Nr. 256 Zweites Blatt
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Donnerstag. 3(. Oktober (9$
Ans Stadt nnd Land.
Giehen. den 31.Oktober 1918.
Zeichnet Kriegsanleihe.
An der Versammlung des Verbands hessischer TParkas s e n hat Geheimer Finanzrat Bastian darauf hingewiesen, daß wir setzt nal-ezu das Drei zehnfache an Geldzeichen in Umlauf hätten, verglickK-n mit dem Zustand vor dem Kriege, nämlich mehr als 25 Milliarden Mark. Jetzt sei Vorsorge getroffen, daß alsbald der Mangel an Geldzeichen bomben werde. Nur um einen zertweisen Mangel an gedruckten Geldzeichen habe es srch gehandelt, den die Reichsdruckerei nicht sofort beheben konnte Im übrigen Haltern wir unsere Mitbürger zu warnen, sich mcht »cm Maßnahmen überrasclnen zu lassen, die die ganz unbegründete Geldhmnsterei mit sckpverem Nachteil ahnden würden und die natürlich nicht lange vorher angekündigi werden könnten. Tie Steuerbehörden erführen nichts von den Einzahlungen. Auch be- fpeise dock^ eine solche Einlage noch keine Vermögens Mehrung. Vernünftige Sparer hatten die Sparkasseneinlagen allein im September um V, Milliarde Mark gestei.zert. Tie LParkaften ihrer- seits legen die Einlagen so an. daß sie sich jederzeit wieder Geldmittel beschaffen können. Sie lassen aber die eingehenden Gelder nickt bar im Hause liegen. Tie Versammlung unter Leitung des Herrn Geheimvals Mickel l>at das einstimmig gebilligt.
Ern I^egenstand gewissenhafter Prüfung sei die Frage, ob nch unter heutigen Verhältnissen etwas geändert habe an der Stellungnahme gegenüber der Kriegsanlell-e. Wir aber seien gewiß alle der Ueberzeugmig, daß TvutsclLand nickst zerschlagen werden könne und fähig bleibe, die Zinsen der Elmmschuld „Kriegsanleihe zu zahlen, an der auch die kleinsten Geldbesitzer in weitem Umfange, oft sogar mit ihrem ganzen Vermögen beteiligt seien. Tank einer Bevölkerung, die in diesen Tagen erneut gelobe, durch harte Arbeit die wirtschaftlichen tiefen Wunden Mr Heilung zu bringen.
Tie Kassen würden auch in der Uebergangszeit erhebliche Ern- ^'Nahmen haben — ohne Kriegsanleihe verkaufen zu müssen —, weil auch nach dem Kriege Geld verdient und Geld gespart wird. Auch sei der 5-eldbcdarf für die Abhebungen nach dem Kriege n cher- lich nur verhältnismäßig gering Gleichwohl seien die in .InSjickst genommenen Einrichtungen der Reichs finMizvettvaltung derart ans- gestatt-ck, daß sie für jede, auch die allergrößte Bewegung von Kriegsanleihcn gerüstet seien. Man werde also rndt mir immer Geld haben können, sondern sich auch darauf verlassen dürfen, daß der Kurs vorsorgliche Pflege findet. „ , t
BeschLoisrn wurde auf Änregirng des VoiÄragenden, den Beamten die Beteiligung an her Kriegsanleihe drdiwch zu erleichtern, daß die Spaickassen je nach Wunsch die Mittel für die Zeichnung einstweilen Vorlagen. Näheres hierüber stehe Anzeigenveil.
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** Vom Hofe. Die Großherzogiu nebst Gefolge besuchten am 29. Oktober nachmittags in der Vereinigten Gesellschaft die Ausstellung . Kleidernot und Frauenfleiß im 5. Krregsfahre".
