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168. Jahrgang
Mittwoch. 13. November '613
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General-Anzeiger flr Oberheffe-r
Die Absichten öe? neuen Hegiemu
95affT rrrsprstngkich! ait^erramberfteTjenben illlffichten in auf btc Jomgeftalt'imq bcv Staates fyabcn sich die Deutschland ^cinvänig belxrrsclMiden „Volkskommissare", ! diesich airs So.zialdentokrabsn und „Unabhängigen" zn- i sanrnreusetz^n, ans ein goinerirsaimes Programnl geeinigt. Darin stzeht auch der Entschluß, Wahlen zu einer Natiorml- versarnTnlnng ansUtschreiben. Also Hache, Lcdebonr, Liebknecht und bereu RickMrng traben ihren Ursprung licl)en Plan, die Gemeinsckpast der Soldaberrräte über Staatsform und Verfassung enls<l»eiden Mt lassen, aufgegeben.. Wir begri'ißen diese Entwickllrng, denn sie wird dern^ Bürgertn.m, das reicht der So^ialdemo^vcrtie crngehört, Raaun sclMfsen zur Mitarbeit an deri Neugestttttungerr. Sckion fordert der Hcrnsa-
I I bund Mir Bildung von Bürgerausschüssen mrf, und die I neue Änchsroaiernng selbst schlägt in einein Aufruf an die 1 deutsche Land dev öTkerung vor, alle ihre Schichten möchten M gemeinsamer sveitvil'liger Bildung von B a u e r n r a t e n sich zusammen tum um die Botkserrrährung, die Ruhe \u\b Ordnung soNTie bte ungehinderte Fortführung der läud- lickren Betriebe sicheren steilem Die Reichsrechernng hat, so | heißt es in d<nn Aufruf weiter, den Wirnsch die staatlichen I Eingriffe tvcr Sicherung der Bokks-ernahrnng ans das absolut I Notwendige zu beschränken. Die Lage drängt in der Tat zu I einem solchen Borgehen. Alle Kräfte im Lande haben die I Pflicht, an der Slufvechverlhaltung und Sict^erung der Ord- I nung und rechtlicher Zustände in dieser gefährlichen Ueber- I gangsperiode mihMl-arbeit^n. Jetzt rmrß sichs aufs nette I erweisen, ob die erschütternden Erlebnisse der Kriegsjahre 1 das Volk unterrichtet und gebildet haben, ob es in der I Lage ist, aus dem Zusommeubruch des Alten, Gestürzten I ein solides treues Gebärrde zu errichten. „.Heilige Ordnung, I segensreiche Himmelswchtev, die das Gleiche frei und ! leicht und freudig bindet!" Diese Worte Scl>il- I lers erhalten für unser Volk einen neuen, f uns alle beledei^jen Inhalt. Das „Teuerste der | Bande, der Trieb zum Vater lande", wird « hoffentlich aus dem Kriege unerschüttert hervorgehcn! Präsi- 1 bent Wilson, der jetzt wieder sehr tugendreich und gönner- I Haft sich zum Wort gerneldet hat, traut der deutschen Staats- I autzorit ät noch nicht, die die Wafsenstillstandsbedingungen un- I terzcichnet hat und den Frieden abschließen wird. Run wohl, I er hat noch viel zu tun, um uns von seinen redlichen Ab- 4 s-ichlen zu überzeugen. Botschaften hat er genug in die Welt | gehen lassen, jetzt muh er uns durch die Tat ltod) den rech- 9 ien Glauben beibriugen. Das kann auf der Friedens- ! Konferenz geschehen, die nach einein Vorschlag unserer Re- I gieruna alsbald einen Präliminarfrieden ins Auge fassen I soll. Alle Welt ist betroffen von der U n m e n s ch l i ch k e i t I der Wassenstillstandsbedingungen. Llber eine Bewegung der I Menschlichkeit ist aus dem Marsche. Wenn die Entente nicht I mitmarschiert, werden ihre Länder und Negierungen ins I Feuer kommen!
Das Programm der Regierung.
