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Nr. 213

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Erster Blatt

168. Jahrgang

Mittwoch, 16 . Moder 1^18

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Die neue Antwort des Präsidenten Wilson.

mos.) WrvtzeS Hauptynartier, 15. Oktober.

(Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Ru pp recht.

In Flandern hat der Feind seine Angriffe auf breiter Fwnt zwischen Zarres und der Lys wieder anfgenommen. ES gelang ihm. über Unsere vordere Stellung hinaus vor- zuormgen. Gegen Mittag krnn der Kampf in der Linie Korte- nrarf^fttich von Roeselare. das nach hartem Kampf in FeuweSyand ftel. südwestlich von Jsegem und nordöstlich von N«nen zum Suchen. Menen und Wervik wurden gegen ^ürrk Angnffe bebanu^et. Nebergangsversirche des Fei^^es uver vtze Lys bei Komen wurden verci elt. Bei erneuten An- grrfsen am Nachnnttage gingen Handzame und Kvrremark verloren. Starke mir Panzerwagen geführte Angriffe beider- ^rs von Gits scheiterten. Zwischen Jsegem uird Menen rvnnte der Feind am Nachmittage mrr noch wenig Boden gewinnen.

Erfolgreiche Vorfeldkämpfe westlich von Lille und am oauteDeutr-ztzanal. Am Selle-AbSchnitt nördlich von vaussy und St. Soupier scheiterten Teilangriffe des Gegners.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

In dichtem Morgennebel brach der Feind östlich von St.Quennn über die Offe vor und fußte vorübergehend auf den Hpyrn südlich von Mascguigny und nördlich von Origny 2??* Umfaftend angcsetzrer Gegenangriff warf ihir von den vohen auf die Oise wieder zurück. Heftige Teilkämpfe vor der neuen Fwnt nördlich von Laon, westlich der Aisne und im Äi srred ogerr, stwweftlich von Grandpre.

Heeresgruppe Gallwitz.

Zwischen der Aire und der Maas griff der Amerikaner mit garkeu Kräften au. Der Schwerpunkt des Kampfes lag östlich der Aire und beiderseits der von Eharpentry aas Baurhevillc führenden Straße Die teilweise dis zu viermal wlkderholtcu Angriffe erstreckten sich aus örtlichen Gelande- gewiml beiderseits von Romagne und find gescheitert.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Auf den Höhen nordwestlich und nördlich von Nisch fairbeu kleinere Kämpfe statt.

Der Erste Generalauartiermeister Ludeudorff.

*

Der Vbendbericht.

Berlin, 15. Okt., abends. (WTB. Amtlich.)

An der Kampffront in F l a n d e r n setzte der Feind seine Angriffe fort. Er konnte einige Geländeporteile in beschränk­tem Umfange erringen.

Westlich der Maas entschieden sich Teitkämpfe zu unseren Gunsten.

*

Der österreichisch-ungarlsche Tagesbericht.

W i e n, 15. Oktober. (WTB.) Amtlich wird verlautbart:

Italienischer Kriegsschauplatz.

Die E>efecht§täti6kcir war auch gestern ziemlich rege.

Balkan-Kriegsschauplatz.

Das von uns geräumte Durazzo ist von den Ita­lienern besetzt worden.

Die Bewegungen in Albanien und Serbien gehen ohne nernrenswene G-efechrsberül-rung mit dem Gegner vor sich.

Der Chef des Generalstabs.

Unerwartet schnell hat die neue Antwort Wilsons c dre letzte deutsche Note unsere Regierung vor eine weitere i halts.chwere Entscheidung gestellt. Wer damit gerechnet hat -vuson sei doch vielleicht ein ehrlicher Idealist des Frieder er sei unabhängig von den Zerschmetterungspolitikern London und Paris und werde nach so rückhaltloser, ihm w entgegenkommender Beantwortung seiner Fragen nunme der hoffnungsvollen Welt das erste Signal einer nahendt schöneren Zeit geben, der hat sch gründlich getäuscht. D vorliegende Antwort aus Washingtou erscheint uns noch c ein lehr feindseliges Aktenstück, voll von Anschuldigungc neuen, unbestimmten Forderungen und gänzlich kder mr - gendwelchem Entgegenkommen. Wilson läßt uns in neue Ä gründe blicken, die noch zwischen uns und dem Fried liegen, und es scheint beinahe, als wolle er nv*. .urückschreckc auf die halsbrecherische Friedensbrücke xu steigen. Das wür chm, wie er zu meinen scheint, einige Verlegenheit ersparc Denn er glaubt wohl, wie seine Bundesgenossen in Engla und Frankreich, daß Foch auf schnellem Siegesmarsch sei, N daß dann ein Friedensdiktat ein leichterer und vorteilhafte! Abschluß wäre als eine Verständigung. Sch n e l l hat er u die -neue Note seiner Staatskunst geschickt, das muß man < asben, aber von eineraufrichtigen und gradsinniae^ AiMiwrt ist keine Rede. Die Räumung genügt aus einm ntck)t mehr W l.on besteht anfncch weit r.-Jt Zx ierunaeu, i oie militärische Ueberlegenheit unserer Gegner bis in d

