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Nr. 255 Zweites Blatt

Gieheirer Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)

MittWsch. 3S. Gktsber (9(3

Bas vaterländische Gebot der Stunde.

Gießen, den 29. Oktober 1918.

Ter Dolksbund für Freiheit und Valetland hielt gestern abend im Saale des Fickstret Hofes eine Versammlung ab, die sehr eitlen Besuch aufw-ies und trotz der stnckk von einander a&iwicfyeiv den StandpunAe der Diskussion srrdnre und der Anwesenden einen ruhigen und guten Verlauf au firnes.

Professor Michel

der Vorsitzretta der Ortsgruppe Gießen des Bundes, reöffmte die Versammlung und begrüßte die Erschienenen mit dem Hiu- weis aus die schwere Schicksals stunde und sprach sodann über die Bestrebungen des Volösbundes nnd seine Stellung zur gegenwärti­gen Loge. Er ging aus von der bekannten Rrechstagsrettschließung mid der Agitation dagegen, die zum Sturze von Bethtnann- Holliveg gefuhut habe. Er berührte die Entstehung der Vatrelands- portei, durch die Zank und Zitaetracht ins deutsche Volk hinein- getragen worden sei, die dicrch ihre annerimtistisctan Forderungen das deutsch Volk als erobermrMüstern auch bei den Neutralen verhaßt gemacht und Mn den Verdacht der Dvptalzüngigkeit eingetragen habe. Dazu Hobe noch im Innern die Reaktion eingesetzt. Ta sei der Bolksbund für Freiheit und Vaterland entstanden; seine Gründung sei zeitgemäß nud nottoendig ge­wesen. Er habe sich auf den Boden der Neichstagsreiolutwn ge­stellt und sei für die Wiederau frichturrg errvev friedlichen Kultur- gemein säost .dar Völker auf dem Gckrnd des Rechts rmd der Sittlichkeit ein getreten. Ferner sei er ciugetreten für ein freies Volk in einem freien Lande. Demzufolge für das gleiche Wahlrecht in Preußen und eine auf das Vextr-aurer des Volkes gegründete, in enger Verbindung mit dem Reichstag stehende Regierung. Ein Teil der Forderungen des Bundes sei erfüllt, das preußische Wahl­recht sei gesichelt, die Volks osgierung gekommen und der ^BoM- bund habe beschlossen, diese Negierung zu unterstützen. 'Schwer und sorgenvoll sei die äußere Lage. Unsere Truppen und auch die Heimat hätten alles getan, Deutschlaich gegen eine ganze Welt zu verteidigen. Ter Umschwung sei eingetreten durch Luden- tarffs Rat 3 um Woffenstill stnntaangebot. Wie die Bedingurtgen lauten würden, wüßten nur nicfyt. Die Lage sei ernst, aber nicht verzsveiselt. Sie werde erst ernst, weint wir an uns selbst ver­zweifelten. Das werden wir aber nicht roch brauchen wir nicht. Aber wir müßten uns fingen nach den Forderungen, die das Vaterland an uns stelle im*} darüber solle heute abend gesprochn werden. Was aber gesagt werde, möge dazu dienen, in uns den Entschluß zu kräftigen:

Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern,

m keiner Not uns warnen noch Gefahr.

Hierauf ergriff der Haxtztockmer des Abends,

Pros. v. Dr. Bousfet:

das Wort imd führte etwa folgendes aus:

In des Vaterlcutdes dunkelsten Stunden sind wir versammelt und wollen uns fragen: Was ist unsere Pflicht im gegenwärtigen Augenblick? Tie La«: ist bereits gekennzeichnet. Wrr stechen im Begriff, die Waffenstillstandsbedingungen unserer Feinde anzu- rvrbmen. Sie werden bart sein. Wir haben den Ausblick, daß sich Friedensbcdingungen der an aicknüpTret werden. Wir müssen darmif halten, daß Waffenstillstand und Frieden miteinander verbunden sein werden. Im übrigen haben wir die Lage so anzunehmen, wie sie ift. Wenn nicht alles verloren gehen soll, müssen wir aber die Einheitsfront im Innern aufrichten. Wir dürfen keine Parolen und Schlagworte anssieben, die bisher immer geschadet haben: wir haben nur eine Pflicht, uns geschloffen hinter die Regierung zu stellen. Tie Demokratie muß sich durch Disziplin, Zucht und Ordnung bewähren. Roch treiben bankerotte Desperado Politiker ihr Unwesen und versuchen offen oder versteckt den Männern an der Spitze Schvireigkecken zu nmchen, und behaupten, die SchaLd an der Schwierigkeit der fetzigen Lage trügen der Reichstag und seine RewlurioTven. Das Vorgehen der Leute ist gefährlich. (Als Beispiel dafür führte der Redner Vorgänge und Vreöffrertlichtmgen der letzten Tage an. die der Rücktritt Ludendorffs im Gefolge batte.) Derartiges Vorgehen schadet ebenso sehr, wie überhitztes Pathos. Tie Schlagworte von derEhre des deutschen Volkes", ,.kein ehrloser Friä«",keinen Fußbreit deutschen Bodens ab­treten", klingen gut, haben aber viel geschadet und können nicht mehr nützen, denn durch die 14 Punkte Wilsons sind Gebiets­abtretungen in Aussicht genommen. Unsinnig ist das Wort: Schämt euch vor Frankreich, das vier Jahre den Krieg im eigenen Lande ertragen. Frankreich stand im Bunde mit der ganzen Welt. Uusiuuig ist der Hinweis auf 1813. wo die Verhältnis^ ganz anders lagen. Unsinnig ist auch der Ruf nach einem General Bork, da kein Rußland wie damals hinter uns steht. Das ist keine Miesmacherei, sondern deutsche Gründlichkeit. Einen Frieden icm geben Preis können wir auch retzt noch nicht schließen, das ist Mich der Standpunkt der Sozialdemokratie und der Unabhängigen. Es ^gibt eine Grenze des Erträglichen, au die wir hoffentlich .nicht .hreangefühck werden. Wilson trauen ltar nicht ganz, aber Wilson ist ein kluger Staatsntann, der sich nicht England ausliefern will, indem er uns machtlos macht. Unsere nationale Einheit zu zer­schmettern, ist eine Forderung, die wir nicht annehmen können. Interessant ist. daß derTemps" die deutsche Sozialdemo­kratie als das festeste Bolltverk dieser Einheit ansieht. Wir müssen auch unsere Schüldrellast tragen, das ist mrsere Ehre. Ein Staat, der bankerott macht wie die Bolschewiki, gibt seine nationale Ehre preis und liefert sich dadurch der Einmischung aller Mächte aus. Unannehmlxlre Forderuitgen sind auch der Ausschluß Deutschlands .von der Rohstoffversorgung und der Eintritt Deutschlands in den ^Völkerbund irnter entehrenden Bedingungen. In Deutschlands dun­kelsten Tagen wollen wir aufrecht, standhaft, einig und geschlossen Umstehen. Deshalb müssen wir uns auf die Pfeiler unserer Kraft .^besinnen, die stehengeblieben sind. Ein solcher Pfeiler ist die natio­nale Einheit. Zentrifugale Kräfte haben sich gezeigt und ivretan .Noch auftveten, aber die deutsche Einheit wird bestehen bleiben, weil sie in der Hauptmsaife des tatrtschjen Volkes verankert ist. Die deutsche Arbeiterschaft ist eine ihrer Hauptstützen, da sie mit dem 'Reiche groß geworden ist urrd ihm ihre Stellung oretamll. .Hoch­schule und akademische Jugend stellen sich stolz neben die deutsche Arbeiterschaft- Aber Mich die anderen- Stände und nicht .zuletzt die Bauernschaft müssen gewonnen werden. Weiter batten ivir auf die deutsche Einheit. Diese erscheint weniger sicher, weil die Stim­mung immer wieder zerrissen wird. Dennoch sind auch hier Fort­schritte zu sehen. Sie^ hat im ganzen letzten Jahrhundert nicht Sinter gutem Stern gestanden. Siegreich ist nur der Gedanke der Landwehr und des Volksheeres gewesen. Es fehlte die vresprmhene deutsche Verfassung. Die Folge war das System des Obrigkeits- ßöaabes und des Militarismus, die jetzt eilten ungeheuren Sturz erlebtem Im weiteren verfolgte der Redner die geschichtliche Ent­wicklung des Einheitsgedankens bis auf unsere Zeit. Der größte Fehler war nach seiner Ansicht, daß die Brücke von der deutschen Arbeiterschaft zum deutschen Vaterlande nicht gefunden wurde. Die deutsche Sozialdemokratie war nie vaterlandsseindlich. Das zeigte auco die Budgetbewilligung zu Anfang des Krieges. Später lastete wieder der alte Truck. Bethmann Hollweg hatte als kluger Staats­mann Sftrn und Ernst für die Schivierigkeit der Lage. Ihm hat nur bar Energie gefehlt. Jh.n standen als Gvwnspieler Tirpitz Wnd de,sen Nachläufer gegenüber, denen es an politischem Urteil n , f*. -"r verhängnisvolle Fehler .des unbeschränkten,

