Nr. 252
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Erster Blatt
*68. Jahrgang
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General-Anzeiger für Oberhessen
Samstag. 26. Ottober 1918
vankoerfehr: Gewerbebank Gießen
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Die Zortsührung der Aussprache im Reichstag.
Wochenrückblick.
Einig« Mütter wollen erfahren haben, unsere Vvlks- regierung fei geneigt, die Unterhaltung mit Wiffon vorläufig nicht weiter forhyufühwn, vielmehr aLzuwarten, welclxe bestimmten Vorschläge nunmehr bezüglich des Waffen stiUstcmdes an uns heran treten »vürden, und inzwischen vor unserem Reichstage die Auffassungen niederKnlegen, die sich auf Grund des letzten Notenwechsels gebildet hätten. Ein solches Verfahren wäre unseres Erachtens nur dann richtig und begründet, wenn der Meinungsaustausch mit dem Präsidenten auch nur einigermaßen befriedigende Ergebnisse gehabt hätte. Das ist jedoch nicht der Fall. Dürfen wir die Entente im Glauben lassen, der Zlveck unserer „Aktion" sei erreicht, und es gehe ein Ausatmen durch unser Volt darüber, daß Wilson einen Waffenstillstand vorzube- reitcn gedeirkt, der uns die denkbar härtesten Bedingungen vorschveibt? Das ursprüngliche Ersuchen unserer Regiernng ging Loch dahin, Präsident Wilson möge den Frieden in die Woge leiten. Die Vorfragen sind ihm hinreichend beantwortet worden; aber die Schritte sind noch nicht geschehen, bk wir aus der ersten Antwortnote von Washington erwarten durften Darin waren wir noch einmal gefragt worden, ob es die Dave Absicht Deutschtmrds sei, sich über die Anwendung der von uns angenommenen allgemeinen Bedingungen auf die Einzelheiten der Friedeus- svagen Ku vergewissern. Diese Frage ist bejaht worden — ober Wilson hat diese Hauptsache ganK fallen lassen und alle seine Verhandlungskünste darauf gerichtet, uns mit einem Waffenstillstand unter schweren Bedingungen mund- uud tatlos KU machen. Es erhebt sich in unserem Volke der Zweifel, ob wir so krank sind, daß lvir diese Decke des! Waffenstil tstcriides über uns ausbreiten lassen müssen, unter der wir hilflos dem Frieden entgegenschwitzen sollen, den uns die Gegner Kugedacht haben. Müssen wir nur die müh- ! sam Ku enträtselnden Rezepte des MenschheitsarzLes ent- gegermehmen, oder dürfen wir an die frische Luft gehen und uns etwas näher nach den Endzielen des Friedens! erkundigen?
Wir haben es boorerflich gefunden, daß Prinz Max und seine Berater aus oem Washingtoner Staatsmann nicht vorzeitig Antworten und Bekenntnisse Herausquetschen wollten, die vielleicht noch unreif und uns unbekomml ich gewesen waren. Mochte Wilson versuchen, mit seinen Bundesgenossen näher ins Reine ^u kommen, denn sicherlich waren die Interessen aller beteiligten Entente-Staaten noch nicht | ganz reinlich und endgültig geordnet. Der Augenblick mußte ! kommen, wo nicht nur die Kunst, sondern auch die Kraft Wilsons auf die Probe gestellt wurde. Er teilte uns in seiner letzten Rote mit, daß er seinen Kampfgenossen dies • bisherige Korrespondenz mit uns unterbreitet hätte. Wir ; dürfen hoffentlich annehmen, daß er noch etwas mehr getan und erforscht hat. Es war an der Zeit, daß die Londoner und Pariser Politiker sich auch einmal über die von Wilson verkintdeten Bedingungen änßerten und ihre letzten Ge- i danken und Pläne offenbarten. Diese Klärung der Dinge erscheint uns noch viel richtiger und dringlicher als die ! von Wilson eingeforoerten Waffenstillstandssicherilngen.