Frieden hinein festhatten sotten. Was das ist, darüber schweigt er sich aus. Wir können auch schwerlick) mit ihm darüber ernst­lich weiter verhandeln, denn er verweist ja selbst darauf, daß die Entscheidung den militärischen Autoritälen zustehe. Dagegen kommt er mit zahlreichen Beschwerden und Vor­haltungen. Als ob unsere Wehrmacht zu Wasser und zu Lande heute schon atter kriegsmäßigen Handlungen ent­sagen müßte! Daß wir eben noch im Kriege leben, der seine rauhen Seiten nun einmal hat, daß wir in nnserem Existenzkampf kein im Kriege erlaubtes Mittel aus der Hand geben dürfen, das will dieser Idealist" nicht wahrhabcn. Und dann die rätsechafte, unklare Andeutung, daß wir uns noch weiter ins eigene schuldige Fleisch schneiden müßten, wenn wir wollten, daß mit uns über Frieden verhandelt werden könnte das alles läßt die Hoffnungen auf baldigen Frieden arg sinken. Unsere Regie­rung steht vor schweren Entschlüssen, denen wir nicht vor­greisen können. Wir erblicken in der amerikanischen Ant­wort lediglich eine Ernmntcrung, auf ganz ungewisse Zu­kunft bei der Zerstörung alles dessen, was bei uns bisher noch etwas galt, zur Freude der Gegner fortzufahren.

Die Antwort Wilsons auf die -rutsche Note

vom 12 . ®!iöBcr.

Washington, 14. Oft. (Nichtamtlich.) Reutermeh- düng. Der Staatssekretär hat heute nachmittag dem interimistischen Geschäftsträger der Schweiz und dem Ver­treter der deutschen Interessen in den Vereinigten Staaten folgende Note bekannt gegeben:

Staatsdepartement, den 14. Oktober.

Mein Herr!

In Beantwortung der Mitteilung der deutschen Regie­rung vom 12. Oktober, welche Sie mir heute übergeben ha­ben, habe ich die Ehre, Sie um di- Uebermittlung folgender Antwort zu ersuchen: Die uneingeschränkte Annahme der vom Präsidenten der Vereinigten Staaten in seiner Botschaft an den Kongreß der Ver. Staaten vom 8. Januar 1918 und in seinen folgenden Botschaften niedergelegten Bedingungen sei­tens der jetzigen deutschen Regierung und einer großen Mehr­heit des Deutschen Reichstages berechtigt den Präsidenten, eine offene und direkte Erklärung seiner Entschlüsse hinsicht­lich der Mitteilungen der deutschen Regierung vom 5. und 12. Oktober 1918 abzugeben. Es inuß Klarheit darüber be­stehen, daß die Durchführung der Räumung und die Bedin­gungen eines Waffenstillstandes Angelegenheiten sind, welche dem Urteil und dem Rat der militärischen Berater der Regierung der Vereinigten Staaten und der Alliierten überlassen werden müssen, und der Präsi­dent fühlt sich verpflichtet, zu erklären, daß keine Regelung von der Regierung der Bereinigten Staaten angenommen werden kann, die nicht völlig befriedigende Sicherheiten und Bürgschaften für die Fortdauer der gegen­wärtigen militärischen Ueberlegenheit der Armeen der Vereinigten Staaten und der Alliierte an der Front schasst. Er hat das Vertrauen, daß er als sicher annehmen kann, daß dies auch das Urteil und die Entscheidung der alliierten Regierungen sein wird. Der Präsident hält es auch für seine Pflicht, binzuzusügen, daß weder die Regierung der Ver­einigten Staaten noch er dessen ganz sicher sind, daß die Regierungen, mit denen die Vereinigten Staaten als Kriegführende assoziiert sind, einwilligen wer­den, einen Waffenstittstcrnd in Erwägung zu ziehen, solange die deutschen Streitkräfte fort­fahren, die ungesetzlichen uno unmenschlichen Taktiken auszuüben, bei denen sie noch beharren. Zu derselben Zeit, wo die deutsche Negierung an die Regierung der Vereinigten Staaten mit Friedensvorschlägen herantritt, sind ihre U- Boote damit beschäftigt, auf der See Passagierschiffe zu versenken und nicht nur die Schiffe, sondern auch die Boote, in denen ihre Passagiere und Besatzungen versuchen, sich in Sicherheit zu bringen. Die deutschen Armeen schlagen bei ihrem jetzigen erzwungenen Rückzuge aus Flandern und Frankreich einen Weg mutwilliger Zerstörung ein, der immer als direkte Verletzung der Regeln und Gebräuche der zivilisierten Kriegführung betrachtet wurde. Die Städte und Dörfer, wenn sie nicht zerstövt sind, sind von allem, was sie enthalten, oft sogar ihrer Einwohner beraubt. Es kann nicht erwartet werden, daß die gegen Deutschland assoziierten Nanonen einem Waffenstillstände zustimmen werden, so­lange die unmenschlichen Handlungen, Plünderungen und Verwüstungen fortgesetzt werden, aus die sie mit Recht mit Schrecken und empörtem Herren Hinblicken. Es ist auch notwerrdig, damit keine Mögirchkeit eines Mißverständirisses entstehen kann, daß der Präsident mit großem Nachvrnck (Voiy solemuly) die Aufmerksamkeit der Regierung Deutsch­lands auf die Fassungen und die klare^Absiiht (to the language and plain intend) einer der Friedensbedingungen lenkt, welche die deutsche Regierung jetzt angenommen hat. Sie ist enthalten in der Botschaft des Präsidenten, die er am 4. Juli d. I. in Mount Bernon verkündet hat. Sie lautet wie folgt:Die Vernichtung jeder wittlürlichen Macht überall, die für sich, geheim und nach eigenem Belieben den Frieden der Welt stören kann, oder, wenn sie jetzt nicht vernichtet werden kann, mnrdeftens ihrer Herabminberung zu tatsäch­lichem Unvermögen und (folgt eine Telegrammverstüm- melung). Die Wtackt, welche bisher die deutsche Nation be­herrscht (controUed) hat, ist von der Art, wie sie hier be­