Berlin, 12. Nov. (WTB.) Ein Aufruf der Volltzbeauftrayten I kündigt an: Tie Regierung setzt sich die Aufgabe, das svzra- | listische Programm zu verwirklichen und verkündigt mit I Gesetzeskraft:
Aufhebung des Belagerungszustandes, forme aller Beschran- I fungen des Vereins- und Versammlungsrechtes auch für Beamte I und Staatsarbeiter, Aufhebung der Zensur, freie Mei- | nungsäußerung, Freiheit der ReligionsÜbung, politische Am-
! nestle. Aufhebung des Gesetzes über den vaterländischen Hilfsdienst. Aushebung der Gesindeord-nungen sowie der Ausnahmc-- «setze gegen Landarbeiter und die Wiedereinsetzung der Arbeiter- I schjutzbestirnmungen. Spätestens zu Neujahr soll der a ch t st ü n d i g e I Maximalarbcitstag in Kraft treten.
Die Regierrrng kündigt ferner an: Fürsorge für Mlsreich ende Arbeitsgelegenheit. Uvrterstützimg von EnocröÄosen, Erhöhung der I Versicherungspflicht bei der Krankenversicherung, Bekämpnmg der I WohnungSiwl. Sicherung geregelter Volksernährimg, Aufrecht- a erhaltrmg geordneter Produktion, Schutz d.s Eigent'rms gegen die Arrgrisfe Privater. Alle öffentlichen Wahlen sollen nach den' gleuhcn, geheirnen, direkten mrd allgemeinen Wahlrecht nach dem ProportionÄ-System für alle mnrdestens 20 Jahre alten männ- [ lichen und weiblichen Personen erfolgen, auch fürdiekonstituie- rende Versammlung, über die nähere Bestimmung erfolgt Berlin, 12. Nov. Tie Verteilung der Arbeitsgebiete im Rat der Volksbwustragten ist vorläufig die folgende: Ebcrt Jtrneres und Militär: Haase Aeußeres 'i.nd Kolonien; Scheidemann Finanzen, Tittmann Demobilisierung und öffentliche Gesundheitspflege, Landsberg Presse und Nachrichtendienst, Barth Ärzialpolitik. ^
Wilson über die Aufgaben nach öem Rrlege.
Washington, 12. Nov. (WTB.) Tralstlos. Wilson hielt im Kongreß eine Ansprache, in der er die Bedingungen des Waffenstillstandes mitteilte und u. a. aus führte:
Das Ziel des Krieges ist erreicht, derweioassnete Jmveffalrs- f mus und die Militärkaste Teittschlonds, die geheim und ans eigener Macht den Frieden der Welt stören konnten, sind vernichtet. Biel mehr als das ist aber erreicht. Die großen Nationen der Welt I haben sich zir einem gemeinsamen Ziele vereirrigt, nämlich den
( Frieden anfznrichten, der die Sehlrsncht der Welt nach uneigennütziger 0)erechtigkeit befriedigen lvird, und der in Ausgleichen be- , steheir soll, die auf viel besserer und dauerhafterer Grundlage auf- ! gebaut sein werden, als den sewstischen und konkurrierenden Jn-
I tcressen mächtiger Staaten. Ter humane Sinn der siegreick>en Regierungen hat sich bereits praktisch gezeigt. Die Vertreter des obersten Kriegsrates in Versailles versicherten dirrch cinstiminigen Beschluß deil Vertretern der Mittelmächte, daß alles, lvas den Umständen nach möglich ist. geschtl»en soll, um durch Versorgrmg mit Lebonsmttteln das Elend zu erleichtern. Es sollen weitere Scfjrittii getan werden, um diese Unterstützrmgsmaßregeln in systematischer W'ise zu organisieren, wie es in Belgien geschehen ist. Mit Hilfe de< brachliegenden Schiffsraums der Mittelmächte soll es alsbald möglich genrocht werden, die unterdrückten "Völker vor voll ständiger Verelendurrg zu bewahren und ihnen den Sinn für die, Aufgaben des politischen Aufbaues klar zu machen, denen, sie sich jetzt überall gegeirübcärhcn.
