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Kr. 2Z0 Zweites Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhefserh Samstag, jb. November 1918

Au» Stabt und Land.

Gieren, 10 November 1918.

Qiii Bingerrat für Stadt und Llre.s Giessen. -

>>n einer Versammlung von Vertretern der Vereine des rverk- uw.<w\{ 'oiirgcrtuind von lourb« gefreni nach eingehender

i-ulk' unter dem Borsitz von SDommerpeuiat Klin gspor, JT** loen des Verbandes Mitteldeutscher Industirieller, ein

rui ijerrät .nix ^.loM nnd Meis Greven geoUdet, der die «u.g.U'e du. ui engstem Anschluß an den bereits bestehenden ! ' i m Arbeitei nn Svldatenral - ; Verbindung u treten, um dir :j d)lc des derUs cl--.il Bürgertunts zu wahren und 'le'colx'rech.rAlurg 5. i allen staatlichen Maßnahmen u 5 l i die Rorwendiateit und Zweckmäßigkeit der- arl {Ki' vUiriionatc, die nt Uebereinstimmnng mit der Nciä-slcttung m_ alten c.iii*ten des Teutsclx'n Reiches gebildet werdet sollen,

uo »oue» EmverstLndni In den Vürg^rvat wurden s netif aller Berussgruppen geioählt, und zioar die folgenden Herren :

1. Eisenbahirbetriebsingenteur Entzeroth, 2 . Schreinermeisver (> f° r fl Hau lach, 3. Direkter Heich.N-eim, 4. ftVuirmanu Wil lKim Kilotnger, 5. Zioinnrerzicnrat Klingspor, 6 . Slxr lehrrr .Prof. Dr. Krausrnüllcr, 7. Zabitkdirektor May, 8 . Lehrer Valentin Müller, 9. Okontaufnumn Rudolf No load, 10 (öwtwirt Rahnefcld, 11 . F-abriümt Rinn, Heuchele hetm. 12 . Zdaufmmm Röhr, 13. llniversttätsprofessor Dr. Rotenberg, 14. Obermeister E. L. Sack, 15. Poststkretär Sehrt. 16 Universitätsprofessor Tr. Strahl, 17. Schuh- machernietster Waldschmidt, 18. Straßemoart Weller, 19. Treher Fritz Wendel.

Ter ^nrg.rrcct wird sich durch weitere Zuwahl namentlich aus den Städten des Kreises ergänz«:. Ter Vorsitz wurde Professe« Tr. Rosenberg übertragen.

*

_ ** Vorsicht mit Wäsche. In letzter Zeit ist in hiesiger

sradt wieder ein Wäschedieb ausgetreten, der in der Nacht zum 11. d. M. in der Tammsttaßc aus zwei Höfen ^uin Twckrunt aus- gell angle Wäsch.^ einen blauen Bieber-Underrrxk, ein Paar schwarze Tamen-straunvle gezP. H ". einen rosa Unterrvck und einen schwarzen Wschmir-Frauerrrock, sich ang.'eignet hat. Hierdurch ist erwiesen, daß trotz wiederl-oller Verwarmtng von dein Publikum immer nocki nicht genisttend beachtet tvird,'-che über Nackst nickst außen zum Trocknen l-ängcn 51 t laffen, w?sl-alb hiermit nochmals darauf hingciviesen wird. Sachdienliche Mitteilungen nimntt die hiesige Kriminalpolizei entgegen.

** H ü h n e r d i e b st a h 1. In der Nacht zum 7. d. M. wurdest auS einem Garten in der Ederstroße mittelst Einbruchs 9 Hührter und 1 Hohn entwendet und am Platze abgeschlachtet. Sachdienliche Mitteilungen nimmt die hiesige Kriminalpolizei entgegen.

