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Nr. 27^ Zweites Blatt

An» Stadt nnd Land.

Gießen, den 21. November 1918.

Lebensmittel.

Marmelade-Verteilung. Aul'den Bezugsabi'chnitt Nr. 6 der Lebensmittelkarte gelangt von ^Freitag den 22. bis erm.ö üblich Mittwoch den 27. Nov. in den Kleinlwidclsgeschäften gegen Vorlage der Lebensmittelkarte J / 2 Pfund Marmelade znm Prm,e von 50 Psemrigen zur Ausgabe.

** (Fr si^rmilchv erteil ung. Insoliie der äußerst ge- Anlieseiuilg von Vollmilch und dem sich hieraus ergebenen g-ebien der Magermilch kann Vtagermilch bis aui weiteres nicht zur Verteilung kommen.

<n w ++ c^ U in?c?^ - ? on Düßstoff (Saccharin). Im Monat ?Mvember 1018 nnrd gegen den Lieserungsabschnitt 22 «t juiiltoifftirtenL" (blau) Und gegen die LieferungS- r?, 1^2 der neu auszugebenden Süßstoff karten

,Aj (gelb) nt den Landgemeinden des Kreises von den Süß- stoftobgalvnellen >Lüßitofs abgegeben. Siehe Bekanntmachung.

** J ieBrotmenge vom 1. Dezeniber ab. Die Reichs- getre roeitell' hat soeben den Kommunalverbänden mitgeteill. daß vom 1 . Dezember ab die Tages kopsmenge an Mehl für die ver- forgirngsbeoechtigt« Bevölkerung einschließlich 20 Gramm für -L-treckung aui 260 Gramm festgesetzt ist. Hiervon erl)alteu die . . bic .?nit Frischkartoff^n strecken, also mir <s4U 0-ramm an Mehl, während den übrigen Kvmmnnalverbänden die ganze Menge von 260 Gramm gemährt ivird. Tie Erhöhung wird am ^ch'vcrarbeiterznlage angcreckner. Schwecstarbeiterzulage

wie InslM weitergewährt, so daß für diese beiden Gruppen die bwyerage Gesamtranmr unverändert bleibt. Reisebrotmarken imd vom l^ezamber ab iür jeden Reisetag je 6 Stück, zusammen also über 300 Gramm Gebäck auszugeben.

. S be recht igl e B c t> ö lr-rn n g. Nach-

dem me Boliszalillmg am 4. Dezember ausfällt. findet auch keine Iceuoronung uer Fortichreibuug der versorgnngsberechtigten Beoöl- verung statt, wie Ke rat Anschluß an die Volkszählung vom Bun- d^rat angeordnet war. Ueber die Weiterführung der seitherigen Fvttschrewung ist noch keine Entscheidung getroffen.

*

** ^ ich e N ach richten. Das Staatsministerium hat 9?^ b. M. die Einführung des achtstündigen Arbeitstages für lamtnche itaatkchen Betriebe beschlossen. Tie Lohnbezüge sollen dadurch kerne Minderung erleiden. Ulrich. Das SMatsMiniste- 2^. W r . am 15. b. M. beschlossen, daß zur Bekämpfung der Arbertsloiigkeit Mittel bereitzustellcn sind. Für Notstandsarbeiten EM den heuttaen Lebensverhältnissen angepaßte Löhne zu zahlen.

_. c - r ^ 0 ) fe Arbeitslosenmiterstützung hat ohne Anrechnung der gLwerpchmtlichen c^>er sonstigen Uitterstützungen zu erfolgen. Ulrich. ^.*^Aus dem Militär-Wochenblatt. Befördert:

Dizefeldw. (II Tarmstadt», zum Lt. d. Res. d. Inf, (Mainz), zum Lt. d. Res. d. Feldart., Schußler, Feldw. (Worms), zum Lt. d. Ldw.-Jnf. 2. Aufgeb.

, . ^^^Er Gefangenschaft. Vüusketier Heineck,

^im Nbi.^Lvf-Regt. 36, 10. Komp., hat jetzt aus amerikani­scher Gefangenichast in Frankreich geschrieben, nachdem er am 26. 'Leptember d. I. als vermißt gemeldet wurde.

