Nr. 259 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Freitag. \\. Oktober 1918
Der türkische Umschwung.
Don beuti'i^türfifcfet Seite wird uns geschrieben:
Ter Ministerwcichsel in Konstantinopel ist so wenig die .innere Katastrophe", wie es der Kanzlergvechsel in Deutschland Uxrr. Dalaat und Enver gehen, um il-rem Vaterlande den Weg ziun Frieden freizumchvn Gvoßrmsir Talaat Pascha, der noch im September in Berlin iveilte, l^at den FriedensschirAt gegenüber Wilson mitg-etan, ist aber beim entschlossen zurückgetreten, weil er fühlt und weis;, daß seine machtvolle Persönlichkeit in den Augen der Kriegsgegner einen Stein des Anstoßes, einen Hinderungs- grund für die Verständigung bedeuten könnte. In derselben Lage besindet sichl Enver Pascha als Kriegs minister und Vizegencva- lissimus. Sein Bleiben wäre als Ents-Muß, den Krieg in jedem Falle sortzu setzen, ausgrdeulet worden. Was die beiden Männer ijrem Lande und der Lach»- der Mittelmächte geleistet haben, wird die spätere Geschichtsschreibung seststellen. Ter Augenblick verlangt von ihnen das persönlich' Opfer des Rücktritts und sie haben es schiveig-end gebracht. Was nun das neue Kabinett anbelangt. so wäre es falsch und töricht, zu sagen, es sei ein Ministerium zur Anzettelung des Verrats an die Entente nach dem Vorbilde Bulgariens. Das ist zweifellos nicht der Fall. T ew s i k Pascha ist ein viel zu ehrlicher Patriot, um sich auf diese schiefe Ebene zu begeben. Er sollte schon einmal ^das Grostwesi- rat übernehmen, nänilich von sechs Jahren, im Lämmer 101^; er war damals türkischer Botschafter in London. Er stellte aber damals so strenge Bedingungen: Llufhebnng der letzten Wahlen, Deseitiglmg ides BelagernngsMstmrdes, ^ Amnestie, Ungülttg- machuug gewisser provisorischer Gesetze usw., daß das Kabinett nicht zustande kam und Ahmed Mukhtar Pascha Großwesir ivurde. Welches Programm Dewftk diesmal anfftellt, wird sich nock) erweisen. Sicherlich wird es ein Progranim der nationalen Samm- luiig und des Friedenswillens ohne jeden Gedanken des Verrats an den Mittelmächten sein. Sollte Ahmed Riza, wie es heißt, Minister des Aeußern werden, so wird dieser Staatsmann trotz seiner.französischen Beziehungen — er lebte lange Jahre als Verbannter'in Paris — keine Ententepolitik treiben, sondern such ans die Plattform Tewsi'ks stellen. ..
Für die Deutschsvsnndlichkeit des neuen türkischen Kabinetts bürgt aber vor allem- die Person des Kriegsministers Jzzet Pascha. I z z c t Pascha ist seiner ganzen Ausbildung und Laufbahn nach ein Tentschtürke. Anfang der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts kam er zum ersten Male als türkischer Genevalstabs-' offizier mich Deutschland. Den Kasseler Husaren zugeteilt, erfaßte er schiell und scharf die Eigentümlichkeit der von der türkischen verschiedeiien deutschen Dienstauffassung und wußte deren Vorteile in seiner späteren heimatlichen Wirksamkeit glänzend» zu verwerten. Er wird auch in der jetzigen ernsten Lage deutsche militärisch? Tugenden in der Armee des Sultans durchzusetzen > wissen Im tt'crkischen Offizierskorps wird er der „König voni d)emen" genannt, weil er es unter unglaublichen Schwierigkeiten seiner Zeit fertiggebracht hatte. Beruhigung in das Avabertnm zu tragen. Mit dem deutschen Kaiser ist Jtzzat Pascha durch ein besonders freundsckwftliches Verhältnis verbunden. Ms er einst dem .Hasse seines Namensvetters, des ziveiten Sekretärs Abdul Hamids, Avab Jzzet Paschas zum Opfer gefallen, in Damaskus verbannt .weilte, traf ihn dort Kaiser Wilhelm auf der Orientteise und erwirkte seine Ernenmrng zum Oberst. Weitere Ehrungen, besonders bei Manövern in Deutschland, folgten. Geistig außerordentlich rege, hat Jzzet Pascha stets die geistige Verbindung mit seinen deutschen Freunden aufrecht erhalten. Sein organisatorisches Talent hat im Kriege die höchste Ausbildung erfahren. Im Bewältigen großer Arbeitslast ist Jzzet Meister. Soweit man auch unter den führenden militärischen Köpfen der Türkei Musterung halten mag, als Nachfolger des schier unersetzlich scheinenden Enver könnte wirklich kein Besserer in Betracht kommen als Jzzet. Er wird der miltärische Fels sein, der standhält, wie hoch auch die politischen Wogen in der Türkei zur Zeit anbranden. Ern Zusammenbruch wie in Bulgarien erscheint ausgeschlossen, wenn Jtzzet Pascha die Zügel der Landesverteidigung in Händen hält. Gerade von diesem Gesichtspunkt aus erscheint der Umschwung in der Türkei für die Lage der Mittelmächte durchaus nicht bedrohlich, sondern beruhigend und hoffnungsvoll.