I Mochte der Präsidcmt immerhin an das deutsche Volk seine Zwischen fragen stellen, deren Beantwortung unseren Gegnern allen Anlaß genomnren hat, uns eine Zwangsjacke zurechtzuschneidern. Die bisherige Taktik unserer neuen Regierung, Geduld zu üben, feinoliche Voreingenommenheiten zu entwaffnen, soweit diese nicht nur eine listig angenommene Hallung bedeuteten, war nicht zu tadeln. Allein auf derselben Balm darf es nicht endlos weiter gehen; wir dürfen den Präsidenten nicht dcurernd ermuntern, seine Rase in unsere häuslichen 'Drgelegenheiten zu stecken, sondern! wir müssen endlich wissen, ob irgendein guter Wille in ihm steckt, einen wirklichen Rechts ftieden herbei führen zu helfen. Die letzten Sätze in seiner Rote vom 23. Oktober enthielten eine dunkle Andeutung, daß wir nur darum keine leichteren Bedingungen zu erwarten hätten, weil wir die Macht noch nicht hinlänglich zugrunde gerichtet hätten, die bisher Deutschlands Gesck)äcke beeinflußt und geführt habe. Daraus könnte noch einmal kurz und aufklärend geantwortet werden, aber unsere Volksregierung müßte dabei von ihrem bisherigen Lager aufstehen und Herrn Wilson ' bedeuten, daß er ihr nun genugsam den Puls gefühlt habe. Die Gegenfragen müssen enolich gestellt werden. Wenn es sich um einen Re'chtsfrieden haiü>eln soll, muß unsere amtliche Vertretung reden, ehe es zu spät ist, muß sie oblegen/ was nach Knechtsgebärde aussieht, muß sie die Würde und den Stolz unseres großen Volkes wiederaufrichten. Die Aussprache mit Wilson, die bisher wenig rühmlich für unS war, darf nicht leise und ängstlich auf unserer Seite verklingen. Wenn es bisher vielleicht geschickt und vorsichtig war, Mäßigung und Selbstbeschränküng zu üben — so ist I jetzt die Stunde gekommen, zu zeigen, daß die deutsche Politik Inhalt und Ziel, daß sie noch einen Rückhalt an Kraft und ungebrochenem Willen besitzt.
Der Reichstag ist leider noch der alte Kampfplatz der Parteien geblieben, und die letzten Verhandlungen, die er uns beschert hat, haben unser Ansehen im Auslande nicht gefördert. Wie kläglich ist es im Grunde, daß man sich mit den Polen über deutschen Landbesitz, über die Zukunft der Stadt Danzig, streiten mußte, während die Regierung rwch kein Programm aufgestellt, noch keine festen Schranken gegen maßlose Forderungen der Gegner errichtet hat! Wenn der „Vorwärts" heute schreibt: „Wir dürfen uns 'die Gefahr nicht verbergen, daß am Friedenstisch das Wilsonprvgramm als wesenlose Hülle sinken und der nackte Machttrieb des Siegers zum Vorschein kommen könnte" — so fällt es schwer, zu glauben, daß unsere Volksregierung tatlos dieser Gesakw weiter entgegenschwanken will. Gewiß ist es jetzt verfrüht.
zur „nationalen Verteidigung" aufturnfen und alle Verhandlungen mit dem Gegner abzubrechen. Aber diese Verhandlungen müßten so geführt werden, daß ihr Ergebnis belebend und anfeuernd auf unser Volk wirkt, im Geiste mutiger Wahrheit und im Drange nach Klarheit und Abschütto- lung aller Zweideutigkeiten! „Es ist der Geist, der sich den Körper baut." Versagt unsere Votksregierung, führt sie die Geschäfte schleppend und unentschlossen, dann helfen alle Mittel nichts mehr. Dann werden Kleinmut und innere Zerrissenheit ein trauriges Ende herbeisühren.