** Das Berauben von Gepäckstücken und Trans- vortwagen aus den Bahnhöfen hat in der letzten Zeit einen schlimmen Umfang angenommen. In erster Linie hat man es auf Me aus dem Felde ankommenden Offizierskosfer abgesehni, die von Treben geösfnet, durchsucht und ihres Inhalts beraubt werden Mer auch die auf allen Haltestellen längere Zeit stehenden Trans- portwagen werden in schändlicher Weise ausgeplündert.

** Die hessische Kriegsversicherung fordert im Anzeigenteil zur Einsendung der Anteilscheine und Sterbeurkunden auf.

** Kaufmännische Fachschule Gießen. Ter Unterricht beginnt wieder Freitag den 22. November abens 8 Uhr.

Landkreis Gießen.

^ Beuern. 28. Nov. Tie Grippe ist hier besonders stark ausgetreten und hat schon 7 Opfer gefordert.

** Großcn-Linden. 20. Nov. Die Unrererhebstelle in Großcil-Linden unterhält ein Postschecllonto bei dem Postscheckamt Frankfurt o. M. (Nr 18551) und ein Ueberrveisungskonto bei der Bezirkssparkasse in Gießen. Ten Einwohnern von Großen-Linden wird zur Verminderung des Bargeldumlaufs dringend empfohlen künftig ihre Steuern und sonstigen Schuldigkeiten an die Unter-' erheb uellc durch Ueberweisung zu entrichten.

* nL Hungen, 20. Nov. Gestern abend fanden sich im unteren Rathauswale eine Anzahl hiesiger Einwohner zusammen, um zu der Gründung eines Rates, wie sie jetzt allerwärts gebildet werden. Stellung zu nehmen. Nach längeren Ausführungen des Bürgermeisters Fendt, des Einberufers der Versammlung, in denen er die organisatorische Mitarbeit jedes einzelnen wünschte und die dringende Notwendigkeit derartiger Rätegründungen dar­legte, wuroe ein Bürger rat gegründet, der sicü aus verschie­denen Gruppen mit je drei Vorständen zusammensetzt und in dem alle Sonderinteressen und -bestrebungen ausscheiden sollen. Zweck und Ziel soll sein, der Allgemeinheit zu dieiien und dazu beizu- trag-m. daß unser Volk diese schustere Zeit, in der wir uns befinden, glücklich übersteht. Besonderes Augenmerk soll aus den verderb­lichen Schleichhandel gerichtet werden, um die Ernährung unseres Dolles, die jetzt die drohendste Gefahr ist, sicher zu stellen. Hinsichtlich der Amrecbterhallung von Ruhe imd Ordnung und Bewahrung vor Raubübersallen und Tiebstabl wurde auch die Gründung einer bewaffneten Bürgerweb'- am hiesigen Platze für notwendig er­achtet und st r die zu den Wachm e.f rder ichm Leute besti: m'.

Li ch, 28. Nov. Karl Rau wurde in den letzten ichweren Kämpfen im Westen mit dem Hessischen Kriegs ehren- »eichen ausgezeichnet und zum Offizier- Stellvertreter befördert. Außerdenr erhielt er das Verwundetenabzeichen in Schwarz. Früher Erden ihm das Eiserne Kreuz II. Kl., die Hessische Tapferkeitsmcdaille und der Bat-erische Militär-Verdienstorden II. Kl. mit Schwertern verliehen.

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien) Donnerrtag, 2 \. November |9(8

Ocssdn-Nlissan.

Die Arbeiter- und Doldalenräte des 18. Korpsbezirks.

