wesen, in ein fließendes weißes Gewarrd gekleidet, schvebte sie auf den Stufen bei dem Wassertore. In ihrer Haltung lag der Ausdruck unendlicher Maltiakeit, den er schon so oft an ihr bemerkt hatte. Sie ffcanb da und hielt beide Hände auf ihr Herz gepreßt. Und dieses sanfte, unendlich liebende, imettMich sich selbst betrügende Herz war es, das Galahad brechen sollte!
„Ist «er krank, ist er rot?" wisperte sie voll Entsetzen.
Galahad, der schwerfällig sein Bvot an die Stufen gerudert hatte, schaute ans. Ach. lvenn Horace nur tot wäre, das wäre unendlich viel besser für sie gewesen als die Wahrheit. Einen Angenblick lang dachte er daran, ihr Ku -erzählen, daß er gefährlich kranp daß er tot sei. Das wäre sogar die Wahrheit gewesen, denn für sie war er
für die vereinigt«
Lvck, im-7 w 1 ST ZI} n n * u werden , dies selbstverständlich auch zum Vorteü der umlregeirven Ortscl>aflen
- Stelle sprach F r a u L e h r e r S ch n e i d e r in emdrmynchw Wern über die Ausgaben vec Frau, lvotci Nv betonte, daß sie deutsche demokratische Partei die einzige von ^..ÄZE'rllchm Parieren gewesen sei, die jeivells schon Ar das inanen,trmmrecht, wenn auch rn beschränktem Um ange. einge.räen 1CI Wesen nach die wahre Demokratiic und sie einzuttetm ^ *** Walst füc die demokratische Liste
Nacheinander tmten »odann die unabhängigen Sozialdelnokra- rensi)eckmann und Krel, später darm auch noch sie Mehr- gss Diener und > Mann dem Referenten des
* entac ^ fn - betonten,, daß sie mit dein Bolsckftwismus
„Mb, zu tun hätten, daß sie aber machtlos seien, die Dorkomm- mge rn Berlrn zu bejeitigen. Dem Wunsche der bürgerlichen Parket r Mbhrecht und Rosa Luxernburg totgeschvssen würden, wnnten fte freurch nicht zustimmQi. Die Verstaatlickmug der Pro- vukhsn werde allerdings von der sozialdemokvatischen Paäei ver- wngt, zunächst aber nur diejenige der großen kapi'alistisch bc- s, Auch dos Banffoesen müsse in erster Linie vees'aat- nant werden. Tie Zerschlagung der Fidei komisch bringe viel Geld
S 1, _dem ins Auslan-d geflohenen Kaiser habe man gwßo
a_chi.antuaten von Lebensmitteln veree'undeir. Die Ursache des Kriege^ und der Verlängcrrrng desselben falle den vormals lerr- Ichenüen Klassen zur Last. Tie Unabhä:rgige Sozialdemokratie Hobe rrchhg gehandelt, indem sie die Kredite vmveiiert habe. Justiz- ^leivald habe sich früher gegen das allgemeine mrd glückte Wahlrecht geäußert.
. Fustizrat Grünewald erwiderte, daß dies nicht zutrcffc mw das; er zeweils, sogar in den letzten Jahren in den Krieg<A- amecheveriammlungen, für das gleiche und allgemeine Wahlrecht erngetreten sei. Bezüglich der Verstaatlichung der Landwirtschaft Verse er darauf hin, daß Bebel und andere Führer der Sozigldcrno- femerjeit die Lösung der Agrarfmge, wie sie der Abgeordnete v. Bvllmar vorgeschlagen habe und die als Anerkennung des Prrvatecgentums an Grund und Boden für die Bauern und Land- arberter hätte aus^legt tverden können, als eine B e r s ch l e i e - ruitg bcr Parteiprinzipien bezeichnet habe. Später hake erne Resolutwn Kautsch sich gegen den „Eigeartums-Fanatismus" der Bauernschaft gewendet.