** Oberhessischer Kunstverein. Tie Attsstellung vort Werken Vogelsberger und Oberhessischer Motive kamt leider, wie vorgesehen, morgen, Sonntag, iwch nicht eröffnet werden. Infolge der gegenwärtigen Verkehrsschvierigkeiten sind heute noch ein großer Teil der an gemeldeten Bilder nicht eingetrosfen, so dach die Ausstellung nicht fertiggestellt werden konnte. Tie Eröffnung der Aiwsiellung erfolgt bestimmt Sonntag den 24. November. Es iverden sich 31 lltünstler mit zirka 150 Werken an der Ausstellung beteiligen.

** Aus dem Stadltheaterbureau. Auf die beiden Vorstellungen des morgigen Sonittags sei auch an dieser Stelle hrn- tX-wiesen. EKgebon werden: nachnnttags das bekannte Sing­spielWie einst int ?Nai", abends die treuen Einakter von Ludwig Thvnia, die bei den ersten Aufführungen mit so großem Bcckull ausgenommen worden sittd. Auch auf die Wiederholung derRäuber" am nächsten Dienstag mit dem gleichen Gast aus Wiesbaden wie der Erstaufführung, sei itochmals aufmerksam gemocht.

** Tie Garnisonkapelle konzertiert am Sonntag den 17. November, 12 Uhr, in der Süd-Anlage.

** Schwar»-Weiß-Licht spiele Seltersweg 81. Ab briete bis Montag den 18. November wirkt Ernst Reicher in seinem 21 Tetektiv-Abentetter in 4 MenDie Geisteriagd". Außerdem sptelen ln dem GcsellschastsromanDie Stricknadeln" Kate Haak tmd Erich Kaiser-Titz vorn Berliner Lessingtheoter.

Starkenburg und Rheinhkssen.

--- Mainz, 14. Nov. An den hiesigen Gerichten werden die fTrteilr ni 6 t mehr im dd»nen des Grochherzogs gefällt, sondern es beißt im Schöffengericht:Es ergeht zu Recht" und an der Straff immer:Es ergolst dahin Urteil." In der Nacht zum 8 November wurden bevannllich die Gefangenen aus den Mili- lärgejängnissen befreit und hie Gerichtsakten verrichtet. Nur die Sckeververbrecher wurden nicht beffeit. Zu den nicht Entlaffencn aehon and- der Haurstnrann Philippi aus Wiesbaden und der Raubmörder Kvaprzyk.

Kreis Wetzlar.

ra Wetzlar, 14. Nov Der Kreis Wetzlar hat nach der setzten allgemeinen Volkszählung 59156 Zihücmwohtver. Die beiden Städte Brannsels und Wetzlar zählen 14 487 Bewohner, wtd zwar Braun jels 1403 und Wetzlar 13 048 Einwohner. Aus die Landbürarrmei'ereien verteilt sich die Einwohnerzahl wie folgt: Aßlar 7927, ,'ltzbrch 6623. Brnmfels 7218. Greiiertstein 4253, HoheuGlms 3429. Launsb-.rch 2891. Nechenl^tch 6691 und Schöf fengrund 5633. Für die bevorstchettden Kreis'agswrhilen sind sechs Abgeordnete im Wahlverbande der S'ädte und 10 Abgeordnete im Dahl verbände der Landbürgermeisteveien zu nwhlen.

Giebener Haussrauen-Bcrein.

Kochanweisungen.

Schrotbrot-Pudding Sckwotbvot oder Kvmnrisbrot wirb geröstet geriebcrt und mit Milch gut aiuxgeuckstet. Tann rührt mwr 1 bis 2 Eigelb, Zucbcr nach Geschmack, ickivas Zcmt, geriebene Buchckorn uird entsteinte, gekochte Backpflaumen dar-

untec, mischt zuletzt den Sch»ree der 2 Etwetste ttnter die Masse, füllt sie in eine gut gefrinUrne intf> bettreutc Puddingfvrm und Lockt sie V/ t Stunde tm Wasserbad

Erdäpselwi rrler. Man nnicht änen Teller voll ge­kochte, geriebene Erdäl»>el mit 2 Löffeln MM, Salz, gebratenen Zwiebeln und etwas zetlasseuem Fett nnd gibt die Masse in ctnc Pianne, in der Oel oder Fett heitzgunach wurde. Uitter bestäitdcgcm llmnend?,, brät man die Erbätet, aber ohne das; sie eine Kruste be- Loninunt, denn sie müssen noch Nkich und krümelig blotlait.