U-Bvot-Krieges und rn dessen Gefolge der bitterböse Schein taut- schre Unehrltchkeit. Erst der tragische Sturz des Systems hat der deutschen Arbeiterschaft den Weg Arm Staate freigegeben. Eine dwtickre Varianrentarische Einchck hat sich gebildet, die Gnttckvidim» und Frieden ist der Befugnis eines einzelnen entzogen der Reichskanzler ist der Volksvertretung verantwortlich. Wir wisse:! ob uns noch ein letzter Kampf bevorsteht, aber hoffend und

Wl --* U1 - das . sich

am&Gsn

hat Deutschland nach äußerem Fall .^uiuircn erlebt. In d«eser Hoffnung gehen mir hinein, r die schEret stunden der Zukunft. Wir werden bestehen bleiben ^i'/' ^/niheitckch^ deutsche Volk, zu dem auch die Deutsch-Oesckr- reicher heruocrslrcb-en. Ein bedrohliches Rußland wird nicht mehr

erstehen. Das tauHche Volk, tarS noch seine ganze Zukunft vor sich hat., h»at auch die Kraft, aus Träumern wieder neu auf»ue bauen. Wir wagen es, an den beginnenden Aufbau zu denken urtd uns so unserer Väter von 1813 würdig zu zeigen, Ungeheure Aufgaben harren rmser nach dem Kriege. So die Verzinsung unserer Zbriegsschmlden, die durch Etttschtdchungrn verrnehrt werden. Die Vermntarungi der Militärlast wird durch die Renten ausgebraucht' werden. Der Kriegsgewiun muß eingezogen werden. Wir müssen mit 23fack)er StÄSrlast, mit Staat Ätrorcopolen. Erbsch.tftssteuer ufw. rechnen. WcitM Ajufgaben sind die allmählich Uebersüyruicg der Kriegswirtscl?aft in ^ordnete Friedensverhältnisse, die Her­stellung von Handel und Industrie, Schaffung untre Wohnungen, Regelung der Einfuhr, der Svaatsfinanzen ufw. Da gilt es, jetzt fchwn die edelsten Kräfte, und zlvar sittlich reine Kräfte, aufzurufen, Sclmldige sollen zlvar gestraft, aber Zorn und Haß eingcdämmt werden. Zivisckzan Schicksal und Schicks ist schwer zu untersckzeioen und viele siindigen aus Liebe zum Vaterlaude. 2lufflamvren muß der Geist der Selbstkritik, der Disziplin und klaren ErkennMis. Men­schen von reinen und kräftigm Grsirrnungen müssen sich zusammen- schlieyen mid alle müssen helfen, das Vaterland wieder ireu aufzu- bairen. Fluch dem, der dem Rufe nicht folgen will. Ans Werk in deutsäzer Treue, in deutscher Mann hastig keck. ^Uns Werk.