-- Frankfurt a. M., 19. Nov. Eine aus allen Teilen des 18. Korpsbezirkes stark besuchte Versammlung der Arbeiter- und Soldatenräte beschäftigte sich, heute in lang ständiger Sitzung mit Tages- und Organisationsfragen. An den Verhandlungen nahmen auch französische und vnglische Kriegsgefangene teil, Dtc ugter lebhaftem Bei satt die Grüße ihrer Kamerad«: überbrack^ten und für einen Rechts frieden auf dauernder Grundlage zwischen den, jetzt feindlickien Ländern warme Worte fanden. Die Tagung besprach sodann Fragen des Nachrichten- intb Prvpagandadienstes und der Militärjusliz. Ter Soldatenvat erklärte, daß man keine Vergewalti­gung und Diktatur wolle, sondern daß das ganze Volk an dem Neuaufbau tätig sein solle. Der Sozialismus darf nicht zwangsweise durchgeführt werden. Die Kriegsgefangenen erhalten fortan volle Bewegungsfreiheit bis 7 Uhr abends für Mannschiften und bis 11 Uhr für Dffißiere. An diese Berichte und Beschlüsse reihte sich eine Aussprache politischer Natur über die Diktatur des Prole­tariats und die Einberufung der Nationalversammlung, wobei sich die meisten Redner gegen jede Diktatur und baldmöglichste Einbe­rufung der Nationalversammlung aussprachen. Es wurde eine lArt- schießung angenommen, in der es u. a. heißt: Arbeiter- und Soldatenräte stellen die höchste polilr che Macht dar; sie handeln im Interesse der Volksmehrheit. Ihr Ziel ist die Demokratie und der Sozialismus. Beamte und Behörden, die sich der Neuordnung widersetzen, werden entfernt. Die Rate fordern Vergesellschaftung des Bergbaus, der Schiffahrt Mid des Großgrundbesitzes. Tie Natio­nalversammlung soll zudem eingesetzt sein nach dem Verhältnis der für jede Partei abgegebenen S.immen und soll ein Bollwerk des Sozialismus und der Demokratie sein. Frankfurt wurde , sodann als Zentrale für ten Korps bezirk gewählt. Zum Schluß cky^de das Kriegsernä'brungsamt telegraphisch ersucht, ein Verbot zur Herstellung von Trinkbranntwein aus Zuckerrüben und Kar­toffeln zu erlasieu.

mr. Frankfurt a. M., 18. Nov. Bis zum 26. November dieses Jahres wird im Bereiche des 18. Armeekorps der Rück marsch der Heeresgruppe 6 von der Westfront erwartet, die nach dem Temobllmachimgsplan durch das Armeekorps geleitet wird Es handelt sich dabei um die bisherige Heeresgruppe Gallwitz. sowie einen Teil der ehemMigen V. Armee. Tie Truppen ftnb noch sehr diszipliniert. Die einzelnen Verbände werden an den Rheinbrücken Mannheim. Main; und Rüdcsheim den Strom über- sckp:eiten, außerdem werden fliegende Brücken bei Eaub und Nacken heim errichtet. Die Trupven marschieren dann geschlossen auf den Landstraßen nach ihren Verpflegungs- und Unterkunftsstationen. Der Rückmarsch soll sich in 68 Tagm vollziehen. In BMracht kommen zirka 650000 Mann und 150 000 Pferde. Der Rhän Übergang wird voraussichtlich am 26. November begimum. Die Trupven werden durch die mobilen Verpflegungsstationen beköstigt, so daß die Einwohnerschaft des 18. Armeekorps nur für Quartier zu sorgen hat. In Frankfurt a. M. werden 3040 Schulen bereit- gestellt, wo in einer Nacht durchschnittlich 30 000 Mann nntcrge- bracht werden können. Die Stadtverwaltung hat beschlossen, die Sonderbeliefenmg der Rüstungsarbeiter einzustellen, urid Badeort Abstand zu nehmen.

^ r^r^anksurt a. M., 19 .Nov. Nachdem erst vor kurzem aus dem ^ Stadel-Museum ein Svitzw'g verschwand, wurde am Mmrtag ein Gemälde des sranzösischm Malers Corot aus seinem Rabmen hecausgeschnittan und gestohlen. Tas Bild, 33 x 40,5 cm groß, stellt eine Wiesenlandschaft dar. durch die ein Weg läuft. Au, dem Wege stehen ein Mann und eine Frau mit leuchtzmd zotet Bluse und weißein Kopftuch.

