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Ter UMCueiur Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: OlehenerHannliendlalteri

Areirdiatt

ftir öen Ureis Gießen.

Vezngrprsir: monatl.Rik.1.35,vie:-tel- iährlich Mk. 4.05. durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. All. 1.25 durch die Post Mk. 4.05 viertel- jährl. ausschl. Bette Ilg. ^eruiprech" Anschlüsse: sürdle Schrtttleilung1I2 Vevlag.Geschä'tsstellebl Auschrist fürDralnuach- richlen: Anzeiger Gießen.

Erstes Blatt

*68. Jahrgang

Aeitag, 27. Dezember 1^8

postscheckfonto: 5rantsurt a.M. 11686

General-Anzeiger ffir Gderhessen

Vankverkehr: Gewerbebank Gießen

3w!llingsrunddnick u. Verlag: Brühl'sche Univ.-Buch- u. Lteindruckerei «. Lange.Schristleitsng. GtschMstell: u.Dnickrrel- Schuljtr. 7.

»lahme von Anzeigen

j. die LageSlunnmer bis zu>n Nachmittag vorher ohuejedeBerblndiichkett Zeiienprcise: für örtliche Anzeigen 25tzf..fürausivärtige 30 Pi., für Reklamen Mk.1.-nebst 20° oTeue- rungszuf läag;Plat;vor- schrift 20 % Aulschlag. Hauptschri tleiter: Aug« Goetz. Verantwortlich für Polit'k: ^luq. Goetz: für den übrigen Teil: 1)5. Relichold Zenz; für den Anzeigenteil: p. Beck; fäintllch in Gießen.

5traßenkämpse in Berlin.

, Zum Bogim: des Weihnachtsfestes haben uns die Ber- lrner Gewaltapostel ein schreckhaftes Lied vom hohen Turm des Rereyes geblasen. Das Uebelste, das wir seit langer Zeit erlebt haben, und zugleich dcks Kläglichste. Das Tragische ist ganz und gar ins Häßliche und Abgeschmackte verzerrt wor­den. Ein Matrosenhaufe, der ursprünglich nicht in dieReichs- yauDtstadt gehörte und wieder aib^iehen sollte, hat darum, und tverl ihm Lohnnnsprüche einsttverlen noch nicht erfüllt tvur- den, mit Gewalt" die Stadtkommandantur und sodann auch das Reichskanzler-Palais, in dem heute Herr Ebert residiert, mit Gewalt bestürmt. Der Reichskanzler wurde über eine Stunde lang gefangen gehalten. Ums ehemalige kaiserliche Schloß und die Kommandantur entbrannten Straßenkämpse, mit Aufgebot von Artillerie und Maschinengewehren. Re­gierungstreue Truppen waren, zum größten Teil freiwillig, aus den Kampfplatz geeilt, um die Matrosen, denen sich auch plünderndeSpartakisten" angeschlossen hatten, zur Raison zu bringen. Das Weitere finden unsere Leser in den nach­stehenden ausführlichen Meldungen. Es fanden, nachdeni zahlreiche Tote und Verwundete am Boden lagen, unter der Assistenz des Herrn Ledebonr, den heute auch das Berliner Tageblatt alseitlen Theaterdemagogen" bezeichnet, Ver­handlungen statt und derStreit" wurde geschlichtet.

Ein Blick in denFriedensvertrag", den wir nachstehend ebenfalls abdrucken, genügt, um sestzustellen, daß die Ma­trosen in dem Streithandel gesiegt haben. Ihre Forderungen werden im wesentlichen erfüllt, sie werden der Berliner Sol­datenwehr eingegliedert, und haben nur das Schloß zu ver­lassen. Sie verpflichten sich, in Zukunft nicht wieder an Aktionen gegen die Negierung teilzunehmen. Dafür wird aber auch die Division Lequis sofort zurückgezogen.

