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168. Jahrgang

Nr. 276

Tex GUfeencr Anzeiger

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Samstag, 23. Novrmber MS

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General-Anzeiger für Oberhessen

Totensonntag.

, ' Der Flaggenfchmuck, der durch die Straßen der Städte wogt, will unserem bedrückten und geschurchenen Deutschland -licht reaft anstehen. Wir werten nicht froh, und ein Festes­jubel ist es nrcht, mit dem wir unsere heimkehrenden Krieger empfangen. Aber es ist wohlgetan, daß wir aus dem uns -umgebenden grauen Schleier des Schicksals uns loslösen und aufschauen zu der stolzen Löhe unserer Volkskraft, die sich im Kriege herrlich offenbart hat und die noch nicht gebrochen ist, wenn auch die bunt zusammengewürfelten Völkerscharen der Gegner sich zuSiegern" aufblähen! Diese Frernten wollen uns jetzt auf alle Weise demütigen. Foch weist alle Vorstellun­gen um Milderung der Wafsenskillstairdsbedingungen schroff und gehässig zurück, und der englische Admiral, dein unsere U-Boote ausgeliefert wurden, erklärte, unsere Abordnung müsse mit der ihr gebührenden Mißachtung behandelt wer­den. Wie sie es auch anstellen eines können sie uns nicht rauben: die stolze Freude über unsere tapferen Soldaten, die über vier Jahre die ganze Welt erfüllt haben mit ihren Schlägen und Taten, mit chrem unbeugsamen Willen, . standzuhalten und die Oberhand zu bewah­ren! Dieser Ruhm unseres Volkes wird nicht unter­gehen, _ wenn auch die Last der feindlichen Uebermacht die Wände unseres Reiches uns verbogen hat. Mögen die Amerikaner, vielleicht auch die Engländer, materiellen 'Ge­winn davontragen wir Deutsch wollen aus der augenblick- lidjen Unordnung und der regellosen Zusammenfassung des uns Gebliebenen neuen moralischen Gewinn emportrei­ben, nicht indem wir um Gunst und Gnade bei anderen Völ­kern buhlen, sondern indem wir auf die Klänge lauschen, die aus uns selbst und unserem Schicksal kommen. Wie Jean Paul im Staatstraueriahre 1809 dürfen wir wieder die Frage er­heben, ob wir denn so kindisch und eitel sind, uns mehr der Geschichte zu schämen als die Römer?Wie wird, da schon ein einzelner im Unglück groß erscheint, ein ganzes Volk in Trauer um eine große Vergangenheit hoch aufftehen, welcte eben dadurch eine Gegenwart ist und eine Zukunft wird!"

An einem solchen Gedenken sollen heute auch unsere Toten des Weltkrieges teilnehmen. Wie wir die lebenden Zeu­gen der großen Schlachten mit fliegenden Fahnen grüßen, so wollen wir an den Gräbern der weit in Europa verstreu­ten Toten das Vermächtnis der Vergangenheit emporhalten und geloben, daß es uns heilig sein foIL Jean Paul meint mit Recht, politische Freudenfeste würden uns den Staat und das Große in gemeinem Lusttaumel versenken urrd gerade tiefer in jene Genuß- und Eigensucht eintauck-en, wogegen die Festlichkeit arbeiten soll. Dagegen würde ein Trauerseft eines Staates mehr als ein Bußtag, gleich- fam der Allerseelentag eines Volkes, höher auf den Flügeln und Flammen der Vaterlandsliebe schwingen;die Gemein­schaft der Wunden würde zugleich sich heilen und sich zu rüsten anfeuern".