Nachdem Frau Schneider in nochnialiger Rede sich gegen die sozialdemokratischen Angriffe gewendet und die Herren Weide- mann und Stud. Krämer aia Hand zahlreicher Belege aus t^r Tagespreise aus die schroareu Angriffe hingewiesen hatten, welche me sozialdemoffaii chen Nichinugen täglich geaea:einander verüben, ichloß der Voriitzende nach 12 Uhr nachts die Versammlung, welche manche Aufklärung gebracht haben dürfte über die Ziele der Sogial- denrokratie und über die Notwendigkeit für jeden Wähler, dazu Stellung zu nehmen.
Urr vcrsi-cits-N^chrrchtcn.
hl. Marburg, 26. Dez. Wie wir hören, wurde Professor Dr. Eduard Grüneisen, Mitglied der Phpsikalisch-Technischen Reichsanstalt und Privatdozent an der Univesiität Berlin, zum a. o. Professor für mathematische Physik an der Universität Mar- brirg als Nachfolger von Geh. Rat W. Feußn.er berufen. Dr. Grüneisen, geb. 1877 zu Giebicku'nstein bei Lmlte, studierte besonders uatter Marburg und Planck, wurde Hilfsarbeiter uiw 1912 Professor mtf> Mitglied der Physikalisch-Teckmischen Neichsanstalt. Seit 1905 gehört Grüneisen dem Lehrkörper der Friedrich-Wil- helms-Universität als Privatdozeirt für Physik an.
&crmifd>£C0«
• Bussard und Flugzeug. Ueber eine interessante Beobachtung schreibt ein im Felde siebender Emseuder der Deutschen Jäger- Zeitung: „Unsere Schetnweäerstellung wurde eiues Tages von zehu seiudlichen Fliedern in bederiteuder Höbe überflogen, ilnnge verfolgte ich die'e mtt eurem starke» Glaie, als nrrr ein kleines Flugzeug durch seine gewandten Kreise beso wers auistel. Bald flog es an der Spitze, bald um kreiste es das ganze (Geschwader, um sich am Ende wieder auzuschließen. Groß war niein Erstaunen, als es voin l^-eschwader ubflog und ich es nun endlich als ein?n Bussard erkannte. Trotz des Zielieners rurserer ^lbwehrgeschütze scheute der Bussard nicht davor zurück, sich lange Zeit den Fliegern anzu- scbließen."
Letzte Uachrichten.
Revolten im N?chraebiet.
Essen, 26. Dez. In Hamborn halten streikendeBerg- leute das Rathaus und das Postamt besetzt. Das Rathaus tmwde am Weihu.achisabend von einer über tcru-seirdköpsigen Menschenmenge gestürmt, die auf den umlüge:rden Zechen die Bergleute ge- zsmrngen hatte, die, Arbeit einzustellen. Die Polizei twirde errt- wafftret, ein Pvlizeimspekwr schwer verwirndet. — Inzwischen sind folgende Telegrainme ans die Eingabe der Gewerkschaft „Deutscher Kaiser" an die Ne<stecung eingelaufen:
„Ich habe den Vertretern der streikerrden Bergleute in Hamborn erklärt, daß die Arbeit in den Gruben wieder ausgenommen werde:: müsse, da die Regierung zuerst den ganzen Sachverhalt feftftelteit inxb warten müsse, was sie für die Streikenden hin könne. Die Negierung lvird sicherlich, so.veit Unterlagen vorharwen sind, alles, was in ihren Kräften steht tun, um für seine Abhilfe zu wirken. Ich &ntn. mir nochmals mein Ersuchen um Wiederauftmhme der Arbeit wiederholen. Haase, Volks beauftragter."