Kassel. 19. Nov. Tie Kasseler Stadtverwaltung errichtete auf dem Bahnhäsplatz einen Ehrenbogen zur Begrüßung der heimkehrenden Krieger. Tie Begrüßung der Truppen im Bahn­hof hat sich der Zentral-Arbeiter- und Sildatenrat Vorbehalten Tie Stadtverwaltung wird alles daran setzen, von den Militär­behörden rechtfertig zu erfahren, wann hiesige Trupven hier ernrücken und m diesem Falle das Rathaus beflaggen. Sie bittet me Bürgerschaft, sich dem anzuschließen.

Fc. Wiesbaden, 18. Nov. Ter Arbeiter- und Soldatenrat hat an den Reichskanzler folgendes Telegramm abgesandt: Wir btt.en den Herrn Reichskanzler, den Oberbefehlshaber der Entente­truppen zu ersuchen, von einer Besetzung der Stadt Wiesbaden mit Rücksicht auf den Charakter dieser Stadt als internationaler Kur­ort al^u sehen.

-- Wiesbaden, 20 Mw. Ter Polizeipräsident Kammerherr v Heim bürg wurde von dem Arbeiter- und SMatenrat seines Amtes als Polizeipräsident entkleidet. An seine Stelle setzte man Stadtvervrdnetenvorsteher Justizvat Dr. Alberti. Haupt­mann Philrppi.^der wegen Wuchers und Bestechung vom Ober­kriegsgericht zu 3 fahren Gefängnis verurteilt war, wurde vom Frankiurter A.- u. S.-R. auf freien Fuß gesetzt.

L)ochschulnachrichten-

^I-dR^rbur^g. 19. Nov. Um für die vielen aus dem Felde zuruckkehrenden sttcknevenden, die bis zu acht Semester warten mutzten, ehe pe ihr L^tudium beginnen >oder fortsetzen können, Woh- nuiigen zu sckraffen. geh«! seit haute Beauftragte des studentischen Mchl.ungsamts von Haus zu Haus. Während die .höchstzahl der Ltudicrend«i vor dem Krieg rund 2500 betrug, rechnec man jetzt auf über 3000 weil Marburg, von den Wasfenstillstandsbedingun- gen nicht berührt urtb dann auch wegen seiner ruhigen ge'undenl Lage^von ielier vor. studierenden gern besucht nnrd Während em Ltudent dem Arbeiter- und Soldatenrat als Mitglied angelwrt hat sich auch em studentischer Unterausschuß geblldet. der diesein Vertreter mrt Rat^ mrd Tat zur Seite steht. In den letzten Tagen haben sich viele Studenten und Studentinnen in den Dienst der LebmsmittelbesckMsfung in die Stadt gestellt. Sie helfen z B die Kartoffeln in den gewaltigen .Kraftwagen mit ein- und aus- laden und an Ort und Stelle fahren.

Letzt- liacr tricftfcn.

Die Natiorralverfcnnmlung.

Be.rlin 20. Nov. Die sozialdemokratische Partei veranstaltete gestern abend in Groß-Berlin mehrere Verfammlim-

sen, die sich für die baldige Einberutzlng der Nationaloer^- sammlung aussprachen. Tie Redner sprack^en ihre Ueberzeugung auS, daß dieselbe eine sl^ial->?mobraiii'.Nehrheit ergaben werde.

DerVorwärts" behauptel. dav der Sach?, der National­versammlung schiverer Schadkn zugesügt sei durch den Eifer, loomit die Besitzenden sich für sie ansgesprockien hätten. Diese yiktiomU Versammlung sei ihre letzte Hoffnung, aocz diese sei eitel. Wie mau lLuch darüber denke, die Hauptiache sei, daß die Sozialdenrokrane nichtzdas gleiche Recht aller verletzen dürfe. Selbst wenn die Gegner des Sozialismus eine geringe Mehrheit erlangen, den Sozialismus würden sie nicht au schalten.^ Größer als die Gefahr der kapitalistischen r ^ C ' sich der Sozialismus von vornhereiiß