Wir wollen und dürfen nicht sagen, daß unsere Toten in den Jahren des Weltkrieges umsonst dahingesunken seien. Sie sind der beste Teil der Vergangenheit, die uns Gegen­wart und Zukunft werden soll! Auf dem Wege zur konstitu­ierenden Nationalversammlung dürfen wir ihrer nicht ver­gessen. Draußen auf den blutigen Feldern Flanderns, Frank­reichs und des weiten Ostens war bereits Demokratie; alle Volksklassen und alle Stämme haben sich zur Verteidi­gung des Vaterlandes eingesetzt. Welch ein Widersinn wäre es, wenn jetzt die Machtfuchtel einer Berliner Gruppe über uns käme, die im Lande nur spärliche Anhänger besitzt! Und noch eine Mahnung schallt aus den Gräbern heraus: neben den wirtschaftlichen und materiellen Neuregelungen gibt es Noch höher stehende Güter, die man nicht verteilen kann, sondern die man pftcgen und hegen muß, wo man sie fin­det. Wir sind gewiß, daß der deutsche Geist nach so gewaltigem Erleben neue Bahnen einschlagen wird. Nur darf er nicht ingemeinen Lusttaumel" sich versenken oder in Genuß- und Eigensucht eintauchen. Wohl mag er sich abwenden von den Tänzeleien und Tändeleien dessen, was sich bishermo­dern" nannte, und elementare Kräfte werden ihn neu be­schwingen. Eine deutsche Renaissance wird uns gut tun. Die Gräber der besten Toten aus der deutschen Ge­schichte sollen sich öffnen; Altes und Neues werden sich suchend und forschend zusammenfinden. Schon der nahe Friedens­kongreß wird uns eine hohe Schule der Politik und des deutschen Geistes sein. Die Vertreter Deutschlands werden in Versailles nicht erscheinen als eingebildete und anmaßende Besitzer der höchsten Menschheitskultur, aber sie werden sich auch nicht demütig zu verstecken brauchen vor den hochmüti­gen und unedlen Geistesrichtern, die schon beim Abschluß des Waffenstillstandes kundgetan haben, daß sie nicht von der Blüte wahrer Menschlichkeit Herkommen. Die Deutschen werden sammeln, was ihnen bisher fehlte: weltpolitische Er­fahrung, sie werden sich wappnen gegenGvoß Macht und viel List", und aus der alten Parole der großen französischen Revolution werden wir das Wort Gleichheit herausnehmen, das nicht göttlichen Ursprungs ist, und dafürFreiheit, Einigkeit und Brüderlichkeit" zum Wahlspruch des neu er­standenen Reiches machen.

Das neue Programm der Nationalliberalen.

Berlin. 22. Nov. Die Vorsitzenden des Zentral Vorstandes dev Nationallibevalen Partei, Tr. Friedberg. Dr. Stresemann. Tr. SSoflrt, erlassen folgenden Aufruf:

Die terrch den geurallfamen Umsturz veränderten Verhältnisse sprengen tec alte Partei form mrd zwingen zu eirrem Zusammen­schluß tes deutschen Volkes auf neuer Grundlage Tie bisherige National liberale Partei ist sich darüber klar, daß ihre alten lieber* liefern»gen und ihr Programm nicht mehr Richtschnur für die herrtige Zeit bleiben können. Sie hat die Absicht, allen Schichten des Volk-'s. die nach politischer Betätigung streben, ihre Tore zu öffnen auf ter Gcuridlage der Anerkennung der durch die Demokratie räfteftläi jto&toär. twi aut den Loden der

durch die Tatsache der Umwälzung aeschaffenen demokratischen StaatSform, die sich aus das allgemeine, gleiche, geheime Wahlrecht für beide Geschlechter stützt. Wir wün­schen die Wahrung der Reich-ein heit gegenüber Adlösungs- bestvebungen und begrüßen mit voller Zustiinmung die von der: deittschen Landen Oesterreichs geromffchte Bereinigung mit tem Reiche. Lebensunfähige StaatSgetelte in Deutschland wünschen wir pi beseitigen. 2SÜr treten ein für unbeschränkte Selbstverwaltung m städtischen wrd ländliche,: Körperschaften auf demokratischer Grrrndlaae. Wir fordern die Herstellung der Freiheit für Wort und Schrift. Verein und Versammlung, einen neuen Aufbau des Aus- rvärtigen Amts und der auÄvättigeu Vertretung. Wir bekennen uns zum Getencken des Völkerbundes, und in ihm zu eine, gleich-erechftgten Stellung des Deutschen Reiches, dem sein An­spruch auf koloniale Betätigung erhalte,: bleiben muß. Wir wün­schen ei*e kulturelle Verbindung mit den Deutsche,: im Auslände und di» vollle «Ächersdellung ihrer Erlverbstätigkeit in allen Ländern: wir wünschen erchlich die Schaffung eures Volks- Heeres nach den Erfahrung«: dieses Krieges, die zu einer grundlegschen Aenderung der Anschauungen aller auf diesem Gebiete --führt baden.