„Meine Zusicherung schnellster Sozialisierung der Bergwerke halte ich aufrecht. Ebenso verspreche ich, nach Wiederaufnahme der Arbeit mich zu. bemühen, eine eimnaligc Teuerungszulage zu erwirken. Emil Barth." — Von der Regierung ist das Mitglied Göbel als Kommissar für Hamborn ernannt ioockxm.
Streikende Bergleute aus Hanrlwrn legt«: in Oberhausen zwei Schächte der Zeche „Konkordia" still, indem man die Belegschaft hinderte, einzusahren. Als die Demonstranten zum Schacht
„Königsberg" der Guten Hoffnungshülte bogen, cntsp.rnn -ich znnschen einem^Kmnmanvo Soldaten, oas vom Generalsoldaicnrat Münster zum Schutz der Anlagen douln: geschickt wor.en war, u'.ck» den Streilendei: ein Gefe ch k, m,. .i mehrere Bergleute verwundet wurden. Erst gegen '-/ 2 S Uhr abends zogen die Streikenden unter Mitnahine ihrer Venvundeten wieder nach Harnborn zurück.
Die Rrgicrungökrifis.
Berlin^ 27. Dez. (WTB.- Tic für heute irachmittag an- ^esagten großen Kundgevungcn der Mehrheits^ so z ia listen, die auf einer Reihe von öffentlichen Plätzen statt- finden sollten, wurden aiff Beschluß der Parteileitring aus euren späteren Zeitpunkt verschoben.
Das Abkommen zwisckien .der VolkSmarinedivision und der Regierrmg. demzufolge das Schloß von den M a t r o s c tx, gerä u m t nvrden sollte, ist nicht erfüllt worden. Tic Matrosen sind noch immer im Schloß und im Marstall.
Ein polnischer Anschlag auf Danzig?
Berlin 27. Dez. Unter der Bevölkernng ül Danzig herrscht eine ftrrchtbare P.rnik. Es ist naich Lae-rziger Meldungen de- „Lakalanzeigers" und der.„Terrtschen Attgemcirren Zeirung" dort bekannt geio^rderr, daß am letzten Sonntag in Danzig eine gehermr Versammlung von Polen ,wrtcr Führung »jm Korfanty und in An.oesercheit von sich in Danzig artzhalrcnden franzpffsche.i mck> englischen O.fizieren, sowie urrter Teilnahme polnischer Soldaten der Danziger Garnison stathand. Es soll be.chloiben ivorden sein, sin polnisches Expeditionskorps in Danzig zu landen, zu dem sie in ^Danzig liege-aderr polnisch gesinnten Truppen üo^egäer sollen. Danzig solle!ba r .ut besetzt uns dab deutsche Volk une die deutsche Ragierrurg vor eine vollendete Tatsa.be gestellt w rden Eine in dieser gel;eime^i Versammlung gebildete Kounni sion ist ani zweiteil Weihnachts eiertage ll a ch Posen gefahren und hilft Hort nrit siner anderen polnischen Abordnung zusammm. die aus der Sck>n>eiz gekmnmen ist. In Posen soll eine Republik Polen mit Paderewsky rcks Präsident ausgerusen lverden und zwar soll ml deutschen Gebieten Danzig, Westpreußcn. 'Posen, SIFesien Iwnd Pmnmcrn bis zur Stadt Stolp polnisch tverden.
Der polnische Geigmkünstler und Politiker Paderewskv ist tat ' sächlich mn Dienstag in Danzig gelandec und wurde von Vertretern der Donziger polnischen Vereinigung emv'mrg.m Die trutsch gesinnten Teile dm Danziger Bevöl!:rung erliegen folgend? Aar. üung Ml die Bevölkcrmig: „Die polnischen Truppen sind da, die Stadt wird besetzt, das deutsche Volk, öie deutsch? Regierung soll vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Tie Beschlüsse der geheimen Ver-samurlung im „Tanziger Ho." sollen in den nächsten Tagen schon aus geführt werden. Seio aus der Hut!" ^
Tatsächlich sind die pvlnis>.'e:: Führer mir T-ouuerstag mittag nach Posen abgereist. Tie deutschem Krei'e vermistalle en am Abeiro eine große deutsche Gegenkundgeoung, in der Pv>sessor Rocthe von der Berliner Universität über „Deutschlands Not" sprach.