Man blicke nach Oesterreich-Ungarn, wo aller Zusammenhalt gelockert ist, wo alles aus den Fugen gegangen ist! Was kann der Nachfolger des Grafen Burian auf dem Posten des Außenministers, Graf Julius Andrassy, ein treuer Anhänger des alten Bündnisgedankens, noch Rettendes zuwege bringen? Die Völker der Monarchie sind im Begriffe, ihre eigenen Regierungen zu bilden. Der Vollzugsausschuß der deutsch-österreichischen Nationalversammlung hat beschlossen, den übrigen Nationalitäten vvrzuschlagen, die Friedensverhandlungen selbständig zu führen und nur für die Frage des Waffenstillstandes und den Uebergang in die neue Zeit eine gemeinsame Delegation zu bilden. Der herzbervegende Aufruf des österreichischen Kriegsministers, der vor den finstersten Gefahren warnt, die bei der Rückkehr des Heeres ein- treten würden, falls die inneren Streitigkeiten bis dahin noch nicht beigelegt sind, muß auch auf uns Reichsdeutsche eine Wirkung haben. Hätten wir es nicht viel leichter, die innere Einigung und Selbstbesinnung zu gewinnen? Sind wir nicht eines Volkes, haben wir nicht unsere deutsche Sprache, Sitte, unser gemeinsames deutsches Ehrgefühl und eine Volksbildung, die tvohl erkennt und fühlt, daß es Unwürdiges zurückzuweisen gilt? Unsere Regierung mache sich jetzt zum Sprecher der deutschen Stimmung, des deutschen Verlangens — und dann sind wir auf dem Wege zu einem ehrenvollen Frieden . . .
(WTB.) Großes Hauptquartier, 25. Oktober. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe KronprrnzRupprecht.
In Flandern dauern die Kämpft in der Lys-Niedenmg an. Der Feind, der in den südwestlichen Teil von Deinze ein- di-ang. wurde im Gegenstoß wieder zurückgeworsen. Südwestlich von Deinze nahmen wir Teile des von den Franzoftn über die Lys vorgeschobenen Brückenkopfes. Oestlich von Vive St. Elei schlugen wir einen stärkeren Angriff zwischen der Lys und Sche.de und an der Schelde Te lvorst ß des Gegners ab. Die Zerstörung der Ortschaften in der Schelde-Niederung durch den Gegner schreitet fort. Auch das Stadtinnere von Tournai lag unter englischem Feuer. Dir Abwanderung der Bevölkerung aus dieftn Gebieten nach Osten nimmt zu. Oestlich von Solesmes und Le Cateau setzte der Engländer seine großen Angriffe fort und dehnte sie nach Norden bis an die Schelde aus. Südlich der Schelde sind sie vor uttftren Linien auf den Höhen Mich des Emillon-Baches gescheitert. Die gegen Le Quesnoy gerichteten Angriffe drangen bis zur Bahn nordwest ich und Westrich von Le Quesnoy vor. Versuche des Feindes, westlich an Le Quesnoy vorbei in nördlicher Richtung durchzustvßen. scheiterten an dem Eingreifen unserer von Sepmeris und Villers Bol aus angesehen Truppen. Der in breiter Front gegen den Dald von Morval an- stürmende Feind konnte in Poix-Du-Nord und Fontaine an- Bois Fuß fassen. Im übrigen wurde er westlich der Straße Englefontaine—Land'-ecies nach heftigem Kampfe zum Ste- hm gebracht. Die gestrigen Angrifft haben dem Feinde im ganzen einen Geländegewinn von 800 bis 1000 Meter Tiefe gebracht. Größere Erftlge blieben ihm trotz seines außerordentlichen Kräften nsatzcs auch gestern versagt.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
An ber Oise, zwischen Oise und Scrrc und westlich der Aisne zeitweilig Artillcrieltimpf. An der Oise scheiterten Deilvsrstsße des Gegners. Zwischen Oise und Serrc wurden stärkere Angriffe der Franzosen abgewiesen. Wo der Feind in nufere Linien eindrang, warsen wir ihn im Gegenstoß wieder zurück. In den Abschnitten beiderseits Vonzieres ließ die Gesechrstätigkeit nach. Die Höhen südlich von Chesters wurden von bayerischer und wnrttembergischer Besatzung gegen erneute heftige Angriffe des Feindes gehalten.
