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Nr. 252 Zweites Blatt

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

5amstag, 26. Oktober (9(8

Aus Stadt nnb Land.

Gießen, den 26.Oktober 1918.

Leven-mittelmarken.

Für die Zeit vom 28. Oktober bis 3. November 1913 haben nachstehende Levensinittelmarken Gültigkeit:

Brotmarken der 44. Woche, gültig vorn 28.10.1918 - 3.11.1918 Buttermarken 41. , . ,* 28. 10.1918 .- 3. 11.1918

Fletschmarken . 44. . _ 28. 10.1918 - 3. 11. 1918

sO-rtosselmarken, 44. , . 28.10.1918 - 3. 11. 1918

Gierkarte,i Nr. 19 . . 28.10.1918 - 3.11. 1918

Seisenmarken für den Monat Oktober bis 31. 10., ab 1. 11. für

den Monat November 1918.

** Freibank. Montag, 28. Oktober 1918 nvrben von 24 Uhr die Nummer:: von Nr. 151270 beliefert.

** Lanb Heu gewi nn ung. Zu der unter diesem Kennwort in unseren: Bllrlte vom 23. Oktober 1918, Nr. 249, ubgedruckten Zuschrift aus dem Kreise Darmstadt wird :ms iuitgeteilt, daß sowohl durch, Vermittlung des Kriegswirtschaftsamts als auch der odersden Schulbehörde die gleichen Dank- und Airerkennungsschreibeu über die erfolgreiche Sammeltätigkeit der Jugend in der Laubhew- gewinnung an den hiesigen zuständigen Stellen ein­gegangen sind. Die Kreis Verw altung sowie die Leitung der Sammeltätigkeit sagen hiermit der Jugend u:tt> ihren Lehrern für die aufopferungsvolle Hingabe an ein großes vaterlä-ndisches Werk ebenfalls herzlichen Dank uno ver­binden damit die Hoffnung, daß Lehrer und Schüler sich der jetzt im Gange befindlichen Bucheckernsamm­lung zum allgemeinen Besten mit gleichem Eifer widmen werden.

** Aus dem , Stadtthea ter burc au. Ter morgige Sonntag bringt am Nachmittag eine Wiederholung vonA nua- liefe" und am Abend eine Wiederaufnahme des bekannten Sing­spielsWie einst im Mai". 4ljm Dienstag findet im Wonne- matt eine Wlfführung des SchauspielesF r ü h l i n g 3 o D f c r" von dem kürzlich in München verstorbenen baltischen Dichdep Grasen E. von Keyserling statt. Dieses Werk ist, als es neu war, i. I. 1905 einmal im alten Hause als Vorstellung des Theaterver­eins mit Fräulein Centa Bre von Hamburg in der .veiblichen Hauptrolle gegeben .norden 'und hat stärkstes Interesse erregt.

Rkrchttche Nachricht««.

GvtbeÄnenst am Sonntag den 27. Oktober (22. nach Trinitatis).

Evangelische Gemeinde.

In der Stadtkirche. 91/2: Pfr.-Ass. Liz. Reuning: 11: Mi'itärgottesdienst. Pft. Ms'eld: Kinderk. fällt aus: 6: Pft Mahr. Mittwoch 30. Okt., abds. 8: Kriegs bet stunde Pft. Mahr. In der Johanneskirche, 9^.: Pft. Ausftld: Kinderk. fällt aus: 6: Pft. Bechtolsheimer. nirchberg. Vorm. 10: Hl. Abendm. f. Ruttershausen u. Daubringen. M ainzlar und Da u brin- gen. Nachm. IV,: Hl. Abendm.

Katholische Gemeinde.

6V2: Gel. z.hil. Beicht: 7: Hl. Messe: 8: Aust d. U. Komm.: 9: Hochamt m Pved.: 11: Hl. Messe m. Prep: 4: Jüngl.-Kvngr.; 6: Christenl., daraus Rvftnkranzand. m. Segeir. Dienstag, abds. 8: 9Lose::kranzand. m. Segen: m: d. übrigen Tagen ist d. Rosenkranz- cmd. in d. hl Messe um 6V2. Samstag 2. Rvv., nachm. 5 u. abds. 8: 0>el. h. hl. Beicht. Diaspora-Gottesdienst am 27. Okt.: Grün­berg 9-/2, Hungen 9y ? . _

Letzte Nachrichten.

Der neueste Bericht der Heererleitnng.

(WTB.) Großes Hauptquartier, 26. Okwber. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Ein gewaltiges, dank der glänzenden Tapferkeit unse­rer Truppen erfolgreiches Ringen an vielen Stellen der

Front.

Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.

In der Lys-Niederung süLroesllich von Deinze und zwi­schen der Lvs und der Schelde brach der Feind nach heftigem Fetter zu starken Angriffen vor. Am Nordflügel des An­griffsfeldes bis zu der von Kortrik auf Oudenarde führenden Bahn wiesen wir ihn vor unseren Linien ab. Hierbei haben sich das 6. Garde-Jnfanterie-Regiment unter seinem Kom^ numdeur Major Hadelni, an der Lys die 40. sächsi'che In­fanterie-Division lkm Spitaals-Dosschen und das hessi­sche Infanterie-Regiment Nr. 118 unter seinem Komman­deur Major Weihrauch an der Schelde besonders erfolgreich geschlagen. Nördlich der Schelde brachten wir den Feind nach anfänglichem geringen Bovengewinn hier bald zum Stehen. Die neue Linie zwischen Fngeoigem und Avelgen wurde ge­gen wiederholte Anstürme am Nachmittag behauptet. Auf dem Kampffelde hielt die feindliche Artillerie tagsüber die

hinter der Front liegenden vom Kriege bisher unberührt ge­bliebenen Ortschaften unter Feircr. Zum großen Teil wurden sie hierdurch zerstört. Die belgische Bevölkerung hat schwere Verluste an Toten nick Verwundeten erlitten. Zwischen der Schelde und der Oise befthränkte sich der Engländer gestern auf heftige Teilangriffe.

Südlich von Foncars warfen wir den Feind durch um­fassend angesetzte Gegenangriffe in seine Ausgangsstellungen zurück. Südwestlich von Le QueSnoy und nordwestlich von Landrecies scheiterten seine Angriffe vor unseren Linien.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

Zwischen Oise und Aisn^ große, einheitliche Angrifft der Franzosen auf mehr als 60 Kilometer breiter Front. Semen Hauptstoß riihsete er gegen unftre Linien zwischen der Oise imd Serre. sowie zwischen Sisftnne und der Aisne. Den Serre- und Souche-Abschnitt suchte er unter Aufsparung der /wn Natur aus starken (tzeländeab schnitte zu gewinnen. Die am frühen Morgen zwischen Oise und Serre vorb ruhenden Angriffe scheiterten vor unftren Linien. Am Nachmittag faßte der Feind in Villers Sec und auf der Höhe östlich des Ortes Fuß. An der übrigen Front wurde er auch am Nach­mittag abgewiefcn und erlitt in unserem Feuer schwere Ver­luste. Am Serre- und Souche-Abschnitt konnte der Feind bei Mertiers und Freidinont, bei Restes und Pierrepont unsere Linien erreichen. Truppen des Generals Freiherrn von Lüttwitz nahlwen in einheitlichem Gegenangriffe zwi­schen Vesles und Pierrepont ihre alten Stellungen wieder. An der übrigen Front hat unser Fener den Feind am lieber- schreiten der Abschnitte verhindert. Westlich der Aisne waren die Angrifft des Gegners von starken Panzerwagengeschwa- dcrn begleitet. Sie sind östlich von Sissenne beiderseits von La Solvehir trotz siebenmaligem Ansturm völlig gescheitert.

Besonders starke Kräfte setzte der Gegner zwilchen Hicy lc Conte und der Aisne an. Von der östlich von Bamognc kämpfenden 4. Gardc-Jnsanterie-Divifion blieben allein 23 zer­schossene Panzerwagen. Gefreiter Menschkiel der 9. Batterie des 16. Feldartillerie Regiments hat hiervon 8 Panzerwagen, Unteroffizier Bröckmann derselben Batterie 10 Panzer­wagen vernichtet. Ans Höhen westlich der Aisne drang der Feind in unsere Stellungen ein, um deren Besitz tagsüber schwer gekämpft wurde. Trotz hohen Kräfteeinsatzes konnte der Feind hier von seiner Einbruchstelle am Sachsenwalde (nordwestlich von Lerpy) keinerlei Vorteile mehr erzielen. Nur Teile unserer vorderen Linien blieben in unserer Hand.

Teilangriffe in der Aisnenicdcrnug südwest ich ^ von Amogno. Der Feind, der seitlich Awbly vorübergehend aus das nördliche AiSnenser vorstieß, wurde im Gegenstoß wieder über den Fluß znrückgeworsen. Oeftlich der Aisne lebte der Artiüeriekamps nur vorübergehend ans. Teilangriffe des Gegners drängten unsere Posten ans den Nordrand der Höhen nördlich von Grandpre zurück. Im Ucbrigcn wurde er ab- gewicsen.