Tie „Deutsche Allg. Ztg " gibt diese Melvungeei. nur nrit Vorbehalt ueieder und glaubt, daß nach iem Bescheide der Wa senstill- standskomMission eine unmittelbare Ge abc für Danzig kaum l-e- stelst. Es scheint, daß die Teilnahene englisck-er O^ festere an dar fraglichen Geheimsitzung nickt ihren Weisungen entsvri l t, awerer- feits kann sie nicht bestreiten, daß die Polen wie die Tscko >n aus- , sch.veist-.rde Hofftrurigen hegen lind das; geheime Vecschwörerzusam- menkünste polnisck)« Ueberlieserung seien.
Danzig, 27. Tez. (WTB.) Der „Danziger Zeitung" geht von führender polnisck)>er Aeite. eine Erklärung zu, in der die Berichte über eine geheime Polenberatung und über gefaßte Beschlüsse am.ersten Feiertag für glatt erfunden bezeichnet werden. Derartige .Beratungen hätten überhaupt nicht siattgefunden, soirderil nur xine öffentliche Begrüßungsfsier für Paderewski. Tie Führer der englisck^-fvawzösischLN Militärmis- sion in Tanzig. Oberstleutnant Grirnwovd^ wld Major. Engel, idrkläven in der „Tanziger Zeitung", daß sie an derartigen Beratungen nicht teilgenomonen hätten.
Wilson in England.
London, 37. De^. (WB.) Meldun .9 des Reutesichen Du* veaus. In T o v e r tvurde Wilson vom Herzog, von Eonrlaught mrd dem Botsck>after Davis empfangen Aus dein Bahntiofe verlas, der Bürczermerster von Dover eine WiltKmnmenadresse. Darauf anhvortete der Präsident:
„Wir haben gieineinsam sehr ericftc Zeiten durchgemackp und könne,c mis desl^ilb als Kanreraden ulst) Buildesgienossen betrachten^ da nichts so sehr die Menschan einander iläher bring>t, ivie gemeffv, sames Verständnis rurd aomeürsame Ziele. Ich glaube., daß ivir trotz aller schreckliche-n Leiden uird Opfer dieses Krieges ernesl Tages, wenn wir auf sie zurückblicken, einsehrn werden, daß sie der Mühe wert waren: nicht nur wegen der Sicherheit, die sie den Welt g.^gerrüber vor einem nugerechden Angriff gäbe".:, sondernj auch wegen des E i n v e r st ä n d n i s s e s, das sie zwischen den moßen Nationen zur dauernden Erhalnnrg des Rechts sä/ufen. Es gewährt mir deshalb eine ganz besondere Befriedignrlg, hieft zu weilerr. es wird mir damit Gelegenheit gegeben, meinen Geist mit denr Geiste derj<nrigen zu vereinigen, die dieielbc Absicht haben« bei bpc großen Beilegung des Kampfes das Beste zu hm, loas getan werden kwm."
London, 26. Dez. (WB.) Präsident Wilson tvurde nach seiner Ankunft von der Bevölkerung in beflaggten Straßnr lebhaft begimßt. Er bog ab sich dann mit dein König icna> dem Herzog von Eonnanght in Begleitung des Hofes zum Bnckinglxun-Palast. Nach halbstülckigen Begrüßungsrufen der vor dem Palast versani« melten Menge erschien Wilson auf dem Balkon, umgeben voir bart König, der Königin, Frau Wilson, der Prinzessin Mary und dom Herzog von Eonnaugsi und dankte der Lmw-ener Bevölkerung für den Empfang.