Heeresgruppe Gallwitz.
Teilangriffe der Amcr kaner aus beiden MaaSufern wurden abgewiesen.
S ü d ö st l i ch e r K r i e g s s ch a u p l a tz.
Feindliche Angriffe beiderseits der Morawa. Westlich des Flusses drängten sie uns in dem Gebirge südlich von Kragujcvac etwas zurück. Oestlich des Flusses in Gegend von Parsern wurden sic abgewiesen.
Der Erste Generalguartiermeister Ludendorff.
Handelsminister § i s ch beck über die Kriegsanleihe:
Deutschland wird niemals eine R.e- gtmmg haben, die nicht einmütig hinter der Kriegsanleihe steht.
Der Abendbericht.
Berlin. 25. Okt.. abends. (WTB. Amtlich.) In Flandern wurden feindliche A n g r i f f e Wi chen Lys und Schelde abgewiesen. Zwischen Sche de und Oise heute kerne größeren Kämpfe. Französische Angriffe auf etwa 50 Kilometer breiter Front von der Oise bis zur Aisne mit dem Hauptstoß zwischen Oise und Serre und westlich der Aisne sind g e s ch e i 1 e r t. Oestlich der Aisne und beiderseits der Maas Teilkämpfe.
Der Sfterreichisch-nngarische Tagebbericht.
W i e n. 25. Oktober. (WTB.) Amtlich witd v?rlautbart:
Italienischer Kriegsschauplatz.
Das Friedensangebot der Mittelmächte hat unsere Feinde im Südwesten nicht daran gchindert, unseren und ihren Armeen neue Blutopfer aufzuladen. Heftiges Artii- leriefeuer leitete vorgestern zivichen der Assaschlucht und der Adria den Angriff ein. der gestern früh an der venetianh- schen Gebirgsfront im Raume südlich des Montello losbrach. In gewohnter Tapferkeit, Pflichttreue und Manneszucht haben unsere braven Truppen den Ansturm abgeschlagen. Auf der Hochfläche der Sieben Gemeinden war das Gelände südlich von Asiago, der Monte Sisemol und das Gebiet tieg Monte di Val Bella der Schauplatz erbitterttr Kämpfe. Es gelang dem Feinde, stellenweise in unsere Gräben ein ruh dringen. Aber er wurde wieder zurückgeworfen und mußte in der Nacht mich den am längsten behaiwteten Sisemol wieder räumen. Die Szepter Infanterie-Regimenter Nr. 82 und 131 und das Honved-Negiment Nr. 39 haben den Hauptanteil an diesen Erfolgen gehabt. Zu noch größerer Heftige keit steigerte sich das Ringen im Berglande östlich der Brenta. Auch hier vermochte der Feind vorübergehend örtliche Erfolge zu erzielen. Er setzte sich auf dem Delta Caprila. Aso- lone. dem Monte Pertiea und dem Selarolo in unseren vordersten Gräben auf kurze Zeit fest, mußte jedoch sehr bald dem mit äußerstem Schneid geführten Gegenangriff unserer Braven wieder weichen. Fünfmal rannten die Italiener gegen den Spinuccio vergebens an.
Das Infanterie-Regiment Nr. 9 (Stry), das den Aso- lone im barvourösem Gegenstoß wieder zurückgewann, die Regimenter 73. 99 und das junge südungarische Regiment 129, das den Spinuccio verteidigte, die Schützenregimenter 14 und 24 haben sich mit Ruhm bedeckt. Unsere brave Artillerie bewährte sich westlich und östlich der Brenta wie inrmer als treue Helftrin der Infanterie im Kämpft.
Der Vorstoß einer englischen Division auf die Piave- Insel Papadopoli vermochte imr den Nordslügel unserer Vorposten etwas zurückzudrücken. Der südliche Teil der In- ftl wurde twllig behauptet.