Heeresgruppe von Gallwitz.

Beiderseits der Maas blieb die GefechtStätigkeit auf Störungsfeuer und kleinere Jnfanteriegefechte beschränkt. Auf dem östlichen Flußufer säuberten sächsische Truppen ein aus den letzten Kämpftn verbliebenes Amerikanernest.

Heeresgruppe Herzog Albrecht.

Südlich der Selle machten wir bei erfolgreicher Unter­nehmung Gefangene.

Der Chef des Geueralstubes des Feldheeres.

* . *

Reform in Hessen.

I Darmstadt, 26. Okt. (Drahtn.) Im Verfassungs- lmsschutz der Zweiten Kammer gab Staatsminister Dr. von Ewald eine Erklärung ab, daß die Regierung der Aufhe­bung des Mehrstimmrechts und der Aushebung der Verhältniswahl für die größeren Wahlkreise zu- stimmen werde, wenn sich aus den Ausschußverhandlungen hierfür eine Mehrheit ergebe. Der Staatsminifter teilte ftr- ner zur Frage der Teilnahme von Vertrauens.- männerndesParlamentsandenRegierungs- geschäften mit, daß das Ministerium dem Großher- wg, um die Bahn für dieft Enttvicklung freizumachen, ftin E n t l a s s u n g § g e su ch nute brei'et habe. Der Landesherr habe den: Gesuch des Staatsmini st ers und des Mini­sters des Innern grundsätzlich zugestimmt. Das Gesuch des im besten Mannesalter stehenden und wie keiner mit

den Finanzverhältnissen vertrauten Finanz Ministers aber abgelehnt.

Die Verfassungsänderungen.

Berlin, 26. Okt. Ter Mehiheitsantrag betrefrenb die Stel­lung der Zivil ge walt über die inilitärische Gewalt nnro tmVorwärts" bereits mitoeteilt. Danach uneD di Reichs- Verfassung in Art. 11 wie folgt abgeändert: Zur Erklärung des Krieges im Namen des Reiches ist die Zustimmung des Bundes­rats und des Reichstags erforderlich. Friedensverträge sowie diejenigen Verträge mit rremben Staaten, welche sich aus Gegen-- stände der Reichs gefttzgebnng beziehen, bedürfen der Zustimmung dos Bnndesrats und des Reichstags.

Im Art. 15 werden solg.iüx.' Absätze hinzugesüg:: Ter Reichs­kanzler bedarf zu seiner Amlsfühcnng des Vertraue,:s des Reiä>s- tags. Der Reichskanzler trägt die Verantwortung für alle Hand­lungen von politischer Bedeutung, die der Kaiser in Ans Übung der ihm nach der Reichsverfassung> zusvel-euden Befugnis je vor­nimmt.

Im Art. 53 wird folgender Satz hinzugesügt: Tie Ernennung, Versetzung, Beförderung und Verabschiedung von Oftiäieiea und Beamten der Marine erfolgt unter Gegenzeichnung des Reichs­kanzlers. ,

Im Art. 64 werden im ersten Satz des Absatzes 2 hinter dem WortKaiser" die Worte eingeschaltet:unter GegenzeiäMUNg des Reichskanzlers".

Im Art. 66 werdenfolgende Abschrrrtte hinzngefügt: Tie Er­nennung. Versetzung, Beförderung und Verabschiedung der Offi­ziere und Militärbeamten eines Kontingents erfolgt unter Oftgen­zeichnung des Kriegsministers des Kontingents. Tie'Kriegsmvnstec sind dem Bundesrat und dem Reiäptag für die Verwaltung ihreS Kontingents verantwortlich.

TerBorlvärts" bemerkt zu dem Aartrag noch folgendes: 1. Er ist schon seit 8 Tagen in Vorbereitung, also durch die neueste Note Wilsons nicht veranlaßt. 2. Eveigniise allerletzter Zeit haben diese Berfassungsmrderung besonders dringend werde:: lassen; denn! ein Staat darf nicht einmal von siegreichen Generälen seine Poli­tik sich vorschreibeti lassen, nocl) weniger von solchen, die nicht in allen Lagen die erforderliche Einsicht ihres Arntes bekundet Hab«:.

Die Antwortnote un Wilson.

i. Köln, 26. -Okt. (Trahtnachr.) Wie dieKöln. Dolks-Ztg." erfährt, ist beabsichtigt, aus die Note zu antworten. Die Antwort ist in den wesentliche: Zügen gestern schon im Kronvat festgelegt worden und soll weiter entgegeirkommend gehalten sein.