Man muß>on sagen:-Die Regierung Ebert-Haase ist gegenüber ihren aufrührerischen Widersachern, die gestern noch gefordert haben, die Negierung solle abdanken und einer neuen Führung Ledebour-Liebkuecht Platz machen, sanftmütig und freundlich. Das sind sonst lobenswerte Eigen­schaften, aber ob in diesem Falle ein energisches Handeln nicht vorzuziehen gewesen wäre, darüber kann eigentlich kaum ein Zweifel bestehen. Wenn auch am Beginn der Äffaire vielleicht eine ungeschickte Behandlung der Löhnungsfrage stand, so verhindert dies, wie das Berl. Tagebl. mit Recht sagt, nicht den Eindruck, daß die Regierung steuerlos von einer Auffassung zur andern schwankt. Auch derVorwärts" spricht es aus, man hätte sich diesenFrieden" mit den Matrosen anders vorstelten können. Vorher hatte das Blatt von der Regireung scharfe Maßnahmen gefordert. Volks­herrschaft oder Vcrbrecherherrschafs so hatte der Leiter, Friedrich Stampfer, gefragt, und auch dem Mitläufer- tum der kleinen radikalen Minderheit Fehde angesagt: Es muß osten ausgesprochen werden, zroischen der Sozial­demokratie, die für Voltsfreiheit kämpft, und dem Sparta- knsbund, der in der Ausrichtung einer gewalttätigen Ver­brecher herrschiait sein angeblichrevolutionäres" Ziel er­blickt, hat sich ein ekelhafter Nationalliberalis­mus eingenistet. Haben denn die Herren von Sowohl-Als- auch und Einerseits-Andererseits kein Gefühl dafür, irelche traurige Rolle sie spielen?"

Inzwischen ist Eduard Bernstein ein Führer derUn­abhängigem", mit öffentlicher Erklärung wieder in die alte sozialdemokratische -Partei eingetreben.^Wir wollen nur wün­schen, daß die Mehrzahl seiner Gesinnungsgenossen ein gleiches tun, lvenn man freilich auch das Gefühl haben muß, daß diese Wirren innerhalb der Sozialdemokratie die bürgerlichen Stimmen vermehren müssen. Allein inan darf über all dem die größte Gefahr nicht vergessen, daß der äußere Feiird aus der Lage Folgerungen ziehen wird, die unser Unglück no ch mehr vergrößern.

Lin Mattosenübersall oaf das Relchskanzlerhaus.

Berlin, 23. T-ez. (WTB.) Einen U e b e r f a l l gegen die Reichsregierung nnternalM. heute nachmittag gegen 43/4 Uhr die zumSchutze des Reichskanzlerhauses" dort unter- ye brachte Wach der Bpttsmarined:vis:ou (Schloß). Bor den Votksbeaustragteu Ebert und Landsberg erschienen zwei Matrosen der Wach in voller Ausrüstung und erklärtem daß sic den Befehl von dem Kommandanten Dörnbach der Bolks- tittrjiitcbiuiiuit erhalten hätten, die Tore des Hauses zu schließen, kernen der Anwesenden heraus und niemanden hineinzulassen, gleichzeitig l-attcn sie auf Befehl die Telephonzentrale besetzt und den Telephonverkehr von und mit dem Hause unterbunden. Tie Sperre, welch die Abwicklung wichtiger Regierungsgeschäfte ver­hinderte. dauerte fast eine Stunde lang. Um J / 4 6 Uhr jgalien die Matrosen aus den energischn Einspruch des Bolks- , beauftragten Ebert den Zugang zum Hause und den Telephon- bervehr wieder frei. Am Abend lviedcrholte sich die Besetzung des 'Michslanzlerhauscs. Berliner Truppenteile, die zum Schutze her- beigeeilt ivaren. trafen ebenfalls in der Wilhelm,traßc ein. Nach längeren Unterhandlungen gelang es, ohne daß es zu irgend­welchen Zwischenfällen gekommen war, die Matrosen zum Abzug