Mi l chko u felt. V« Psnnd Buttra '.oird sckiauntig gerührt,

2 To ter, V» Pffrnd Zucker, 5 Gramm Hnschl-ornsalz, 1 Päckck>en B.iuillezucker trnd der Säptee von 2 Etwas; werter J t Stunde mit gerührt Tann knapp l [\ Sek^ppert Rcilch ir.tb 2 Pfund Mell ixmtulcc verarbeitet und den Teig einige Stunden ftefcit gdaiien. Dann wird er verarbeitet, ndtigm^ills nock» rtoas Mehl dazu getan, ausgerollt. ausgeslock,«n und bei mäs;g-er Hitze andern Tags ge bacten. Tos Bloch- darf nur ivenig gesck-nnert lverden. Der Teig gel/l statt ans und gibt sehr viel aus.

Stangen. V 8 Pfund.Butter wird schaumig gerührt, l j\ Pffcnb gniebenc Bucl,eckern. Psnnd Zucker, 2 Toller, 150 Gramm Mehl lvecden damit verarbeitet. 8 Zentimeter lange, klein- rngerdickr Stangen geharnt tmd bei mastiger Hitze gebacken.

Airchlich« Nacl,richten.

Kirchberg. Vorm. 10: Hl. Abendm. f. Mainzlar. Daubringen. Abtes. 8 .

Letzte Aachllchten.

Die Mich^el>iemn>g.

Berlin, 15. Nvv. lAmtlich.) Ter Mt der Volksbeaustragten liat in seiner heutigen Stzmrg Professor Dr. Hugo P r e u st zum Staatssekretär des Innern ernannt. Tie Gesck)äste des Reichs- kolonialamts fuhrt Tr. Sols, der Staatssekretär des Auswärtt- gen Amtes, weiter.

Berlin, 15. Nov. Führende Mitglieder der Hauptvor­stände und «Fraktionen d« Nationallibera len Partei und der Fortschrittlichen Völksparter l^abcn sich am Freitag, 15. November Mts ein gemeinsck>astliches^Vorgel,«t bei den Wählet zur Nationalversammlung geeinigt. Sie »etztm <rnon Ausschust ein, der das Programm für den Wahlkamps auf­stellen und die Grundlage zu einer grostdeutschen demokratischen Partei durch Zusanrmensck-lust der beiden liberalen Parteien schaffen soll.

Die Entlasfunq aus dem Heeresdienst.

Berlin, 15. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) 1. An reden am 9. November 1918 und später aus dem Heeresdienst ordntmgs- mästig ausschcidenden Unteroffizier und Mann soll verabfolgt werden: nl Unentgeltlich ein Entlassungsartzug (soweit Vorrat reicht Zivil, forrft Uniform), b) Ein einmaliges Entlassungsgeld in .Höhe von 50 Mark und als Marschgcld, soweit Marschgebüdr- nissc zuständig sind, vom Truppenteil ein Pauschdetrag von 15 Mk. 2. Vevabfolgnug von 1 d wird abhängig gemacht von ordnungs- mästiger Entlasjung. Tazu gehört: a) Abgabe noch im Besitz bc- nndlichcr Waffen und Munition, bl Empfangnahme der Enttal- sungspapiere, c) Anerkennung der Stammrolle. f

Owehre, Unterstaatsrekretär. Scheuch, Kriegs minister.

Neuordnung der Kommaldobel^rien.