** Personalnachrichten. Der Großherzog hat zum 19. Oktober der Oberschwester Franziska G n a m m an der St. Nvchusanftalt in Dieburg die Goldene Medaille des Ludewigsvrdens, intfc dem praktischen Arzt Sonitätsrat Dr. Karl Nikolaus Schmitt in Dieburg das Ritterkreuz erster Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. — Der Großberzog hat am 11. September dem Bürgermeister Ortsgcrichtsvorfteher und Standesbeamten Johann Georg Schäfer zu Unter-Mossau das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. — Der Grvßherzoy hat am 28. August d. I. der Witwe Martin Oberndorf, Barbara geb. Anstatt, zu Mainz das Allgemeine Ehrenzeichen für treue Arbeit verliehen. — Uebertragen rvurde am 21. Oktober dem Lehrer Karl Müller zu Billings, Kreis Dieburg, eine Lehrerstelle an der 'Volksschule zu Pvhlgöns, Kreis Friedberg.
** 30j ähriges Arbeits-Jubiläum. Am 1. November sind es 30 Jahve, daß der Hutmacher Herm. Nagel bei der Firma W. u. G. Schuchard ununterbrochen tätig ist.
** Oeffentliche Vorträge über Physiologie Lehre vom Leben) finden in diesem Wintersemester statt. Ten ersten Bortrag „Ueber unsere Sinnesempfindungen" hält Prof. Tr. Bürker am Sonntag den 10. November, nachm. 5 1 /* Uhr, im Hörsaal des Physiologischen Instituts, Senckenbergstr. 15. Die Vorträge sind unentgeltlich.
** BesitzWechsel. Das den Erben Dr. Gntfleffch gehörige Anwesen Ecke Bahnhofstraße und Alicestraß.' nebst den gegenüberliegenden Bauplätzen ist an Konditor Amend für 110000 Mark über gegangen, die Horst's che Liegenschaft Micestraße 11 an M. Levy für 70 000 Mark.
** Aus dem Stadttheater-Bureau. Es sei darauf aufmerksam gemacht, daß am nächsten Sonntag abend die Operette „Drei alte Schachteln", die vom Frühjahr her noch im besten Andenken steht, gegeben wird, da der frühere Vertreter bc§ Klaus Kersting, Herr Falken, infolge Urlaubs für diesen Abend zur Verfügung steht. — Am lHoLlMittog wird das historische Lustspiel „Anna Liese" gegeben, oos neulich wegen eines Krantcherts Halles cwgesetzt wecken mußte.
Kreis Friedberg.
C. Bad-Nauheim, 29. Oft. In der heute abgehaltenen Stadtverordnetenversammlung wurden folgende Beschlüsse gefaßt: Die Versammlung beschließt, daß die Stadt der Gesellschaft zur Förderung des Ober hessischen Handwerks und Kunstgewerbes beitritt und bewilligt einen Jahresbeitrag von 25 Mark. — Tie Hundesteuer wird vom 1. Januar 1619 von 20 aus 30 Mark und ab 1920 auf 40 Mark jährlich festgesetzt. — Zur Förderung des bargeldlosen Zahlverkehrs wird beschlossen, denjenigen städtisckien Beamten, einschließlich aller Lehrer und Angestellten, die sich ein Schcckkonw einrichten, ihr Gebalt bzw. ihre Bezüge schon drei Monate vor Fälligkeit durch Ueberweffcn auf dieses .Konto zur Verfügung zu stellen. Wie der Vorsitzende, Bürgermeister Dr. Kahser, bei diesem Punft mitteilt, hat der Kreistag in seiner letzten Sitzung beschlossen, so schnell wie möglich eing größere Summe — man nimmt zwei Millionen Mark — Notgeld an fertigen zu lassen, um dem Mangel an Bargeld mr Kreise abzuhelftn.
bz. Butzbach, 30. Oft. Tie „Butzb. Zig." meldet: Am samstag alarmierte der Kriegsbrand Meister für die Provinz Oberhessen, Stadtbaumeister Braubach, die hiesige Feuerwehr. Leider war die Pflichtfeuerwehr so gut wie nicht vertreten. Eine eigenartige Auffasfimg von Pflicht beim Feueralarm.