London, 26. Dez (MlTB.). Meldung des Reuterschen Bureaus. Viscount Grey wird an der Spitze einer Abordnung dss Vereins für den Völkerbund vom Präsidenten Wilson am Sonntag Vornnttag in der amerikanisckien Botschaft empfaugeir. Zu der Abordnung worden gehören Viscount Brice, Genera^ Smuts und Profeffvr Gilbert Murvay.
bereits tot. Sein Herz \mx gestorben und sein Herz war es, ioas sie begehrte. Es komrte jetzt nur rr-och eine kleine Zeit währen, bis sie es einsah. Noch eine Entlänschnng wie diese, und sie mußte es erkennen. Aber ihre seltsam rührende Gebrechlichkeit, die Angst ihres hilfesuchenden Blickes hielt ihn mitleidsvoll zurück. Ihr die brutale Wahrheit zu sagen, hieß sie hier im Dunkeln ermorden.
„Nein; aber er ist krank gewesen," mtüviortete er daher, um Zeit zu gewinnen.
„Krank? Dann wird er sterben?^'
„Nein, nein. Der Doktor wollte ihn heute abend noch nicht ausgehen lassen. Nur ein wenig Fieber. Aber er sagt, er werde imstande sein, morgen abend zu kommair."
Der plötzlich ersck-ienene Ausdricck der Erleichterung inr Angesichte des. Mädchens erstarb ebenso plötzlich wieder.
„Morgen, immer mieser morgen!"
„Aber er wird kommen," sagte Galahad eifrig. In feineni H»erzen beschloß er, daß er Horace zu ihr bringen wolle urrd wenn er ihr: biicden und herschi^ppen mügte. lieber irgerw welche Rücksicht ans die möglichen Gefühle des jungen Mannes war er längst hinaus.
„Aber es könnte zu spat sein."
Sie schaute ihn lange überlegend an. Ein neuer Entschluß glomm langsam in ihren dunkeln Augen auf. Ihre kleine Faust ballte sich.
„strehmen Sie mich in Ihr Boot," sagte sie. „Vater wird erst spät nach Hanse kommen, aber er könnte jemand beoustragt haben, den Garten zu bewachen. Ich war sehr
vorsichtig, damit mich niemaird sehen sollte, als ich herabschlüpfte. Es wird sicherer sein — o ja! und einsamer aitf dem Wasser."
Galahads Herz hüpfte bei diesen Worten. Allein sein auf dem Wasser während einer solchen Nacht mit ihr! Wahrlich, sein Dienst trug ihm einen hohen Lohn! Kein Gedanke an Em hielt ihn zurück: die Bank hatte er voll- ständib vergsisen. Er band das Boot fest und stand gleich daraus an ihrer Seite. Sorgfältig geleitete er sie die grünschleimigen Stufen hinab icnd streckte, nachdem er ins Boot gestiegen ivar, die Arme rrack, ihr aus. Und beinahe mit dem Vertrauen einer Liebenden gab sie sich — sr» leicht, fb zart wie ein Mondscheinwesen — in Galahads Arme. Jedoch, als er sie in die Gondel hob, schwankte das kleine Boot auf eine gefährliche Weise, und mit einem! kleinen Angstschrei klammerte sie sich an ihn an. Aber er fiel nicht- slondern geleitete sie mit ernsthafter, schützender Zartheit nach dem Sitz im Stern des Bootes.
„O, Sie haben mich an der Hand verletzt!" rief sie. „Irgend etwas hat mich geritzt. Sie müssen eine große Stecknadel in Ihrem Rock stecken haben."
Ter späte Mond war über die Hügel gestiegen. Sibpl hielt Galahad ihren Finger hin, damit er Nachsehen könne. Er nasin ihre Hand in die seine.
„Ich habe imnrer Nadeln in meiner Rockklappe stecken," sagte er eutschnldigend. „Die Kinder fragen immer nach döadeln. Es tut mrr so leid."
(Fortsetzung folgt.)