als Minderhcitsregierung etattiere. Friedcnsschluß und Bolksernäh- rung erforderten den baldigsten Zusam^nentritt der Nrtionalver- sammluug. Ter Besitz werde von keiner Seite des Sozialismus «Schutz und Sckionung zu erwarten haben. Ter Arbeitsfähige soll von seiner Arbeit leben und nur Invalide sollten ein Recht auf Erhaltung ans der Arbeit und der Gesamtheit haben. Aber erst muß man in Deutschland von seiner Arbeit leben köwneir, und das lasse sich nicht in einem Tag erreichen.

Demokratie oder Bolschewismus?

Berlin, den 21. Nov. In derGermania" wird an füh- render Stelle mr die Regierung die Äussorderung gerichtet, sich für Demokratie oder den Bolsch.lvismus zu entscheiden. Es handelt sich jetzt in Teutschand tatsächlich um einen Kampf auf Leben und Tod ^egen den Bolschewismus. Deshalb müssz für alle Antibolsch 3 nisten, ganz gleich, welcher Parteirichtung sie Mrgehöven, eine gemeinsame Formel ausgestellt '.verden, mit der sie m Ceit Wahl Kamps ziehen. Wenn auch der Terror in Temschland das Feld nach nicht beherrsch?, so erhebe er aber doch hie und da schmi das Haupt. Hier müsse den Airfängen vorgebeugt werden. Keine Einigung der Liberalen.

Berlin. 21. Nov. Tie zwischn der nationalliberalen Partei und der Fortschrittlichen Volks pa r t e i ge,ühr- tcn Verhandlungen la leider nicl^ zu der von der natiomlllibe- raben Partei gQvün^ck 'p i Einigung geführt. Nachdem eine weit­gehende Uebeverirstimmung in sa»st allen grundsätzlick>en Fragen hergestellt und hiernach die Einigung der beiden liberalen Parteien rn Deutschland gesichert erschien, trat die Fortschrittliche Volkspartei mtt dem Wunsch hervor, auch die inzwischen in der Gründung begriffene demokratische Partei in die Einigungs- Verhandlungen einzub?zieh?n. Bei den Beratungen hierüber ging ^u^ .den im Au trag dieser Partei vori Professor Weber gemachten Aussül/rungen hervor, daß die demokratische Partei nur gewillt ist,, mit dem linLn Flügel der Natioualliberalen zusaTNmenzugehen. ^re von dieser Seite vertretene Anschmiung macht es den Vertretern des natwnalliberalen Parteivorstandes unmöglich, die Verband- lurigen mit diesen Gruppen, deren Anschauungen sich mit denen der nanionalliberalen Wälflerschast nicht decken würden, fortan setzen^ Während die Nationalliberalen gestern nochmals ihre Bereitwillig­keit erklärten, vorbehaltlos mit der Fortschrittlichen Volkspartei zu einer cinhettlickj-en liberalen Partei Deutschlands sich zusammenzu- schließen, rcheiterten die so aussichtsreich begonnenen Verhandlungen <m der Forderung der Fortschrittler, die aus eine Verbindung mit der denwLcatisck-en Partei nicht vernichten zu können glaubten. Die ReiL/stagsabgeordneten Frhr. v. Rrcksthsten. Dr. Junck, Fckler und Li-t sind der inzwisch«i aus der Vereinigung der demokratischen Partei unter Führung der Fortschrittlichen Volkspartei gebildeten Teutsck>en demokratischen Partei beigetreten und nach den der Parceileitung <chgegebenen Erklärungen damit aus der national- liberalen Partei ausgeschieden.

Der deutsche Rückmarsch.