Balkan-Kriegsschauplatz.
Im nördlichen Albanien weitere Nachhut- und Ban» denkämpft. Im Santschak Novibazar sind Entente-Abteilungen durch Bandenzuzug bei Navaros angelangt. Südlich von Kragujevac beiderseits der Morawa in der Zlatowo Pla- nina haben österreichisch-ungarische und deutsche Trtippen nachdringende feindliche Bataillone erfolgreich abgewehrt.
Der Chef des Generalstabs.
m. Deutscher Reichstag.
196. Sitzung vom Frcitog den 25. Oktober.
Am Bimdesratstische: v. P<lyer, Sols, Trimbo-rN, berger.
Präsident Fehrenbach eröffnet die Sitzung um 2 Uhr 20 Mn. Auf der Dagesvrdnung stehen zunächst Anfragen.
Abg. Maier- Zwickau (Soz.) fragt an, lr»as der Reichskanzler M ttin gedenkt, um alsbald eine Nnttschastliche Besserstellung der Alters-, Invaliden- und Unfallrentner l-erbeizurühren, die sich nicht einmal die rationierten Lebensmittel kaufen könnten.
Geheimrat W ü r m e l i n g: lieber die Getvährung einer gesteigerten Fürscrrge für bedürftige Empfänger einer Jnvalideir-, Alters- odcn: Unfallrente schnoben Verhandlungen.
Abg. Kohw ann (Ztr.) fragt an. ob der Reichskanzler bereit sei, eine baldige? Teuerungszulage für die Reichs invaliden und UnfallrentenempsänAer, für die Knappschasts'pensionäre mü> für die Witwen und Waisen licrbeizuführen.
Geheimrat W ü r in e l i n g: lieber die Gewährung einer gesteigerten Fürsorge für bedürftige Rentenempfänger usw. schwelen Verhandlungen. Vmi den Warsen-Rerrtenempfängern fretommt die größte Zahl Bezüge auf Grund der militäriscl>en Hinlerblie- lvnen-Fürsorge. Wo noch Hilfe nötig ist, tritt die aemeirnschaft- liche KriegSwohlfalirtspilege l?elfend ein. Für die Witwen und Waisen aus der llnfallversicherung liegt ein allgemeines Bedürfnis nach neuen Zuschlägen nicht vor. Denn bei den Witwen ist Erwerbsunfähigkeit nicht Voraussetzimg des Retttenbezuges, während die Waisenrente im Betrage der Witwenrente gleichkommt, also verlfälttnsmäßig l>och jft Im Falle des Bedürfnisses wird durch die gemeindliche Kriegsnwhlstrhrtspflege geholfen. Aucb aus erleichterte Gewährung der Kriegswo^lsahrtLpilcge wird Bedacht genommen. Für die Knappschastspeir'Eiotren sind die Landes- behörden zuständig.
Abg. Haase (U. Soz.) weist daraus hm, daß eine öffentliche Frauenversammlung in den (^emtania-Sälen am 11. Oftober in Berlin verboten nwrdcn fei* weil es sich nicht um eine unten die Ausnahmebestimmungen des Olierkommandos in den Marken fallende Wählerversantmlung haichelft und fragt an, ob der Reichskanzler gegen diese Beeinträchtigung des Versammlungsrechts etwas zu tun l>cabsichtigt.
Unterstaatssekretär Lewald: Nach der Bekanntmachung deS Oberkommandos in deir Marken vom 9. Dezember 1914 siird öffentliche Versammlungen politischer Parteien oder diesen gleiw- znachtender Vereinigungen nicht gestattet. Auf Grund dieser Veröffentlichung ist auch die öffentlicl>e Frauenversammlung verboten tvivrtdenü
Abg. Haa se (U. Soy.) wendet sich iit einer weiteren Frage dagegen, daß eine Wählerversammlung des ersten Berliner Äsaljl- itreises der unabhangigeir Sozialdemokraten arufgelöst wordcm