Berlin, 15. Nov. WTB. Nichtamtlich.) Um die einheit­liche Regelung der Temobtlisiet^tng durckchühren zu können, ist eine Neuordnung der Kommandoverlwltttisse notwendig. Tie stellver­tretenden Genera lkomm»Ltdt>s, der Gcnernlstab rmd die Oberste Heeresleitung werden von jetzt ab dem Kriegsnrinisterium unter­stellt. Dessen Weisungen hatem alle militärffchen Kommandobe­hörden Folge zu leisten. Das Kriegsminii'terium sowie alle Reuh^- behörden unterstehen der Kontrolle des Vollzugs rats des Arbeiter- und Soldatenrats. ^

Ter Vollzugsrat des Ardeuer- und Soldatenrates Molkenbuhr, Rickmrd Müller.

Die Räunumfl der tertetzten Gebiete.

Berlin, 15. Nov. (WTB. Nichtamllich .1 Die Räumung der besetzten Gebiete im Westen geht bisher, soweit es sich um den>Ab- marsch geschlossener Trup'.xmbnle bandelt, planmäßig vor sich Trotz großer Schwierigkeiten ist es bislter auch gelungen, aus- reick^nde Verpflegung heranzuschaffen. Wenn der NachsckZub aus der Heimat gesichert bleibt und nicht durch Bahnstockungen oder B^hmmterbrechungen gesahcdet wird, ;orck) .such der Abmarsch vormissichtlich auch weiterbut glatt abwickeln. Teile der im rück­wärtigen ©einet der Westfront untergebrachten Trupen haben, bemtruhigt durch alarmierende Nachrichten unbe«liener Leute, die sich als Angehörige von heimatlichen Arbeiter- und Soldatenräten au-sgaben, tatsächlich aber diesen völlig entgegenarbeiten, ihre Truptxmteile verlassen intb strömen der Heimat ;u. Sie bilden für den geregelten Rückina sch der Muffe d s Heer-es u.td die Bor sorgung 1>cs Heeres und d:r Heimat eine ernste Gefahr, die nur durch zielbettmßles und talkrästiges Handeln der Heimatbehörden behol>en rverten kann. Die Ränrnuetg der besetzten Gebiete und des westliMnt Rheinusers l>at durch die Zusatzl>est immun gen des Oler- lomntandos der Alliierten, die erst nach der Aus-abe unserer Marschbefehle bekannt nrnrden, eine bedeutende Erichnvrnis er- fabren, die einen geregelten Abmarsch in der fcstgSetzten Frist stellemveise uiunög.tch macht. Die Oberste Heercs.eitung ist beim Ol'erLtmmando der Alliierten crnAich vorstellig getvorden, bisher jebock) ohne Erfolg.

Nückrritt dcS Ministers v. Breitenbnch.

Berlin, 15. Nov. Wie der L.-A. melbtt. übernimmt Mini steriallürektor Hoff twm Eisenbahnministerinm die Leitung die e Ministeriums Mt Stelle dos zurückg^tretenen NLinisters v. B r e t - tenbach rntb gleichzeitig die Lntung der Reichseisenbahncn.

Die Dkmcbilmackm'g in He fen.

Darmstadl. 15. Nov. lWTB. Mchiiamilich.'» Oberregre- teungsrat .cttlnas, bislier bei der l-essrsckten Gesandtschaft tn Ber

litt, wurde zum Ilaiideskoinnnssar für Teniabilmackiluag in Hessen taenaunt. Zum Direktor beim Staatsm mistet rum wurde Redakteur Bornemmm ernannt.

Eine neue denwkrulischl' Partei.

Berlin, 15. Nov. Ein Ansiui nnrd ergehen zur Grün­dung einer neuen großen demokratischen Partei.

Eine Veröffentlichung LichnowStys.