M. Ober-Erlen b ach, 29. Oft. Hier wurde in der Nacht ^on Lomstag auf Sonntag schon wieder ein Schwein im Stalle abgeschlachtet und gestohlen, und zwar bei der Witwe Ohmeis. Bon den Tätern, welche ein Schwein auf der Tomäne stahlen, ist auch noch nichts entdeckt. TieÄnal wurde bei einer Familie Haussuchung abgehrlten, aber ohne Erfolg, obschon eine Blutspur in dieser Richtung führte und der Sohn sich durch auffälliges Benehmen verdächtig gemacht hatte. Viele Leute glauben, daß eure Haussuchung in Homburg ein besseves Evgelmis gezeitigt hätte.
Hessen-Nassau.
„r JT Homburg v b. H., 30 Oft. Die zuständigen
Ausschüsse der Stadtverordnetenversammlung haben beschlossen aus Anlaß der bevorstehenden Einguartierunaen die Zuschüsse für Mannschatten und Unteroffiziere von 15 auf 30 Pf. zu erhöhen - Mvch für 30 Pf pro Tag kann man heute einen Soldaten kaum mehr beherbergen.
Obe^rellenbach, 30. Oft. Im hiesigen Revier erlegte Hrgemeitter >^t ä h l i n g eine starke Wildkatze.
verrnischteO.
- Klein wo l Ist ad t, 29. Okt. Das Tienskmädckien Josefa Fried wurde vor einer Woche zum Bucheckernsammeln in den
Wald geschickt, kehrte aber abends nicht zurück. Eine Streife, die am nächsten Tage vorgenommen wurde, hatte kein Ergebnis. Am Montag fand man nun die Leiche des Mädchens unter einem Reisighauten nahe dem Sckstveizeckliof.vor. Ter Sch ädel war durch Beil hiebe zertrümmert. Die Untersuchung, die sofort cinge- leitet würbe, soll bereits zu einer Verhaftung geführt haben.
Letzte 2Iad?ricl)tcn.
Der neuest öeri A)t der ^eeresleitnng
(MTB.) M-oßes Hauptquartier. 31. Okwber. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprinz Nupprecht.
Bei Zomeryen an der Lys wurden Teilangriffe der Belgier abgnvreten. Südlich der Schelde und am Walde von DLormal zeitwnlig ArlillerieLantps ulld kleinere Jnfanterie- ge fechte.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
Ein feindlicher Angriff gegen den Kanalab'chnitt südlich van Eatyllon scheiterte. Südlich der Oise wiesen wir am frühen Morgen heftige Angriffe der Franzosen ab. Oeftlich von Landifay zeichnete sich hierbei das Reftrve-Jnfanterie- Regiment 270 besonders aus. Auch die bis zum Abend nach erneuter Feuerwirkung und unter Einsatz zahlreicher Panzerwagen mehrfach wiederholten feindlichen Angriffe scheiterten. Wo es dem Gegner gelang, vorübergcl?end in unseren Linien Fuß zu fassen, warf ihn unser Gegenstoß wieder zurück. An der erfolgreichen Abwehr der Panzerwagen haben die 2. Kompagnie Jnfanterie-Negiinents 444 und die Minenrverfer- kompagnien 464 und 465. das Reserve-Fe.dartillerie-Regv- ment 1 (von ihm der Unteroffizier Kokowski der 4. Batterie) und Vizeftldwebel Haustein der 2. Batterie des Reserve- Fetbartillerie-Regiments 57 be 'deren Anteil. Auf dem Kampf ft ldc zwischen Ni;y-Le-Comte und der Aisne blieb die Artillerietäligkeil lebhaft. Nordwestlich von Herpy wurden am Abend erlreute starke Angrifft des Gegners abgewiesen.