I ii bewegen, während gleichzeitig die Truppen abzogcn. Ter olksbeauftragte Ebert richtete an die Truppen folgende An-

Ich will im Augenblick auf die Vorgänge nicht eingehen, die fiel) heute abgespielt haben, ich will nur die Tatsache sest- stellen, daß die Regierung eine Zeitlang im Reichs kauzlerhaus? durch ihre eigene Wache fcstgehalten wurde und niemand das Haus verlassen durfte. Tie Telephonzentrale war besetzt, so daß alle Telephougeiäche unmöglich waren. Später ist es inir ge­lungen. die Matrosen zu bewtzgeu, abznzichen. Wir haben werter festgeswllt, daß die Matrosen das Haus verließen, gleichzeitig Müssen nun aber auch die anderen Truppenteile fortgchen. Ich bitte Sie. alles zu tun, um ein Blutvergießen zu vermeiden. Wir haben in diesem Kriege so viel Blut vergossen, daß es einfach Wahnsinn wäre, noch neues Blutvergießen hcrbeizuführen, wofür Nieinand die Berantivortung übernehme könnte. Ziehen Sie also in Jlpe Quartiere."

Ter Gruird des Vorgel)ens der Matrosen w^rr folgender: Tie Neicbsrcgierung l-atte die Zahlung der am 2l. Tezenrber fälligen Löhnung der Matrosen davon abhängig gemacht, daß sie das Schloß zu räumen hätten. Unerhörte und umfarrgreiche Diebstähle an

Jurwutarstücken gaben die Veranlassung z:rr Stellung dieser Be­dingung. Die Matrosen, die übrigens schon bei der Zahlung [ der Löhnung am 11. Tezember die Räunnrng des Schlostes ver- sprock>en haften. wollten auf die Bedingmig nicht eingehen und suchten die Zahlung durch ihr heutiges Vorgehen zu erzlrungeu.

Neue Ausschreitungen in der Nacht auf Dienstag.

Berlin, 24. D<A. (WB.) Nack) der Darstellung derB Z a. M." lebten heute früh die Feuergstechte um Sck)>loß und, Mar stall lvieder cnff. Ter Kommcnrdaut von Berlin, Wels, ist nti Lause der Nacht abermals von Matrose:: verhaftet worden. ^egeu 3/ 4 7 Uhr rückten die Tnwpeu über die Schloßbrücke aus das schloß vor. Aus etwa fünfzig Sck-ritt stelltest sich ihnen tue Matrosen mit fünf M asck-ii lengioehren u:ü> einem sck-üvereu Geschütz entgegen. Tie Artillerie beschiß das Schloß. Ztvei Schüsse -sitzen rrt Höhe des Weißerr Saales. Tie Fenster der ^Saalg^rlerie sirw geborsten und die beiden Portale vrcklkdminen eingescl-ossen: Ter Balkon w-eist enk tiefes Loch ans. Es gelang chnn Militär,^ in dielen Terl des Schlosses cinzudriugcn. Tie Fassade des Marstalls i|t schver beschädigt. Auch die VerlMrungen ini Jmreru schüren errorm zu sein. Gegen 10 Uhr zügten die Matrosen an dem Marstall eine weiße Fahne. Eine Dcatwse'.chputation wurde darauf von deu Truppen üi Empfang genommen. U,m 11 Uhr erschien der Stadt­kommandant Wels, der im 9Nars-all in einem Raume untergebracht war, in welchem die Leichn der gestern gefallenen Matrosen lagen, im Reichs'kcrrzlerpalais,