. Mit ivelchen Negnermxgen werden wir es bei Llnfriclittcng des Friedens zu tun lMbon, mit welcher Wi.torität werdest sie uns gteqeinibertreten, mit welckper Büpg'chaft, daß ihre Autorität von Tauer sein wird? Hier liegt der Grund für keine geringen Sorgen mrd Befiirch'.nngen. Wenn her Frieden geschlossen ist, auf tuesserc Besprect^nnginl und Berpflichttuigen. außer deicen von rnrs selbst wird er beruhen? Seieri wir offen .legen uns ^selbst, geben wir zu, daß diese Fragen jetzt nittst sofort befriedigt ivcrden können. ^ Llber die "sAoral ist. daß die Hoffirung besteht, daß eine befriedigende Antwort bald möglich ist. Tie Völker, die eben erst aus dem Joch der Willkürlichkcit herausgie-lonnnen sind, die jetzt endlich in Besitz ihrer Freiheit gelaregen, neben jetzt vor ihrer ersten Probe. Wir müssen uns rubic* baltert, damit sie sich selbst fnrden. In der Zwiscl»enzeit .müssen wir dem Frieden auf- richten, der il/ven Pßrtz mtter den Nattomm gerecht bestchnmt, alle Furcht von ihren Nachbarn und seitherigen Herren beseitigen und sie in den Stand setzen wird, sicher und zufrieden zu leben, nvnn sie ihre eicynveir Angelegacheiten in Ordmrng gebrackst haben. Ich persönlich zweifle nicht an iljrrer Mficht oder an* ihrer Fähch keit. Einig.? allkftidwr Anzeichen sind vorlsandon, daß sie den Weg zur Selbstbeherrschpung und zur friedliäxm Anpassung kennen und suchen rverden-. Wenn sie cs tun, toeroen wir unsere Unterstützung in jeder möglicher Weise zu ihrer Verfügung stellen. Tun sic es .nickt, so müssen wir die Geduld und die Syrnpathie bewahren mrd die Genesung, abwart^r, die am Ende sicher kommen wird.
Ein Reichsamt für wirtschaftliche Demobilisierung.
Berlin, 12. Nov. WTB.' Zur Ueberführung des derttschen Wirtschaftslebens in den Frieden nmrde eine obeffte Reichsbehörde u.nter der Bezcickinnng ..Reichsamt für wirtschaftliche Demobilmachung iDemo'-Ümackymgsamt)" ccrichtet. Mit der Leitung dieses Amtes wurde mit Zustimmung des Herrn Kriegs- nlinisters der bisherige Oberstleutnant Koeth, Leiter der Kriegs- rohstoffalncilung. beauftragt. Tiefer hat die gesamten Arbeiten der wircschaftlichnr Demobilisiermrg ww-rchglich in die Hand zu nehmen mW sich mit den sämtlichen hierbei rn Betracht kommenden Zentral-, Provirrzial-, Lokalbehörden der Reichs- und Bundesstaaten zu tnesem Zweck in Verbindung zu setzen. Alle Zivil- und Militärbehörden werden aufgefordert, den Weismrgen des Herrn Koeth in Angelegenheiten der nnrtschastlicki^r Demobilisierung unweigerlich und mit größter Beschlcrrnigung Folge zu leisten und ihnr zur Durchführung seiner für die Wohlfahrt unseres Volkes äußerst roichtigen Aufgabe nach jeder Richtung behilflich zu sein. Tie Reichsregierung: Ebert, Haase.
Bürgerausschüsse?
Berlin, 12._ Nov. (WTB.) Die Erfahrungen der letzten Zeit beweisen, daß das deu'sche Bürgertum als solches selbst den schüoersten inneren Umwalzmrgen tatenlos gegenübersielst. In dieser entscheidenden Stunde fordern wir das deutsche Bürgertum zur sofortigen Bildung von Bürgeraus- s ch ü s s e n überall in Deutschland zu schreiten, auf. Düse Bür- gcrausschüsse liaben in Fühlung nrit der Reichsleitung und den bestehenden Arbeiter- rmd Soldatenräten in erster Linie folgende Ausgabe zu lösen: Wahrung der büogerllckMr und vollen Gleich- berechtkgmrg des Bi'irgertunts bei allen staatlickien Ät'aßnahmen. Zur Bildung eines solchen Bür,Terausschiffses für Groß-Berlin taten wir bereits die nötigen S<l,ritte.