Heeresgruppe von Gallwitz.
Auf beiden Maasufern nahm die Ariillerietatigkeit zu.
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Die Flieg'ertätigkeit war gestern bewnders rege. Wir schossen 58 feindliche Flugzmge und zwei Fesselballone ab. Leuwant Doerr errang seinen 35., Oberleutnant Auffarlh seinen 30.. Leutnant Hantelmann seinen 25 Luftsieg.
Der Chef des Generalstabs des Feldheeres.
Die Meile Sitzrmg der deutsch-österreichischen Nationalversammlung.
Wien 30. Oft. (WTB. Nichtamtlich.) Die de utsch- österreichische Mationalversa m mlnng hielt heute ihre zweite Sitzung ab. Saal und Galerien waren voll besetzt.
g m Einlauf befanden sich zahlreiche Begrüßungen ans Teutsch- esterreich, darunter von den Rektoren der deutsch-österreichischen Universitäten. Tic Nationalversammlung beriet zunächst die an den Präsidenten Wilson zu entsendende Note. Sämtliche Redner protestierten gttg-cn die letzte Note des Ministers des Aeußerni Grafen Andrassy an Wilson, wodurch die Gefahr eines unheilbaren Risses zwischen Teutsch-Oesterreich und Deutschland entstand, ©w wandten sich dagegen, daß diese Note ohne Eirrvernehmen npt der deutsch-östc-rreichischen Nationalversammlung abgesandt wurde und protestierten gegen die beabsichtigte Anwerion deutscher Gebiete durch den tschecho-slowakischen Staat. Ter Sozialde^krcrt Ellenbogen bezeichnete den Abfall von Deutschland als einett schmählichen Treubruch. Die einzige Sicherung des deutschen. Volkes gegen die Preisgabe seiner Interessen sei die Konstituier rung des deutsch-österreichischen Staates als Republik. Abgeordneter P(aNtz (deutsche UnablwngigkeitSpartei) beantragte, in die Note an Wilson einen Passus aufsunehnlen, der das Selbstbestimmungsrecht auch für die Teuft chen in Ungarn cmsspricht. Er stellte einen Antrag zugunsten der deutschen Bruder in der Bukowina und erklärte, die Zukunft des neuen Staates liege itt dem Anschluß an das Deutsche Reich. Der deutsckT-radikale Abgeordnete Wols betonte die Notwendigkeit, daß die National Versammlung > rasch die Exeftttive übernelmie. Tie Nationalversammlung nahm hierauf die bereits gestern gemeldete Note an Wilson an und wies den Llntrag Pantz an den Vollzugsausschuß zurück. Es wurde auch eine Resolution des Vollzugsausschusses über die Note des Grafen Andrassv an Wilson angenommen. Tiefe Resolution besagt: Die provisorische Naftonal- versammlutnig Teuftch-Oesterreichs billigt den Versuch des Ministers des Aeußern, so rasch als möglich zu Verhandlungen über einen Waffenstillstand zu gelangen. Es sei iedcxt) nicht notwendig und daher nicht zulässig gewesen, diefen Persuch auf eiine solche Werse zu unternehmen, daß dadurch zwischeir Deutsch Oesterreich und dem Deutschen Reich ein unheilbarer Riß enftüehen könne, der dre ^Zukunft unseres Volkes gefährde. Die provisorische Nationalversammlung Deuft'ch Oesterreichs protestiere gegest das Vorgehen des Ministers des Aeußern, der die Note an Wilson Erfaßt und abgesarrdt hat, ohne mit den Vertretern der deuftchen Regierung in Oesterreich ein Einvernehmen gepflogen zu haben, l l1Tt ?