Berlin, 24. Tez. (WB.) Während des Feuerkampfes ut der Nähe des Schlosses drangen gegen Vpll Uhr, als an einem Fenster des Marstalles die weiße Fahne sich zeigte, Tausende, von Zivilisten durch die Absperrung, überschritten, vom Zirkus Birsch kommend, die Kaiser-FriedrichBri'icke und sammelten sich zwischen den: Dom und der Nationalgalerie. Ms die Schießerei ansgehört hatte, wurde die schvach Absperrung am Lustgarten, die von der Soldatenwehr übernommen vxrr, durchbrochen, uird in dichten Massen fluteten die Zivilisten aus das Schloß zu. Zuerst glaubte man, es seien Neugierige, aber bald wurde man gewahr, wie dieB. Z. a. M." schreibt, daß es sich nur um eine Demon­stration handelte, die sich vielleicht yn eurer Aktion entwickeln könnte. Ti? Zivilisten kamen bis an das Sckckoß heran und drangen teilweise sogar in die Höfe ein. Eine Nachricht an die Kommandantur be­sagte, daß die Zivilisten sich in den Besitz von Maschinengewehren gesetzt hätten. Taraufhin rückten aus dem Depot neue Mann­schaften der. Svldatenwehr bermr, sperrten die Schloßbrücke ab und versuchten vre Massen zurückzudrärbgen. Zugleich wurden die in die Sckiloßlchse Eingedrungenen von dortigen Mannschaften der Garb-e-Kavallerie-Brigade hümnsgetrieben. Während der Wasfen- panse erzählten die Matrosen, daß von allen Seiten und aus den Vorortei: Garde-Regimerlter im Anmarsch seien, die, von den Matrosen telephonisch 1>erb<noeruseir, mit diesen gemeürsame Sack-e machen wollten, so daß den Truppe::, die um das Schloß und den Marstal! stehen, nichts anderes übrigbliebe, als sich zu ergeben. Tiest Ltnncrssung beftäti^tt? ,.ch später i.icht, desm einige Minuten vor 11 Uhr mußten, irre bereits gemeldet, die Matrosen in dem Schloß nrch dem Marstall kapitulieren.

Berlin, 24. Tez. (WTB) Heute morgen um 8 Uhr tobten um Schloß und Marstall, die von der VolksmarinediVision besetzt waren, erbitterte Kämpfe, bei denen die 'Garde- Kavallerie-Division gegen Schloß und Marstall vor­ging und die Gebäude u. a. auch unser Artilleriefeuer! nahm. Einige Minuten vor 11 Uhr erschien aus'dem Marstall eine Lloordnung von Matrosen mit eurer weißen Flagge, um mit dem Befehlshaber der Truppen zu verhandeln. Die Verhand­lungen führten zu dem Ergebnis, daß wenige Minuten nach 11 Uhr die Matrosen erst einzeln, dann in kleineren Trupps ab­zogen. Nach erfolgter Kapitulation ftmritat auch die Geschütze wieder abrücken. Die Matrosen haben 68 Mann ver­loren, teils Tote, teils Schwerverletzte.

Das Eingreifen der regierungstreuen Truppen.

Berlin, 24. Dez. (WB. Mntlich.) Das Eingreifen von Truppen in die gestrigen und heutigen Unruhen in B-erlü: diente lediglich dem Zlvrck, die Negierung Ebert-Haase gege .1 die meuternden Matrosen zu schützen. Treu ihrer Verpflichtung, die sie vor ihrern Ein rücken in Berlin für die Regierung über­nommen' haben, haben: sich die Truppen eingesetzt, um zu ver- hrnderu, daß die Erfolg? der Revolution durch das unberechtigte^ Eingreifen von aus selbstsüchtigen Gründen meuternden Ange­hörigen der Marine ü: Frage gestellt werden.

Die Elniguug.