Au» Stadt und Land.
Gießen, den 11.Oktober 1918. Preiswucher mit Schuhwerk.
Vielfach hört man Klagen, daß Lederschuhwerk nicht mehr unter 60,— Mk. oder 70,— Mk. zu haben wäre. Es ist zweifellos, daß diese Preise oft gefordert werden. Sofern es sich nicht um Maßschuhwerk handelt, sind diese Forderungen aber immer eine Ueberschreitung der vorgeschriebenen Preise. Diese betragen bis auf weiteres für fabrikmäßig hergeftellte Schuhwaren mit dem Stempel ,.September 1918" oder dem eines späteren Monats bei bester Ausführung, auf Rahmen genäht, für Herrenstiefel höchstens 48,— Mk. für Tamenstiefel höchstens 44,— Mk., und für Dameitt .Halbschuhe 38,— Mk.. Für mittlere und geringere Fabrikate sind die Preise erheblich billiger, sie gehen bei Herrenstiefeln bis zu 25.— Mk., bei Tamenstiefeln bis zu 22,— Mk. und bei Damen- Halbschuhen bis zu 18,— Mk. herunter.
Die Preise müssen den Schuhwaren auf der Sohle oder im Schaftfutter aufgestempelt sein. Fehlt dieser Stempel, so ist er unrechtmäßig entfernt, zeigt er einen höheren Preis, als er nach den oben gemachten Angaden möglich erscheint, so ist die Stempelung gefälscht. Wer Stempel unkenntlich macht oder fälscht, oder Schuhe zu einem höheren als dem festgesetzten Preise verkauft oder aubietet, wird mft Gefängnis bis zu 6 Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 10000,— Mk., ferner mit Einziehung der Ware bestraft. Außerdem ist Schließung des Geschäfts zu gewärtigen.
Dieser Preiswucher findet sich hauptsächlich im Säst eichhandel, der sich durch gefälschte Schuhbedarfsscheine oder auf anderen Wegen Schuhwaren zu verschaffen weiß, die ausgezeichneten Preise entfernt und die Schuhwaren alsdann unter der Hand mit Zuschlägen von 100 und mehr Prozent weiter verkauft. Eine große Schuld an diesem Preiswucher trägt auch ein Teil der Bevölkerung, die in dem Bestreben, sich mit Lederschuhwerk einzudecken, zur Bezahlung jedes Preises bereit ist. Zumeist sind es nicht einmal diejenigen Kreise, die zur Ausübung ihres Erwerbes oder Berufes auf Leder- schuhwetk angewiesen sind.
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L. U. Von der Landes-Universität. Tie erste feierliche Immatrikulation für das Wintersemester findet morgen Samstag 12 Uhr pünktlich im Vorlesungsgebäude statt.