schrieben wird. Die deuffche Nation hat die Wahl, dies zu ändern."

Die eben erwähnten Worte des Präsidenten bilden na­türlich eine Bedingung, die vor dem Frieden erfüllt werden muß, wenn der Friede durch das Vorgehen (by the action) des deutschen Volkes selbst kommen soll. Der Präsident hält sich für verpflichtet, zu erklären, daß die ganze Durchführung des Friedens seiner Ansicht nach von der Bestimmtheit und dem befriedigenden Eharakter der Bürgschaften abhangen wird, welche in dieser grundlegenden Frage gegeben werden können.

Es ist unumgänglich, daß die gegen Deutschland asso­ziierten Negierungen unzweideutig wissen, mit wem sie ver­handeln.

Der Präsident wird eine besondere Antwort an die kaiserlich-königliche Regierung in Oesterreich absenden.

Empfangen Sie, mein Herr, die erneute Versicherung meiner Hochschätzung.

Robert Lansing.

Erklärung derRordd. Allgem. Ztg."

Die Amwort des Präsidenten Wilson i]t, wie dieN o rddi. Allgem. Ztg." schreibt, früher als man ermattet hatte, enr-

r rossen. Sie flihtt die Diskussion teils weiter, teils erweimck sie. Es wird also eine neue GecixmäußeiNlNg der deutschen Re­gierung notwendig werden, so daß das Ziel der Aussprache, dre Herbeiführung eines Dafsenst'.llstandes und die Einleitung von Ftteduisverhandluug-m, noch nicht sofort zu erreichen sind. Dre Ausstellung des Prinzips ist neu, daß die durch drs Räumung zu schassende Lage die heutige Militär is che Ü e b e r - legenhert der Enente unangelastet lassen müsst. Im Zusammen­hang mit dieser Frage erhebt die Note gegen die deutsche Krieg­führung den Vorwurf der Ungesetzlichkeit und beschuldigt sie wr- vvenschlrcher Handlungen. Ter Vorwurf ist mrbcrechttgt and über­sieht zum mindesten die militättschen NotwendigkeitOr, unter dere^ Zwang die deutsche Heeresleitung, handelt, solange nrcht dre Ein­stellung der Feindseligkeiten erreicht ist. Tie deutsche Mgstrrmgi hat die Hand dazu geboten, um die Leiden zu mindern würden Ver­wüstungen des Krieges überhaupt Einhalt zu bieten. Es ist also kininllig, ihr die alleinige Schuld an dem jetzigen gewiß be-, dauernsnrerten Zustand der bewohnten ^Kampfzone zuzum-ffen^ Tie Beantwortung der amettkanischm Note erforvert eingehend« Beratungen. Dabei ivird die deutsche Regierung sich weiter von dem Geiste der VersöhnliclMt und dem Wunsche nach Beendigung des Blutvergießens leiten lassen und so ihren Entschluß unter Wahrung der Interessen des deutschen Volkes fassen.