Der Hansabund: Dr. R i e ß e r.
Der Arbeiter- und Soldatenrat in Leipzig.
Leipzig. 12. Nov. (WTB.) Uebcr die organisatorischen Aufgaben des Arbeiter- und Soldakmrates in Leipzig wird uns aus deu Kreisen des "Arbeiter- und Soldatenrates folgendes mitgeteilt: Ter große Arbeiter- und Soldadmrat besteht gegenwärtig aus 600 Mitgliedern. Ter engere Ausschuß, dem die eigentliche Exekuttvgewalt ziffteht, setzt sich aus zehn Vertretern des Sol- datenrates, zehn Vertretern der unabhängigen sozialdemokratischen Partei, drei fülwendcn Peesönlichketten der Leipziger Arbeiter- lrewegung (Reichstagsabgeordneter Geyer. Reichs Lagsabgeordneter Ryssel, Rcchcrkteur Tr. Geyerl, einem Schnftführer des Arbeiterrates und einem. Schriftführer des Soldatenrates zusammen. Als Vorsitzende mit den gleichen Rechten amtieren Lipinski für den Arbeiterrat und Gfchwander für den Soldatenrat. Tie angebotene Beteiligung der sozialdemokratischen .Partei an denc Arbeiter- mrd Soldatenrat »ourde cl>enso wie die -angebotene Beteiligung des GioeAscknrstÄärtells solvvhl voin Arbeiterrat wie vom Soldatenrat abgckehnt. Dagegen nnrrde der sozialdemokratischen Partei die Mitarbeit olme formelle Ver- trettmg rmter der Bedin,rung gestattet, daß sie die Fordernng nach einer sozialistischen Republik vorbel^altlos anei^emtt. Die Macht dos Leipziger Arbeiter- und Soldatenrats erstreckt sich über den ganzen Bereich des 19. Armeekorps.
tzindenburg an die deutsche Armee.
Berlin, 12. Nov. (WTB.) Werauatfeldmarschall o. Hin- denburg hat an die deutsche Armee nachfolgenden Erlaß A'richtet:
An die Aranee!
Ter Waffenstillstand ist mrterzeichnet. Bis zum heutigen Tage haben wir unsere Waffen in Ehren geführt. In treicer Hingabe und Pflicksterfülllmg vollbraclste die Armee Gelwltiges in siegreichen "Angarffsschlt'chten und zäl-er Llbrvül/r. In lxrrtem Kampfe zu Lande und in der Lust haben wir den Feind von unseren: 6-renzen ferngehalten und Däc Heimat Uvat den Schrecknissen und Venvüstungen des Krieges b^m-al/rt. Bei der wachsenden Zahl unserer Gegner, bei deni Zusammenbruch, der uns bis an das Ende ihrer ^bnft zirr Seite slel-enden Verbündeten und bei deu immer drückender werdenden Ernälnmigs- und Wirtsckaftssorgeu lmt sich unsere Regierung zur Annahme harter W affen- st i l l sta n d s b e d i n g tt n g c n e.itschlicßeit müssen. Aber auf recht und stolz gehen wir aus dem Kampfe, den wir über vier Jahre gegen eine Welt von Feinden bestanden. Aus dem Aemußtfein, daß Nur unser Land und unsere Elwe bis zunr Aeußcrstrn ver teidigt l>aben. schöpfen nur neue Klnft.
Der Waffenstills1mtdsvertvag> verpflichtet zuni schnellen Rückmärsche in die Heimat, unter den obnxchtcnden Ver hältnissen eine schwere Aufgabe, die Seibstl>el-ernckyrng und treueste Pflichterfüllung von jedem einzelnen von Euch verckaugt. ein lmrter Pri'ffstein ß'rr den Geist mrd den inneren Hall der Armee. Im Kampfe habt Ihr Elrren Gencwatfeldinaickchall nienials im Stich gelassen. Ich vertraue auch jetzt.auf Euch!
v. H i n d e n b tt r g. (^Kneralfeldmarscl-all.
Ein englisches Kriegsschiff torpediert.