** K r i e g s r o h st o f f g e s e tz e. Zu der vom Kriegsamt nach dem Stande vom 1. Januar 1918 neubearbeiteten Zusammenstellung von Gesetzen, Bekanntmachungen und Verfügungen betr. .Kriegsrohstoffe nebst deren Nachttägen, Aussührunasbestimmungen und Erläuterungen ist das 4. E rgän zungs blatt nach dem Stande vom 1. September 1918 erschienen. Dieses Ergänzungsblatt wird den Beziehern der Zusammenstellung ohne Anfordern kostenfrei nachgeliefert. Sollte die Nachlieferung uicht erfolgen, so ist dasselbe bei der Stelle anzufordern, durch welche die Zusammenstellung bezogen worden ist. Neue Bezieher können die Zusammenstellung zum Preise von Mk. 1, — (einschließlich der Ergän zun gs- blätterl von der zuständigen Kriegs amtstelle, mit Ausnahme von Metz, Düsseldorf und den Kriegsamtnebenstellen, erhalten.
** Mißbrauch der P orto fre i he i t. Briefe und Postkarten, die von Heeresangehörigen abgesandt werden, dürfen nurj dann mit den Vermerken „Feldpost", „Feldpostbrief" oder „Feldpostkarte" versehen werden, wenn sie Privatangelegenheiten des! als Absender bezeichneten Heeresangehörigen betreffen und voui diesem allein lp-rrühren. Unterschriften oder schriftliche kurze Zusätze, Grüße oder sonstige Mitteilungen von Zivilpersonen dürfen! solche Feldpostbriefsendungen nicht enthalten, sonst iverden sie portopflichtig. Ebensowenig werden Postkarten usw. von Zivilpersonen an Zivilperson-r dadurch portofreie Feldpostsendungen, daß HeereS- onoehörige s: mituuterschreibeu oder mit Zusätzen versehen und
inh ah Absender mit ihrer militärischen Adresse darauf bezeichnen. Eine solche gemeinsame Inanspruchnahme der Feldpostporwfreiheitj
^irch Zivil- und Militärpersonen ist strafbar, selbst wenn solche usw. von Familienangehörigen der Militärpersonen mit- unterfdjrie&ert Tie Postanstalten sind stteng angewiesen, jeden solchen Fall zwecks Bestrafung der beteiligten Personen zur An- zerge zu bringen. Es wird deshalb vor jeder unberechtigten Anwen- dung des Vermerks „Feldpost" erneut gewarnt
* Die rechte Antwort. Wttson hat — um die „Freihettsanleihe" bescnrders erfolgreich zu gestalten — den Tag der Etttdeckung Amerikas, den 12. Oktober, zum Na- tronalfeiertag erklärt. La Mn auch wir diesen Tag im Jnter- esse unserer Anleche nicht unbemerkt vorüb-ergehen; zeichnen wir gerade an diesem Tage besonders eifrig unsere Anleche, um Wilsons Absichten gegen ihn zu nußen.
Landkreis Gießen.
** Ullendorf, 9. Okt. Ter Landsturmmann Ludwig Putz, r- ot ul Bessarabien, erhielt noch nachträglich das Eiserne Kreuz 2. Klasse und das Verwundcten-.Mzeichen von den Schlachten in Galizien von 1915.
Kreis Friedberg.
nt. Friedberg, 9.Okt. Tie Friedberger Neue Tageszettung berichtet: Die Aufdeckung der GeheimsMächterei in Bad-9ianheim wird fortgesetzt in der Presse besprochen. Wir können versichern, daß von zuständiger Seite alles getan wird, um die Mißstände zu befcttigen. Es liegt duvchmrs kein Grund M der Mnahine vor, daß mit zweierlei Maß gemessen werde und etwa die dortigen, cÄ?s und Sanatorien ecne Bevorzugung genießen. T-ie Untersuchung wird gogenwättig von dem zuständigen Geriche geführt; sobald diese beendet ist, wird sich die Verwaltungsbehörde mit dieser Angelegenheit beschäftigen und wettere Maßnahmen treffen.
Grotzez ist vollbracht
in eisernen Jahren. Unsterbliches haben unsere Heerführer mit ihren Heläen- -scharen erreicht. Uber auch wir müssen unser Deutschtum
-urch Taten beweisen!
Das ist unsere Losung, vor Erfolg der Krfcfls- llnlethe ist ein Schritt näher zumEnäsieg.
Wir müssen opfern können!