Berlin, 15. Nov. Im ,M>rwärte" veröffentlich Fürst Lickinvwsry einen Appell an die britifefje Nalian. TerVor­wärts" sagt, Lichieuoiosky spreche jetzt nicht iwmget tm Auitrugc und im Sinne Teuischlan-vs, als .früher als kufferlick>er Botschafter. Ter Appell sagt u. a.r. Ich ivcnde mich an^neine vielen persöu- lichen Freunde, in erster Linie an Lord LMtsdowne, Lord Grey und Mr. Asguich und bitte sic, t!/ren weitreichenden Eiuslust für die hohen Ideale^ der Menschichkeit und Ge^echtigffit in die Wagjcbale zu werfen. Nachdem die Ziorcke erfüllt sind, für die England in den Kvieg eintvat, vermag tch nicht zn glauben, das; !>ls Be.'ürfnis nach Rack,e, der Wunsch, das deutsch? 5&>rt zu erwürgen, alte anderen Gesinnungen zurückdrängt. Tie uns auserlegten W a f se n st i l l st a n d s be din gu n gen sind aber 001 t einem Geisie beseelt, dm man nicht anders als den der Rache bezeichten kann, da ihre gennssenhastc Durchführung Elend und Hnngersnvt, Anarchie und Chaos unfehlbar im Gefolge l>ätten. In ihrem ciceir- sbcn Interesse müssen unsere bisherigen Gegner mtb an ihm: Spitze die gvosze britische Nation, sich sagen, daß sie uns behilflich sein sollten, die Ordnung auffick,tzuerl-alten, statt dem deuffck-en Volke, das den ausrick^igcn Wunsch hegt, als werktätiges Mitglte) der gro­ßen Dölkerfamilre den Weg der Versöl/nung und ffiedlHck^t Arbeit zu. betreten, die Grundlagen zu entziehen, die erforderlich sind für den Wicderanfbau eines neuen friedlichen demockLttischen Staatswesens. Branche ich darauf hinzuweisen, daß ein Gewalt­srieden das Ideal des Völkerbundes, den künftigen Weltfrieden ge- sährden würde, dve Vernick/tung der Arbeit vieler Generationen und die Preisgabe gdschlonener, deutscher Vollsteile bedeuten würde? Nickt an das Mitleid, an die Einsicht wende ich mich und lwisc, daß mein Ruf nick)t ungehört bleibt.

Die für Deutschland bcstimmten Lebensmittel.

Berlin, 15 .Nov. Nach dem L.-A. melden dieTimes": Acht ehemals deutsche Tampser verlassen am 19. November Neu- lwrk mit Lebensmitteln für Deutschland.

Korfu der künftige Aufenthaltsort Wilhelm II.

Bern, 15. Nov. In Paris ist das Gerücht verbreitet, Ex­kaiser Wilhelm II. habe um die Genehmigung nachgesucht, nach Korfu überzusiedeln.

Schivarzburg-Nudo lstadt.

Rudolstadt, 15. Nov. In der heurigen außerordentlichen Landtagssitzimg gab der Staatsminister die Eccklärung ab, daß der Fürst bereit sei, die Regierung niederzulegen, so­bald die übrigen Uebergangsbestimmnngen erlassen sind.

Amtlicher Teil.

Bekanntmachung.

2ämtlick)c Wassenl-airdlungen werden hiermit angewiesen, keb nerlei Waffen und Munition an Väckitär und Zivilpersonen abzu- geben. Eine Abgcche ist nur dann gestattet, rvenn der Käufer eine Besä)clmgung mit vollen Umerschrijten des geschästs-uwenden Mililäraussckwsses eirti)ringt. Tie Bescheinigung ist vom Ver­käufer dem Militärausschuß unter Vermerk der verkauften Waffen einzusenden.

Gießen, den 14. November 1918. 8758V

Militaraurschuh.

_ Schulz 8imo;i. W cgener __

Bekanntmachung.

Tie Einquartierung von Unteroffizieren und Pärnnschaffen des I. Ers.-Batl. 116 in Bürgetauartierc ist vorerst bis aus wei- teves aufgehoben. Ern Anspruch aus ein Quartier besteht nickch.

Bleibt eine MUttärperson aus eigene Kosten in feinem bis­herigen Quartier wohnen, so ist der Quarttevgeber oerpslichtet, dieses sofvtt dem Rs-ilitärvusschuß zu melden.