Im Sinne der bisherigen Bestrebungen der uns angeschllvsse- nen Fvauekborganisatioiion wünschen wir der Frau im öffentlichen Leben woitesV.'henten Spielraum zu geben und die von ihr an- gestrebte Gleichteoechtigung zu ertteiTar.

Aus wirtscha ft lichenr Gebiete werden wir :ms dafür einsttzen. daß Deutschland nicht in Verhältnisse übergfführt ivird. welche lediglich staatliche private Riesenorgauisativuen auf der.einen unb abhängige Existenzen .ruf der anderen Seite übrig lass«:. Die wirtschaftliche Selbsdä^d'gkeck und Betätigung des ein­zelnen wollen wir auch iw neuen Deulschbrrrd erhalten. Wir treten damit in beSvußten.Gegensatz zu denjenigen, welche in einer Vergesellschaftung aller Pvoduktamsmittel und in der Mfhebung des Privateigentums ihr politisches Ziel sehen. Wir verladen ius- bckmd.re die Sick^efftplllmg der Staats- und Kriogsailleihen, der Sparckasseneiulagci: imD der gewähren'ixten Pen.'ions- und Renten- tetzüge. Wir treten ein für die Erhaltung des freien Bauers aus eigener Scholle, fiir die Kräftigung des Bauernstantes durch großzügige Schaffung neuer ausreichender Siedl,mgen. ivie wir die Schäftung von Kveditorganisatvonen zur Wiederau frickstung urrd Stärlsuug des durch den Krcksa zerrütteten Mittelstandes fordern. Eine Vereniheitlickftmrg des Verkehrswesens durch Reichscisen- bchnen und Reichswffserstvaßm soll den Wiederaufbau unterer Wirtschaft fördern. Die energische UntersÄtzung des Kleinwohnung- baues und der Heimstätten, «ckbchondcre für unsere Krieger, er- ttrebn: tvir ebenso wie die Beseitigung der Auswüchse für Speku- latwnen aus dem Gebiete des Grundes und Bodens. Eirw Besserung und Dereinsackwng tos Strafrechts im Senne nwderuer Anforderun­gen und die Bereinsaä^nvf des gerrchtkichdn Vermhven? sind »rotwen- dig. CS,e gründliche Umge^ivl ung d^s A b-ter-, Beamten, u stelltenrechts hat unter voller Koalitionsfreiheit zu erfolgen. Der Ausbau der Sozialpolitik hat neue Rech^vrmen für das ^rhältnis der Angestellten und Arbeiter zu den Unternehmun­gen zu schaffen. De internationale Reglung der sozial- politischn Gesetzgebung ist zu erwirken. Den gvc'ßen finanziellen ^Anforderungen. die an den Staat lierwitreten, ist durch ansreichmde Reichs- Einkommen- und Erbschaftssteuer, durch schärfere Erfassung der Kriegsgewinne und durch eine Ver­mögensabgabe zu genügen, die jedoch in Firmen erfolgen nruß. welche die nnrtschaftliche Tätigkeit nicht unterbinden. -

Allen dielen Forderungen voran aber stellen wir für die Gegenwart das Gebot, für RnheundOrdnungim Innern m sorgen. Wir werden deshalb alle Bestrebungen der tatsäck^ichen Regwrung untersti'itzen, die auf dieses Ziel gerichtet sind Wir ver­langen vor allen Dngen die schleunigste Einberufung einer Ver­fassung- und gesetzgebenden Körperschaft ohne deren Zustimmung stde C^Ttzg-bung der reck^lichm Grundlage ent­behrt. Notwendig ist endlich die schlounige Lerbeiführung des Frie­dens, damit der neue A:pbau des deutschen Staates und der deutschen Wirtschaft sofort in Angriff genommen werden kann.