Redakteur Bette rs:

Erfreulicherweise sck^eiick die Beteiligirng der Bevölkerung an den politischen BvrgLrgvr stärker geworden zu feilt. Daß sie das früher nictit tat. ivar der Grmü>, daß euZe geringe Oberschicht das Heft in der Hand behielt. Die Svziakxnrodvatische Partei hat immer daraus hmgewieseu, was den Deutschen not tut, sie hat stets aus die Gefahren des Militärisrnus^ und KMtalrsmus hinge- wiesen. Hoffentlich lernt das Volk jetzt denken und wird mcktun bei den Wahilen und.Gelegeuheiiien, luo es seine Wünsche kund­tun kamt. Die,Gejiahr l«yt yteü$c. besji das Reich in den Abgrund gestürzt wird. Die Svjstakdemo««tisthe Par te i wird alles ver­suchen, dies zu verhindert. Wenn Krr nattvnccken VerteLkigung auf- gerufen nürd, kann dckS .zu keine?» guÄen Ende führen. Selbst barte Bedingung^ müssen daher angenominen werden, denn sonst können noch schlimnveve T«tge bevorsvchen. Im Jmmrn ist viel g-chessert lvvrden. Zumal ist die Abschaffung des Militävabsolutis- mns zu begrüßen und die MVgkrchAeit, ein Voll von 70 Millionten durch den Willen eines eck^Lnen in i>at Krieg zu schicken. Bei diesem Kriege trifft die Völler frhvc Schtckd, sondern rarr kapitali­stische Krü-gstreiber. Ter Mttcher hst das Volk sckZrndlich ausge- beutet. Eine Errirnqrwstsjjaft Ast bit Vearnttvortung des Neichs- Lrnzlers dem Reick'Klcvg? sj«gen!Über und die Mvschafstmg der Ge­heimdiplomatie. Das Errrickpe i»st mchc unterstlrätzen, wenn auch die Forderungen der Part« weiterge^». lieber das Erreichte muß dem Volke AstifLärung werden, da stacrtsbürgerlick^

Erziehung noch lännt getrieben wird. Z'vnal die Volksschule ist in dieser Be-iehumg uoch Uefntütwrlich behicmdekt. Es dut auch Llufttärung darüber not, daß die BeokbNnäre dem Volk seine Reckte vneder rtehmen wollen. Er fmd nicht wenige Briest in den lebten Tagen brummt gtchorberr.^über die man ^wit eävm QächcLu hinweggehen vaim, die aber im au^Mde^lich »esch^-et