Ter Militär-Ausschuß. 8774V

Schulz. Simon. Wegener.

An die Landwirte!

Ans die Malprung des KornmunalVerbandes Gießen an die Landwirte betreffend die Erfüllung der Abliesernngspfficht von Kartt'ffelu vom 10 . N^ember sei nockvnals dringend hingennesen. Ebenso ersuck-en ioti) lntten itnr der Milchadliefcrur.grpsticht i.achzu- kmnmen und die Milchprodukrion nach Rtöglichkeil zu steigern. Wir l-og.nt die Erwartung, daß alle Landnnrte das Ihrige ttm, die Ernähriuig sickferzustellen, da sonst die größten Schivierigkeiten ent­stellen, unter denen ffis gesamte Volk zu leiden hätte.

Tie Hamsterei ntuß unbedingt aushören'

Tie Landwirte dürfen nur aus dem vorgeschriebenen Wege Lebe^tsmittel abgebev. Schleichhändler, sonne gewöhn' eitsmäßige Hamsterer, die im Besitz größerer Mengen unbeswu erworbener Nahrungsmittel betrofsrn nwrden, laben die schärfsten strafen zu erivatteu. Außerdem erffstgt Beick^agwihme.

Zeiner nxckden die Landwirte in den earzelnen Gemünden ersucü, Vavernräte zu bilden und alsbald die Wahlen daru ror;u- nelmten.

Landnntte! Wff alle habet! die heilige Pffickck. die Ernährung sickeiznstellen. Hunger und döot fülwen zu Aiusschreittmgen, die icker, der es mit dem Paterlande wohl meint, verhütet wiffett will.

Gießen, den 14. November 1918.

Uommunalverdand Giehen.

Arbeiter- und Soldatenrat Gießen.

Ernälwllngs-Aii ssckm ß.

Das ronnlSf rjitRif ÜSfntfnrr dks Smii ki'shzd Jriiks.

Rommt von A. H. Adams.

(Nack^ruck verboten.)

(Fortsetzung.)

2. Kapitel.

(Yalahad cküßt ihr die Hand.

An jenem Abrnw boq fünf Minuten vor neun laste ©cito* Mb ^>nes verstehten um die Ecke in den Weg der tllie tteuer rn. ^Die Stvaße war verlassen, am mattblauen Hrmmel taid> der »rnehrnonde Mond, inrd die ilkacht n*ar sttll rmd varrn Die aan?^ Natur schien den Atem ai'.znhalten, als ffeser erwählte Höf:mg der Rontantit mit lächcrlrch pochen- Jem Herzen die kleine geimurdene Gasse hinabschlrch. ttie ckcklickte Cöestelt näl>erte sich vorsichtig dein großen Garten- xrc. Es war verschlossen. ^ .

Tvs pi'erwartete .Hmdernrö ftwrnte unfern Aven- terrver rrur an Nun er sich eininal ans seine Forscht ngssal)rt Wtx-n l«tte, wollte er sie ocart} dnrchffihreir. Er war! einen sckmellen Blick die Straße hinauf und hrnab, inaß die Löhe der Steuer mit den Augen, und mit einer Behendlg'ctt, wie sie bei einer (Meftait von so plumper Beletbtltznt nlmt pt enwrrten mar, schwang er sich zur tNauerkrönung em­por, indem cr den Türgriff als Stütze beinchte. Nffttlin^s> auf der Mauer sitzeud, verharrte er. erneu Augenblick m Lngstticher Unschüssigkeit. T r Balkon umr ganz dunkel, und die übrigen Tetle des Hauses waren durch groge Bäunre tKTOcat. Licht erglänzte hre u. 0 0a durch das Laub we ck lnndnrch, aber kein lebettdiger Lailt kam von d:innen.

.Pch stcher aus. Er giffmte sich einen »veiteren AuMMblick

zum Derschmrnferi, denn er siihlte sich nach einer so kurzen, körperlichen Ansttengung ganz Venvundertich außer Atem; daint stieg er vori ichttg und mit unterdrückt ent sckmausen hinab.