Berlin, 24. Dez. (WTB.) Die Vorgänge, die in Berlin zur StraßenscUacht ausgeactet iürd und durch das Vorgehen t»er Bolks- marinediVision verursach: ivurden, haben mit Verhmü>lungeu zwi­schen der Regierung, die durch die Mitglieder des Zentral- bzw. des Vollzugsrates Eohen-Reuß, Richard Müller und Tost vertreten icar, und den Matrusen geschlossen. Eiiese führten zu einem Ab­kommen, das, wenn es gew-ilsenhast gel>alten wird, tue Grundlage für festere Verhältnisse bilden kann. Der Wortlaut des 'Abkommens ist folgender: 1. Die Voltsmatrosendivision verpflichiet sich, sofort das Schloß zu verlassen, wenn der Vertrag vom 18. Dezember durchgeführt wird. Demnach hat die A l atrosendivision Anspruch aus Bureauräume im Marstall. 2. Die M-atwsen tverden der repu­blikanischen Soldatenwrhr eiug-?gliedert, die dein Befehl der Kom­mandantur untersteht. Die Form der Angiliederung bleibt einer späteren Vereinbarung Vorbehalten.^ 3. Die Matrosen verpflichten sich, tu Zukunft nicht wieder an Aktionen gegen die Regierung teil­zunehmen. Meiunngsverichiedenheiten sind stets auf dem Berhand- tungswege durch die zuständigen Stellen zu erledigen. Die Division des Generalkommandos Lequis wird sofort zurückg?Zogen. Die Alarmbereitschaft der Berliner Truppen und der Matrosendivision wird sofort auigehohen. Die Matro;en und Soldaten kehren in ihre Quartiere zurück. Der Kommandant Wels ist sofort freizulassen. Berlin a;n ersten WeLhnacht4fe ertag.

Berlin ,25. Dez. (WTB.) Berlin bot heute, am ersten Weih- nachtsseiertag, ein ruhiges Bild. Tausende von Menschen be­sichtigten die Stätten der gestrigen blutige:: Ereignisse und der Verwüstungen, die das königliche Schloß soivohl lvie da., Marstall- gebäude erlitten hatten. Am Schlosse fällt insbesondere die Zer­störung der großen mittleren Fercher über dem Hauptportal und eine Beschädigung des Balkons aui, von welcher:: der Kaiser an: 4. August 1014 das Wort sprach:Ich kenne keine Parteien inehr." Das berühmte Mosandersche Porial des Schlosses ist glückli.t-errveise un­versehrt. Auch das Denkmal Kaiser Wilhckms I. ist nicht ernstlich besckKdigt, obrvohl es zahlreiche Spuren von Flintenschüssen auf­weist. Am ärgsten mitgenommen ist der Marstall, »vo di? Artille.ie- igeschosse eine zienrlich eindringlick-e Wirkung hatten. Ganz zuver­lässige Angaben über die Zahl der Toten lieren nich: vor, doch dürfte sice k a u m 2 0 erreick-en. Unter den Spaziergärrgern werden viele frmrzösische m:d englische Kriegs ge fang me bemerkt, die nicht in: geringsten beläfftgt wurden. Llus der Menge vernahm man vielfach Ausdrücke des schmerzlichsten Bedauerns, daß zu gleicher Zeit die deutsck)en Gescnrgerlen bei den Alliierwn noch ü: strengster Abschließung, manchnml sogar in umvürdiger Behandlung sich be­finden.

Die wa!;ien zur Nationaiversainmiung.

Berlin, 23. Dez. (WB.), Um die WaMeiheit für die- Nationalversammlung in den besetzten G e bieten zu sichern, k:at die deutsche Waffenstillstarrdskommissiou am 23. Dezember m Spaa folgende dringende Forderungen überreicht:

1. Freiheit für alle amtlichen Bekanntnurchimgen über dw

Nationalversammlung. . . ^ ..

2. Freiheit für alle staatlichen Organe, die mit der Aupteltung der Wählerlisten, der Zeit der Wahll-andlinrg, den^Emtscher- dungen über Beschtverden über die Aufstellung von Wählerlcsten sowie der Feststellung des Wahlergebnisses beauftragt sind.