haben. Ein Beweis, wie sttzc uuü» Kv!«iis7»«s

Schuld a*t trvwe ton oat, die T«tssche, daß rm^rXm Jan

Disposition gestelltst GenerWe von der-^mg^indnstrst Gehälttr bezvgm. Sollten Krirgstreibern darf das deutsche Voll nicht mehr nusgrliefert sten. Es darf med,\ nicht mehr du.rch tärischeiÜL Hinweise auf fsiEckhe KrieOsaSfdchchen »eramlsßt 'werden' einen roaktivnären Reichödag zu wichen. D« übengroße Rüstung des Deutschen Reiches hat xrrr Lrtastrorch? geführt, DaS deutsche BE ist von obenher»»Ler durch die Poessts betwgen ^ewdnn. ^ie Zinsschuld der KrstgÄa^en ivird fsWLch 3-^3 Mckt«re­den erfordern. M»s den G«ch»g<bFi«ttekten kann nicht mehr viel herausgehakt werden, die großem Vermögen rnüfsen herhalten, ^'fionbers die Krstssgewiiruler. Die WarenumstchKeriLr ist zu ver­werfen. da sie ein und di-eseLe Ware viermal verKeuert, Eine HLapt- forderimg ist Tervchfühvung der Wrüstung. Mchk einfach war es für die soKiakdemokrcrtrsche Partei, in die RegstriOdg einzsürevem. Bor 40 Jahren ist das Sozckck^sLsngesetz verkündet worden. Die Richtigkeft der sozialdemokratischen Gnöchsätze hat sich aber re- wiesen.^ Jtztzt heißt es, auf Gruiü> des Ernmgenen zur Tat schrecken. Es müssen nicht mrr freihecktiche Srnrichtmtgen getroffen werden, wir müssen auch dafür Sorge tragen, daß jeder ein menschenwür­diges Dasein führen kann. Unter ZurückstelliLtg des Ggoisnntö der Einzelnen muß Ehr m sozialer Bevvchkrng getan werden. He s se n ist auch kein Mustersänt>chen. Tie agrarisch-ckänservaftve Mehrheit, das Zweikamme rsystsn, das Marale Wahlrecht müssen beseitigt und kürzere WQblPerkdsn müssen eingch'chrt werden. Ebcmso erforderlich ist das Foevrw«chlrecht, selbst auf bst Gefahr bin, daß sich die Sozialdemokratie stblechi-er däbei ste^. Ml dies kann aber nur geschehen, wenn der Eirzelne sich volckisch betätigt und sich einer Partei anschtaeßt. Hierbei <em.pftehlt der Redner bescmrers ferne eigene. 1

Pwf. D. Dr. Eck:

Tie Vorredner haben ans dre Ge«?enwirrt heraus stark in die Zukmtft geftihrt. Dies ist aber nicht denken, cstr^e daß deutsche! Vergangenheit stark in der deutschen Seele brennt. Deutsche Ver­gangenheit darf nicht vergessen werden, raerot wir auch der neuen Regierung vollstes Verteruvu schenken. Was uns zufammenzu- brechen scheint, ist das Teittschllrnd Bismarcks, das starke, mäch- nge Recch. Es ist aber imr das Teutschllmd der hetzten 50 Jabre. Sewst wenn dieses wirklich -nsammcnbricht, ist Treckschland nicht verloren. Potsdam und Wörnmr sved nicht gegene ck «nder, sondern ausetnonder. miteinander herr^rgepsnsen. Ohne Wcirnar konntim. drc Frethettskrrege nicht gesichrt werben, denn durch Kant. Schl«eier- macher und Fachte, die Kinder Weimars, ist der Geist von 1813 gevmchsen. Und wenn euch tcheleö -»sammenbricht, deutsckxr Geist ^tcht imter den schwersten Bedingungen nicht zusammen. Wer den Jammer noch früherer politischer Geschichte betrachtet, sieht, wie das deutsche ,olrde, fleißige, gedankenvolle Dürgerckrm gewachsen' rst. Ter große Jndwtriestaat Deutschland hat nicht werden können olme diesen Gerst der Zucht unb Ordnimg, die tms durch Jahr­hunderte currrzogen sind. Die kamt uns nienmnd rauben. Urtd wenn dte Tugenden unserer Väter manchnurl in diesem Zftckege ge­funken zu lern schcimrr, so werden sie dennoch aus^uLt und wivder neu aufleben, gerade dann, wnm es uns nicht gick geht, und wenn dre Rot uns niederdrückt. Teudsckflcrnd bricht noch länge nicht zusammen. Wenn der Geist nicht stirbt, betat bauen wir uns das Haus wieder aus.