Weitere Preffeftimmen.

i. Köln, 16. Okt. sTrahtnachrü DieKöln. Ztg." schreibt zu Wilsons Antwott: Sowie der Wottlaut der Antwott ein- getrosfen ist, wird sie im Reichstag nach allen Seiten beleuchtet werden, und man darf annehmen, das; nun ihrerseits unsere Regierung einmal eine der Fragen an Herrn Wilson stellen und ihn bitten wird, sich in aller Deutlichkeit darüber auszusprechen, was er denn eigentlich will. Die Hoffnung aber, daß Unterhand­lungen mir diesem Manne den Ftteden näher bringen werden, muß nach der Antwortnote zurückgestellt werden.

DieKöln. VolkSztg." sagt: Die Note ist deratt, daß wir Deutschen unsere Hoffmmg^aus einen nahen Rechtsflaeden ohne De- mütigrlng unseres Volkes stark herabsetzen müssen. Man scheint ja in Washington die Verhandlungen oder den Notenaustausch sott- sttzen zu wollen, alrer unter Bedingungen, die zum mindesten unserer Regierung die Fottsttzung der Verhandlungen aufs äußerste erschweren. Wir müssen es unserer Regierung überlassen, wie sie sich dazu stellt und was sie glaubt, verantworten zu können.

TieV o s s. Z t g." sagt: Die deutsche Regierung hat um Ent­sendung einer gemischten Kommission gebeten, um über den Waf­fenstillstand zu verhandeln. Statt hierauf einzugchen, leitet Prä­sident iSWfbit eine Diskussion über gesetzwidrige unmenschliche Handlungen ein, die angeblich von den deutschen Truppen vorge­nommen sein sollen. Ten praktischen Zweck der Förderung mid Beschleunigung des WaffenstiNstandes und des Friedens kann der Präsident mit dieser Methode nicht verfolgen. Er scheint vielmehr die Absicht zu haben, die Diskussion in die Länge zu ziehen, uni die müitärische Ueberlegenheit der Entente, von der er spricht, noch weiter auszugestalten.

Unter der UeberschsttftRechktsftiede oder Gewaltfttede" fühtt dieMorgen post" aus: V r haben lange gezögett, Herrn Wilson unser Vettrauen zu schenken. Liber schließlich haben wir es getan in dem Glauben, daß es wirklich ein Rechtsftiede sei. den er vermitteln wolle. In der Tat aber ist das, .was er uns mit seiner neuesten Aävde zumutet, nicht die Grundlage, auf der ein Rechtsftiede ausgebaut werden kann, sondern es sind die Vor- bedingu7lgen für einen Getoaltffieden.

ImBer l. Ta ge bl." heißt es: Deutschland hat die Ent­sagung gezeigt, die bei schvachen Völkern den Tadel der Ge­schichte zu erwarten hätte, die aber in Zukunft unser sicher starkes Volk nicht zu ernicdttgen vermag. Wie aber steht es bei denen, die alles Erreichbare erreichen könnten und die in entfesselter Triumphlust es dahin treiben, daß noch Tausende am Wege verschmachten, nock) Huirdetttausende fallen müssen?

Aenderung der ReichSverfassnng bei Entscheidung über Krieg und Frieden.

Berlin, 15. Okt. (WTB. bftchtaulllich.) Der Bundes rat stimmte l>eute voriniltag einein Gesetzentivur. .ur ?löänd rung des Artikels 11 der Reichs Verfassung zw Absatz - des Artikels wird dalün abgt'mrdett: Zur Erklärung des Krieges im Na­men des Reiches ist die.Zustimmung des Bundesrates und des Reichstages erforderlich, es sei denn, daß ein dbngttff auf das Bundesgebiet oder dessen Küsten erfolgt, Ab­satz 3 wird zu folgender Bestimmung ergänzt: Redervn-ttäge mit fremden Staaten, welche sich aus Gegenstände der R'?ichsgesetz- gebung beziehen, bedürfen der Zustimmung des Bundesrat^ imh des Reichstages. Damit ist die volle Mitwirkung der Volksvertre­tung bei den Entscheidungen über Krieg und Frühen gesichert.