3. Baldigste Regelung des gesamten Personen­verkehrs zivilck>en den besetzten und den nichtbesetzten Gebieten in: Sinne eines weitherzigen Entgegenkommens, wie es Foch im Trier zusagte. Insbesondere müssen oie Vorbereitungen für die Aufstellung der Walstvorscklläge ungel/iitdert alsbald gelrofslnr tver- den. Tie Wahlvorschläge sind bis zum 4. Jamrar bindend festzu- steilen. Tie Parteiführer müssen die Möglichkeit habe::,, :mge­bindert sich in vechits- und linksrheinischem Gebiet zu treffen, da di? Wahlkreise besetztes und nichtbesetztes ^ Gebiet umfassen. Die Erfüllung dieser Forderung ist besonders wichtig, da sonst die ganze Wahlhandlung ungültig sein könnte.

4. Freiheit des Personenverkehrs innerhalb^ des gesmnten besetzte,: Gebiets, so daß Redner und Agitatoren, die m dem besetzten Gebiet wohnen, sich dort frei beioege:: können.,

5. Versammlungsfreiheit für alle Wai.lvrwsamm- lungen der Nationalversammlung und Freil-eit in der Verteilung der Flugblätter und Stimmzettel eventuell unter Aufsicht der Bes atzun gsbehörde::.

6. Freie Zulassung rechtsrheinischer Zeitungen mindestens von seLt bis zum Tage der Nationalverl'ammlung.

Proteste der deutschen WaffenftillftandS»ommissron.

Berlin, 23. Dez. (WTÄ.) Betreffs der über Elsaß-Loth­ringen verhängter: Gre!:z'p?rre wuroe, wie die Deutsche Waffen- stillstaudskommiffion nntteilt, in der Sitzung der internationalen Waffenfti'ckstandskornmiffion am 22. Dezen:ber so^gcnrde Note über­reicht: Bon der Sperre werden außer den ansgennesenen Deutschen besonders hart die aus dem Heeresdienst entlassenen elsaß-lothringi­schen Soldaten deutscher Abstammung betroffen, die sich am Rh.in- übe:gang bei Kehl anstauen. Sie werden vor: de:: Franzosen ent- neder am Uebergang verhindert oder internierck. Es fehlt ihnen jede Möglichkeft, mit ihren Familien in Verbindung zu tteten und deren Unterhalt sicherzustellen. Es wird daher Freigeleit für alle nach Elsaß-Lothringen entlassenen Soldaten beantragt, weil kern Zweifel darüber bestehen kam:, daß die Aussperrung der ent­lassenen Soldate:: dem Artikel 3 des Wafsenstillstandsverttages widerspricht, aus Grund deffeir Joch kürzlich die Entlassung samt- licher elsaß-lothringischen Soldaten irrnerhalb einer kurzen Frist verlangte, (tzege:: die völlerrechtÄvidirge Auslvcismrg der deutschen Gesandtschaft in Luxemburg durch tue französischen Behörden wurde protestiert. Gegen die vertragswidrige Geiangennahnre eine- bab-erisch.n Generalkommandos und 4000 rbiann W.rlschas.Struppen durch die Rumänen bei Kroi:stadt ließ die deutsche Regierung bei der rumänisch-?:: Regierung Protest einlegeu. Die Deutsche Waffenstillstandkommisfion bat F 0 ch u:ü> die alliierten Regierun­gen um Unterstützung dieses Protestes. Diese Bitte wurde kurz ab­gelehnt. Hierzu bemerkte General v. Winterfcldt, daß dir deutsche Regierung nicht in: Zweifel darüber sei, daß sie kein Recht habe, zu verlangen, daß ihre Proteste von dem alliierten Obcrkornmando und den alliierten Regierungen unterstützt würden. Der deutschen Regierung sei aber bekannt, daß die deutschen Kriegsgefangenen im Jahre 1017 von den Rumcnten außerordentlich schlecht behandelt wurden, so daß sie zu Tausenden infolge Hungersnot, Krankheiten uud Äcißhandluugeu zugrunde gegangen sind. Sie sei daher in großer Sorge um die Deutschen, die jetzt in die Hände der Rumänen! gefallen seien. Sie glaubte, daß die alliierten R«?greru!lgen gerade in dieser Sache die Bitte uni Ernivickmtg auf d:e befreundete rurnä- nische Regierung nicht ablehnen würden. 9cunmehr müsse mit Be­dauern feugciteltt werden, daß der Oberlon:mairdi?reride o?r Alliier­ten cs abgelehnt habe, im vortiege:iden Falle, wo es sich nur um allgemeine inenschliche Interesse:: handle, zu intervenieren.