Alle diejenigen, tvelche bereit sind, ans diesem Boden mitzu­arbeiten. und sich mit uns zu einer deutschen B o l kS pa r t e:' auf nationaldemokratischer Grundlage zu verein,- gen fordern wir zur Mitarbeit auf. Insbesondere ergeht dieser Ru,.an die deutschen Frauen imd die deutsche Jugend die nt den Kreis der politisch GleickZlvrechtigten eintreten.

2 er Rat der Bolköbeanftra ten an die heimtchrende» Truppen.

Berlin, 21. Nvv. (WTB. Amtlich.) An die heimkehrenden Soldaten! Kameraden? Dir deutsche Republik heißt Euch von Verzen wulkommen in Eurer §>eimat! Ihr seid für ein Vaterland ausgerückt, :n dem Ihr nichts zu sage,: hattet, und in dem ein« Vandvoll von Gewaltl-adern Macht und Besitz unter sich ver- ttill hatten^ Ihr durftet nur schwergen und kämpfen, während vunderttLm;eiche neben Euch schweigen und sterben mußten. Heut kommt Ihr ins eigene Land zurück, in dem künftighin nienrand etwaS zu sagen und zu bestimmen hat als das Volk selbst, in das Ihr Euch nun wieder eingliedert. Tie Revolution t>at den Bann gebrochen: ^hr und wir und Deutschlmch sind frei. Unsere sozia- lllttiche Republik soll als die freieste in den Bund der Völker treten, Ihr fiitbrt aber nicht nur alle po!itisck>en Rechte, die G"ch bisher rorenthalten waren; die Heimat soll auch w:rtsck>aft- llch Euer Besitz mch Erbe werden, in dem Eirch rwch unserem Willen kerner mehr mMxut«: und knechten soll. Die Reichs­regierung, die das Vertrauen Eurer Kameraden :md der Ar­beiter berufen hat und trägt,'will Euch Arbeit schaffen, Sckwtz de, der Arbeit mch erhöhtes Einkommen aus der Arbeit. Acht­stundentag, Erwerbsloserruntersttltzung, Arbeitsbeschaffung, Aus- behmmg der Kraukenversicherimg, Steuenmrg der Wolmungsnot, Lokalisierung der dazu reifgn Betriebe: Alles ist im Werden und ist zum Tell sckwn gesetzt! Kommt und seid willkommen als die Männer, welche die Träger der neuen Relmblik irnd ihrer Zukunft sein sollen. Gewiß, Ihr ftndet bei uns Knappheit an Nahrungsmitteln und an allen wirtschaftlick)en Gütern. Im Lande herrschen Not u,ch Entbehrung. Helfen kann uns nur die gemein- same Arbeit und soldatisches Handell:. Nur ein Deutschland, das eure geiicherte, in ten Arbeitern mtb Soldaten verankerte Re­gierung besitzt, kam, von unserem bisherigen Gegiwrn das er­reichen. was Ihr seit vier Jahren crkänchft und ersehnt habt: ten Frieden!

Der Rat der Volksbeauftragten.

C9*rt Haasc. Scheidemani,. Dttmann. Landsberg.

Ein in Gcsauge'-fchast geratene- deutsches Ansantcrie- Regiment.