‘ e ^ r ' Erls die Nation, der der gegemvätrti.w Minister des Aeußern angehöre, jede Gemeinsamkeit ausdrücklich ablehnt. Tie Naftonalversammlung erklärt, daß einzig urrd allein sie und ihre Organe befugt sind, das deutsch-österreichische Volk in dei äußeren Politik, insbesoirderc bei den Friedeirsverbnndllmgcn; zu (vertreten. Tie Nattpnolversam.nlung rrahm hierauf nach mrzer Debatte einstimmig den provisorischen Veriassungseut- wurf für Terrtsch-Oesterreich an. Im Laufe der Debatte erklärte der Sozialdemokrat Tr. Renner, die Frage der Dynastie sei vom Vollzugsausschuß absichtlich nicht zur Erörterung gebracht worden. Ter Vollzugsausschuß sei der Anschauung, daß diö Tpnastte, der Hof,taat und alles, wrs staatsreckttlich dazu gehöre zu ienen Angelegenheiten gehört, die allen anderen Nationen mit rms gemeinsam sind. Tie Entscheidung über diese Gemeinsamkeiten liege incht m der Hand des deuftch-östzerreichisä-en Volkes allein sondern aller Völker. Ter deutsch-maftmiale Migevrdnete Hummer (U-nabhäugigkeitspartei) bcantra.fte, sich an das Deutsche Reich zum Lchutz der deutsch-östierreichischen Staates zu roenden, sowie da,; von lieude ab alle Angelegenhftteu der Wehrmacht, welche 0143 dem Gebiete des deutsch-öfter'reich)sck)on Staates strmuten oder sich als seine Bürger bekcmren. ausschließlich der Befehlsgewalt des dcntt,cl>-öiterreiick>rschen Staates und seiner Beauftragten unter* stellt werden. Der erste Antrag wird als nicht zum Gegenstand der Verlwitdlung gehörig als selbständiger Antrag bel>andelt Der zwerte Antrag wird dem Vollzugsmisschuß zugewiesen. Sodann' werden die Präsidenten und die Mitglieder des Staatsrates deren) Ersatzmänner sowie der Staatsgerichtshof gewählt. Zu Präsidentmr ^rdm geivählt Dr>. T i n g h ö f e r (deutsck>-ttatronal). Hauser (chrisllustffozral), Seitz (Sozmldenwkratl. Im Laufe der Debatte mactfte Abgeordneter Frei ßler Mitteilung mm der Konstittne- rung der deutsch-österreichischen Provinz Sudeten- land, bestehend aus Deuftclr-Nordmähren und Deutsch-Nord». schlesrcn. Naeb dem Referate des Llbgeordneten ll rba n wurden die Anträge betreffend die Arbeitslosen und den Arbeiterschutz angcnvm- jum. lmd sodann die Ernährungsfrage zur Verhandlung gezogen. ^chUel.llch wurden die Anträge betreffend Herstellung ver vollen Preß-, Vereins- und Versammlungsfreiheit ohne Debatte angenonb men — Tie nächste Sitzung imrd in schriftlichm Wege bekanntgegeben werden
Die Vorgänge in Prag.