Ta lvar der Gartenweg, der nach links gegen den Hafen zu abbog. Mit einem Herzklopfen, das nicht nur von der soeben durchgentack>ten Ansttengung herrührte, sch ich Gack had auf den Zel>enspitzen in deit Schatten dieses Weges. Nack)ident er diesen-seiner gau^u Länge nach dtirchschlichen, gelangte er am Ende auf eine Terrasse, die den Hafen über­schaute. Lichter. glitzerten llnd blinkten von den vor Anker liegenden Kriegsschlffen her, die Werften von Garden Is­land glühten von Bogenlampen, und Fährboote eilten in der Ferne vorbei wie rie,ige Leuchtkäfer.

Da sah er zair Linken die beidett Feuerbäume, die zwei brennenden Scheiterhaufen glickZm, slannnend von sckxrelach roten Blüten. Unter ihnen befand sich ein kleines lila Tempelchen; das loar die Laube, deren Gitterdach mit blü­henden Glyzinien bedeckt lvar. Er trat ein. Es war nicinand darinnen. Das Mond licht iwrf kleine Licht Vierecke aus den Boden, darüber hingen wie große Ttxrubeaibüs dyei die schwe­ren Blülen der 0! y'iuien.

Das erste Geftihl in Ocklahads Gemüt nxrr das der Er- teichtenmg. Das Ocknze lvar ein alberner Spaß gewesen. Ohne Aufschub wollte er nun jfa seiner Fran zurück kehren. Die Kmder brauchten nickch um die Solbad# bar feit ihres Vaters besorgt zn sein; der Bankdirektor würde nie ctivas erfahren. Er nvitdte sich Min Gehen.

Ta stand ein weißgekleidetes NLädckfen zögernd im Ein-

^ aK *l,3t> sind Sie also nürklicki! gekommen?"

Die Stimme dos Btädchens machte jede Entschlußfähig­

keit in Ga'.al^rds beimruhigtent und ftrrchtsamem Geimssen zunichte. Sie schien atls einer anderen Welt zu komnten in all ihrer Weichheit und Melodik, in all ihrer Weiblichkeit mtb Warme, aus einer Welt von Lavendel'duft, voll Mond- licht und Romantik.

O, lvie gut ist das von ^hnen," hauchte jie, und cs klang em überwälttgendes Geftrhl der Erleichterung aus ihren leisen Lallten. Gatatiad hatte sich niemals vorl)er jentand in der Welt so notwendig gefühlt.- Das bisher nicht gelanitte Bewußtsein, diesem wunderbaren Wesen ans einer anderen Welt Hilfe, Trost und Sttttze sein zu können, burcf* beble ihn.

Als sei dies selbswerstäTtdlich, legte sie ihre scbcknke Hand in die seine, und sie verschloand völlig zwischen seinen dicken Fingeril. Diese Berührung verursachte V nt ein woh­liges Gefühl, das rhu erregte und aus der Fassung braune. Er entdeckte, daß er stanuend darüber nnckffann. ob er wohl aus der festeit Erde stehe oder ob er in irgendein seltsames Feenlaitd entführt worden sei. Aber tfrrc Stimme gab ihm seine Fassung wieder: sie war die volle Melodie zu dem fernen Akkord in seiner Seele.

Und mm streifte er seine Puppenhülle ab. Bon jedem iimeren Zu^rnge befreit stmtd er dti, ftir immer befreit von den schnnltzigett Fesseln des Alltäglich.'n. eine neugeborene Seele, munter und entschlossen: ein Twubadvnr und ern Ritter. In. seiner Verwunderung und seinem Eilt zucken sish-te er, daß er um eine weitere Berührung jener schlau' 'm weißen Finger den Vorwürfen seiner Frau, den Ani:ue- lungen der Nachbarri, dem Tadel seines Banldirektoro Trotz bieten würde. Er'ivar verloren, für alle Zeit untergegangeu.

(Fottsctzung folgt.)