Zur Ablieferung de» BerkehrSmatcrials.

Berlin, 24. Tez. (WB.) Die Deutsche Wassenstillstaichs- vommission teilt uns mit: Tie Abgabe des Verkehrs­materials wird duxch neue Bestimmmrgen der Alliierten unge­mein erschwert, wenn nicht unmöglich geniacht. Tic franzö­sische Abgabekommission weist alle Wagen zurück, die länger als drei Jahre nicht untersucht wurden. Bald nach Kriegsausbruch :m:rde die Untersuchuugsfrist unsererseits aus fünf Jahre festge­setzt. Jusolg? der ganz neuen inroegrüiwet hervortrelenden For- derwtg der Eatteatte würden z'tvei Fünftel unseres Wagenparks vo^ vornherein vom der Annahme ausgeschlossen sein, selbst ganz neue Wagen, die länger als drei Jahre nicht untersucht wurden. Gegen diese Verschärfung der Waffenstillstandsbedargungen, welche die reckst- zeilrg? Abgabe des Verkchrsnmterials einfach mrnröglich macht, wuroe P r 0 t e st eingelegt.

Französische Truppen irr Mannheim

Mannheim, 24. Tez. (WTB.) Nach inzwischen erfolgte« Verha:ck>lung?n ^zwischen der deutschen und der französischen Obersten Heeresleitung, wird nur ein Bataillon französischer In­fanterie in Stärke von 1000 Mann zur Uebenvachnng der hier gebildeten Sammellagerstelle für die Ixein: kehrende kl Gefangenen der alliierten Mächte in Mannheim einrücken. Das eigene Bat- laillon der 110cr und bic Urlauber dürfen hier bleiben. Die heute früh veröffentlichten anderslautenden amtlichen Verfügungen wurden inzwischen wieder rückgängig gemacht.

Englischer Verzicht auf Gibraltar?

Kopenhagen, 23. Tez.Polittken" berichtet aus Paris: Ans Anlaß des Besuches des spanischen M i n i st e r v : ö s i - deuten Romanones in Paris schreibtEcho de Paris": Meldungen aus besonderer englischer Quelle wollen wissen, daß England bereit ist, Gibraltar ab zu treten, n>eil dessen strategische Bedeutung durch die moderne weitreichende Arckilerrc! erheblich vermindert worden sei. Als E n t s ch ü d i g u iti g söllk England außer einem wirtschaftlichen Schadcnwrsatz entweder' Ceuta oder einen anderen Punkt au der maroktänischen Küste im Büttel- meer erhalten.

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Die Wahlen in Ungarn.

Budapest 25. Dez. (WTB.) Ter Mini ( errat beschloß cste Anssckfteibung der Machten für die Konstituante für die zweite Hälfte des Januar.

Togo den Tschechen?

Wien 25. Tez. (WTB.i Der Prager Korresp r ?-> Neuen Wiener Tagblattes" null von authcnii.'chc'r S st er . cn hiaben, die Entente l-abe beschlossen, den Tschechen die > üo?re

dcnttsche Kolonie Togo zu gebcar..