London, 11. Nov. (WTB.) Reuter. Tie Admiralität berichtet, daß das britisckM Kriegsschiff „Britannia" am 9. November in der westlichen Einfahrt an der Rteerrnae von Gibrallac
torpediert rmd versenkt nnrrde. 39 Ofsiziere und 673 Mwrn wur-- den gerettet. 40 Pepsonen sind umgekommen.
Die AenSerung der Wassenstillstandsbedinguntzen
Wurde uns gestern bereits sehr zeitig von Köln aus übermittelt. Nunmehr werden die Aenderungen auch vom Wolffschen Bureau bekcrnn'cgegebcm. Wir bringen vmi der Wolffschen Meldung nur, was unsere gestrige Meldrmg ergänzt, und verweisen nochmals auf diese.
Berlin, 12. Nov. (WTB.) Nach einem gestern vormittag 6.25 Uhr vom Eiffelturm gegeberren Fmrkfpruch der deutscheir Bevollmächtigten an die deutsche Oberste Heeresleitung sind in ben Wasfenstillstandsbedi,cgungen noch einige Aenderungen vorgenommen worden. Tie Zahl der auszuliesernden L a st k r a f t w a g e p tvird aus 5Q00 statt auf 10000 festgesetzt. Bezüglich der Kriegsgefangenen wird vereinbart, daß die Heimsendung der deuffchen nriegsgefangenen, die in Holland uno in dec Schweiz interniert sind, wie bisher fortgesetzt werde. Die Heimsendung der deutsckgen K'riegsgefcrngenen nncd bei Abschluß der Vorfriedensverhanoluir- gen geregelt. Was die Räumung der Ostgebiete anbelangt, so müssen Oesterreich, Rumänien und die Türkei sofort gerautnt werden, die vor denc Frieden zu Rußland gehörerchen Gebiete, sobald die Alliierten unter Berücksichtigung der inneren L^ge dieser Gebiete den Augenblick für gekommen erachten. Nach Artikel 14 müssen alle Rceuffilionen, Beschlagnahmungen oder Zwangsmaßnahmen der deulsck>en Truppen, die dazu bestimmt waren,, sich Hilfsmittel für Deutschland in Rumänien uard Rußland zu beschaffen, sofort aus hören.
Bezüglich Ostafrikas wird bestimmt, daß dieses Gebiet inner« halb eines Monats von allen deutschen Streitkrästen geräumt sein mitß.
Bezüglich der Blockade heißt es: Tie Alliierten sind der Ansicht, daß tie Forts tzung der Blockade die Lebensmittelversorgwig Deutschlands nach abguchlossenem Waffenstillstand nicht verhindern wird in dem Maße, wie sie es für notwendig l-alten werden.
Eine deutsche Note an Amerika.
Berlin, 12. Nov (Nichtamtlich.) Die deutsche Regierung hat durch Vermittlung der schweizerischen Re- gi-erun-g an die Regierung der Bereinigten Staaten von Amerika folgende Note gerichtet:
Nachdem nunmehr der Waffensttllscand beschlossen ist, bittet die deutsche Regierung den Präsidenten der Vereinigten Staaten, den Beginn der Frieden s v e rha nd l un ge n in die Wege leiten zu wollen. Der Beschleunigung halber schlägt sie vor, zunächst den Abschluß eines Präliminar^ frieden s ins Äuge zu fassen, und ihr mitzuteilen, an welchem Orte und zu welchem Zeitpunkte die Verhondlimgen beginnen sotten. Wegen drohender Labeirsmittelnot legt die deuffche Regierung aur unverzüglichen Beginn der Verhandlungen besonderen Wert.
gez.: Sols, Staatssekretär.
Eine Kundgebung an die Entente.
München, 11. Nov. (WTB.) Die Korrespondenz Hoffmann meldet amtlich: In der Nacht zum ll. November sandte die Regierung des Volkssdacnes Bayern mit der Bitte um llel'ermittlung ian Wilson, die Regierungen Frankreichs, England-Z imb Italiens an den Bundesrat in B e r n folgende Kundgebung:
Ich bitte Sie, nachfolgende Kundgebung an den Präsidentmi Dillon. die Regierungen Frankreichs, Englands und Italiens zu übermitteln und zugleich an das Schweizer Volk zu verl'rcitenz
An die Völker "Amerikas, Frankreichs, Englands, Italiens imd an die Proletarier aller Länder!