L<wDtaMrbgeorLmter Prof. Dr. NrfLadt:

Die drerkschc Einheit muß nvtlvendig artfteckft erhalten bleiben. Sie nruß Unter alletr Umständen l-estehen bleiben gegen die Feinde von außen und den ParliknlariSmus von innetr. Die Formel Ter bundesstaatliche Charakter des Reiches darf nicht altgetastet werden" trat früher in Bayern, jetzt vornehinlich in Pveußen auf. -pre alten gwßdeirtschen Ideen erwachen bei .dem Problem der

deren Llnschluß an

Bayeitn. halte das nicht als begrrtßungsinert, weil Bayern da­durch zu , stark würde. Ter Anschbtß darf kerne Schädigtmg des Gefamtrerches zur Folge haben. Hier ist aber das (Mrat der fein- Tie Dartikularrsten meinen es zum Lcnl ehNrch. teils benützen sie ihre Bestrebungen als reaktionären AMvMlv. Dre Einzelstaaten müssen sich dem (Ernzen füaen Der Rucktrrtt ztveier hessischer Minister hat überrascht, va keine taffix vorlag, denn die Mehrheck hat unbedingtes ^ kann sich daher nur um Parlamentarisireung ' Inhalt soll m bte Form dmeingebracht

Kevten. Demokvatrs^ren hat kernen Smn, wenn nicht sleichzaitig eine Entbureaukra-asvermrg statttrirdet. Es gernigt nicht Mmifter ' dteketne Beamte smd, dre oberen Beamtenschaft n! lre Verne StaaaSdiertre, fondem BollDirncr [T; «ih bisher etnc parlamentmnsche Mehrheit in Hessen

oÄck?' ^Ergl' taß sie den Brehältnillasent-

Ipracht Pardetpolrttsch gab es tn Hessen keine scharfe Stettimg. Viele haben in Reichs- und LandeApolckik anders gestanden Man

^Swpv«rung eraebett wird, pslrcht der Stunde tst: Paxtm ergreifen. Das widerspricht nur der

Fordermrg nach Einigkeit, wie sie ängstliche Regierimgsbeamte aits- stacht hoben, die in dem Wort:Ruhe ist die erste Bürgerpflicht^ das Ideal sahen. Wenn aber einer Partei ergriffen hat, darf er den Gegner nicht als vaterlandsloseit Gesellen, als Tuntmlops ustv. bczerckinear. Scharfe Politik ergreifen und den volilischeu Gegner achten, wird dem Vaterland nützen.

Buchhalter Streber:

Ms im Frühjahr 1866 die Verfassungskäwvfe stat! nmdenl und/man den Kampf n.m die Hegemouie mit den Waffen austragen ^ 6 te, erklärte der Llbgeordnete Ziegler: Das Herz der Deutv- lxatte ist da, wo Preußens Fahnen wehen. Das Schicksal Oester- vnaS hat dies erwiesen. Zum Kriege trieb die EintrcisungspolitiV Edicards VII., der Kaiser Wilhelm 40 Jahre lang vergebens ent­gegenzuarbeiten suchte. Tie Truppen haben urtendlich vi. l geleistet vnd wiünn mancher Mißmut untre ihneit aufkam, so lag das an tat Verhältnisseu int Inland. Rur einem Verständigungssrieden, sucht einent Gelvaltftieden kann sich das deutsche Volk beugen, und ist der nicht erreichbar, so wird das deiatsche Volk bis zunr letztes Mcarn käntpfan.

Prof. Dr. Gmelin:

. Landtagsabgeordueter Tr. Urstadt hat auf die Gefahr des Par- ttkularismus hmgewiesen. Er ist rocht so gefährlich, w.nl er nur eme relative Erschtnnung ist. Es gibt wenige Deutsch?, die sich absolut dazu bekenn.eu. Die deutsckie Sozialdemokratie ist zweifel­los, dce beste Stütze des deutschen Eiuheitsgedankens. Ter PartiStc- llnnsmus trat wechseliwrefe bei allen Parteien uns, nickst nur hi LiMreutschland, auch unter den preußischen Konservatcken. Der Wechsel ist geschichtlich erwiesen und hängt tanrit zusamnuur, daß reite Partei in Preilßen die Vorherrschaft gewimrt und übe-c alle Staaten ausziitahnen sucht.^ Der heutige Uebregang des Reiches zum parlamentarischen Negierungssystem ist von der Fvrtschrckts^ parter urrd den Sozialdenrokraten angestrckt. Man hätte erwarten sollen, daß dre Partiknlaristen sich dagegen Wendeleir, aber die sie renführten, waren harcptsächlich Süddeutsche. Preußen war bisher tar Führrestaat. Der Reichskanzler war zugleich preußischer ^trrosterpräsideut^ urrd in gewisser Weise vom Reichstag und pveustischen Landtag abhängig. Beide Parlamente versuche