Haag, 22. Nvv. Hollandsch Ni«lws-Bunnm vkröffenMcht folgende drahtlose Mitteilung vci: MarsckLÜl Foch: Das fran- zvfische Komnrando sbelll fest, daß fmn^öftsck-e Kavallerie am 21 November in Gvvsbois m LnLcmburg, 1,4 Kckomelar tuciUwb

von TiErch, ein deutsches Infanterie-Regiment gefunden hat. Ta dieser Ort zwischen ten Linien 1 uich 2 liegt und» dieses Estbiet bereits am 21. November geräumt sein mußte/ so mußten die dort vvrgüftmten«: teutschm Truppen inter­niert tverden. . , . _ i

Mackensen in Vien.

Wien, 20. Nov. Im Laufe tes Mtttw)chs hat der Stab bet Generalfeldmarschalls v. Mackensen auf %et Heimreise Wien passiert. Die Truppen tes General feldmarschalls waren vor einigen Tagen bei Sillein in leinen Kampf mit tsckiechoslotvakischem Militär geraten und konnten ihren Zug gegen Oderberg nicht fortsetzen, da dieses in den Händen der Tschechostowaken ist. Sie setzten die Weiterreise über Wien fort, von wo sie über Passau nach Deutsch­land zurückkehren. >

Branting über die Waffeustillftand-hedingunge».

Stockholm, 21. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) LautSozial­demokraten" smidte Branting gestern im Anschluß an die De- pffche, die der BundNeires Vatcrlaiü)" an ihn gerichtet hat, und veranlaßt durch andere Mitteilungen aus Deutschland ein Tele­gramm an Albert T h o ma s, in dem er ausführt, DeuffchlandS Stellung werte verzweifelt und eine Hungersnot unvermeidlich werden, falls die Entente an gewissen Bedingungen festl-alte. Die­selbe müsse daher eine längere Zeit für die Räumung und Aus- liefermrg tes Wagenparks gewähren, denn sonst riefen die regieren­den Kieise Frankreichs in ten Großstädten Deutschlands ein bolschewistisches Chaos bei ten hungernden Massen hervor, das die Befestigung der demokratischen Repicblrk perhinden: »verte. Im Anschluß hieran bemerktSozialdemokraten" .die Erttente könne eine Katastrophe in Deutschland nicht wünschen, weil da­durch der Bolschewisnuis hervorgerufen werte. Auch wenn man in französischen Nationalistenkreisen noch die Illusion hege, daß die Siegesstimmung das eigene Volk unempfänglich für den Bolschewis­mus mache, so könne es doch unmöglich im Interesse des Siegers liegen, die Besiegte:: in ein Chaos zu treiben und Revanchegesühle tervorzurufen, die jetzt, nach der Vernichtung tes preußisch^ Militarismus, vollkommen ausgeschlossen sein sollten.

Die Vermittlenätigkeit des Papstes.

i. Köln, 23. Nov. (Drahtn.) LautKöln. Volksztg." Hai nach eurer Meldung tes Kardinal-Staatssekretärs der P a p st auj die Bitte des Kardinals v. Hartman» vom 14. November d. I. wegen Versorgung tes Rheinlandes mit Lebensmitteln bei dem amerikanischen und frar^ösischen Episkopat wie auch bei der eng­lischer: Regiermrg sogleich entspreck-ente Schritte getan. Auch schon vorher hat silch ter Papst bei Präsident Wilsm: um Milte­rung der Waffenstillstandsbedingungen imd um Beschaffung ft» Nahrungsmitteln für Deutschland bemüht.

Ein amerikanische» Friedensangebot?

München, 21. Nov. Prof. Tr. Ja ff 6, Finanzminister de- Dolksstaates Bayern, erläßt folgende Erklärung:

Durch die Zeitungen geht nachsteliente Notiz:In den Berliner Kasernen werten Gerüchte verbreitet, daß die deutsche Regierung im Herbst 1916 ein Friedensangebot Frankreichs abgelehnt hcibe. Demgegenüber kaim nur wieterlwlt werten, was schon früher mehrmals amtlich erklärt wurde, daß keiner der Feinde Teuffchlands im Weltkrieg jemals ein Friedensangebot gemacht l>at."