Das bayerische Volk bat zuerst in Deutschland rmter der Führung von Männern, die seit Beginn des Krieges den leidenschaft- lichyen Kampf gegen die frevelhafte Polttik der deutsck)en Regierungen und Fürsten geffihrt haben, in einer stürmischen und vom endgültigen Erfolg gekrönten revolutionären Erhebung alle und alles beseittgt, was schilldig und mitschickdig an dem Weltkrieg war. Bayern hat sich als Volksstaat proklamiett. Das ganze Volk begrüßt jubelnd seine Erlösimg. Tie anderen Staaten Deutschlands! folgen in unmlchältsamem Drang unserem Beispiel rmd begründe^ damit zum ersten ÄLale die wirkliche irmere Einheit Deutschlands.
diesem Augenblick stürzt auf das junge Bayern die Veröffent- lichmkg der Wasfensillslandsbedingungen der alliierten Mächte herein. Alle Hoffnungen, die wir durch den Erfolg der Revolittiott hegen durften, sind damit zerstört. Die neue Republik wird, wenn diese euffetzlichen Bedingimgen unverändert sein sollten, in kurzer Zeit eine Wüste und ein Chaos sein. Wir verstünden wohl die Empfindungen, die die alliierten Mächte vc'ranloßren. solche Bedingungcm zu stellen, inenn sie damit die Schuldigen tteffeij würden. Tie deutsck>en "Autokraten und Militaristen haben keine Schonung verdient. Jetzt aber bat das Volk sich befreit, und dis Bedingungen, die ihm jetzt cmwrlegt werden, bedeuten sein« Vernichtung-. Bierden die Forderungen ausrecht erhalten, so gel>en wir Zuständen entgegen, die fr ine menschliche Vlxnncffick sich vorstellen kam:. Tie anarchische Auslösung aller Verhältnisse, die gerade die bayerisch Revollction durch die Schffflng eines in sich gefesttgten Volksstaates verlyndern nwllte, würde die notwendige Folge sein, mrd die Herrschst der sich zuchtlos auslüsenden Mlllunrenheerc würde eine geistige, und sittlich Venvildernng sowie eine politisck) sozialDBesessenbeit l>erbeiführen, die auch in, das Gebiet der Sieger verheerend überrnreifen itn'hbc. Das darf nicht geschhen! Tie demokratischen Völker dürcken nicht 'vollen, daß die revolittionäre Schöpfung der deutschen Demokratie durch die Sckionungslosigkeit der Sieger vernichtet wird. Jetzt ist die Sttnrde gekomrnen, nw durch einen ?lkt 'vcnt ausblickender Großmut die Versöhnung der Völker herbei geffihrt werden kann. Vergeßt in der Schöpffmg der nercen Welt den Hckß, der in der alten erzeugt worden ist. Der Bölkerbrmd, der da-, gemeinsame Ideal der Menschl)eit geworden ist, kann niemals tverden, wenn er beginnt mit der Ausrotlnng des jüngsten Glieder demokrenscher Natur. Wir beschivören euch, die Regierimgen wie da.- Volk, v.i erhabener Selbsttilnrwindimg die ff'cr alle verhängnisvolle Liani- dierung des Weltkrieges in gemeinsamer Archil der Sieger uni) Besiegten zu uitterncvmen. Dieses schwere Wc'rk würde d,e erste Handlung des neuen Völkerbundes sein und ihn damit begründen. Tie alliierten Demokraten dürfen nicht vergessen, >me viel snmnn getra.wne Opfer unzähliger namenloser Deutscher seit Beginn di 'es Krieges in llarer Erkenntnis der Schuld gebracht worden sind, und die Regierungen der alliierten Mächte biinat nicht die Verantwortung vo-. d " proletarischen Massen nl>eniehmen. die Av.cinallonaie in cinem Ang nblick wieder zu zerstören, wo sie sich inncrlich zu- sammengesuirdeil hat. Das Schicksal d^n Btenschheit liegl in den Händen der Männer, die jetzt die Neugestaltung der zerrütte!e.^ Völker ausbaneir.
Das Rdinistcrium des lxwenschen Vvlksstaates.
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