trer mrt ^ Hilfe der einen Persönlichkeit zu vegiererra Dw preußische Staat hatte auf diese Weise übre- N'begentan Einfluß,, da tas Reich durch Pveußett geführt! wurde., £>o traten die Partikularisten auf die Sacke des Parla- meutarrsmus, damit Preußen durch das Reich und nicht das Reich duA Preußen regiert Ter Reichstag hat Preußen die Wahl- recht^resyrrn aufgezwungen« Konflikts stioffe wurden dadurch aus- gefcholtet, Mr ReickMag gckivann mehr Einfluß auf den Reick)s- vanzlre. Oeute sind in den höcknsteu Reichsstellen vorwiegend Süd­deutsche. Daher schien die chrretsstschetr Konservativen die Umwand uugren habrer ihr föderalistisches Hrez entdeckt and loretank Partirul<vnsttsch Preußen bekommt die Kehrseite seiner Hegemonie- stclumg zu fckmroaen. Haupteirovendung gegen das parlamentaristi- stle )jld&i ermrgssystem war die Schwierigkeck, dieses mit Preußens zu vereinen. Sckswevcr ist es, die preußische Vor- ma rrrstell rmg mck der parlamentarischen Regierung #u vereinen und daher besser, wenn die Perso 7 talunion des ReichskanzlerA U'-« dem preußischen Ministerpräsidenten aufgehobrer würde.

Prof. Dr. Rolosf:

. . llckipse Nur kurz mr das tapfere Wort des Harrptredners an 5 Entehrt kann ein Volk nur werden, wertgr es moralisch schlechls Zvle hat. Wrr haben, für unsere Verteidigung und die Freibetü «rropas gekämpft. Wir haben die Vernichtung dre europäisches indem wir die Vormachtstellung Ettglands und vmtzlands verhinderten, die als Sieger aufeinander losprallen und» Ee, amt) tae jetzt rreutxalen Gtaatat, in einen verhängnisvollem Erreg henren^ehcn inußten. Dies ist verhindert durch den Zu- samtnrewrslch Rußlands, der neberrbei bemerkt, ein Verdienst mr- seres alten Regimes war, das damck nicht ganz so schlecht gewesen! sren kE. Auch England ist nicht dos mehr, was es vor dem Kriege war ES ist rocht mehr die erste Weltmacht. Ohne Amerika würde es tan Krreg auch heute noch vlerlireen. GkrgSand, dos sonst jede frendlrche Lstrndelsflotte zerstörte, geht mck stärk veynintartey Hantalsschrffahrt aus diesem Kriege hervor. Aus ferner deutschen ©jatn: ift rette drohende amrerLrosche Gefahr geworden. Wir h-^en llnendltches für ums und die Well geleistet, und das wird «hcht vergessen werden. Durch Englands Ktechtschaft unter Ame­rika wächst uns Zukunftshvfftnrng, denn keine Konstellation ist eimg, und so wird auch für DeutfchlMid die Gelegenheck kommen, sich wieder emporzuringen.

Apocheker Prybill:

Dem deutschen Volke ist nrancher Vorwurf gewacht worden, aber iroch rocht tar dre Utidankbarkeit. Diesen dürfen wir uns nicht na^l-träglrch zuziehen. Es kann nichts Unehrlicheres geben, als lemand emui Vorwurf daraus zu nrächen, tvas er iw Verlaufe von s0 wahren gemaM hiat. Beim Abrcchnen mck dem alten System tack nran rocht vergessrer, was man ihm zu verdanken hat Mck tam ,,Kreuzigo ihn" hat sich in biblischen Zecken ein ganzes Voll rettehrt.