Köln, 19. Nov.^ Soweit es sich bis jetzt übersehen laßt, viar- fchieven vier große Armeen zum Rhein, um zwischen Tüsseldor^und Bingen über den Rbän M gehen. Gesiern k^äxg-te General v. Einem als OberbejelibsiMber der 3. Armee von .'Kob­lenz ans an, daß die ersten Divisionerc seiner Armee in die Rheinprovinz eingerückt seien. Die Unterbringung der Armee, etwa 270 000''Mann, mit 70 000 Pferd«r, wiä> starke Anforde­rungen an die Bevölkerung stellen, (peneual v. Arnim leitet von Aachen aus den Rückmarsch der 4. Arm«. Tie 5. Armee unter General v. d. Marlvitz kommt von Trier. Dazu kommt noch die 17. Armee. Tie Spitzen der 4. und 17. Armee passieren bereits Köln. Mit diesen Massen zu Fuß hüll der Bahnoeröehr gleichen >L>tand. Der Soldatenvat in Aaäxm berichtet, daß der Durchmarsch und Anmarsch der 4. Armee in geregelter Ordrmng erfolgt, und daß die Verpflegung durch die Armee selbst erfolgt. Zugleich teilt er mit. oaß sich infolge der schlechten Verkehrsverhältnil se augen­blicklich in Aachen ein sehr großer Viehbestand besinder. den man nach dem Inneni Deutschlands abz-utransportieren versucht. Mit dem Gelingen dieses Versuchs wäre wohl ein Teil der schwierigen Derpftogungsfrage gelöst.

Die Berge sellschufmug der Betriebe.

Berlin. 21. Nov. Der Ausschuß, den die Volksbeauttragtar zur Erstattung eines schleunigen Gutachtens darüber eingesetzt haben, »velche Betriebe sosvrr vergesellschaftet werden sollen, wird aus Professor Ballod, Professor Ernst Franke, Walter Rathenau. Prlvatdozent Tr. Lederer, Tr. Bogelstern. Dr. Rudolf Hilferding, Karl Kautzkv, Heinrich Cuno.o und Otto Hue bestehen. Es ist mög­lich, daß noch weitere Mitglieder hmzugezogen werden.

Eine englische Hilfsattion in Wien.

Wien. 20. Nov. (WTB. Nichtamtl.) Heute trafen hier 5 englische Sanitätsautomobile ein. Sie brachten Le­bensmittel für Bie Kriegsgefangenen der Entente-Völker.

D^e Demobilmachung der Vereinigten Staaten.

Bern, 20. Nov. (WTB.Nichtamtl.) Tie Demobilmachung lder Vereinigten. Staaten wird laut Mitteilung des Ge­nerals March folgendermaßen verlaufen: In den nächsten 14 Tagst werden zunächst die augenblicklich in den Truppenlagern der Ver­einigten Staaten besindlichen 200 000 Muann entlassen werden, Tann werden täglich 30 000 Mann entlassen bis zu einer Höhe von 1 700 000 Mann. Die Verlomcheten und Sittwrliben sollen vbald als mijgjftd; nach den Vereinigten Staaten zurückgebvacht werden.

Das ronü^erfamc SIEifnlfurr -cs Herrn @a(a§ab Jonrs.

Roman von A. H. Adams.

(Nachdruck verboten.) (11

(Fortsetzung.)

Also so machen Sie das, ja?"" fragte Gatahad lächelnd, vttd er erbebte, denn er fühlte sich als Berschmörer.Wenn tram es tum merkte?""

Wenn man mich erwischte!"" Sie schmtte ängstlich nach dem Etnbmrg.

Galahad ftlhlte sich nicht sehr behaglich in seiner Rolle. Er folgte ihrem Blick. Wem: er erwischt würde> Still!""

Das Mädchen war aufgesprungen und stand geduckt. ,^Fch glaubte jemand zu hören/" flüsterte sie mit crn-

r haltenem Atrnn uno preßte die Hand aufs Herz.Da mmt gmrz gewiß jemand. Vater vielleicht. Gehen Sie, schnell! Schllipfen Sie hinter die Laube, dort ist ein Wea, der ^um Tore führt/"

Aber das Tor ' ist verschlossen/" erwiderte Galahad stLhuend.

Ist das wahr? Dann verstecken Sie sich und warten Sie. Ich werde Sie nachher holen. Schnell!""