Letzte Nachrichten.
Dev neueste verteilt der Heeresleitung.
(WTB.) Großes Hauptquartier, 11. Okwber. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Südwestlich von Douai setzte der Feind zum Angriff gegen den Tringuige-Abschnitt südlich der Straße an. Kanadische Mgimenter, die über Sailly hinaus vorzubrechen versuchten, wurden unter schweren Verlusten zurückgeworfen.
An der Schlachtfwnt östlich von Eamürm und St. Quentin sind starke Angriffe des Feindes gegen unsere neuen Stellungen und ihre im Vorgelände belassenen Vorttuppen gescheitert. Der F.'irid stand am Abend etiva in Linie Naves— St. Daast—auf den Höhen westlich von Seiesnes—Le Chateau—westlich der Linie Souplet—Vaux—Aubigny—Eissn- ville—auf dem Westufer der Oise zwischen Origny und La Fere. Teilangriffe des Gegners bei Berry-au-Bac, an der Aisne und der Suippes mrd Arne wurden abgewiesen. Zwischen St. Etienne und der Aisne haben wir unsere Truppen in rückwärtige Linien beiLerseits von Grandpre auf das Norduser der Airc planmäßig vom Feir.de ungestört zurückgenommen. Auf dem westlichen Maasu'rr setzte der Feind erneut zu starken vergeblichen Angriffen beiderseits der Straße Cl/arpentry—Romagne un.
Aus dem östllchcn Mansufer griff der Amerikaner tagsüber mit starken Kräften Sivry — Haumont an. Truppen badischer, sächsischer, rheinischer und österreichisch-ungarischer Regimenter schlugen in hartem Kampse alle Angriffe des Feindes ab. Das österreichisch-ungarische Regiment Nr. 5 unter seinem Kommandeur Oberstieutnant Popelka zeichnete sich hierbei besonders aus.
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Im Monat September wurden an der Westfront 773 feindliche Flugzeuge, davon 125 durch Flugabwehrkanonen, und 95 Fesselballone vernichtet. Hiervon sind 450 Flugzeuge in unserem Besitz, der Rest ist jenseits der feindlichen Linien erkennbar abgestür . . Trotz der vielfach großen zollmäßigen Ueberlegenheit des G'gners haben wir im Kampf nur 107 Flugzeuge verloren. Der erfolgreiche Kaurpf iu der Luft sucht die Grundlage für das tatkräftige Eingreifen un'erer Flieger bei dem Kampf auf der durch Aufklärung bei Tag uild bei Nacht, durch, Bombenangriffe militärisch-wichtiger Zie^e im feindliche?! Hinlerla?'.de. Den Angriff mls dem Schlachtfe.de mit Maschinengewehren und Wurftninen haben die Infanterie und Artillerie überall wirksam unterstützt. Trotz hartnäckiger Angrifft des Feindes auf unsere Fesselballone, bei denen wir 103 einbüßten, konnte der Gegner unsere sich rücksichtslos einsetzenden Beobachter an ihrer erfolgreichen Tätigkeit nicht hindern.
Südlicher Kriegsschauplatz.
Aus dem südöstlichen Kriegsschauplatz neu eingetroffene Truppen stehen in der Gegend südlich Nisch in Gefechtsfühlung mit Serben und Franzosen.
Der Erste Grneralguartiermeister Ludendorff.
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Sitzung des Reichstags.
Berlin, 11. Okt. (WTB. 9cicht<cmtlich.) Die nächste Sitzung des Reichstags findet am Mittwoch dem 16. Okwber, michmtttags 1 Uhr statt.
Abg. Haußmann Staatssekretär.
Berlin, 11. Okt. Wie die „Nordd. Mg. Ztg." aus parlamentarischen Kreisen erfährt, entspricht es nicht den Tatsachen, daß der fortschrittliche Reichstagsabgeordnete Hausmann für einen, wichtigen diplomatischen Außenposten in Aussicht genommen sei, vielmehr sei beabsichtigt, die Stelle eines vierten Staatssekretärs ohne Portefenitlle zu schaffen, die der geordnete Hausmann übernehmen werde.
Die Antwort Wilsons.