Pwf. D. Dr. Boussel:

«ö RÄmertasl Abends hatte das Schlußwort. Er führte aus- , Herr Geh^ Ktrchenrnt Eck hat die Debatte mtf die Höhe geführt, indem re «rs die vreschretanen Sttöme tar Vreaanacntat himckes des 19. Jahrhunderts steht tar eine Gedanke: Bismarch Frtedrtch, der Groye. Vom Geiste von Weimar und Köitigsöera WEN rorr abgreückt durch Genta von Hemschaftsniacht Eine tar Früchte tas Kckeges wird es seckt, daß die taden- ^r?me sich weder ergänzen. Zu begrüßen ist, daß die deutsch^ L«MLdemoknUre die Hand zur grenemsck-aftlichen Arbcck reicht und sich gatrz auf^dte Forderungen dre Gegenwart stellt, wenn auch ihre Zullroftshyffnungen noch nicht erfüllt sind. Der Gedanke, rene Crrtschltechrng zu lassen, war naheliegend, fft aber verworfen Irorben afö etn Regrosrt ber überwundenen alten Zeck. Daftck soll Z^cklKre in freuen Gerst den Entschlich einprägen, ein amre S^a<rtsbürgex zu wcntan und sich polcki.ch zu erziehen. Uttb dieses moffe )id) jeter uts Grevipen hitxcknschrciben: den deutsche!: Staat refütten^E^' ^ dteneu rord seine staatsbürgerliche Pflicht

Pwf. Dr. Michel:

E Vorsitzender dre Ortsgruppe Gießen, dankt tan Amwesenta^ Interesse, mrt dem fte der Aussprache bis zunr Schluss« Bei fort, tau sie den RedA gespendet hatarr. Veckchretane upöne sind eckrgeschlagen ivorden, aber alle klangen in tan einen Ton zusammret: Liebe zum Vaterlmta ffe hc ^. a *|tat stunden bckngen, was sie wollret. tu der tatr t artiiTCit .^tetv zum -oaierlanta lverden sie uns vereint finden.

Jtttcbc nnS Schule.

f f 11 r K a ' m 28 - m - Die heute abgehaltene vußep. ortantlrche Tagimg der , eva 7 tgellsch--Lutheckschen Sladtsynvde' be­schloß die Errrchtung eines Evangelischen A in t e s ft,'i n des ersten in ^Deutschland. TckstsvolL kirchliche 9lmt soll die Brebittdung aller auf evangelisch ltchem Bvtan stehenden Organisationen und Bestrebung^ tar Gememtapflege und Dollsivo hl fahrt l^rswllen, dte evamr -isck>. ktrckilrchret zittere,,en gegenüber dret öffentlichrer und vrivateit Or^ ^ursatiEtt tar Bolkswohlfahrt vertreten und eine m^rsckti^ ^rstai^gung antahnrei und schließlich, eine Reibe vnn^ylk.ftÄ zreherrschrei Mfgabcn tar evangelrschm Kirche selbströtdig du'rck». fuhrret Tre wtchttge Vorlage tas Kgl. Konsistoriunt/ äb 7 die Bcretnfachung des Synodalapparates Ausbebnng der Edn -I- ^ubiLmtg einer Evangelischen Stadtsyurta - mib em Antra g ans kirchliche Etngrenrentamg vott fünf zur Bezirtastinvta gehörende Bvroyen wurde ernren A,usschuß zur lwiteren wZ arbet ttng überwies rer.

. = « M. 28. Oft. Die wemn der Oftipne

geschlossrevm Sckmleu beginnen, falls nicht neue Massonrekrantun*-*

llnckxckchck^^ na ^ en -VwMitag tan 3. pdoventbre wieder tnck dre»