Um keine Verdrcnk-?lun^ der Taffachen aufkommen zu lassen, erkläre ich hierdurch, daß :ch persönlich im Spätherbst 1917 ein mir durch den Genfer Vertrmlei'.smarm des Präsidenten Wilson übergebenes Friedensangebot der Regierimg der Vereinigten Staa­ten in die Hände tes Unterstaatssekretärs von dem Buss che über­mittelt habe. Dieser übernahm mir gegenüber die Verpflichtung, das Friedensangebot dem Staatssekretär tes Auswärtigen Amtes, Herrn v. Kül-ln:ann, ovrzulegen. Einige Wochen später wurde ein den: obigen cattsprechendes Friedensangebot der Regierung der Ver­einigten Staaten für Oe?terreich-llugarn dem Grafen Czernin übemnittelt.

Von beÄen Stellen ist trotz mehrfacher Anftagen der mit der Uebermitttung beauftragten Peffönlichkeiten eine Annvort nicht erfolgt.

Die deutschen^Generalkonsulate in Petersburg und

Moskau.

Berlin, 20. Nov. (WTB. Nichitamtlich) Nach Meldungen die tells direll aus Petersburg und Moskau, teils auf Umwegen zu uns gelar^o::, sind die deutschen General-« konsulate in Petersburg und Moskau abgesetzt und die dort; tätig genesenen Beamten, insbesondere die Generalkonsuln und das andere Personal interniert »oorten. dluf wessen Veranlassung und in tvelcher Weise diese Vorgä;hge fick- abgespielt teben, ist noch nicht klargestellt. Es sind sowohl von der russischen Re­gierung als auch von tem Mosstmer deutschen Arbeiter- :md Sol- datcnvat mehrere Telegramme eingegangen, die besagen, es hätten sich in Moskau und Petersburg deutsche Arbeiter- und Soldaten­räte ans Kriegsgefangenen gelnldet, die beite Generulkonfulatt abgesetzt, das Personal unter voller Sicherheit der Personen inte» niert und die konsnlarisck-en Geschäfte in die Ha:ü> genommal hätte::. >

Die r u s s: s ch e Regierung, von dev derttichen Vol^« regierm^ darauf lstugewiesen, daß sich alle deutschen Behörden der neuen Regierung zur Verfügung gestellt lstitten m:d daher m:ch die ^>enerälkümsnlate in Moskau und Petersburg:veiter als ordrnrngsmäßige deutsche Vertretungen zu gelten hätten, ant- lvortcte, sie weigere sich, mit Vertretern des Hoben zoll er:: schon Rcgiines als nrit solchen des fteien TeuffAands zu verkehren. Die Angelegenheit bedarf dringend der Aufklärung. Die Regierung veriairgte daher von der russischen Regierung, daß zunächst die beiten Generalkonsulate, die sck)vn seit einiger Zeit Rußland ver- lasse:: sollten, jedoch von der So^ojetregierung zurückgehalten wor­den waren, alsbald ihre Ausreise antveten und hierher Omntcn

Aus dem Heiöje.

Dir Wirterau ft lnhink der Friedensarbeit.

i. Köln, 23. Nov. DieKöln. Ztg." meldet cn:s Berlin; Wie ich erfahre, beabsichtigt die Reick^rohstosf:nrsorg:lng die Rohstoffversorgung der Industrie zunächst so in die Wege zu leiten, daß tem Gemeinten mch Weiterverarbeitern Gelegen^ heit gegeben nnrd, die großen Lager, die z:rr Versorgung dev Kriegsindustrie angelegt wurden, zu besichtigen imd Bestellungen darauf zu machen. Infolge der schrvierigen Beförderung muß die Industrie ten Trmrsport selbst übernehmen. Man hofft vor allen alle:: Dingen, die heimischen Webstofslverke soweit mit Rohstoffen verseifen könne::, daß eine Wiederauftnchme tes Friederrstettirbe- an vieler: Steller: möglich sein rvird. ^ .