„ ^2 ie n, 30. Oft. (WTB. Nichtamtlich > Die Blätter bringen
die gestrrgeil Vorgüngo n Prag roch folgende Einzel
heiten: Vormittags fand eine sozialdemokra.ifcl< Versammlung statt, in der radikale und antibyuastisch Forderungen gestellt wurden, u. a. die (dntfenruna d.'s Knser Franz-Denkmals von dem Kai. Die Ferdinandsstraß' wurde in Masernkstraße. der Franzkai in Straße der Tsclwfl v'loivaken-Legion, die Frqnzensbrückc in Wilsvnbrücke umgetausi. Jnzwiscleu dauenen die Friedenskundgebungen in der Stadt ununterbrochen dorr Unter Absingen von Nationallicdern ivurderi M a s s e n u m z ü g - Veranstalter, wobei Offiziere uird Soldaterr mit ft'chch'-slowakischen Fahnen ben Bov- tntt hatten. W^ends waren zahlreich Fenster illuminiert und Bilder von W i l s o n und M a s a r y k ausgestellt. Tie Ruch wurde nirgends gestört und die Ordnung von Polizisten und Mitgliedern der Sololvercine ansrechter haltet. Auf der Prager Burg
vormittags die tschchisch Fahne gehißt worden zum Zeichn, daß die Burg i.i die Bettvaltimg des NaNonalausfchusse? übergH- gangen ist. Bier drahtlose Stationen in Prag wurden von der Leitung der Nalionalwehr übernommen Die Kaserne des Egerländer Infanterieregiments Nr. 73, die seit Jahren in Prag gar- imsomert ist, steht bereits rrnrer dem Kommando der Sokoln. Die Egerlcmder verlcnrgten den Abzug in die Heimat. Dies wu^ck>e unter der Bringung beunlligt, daß sie Waffen un»d Munition zurücklassen. Tie Uebergabe der Prager Postdivektion und der Finanzlandes-, mretft-" wurde bereits vollzogen. Die Zölle werden ebenso wie me c- i*rn für den tschcho-slowakischen Staat eingehoben. Ter tsme > . Natiivnalausschuß setzte als Geburtsdatum für den
Ische^ >, > chflowakifcchn Staat den gestrigen Dag fest. M ergingen Weisungen und Zensuroorschriften, daß vor allem Angrifft gegen die Dynastie .Habsburg unterbleiben sollen —^Das agrarisch Blatt .Penkow" veröffentlich' die Generrck- 'bEberichte der Entente unter der Ueberschift ..Kriegsberichte Unserer Dimdesgerwssen" und den österreichischen intb den beicfc» Üben Heeresbericht unter dem Titel ..Berichte des seindlichew General stabs".
Kundgebungen in Budapest.
Berlin, 31. Oft. Ueber die Herrschaft des Milüärrats in Buda p e st ivrrd der „Boss. Ztg." berichtet: Gestern abend versammelte sich eine vieltausendköpfige Menge auf dem Gleselarplatz vor chm ungarischn Nationalrat. In geschloffenen Kolonnen zogen vier Regimenter Soldaten unter Führung eines Osnziers heran und sfli-woven dem Nationalrat die Treue. Die Demonstranten durchzogen unter unbeschreiblicher Begeisterung die Hauptstadt. Hierbei kam es dazu, daß zwei Mitglieder des Mllitärrats verhaftet wurden. Es waren zwei junge OsfizierL, Sie wurden abgeführt. Ter eine wurde schon nach innigen Schritten von der Menge befreit. Ten andern brachte man zum Platz- wnrmando. Die Menge stürmtte nach. Die Wache wurde cm bk Keweh« gerufen. Wie ein Mann stand dann die Bereitschaft dös Platzkommandos zur Stelle, aber nicht um sich gegen die Menge zu weichen, sondern um sich beivaffiret an die Spitze der TemonstrantcU zu stellen Der Zug bewegte sich in eine der Vorstädte, wo daS Milttärgesängnis bestürmt wurde und sämtliche dort in Haft befindlichen militärischen Häftlinge und wegen poliftscher und mill- tänscher Vergehen verhafteten Personen und Soldaten befreiS wurden. Es wurden Hvchruft auf die Republik aicsgebracht Die Aufständischen besitzen reichlich Waffen und Munttion
General Stein.
Berlin. 31. Okt. Tie „Deutsche Zeitung" stellt fest: General Stein hat niemals ern Jahrcsgehalt von einer Rüstungsfirma bezogen. Beträge zu literarischen Unternehmungen oder vaterländischen Orgamsatipnen, die ihm als Leiter tx:rselben Hw gegangen find, sind itras in deren Interesse verwendet worden.
Amtlicher Teil.
B e r r.: Das Sammeln vvn Bucheckern.
An die Schulvorstande des Kreiste Gemäß Verfügung der obers'ten Schulbehörde empftlilen wir Vhnen, me wegen der Grippe schulfreien Tage durch Benehmen mit den Ortssammelleitern zum Einsanuneln von Bucheckern benutzen zu lassen.