Nein!"" sagte Galahad, indem er init furchtbarer An- ftrengurlg die vor seinem iirneren Blick vorbeirasenden Ge­sittete voil Verhaftung, Gericht, Zuchthausstrafe, Ehrverlust mub Eheftt-eidung verjagte. ,^Jch fürchte mich nicht. Itti werde bei Ihnen bleiben.""

Unsnm!"" flüsterte sie zornig.Sie werden erwischt werden, und das wlird alles zunichte machen. Horace

Galahad ging.

Ms er sich voller Angst hinter einem Büschel Farn­kräuter niederlauerte, hörte er Fußtritte auf einem ent­legeneren W^e. Die Tritte kamen näher, hielten an und entfernten sich wieder. Er war sicher.

Eine Minute später war sie an seiner Seite, nahe, wundersam nahe ini Schatten der Baumfarne.

Vater!"" hauttM sie.Er hat mich nittst gesehen. Nun gehen. Sie leise; ich toerde Ihnen einen Weg zeigen, der hrnaus führt/" * "

^ Si e geleitete ihn sachte auf die moirdlichtüberflutete Dervasse hinaus und die Stufen hiiraü zum Ufer.Diesen Weg müssen Sie morgen abeno kommen. Ich werde um die­selbe Zeit in der Laube sein. Es wird eine ziemlich unbe­queme Kletterei um das Ende der Mauer heruin geben, aber das Wasser ist nitt-t tief, und Sie könicen ja wohl sMvimmeru Aber falls Hovaoe irgend welche Schvierigiei ten hat, dort herumzukonnnen, würdet! Sie besser tun, mit ihm zu gehen mck> ihm ^ helfen. Sie können draußen warten, falls er Hilfe 'braucht, um zurückzutomnicn.""

Sie standen rni Eudzipfet des ßirundstückes still. Die Steiumauer ragte ein wenig über das Wasser vor, aber es tvar für einen behendeti Mann wohl möglich herumzuklet­tern; doch für eine Gestalt von Galahads Bau sah es wie eilte recht schwierige Aufgabe aus. Jedoch gab es Leine andere Möglichkeit. Irgendwie mußte er mrs dem Garten heraustomln-eu, und nach den durchlebten Schr«d

nissen nahm er sich vor, sich durch nichts zum nochmaligen Hrnemgeheu verleiten zu lassen. Derartige Abenteuer waren pa)send für einen jungen Mann, für einen unverheirateten Manir, für einen Mann mit weniger unregelmäßigem Herz- schlag, für einen Mann, der keine Stellung auss Spiel zu setzen hatte, für einen Verliebten.

Gute Nacht, Fräulein Sibyl/" sagte er ängstlich, un­geduldig darauf bedacht, fortzukommen.

Sttxweigend streckte Sibyl ihre schlanke Weiße Hand der letiten entgegen, und zum ersten Male sah er das Mädchen deutlich. Sie stand im vollen Schimmer des Mondes, leicht wie Schaum, zart loie eine Blume, die sich ini Glanze des Mondes öffnet. Es schien chm, als schlössen ihre natt> imnenden Augen geheimes Leid in sich, unausgesprockienen. alten Kummer. Sie hielt sich unter der Last irgendeiner sttyveren Sorge tapfer aufrettst; sie staiid chin gegenüber wie ern zerbrechliches, verzioeifeltes Wesen.

Zu seinen: eigenen äußersten Erstaunen hob O^alahad die schlanke weißen Hand zart cm seine Lippen.

Die Berührung mit seinem borstigen Sci).nurrbart brattite das Mädchen Mr Erde zurück. Sanft, doch ohne Zorn entzog sie chm die .Hand.Gute Natttt und vielen Tank/" flüsterte sie ernsthaft und so leise, daß er es kaum hörte. Dmm schaute sie chrem auserwählteu Diener zu wie er uiigeschickt, al>er glücklich um das Ende der Steuer he ruinkletterte.

Es war nach elf lchr, als Galalnrd ans samer Straßen, bahn nl Mosman aus stieg nitd sich heimwärts wand^ie. Sern HquS lag in der Dchgic Adeiui^ (AortjegMg

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