Der österreichische Kriegsminister über die Heimkehr de» Heere».

Wien, 25. Okt. (WTB.) Im Heeresausschuß der österreichv scheu Delegation ergriff auch Kriegsminister v. Stoegcr- Steiner das Wort mrd führte aus: Im Vertrauen auf Willons nach allem Tasürl>alten stark entwickeltes Mensck-lichkeitsgesül-l (mtö unbeeinflußbaren Gerechtigkeitssinn haben wir uns aus den Staudwmkt seiner 23 Punkte gestellt. Wir sind bereit, unsere alt- ehrwürdige Mvnarckne im Geiste der Versöhnung und wahren Temokvat« umzugestalten. Zu diesem Problem tritt die schwierige Aufgabe der Zurückführung der Armee, deren Banner l-eitte tief in Feindesland flattert. Für diese riesigen Arbeiten ist Ruhe und Ordnung im Inner:: unerläßliche Voraussetzcmg. W7H7. wenn der Soldat, erfüllt von schwerer Sorge um die Heimat, seine Nächsten und seine Zukunft ü: die Wirrrusse innerer Kämpft hri^in gezogen wird. Was dann folgt, kann iveder ich noch sonst jemand verbürgen. Der Minister verweist auf das traurige Beispick, das im vergangenen Jahre Rußlaatt» bot und bemerkt, dieselben! von unseren Feinden herausbeschworenen und mit allem Eifer geschürten destruktiven Kräfte scheinen auch bei uns am Werft zu sein. Diesen Kräften mit allen Mitteln der Vernunft entgegen^ wirten, ist unser aller Pflicht. Keine Partei und ftine Natron kann es wünsck)en, daß sich bei uns jetzt, wo die politischen Wünsche aller Nationen einer restlosen Erfüllung entgegengehen, ein solches Ehaos entwickele, wie bei unfern unglücklichen Nach­barn im Osten. Wir sind heute ein Volksheer in des Wortes vollster Bederttung. Nationalpvlittsches Fühlen und Denken kann von der Armee heute nicht mehr ferngehatten werden. Da die Bildung nationaler Staaten garantiert ist, kann es doch unmög­lich im Sinne der National - Regierungen sein, daß sich diese Staatengebilde auf Bürger- oder Hungerkriege aufbauen. Tie heute noch gemeinsame Armee mtt ihrem Milliardenwerte reprüsew. tierenden Kriegsmaterial muß so lange erhalte:: bleiben, bis sie jene Umformung erfahren hat, die durch eine staatliche Neu- Vonstruktion, der sie sich unbedingt anpassen wird, bedingt ist. Ge­fährlich erscheint daher der Ruf aus den Reihen der Politiker nach ehester Rückkehr ihrer heimatlichen Truppen, bevor noch die Voraus­setzungen hierfür erfüllt sind. Ter Minister richtet ent die Dele­gierte:: das dringende Ersuchen der Heeresverwaltung, sie in der Mwicklung der Geschäfte, die mit drm Ueberga::g vom Kriege zum Frieden znsammenhängen, zu unterstützen und in tne'em Sinne auf ihre oonnationalen Armeeangehörigen einzuwirftu. Es handele sich darum, ob dieser gewaltige Umwandlstngsprozeß sich in Ruhe und Otrdmmg oder unter erneutem Blutvergießen vollziehen soll. Wir- ftn Sie aus Ruhe und -Ordnung hin und lassen wir alles Trennend« in diesen Tagen beiseite, damit die neu zn bildenden Staaten nicht bluttg aus der Tauft gehoben werden.

at es denn noch Zmck.

besteht denn heute noch eine Notwendigkeit. Uriegsanleihe zu zeichnen?

Darauf gibt es nur eine Antwort:

Wer will, daß es zum Frieden kommt, der zeichne nach feinem besten Vermögen. Und wer will, daß der Frieden möglichst gut wird, der zeichne erst recht Nriegsanleihe.

Lin großer (Erfolg der Nriegsanleihe wird im Innern des Landes das vertrauen befestigen, nach außen unser Ansehen erhöhen und die Hoffnungen der Zeinöe auf einen finan­ziellen Zusammenbruch Deutschlands widerlegen, dem Reich

die Mittel zur Zorhührung des Nampses, falls es notwen­dig werden sollte, gewähren und für den Zoll, daß es zum Frieden kommt, die Ueberführung unserer wirtschaftlichen

Verhältnisse aus den Zriedenssuß erleichtern. 0 0©