Berlin, 11. Okt. Nach dem „Berl. Lokalänzeiger" stellt heute die ..Züricher Zeitung" fest, daß die an den schweizerischen Ge- fchäftsträger in Washingwn übermittelte Antwort Wilsons an Teutschland noch nicht im Bnndesliau^ in Bern eingettoffen/ ist. Es habe daher noch nicht die Möglichkeit bestanden, festzustellen.
^gegangene Uebermittlung in allen Punkten dem authentischen Text entspricht.
uhu uic rnnkiluliospcirsel.
. . <I ^ cr 1!- Okt. Laut Teutscher Zeitung- drahrett v. Zit» n f Ostpreußischen Landes verein der Vaterlands Partei:
ttiuer ttmid, alle PaNeilich.nngen umfaßt, handelt auch in onier engten stunde nur lii>nscäueltt, wenn erjedeRegierung, vw n a t i o n a l e Verteidigung lettet, in dieser vornehmsten Ausgabe mit allen Kräften unterstützt.
Die Gründe des bulgarischen Abfalls.
La*In, n Okt. Der langjährige Korrespondent der nolnftcyen Zettung in Sofia erklärt in längeren Aussührnn.- gen über Das lbulgaoische Drama., daß bie altKuhäufigen Frie- densichrrtte in Deutschland das Vertrauen in den Sieg des Bierbundes erschüttert hätten. Einige der letzten Reden waren so wenig aus die begründeten Erwartungen der Bulgaren zu- geschnitten, daß sie geradezu wie Scheidewasser wirkten. Durch deir amerikanischen Generalkonsul in Sofia waren an Bul- garien mehrere Angebote geniackit worden. Er hatte die bul- garischeii -lnttvortcn weitergegeben und man war zu dein anscheinend stillschweigenden Abkommeii gelangt, daß Bul- Niederlegung der Waffen nicht eine ge- uns Teile Mazedoniens und der Dv- boudscha verlieren werde und Gewißheit der Unversehrtheit fttnes Gebietes, wie es vor dem Kriege war, erhalten werde. Der König trat zurück, weil er das Land vor einein Bürger- ^rege bewahren nwllte. Mehrere westlich des Wardar stehende Diviswnen weigerten sich, als der Waffenstillstand verhandelt wurde, sich zu unterwerftn und sollen nunmehr krirgs- gefangen werden.
Für Deine Kinder
sparst Du, Deinem Volke hilfst Du, wenn Du Kriegsaiileihe zeichnest. Die^ beste Form, in der Du für die Ausstattung Deiner Kinder sorgen kannst, ist die hochverzinsliche Kriegsanleihe; die leichteste Form, in der Du es tun kannst, ist unsere „Kriegsanleihe-Versicherung". Für 1000 M. Zeichnung beträgt der jährliche Beitrag nur .50 bis 60 Rk.; 15 Pf. int Tag. 15 Pf. im Tag für Deiner Kinder, des Reiches, unserer aller Zukunft!
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Amtlicher Teil.
Bekanntmachung.
Betr.: Rechtsmittel gegen die Geineindesteuerveranlagung für 1918.
Auf Grund der Art. 46 und 50 des Gemeindeumlagengesetzes vom 8. Juli 1911 hat Großherzogliches Ministerium der Finanzen, Abteilung für Steuerivcsen, die Frist, innerhalb deren Rechtsmittel gegen die GeTneindesteUerveranlagung für 1918 bei der ersten Instanz anhängig gemacht tverden können, für die nuten ver^eickm^ten Gemeinden bis-zu dem dort angegebenen Tag eut* schließlich erstreckt.
Ausgenommen von der Fristerstreckung sind diejenigen :lleckts- mittel, die das für die staatlich: Veranlagung bereits rechtsttäsiig festgestellte Einkommen zum Gegenstand lmben.
Dies wird hiernrit zur öffentlichen Kennttris gebracht.
Gießen, den 10. Oktober 1916.
Großherziogliches Finanzamt Gießen.