Tabei wird bemerft, daß die Teilnahme oller gesunden Schul« an dem rammeln zwar anzmiveben ist, daß sie aber eine freiwilü« bleiben muß.
Gießen, den 29. Oktober 1918.
Großherzogliche Kreisschulkommission Gießen.
_I 25.: L a n germann.
Bekanntmachung.
Betr.: Bewimchastung der Kohlrüben.
Tuoch Enftckitießung der Reichsstelle .für Gemüse und Obst vom 25. l. M. ist deren Verordnung über Herbstgemüse und Herbstvbst vom l9. Juli l. I. für daS ganze Teuu'ch? Reich auf Kohlrüben ausgA*chnt nwrden. Demgemäß unterliewn >ummehr auch die Kohlrüben der Pefvirtfchaftung Auf Grund des $ 9 der genannten Verordnung vom 19. Juli l. I. bestinrmen wir hiermit das Folgende: ,
Im ganzen Oiebiet des Großherzogtunw- Heffen ist die gesamte Ernte mi Kohlrül'en an unsere Geschäftsabtcil'iiig käuflich zu lieftrn und auf 'Abruf an unsere BezirkSkommiffwnäre zu verladen. Diese und ihre mit der .grünen) ?lusiveiskarte versehenen Auftäufer sind allem zum Ankauf von ZloUrüben l>efugt Diese Bestimmung bezncht sickr sowohl auf weiße als mich aus gelbe Kohlrüben.
dftch der Verordnung des Herrn Reichsftmslers vom 9 Mä» l. I. betragen die Erzen gerhöchstpreife
für gelbe Kol-limben 2,25 Mf. per Zenrner. für weiße .Kohli-üben 1,75 Mk. per Zentner.
Im Einverständnis mit der ReickOstelle für Gemüse und Obst bewilligen wir neben diesem Höcklistpreis eine LifferungSprämie von 75 Pf. je Zentner bis auf weiteres, aber mrr für den F-all daß der Anbauer fick verpslickitel, die Kohlnlben zu einem von uns noch zu bestimmenden Termin zu tiefem Vorläufig kann täglich ge- lieftrt werden.
Erzeuger, ivelche Kolfliüben an andere Üten'onen. al-. an un- scic BezirkSkommiffionäre und deren Aufkäufer verkaufen des. tfltidm Personen, rwtd>:, alpte hierzu befugt zu sein, stvhlriiben kansen, werden am Mnnib des § 12 der oben i^nanmen Venord- nmig vom 19. Juli 1. I. mit Oftfängnisstraft bis zu einem Fahre oder mit Geldltraft bis zu 10000 Mark oder nrü einer dieser Strafen bestraft. Unabl>äiigig von der Strofe weftxni die Kohlrüben ein gezogen werden, ohne llutersched. ob ffe dem Täter gewren oder nickt
Mainz, den 28. Oktober 1918.
Hessische La ndcsgem üsestelle. Vermal tu ng c-abtcilung.
D«n- Vorsitzende: Werner, Reg -Rat
Betr.: Wie oben.
Die Hessische Landes-Gemüftftrlle. Verwaltungsabkeillmst.
an die
Grotzh. Bürgermeistereien der Landgeineinden dcö Landes.
Unter Himviftv aus vorstehende Bekmintmachnng cmpfttzien wir Ihnen, diese in ftfrrrn Oknuemben ortsilblick bekmrnftnmachen
ir Ihnen, diese in Ihren G....M, _
Tie Ortspolizeibehörden sind mi.uüveisen, Zunckerhaudlungen zur
Anzeige zu bringen
Mainz, den 23. Oktober 1918 _Ter Vorsitzende: Werne r, R.'gierungsrat
8242a
9. Kriegsanleihe
Bank für Händel u nd I ndüstrie
. « Niederlassung 6ießen
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