I. V.: Franz.
Letzter Dag der Frist: Treis a. d. Lda. 5. Oktober, Burkhardsfelden und Hausen 6. Oktober, Armerod 14. Oktober. Rödgen 15. Oktober, Leihgesterir und Steinbach 18. Okwber. Grüningen 21. Oktober, Alterr-Buseck 22. Okwber, Oppenrod 27. Oktober. Trohe 28. Oktober. 7638O
Bekanntmachung
die Abgabe der Steuererklärungen für die außerordentliche Kriegs, abgabe 1918 nach dem Reichsgesetz vom 26. Juli 1918.
1. Für Einzelpersonen wird die Kriegsabgabe vom Vermögen von dein nach den Vorschriften des Besitzsteuergesetzes auf den 31. Dezember 1916 festg:stellten Vermögen erhoben. Einer neuen Erllärung bedarf es hierzu nicht. Das Vernrögen ist jedoch auj den 31. Dezember 1917 besonders festzuNellen,
3) wenn eine Vermögensfeststellung auf den 31. Dezember 1916 nicht stattgesunden l>atte, odcw
b) wenn sich das'Vermögen nach dem 31. Dezember 1916 durch Erbaniall, durch Lolnr-, Fideikommiß- oder Stammgutanfall, infolge Vermächttnsses oder aus andere Weise aus dem 9?ach^ laß eines Verstorbenen von Todes wegen, ferner durch Schen- kuirg oder durch eine sonstige ohne entsprechende Gegenleistung erhaltene Zuwendung um mehr als 5000 Mark 'vermehrt hat.
In diesen beiden Fällen haben die Abgabepflichtigen, soweit sie ein Vermögen von 100000 Mark besitzen, eine Vermögens, anzeige abzugebeu. (§ 34 Abs. 1 des Ges.)
2. Weiter sind nach § 34 Abs. 2 die Vorstände, persönlich lastenden Gesellschafter, Repräsentanten, Geschüftsführcr oder Limi- dawven der abgabepslichtigen Gesellschaften, bei ausländischen Ge. sellschaften die Vorsteher der inländischen Niederlassungen verpftich. tet, der Steuerbehörde eine Steuererklärung einzureichen. ivetche die für die Feststellung des abgabepflichtigen Mehrgewinns aus dem vierten Kriegsgeschäftsjahr erforderlichen Angaben zu enthalten hat.
3. Die hiernach Ve-rpslichteten werden aufgefordert, die Erklärungen in der Zeit vom 16. bis 3 1. Oktober 1918 bei der Unterzeichneten Stelle abz^ngeben. Zu den Erklärungen ist der porgeschriebene, von dem Finanzamt zu beziehende Vordruck zu verwenden.
4. Wer die Frist zur Abgabe der Steuererllärung versäumt, ist nach 8 54 des Besitzsteuergesetzes mit Geldstrafe bis zu 500 Mark zu der Abgabe anMhalten: auch hat er einen Zuschlag von 5 bis 10 v. H. der geschuldeten Steuer verwirkt.
5. Wissentlich umächtige oder unvollständige Angaben in der Steuererllärung durch einen dll>gabepslichtigen oder seinen Ver- tteter sind in den §§ 33—35 des Kriegssteuergesetzes vom 21. Jüni 1916 mit Geldstrafen bis zum Fünfsack^en der gesalwdeten dlbgabr und gegebenenfalls mit Gefängnis bis zu 1 Jahr und mit dem Verlust der bürgerlichen Elirenrechte bedroht. Das Vergehen der Abgabegesährdung ist auch dann vollendet, wenn es der Abgabe pflichtige unterläßt, eine bereits abgegebene unrichtige oder uu vollständige Steuererklärung (über Einkommen oder Vermögend aus Gvnnd dereri die jetzige Veranlagung der .Knegsabgabe vom Mehreinkommen und Vermögen zu erfolgen hat, der Behörde .gegen, über zu berichttgeN oder zu vervollständigen.
6. Tie Emsendung der Erlläning durch die Post ist zulässig, geschieht aber auf Gefahr des Einsenders und deshalb zwt'ckmäßtg mit Einschreibebrief.
Gießen/Butzbach/Grünberg'Hungen, den 10. Oktober 1918.
Tie Großlierzoglicheti Finanzäntter. 7648O
Gießen. Butzbach. 6)rünberg. Hungen
J.K.: Franz. Flath. Menzel. Matz.


